Archiv für die Kategorie „Ruhetagsordnung“

Feiertage: modernisieren oder durch mehr Ferientage ersetzen

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Der Artikel in der Aargauer Zeitung vom 3. Oktober zum Umgang mit Feiertagen stiess auf grosse Resonanz. Der Blick doppelte noch am selben Tag nach und heute Mittwoch folgt nun ein Artikel auf 20 Minuten, der im Anriss auf der Front «Freidenker wollen die Feiertage abschaffen» die von Andreas Kyriacou geäusserte Position verkürzt wiedergibt.

Andreas Kyriacou wurde im Frühjahr 2017 von der ökumenisch-interreligiös ausgerichteten Zeitschrift aufbruch angefragt, einen Text zum Umgang mit den religiösen Feiertagen zu verfassen. Er erschien in der Juni-Ausgabe:

Die religiösen Feiertage sind längst säkularisiert, tragen wir dem auch gesetzlich Rechnung!

Sie sind beliebt, die Feiertage, die an Ereignisse der christlichen Religionslehre erinnern sollen. Die Beliebtheit hat heute allerdings vornehmlich mit dem Freiraum zu tun, die sie uns bieten – wir können privaten Interessen nachgehen oder uns mit Freunden oder Familienangehörigen treffen. Das Bedürfnis, die Tage mit religiösen Inhalten zu füllen, ist hingegen am Schwinden. Gemäss Erhebungen des Bundesamtes für Statistik nehmen 60 Prozent der Katholiken und über 70 Prozent der Reformierten höchstens fünfmal im Jahr an einem Gottesdienst teil, über ein Fünftel der Kirchenmitglieder verzichtet sogar ganz auf deren Besuch. Dies und die stetig steigende Zahl der Konfessionslosen sollte Auswirkungen auf den gesetzlichen Umgang mit diesen Tagen haben.

Etliche Kantone geben einigen religiösen Feiertagen einen besonderen Stellenwert und verbieten dann nichtreligiöse Anlässe, im Kanton Zürich gehören dazu auch Sportveranstaltungen im Freien. Derlei anachronistische Verhaltensverbote gehören abgeschafft. Feiertage wie Auffahrt, Pfingsten oder der Bettag, bei denen die meisten die religiöse Bedeutung kaum mehr kennen, geschweige denn ihre Tagesplanung danach ausrichten, sollten in Gesetzestexten überhaupt nicht mehr als spezifisch religiöse Feiertage gelten. Will man die Zahl der Feiertage, die Arbeitstätigen zustehen, erhalten, wäre ein Ansatz im Stil der Englischen Bank Holidays eine gute Möglichkeit. Ostern und Weihnachten sollen ruhig offizielle Feiertage bleiben, wer sie wie nutzen will, soll einfach jeder frei entscheiden dürfen.

Die Möglichkeit, Feiertage künftig wie Englische Bank Holidays zu behandeln, besprach Andreas Kyriacou auch mit Sacha Ercolani von der Aargauer Zeitung, der den Vorschlag in seinen Artikel aufnahm:

Dies würde bedeuten, dass einige vereinbarte Tage im Jahr als arbeitsfrei gelten. Laut Kyriacou könnten es Tage sein, die auf religiöse Feiern zurückgehen, aber ebenso weltliche Feiertage wie der 1. Mai oder der 1. August. Fallen sie auf ein Wochenende, gelte der Montag darauf als arbeitsfrei. «Sie wären arbeitsrechtlich wie andere Sonntage zu behandeln. Personen, die an diesem Tag arbeiten müssen, können den Tag also kompensieren», so Kyriacou. «Tanz- oder andere Verbote sollte es an solchen Tagen selbstredend nicht geben.»

Es geht also um zwei Varianten: entweder Feiertage wie den Pfingstmontag belassen bzw. in einen «Bank Holiday» umwandeln oder sie als verordnete Freitage aufgeben und stattdessen die Zahl der Ferientage entsprechend erhöhen.

Was aber relevanter ist: die Verhaltensverbote an den so genannt «hohen Feiertagen» müssen weg: selbstredend soll jeder den Pfingstsonntag oder den Bettag zum Kirchenbesuch oder zur Suche nach innerer Ruhe nutzen können. Es gibt aber keinen Grund, anderen zu verbieten, an diesen Tagen zu tanzen oder Fussball zu spielen.

FVS-Präsident zum künftigen Umgang mit religiösen Feiertagen

Dienstag, 3. Oktober 2017

Sasha Ercolani von der AargauerZeitung befragte unseren Präsidenten Andreas Kyriacou zum künftigen Umgang mit Feiertagen:

«Wäre die Inanspruchnahme eines christlichen Feiertags mit einem Gottesdienstzwang verbunden, wären die hohen Feiertage mit Sicherheit im Nu abgeschafft», sagt Andreas Kyriacou, Präsident der Freidenker-Vereinigung der Schweiz. «Dies und die stetig steigende Zahl der Konfessionslosen müssen künftig unbedingt Auswirkungen auf den gesetzlichen Umgang mit diesen Tagen haben.» Kyriacou fordert, dass Feiertage wie Auffahrt oder Pfingsten, bei denen die meisten die religiöse Bedeutung kaum mehr kennen, geschweige denn ihre Tagesplanung danach ausrichten, in Gesetzestexten nicht mehr als spezifisch religiöse Feiertage gelten.»

-> Zum Artikel

“Das Leben des Brian”: Trotz Verbot am Karfreitag

Freitag, 12. Februar 2016

“Zum vierten Mal schon lehnt sich die Initiative „Religionsfrei im Revier“ gegen religiöse Bevormundung und bürokratischen Schwachsinn auf, in dem sie an Karfreitag die Jesusparodie „Das Leben des Brian“ öffentlich zeigt – obwohl das verboten ist.” (weiterlesen…)

Aargauer Freidenker sagen Ja zur kantonalen Initiative «Weg mit dem Tanzverbot»

Freitag, 29. Januar 2016

Am 28.02.2016 wird im Kanton Aargau über die von der Piratenpartei lancierte Initiative «Weg mit dem Tanzverbot» abgestimmt. Sie wurde im Oktober 2014 mit 3’279 gültigen Unterschriften (erforderlich waren 3000) eingereicht. Die Initiative will Paragraph 4 Abs. 3 des Gastgewerbegesetzes (GGG) streichen:

“An Karfreitag, Ostersonntag, Pfingstsonntag, am Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag, am Weihnachtstag sowie am jeweils darauf folgenden Tag sind die Gastwirtschaftsbetriebe um 00.15 Uhr zu schliessen.”

Die Freidenker-Sektion Mittelland und die Freidenker-Vereinigung der Schweiz unterstützen die Initiative aus folgenden Gründen:

  • Religiöse Verbote gehören nicht in weltliche Gesetze.
  • Jeder Mensch soll die Freiheit haben zu entscheiden, ob und wie er einen Feiertag begeht.
  • Die Einschränkung ist nicht mehr zeitgemäss. Sie passt nicht in unsere aufgeklärte und säkularisierte Gesellschaft.

Die Initiative wird von einer klaren Mehrheit der Aargauer Parteien unterstützt: Nebst den lancierenden Piraten sagen SP, Grüne, GLP, BDP und FDP alle ja. Da aber die CVP und SVP (anders als ihre Jungparteien) zum Nein-Lager gehören und wegen ihren eidgenössischen Initiativprojekten die eigene Basis wohl gut werden mobilisieren können, braucht es für eine Ja-Mehrheit einen engagierten Abstimmungskampf.

Die Freidenker freuen sich über die zahlreichen angekündigten Aktionen der Jungparteien im Kanton Aargau zugunsten der Initiative. Da jedoch keine politische Partei Ressourcen zu haben scheint, um mit Plakaten für ein Ja zu einzustehen, springen die Freidenker in die Bresche und rufen an folgenden Orten mit dem Sujet «Religiöse Verbote gehören nicht in weltliche Gesetze. Weg mit dem Tanzverbot» zur Annahme der Initiative auf: Aarau, Baden, Bremgarten, Brugg, Lenzburg, Aarburg-Oftringen, Spreitenbach, Wettingen, Wohlen und Zofingen.

Weitere Links zum Thema:

Piratenpartei Aargau zur Initiative

Aargauer Zeitung vom 29.08.2015: “Aus dem Gegenvorschlag wird nichts”

SRF vom 27.01.2015: “Tanzverbot Initiative: Sie spaltet Generationen”

 

 

 

Heiteres Feiertags-Raten: Was feiern wir eigentlich an Pfingsten?

Samstag, 23. Mai 2015

Dank Pfingsten haben wir am Montag alle frei. Doch welchem religiösen Ereignis haben wir das eigentlich zu verdanken? Blick.ch hat Passanten rätseln lassen und eins steht fest: Wir Schweizer haben keinen blassen Schimmer… macht nichts.
http://www.blick.ch/news/schweiz/heiteres-feiertags-raten-was-feiern-wir-eigentlich-an-pfingsten-id3787319.html

NRW: Beschneidungsfeiern am Karfreitag bleiben verboten

Dienstag, 24. März 2015

Auch weiterhin bleiben Beschneidungsfeiern am Karfreitag verboten. Das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen bestätigte in einem am Dienstag bekanntgewordenen Beschluss das gegen einen Kölner Wirt verhängte Verbot, seinen Veranstaltungssaal für Beschneidungsfeiern an dem zentralen christlichen Feiertag zur Verfügung zu stellen.
http://www.lto.de/recht/nachrichten/n/ovg-nrw-beschluss-4b13515-beschneidung-karfreitag-feierverbot/

 

Wein, Sex & Orgien – Roms “Weihnachts”-Variante

Samstag, 20. Dezember 2014

Schon die Römer feierten um die Wintersonnenwende ein großes Fest. Allerdings hatte das unmoralische Treiben der Saturnalien einen hochpolitischen Sinn, wie eine neue Alltagsgeschichte zeigt.
http://www.welt.de/geschichte/article135536359/Wein-Sex-amp-Orgien-Roms-Weihnachts-Variante.html

Kt. AG: Initiative der Piraten kommt zustande: Fällt jetzt das Tanzverbot?

Freitag, 3. Oktober 2014

Die Piratenpartei ist selber überrascht, dass sie bereits 2943 beglaubigte Unterschriften gesammelt hat – 900 weitere sind unterwegs. Damit steht fest, dass das Volk an der Urne entscheiden kann, ob das Tanzverbot aufgehoben werden soll.
http://www.aargauerzeitung.ch/aargau/aarau/piratenpartei-will-das-tanzverbot-vor-feiertagen-aufheben-128421952

Solothurner haben kein Erbarmen mit dem Bettag

Montag, 19. Mai 2014

Im Kanton Solothurn ist der eidgenössische Bettag künftig ein gewöhnlicher Sonntag und kein hoher Feiertag mit Veranstaltungsverboten mehr. Die Stimmenden haben das entsprechende Ruhetagsgesetz mit einer Ja-Mehrheit von 55,2 Prozent gutgeheissen. http://www.solothurnerzeitung.ch/solothurn/kanton-solothurn/solothurner-stimmvolk-hat-kein-erbarmen-mit-dem-bettag-127980875

Kt. SO: JA zur Revision des Ruhetagsgesetzes

Montag, 12. Mai 2014

Medienmitteilung zur Revision der Ruhetagsgesetzes

Die FreidenkerInnen im Kanton Solothurn begrüssen die Revision als Schritt in die richtige Richtung.
Die Abschaffung der Tanz-, Kino- und Theaterverbote ist zeitgemäss: Der Staat überlässt es den Menschen, darüber zu befinden, wie sie ihr Ruhebedürfnis ausleben möchten.
Die Rückstufung des Bettags zu einem normalen Sonntag trägt der zunehmend distanzierten Haltung der Bevölkerung zur organisierten Religion und der fortschreitenden Säkularisierung im Kanton Solothurn Rechnung.
Für die Freidenker dürfte eine Revision noch weiter gehen: Eigentlich sollten alle “hohen” Feiertage zurückgestuft werden, weil Beten, Büssen und Frömmigkeit Privatangelegenheiten sind und nicht staatlich verordnet werden sollten.