Archiv für die Kategorie „Wissenschaft“

“Magie, Religion, Wissenschaft” – Ist Religion ein Instinkt? Studie der Universität von Rotterdam

Freitag, 7. Juli 2017

Telepolis, 05. Juli 2017 – Artikel von Peter Mühlbauer:

Ein nordirischer und ein niederländischer Wissenschaftler versuchen zu erklären, warum Atheisten bei Intelligenztests besser abschneiden

Die am Ulster Institute for Social Research und an der Universität Rotterdam forschenden Psychologen Edward Dutton und Dimitri Van der Linden haben im Personality and Social Psychology Review eine Hypothese veröffentlicht, mit der sie erklären wollen, warum Atheisten bei Intelligenztests durchschnittlich besser abschneiden als Teilnehmer, die sich einer Religion zuordnen. Letzteres entnehmen die Wissenschaftler den Ergebnissen von 63 Untersuchungen, die sie ausgewertet haben.

Nicht Teil einer bewussten Problemlösung

Die Hypothese beruht darauf, Religion – obwohl sie oft sehr komplexe Ausprägungen annimmt – nicht als Teil einer bewussten Problemlösung zu sehen, sondern als einen “Instinkt”, den der Mensch im Laufe seiner Evolutionsgeschichte entwickelte, weil er sich in früheren Situationen als Überlebens- und/oder Fortpflanzungsvorteil erwies. Menschen und ihrer Vorfahren konnten damit immer wiederkehrende Probleme schnell und ohne großen Denkaufwand lösen.

Intelligenz sehen die beiden Wissenschaftler dagegen als Fähigkeit an, instinktbestimmtes Handeln zu überwinden und auf Herausforderungen sowohl analytisch-reflexiv als auch kreativ zu reagieren. Deshalb nützt sie gegenwärtig lebenden Menschen in einer Umgebung, die sich technisch, wirtschaftlich und Sozial schnell verändert, potenziell mehr, als in einer Savanne, die Jägern und Sammlern über viele Generationen hinweg mit immer gleichen Situationen konfrontiert.

Dass Religion im 21. Jahrhundert trotzdem eine große Rolle spielt, erklären sich Dutton und Van der Linden mit Stresssituationen, in denen sie ebenso zutage tritt wie andere angeborene Verhaltensweisen wie Flucht oder Aggression.

Magie, Religion, Wissenschaft

Obwohl die beiden Psychologen selbst den Londoner Evolutionspsychologen Satoshi Kanazawa als ihre theoretische Grundlage nennen, knüpfen sie auch an die Forschungsergebnisse und Überlegungen eines ihnen fachfremden Wissenschaftlers an: In seiner 1925 erschienenen Studie Magic, Science and Religion1 wies der Ethnologe Bronislaw Malinowski anhand von Material das er in der Südsee gesammelt hatte, nach, dass Gesellschaften nicht – wie man bis dahin geglaubt hatte – in einer evolutionären Rangfolge ausschließlich von magischem, religiösem oder wissenschaftlichem Denken bestimmt sind, sondern dass alle drei Formen in allen Gesellschaften vorkommen. “Wissenschaftlich” werden immer jene Bereiche behandelt, die der Mensch technisch beeinflussen kann, “magisch” jene die außerhalb seiner Wirkungsmacht stehen.

Malinowski definierte die Magie als übernatürliche, unpersönliche Macht in der Vorstellungswelt des Menschen, die all das bewegt und steuert was für ihn gleichzeitig wichtig und unkontrollierbar ist.2 Magie wird mit Ehrfurcht und Scheu ausgeführt, mit Verboten und ausgefeilten Benimmregeln gesichert.3 Sie speist sich aus der Tradition, während die Wissenschaft aus der Erfahrung resultiert, von der Vernunft begleitet und durch Beobachtung korrigiert wird. Die Magie ist dagegen undurchdringbar für beides. Und während um die Magie Geheimnisse gemacht werden die durch Initiation weitergegeben werden ist die Wissenschaft offen für alle, ein gemeinfreies Gut.4 Wo die Wissenschaft sich nach Malinowski auf Erfahrung, Aufwand, und Vernunft stützt, kommt die Magie aus dem Glauben dass “die Hoffnung nicht trügen und der Wunsch niemals vergeblich sein könne”.5

Vom Individuum nicht kontrollierbare Entitäten

Während die von Malinowski untersuchten Bewohner der Trobriand-Inseln die sichere Lagunenfischerei ohne magische Rituale betrieben und kleinere Wehwehchen mit Massagen, Dampf und Heilkräutern behandelten kam bei ernsten Erkrankungen und bei der unsicheren Hochseefischerei Magie zum Einsatz.6 Die Naturkräfte auf hoher See waren nämlich für die Trobriander ebenso wenig kontrollierbar wie Krebs oder ein Schlaganfall. Aus diesem Grunde brachten sie hier Magie zum Einsatz.

Felder für magisches Denken öffnen sich auch durch vom Menschen gemachte aber trotzdem vom Individuum nicht kontrollierbare Entitäten wie “Markt” im allgemeinen und “Arbeitsmarkt” im besonderen. Walter Benjamin7, Christoph Deutschmann8 und Thomas Frank9 wiesen auf die Wahrnehmung ökonomischer Begriffe als übernatürliche Mächte hin. Hesiod hatte diesen Effekt bereits im 7. Jahrhundert vor Christus erkannt und sprach z.B. davon dass auch ein Gerücht ein “Gott” sein könne (vgl. Die Magie der Bewerbung).

>>Artikel auf heise.de lesen

Präimplantationsdiagnostik ab 1. September erlaubt

Montag, 26. Juni 2017

Artikel auf nzz.ch vom 21. Juni 2017:

Neu dürfen für eine künstliche Befruchtung maximal zwölf statt wie bisher drei Embryonen pro Behandlungszyklus entwickelt werden. Ausserdem sieht das revidierte Fortpflanzungsmedizingesetz vor, dass nicht verwendete Embryonen im Hinblick auf eine spätere Behandlung eingefroren werden können. Labors, die in der Fortpflanzungsmedizin und der Präimplantationsdiagnostik tätig sind, müssen zudem höhere Anforderungen an Personal und Infrastruktur erfüllen.

2020 Kinder

In der Schweiz bieten rund 30 Zentren Behandlungen zur medizinisch unterstützten Fortpflanzung an. 2015 versuchten laut Daten des Bundesamts für Statistik (BFS) 6055 Frauen über eine künstliche Befruchtung schwanger zu werden. Bei 39,1 Prozent klappte dies auch. 72,9 Prozent der auf diese Weise entstandenen Schwangerschaften führten schliesslich zu einer Geburt.

So wurden insgesamt 2020 Kinder lebend geboren. Der Anteil der Mehrlinge betrug 29,2 Prozent. In 0,1 Prozent der Fälle kam es zu einer Totgeburt.

Camp Quest – 16. bis 22. Juli 2017 – Das humanistisch – wissenschaftliche Jugendlager goes Westschweiz

Montag, 20. Februar 2017

Nun ist es fix: das Camp Quest CH 2017 findet vom 16. bis 22. Juli statt.

Diesmal zieht’s uns Richtung Westschweiz. Auf dem Programm steht unter anderem ein Besuch im CERN. (weiterlesen…)

PID: «Wir erwarten einen Boom bei der künstlichen Befruchtung»

Dienstag, 17. Januar 2017

Interview zum Präimplantationsgesetz mit Peter Fehr* auf tagesanzeiger.ch am 16.01.2017:

*Peter Fehr (58) leitet eine Fruchtbarkeitsklinik in Zürich und war mehrere Jahre Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (SGRM).

Bei der künstlichen Befruchtung ist es neu erlaubt, die Embryonen per Präimplantationsdiagnostik (PID) zu testen. Beeinflusst dies Ihre Arbeit als Fruchtbarkeitsmediziner?

Auf jeden Fall. Wir erwarten eine starke Zunahme der Behandlungen. Ich gehe von rund 10 Prozent der Paare aus, die neu davon profitieren könnten. Das sind einige Hundert Paare pro Jahr, die bei einer Fruchtbarkeitsbehandlung eine PID machen könnten oder wollten, und die wir bisher dafür ins Ausland, vor allem nach Spanien, schicken mussten, weil es in der Schweiz nicht erlaubt war.

Sie ziehen eine positive Bilanz.
Wir sind natürlich heilfroh, dass das Gesetz durchgekommen ist; wir haben jetzt eines der liberalsten in ganz Europa.

Gibt es ausser der Zulassung der PID weitere Vorteile?
Was uns viel mehr bringt, ist, dass wir endlich Embryonen einfrieren können. Neu darf man zwölf befruchtete Eizellen weiterentwickeln lassen. Von diesen zwölf werden nach fünf Tagen vielleicht noch drei oder vier übrig bleiben, die man einsetzen kann. So können wir die Embryonen mit den besten Entwicklungschancen auswählen.

Steigen dadurch die Erfolgsraten?
Wir nehmen an, dass die Schwangerschaftsrate im schweizerischen Durchschnitt um 5 bis 10 Prozent auf 35 Prozent der Behandlungen ansteigen könnte – allein durch die Embryonenselektion. Viele Paare, die deswegen bisher ins Ausland gingen, werden in der Schweiz bleiben. Ich gehe von weiteren rund 1000 Paaren aus.

>> Das ganze Interview auf tagesanzeiger.ch lesen

“Es gibt keinen biologischen Grund, warum wir sterben sollten” – Veranstaltung der Freidenker Winterthur mit Astrophysiker Ben Moore

Freitag, 11. November 2016

“Die Annahme eines göttlichen Wesens ist für ihn ein wertloses Märchen. In seinen Büchern erklärt der Astrophysiker Ben Moore sehr anschaulich die Entwicklung des Universums vom Urknall an. Am Mittwoch spricht er auf Einladung der Freidenker-Vereinigung in Winterthur.”

Veranstaltungs-Details: Ben Moore: Our Place in Time and Space. Mittwoch, 9.11., 19.30 Uhr, Hörsaal TP 406 im ZHAW-Physikgebäude, Technikumstr. 9. Öffentlicher Vortrag in Englisch, Eintritt frei.

 

>>Zum Interview auf landbote.ch

 

 

 

 

Ben Moore ist Direktor des Zentrums für theoretische Astrophysik und Kosmologie an der Universität Zürich. In seinem populärwissenschftlichen Sachbuch «Elefanten im All» gelingt es ihm, die zeitlichen Dimensionen deutlich zu machen, die im Universum gelten. Besonders fesselnd beschreibt er die Entsteh–ung der Erde und des Mondes. Weniger überzeugend sind seine Ausführungen zur griechischen Philosophie. Demokrit und die Vorsokratiker hätten sich von den Ideen ab- und der Beo–bachtung zugewandt, schreibt Moore. In Wirklichkeit stützten sie sich auch auf Modelle, ohne welche ihre Beobachtungen gar nicht möglich gewesen wären. In seinem zweiten Buch «Da draussen» beschäftigt sich Moore mit der Wahrscheinlichkeit von intelligentem Leben im All. Er macht ausserdem elektronische Musik und ist ein begeisterter Bergsteiger.

Das Leben, das Universum und der ganze Rest… – Vortrag mit Ben Moore

Montag, 31. Oktober 2016


Den FreidenkerInnen Winterthur und Umgebung ist es gelungen, den bekannten Astrophysiker Dr. Prof. Ben Moore von der Universität Zürich nach Winterthur einzuladen. Er wird am Mittwoch 9. November ab 19.30 Uhr unter dem Titel «Our Place in Time and Space» über das Leben, das Universum und den ganzen Rest referieren.

Mit eindrücklichen Bildern wird er an diesem Abend die Anwesenden mitnehmen auf eine atemberaubende Reise vom Anfang der Zeit zum Ende des Universums. Er wird aufzeigen, wie Leben entstanden ist, wie es sich weiter entwickelt hat und wie die Zukunft auf der Erde aussehen wird. In seinem Vortrag wird er eine Vielzahl von Fragen anschneiden, beispielsweise: Warum hat das Universum überhaupt zu existieren begonnen, und wie wird es einmal enden? Warum existiert darin überhaupt etwas, und es ist nicht alles öd und leer? Wie lange kann unsere Gattung in Zukunft noch überleben? Droht ihre Auslöschung durch gigantische Asteroide oder durch unsere immer stärker werdende Sonne? Gibt es andere Welten mit Leben im All? Wird es einmal möglich sein, Kontakt mit anderen Kreaturen aufzunehmen? Und überhaupt: was ist der Sinn hinter all dem? Der Vortrag von Ben Moore ist in Englisch, doch dank der eindrücklichen Bilder leicht verständlich.

«Ich möchte Sie mitnehmen auf eine Reise vom Anfang der Zeit zum Ende des Universums, auf der wir unsere Ursprünge entdecken und mehr über die Zukunft des Lebens auf der Erde erfahren. Wir wissen schon viel, doch es gibt noch viel zu lernen. Warum hat das Universum überhaupt zu existieren begonnen, und wie wird es einmal enden? Und warum existiert darin überhaupt etwas und ist nicht alles öd und leer? Wie lange kann unsere Gattung in Zukunft noch überleben? Droht ihre Auslöschung durch gigantische Asteroide oder durch unsere immer stärker werdende Sonne? Eines Tages werden wir ein Raumschiff auf die Suche nach einer neuen Welt aussenden müssen, doch was befindet sich da draussen zwischen den Sternen? Und überhaupt: was ist der Sinn hinter all dem?»

Ben Moore ist Professor für Astrophysik an der Universität Zürich. Der Brite hat über 200 wissenschaftliche Abhandlungen verfasst, unter anderem zum Ursprung der Planeten und Galaxien sowie zu Dunkler Materie und Dunkler Energie. Seine Forschungsgruppe verwendet eigens dafür konstruierte Supercomputer, um die Entstehung kosmischer Strukturen zu simulieren. Moore ist Autor von zwei erzählenden Sachbüchern, «Elefanten im All – Unser Platz im Universum» und «Da draussen – Leben auf unserem Planeten und anderswo». Unter seinem Künstlernamen «Professor Moore» verbindet er Klänge aus seiner Gitarre und dem Universum mit seiner Leidenschaft für elektronische Musik. Für sein kürzlich erschienenes erstes Soloalbum «Escape Velocity» liess er sich von seinen Träumen vom Leben im All inspirieren.

Ben More — «Our Place in Time and Space»
Mittwoch, 09. November 2016 19.30 Uhr
Hörsaal TP 406 im ZHAW Physikgebäude, Technikumstrasse 9, Winterthur

Der Vortrag wird in englischer Sprache gehalten und ist öffentlich
Eintritt frei, anschliessend Apéro

„Zeitgeist plus“: Ausstellung in Burgdorf

Montag, 5. Oktober 2015

Der Freidenker Roset will mit seiner Kunst Räume auch ausserhalb des Gesetzten erschliessen und damit einen Beitrag an die Erweiterung unseres gängigen Weltverständnisses liefern.

Warum dieses Konzept?

Die Hauptabsicht der Kunst ist, mittels Formen Emotionen auszulösen. Die Wahl der Umsetzung sind kulturelle und individuelle Interpretationen.
Die Moderne in der Kunst hat die Malerei von der Last der bildungsbürgerlichen oder religiös orientierten Themen befreit. Das führte zu einer neuen Sicht der Interpretation der Kunst. Von nun an waren Bilder hauptsächlich Lieferanten emotioneller Anreize mit anfänglich durch die formal-stilistische Umsetzung geprägten Erkenntniserweiterungen. Im Laufe dieses Prozesses entstanden immer mehr Werke, welche die originalen Aussagen wiederholten und so eigentlich nur noch künstlerischen Dekorationswert hatten. Dieser Prozess dauert bis heute an, und man kann sagen, dass es formal-stilistisch nichts mehr gibt, das nicht an bereits umgesetzte Aspekte der damals neuen Aussagen erinnert.
In der Zwischenzeit haben sich die Kunstinteressierten daran gewöhnt, dass sie autonom an eine Bilddeutung herangehen können. Dagegen ist vorerst nichts einzuwenden, wenn man akzeptiert, dass so die Malerei in den meisten Fällen zur reinen Dekoration wird, weil sie keinen in sich wirkenden Erkenntniswert mehr hat, da ja die formal-stilistische Aussage keine neuen Informationen mehr hergibt. Einfach nur Gefühle umzusetzen, ist kein Beitrag an den kulturellen Erkenntnisprozess, kann aber trotzdem seinen Sinn haben.
Durch meine Auseinandersetzung mit der Malerei rutschte ich völlig ungewollt in einen Themenbereich, dessen Brisanz zur Erkenntnisgewinnung mir auf einmal klar wurde. Es geht dabei um die Chance, die neuen physikalischen Erkenntnisse, welche näher an den wahren Ursprung des Seins herankommen, mit malerischen Mitteln zu thematisieren. Das führte automatisch zur Frage, ob eine solche Kunstauslegung nach Jahren der Befreiung von jedem thematischen Zwang überhaupt noch einen Beitrag an die Kunst bringen kann. Mir war und ist bewusst, dass dabei die autonome Kunstinterpretation aufgegeben würde. So hatte ich plötzlich zwei Themen zu bearbeiten: einerseits die Wiedereinführung des themengebundenen Bildes, andererseits das Thema selbst, das sich als äusserst heikel bei der Umsetzung erwies.
Eine weitere Schwierigkeit war die Frage, ob überhaupt jemand bereit ist, in dieses Abenteuer einzusteigen. Ich stelle nämlich fest, dass diese Bereitschaft sehr durchzogen ist. Während die Einen sich mein Konzept vorstellen können, sind andere nicht bereit, ihre vor über hundert Jahren erreichte autonome Kunstinterpretation aufzugeben. Da helfen Beteuerungen meinerseits, dass der Interpretationsraum, trotz der Themengebundenheit, immer noch beträchtlich sei, wenig.
Hier erlaube ich mir, vielleicht etwas streng, auf die richtige Deutung meines Konzeptes hinzuweisen. Denn es ist mein Anliegen, dass die Bilder in der gedachten Richtung gesehen werden.
Der Stil der Bilder richtet sich nach dem dargestellten Thema, und es wäre müssig, meine Bilder mit bestehenden Stilrichtungen zu vergleichen. Diese hatten damals nämlich eine entscheidende Rolle in Bezug auf die Erkenntnis, bei mir sind sie aber nur Träger der Aussage und haben sonst keine weitere Bedeutung. Zum Beispiel ist der Grundton vieler Bilder nicht einfach weiss, sondern geht leicht ins Gräuliche und steht als Symbol für das Nichts. Auch die manchmal surreal wirkenden Umsetzungen haben nicht den Surrealismus als Stilrichtung zum Inhalt, sondern sind vielmehr als Hinweis auf den oft surreal wirkenden Sachverhalt auf der Quantenebene so konzipiert. Wer das ignoriert und eine autonome Deutung des Bildes bevorzugt, wird der Absicht, welche ich mitteilen möchte, nicht gerecht. Zudem entfällt die Besonderheit der Bilder, weil sie dann lediglich ein weiterer Beitrag an die Millionen von rein emotionalen künstlerischen Entladungen wären. Die Betrachter haben also die Wahl, meine Aussage als gedankliche Basis zu dem, was ich als säkulare Kontemplation bezeichne, aufzunehmen oder eine weitere, ihre emotional assoziative Wahrnehmung inspirierende Bildgestaltung zu sehen. Das heisst aber nicht, dass man die Bilder nicht auch rein formal betrachten kann, denn man ist ja nicht immer in der Stimmung, in philosophische Betrachtungen zu versinken.
Das Thema der Bilder ist in den meisten Fällen von der Physik hergeleitet und da in letzter Zeit fokussiert auf das Thema der Superstrings und die von immer mehr Physikern und Kosmologen akzeptierte Annahme, dass alles, was letztlich zu Leben führte, seinen Ursprung im Nichts hat. In meinen schon Jahrzehnte dauernden Betrachtungen dieses Themas kam ich zum gleichen Schluss. Deshalb habe ich mich entschlossen, diesen Aspekt der Betrachtung des Ursprungs der Natur in einem bildnerischen Konzept aufzunehmen mit dem Ziel, den Betrachtern einen sinnlich erfahrbaren Ansatz vorzustellen. Das braucht natürlich grosse Bereitschaft, darauf einzugehen. Meine Hoffnung ist, dass das auch hin wieder geschehen wird. Denn nach meiner Meinung ist es erkenntnismässig ein nicht unwichtiger Sachverhalt. Fakt ist aber, dass die Theorien vom Nichts, vom Multiversum und von den Strings vorläufig „sondierende Berechnungen sind mit zeitweiligem Bezug zu heute gesetzten physikalischen Daten.“ (Brian Greene, Physiker). Unbestritten ist, dass es sich um eine Hypothese handelt, welche aber induktive wie deduktive Ableitungen zu dem, was wir sehen, bietet. Es ist ein Feld für philosophische Abenteurer, und das Abenteuer enthält auch die Möglichkeit des Scheiterns, sonst wäre es eben kein Abenteuer. Ich persönlich erkenne viel Schlüssiges darin. Das bleibt so, bis mir jemand eine bessere Theorie anbietet.
Was auch Hemmungen bereiten könnte, ist die Befürchtung, man müsse zum Verständnis der Bilder in Physik bewandert sein. Zwar enthalten die Bilder immer wieder Piktogramme, ausgelehnt aus grafischen Darstellungen von Publikationen zur Physik, aber mein Konzept ist darauf angelegt, dass die Bilder nur den Hinweis auf dieses Thema machen. Es braucht also niemand Physik zu studieren, um sich meine Bilder anzuschauen. Es genügt, wenn man weiss, dass bei diesen hauptsächlich die Physik das Thema ist, was bei der Einordnung der Formen auf den Bildern vielleicht hilfreich sein kann. Der Rest ist meine Einladung zur säkularen Kontemplation darüber.
Die durch Zeichen bewirkte Form der Informationsvermittlung ist im digitalen Zeitalter sehr verbreitet und findet sich da unter dem Begriff „Icons“. Dieser stammt von den früheren Anwendungen von eigentlichen Piktogrammen, welche keine andere Aufgabe hatten, als den Betrachter an das in ihnen enthaltene Thema zu erinnern, ab. Man nennt sie Ikonen und sie dienen der sichtbaren Aufrechterhaltung, z.B. etwa des christlichen Gedankenguts. Es gibt nach meiner Meinung keinen stichhaltigen Grund, das nicht auch für den heutigen Erkenntnisstand über den Ursprung des Lebens anzuwenden. Natürlich ohne den, den religiösen Ikonen anhaftenden Mystizismus. So gesehen sind meine Bilder Ikonen zur Verbreitung des heute besser verstandenen Daseinsursprungs. Dabei bin ich mir bewusst, dass dieses Konzept von der Bereitschaft, als einleuchtend wahrgenommen zu werden, abhängig ist. Es liegt also am Publikum, ob diese Form philosophischer Inspiration eine gesellschaftliche Sichtbarkeit erreicht. Ich benütze dieses Konzept, weil ich der Überzeugung bin, dass das Mittel der Piktographie die beste Ausdrucksform ist, um philosophisches dauerhaft sichtbar zu erhalten. Auch sehe ich keinen Grund, warum eine Methode, welche seit Jahrtausenden Anwendung findet, ausgerechnet für die der Realität am nächsten stehenden Erkenntnisse nicht verwendet werden soll.

Entwicklung dieses Konzeptes:

1980 Erste Bilder zur Viele-Welten-Theorie und dem Nichts als eigentlichem Normalzustand
1996 Ausstellung mit ersten Icons zum Thema Quantenphysik
2000 Quantenphysik indirekt sichtbar gemacht mit dem Mittel der Anekdoten
2011 Umsetzung mit Icons hin zur Viele-Welten-Theorie, zur Stringstheorie und zum Nichts als Normalzustand

http://www.roset.ch

Gottfried Schatz: Abschied vom Ich

Donnerstag, 4. Juni 2015
Unser Gehirn droht im Alter zu versagen. Die häufigste Form von geistigem Verfall ist die Alzheimerkrankheit, die wegen der Überalterung der Bevölkerung immer häufiger wird. Ihre Ursache ist noch unbekannt.
http://www.nzz.ch/feuilleton/abschied-vom-ich-1.18554753

Mündiger Mensch statt staatliches Dekret

Sonntag, 10. Mai 2015

Der Psychologe und Bildungsforscher Gerd Gigerenzer sagt, dass wir mehr von Statistik verstehen müssen – und gleichzeitig besser auf unsere innere Stimme hören sollen.
http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/Menschen-sind-nicht-dumm-aber-man-verdummt-sie/story/21971647

Selbststeuerung und Achtsamkeit

Dienstag, 5. Mai 2015

«Selbststeuerung. Die Wiederentdeckung des freien Willens» – so lautet der Titel eines neuen Buches des an der Universität Freiburg im Breisgau wirkenden Neurobiologen, Arztes und Psychotherapeuten Joachim Bauer. Im Gespräch mit Nicola von Lutterotti erläutert er einige seiner Forschungsergebnisse und Thesen.
http://www.nzz.ch/feuilleton/und-der-wille-ist-doch-frei-1.18535344