Lehrplan 21

Im Dezember 2013 hat die FVS zu jenen Themen im Entwurf des Deutschschweizer Lehrplans 21 (LP21), welche die Interessen der Konfessionsfreien betreffen, ausführlich Stellung bezogen. Rückmeldungen, Kritik und Vorschläge betrafen vor allem die Bereiche Ethik und Religionen, aber auch die Naturwissenschaft und Mathematik.

«Christliche Wertvorstellungen»
In der Einleitung steht, dass die Volksschule «politisch und konfessionell neutral» sei, trotzdem gehe die Schule von «christlichen, humanistischen und demokratischen Wertvorstellungen» aus. Aus Sicht der FVS ist der Begriff «christliche Wertvorstellungen» unpassend und einengend, weshalb wir dessen Streichung verlangen, da die explizite Erwähnung einer Religion sämtliche anderen religiösen sowie nicht-religiösen Weltanschauungen diskriminiert.

«Religionsunterricht ist Sache der Kirchen»

Der LP21 beschäftigt sich explizit nicht mit dem konfessionellen Religionsunterricht (‚teaching in religion’), welchen er als Sache der Kirchen bezeichnet und der ausserhalb der Volksschule zu organisieren sei. Im Fach ‚Ethik, Religionen, Gemeinschaft’ (ERG) kommt Religion als Untersuchungsgegenstand und Diskussionsthema jedoch vor. Wo religiöse Themen vorkommen, soll es sich jedoch um eine strikte neutrale Perspektive handeln («teaching about religion»). Die FVS verlangt an mehreren Stellen, dass die nicht-religiösen Weltanschauungen ebenfalls erwähnt und säkulare Wertvorstellungen explizit angesprochen werden müssen. In vielen Bereichen des Entwurfs kommt die Erwähnung von «Nicht-Religion» bereits vor. Wir haben zusätzlich verlangt, dass explizit säkulare Blickwinkel gleichberechtigt vorkommen müssen. Die Thematisierung von säkularen Feiertagen ist bereits vorgesehen. Die Beschäftigung mit Errungenschaften der Aufklärung, mit säkularem Humanismus und allgemein auch ein kritischerer Umgang mit Religion ist aber viel zu wenig ausgeprägt. Dies haben wir bemängelt und eine prominente Erwähnung von und Beschäftigung mit dezidiert säkularer Weltanschauung gefordert.

Evolutionstheorie wird Schulstoff
Im Bereich Mathematik und Wissenschaften soll die Denk-, Urteils- und Kritikfähigkeit, das Erforschen und Argumentieren und das Interpretieren von Daten gefördert werden. Schon im 2. Zyklus (Klassen 3 bis 6) kann darüber nachgedacht werden, wie die Entwicklung von Pflanzen, Tieren und Menschen geschieht oder geschehen ist. Wir haben darauf hingewiesen, dass dies kein Einfallstor für kreationistische Vorstellungen und Schöpfungsmythen sein darf. Sehr positiv ist, dass im 3. Zyklus (Klassen 7 bis 9) das Thema Evolutionstheorie/Evolutionslehre in der Volksschule Einzug hält. Das ist ausserordentlich wichtig, da dies bis anhin in vielen Kantonen noch fehlte. Ebenfalls positiv ist, dass die Schülerinnen und Schüler unterscheiden können sollen zwischen naturwissenschaftlichen und nicht naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Dies soll anhand von Beispielen verdeutlicht werden: z.B. Chemie versus Alchemie, Astronomie versus Astrologie.

Säkularisierung zu wenig thematisiert

Im Bereich «Räume, Zeiten, Gesellschaften», welcher auch Geschichte und Geographie beinhaltet, kommen unserer Meinung nach die Rechte und Errungenschaften, welche gegen religiösen Widerstand erkämpft werden mussten, zu wenig vor. Da mittlerweile 64% der Schweizer Bevölkerung in einem distanzierten Verhältnis zu institutionalisierter Religion stehen (Forschungsergebnisse Nationalfondsprojekt NFP 58), sollten hier säkulare Themen prominenter vorkommen. Die Errungenschaften der Aufklärung müssten hier besser integriert und thematisiert werden. Zudem sollte der säkulare, dezidiert nicht-religiöse Humanismus explizit erwähnt werden.

Altersgemässer sexualkundlicher Unterricht

Der Lehrplan 21 beschäftigt sich auch mit dem Thema Sexualität. Es wird kein eigenes Fach «Sexualkunde» geben. In den Fachbereichen «Natur, Mensch, Gesellschaft» beispielsweise wird aber ein Teil «sexualkundlicher Unterricht» verortet sein. Auch im Bereich ERG werden entsprechende Themen vorkommen. Die Verantwortung für die Sexualerziehung verbleibt bei den Eltern, die Schule soll altersgemäss jedoch grundlegende Kenntnisse zur Sexualität und Informationen zur gesundheitlichen Prävention – darunter auch Verhütung – vermitteln. Es wird mit dem LP21 kein sexualkundlicher Unterricht im Kindergarten oder in der Unterstufe der Primarschule eingeführt, wie dies teilweise von Initianten des Volksbegehrens «Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» behauptet wird. Betreffend Homosexualität soll Toleranz thematisiert werden, was sicherlich ganz im Sinne der Freidenker ist.

Zurückhaltung bei sakraler Musik
Im Bereich Musik werden auch Kirchenmusik und sakraler Tanz erwähnt. Wir haben darauf hingewiesen, dass religiöses Liedgut an der Volksschule nur mit Zurückhaltung präsent sein darf und dass auf keinen Fall Darbietungen für religiöse Rituale wie Erstkommunion, Konfirmation oder Firmung während der ordentlichen Schulzeit Platz finden dürfen.

Zur weiteren Bereichen wie Sprachen, dem gestalterischen Bereich oder Sport hat die FVS keine Stellung bezogen.

1 Kommentar zu „Lehrplan 21“

  1. Valentin Abgottspon sagt:

    In der SonntagsZeitung vom 21. Juni 2015 wird thematisiert, dass im Zuge des Lehrplan 21 die Nationalhymne in der Schule vermehrt Einzug halten soll.

    Leider hat es meine Hauptaussage nicht in den Text geschafft. Diese war: «Wir als Freidenker finden es bedenklich, dass die aktuelle Nationalhymne ein Gebet ist. Falls sie in der Schule behandelt wird, soll thematisiert werden, ob sie noch zeitgemäss ist für die Schweiz des 21. Jahrhunderts und für die Bewohnerinnen und Bewohner dieses Landes.»

    http://www.sonntagszeitung.ch/read/sz_21_06_2015/null/Patrioten-wittern-Morgenroete-37808

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