Organspende

Organtransplantation? Beziehen Sie Stellung: Ja gerne! oder Nein danke!
Am 1. Juli 2007 trat das Transplantationsgesetz in Kraft. Es sieht eine erweiterte Zustimmungslösung vor (siehe unten).
Nicht unumstritten ist die Organentnahme von “hirntoten” Menschen. Obwohl Organentnahmen bei Sterbenden praktisch nie mit der Zustimmung der Betroffenen erfolgen, wird die Fiktion der “freiwilligen Spende” aufrechterhalten.

Hirntot oder tot?
Die Transplantationsmedizin stützt sich auf das Konzept des Hirntodes. Diese Todesdefinition wurde von der Medizin eigens dazu eingeführt, um Organe von sterbenden Menschen zu einem technisch optimalen Zustand entnehmen zu können. Ob “hirntot” wirklich “tot” ist, ist umstritten. “Hirntot” bedeutet, dass Hirnfunktionen irreversibel ausgefallen sind, was zum Tode führen wird. Es gibt Fachleute, die daran zweifeln, dass damit auch die Schmerzempfindlichkeit erloschen ist und deshalb eine Narkotisierung der Patienten verlangen. Nach der Organentnahme werden die lebenserhaltenden Geräte abgestellt, dann ist der Mensch definitiv tot. KritikerInnen wenden deshalb ein, dass die Transplantationsmedizin das Kerngebot einer humanen Gesellschaftsordnung verletze: das Tötungsverbot. Zudem verunmöglicht dieses Vorgehen den Angehörigen die Begleitung beim Sterben.

2012 Debatte um den Hirntod: http://www.nzz.ch/meinung/debatte/die-debatte-um-den-hirntod-2.48258

Was passiert bei der Organentnahme?
Reportage “Konfliktfall Organspende” (D): http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/799280_reportage-dokumentation/9077844_konfliktfall-organspende

2011 Neu: Die Organspende beginnt vor dem Hirntod
Bei einer Organspende müssen gewisse Massnahmen zum Erhalt der Organe bereits vor der Feststellung des Hirntods vorgekehrt werden. Gesetz und Richtlinien der Akademie der Medizinischen Wissenschaften sollen besser an die Praxis angepasst werden.
http://www.frei-denken.ch/de/2011/02/organspende-beginnt-vor-dem-hirntod/
http://www.beobachter.ch/leben-gesundheit/medizin-krankheit/artikel/organspende_aerzte-wollen-hirntod-nicht-mehr-abwarten/


Transplantation? Ja gerne! oder Nein danke!

Die Freidenker-Vereinigung gibt keine Empfehlung für oder gegen die Transplantation ab. Sie rät Ihnen jedoch dringend, einen entsprechenden Ausweis auf sich zu tragen. Ganz besonders, wenn Sie auf Reisen sind.

Was muss ich wissen?
Die gesetzlichen Regelungen über die Transplantationsmedizin sind in jedem Land wieder anders.
In der Schweiz gilt mit dem Transplantationsgesetz die erweiterte Zustimmungslösung. Das bedeutet: Nur wenn der/die Patient/in selbst oder nahe Angehörige zustimmen, darf ein Organ entnommen werden.
In vielen Ländern gilt jedoch die Widerspruchslösung: nur wenn explizit die Ablehnung der Organspende bekannt ist, wird darauf verzichtet.
Im Ausland ist die Einhaltung Ihres Willens möglicherweise nicht gewährleistet, und für Ihre Angehörigen kann dieser Entscheid eine Zumutung sein. Wir sind deshalb der Meinung, dass es in der Verantwortung jedes einzelnen Menschen liegt, schriftlich den aktuellen Willen kundzutun.

Was kann ich tun?

Die FVS empfiehlt dringend, den eigenen Willen zum Thema Organspende im entsprechenden Ausweis kundzutun. Dabei sollte im Interesse der Angehörigen der Entscheid umfänglich getroffen und nicht (oder nur nach eingehender Absprache) auf jene abgeschoben werden.
Auf der Webseite von SWISSTRANSPLANT kann das online getan werden:
http://www.swisstransplant.org/l1/organ-spendeausweis-spendekarte-spender-transplantation-empfaenger-national-online-ausfuellen.php

Die FVS bietet ausserdem einen einfachen aber dafür zweisprachigen Organspende-Ausweis zum Download an: FVS-Organspendeausweise.pdf

Wichtig: Erneuern Sie diese Willenserklärung alle paar Jahre. Sie erhöhen damit die Sicherheit, dass Ihr Wille als aktuell betrachtet und umgesetzt wird!

5 Kommentare zu „Organspende“

  1. Wichtige Anmerkung: Wie schon kurz in diesem Artikel angesprochen wurde, gelten für jedes Land andere Regeln.

    ACHTUNG: Es genügt daher NICHT einfach einen Universal-Ausweis in 2-3 verschiedenen Sprachen übersetzt mit sich zu führen, wenn Sie auf Reisen sind!

    Wir von orgaNOs Global Protection Initiative setzen uns mit der Rechtslage aller Länder der Welt gründlich auseinander und es stellt sich leider viel komplizierter dar, als die meisten annehmen.

    Es herrscht ein regelrechter Rechtsdschungel mit bewusst verwirrend gestalteten Bedingungen: Es gibt Länder mit Widerspruchsregister und ohne Register – nur in den wenigsten können Sie sich aber auch als Ausländer eintragen lassen. Aber in Ländern mit Widerspruchsregister nützt Ihnen ein beliebiger Ausweis gar nichts! Es gibt Länder, in denen Sie mit den dafür vorgesehenen Formularen widersprechen müssen, ansonsten können Sie ebenfalls Gefahr laufen als unfreiwilliges Organopfer zu enden. usw. usw.

    Hier gilt es also sich umfassend zu informieren! Genaue Infos dazu finden Sie auf unserer Homepage unter http://www.organosprotection.com, unserem Blog: http://www.organosinfo.wordpress.com bzw. in unserem Twitter.

    Lesen Sie auch dazu den für Aufklärungszwecke gestalteten Organ-Opferausweis unter http://www.organosprotection.com/OrganOpferAusweisNEU.html

  2. Freidenker sagt:

    Ich finde es gut, dass der FVS keine Empfehlung zum Thema Organspende abgibt, sondern die Leute dazu animiert, sich selbst zu informierern. Allerdings sind die präsentierten Ressourcen eher einseitig. Das Konzept des Hirntodes ist nicht geschaffen worden, um Organspende zu ermöglichen, sondern basiert auf einem wissenschaftlich fundierten Bild der menschlichen Physiologie. Um die Ressourcen zu komplettieren, möchte ich auf die Webseite der Donor Care Association hinweisen, einer Vereinigung von Menschen, die sich hingebungsvoll dafür einsetzem, ethisch korrekte Medizin zu betreiben, mit dem Ziel, Leid zu mindern (man denke an die Organempfänger…): http://www.dca.ch

  3. Rebekka sagt:

    Freidenkerin sagt:
    Ich bin der Meinung das die Diskussion betreffend Organspende in der breiten Öffentlichkeit geführt werden sollte mit allen, auch sehr problematischen Aspekten, so das ein Spender und auch Empfänger weiss, was auf ihn zukommt.
    Bis ca mitte der 60 er Jahre wurden Hirntote als schwer kranke Menschen betrachtet.
    Dem entsprechend gepflegt und versorgt.
    Den Berichten von Hirntoten die wieder gesund geworden sind, kann man entnehmen, dass sie alles mitkriegen, auch die Schmerztests die durchgeführt werden etc. Auch der Lazarus Effekt, wenn Hirntote auf dem OP Tisch die Hände schützend vor sich werfen oder andere abwehrende Bewegungen machen, sind ganz klare Indizien dafür, dass diese Menschen ganz klar leben, bzw. die meisten sich in einem Sterbeprozess befinden und nicht Tot sind. Das kapiert doch jeder der über einen gesunden Menschenverstand verfügt. Dazu sind keine akademischen Kenntnisse erforderlich.

    Mit dem Begriff Hirntod wird suggeriert, dass es sich um einen toten Menschen handelt, dies ist aber definitiv nicht der Fall. Wenn jemand blind ist, sagt man z.B. ja auch nicht der ist Augentot.
    Zudem ist der menschliche Körper ein Speichermedium, die Transplation bedeutet also auch für den Empfänger, abgesehen von der lebenslanger Medikamenteneinnahme oft eine Veränderung der Persönlichkeit oder Aspekten davon. Dies kann man in vielen Berichten von Empfänger nachlesen.

    Meiner Meinung nach wird da per Gesetz Mord legitimiert.

    Es wäre auch für den Empänger ratsam, sich nicht nur auf die medizinische Meinung zu verlassen, sondern sich gut über die vielen Konsequenzen einer Transplantation zu informieren und sich mit der Endlichkeit auseinanderzusetzen.

    Ich weiss nicht welche Motive hinter der Legitimation zum Morden stehen, indem man lebende Meschen für Tot erklärt. Wir sollten uns kritisch mit diesem Thema auseinandersetzen inkl. was eigentliche ein Sterbeprozess ist.

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