Archiv für die Kategorie „Schule und Religion“

USA: Schulgebet an der Aulawand verhüllt

Samstag, 28. Januar 2012

Spiegel
Ein Schulgebet empört in den USA eine ganze Stadt: Das fromme Sprüchlein hängt als Banner in der Aula und gehört dort nicht hin, entschied ein Gericht. Die Schülerin, die das Gebet abdecken liess, gilt einigen Gläubigen jetzt als meist gehasste Person im Bundesstaat Rhode Island.

Gestritten wird um das Gebet schon länger, und es war nicht Jessica allein, die den Streit nun vor Gericht brachte: Vielmehr reichte vor etwa einem Jahr ein Elternteil Beschwerde bei der American Civil Liberties Union (ACLU) ein, einer einflussreichen Bürgerrechtsbewegung, berichtet die “New York Times”. Die Schule diskutierte daraufhin in mehreren Anhörungen über das Gebet, bei denen Jessica immer wieder vorsprach. Letztlich entschied die Schule, das Gebet hängen zu lassen. Es gehöre einfach zur Schule dazu und sei gar nicht religiös, sondern säkular.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,811785,00.html

Basel: Muslime wollen Privatschule

Donnerstag, 26. Januar 2012

20 Minuten
Der Streit um den obligatorischen Schwimmunterricht spitzt sich zu: Eine Gruppe von Muslimen aus beiden Basel plant eine eigene muslimische Privatschule von Kindergarten- bis Sekundarstufe.
Für den Baselbieter Regierungsrat Urs Wüth­rich ist aber klar: «Der Lehrplan muss auch in Privatschulen erfüllt werden.»

http://www.20min.ch/news/basel/story/16568649

“Verlandeskirchlichung” des Islams?

Mittwoch, 25. Januar 2012

In Belgien zeigt sich, was Integration durch Religion bedeutet: In Brüssel sollen derzeit 40% der SchülerInnen den Islamunterricht besuchen.
Als es in der Schweiz noch üblich war, reformiert oder katholisch zu sein, gingen die Kinder fraglos in den Religionsunterricht. Angesichts des dramatischen Mitgliederverlustes leisten nun die “Landeskirchen” der “Verlandeskirchlichung” des Islams Vorschub, damit sie  ihre eigenen Privilegien nicht aufgeben müssen.

Religionspolitik

Mit Unterstützung der Katholiken und Reformierten wurde in Österreich und Belgien und wird derzeit in Deutschland der Islam staatlich anerkannt. Damit öffneten sich die Türen der Schulen für den islamischen Religionsunterricht.

Auch in der Schweiz gibt es ein Pilotprojekt: In Kreuzlingen (TG) wird seit 2010 muslimischer Religionsunterricht an der Volksschule angeboten: http://www.frei-denken.ch/de/2010/08/kt-tg-projekt-islamunterricht-gestartet/.

Im Kanton Luzern hat 2009 – mitten im Abstimmungskampf um die Minarett-Verbotsinitiative – ein Muslimverein Antrag auf Anerkennung gestellt: http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/islam_kanton_luzern_landeskirche_1.3540678.html. Auch Hindus und Serbisch-orthodoxe haben Interesse angemeldet. Seit der Verfassungsrevision von 2007 kann im Kanton Luzern der Kantonsrat über die Anerkennung von Religionsgemeinschaften als öffentlich-rechtliche Körperschaften entscheiden.

Kritik

Ob der Religionsunterricht das friedliche Zusammenleben mehr fördert oder belastet, ist umstritten.
Wo islamischer Religionsunterricht staatlich gefördert wird, steigt aber möglicherweise der Druck von MigrantInnen aus “muslimischen” Ländern, die hierzulande einfach pauschal als Muslime bezeichnet werden und sich fern von der Heimat der eigenen Tradition verbunden fühlen wollen, ihr Kinder in den Religionsunterricht zu schicken.

In Kreuzlingen wurde 2010 noch vermeldet, 24 von 29 “möglichen” Kindern würden am muslimischen Religionsunterricht teilnehmen. Damit wird ein “Bedarf” belegt, der durch das Angebot erst mal geschaffen worden ist. http://www.viuk.ch/schuler.html
2011 besuchten nur noch 30 von “möglichen 42 Teilnehmenden” das erste Unterrichtsjahr. Bei den letztjährigen SchülerInnen gab es auch einzelne Austritte. Offenbar ist der Wunsch der Eltern nach Integration ihrer Kinder in die hiesige säkulare Gesellschaft im Steigen begriffen.
http://www.thurgauerzeitung.ch/ostschweiz/thurgau/kreuzlingen/tz-kr/art123852,2642034

Finanzierung

Je ein Drittel der Kosten von den Moschee-Vereinen und den Eltern bezahlt, den Rest (total CHF 12’000) will die Projektgruppe von öffentlichen Organisationen, wirtschaftlichen Unternehmen und privaten Trägerschaften organisieren. Längerfristig sollten die Mittel analog der “Landeskirchen” durch Steuererträge erbracht werden.
http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/thurgau/kantonthurgau/tz-tg/art123841,1597192

Chance?

Es ist möglich, dass damit an den Schulen ein “Islam light” angeboten wird, der – analog zum “Christentum light” der “Landeskirchen” – bereits nach einer Generation in die Bedeutungslosigkeit verschwindet, weil eben auch die MigrantInnen aus “muslimischen Ländern” die Vorteile des säkularen Staates schätzen.

Ethik für alle

In Brüssel besuchen 37% der SchülerInnen der Sekundarstufe anstelle eines der konfessionellen Fächer das Fach “Ethik”. In städtisch geprägten Milieus, wo Eltern sich selber von den Kirchen emanzipieren und SchülerInnen Mitsprache haben, verliert der katholischer Unterricht dramatisch (15%).
Angesichts dieses Trends ist es fahrlässig, von staatlicher Seite den traditionellen konfessionellen Unterricht weiter zu unterstützen. Der Integration aller in eine gemeinsame Gesellschaft kann nur ein Unterricht förderlich sein, in dem gelernt wird, ethische Fragen ergebnisoffen zu diskutieren.

Kt. ZH: Probleme mit «Religion und Kultur»

Mittwoch, 18. Januar 2012

ZO
Seit Sommer 2011 muss die Volksschule das Fach «Religion und Kultur» einführen. Während im Oberland die ersten Erfahrungen auf Sekundarstufe positiv sind, steht man auf Primarstufe der Einführung kritisch gegenüber.

Insbesondere wird die Qualität der Weiterbildung und die Verzögerung beim Lehrmittel kritisiert.

Ganzer Artikel: http://www.zol.ch/bezirk-uster/Probleme-mit-Religion-und-Kultur/story/23981919

Kt. ZH: Obligatorische Religionsstunden: Auch Pfarrer unterrichten wieder

Montag, 9. Januar 2012

Tages-Anzeiger
Seit den Sommerferien gibts fast überall obligatorischen Religionsunterricht. Das neue Fach gefällt. Doch unter den Lehrpersonen für das konfessionell neutrale Fach sind auch christliche Geistliche. Um die Neutralität zu gewährleisten, hatte der Bildungsrat ursprünglich geplant, «Religion und Kultur» ausschliesslich durch diplomierte Lehrpersonen erteilen zu lassen, die für dieses Fach speziell ausgebildet wurden.
http://epaper3.tagesanzeiger.ch/ee/taz/ges/2012/01/09/015/

Begeistert zeigten sich in einer Diskussion auf dem Fernsehsender ZüriPlus der ehemalige Bildungsrat und Pädagogikprofessor Jürgen Oelkers und der ehemalige CVP-Präsident und Theologe Markus Arnold. Oelkers war massgeblich an der Einführung des Faches beteiligt, Arnold erteilte an Zürcher Schulen Religionsunterricht. Arnold sprach von einem «Quantensprung», was den konfessionell neutralen Religionsunterricht angeht, und Oelkers lobte die Zusammenarbeit der Religionsgemeinschaften vor der Einführung des Faches. Noch nie habe er eine so lösungsorientierte Arbeit gemacht.

http://www.zueriplus.tv/konkret.htm:

19.12.11 zu Gast:

Jürgen Oelkers und Markus Arnold zum Thema neues Bildungsfach “Kultur und Religion”

Kritik der Zürcher Freidenker am Fach “Religion und Kultur”

Die Zürcher Freidenker haben ein Faltblatt* zu «Religion und Kultur» erstellt, auf dem für Lehrpersonen, SchulleiterInnen, SchulpflegerInnen, Eltern und SchülerInnen ein paar Tipps zum Umgang mit dem neuen Fach aufgeführt sind. Das Faltblatt erläutert zudem die Position der Freidenker zum Fach.
Es wurde 2011 den rund 150 Teilnehmenden einer Informationstagung zum Fach ausgehändigt.

* am besten doppelseitig ausdrucken mit Bindung am schmalen Blattrand

Position der FVS zum Schulfach “Ethik” in verschiedenen Kantonen

http://www.frei-denken.ch/de/2011/11/schulfach-ethik-welche-ethik/

Ein weiterer Text der FVS

Romanshorn: Religiöse engagierte Lehrer

Samstag, 10. Dezember 2011

St. Galler Tagblatt
Die Primarlehrer in Romanshorn nehmen in der Adventszeit keine Rücksicht auf die religiösen Überzeugungen von Andersgläubigen. «Sie pflegen die christliche Tradition, die den meisten wichtig ist», sagt Heeb. Viele Lehrer seien sogar sehr engagiert, was der Romanshorner Schulpräsident Hanspeter Heeb ausdrücklich begrüsse.

Ganzer Artikel: http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/thurgau/romanshorn/tz-ro/art123832,2786811

Berlin: Demonstratives Beten in der Schule bleibt verboten

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Öffentliche Gebete stören den Schulfrieden, sagen die Richter des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig. Damit scheitert die Klage eines muslimischen Gymnasiasten aus Berlin, der auf dem Schulflur gen Mekka beten will.Öffentliche Gebete stören den Schulfrieden, sagen die Richter des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig. Damit scheitert die Klage eines muslimischen Gymnasiasten aus Berlin, der auf dem Schulflur gen Mekka beten will.

Das Berliner Diesterweg-Gymnasium darf dem Schüler Yunus M. das Beten auf dem Schulgelände verbieten. Das hat am Mittwoch der 6. Senat des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig entschieden. Nach mehreren gerichtlichen Instanzen, die dem muslimischen Schüler zum Teil Recht gegeben hatten, wies das Bundesgericht nun eine Revision des inzwischen 18-jährigen Schülers zurück.

fr-online.de
Um den Schulfrieden zu wahren, darf die Schule im Berliner Bezirk Wedding, an der Schüler mit unterschiedlichen Religionszugehörigkeiten unterrichtet werden, das demonstrative Gebet gen Mekka unterbinden. Das Bundesverwaltungsgericht betonte, dass es sich bei dem Urteil um eine Einzelentscheidung handele, die sich auf die besondere Situation an der Schule beziehe. Grundsätzlich müsse der Staat wegen der Glaubensfreiheit religiöse Bezüge in der Schule zulassen, betonte der Vorsitzende Richter Werner Neumann. In diesem Fall müsse der Schüler jedoch die Einschränkung seiner Glaubensfreiheit hinnehmen, da durch die öffentlichen Ritualgebete der Schulfriede gestört worden sei, so der Richter.

Dem Schüler Yunus M. bleibt nun nur noch der Weg zum Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Dieses hatte sich bereits 2003 im Urteil zum sogenannten Kopftuchstreit mit der Frage der Religionsfreiheit in der Schule befasst. Ein grundsätzliches Urteil fällte das Gericht jedoch nicht. Die Karlsruher Richter wiesen die Frage vielmehr zurück an die Länder, in denen inzwischen unterschiedliche Landesgesetze die Fragen religiöser Praxis regeln.

Ganzer Artikel auf: http://www.fr-online.de/politik/religionsfreiheit-beten-in-der-schule-bleibt-verboten,1472596,11244508.html

hpd
Schulgebete haben die Schranke des Schulfriedens
:

Kritisch sieht auch Norbert Kunz, der Vorsitzende des Humanistischen Verbands Berlin-Brandenburg die Feststellung der Richter, dass im Grundsatz auch außerhalb der Unterrichtszeit in der Schule ein Gebet erlaubt sei. „Der Staat öffnet schon jetzt den Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften die Türen an seinen Schulen und ermöglicht den Schülern ein Bekenntnisfach. Hier sollte auch zukünftig der Ort sein, an dem Glaube und Weltanschauung aktiv an der Schule gelebt werden können. Es muss dabei bleiben: Die staatliche Schule ist keine Kirche. Die Schule ist ein Ort der Bildung, Erziehung und des friedlichen und toleranten Zusammenlebens.“

Ganzer Kommentar: http://hpd.de/node/12399

Schulfach “Ethik”: Welche Ethik?

Donnerstag, 24. November 2011

Wo Ethik drauf steht, lohnt es sich, genauer hinzuschauen, was denn da drin ist.
Seit rund 10 Jahren gibt es Bestrebungen, auf die markant steigenden Abmeldungen aus dem konfessionellen Religionsunterricht mit einem Wahlpflichtfach zu antworten, welches die Religionsfreiheit der SchülerInnen garantieren soll.

Hauptkritik der FVS an diesen Pflichtfächern:

  1. Themen und Sprache orientieren sich am christlichen Menschen- und Weltbild. Eine religionsfreie Weltanschauung ist kein Thema.
  2. Wo Wissen über Religionen vermittelt wird, fehlt ohne den Hinweis auf religionsfreie Weltanschauungen jene der gerade in der Schweiz am stärksten wachsenden Minderheit.
  3. SchülerInnen wird als Norm vermittelt, jede/r gehöre irgendeiner Religion an.
  4. Oft erteilen die gleichen Lehrpersonen, die früher konfessionellen Religionsunterricht erteilt haben, auch den Ethikunterricht.

Damit verletzen solche Pflichtwahlfächer unseres Erachtens potenziell die Religionsfreiheit von Religionsfreien.

Lehrplan 21

In der Deutschschweiz wird derzeit der Lehrplan 21 ausformuliert. Er sieht einen Teilbereich «Ethik, Religionen, Gemeinschaft» im Fachbereich Natur, Mensch, Gesellschaft (NMG) vor mit dem Themen: «Ich und die Gemeinschaft», «Existentielle Erfahrungen und Lebensfragen», «Werte und Normen», «Religionen und Weltsichten» und «Religiöse Spuren in der Kultur».
Im Frühling 2013 soll die bereinigte Entwurfsfassung in einer breiten Vernehmlassung öffentlich diskutiert werden. Voraussichtlich im Frühling 2014 wird der Lehrplan 21 von den Erziehungsdirektorinnen und -direktoren zur Einführung in den Kantonen freigegeben. Über die Einführung entscheidet anschliessend jeder einzelne Kanton. Heisse Debatten und Versuche, den religiös gefärbten status quo bezubehalten, sind absehbar.

Kt. Aargau

Status
Seit 2000 wird das bekenntnisneutrale Fach “Ethik und Religionen” auf allen Schulstufen unterrichtet.

Lehrplan
Themenschwerpunkte sind die Vielfalt der Religionen und Kulturen sowie Lebensgestaltung und Gemeinschaft.
http://www.ag.ch/lehrplan/de/pub/lehrplan_volksschule/faecher/religion.php

Religionskundliches und ethische Fragen werden vom Aufbau her getrennt. Neben den Religionen werden auch «Weltanschauungen» genannt, aber nicht ausgeführt.

Kt. Bern

Religionen und Ethik sind auf Primar- und Sekundarstufe im Fach Natur – Mensch – Mitwelt enthalten.

Die Ausgestaltung und Gewichtung ist stark von der Lehrperson abhängig.
Das Fach ist wenig konturiert und kam in die Medien, als 2007 ein bereits gedrucktes Lehrmittel «NaturWert» unter öffentlichem Druck teilweise überarbeitet werden musste, nachdem bekannt geworden war, dass darin Evolution und Kreation als gleichwertig erscheinen. Auch an der überarbeiteten Fassung stellten Fachleute noch gravierende inhaltliche und pädagogisch-didaktische Mängel fest.

Kt. Freiburg

Französischsprachiger Kantonsteil

Das Fach «Ethique et cultures religieuses» Teil des Lehrplanes. Es wird im 7. und 8. Schuljahr als Wahlpflichtfach, im 9. als Pflichtfach für alle angeboten.

Deutschsprachiger Kantonsteil

Seit einigen Jahren können an den Orientierungsschulen (7.-9. Klasse) zwei Wochenstunden «Ethik, Philosophie und Religionskunde» als obligatorisches Wahlpflichtfach neben dem konfessionellen Unterricht angeboten werden.

Der Lehrplan für «Ethik, Philosophie und Religionskunde» nennt 5 Lernziele:

1. Was ist der Mensch? Der Schüler/die Schülerin erkennt, dass der Mensch das einzige Lebewesen ist, das sich selber wahrnehmen, über sich selber nachdenken und sein Leben selber gestalten kann.

2. Religionen und ihre Bedeutung: Der Schüler/die Schülerin erkennt, dass Religiosität zum Wesen des Menschen gehört und in verschiedener Ausprägung eine Grundkraft des Lebens darstellt.

3. Das Gute und das Böse: Der Schüler/die Schülerin versteht, dass der Mensch das Wesen ist, das immer vor Entscheidungen und damit vor der Frage „gut – böse“, „richtig – falsch“ steht und  damit der Verantwortung für sein/ihr Tun nicht ausweichen kann.

4. Lebenssinn: Der Schüler/die Schülerin erkennt den Menschen als das Lebewesen, das immer nach Sinn sucht, nach einem innern bzw. nach einem umfassenden Zusammenhang seines Lebens seines Tuns, seines Erleidens. Der Schüler hat eine Vorstellung über Glück, glücklich sein und Glück haben.

5. Sterben und Tod: Der Schüler/ die Schülerin erkennt, dass es zum Leben des Menschen gehört, sich mit Sterben und Tod – auch mit den Fragen des eigenen Sterbens und Todes – zu befassen.

Das Fach wird in der Regel von Klassenlehrkräften erteilt..

Lehrplan

“Ethik, Philosophie und Religionskunde” nennt 5 Lernziele:

1. Was ist der Mensch?
Der Schüler/die Schülerin erkennt, dass der Mensch das einzige Lebewesen ist, das sich selber wahrnehmen, über sich selber nachdenken und sein Leben selber gestalten kann.

2. Religionen und ihre Bedeutung
Der Schüler/die Schülerin erkennt, dass Religiosität zum Wesen des Menschen gehört und in verschiedener Ausprägung eine Grundkraft des Lebens darstellt.

3. Das Gute und das Böse
Der Schüler/die Schülerin versteht, dass der Mensch das Wesen ist, das immer vor Entscheidungen und damit vor der Frage „gut – böse“, „richtig – falsch“ steht und  damit der Verantwortung für sein/ihr Tun nicht ausweichen kann.

4. Lebenssinn

Der Schüler/die Schülerin erkennt den Menschen als das Lebewesen, das immer nach Sinn sucht, nach einem innern bzw. nach einem umfassenden Zusammenhang seines Lebens seines Tuns, seines Erleidens. Der Schüler hat eine Vorstellung über Glück, glücklich sein und Glück haben.

5. Sterben und Tod
Der Schüler/ die Schülerin erkennt, dass es zum Leben des Menschen gehört, sich mit Sterben und Tod – auch mit den Fragen des eigenen Sterbens und Todes – zu befassen.

Das Fach kann seine christliche Schlagseite nicht abstreiten. Das christliche Schuld-Vergebungs-Konzept gehört zu den ersten Themen, die behandelt werden, die Sinnfrage wird ausgiebig bewirtschaftet und die “natürliche Religiosität” des Menschen ist vorgegeben.

http://www.fr.ch/doa/files/pdf30/20090406_LehrplanEthik.pdf

Kt. Graubünden

Anlässlich der Abstimmung vom 17.05.2009 (Ethik-Initiative) sprach sich das Bündner Volk dafür aus, dass die Landeskirchen weiterhin eine Lektion Religion erteilen und dass eine für alle Kinder der Volksschule obligatorisch zu besuchende Lektion Religionskunde und Ethik eingeführt wird. Gemäss Zeitplan des Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartementes (EKUD) wird ab Schuljahr 2012/13 in der Bündner Volksschul-Oberstufe und ab Schuljahr 2017/18 in der Bündner Primarschule das Fach Religionskunde und Ethik unterrichtet.

Lehrkräfte

Im Sinne einer Übergangsregelung bietet die Pädagogische Hochschule Graubünden im Auftrag des Amtes für Volksschule und Sport (AVS) in den Jahren 2011 bis 2014 für das Oberstufen-Fach Religionskunde und Ethik eine Fortbildung an. Die Fortbildung im Hinblick auf die Einführung von Religionskunde und Ethik auf der Volksschul-Oberstufe richtet sich an Lehrpersonen der Volksschul-Oberstufe sowie an Religions-Lehrpersonen, welche während der Schuljahre 2007/08, 2008/09 und 2009/10 auf der Volksschul-Oberstufe während mindestens eines Jahres im Auftrag einer Landeskirche sechs oder mehr Wochenlektionen Religionsunterricht erteilt haben.

Zentralschweiz

Kantone Luzern, Uri , Zug , Ob- und Nidwalden

Status: Primarschule
Seit dem Schuljahr 2010/11 ist das Fach Ethik und Religionen Bestandteil der Wochenstundentafel für die Primarschule (WOST 06). Dafür ist von der 1.-6. Klasse durchschnittlich eine Lektion vorgesehen. Diese kann auch in anderen Zeitstrukturen (Doppelstunde vierzehntäglich, Projektwoche usw.) und in Verbindung mit anderen Fächern gestaltet werden.
Erteilt wird Ethik und Religionen in der Regel von der Klassenlehrperson.

Lernziel: Im Fach Ethik und Religionen werden menschliche Grundfragen mit verschiedenen ethischen, religiösen und weltanschaulichen Traditionen reflektiert. Ziel ist, dass die Lernenden Zusammenhänge in ihrem Umfeld verstehen. Sie bilden so Handlungs-, Ausdrucks- und Denkweisen aus und entwickeln Haltungen. Der Unterricht soll gegenseitigen Respekt, Toleranz und das friedliche Zusammenleben fördern.

Die Grundlagen im Lehrplan sind relativ neutral gehalten. In den Detailbeschreibungen wird aber klar, dass doch eindeutig religiöses Vokabular verwendet wird («Schöpfung») und nur religiös-kulturelle Traditionen behandelt werden.

Kt. Tessin

Seit 2010 gibt es einen Versuch mit einem Wahlpflichtfach «Geschichte der Religionen».

Die Tessiner Freidenker waren zwar in der Kommission zum Thema Wahlpflichtfach vertreten gewesen. Der Entscheid zum Versuch wurde aber von der Verwaltung im Schnellverfahren beschlossen.

Kt. Zürich

NZZ 26.10.2011
Missionarischer Alleingang
Das Zürcher Schulfach Religion und Kultur aus nichtreligiöser Sicht

Radikale Kritik am Fach Religion und Kultur kommt aus Freidenker-Kreisen. Der folgende Beitrag kritisiert einerseits die grundsätzliche Anlage des Fachs, anderseits die praktische Umsetzung im Kanton Zürich.

Der Kanton Zürich präsentiert sich nicht ohne Grund gerne als Harmos-Vorzeigekanton. 62 Prozent der Abstimmenden folgten 2008 Regierung und Parlament und befürworteten die überregionale Angleichung der wichtigsten Unterrichtsziele. Zusätzliche Vereinheitlichung soll der Lehrplan 21 bringen, dessen Grundlagen 2010 von den Deutschschweizer Erziehungsdirektoren verabschiedet wurden. Auch hier gilt Zürich als verlässlicher Partner.

Startschwierigkeiten

Doch der Schein trügt: Geht es um die konkrete Realisierung eines neuen Schulfachs, wählt Zürich gerne den Alleingang. Beim Frühenglisch könnte dieser Drang nach Eigenentwicklung in einem Totalschaden enden: Die unter der Regie der Pädagogischen Hochschule Zürich entwickelten Lehrbücher werden trotz Preisauszeichnungen von der Lehrerschaft als nicht praxistauglich angesehen, nun werden eiligst Nachbesserungen in Auftrag gegeben. Die Schulsynode verlangt, das Obligatorium für die Lehrmittel aufzuheben.

Beim Fach Religion und Kultur droht eine ähnlich unrühmliche Entwicklung. Auch hier beauftragten Bildungsdirektion und Bildungsrat den eigenen Lehrmittelverlag und die Pädagogische Hochschule mit der Entwicklung neuer Unterrichtsmittel. Materialien beispielsweise aus Berlin, das seit langem einen Ethikunterricht kennt, wurden bewusst nicht evaluiert. Die Lehrbuch-Entwicklung ist in Verzug, dennoch haben die meisten Schulgemeinden das Fach bereits auf allen Stufen eingeführt. Die Lehrpersonen müssen sich nun mit eigenen Materialien und Entwürfen behelfen. Sie fühlen sich alleingelassen.

Auch von Eltern hagelt es Kritik. Diese bemängeln, dass der Unterricht unbeholfen und wenig zielgerichtet sei und oftmals missionarisch daherkomme. Dies sind beileibe nicht nur Einzelmeinungen: Eine externe Evaluation zeigte im Januar, dass die Hälfte der Lehrpersonen mitunter «teaching in religion» betreibt, also in einen traditionellen Konfessionsunterricht zurückfällt, statt neutrale Religionskunde zu betreiben. Dies überrascht wenig, lehrte doch ein beträchtlicher Teil der verfügbaren Lehrpersonen früher im Auftrag der Landeskirchen. Diese Lehrpersonen brauchen ganz offensichtlich mehr Begleitung und bessere Arbeitsmittel.

Säkularisierte Gesellschaft

Trotz den beträchtlichen Startschwierigkeiten und der ernüchternden Fremdbeurteilung will der Bildungsrat keine Abmeldemöglichkeit einräumen. Mehr noch: Jürgen Oelkers, bis zum Ende seiner Amtszeit in diesem Sommer mit dem Dossier beauftragter Bildungsrat, sträubte sich hartnäckig dagegen, wenigstens auf Beginn des neuen Schuljahres Massnahmen zur Anhebung der Unterrichtsqualität zu ergreifen.

Die Probleme des Fachs sind allerdings grundsätzlicher Natur: Es wurde nie definiert, welche Kompetenzen mit dem Fach gefördert werden sollen, vielmehr wurden die Religionsgemeinschaften nach aus ihrer Sicht relevantem Faktenwissen befragt. Nun kommt der Inhalt als Angebotspalette daher, es wird suggeriert, dass Religiosität zum Leben eines jeden Einzelnen gehöre. Das Fach widerspiegelt somit in keiner Weise die weitgehend säkularisierte Gesellschaft. Kinder aus nichtreligiösen Haushalten – diese bilden in urbanen Räumen die Mehrheit – finden sich und ihre Lebenssituationen in den Materialien nicht wieder. Mit diesem Design können die hehren Ziele des kantonsrätlichen Postulats, mit dem der Grundstein für das Fach gelegt wurde, nicht erreicht werden. Rücksichtnahme und Toleranz sollte das Fach fördern, doch das Zürcher Unikum erreicht höchstens eines: die Aufteilung der Kinder in solche mit und solche ohne Religion.

Totalschaden verhindern

In der jetzigen Form wird das Zürcher Fach den Lackmustest einer Überprüfung auf Verfassungskonformität nicht bestehen, denn es ist faktischer Religionsunterricht unter Zwang. Der Totalschaden lässt sich noch verhindern, allerdings nur, wenn man bereit ist, den eingeschlagenen Pfad wieder zu verlassen. Im Grunde ist dies unproblematisch, gibt es doch zukunftstaugliche Ansätze, zum Beispiel das Bündner Fach Religionskunde und Ethik. Schon der Titel macht klar, dass auch nichtreligiöse Weltanschauungen relevanter Bestandteil des Unterrichtsinhalts sind. In Graubünden einigte man sich zuallererst unter Einbezug aller wichtigen Interessenvertreter auf die Kompetenzen, die man mit diesem Fach schulen will. Die Bündner übergaben die Projektleitung übrigens dem Universitären Forschungsschwerpunkt Ethik der Universität Zürich. Zur Mitgestaltung des Zürcher Fachs wurden die lokalen Fachleute nie eingeladen. Es ist dringend, dass sich die Zürcher Bildungsdirektorin endlich die richtigen Leute ins Boot holt.

Autor Andreas Kyriacou ist Neuropsychologe und Berater für Wissensmanagement. Er vertrat die Freidenker in der Begleitgruppe zum Fach Religion und Kultur.

Kt. AG: Achtung Gideons!

Freitag, 18. November 2011

Aargauer Zeitung
Vertreter der christlichen Vereinigung Gideons International haben vor dem Schulareal in Kaisten Bibeln verteilt. Dass ihre Kinder auf dem Schulweg von Fremden angesprochen werden, passt einigen Eltern gar nicht. Gideons sieht indes kein Problem.

Wie Roland Thörisch, Verantwortlicher von Gideons Schweiz, erklärte, verteilt Gideons Bibeln regelmässig auch an Kinder ab 10 Jahren. Diese seien «alt genug, um zu entscheiden und einfach weiterzugehen, wenn sie das Geschenk nicht annehmen wollen.»

Die Kapo sei vorgängig Kenntnis gesetzt worden, habe die Organisation aber an die Schulleitung verwiesen, da diese für Verteilungen auf dem Schulareal zuständig sei. Auf dem Schulweg sei eine derartige Aktion legal, es bestehe kein polizeilicher Handlungsbedarf.

Wünschenswert wäre aus seiner Sicht aber eine transparente Kommunikation.

Letztere fand insofern statt, dass die Schulleitung in Kaisten angefragt worden war, Verteilungen auf dem Areal aber untersagt hatte. Die Eltern wurden nicht in Kenntnis gesetzt und diese setzen hinter die Aktion offenkundig moralische Fragezeichen.

Ganzer Artikel: http://www.aargauerzeitung.ch/aargau/fricktal/eltern-empoert-christliche-gemeinschaft-missioniert-vor-schule-115966880

Die FVS hat schon 2010 klar gegen die Bibelverteilangriffe der Gideons protestiert:

http://www.frei-denken.ch/de/2010/09/fvs-protestiert-gegen-das-verteilen-von-bibeln-an-den-volksschulen/

Kt. ZH: Schulfach “Religion und Kultur”

Mittwoch, 26. Oktober 2011

ref.ch
Der im Kanton Zürich neu eingeführte überkonfessionelle, dafür obligatorische Unterricht in Religion und Kultur erntet Kritik, aber auch Lob: In einer Beilage der «Neuen Zürcher Zeitung» vom 26. Oktober wird von freidenkerischer Seite das Fehlen von Lehrmitteln und ein Zurückfallen in traditionellen Konfessionsunterricht beklagt.

Fortsetzung: http://www.ref.ch/index.php?id=127&tx_ttnews[tt_news]=4464&tx_ttnews[backPid]=21

Zwei Artikel, die online sind:

http://www.nzz.ch/nachrichten/hintergrund/dossiers/bildung_im_umbruch_dossier/hintergrundartikel/religion_gehoert_zur_allgemeinbildung_1.13122087.html

http://www.nzz.ch/nachrichten/hintergrund/dossiers/bildung_im_umbruch_dossier/hintergrundartikel/von_der_thematisierung_des_eigenen_zur_begegnung_mit_dem_fremden_1.13122075.html