Archiv für die Kategorie „Spendenprojekte“

Webbanner für das Camp Quest verfügbar

Montag, 29. April 2013

Das wissenschaftlich-humanistische Sommerlager Camp Quest nimmt Form an: Der Wochenplan ist erstellt, das Leiter-Team vollständig und Drittmittel der Stiftungen Mercator Schweiz und SimplyScience sind zugesichert.

Nun ist es an der Zeit, das Angebot ausserhalb der Trägerschaftsorganisationen – der Freidenker und der Skeptiker Schweiz – bekannt zu machen.

Das Camp Quest-Budget wurde bewusst klein gehalten, damit die Teilnahme für alle erschwinglich bleibt. (Die Woche kostet CHF 460 bzw. CHF 320 für Wenigverdienende. Mehr dazu hier.) Entsprechend gering sind die verfügbaren Mittel für Werbemassnahmen.

Wir freuen uns deshalb über Möglichkeiten, kostenlos auf das Lager hinweisen zu können. Auf der Campquest-Seite campquest.ch/kontakt/banner/ stehen dazu nun drei Banner zum Einbinden in Webseiten bereit. Wer als Webseitenbetreiber das Sommerlager bewerben mag, ist herzlich eingeladen, davon Gebrauch zu machen. Natürlich können auch Banner in anderen Formaten erstellt werden.

 

 

 

 

“Patenschaft für Dalit-Gemeinde”: Hilfe zur Selbsthilfe

Dienstag, 12. März 2013

Aktuelles

10.3.2013 Projektbericht 2012

Keshavapuram ist ein Dorf von Kastenlosen in einer ökonomisch wenig entwickelten Region.  Dem Dorf mangelt es an Ackerland, Arbeit muss oft weit weg gesucht werden. In 33 der ansässigen Familien ist der Mann deshalb zwischen drei und sechs Monaten im Jahr arbeitsbedingt abwesend. Weil die Dorfstruktur nicht genügend entwickelt ist und deshalb kein Gemeinderat (Panchayat) existiert, kommen staatliche Hilfsprogramme, die sich auf solche Strukturen abstützen, hier gar nicht an.
Viele Bewohner arbeiten zudem in Schuldknechtschaft, die auch durch Verschuldung im Zusammenhang mit sozialen und religiösen Traditionen entstehen. Ein wesentlicher Faktor ist auch der weit verbreitete Aberglaube, der die Menschen den Magiern in die Hände treibt.

Die IHEU hat zusammen mit zwei einheimischen Dalit-Organisationen das Dorf Keshavapuram als Projektdorf ausgewählt; die Arbeit vor Ort übernehmen die Nichtregierungsorganisationen «Disha» und  «Spoorthi» (Organisation für Menschen- und Frauenrechte), die beide über grosse Erfahrung mit der Emanzipation von Dalits verfügen. Ziel des Projekts ist es, die Dorfbevölkerung  auf ihre Situation aufmerksam zu machen, sie darin zu unterstützen, soziale Übel auszurotten und eine Dorfstruktur ohne Diskriminierung aufzubauen, in der Wissenschaft und Wissen die Basis bilden.

Die FVS hat für 2012–2014 die Patenschaft für Keshavapuram übernommen. Seit der Lancierung des Programms im März 2012 wurden folgende Teilprojekte umgesetzt:

1. Humanistisches Zentrum für sozialen Wandel

Es konnten 60 junge Frauen und Männer mit einer Schulbildung motiviert werden, sich am Aufbau eines Gemeinschaftsraums zu beteiligen, der als Zentrum und als Anlaufstelle für sozialen Wandel dienen soll. Darin wurde eine kleine Bibliothek mit 120 Büchern eingerichtet, die zur humanistischen Bildung beitragen sollen. Es sind Biografien von inspirierenden Sozialreformern, aber auch Bücher über wissenschaftliche Grundlagen. Zudem hat das Zentrum eine Tageszeitung abonniert, sodass erstmals Interessierte täglich Zugriff auf News über Entwicklungen in Indien und in der Welt haben. Die Zeitung wird durch einen jungen Mann aus dieser Gruppe, Miriyala Venkatanarsu, täglich mit dem Fahrrad in einer Nachbargemeinde abgeholt.

2. Frauenberatung
Um die Frauen aus ihrer fatalistischen Haltung herauszuholen wurden im Berichtszeitraum 10 Beratungstage angeboten, an den Frauen z. B. über die staatlichen Programme zur Förderung von Dalit-Frauen informiert und zur Einforderung ihrer Rechte motiviert wurden.
In Gesundheitsfragen sind Tabus und Aberglaube besonders hinderlich, deshalb wurde in diesem Rahmen den Frauen Wissen über Ernährung und Gesundheitsprobleme, über ihre Rechte im Fall von sexuellen Übergriffen, häuslicher Gewalt, über Kindererziehung und die physischen und psychischen Folgen der Kinderheirat vermittelt.
An den Beratungstagen nahmen jeweils zwischen 25 und 69 Frauen teil. Insgesamt erreichte das Programm, das vom «Asmitha Resource Centre for Women» mit Unterstützung der Menschenrechtsorganisation «Spoorthi», namentlich auch deren Direktor, Herrn J. Veeraswamy, durchgeführt wurde, 80 Frauen.

3. Berufsberatung für Jugendliche
Damit die Diskriminierung der Dalits durchbrochen werden kann, ist es wichtig, dass sie sich in anerkannten Berufen bewähren können. Das Programm fördert deshalb die Schulbildung unter den Jugendlichen. In fünf Bildungsberatungen wurden zwischen 20 und 50 Jugendliche über ihre Rechte und Chancen durch höhere Bildungsabschlüsse informiert. In fünf Fällen, in denen Mädchen von ihren Eltern wegen des langen Schulwegs von der Oberstufe genommen worden sind, konnten die Eltern zur Kooperation bewegt werden. Derzeit werden Sponsoren für Fahrräder gesucht, damit der Schulweg von 6 km leichter überwunden werden kann. Federführend ist auch hier Herr J. Veeraswamy.

4. Wissensclub für SekundarschülerInnen
In Keshavapuram gibt es lediglich eine Primarschule. Die Oberstufe befindet sich 6 km entfernt. 42 Kinder der Oberstufe wurden zusammenbracht zum sogenannten «Wissensclub». Dort lernten sie zuerst grundlegende Hygienepraktiken, um ihre Infektionsanfälligkeit zu vermindern. Ein zweites Thema war der Aufbau des Universums, um sie gegen die Astrologie zu immunisieren.
Das Programm wurde in Zusammenarbeit mit den Lehrern und dem Trick-Experten und Wissenschaftsvermittler I. Chandraiah durchgeführt.

5. Aufklärung statt Aberglaube
An fünf Anlässen wurden gängige Tricks von Magiern entlarvt, welche unter den Dalits grosse Ängste verbreiten und sie danach abzocken. Rund 300 Menschen haben an  Vorführungen teilgenommen, die von  I. Chandraiah und Vertretern der Organisation Spoorthy durchgeführt wurden.

6. Gesundheits-Camps
Wegen der schlechten Trinkwasserqualität (zu hohe natürliche Fluorkonzentration) in dieser Region haben die Menschen Probleme mit den Knochen, vor allem mit den Gelenken. Dazu kommen viele Augenprobleme und Blutarmut.
Keshavapuram liegt fast 50 km vom nächsten Spital entfernt. An fünf Gesundheitstagen konnten dank der ehrenamtlichen Hilfe von Ärzten aus Hydarabad und Suryapet 600 Dalits über Ursachen und Therapien ihrer Beschwerden informiert werden. 18 Personen konnte mit Brillen geholfen werden, 15 weitere konnten in Kooperation mit dem Lions Club für Staropreationen ins Spital gebracht werden.

Original in Telugu: J. Veeraswamy, englische Übersetzung: Baby Gogineni (IHEU), deutsche Zusammenfassung: Reta Caspar

14. Februar 2013 Bericht im Deutschlandfunk:
“Heiratsverbot und Sklavenarbeit in Indien

Januar 2013
Zwei deutsche Journalistinnen haben Keshavapuram besucht und werden ihre Recherchen in einem 18-minütigen Radiobeitrag verarbeiten, der im Februar 2013 ausgestrahlt wird.
Erste Impressionen auf: http://www.nicole-scherschun.com/?p=1116

23. März 2012
Das Programm wird an ‘Ugadi’, dem traditionellen Neujahrstag in Andhra Pradesh, gestartet – bei 41 Grad im Schatten. Bereits zur Eröffnung wurden einige Tricks demonstriert, mit denen viele Leute in der Gegend von “Schwarzen Magiern” beeindruckt und abgezockt werden. Etwa 10% der rund 1000 DorfbewohnerInnen von Keshavapuram nahmen teil. Über den Anlass und das Programm wurde auch in der lokalen Presse berichtet – eine gute Gelegenheit, die Frage der Dalits ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Projekt

Der Grosse Vorstand der FVS hat auf Antrag des Zentralvorstandes eine Patenschaft im Rahmen des IHEU-Projektes “Adopt a Dalit village” beschlossen.

Das Projekt zielt darauf ab, in einem lokalen “Zentrum für sozialen Wandel” Dienstleistungen anzubieten, die sonst nicht zur Verfügung stehen würden:

  • Aufklärung und Angebote der modernen Medizin sollen die Macht des Aberglaubens brechen
  • Professionelle Berufsberatung und Coaching soll die jungen Menschen befähigen, Alternativen zu traditionellen Beschäftigungen zu finden und den Anschluss an die moderne Wirtschaft zu finden
  • Diskussions und Veranstaltungen werden explizit Humanistisches Denken fördern
  • Humanistische Ideale werden als Alternative zur unterdrückenden Religion präsentiert

Die FVS übernimmt eine Patenschaft für das Dorf

Keshavapuram

Distrikt: Nalgonda – 508 213
Staat: Andhra Pradesh
Anzahl Haushalte: 169
Männer: 234
Frauen: 229
Kinder: 55
Total Bevölkerung: 518
Menschen mit Behinderungen: 25
Alleinstehende Frauen: 16
Waisen: 4

Geschichte

Das Dorf ist 700 bis 800 Jahre alt. Vor 150 Jahren wurde es überflutet. Seither ist es zweigeteilt. Allmählich fand eine Kasten-Segregation statt. Der Dorfteil mit Dalit (Unberührbaren) heisst heute Keshavapuram und liegt 48 km vom nächsten Regionalspital. Obwohl es mehr als 500 Einwohner hat, ist es keine eigene administrative Einheit. Der nächste staatliche „Fair price“-Laden liegt 10 km ausserhalb. Es gibt keine direkte Busverbindung (Busstation 3.5 km im Nachbardorf http://en.wikipedia.org/wiki/Velugupalli_Annaram) und nur eine schlecht unterhaltene Strasse.

Wirtschaft

Die Bewohner sind fast ausschliesslich Bauern. 15 Familien haben je 0.8 ha, 8 Familien haben 1.4 ha, 123 Familien haben weniger als 0.4 ha. Es gibt keine Grossgrundbesitzer im Dorf. Die Landarbeiter suchen Arbeit in den umliegenden Dörfern. In 33 Familien waren Mitglieder zur Migration gezwungen, um den Lebensunterhalt zu finanzieren. Sie besuchen das Dorf zweimal jährlich. Einige Familien haben die Schulbildung der Kinder abgebrochen und diese in die Stadt mitgenommen, wo sie Kinderarbeit verrichten. Sehr wenige folgen ihren Kindern in ein staatliches Heim, wo sie zwischen 800 USD und 2000 USD erhalten würden.

Soziales

Weil fast das ganze Dorf aus Dalits besteht, kommt die Entwicklung nicht vom Fleck. Wissen und Bewusstsein sind kaum vorhanden. Bevor die IHEU sich zu engagieren begann, hatten sie keinen Zugang zu Presseerzeugnissen. Jetzt haben sie eine Tageszeitung.

Schuldknechtschaft

Vor 50 Jahren haben die Menschen dieser Region für die Abschaffung der Schuldknechtschaft gekämpft. Trotzdem gibt es in Keshavapuram 20 Familien die sich in der Falle der Schuldknechtschaft befinden, die oft eine Schufterei von 15 Tagesstunden lebenslänglich dauert.

Die meisten Dalit Familien dieses Dorfes werden Opfer des Mitgiftsystems. Um die erforderlichen USD 1500-1800 zu leisten, verschulden sich die Familien und kommen dadurch in Schuldknechtschaft.

Kinderarbeit, Kinderheirat

Die Primarschule im Dorf hat Platz für 33 SchülerInnen. Es wurden mehrere Dutzend Fälle von Kinderarbeit gezählt. Die meisten Kinder haben keine Sekundar-schulbildung. Eltern verheiraten ihre Kinder früh, entsprechend häufig sind die Fälle von Gesundheitsproblemen. Unter dem Child Development scheme (ICDS) wurde eine Krippe für 25 Kinder von 0-5 Jahren eröffnet.

Unberührbarkeit

Die Menschen von Keshavapuram, die in den Nachbargemeinden arbeiten, werden dort als Dalit diskriminiert.

Gesundheit

Als Folge des hohen Fluorgehaltes des Trinkwassers (das Problem ist der Regierung bekannt) leiden Kinder und alte Menschen an Knochen- und Gedächtnisproblemen. Mehr als 35 Frauen haben Probleme mit der Gebärmutter.

Verschuldung für die Gesundheit

Es gibt keinerlei staatliches Gesundheitsangebot. Um im nächsten Krankenhaus behandelt werden zu können, müssen die Menschen ihr Vieh verkaufen oder ihre Kinder verdingen. 23 Familien sind aufgrund von Gesundheitsproblemen finanziell ruiniert.

Politik

Keshavapuram gehört administrativ zu Sangem. Bisher wurde noch nie einE DorfbewohnerIn in eine Funktion gewählt. Politikkenntnisse sind kaum vorhanden.

Entwicklung

Das Dorf verfügt weder über ein Abwassersystem noch über Strassenbeleuchtung. Staatliche Hilfen im Rahmen des Scheduled Caste Corporation (zuständig für die Wohlfahrt der Dalit) oder des DRDA (Entwicklungsprogramm für Frauen) wurden bisher nicht implementiert. Die meisten Jugendlichen haben keine Perspektive.

Traditionen und Aberglauben

Die BewohnerInnen gehören gemäss offizieller Statistik dem Hinduismus an. Sie begehen mehrere religiöse Feste. Sie essen Rind, was Ihnen die Verachtung der oberen indischen Kasten einbringt. Die Menschen sind ungebildet und leichtgläubig. Herumwandernde „Heilige“ und „Magier“ besuchen solche Dörfer, wo sie gegen gutes Geld kranke Tiere „heilen“. Die Menschen vertrauen diesen Scharlatanen mehr als der modernen Medizin. Vier Frauen im Dorf sind hysterisch und erzählen, sie seinen von der Dorf-Göttin besessen.

IHEU-Programm

Die IHEU will mit diesem Programm Bewusstsein für die sozialen Bedingungen schaffen, den Menschen dabei helfen, ihre Situation zu analysieren und die soziale Entwicklung zu planen und ein Leben auf wissenschaftlicher Basis zu führen.

Umsetzung

Dauer 3 Jahre.
Zweimal jährlich wird ein Rapport erstellt.

Health camps

Die BewohnerInnen sollen befähigt werden, sich vor verschiedenen epidemischen und saisonalen Krankheiten zu schützen. Weitere Camps zu Krebs und anderen schweren Erkrankungen. Es wurde eine Gruppe von Ärzten rekrutiert, welche diese Camps im Dorf durchführen werden. Auf Wunsch der FVS wird zusätzlich explizit auch die Familienplanung in das Programm aufgenommen.

Bildung gegen Aberglauben

Gegen den weit verbreiteten Aberglauben, der den Lebensstandard beeinträchtigt, werden Bewusstseins-, Demonstrationsprogramme und Seminare durchgeführt, die das Leben der BewohnerInnen erleichtern sollen. Mr. E. Chandraiah wird als Lehrer Magie und Hexerei „entzaubern“.

Gender Bewusstsein

Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern soll durch Sensibilisierungsprogramm gefördert werden. ASMITA, eine Frauenrechtsorganisation aus Hyderabad, stellt dazu ein Team.

Ernährung

Kurse für die Ernährung von Kindern, Frauen und anderen Bevölkerungsgruppen soll durch Ms. Radha Reddy, Kasturba Women’s College, Secunderabad, angeboten werden, damit der Ernährungsstand und die Gesundheit der Bevölkerung verbessert werden kann. Sie wird Kochkurse mit lokalen Lebensmitteln anbieten.

Dalit Bewusstsein

Die Dalit-Bevölkerung soll über ihre Rechte und Privilegien unter der indischen Verfassung informiert werden. Als Verantwortliche für diesen Bereich konnten die Soziologin Prof. S. Surepally, der Journalist D. Janardhan und der Sozialaktivist J. Veeraswamy, Direktor von Spoorthi, einer lokalen Initiative, gewonnen werden.

Bewusstsein für die wirtschaftlichen Entwicklungspotenzial von Frauen
Der Lebensstandard der Frauen soll verbessert werden. Mr. S. Anjaneyulu, Director Disha, wird diese Programme übernehmen und allenfalls die Social Development Foundation, New Delhi einbeziehen.

Budget

Programme und ihre Kosten

Teilprogramm
Kosten pro Einheit Anzahl Einheiten Kosten pro Jahr

Entzauberungsprogramme

1000 Rs 6 6000 Rs

Wissensclubs für Kinder

1000 Rs 6 6000 Rs
Frauenberatung
1000 Rs 12 12’000 Rs
Medical Camp Reisespesen ÄrztInnen
1000 Rs 12 12’000 Rs
Medikamente 1000 Rs 6 6’000 Rs
Berufsberatung 1000 Rs 6 6’000 Rs

Honorar Dorfkoordinator

1500 Rs 12 18’000 Rs

Honorar Projektkoordinator

3500 Rs 12 42’000 Rs

Reisespesen Team

1000 Rs 12 12’000 Rs

Bibliothek

4’000 Rs 1 4’000 Rs

Training Einkommensgenerierung

25’000 Rs 1 25’000 Rs

Jahresbericht und Evaluation

500 Rs 1 5’000 Rs

Total

184’000 Rs

2011 entspricht das US$ 4000. Wegen der starken Inflation in Indien setzt die IHEU den Finanzbedarf auf US$ 5000 US$ pro Jahr an.

Kontrolle und Berichte

Das Projekt kann bereits im Februar 2012 starten und wird  von IHEU-Mitarbeitern vor Ort begleitet und kontrolliert.
Über den Stand des Projektes wird alle 6 Monate Bericht erstattet. Wir werden Sie in frei denken. und auf unserer Webseite laufend informieren.

Bisherige Erfahrungen

Das IHEU-Programm wurde 2010 gestartet. Die französischen Freidenker haben als erste eine Patenschaft übernommen, die holländischen Humanisten folgten. Im den Dörfern Gottiparthi (von dort stammen die Bilder auf dieser Seite) und Malwabar werden seit 2011 die ersten ermutigenden Erfahrungen gemacht: Wandel im Namen des Humanismus!

Ihre Spende

Die FVS hat den Betrag von USD 5000 für die Jahre 2012-2014 gesprochen und bittet die Mitglieder und Sympathisanten, zu Gunsten des Projektes zu spenden auf:

Postkonto:  84-4452-6
Bitte mit Vermerk: “Dalit”

IBAN: CH7909000000840044526
BIC:  POFICHBEXXX

oder via

Spenden ab Fr. 100.- werden automatisch verdankt, kleinere Beiträge auf Anfrage.

Spendenziel 2012: CHF 4600   wurde am 15. Dezember erreicht!
Spendenziel 2013: CHF 4600

Herzlichen Dank!


FVS Spendenfonds

Falls für Sie andere Themen im Vordergrund stehen, könnten Sie sich vielleicht für einen der Fonds der FVS erwärmen.

Dalits: “Heiratsverbot und Sklavenarbeit in Indien”

Freitag, 15. Februar 2013

14. Februar 2013: Feature im Deutschlandfunk:
“Heiratsverbot und Sklavenarbeit in Indien

Inhalt

Trotz der Modernisierung sind die Kasten nicht verschwunden

Von Leila Knüppel und Nicole Scherschun

Alle Inder sind gleich. So steht es in der seit 1950 geltenden Verfassung. Doch die Wirklichkeit sieht anders auch. Noch immer gilt das Kastensystem, und besonders auf dem Land werden die Unberührbaren bis heute diskriminiert.

In Keshavapuram soll bald Pongal gefeiert werden: das südindische Erntedankfest. Gewürze, Linsen und Erbsen liegen schon auf bunten Tüchern auf dem Lehmboden des Hofes. Anil (und Shrilata sitzen vor der Tür ihres kleinen Hauses. Ihnen ist nicht nach Feiern zumute. Dabei sind sie jung und verliebt.

Im College haben sie sich kennengelernt, erzählt der 23-jährige Anil. Seit einigen Monaten sind sie verheiratet – und seitdem muss er Angst haben. Angst vor Angehörigen einer höheren Kaste, die ins Dorf kommen könnten, um ihn zu bedrohen, zu schlagen und vielleicht zu töten. Angst vor Shrilatas Eltern.

“Er stammt aus einer anderen Kaste. Sein Leben ist deshalb in Gefahr. Bisher ist zum Glück noch nichts passiert. Ich hatte keinen Kontakt mit meinen Eltern seit der Hochzeit. Aber das bedeutet nicht, dass wir die Augen verschließen und alles vergessen können. Ich fürchte noch immer um sein Leben.”

Anil ist ein Dalit. Einer, der im indischen Kastenwesen als unberührbar, als unrein gilt.

Seine Frau Shrilata stammt aus einer höheren Kaste. Sie ist eine Reddy.

Eine nicht geduldete Liebe. Heiraten über Kastengrenzen hinweg ist in Indien noch immer ein Tabu, sagt Anil.

“Ich habe Angst. Aber ich weiß, dass ich gegen das System der Kasten ankämpfen muss. Ein erster Schritt ist es, eine Frau außerhalb meiner Kaste zu heiraten. Und ich liebe Shrilata sehr, also war die Hochzeit genau das Richtige.”

Etwa 500 Dalits leben hier in Keshavapuram, mitten im Nirgendwo. Nur ein staubiger Pfad führt durch Reis- und Baumwollfelder zu dem kleinen Dorf. Die meisten Häuser bestehen aus Lehm und Wellblech. Wasserbüffel liegen im Schatten einiger Palmen, Hühner scharren im Straßenstaub.

Nur etwa 150 Kilometer ist Keshavapuram von der südindischen High-Tech-Metropole Hyderabad entfernt.

Auf dem Land gelten andere Regeln als in der Stadt. Auch wenn die indische Verfassung Unberührbarkeit verbietet und Gewalt gegen Dalits unter Strafe stellt. Hier, auf dem Dorf könne niemand der festen Hierarchie des hinduistischen Kastenwesens entkommen, sagt der Aktivist und Menschenrechtler Babu Gogineni. Er besucht die Dörfer rund um Hyderabad regelmäßig.

“In einem Dorf, nur 130 Kilometer von Hyderabads Flughafen entfernt, wurde ein Dalit vor eineinhalb Jahren zu Tode gesteinigt, weil vermutet wurde, er sei ein Zauberer. Das zeigt nicht nur, dass Dalits nicht als Menschen gesehen werden, sondern dass die gesamte Gesellschaft an einem Mangel an Menschlichkeit krankt. Die menschliche Solidarität ist völlig dahin. Und so etwas geschieht wegen des Kastensystems. Diese Hierarchie in der Gesellschaft ist das Problem; ein wirklich großes, aktuelles Problem.”

Von Geburt an ist jeder Inder in eine feste Struktur eingebunden, für die die Ordnungsbegriffe Jati und Varna stehen.

Jati bezeichnet bestimmte lokale Gruppen oder auch traditionelle Berufe wie Dhobi – die Wäscher, oder Gandhi – die Parfümverkäufer. Über 2.000 solcher Jati gibt es in Indien.

Varna dagegen ist eine mythologische, fest hierarchische Unterscheidung.

Bereits in alten hinduistischen Texten, den Veden, ist diese Einteilung erwähnt, sagt der Soziologe Pralhad Jogdand. Sie schreiben das Kastensystem und die Unberührbarkeit fest.

Brahmanen – Priester – stehen an der Spitze dieser Gesellschaftsordnung; gefolgt von den Kriegern, den Händlern und schließlich den Shudra, den Bediensteten.

“In den Schriften steht, Brahmanen wurden aus dem Kopf erschaffen, die Krieger aus den Armen, die Händler aus dem Bauch, die Bediensteten aus den Füßen. Der Kopf steht für die obere, allen anderen überlegene Kaste. Die Füße für das Minderwertige. So wurde das Varna-System begründet.”

Die Dalits stehen außerhalb dieser Einteilung, gelten als kastenlos und unberührbar. Sie arbeiten traditionell in Berufen, die als unrein gelten wie Straßenfeger, Latrinenputzer oder Tagelöhner. Insgesamt sind mehr als 160 Millionen Menschen, etwa 16 Prozent der Bevölkerung Indiens kastenlos.

Im Dorf Keshavapuram wohnen ausschließlich Dalits. Da sie traditionell niedere Tätigkeiten verrichteten, mit Dreck, Exkrementen oder Tod zu tun hatten, wurden sie bereits vor Jahrhunderten aus den übrigen Dörfern ausgegrenzt.

Auch heute schauten die Bewohner aus den Nachbardörfern auf sie herab, erzählt einer der Männer in Keshavapuram.

“Die anderen Dorfbewohner behandeln uns nicht normal. Sie sagen: Geh weg, du bist ein Dalit. Und wenn wir ihnen nah kommen, beschweren sie sich, sie hätten ihre Reinheit verloren. Und dann beginnen sie, Mantras und Gebetsformeln zu murmeln und heiliges Wasser zu versprenkeln, um sich selbst wieder zu reinigen.”

Auf dem Campus des National Institut of Technology in Nagpur, einer der Eliteuniversitäten Indiens: Studenten spazieren die breiten Alleen entlang, vorbei am Tennisplatz und Bibliotheksgebäude.

Elektrotechnik, Mechanik oder Bergbau – wer hier studiert, dem steht eine glänzende Zukunft als Ingenieur bevor, erzählt Professor Devidas Maiske. Gemeinsam mit seinem Kollegen Awanikumar Patil ist er auf dem Weg ins Computerlabor der Universität.

“Ich unterrichte Informatik. Nach meinem Studium bin ich hierhergekommen, habe meinen Doktor gemacht. Das war 1982. Seitdem arbeite ich hier.”

“Er war der erste Dalit-Professor hier. 1985 kam ich dann ans Institut. Als ich Dozent war, sind wir Freunde geworden.”

Mittlerweile unterrichten auch noch andere Dalit-Kollegen an der Uni. Zahlreiche Jugendliche aus den benachteiligten Kasten studieren hier. Denn in Indien gilt eine Quotenregelung: 15 Prozent der Studienplätze sind für Dalits reserviert. Auch andere benachteiligte Kasten haben sich mittlerweile eine Quotenzuteilung erkämpft, sagt Dozent Patil.

“Hier studieren Jugendliche aus ganz Indien. Es ist also ein ganz anderes Miteinander, unter den Studenten gibt es keine Unterschiede, keine Abgrenzung zwischen höheren und niederen Kasten. Aber tief in der indischen Gesellschaft, tief in ihnen wachsen sie nicht zusammen. Sie werden nicht über die Kastengrenzen hinweg heiraten. Und sie werden dort ihr Haus kaufen, wo Menschen ihrer Kaste bereits wohnen. Das Zusammenwachsen braucht eben seine Zeit.”

Quoten gelten nicht nur hier – an der Universität -, sondern auch im öffentlichen Dienst. Zahlreiche Dalits arbeiten aber nur in unteren Positionen, bei Beförderungen werden sie kaum berücksichtigt – bisweilen auch wegen ihrer schlechten Ausbildung.

Die Quotenregel ist umstritten. Denn statt Leistung zähle die Kastenzugehörigkeit, sagen Kritiker. Ein Argument, dem Maiske vehement widerspricht.

“Einem Teil der Gesellschaft wurden viele Dinge verwehrt wie Bildung oder bestimmte Berufe. Sie wurden nicht als Menschen behandelt. Aber unsere Verfassung sagt, jeder ist gleich. Wie soll das gehen, wenn einigen jahrhundertelang die einfachsten Dinge versagt blieben?! Durch die Quote müssen sie zusätzliche Hilfe erhalten. Schon in meiner Generation hat sich vieles gewandelt.”

Im Computerlabor sind alle Plätze besetzt. Junge Männer beugen sich über Zahlenkolonnen. Wer hier sitzt, erhofft sich einen Job in Indiens Zukunftsbranche, als Software-Entwickler oder Ingenieur.

An einigen Rechnern sind Urlaubsfotos oder Facebook-Einträge zu erkennen. Als Maiske und Patil das Labor betreten, werden die Seiten schnell weggeklickt.

“Mit der wachsenden Wirtschaft in Indien, ziehen immer mehr Menschen in die Städte. Es gibt dort zwar immer noch Kasten-Unterschiede, aber sie verschwinden mehr und mehr. Denn in der Stadt gibt es bessere Bildungs- und Jobchancen. Hier können sie selbst wählen, in den Dörfern sind sie an ihre traditionellen Kasten-Berufe gebunden oder die Landwirtschaft. Auch mein Großvater war Bauer. Wenn solche Leute heute in die Städte ziehen, geht es ihnen meist besser. Allerdings kann das ein oder zwei Generationen dauern.”

Nach dem Aufstehen fegt Mandula Ellamma den Hof und kocht Reis für ihre kleinwüchsige Tochter und ihren blinden Mann. Dann macht sie sich auf den Weg zu den Feldern der Großgrundbesitzer, mehrere Kilometer von Keshavapuram entfernt.

“Ich bekomme 1 Euro 50 für einen Tag Arbeit, wenn ich Reis pflanze oder Baumwolle pflücke. Aber so einen Job gibt es nicht jeden Tag. Deswegen ernte ich sonst Erdnüsse für 30 Cent pro Korb. Am Tag schaffe ich es, zwei Körbe zu füllen, bekomme also 60 Cent am Tag. Das sind die üblichen Löhne hier.”

Heute arbeitet Ellamma mit ihren Nachbarn auf dem Reisfeld. Gebückt stapft sie durch das knöchelhohe Wasser und pflanzt Setzlinge. Dalits sind typischerweise in der Landwirtschaft beschäftigt – als Tagelöhner, denn eigenen Boden besitzen die wenigsten.

Einige der Dorfbewohner haben bei ihren Arbeitgebern Schulden gemacht und müssen diese nun abarbeiten – unter Bedingungen, die an Leibeigenschaft oder Sklaverei erinnern. Sterben sie, gehen die Schulden oft auf die Kinder über.

2000 Rupien verdiene er im Monat, erzählt einer der verschuldeten Männer. Knapp 30 Euro. Mit dem Geld müsse er sofort seine Schulden begleichen. Wenn seine drei Kinder Kleidung benötigen oder andere Anschaffungen anstehen, müsse er sich wieder Geld leihen.

Morgens um fünf steht er auf. Vor zehn Uhr abends kommt er selten nach Hause, erzählt der Mann, 365 Arbeitstage im Jahr. Ein Teufelskreis, der kaum zu durchbrechen ist.

Doch was soll ich tun, sagt er. Ich muss doch essen.

J. Veeraswamy kommt aus einem der Nachbardörfer Keshavapurams und kämpft seit Jahren gegen unrechtmäßige Landenteignung der Dalits und für gerechte Löhne. Die Arbeitsbedingungen in dem Dorf zeigen für ihn eins: An der Diskriminierung der Dalits hat sich bis heute nichts geändert.

“In der Immobilienbranche, im Hotel-Business, im Bereich Kommunikation oder IT, in all diesen Berufsfeldern sind kaum Dalits anzutreffen. Das ist die moderne Diskriminierung heutzutage. Wir kämpfen für unsere Rechte, beispielsweise um unser Land. Aber die anderen Kasten haben Macht und Geld. Der Unterschied ist noch immer riesig.”

Das indische Kastenwesen begründet sich in der hinduistischen Religion, teilt aber auch die Anhänger anderer Glaubensrichtungen in die soziale Hierarchie ein. Daher sind nicht nur die 80 Prozent indischen Hindus von dem rigiden System betroffen, sondern auch beispielsweise die 13 Prozent Muslime und etwa zwei Prozent Christen.

Bis heute ist unklar, wie das Kastenwesen in Indien entstand. Einige Historiker vermuten, dass der Volksstamm der Arier die strenge soziale Hierarchie etabliert hatte. Um das Jahr 2000 vor Christus waren die Arier nach Indien eingewandert. Durch das Kastenwesen wollten sie womöglich eine Vermischung mit der unterworfenen einheimischen Bevölkerung verhindern.

Menschen in weißer Kleidung drängen in den riesigen Kuppelbau des buddhistischen Tempels; dem Deekshabhoomi in der nordindischen Stadt Nagpur.

Devidas Maiske zieht vor dem Eingang seine Schuhe aus. Betreten dürfen Besucher das Heiligtum nur barfuß.

In der Mitte des Marmorsaals steht eine Buddha-Statue, davor die Urne eines Nationalhelden: Bimrau Ambedkar. Er war einer der Urheber der indischen Verfassung, die schon 1950 die Gleichheit aller Inder vor dem Gesetz festschrieb; ohne Rücksicht darauf, welcher Kaste sie angehören.

Maiske faltet die Hände vor der Brust und verbeugt sich kurz vor dem Heiligtum. Für ihn ist Ambedkar eine Art Befreier aus der Knechtschaft des Kastenwesens.

Denn selbst Bhimrao Ambedkar, Vater der Verfassung und ehemaliger Justizminister, konnte dieser Diskriminierung nicht entgehen. Einmal Dalit, immer Dalit. Aus Protest trat Ambedkar 1956 zum Buddhismus über. Auch Maiske, dessen Vater mit Ambedkar befreundet war, gehörte zu den Hunderttausenden, die bei der Zeremonie dabei waren.

“Ich war kaum drei Monate alt, als wir alle konvertierten. Meine Mutter hat mich damals mitgenommen. Später erzählte sie mir immer, wie die Leute in Massen nach Nagpur strömten – etwa 500.000.”

Vor dem Stupa singen Musiker Lieder, die von dem Massenübertritt handeln.

Ambedkar habe die Leute inspiriert, erzählt Maiske. Noch heute drücken sie ihre Dankbarkeit in ihren Liedern aus.

Eine einheitliche politische Bewegung konnte Ambedkar allerdings nicht formen. Die von ihm gegründete Republican Party of India zerfiel wenige Jahre nach seinem Tod 1956 in Dutzende Splittergruppen.

Trotzdem sind einige Dalits heute in hohen politischen Ämtern vertreten. Sowohl die Parlamentssprecherin Meira Kumar als auch die ehemalige Regierungschefin im Bundesstaat Uttar Pradesh Mayawati Kumari stammen aus der Kaste der Dalits.

Zum Erntedankfest haben in Keshavapuram alle Dorfbewohner zusammengelegt und eine Kuh zum Schlachten gekauft.

Nach dem Festmahl werden ein paar Plastikstühle vor die Hütten gestellt und es wird Tee getrunken. Zeit für Gespräche. Schnell geht es um die Dorfschule. Dort arbeitet eine neue Lehrerin. Und die mache Probleme, erzählen einige Bewohner.

Sie würde die Schulmahlzeiten nicht essen. Nicht einmal Wasser trinke sie hier, sagt Miriyala Bhadrayya. Denn von Dalits zubereitete Nahrung gilt als unrein.

Nun möchten die Dorfbewohner mit der Lehrerin sprechen und sich beschweren. Denn nur durch Protest können sie etwas ändern, meint Bhadrayya. Der 46-Jährige erinnert sich an eine Geschichte, die vor zehn Jahren im Dorf passiert ist.

“Da gab es hier in der Nähe einen Brunnen, aus dem wir nicht trinken durften. Wenn wir durstig waren, mussten wir neben dem Brunnen warten, bis uns jemand aus einer höheren Kaste Wasser holte. Bei einer der Ernten hatten wir schließlich genug davon und haben uns gefragt: Warum, verdammt noch mal, lassen sie uns nicht zu dem Brunnen? Und dann sind wir alle zusammen einfach ins Wasser gesprungen.”

Eine ältere Frau fällt dem Erzähler ins Wort, auch andere reden plötzlich mit. Jeder möchte von der Heldentat erzählen.

In der Geschichte geht es nur am Rande um Durst oder Trinkwasser. Durch den Sprung in den Brunnen haben die Dalits ein jahrhundertealtes Tabu gebrochen. Sie konnten so ein neues Selbstbewusstsein entwickeln.

Spende für Dalit-Projekt

Die FVS unterstützt ein Aufklärungsprojekt in der Gemeinde Keshavapuram. Sie hat den Journalistinnen den Kontakt zu Babu Gogineni und J. Veeraswamy geöffnet:
http://www.frei-denken.ch/de/2012/03/patenschaft-fur-dalit-gemeinde-hilfe-zur-selbsthilfe/

Gib – schau wem!

Dienstag, 18. Dezember 2012

Dezember ist der Monat der Bettelbriefe und Spendenaufrufe. Alle appellieren sie an unsere Solidarität und rufen uns auf zum sinnvollen Spenden. Aber Spenden ist vor allem eine Überweisung von Macht: Wer spendet ermächtigt Andere zum Handeln – wo dies sinnvoll ist, müssen aufgeklärte Menschen selber beurteilen.
http://www.news.ch/Gib+schau+wem/567765/detail.htm

Eigentlich… ist die Caritas katholisch

Freitag, 16. November 2012

Die Caritas bittet derzeit um Spenden mit dem Slogan: “Eigentlich wissen wir alle, was richtig ist.”
In der Tat. Die Caritas verschweigt allerdings, dass sie das Hilfswerk der Katholiken ist, das “wir” bezieht sich also eigentlich auf die katholische Konfession, und eigentlich steht Caritas unter der Fuchtel des Vatikans.

Mehr zum Thema: http://www.frei-denken.ch/de/2012/05/kein-steuerfranken-mehr-fur-caritas/

“Fastenopfer”: Beiträge der öffentlichen Hand machen 17.4% aus

Montag, 28. Mai 2012

Das katholische Hilfswerk “Fasteopfer” hat 2011 mit 415’520 CHF nur noch 2% aus Beiträgen von Kantonen und Gemeinden eingenommen (2010: 4,3%).
Die Bundesbeiträge stiegen dafür auf 3’221’996 CHF (15.4%), im Vorjahr machten die Beiträge des DEZA noch 14.1% aus.
Total betrug 2011 die öffentliche Finanzierung 17.4% (2010: 18.4%).
Insgesamt ging der Gesamtertrag um 3% zurück, die gesamte öffentliche Finanzierung lediglich um 1%.

Jahresbericht 2011

Ohne Zwang – Schweizer Haushalte spenden heute schon grosszügig!

Samstag, 19. Mai 2012

Im Zusammenhang mit der Frage der Kirchensteuer-Eintreibung durch den Staat wird derzeit in Deutschland u.a. von Teilen der Grünen mal wieder die “Mandatssteuer” ins Spiel gebracht. Damit sollen BürgerInnen –  alle, oder nur die Konfessionsfreien (!) – zu einer Sozialabgabe verpflichtet werden, welche den “unterfinanzierten gemeinnützigen Sektor” stärken solle.
Abgesehen von der heiklen Frage, wer dann nach welchen Kriterien den Kreis der Beitragsberechtigten definieren soll, lassen die Anhänger der “Mandatssteuer” ausser Acht, dass die Privaten heute schon freiwillig einen respektablen Betrag spenden. Diese freiwilligen Spenden sind – neben der Freiwilligenarbeit, die keineswegs eine Spezialität der Kirchen ist – Ausdruck der freiwilligen Bereitschaft zum Beitrag an den Gemeinnutzen. Durch einen staatlichen Zwang könnte diese Bereitschaft beschädigt werden.

Haushalte spenden 3.4 Promille der Steuerausgaben

Die Steuerausgaben pro Haushalt betrugen 2009 im Durchschnitt pro Jahr 13 512 Franken.
http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/20/02/blank/key/einkommen0/niveau.html

Die Kirchensteuernerträge belaufen sich auf 1.3 Mrd. Franken (FAKIR-Studie 2007). Verteilt auf 3’324’300 Privathaushalten (BfS 2007) machen sie 391 Franken pro Haushalt und Jahr aus, das sind rund 3 Promille der Steuerausgaben der Haushalte.

Die freiwilligen Spenden in der Schweiz bewegen sich in ähnlicher Höhe: Über 70% der Schweizer Haushalte spenden. 2009 im Durchschnitt pro Jahr 458 Franken, das sind 3.4 Promille der Steuerausgaben der Haushalte.
http://www.swissfundraising.org/de/news/243/Spendenmonitor:-Schweizer-Spendende-so-grosszuegig-wie-noch-nie.htm

Kirchen verlieren Mitglieder

Die Kirchen verlieren laufend Mitglieder während

die freiwillige Spenden steigen

“Das geschätzte Spendenvolumen der Schweizer Privathaushalte stieg 2010 auf 1.2 Milliarden Schweizer Franken, dem zweithöchsten Betrag seit dem Post-Tsunami-Jahr 2005. Mehr gespendet wurde sowohl in der Deutschschweiz wie auch in der Westschweiz. In der Deutschschweiz wurden durchschnittlich 786 Franken pro Haushalt gespendet, in der Westschweiz 403 Franken.”

http://www.swissfundraising.org/de/news/243/Spendenmonitor:-Schweizer-Spendende-so-grosszuegig-wie-noch-nie.htm

FVS zum Thema Mandatssteuer: http://www.frei-denken.ch/de/2011/02/keine-zwangsabgaben-fur-nichtstaatliche-organisationen/

Kein Steuerfranken mehr für Caritas!

Donnerstag, 3. Mai 2012

cash.ch
Nach Streitigkeiten über die Rolle der Religion bei humanitären Hilfseinsätzen übernimmt der Vatikan weitgehend die Kontrolle über den Dachverband der Caritas. Dies soll sicherstellen, dass die Caritas die Botschaft der Kirche deutlicher verbreitet.

http://www.cash.ch/news/alle/vatikan_uebernimmt_weitgehend_kontrolle_ueber_dachverband_der_caritas-1165774-448  der Artikel ist an 16.11.2012 nicht mehr online

Mai 2012: Zuletzt hatten der Papst und führende Vertreter des Vatikans immer wieder allgemein ein stärkeres katholisches Profil kirchlicher Hilfswerke angemahnt: http://www.kath.net/detail.php?id=36366

Die öffentliche Hand sollte konsequent auf Zuwendungen von Steuergeldern an die Caritas verzichten!
Auch die Spendenplattform “Glückskette” sollte keine Spendengelder an Caritas-Projekte überweisen!
Den SpenderInnen raten wir, konsequent direkt an nicht-religiöse Projekte zu spenden: http://www.frei-denken.ch/de/2010/08/humanistische-nichtreligiose-hilfswerke/

 

Spendenprojekt Burkina Faso: Ausbildung für junge Frauen

Mittwoch, 6. Juli 2011

Projekt von Erika Goergen, Goldau:

FVS-Mitglied Erika Goergen besuchte im Februar 2011 Burkina Faso, eines der ärmesten Länder der Welt, und war so berührt von den Lebensbedingungen in der Stadt Bobo-Dioulasso, dass sie spontan entschied, die Finanzierung von Kleinprojekten zu organisieren. Eines davon ist das „Centre de l’art vestimentaire”, in dem junge Frauen und Mütter aus ärmsten Verhältnissen eine dreijährige Ausbildung zur Schneiderin absolvieren können. Die Ausbildner sind Berufsleute mit langjähriger Erfahrung und eigenem Schneideratelier. Das Projekt läuft seit 2010 mit staatlicher Anerkennung. Nach einem eintägigen Besuch im Zentrum ist Erika Goergen überzeugt, dass diese Ausbildung jungen Frauen den Start in eine unabhängige Zukunft ermög- lichen kann.

Sie sucht nun Spenden in der Höhe von rund CHF 1200 für die nächste Gruppe von fünf Frauen, denen damit eine Singer-Nähmaschine zur Verfügung gestellt und die Ausbildung finanziert werden soll.

Erika Goergen wird im Januar 2012 die Spenden persönlich dem Präsidenten des Trägervereins überbringen und sich von deren korrekten Verwendung überzeugen.
Spendenkonto:

Erika Goergen, 6410 Goldau
Unterstützung Burkina Faso
PC 60-698150-3
Vermerk: Nähmaschinen