Archiv für die Kategorie „Religionsmündigkeit“

“Eine Gesellschaft aus Atheisten könnte perfekt funktionieren” – Interview mit dem Philosophen Urs Sommer

Montag, 21. August 2017

Andreas Urs Sommer, 45, hat unter anderem Philosophie sowie Kirchen- und Dogmengeschichte studiert. Heute ist er Professor für Kulturphilosophie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Nietzsche-Spezialist. Er selbst ist agnostischer Skeptiker und rät zu Entspanntheit im Umgang mit religiösen Fragen. © Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Interview auf ZEIT campus mit dem Philosophen Urs Sommer, 19. August 2017:

Aber wie? Philosoph Andreas Urs Sommer über das Fast-Verschwinden der Religion, Angst vor dem Tod und die Frage: Ist uns die Suche nach dem Sinn des Lebens einfach egal?

ZEIT Campus ONLINE: Herr Sommer, es ist doch so: In die Kirche gehen junge Menschen, wenn überhaupt, nur noch an Weihnachten. Vielleicht schicken wir vor schweren Klausuren noch ein Stoßgebet in den Himmel. Aber mehr auch nicht. Ist Religion für uns heute überflüssig geworden?

Andreas Urs Sommer: Überflüssig nicht — jedenfalls nicht für alle. Für viele Menschen unserer pluralen Gesellschaft hat Religion aber tatsächlich als Lebensorientierung jede Bedeutung verloren. Und für nicht wenige ist Religion lediglich ein schönes Accessoire zu feierlichen Anlässen, weil man noch keine überzeugenden säkularen Riten gefunden hat: zur Taufe, an Weihnachten, bei einer Beerdigung.

ZEIT Campus ONLINE: Glauben Sie, solche säkularen Riten werden sich noch entwickeln?

Sommer: Eher nicht, denn ich glaube, Religion wird niemals vollkommen erledigt sein, so wie sich das etwa atheistische Aufklärer des 18. und 19. Jahrhunderts gewünscht haben. Das ist eine Illusion — zumal das An-den-Rand-Drängen von Religion im menschlichen Leben eine sehr westlich-europäische Erscheinung ist und Religion breiten Bevölkerungsschichten in anderen Erdteilen Halt gibt. Das hat damit zu tun, dass unsere westlichen Gesellschaften dem Individuum weiten Freiraum bei der privaten Sinnstiftung gewähren, während andere Gesellschaften eher auf Sinnvermittlung von oben herab gepolt sind: Man erwartet dort, dass autoritäre Instanzen, als die sich religiöse Anführer gerne gebärden, den Sinn des Lebens vorgeben.

ZEIT Campus ONLINE: Und woran liegt es, dass Religion für uns in westlichen Gesellschaften nicht mehr so wichtig ist?

Sommer: Religion ist seit der Aufklärung im 18. Jahrhundert permanent unter Beschuss geraten: Alle Versuche, die Existenz Gottes zu beweisen, darf man als gescheitert betrachten. Und die historische Kritik der Bibel und der anderen Offenbarungsschriften hat gezeigt, dass diese Werke von Menschen für Menschen geschrieben worden sind. Und zwar in einem bestimmten Kontext. Deswegen können wir einen Brief des Apostels Paulus, das Buch eines alttestamentlichen Propheten oder eine Sure aus dem Koran heute nicht mehr ohne Zurechtbiegung als Lebensanweisung für unsere Gegenwart verstehen. Diese historische Kritik ist zwar auch wesentlicher Teil der Arbeit kritischer Theologen. Sie ist aber für Religionen brandgefährlich, weil sie nicht nur den Glauben an die Schriften, sondern auch an die Institution der Kirche zersetzt. Heute haben wir außerdem säkulare Antworten auf unsere Sinnfragen gefunden und das Gefühl, unser Leben selbst im Griff zu haben. Der Mensch der westlichen Moderne braucht keine höhere Instanzen mehr, auf die er hofft, denen er sich ausliefert und die seine Weltsicht bestimmen.

“UNS IST RELATIV EGAL, WAS NACH DEM TOD PASSIERT.” - Andreas Urs Sommer

ZEIT Campus ONLINE: Und welchen Sinn des Lebens haben wir für uns erkannt?

Sommer: Sinn ist heute etwas, das wir selbst machen, statt es von höherer Warte zu empfangen: Wir müssen kein gottgefälliges Leben führen, um ins Himmelreich zu kommen. Sondern ein zentrales Element unserer modernen Ideologie ist: Wir schaffen unser eigenes Paradies auf Erden, wenn wir uns nur genug anstrengen. Solche Sinnantworten gab es schon in der antiken Philosophie, heute heißt es: Mach etwas aus deinem Leben! Wir sind frei — und dazu verurteilt, diese Freiheit zu nutzen. Natürlich kann diese Sichtweise nicht die ganze Welt von A bis Z erklären, wie die Religion es tut.

ZEIT Campus ONLINE: Ist das nicht frustrierend?

Sommer: Nein, nicht mehr. Wir haben gelernt, einen überbordenden Anspruch an Sinnfragen zurückzuschrauben und sind bescheidener geworden: Wenn ich mein eigenes Leben gestalte, löse ich damit nicht die Frage, woher der Kosmos kommt und wohin er geht. Muss ich aber auch nicht. Ich finde diese Einstellung heilsam: Der Atheismus des 19. Jahrhunderts litt noch stark darunter, auf die großen Fragen des Lebens keine Antworten geben zu können, so wie die Religion das tat. Dieses Leiden am Ungenügen der bescheidenen Antworten von kurzer Reichweite hat sich weithin verflüchtigt. Heute trifft man selten Menschen, die tagtäglich unglücklich durch die Gassen irren, weil sie keine letzte Antwort finden.

ZEIT Campus ONLINE: Sind uns diese großen Fragen der Menschheit einfach egal?

Sommer: Das nicht. Aber wir sind nicht mehr darauf gepolt, sie als zentral für unser Leben zu betrachten. Selbst, wenn wir uns etwa in der Pubertät fragen, was der Sinn unseres Lebens ist, finden wir im Laufe des Erwachsenwerdens eigene Antworten. Auch mit dem Thema Tod gehen die meisten Menschen relativ entspannt um: Für unsere letzten Lebenstage vertrauen wir der Medizin und danach schauen wir mal, was kommt. Ein Grund für diese Gelassenheit ist auch, dass wir keine Angst mehr haben. Uns ist relativ egal, was nach dem Tod passiert: Wenn die Christen recht haben, gibt es ein Jenseits. Besonders schlimm kann’s aber nicht werden, denn wir sind ja schließlich keine Sünder, die im Fegefeuer schmoren müssen. Die für das Christentum einst fundamentale Vorstellung, erlösungsbedürftig zu sein, ist uns heute vollkommen fremd geworden. Gehen Sie mal in die Kirche: Da spricht niemand von “Verdammnis” oder “Hölle”. Selbst dort geht es nicht mehr um die letzten Dinge.

“DAS CHRISTENTUM HAT SICH GEWISSERMASSEN SELBST ÜBERFLÜSSIG GEMACHT.” - Andreas Urs Sommer

ZEIT Campus ONLINE: Also haben sich auch die Kirchen an den Zeitgeist angepasst?

Sommer: Vollkommen. Es herrscht ja auch oft eitel Einigkeit zwischen Katholiken und Evangelischen: Man macht das, was die meisten für nett, gut und richtig halten, engagiert sich für den Frieden und die Umwelt. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Aber das kann auch eine atheistische Marxistin oder ein Maoist. Ursprünglich war das Christentum nicht auf solche Themen, sondern auf das Ende der Zeiten ausgerichtet und davon spricht heute niemand mehr. In gewisser Weise hat das Christentum sich also mit den Großkirchen selbst überflüssig gemacht. Warum sollten die Leute in die Kirche gehen, wenn da ohnehin nur Banalitäten verkündet werden?

“Sternstunde Religion” – SRF vom 5.2.2017: Religiöse Erziehung – Gottvertrauen oder Gift für Kinder?

Montag, 6. Februar 2017

Nada Peratovic, Juristin und Mitglied der Freidenker Vereinigung der Schweiz bei "Sternstunde Religion"

 ”Sternstunde Religion” – SRF Kultur vom 05. Februar 2017: “Gottvertrauen oder Gift für die Kinder”:

Religion hat für viele Menschen einen zweifelhaften Ruf. Religion ist für sie gleichbedeutend mit Zwang, Konflikt und Gewalt. Soll man da seine Kinder noch religiös erziehen? Zwei Mütter und ein Vater erklären, warum sie ihren Kindern religiöse Werte weitergeben.

Der Glaube bedeutet ihnen Heimat und Halt im Alltag. Sie erziehen ihre Kinder religiös: Christine Bachmann christlich, Dilek Ucak-Ekinci muslimisch und Doron Schächter jüdisch. Sie beten mit ihren Kindern und besuchen mit ihnen die Kirche, die Moschee oder die Synagoge. Sie wollen ihnen Werte wie Geduld, Nächstenliebe oder Gottvertrauen weitergeben.

Ist es noch zeitgemäss, Kinder religiös zu erziehen? Sollten Kinder nicht später selber eine Religion wählen? Wo ist die Grenze zwischen religiöser Erziehung und Indoktrination?

Norbert Bischofberger leitet die Debatte.

>>Sendung anschauen auf srf.ch

Deutschland – Religionsunterricht: “Und wie soll man Religion nun lehren?”

Montag, 30. Januar 2017

Artikel auf zeit.de vom 26. Januar 2017:

Den größten Spaß am alten Religionsunterricht, erteilt vom Herrn Pfarrer und streng nach Bekenntnis getrennt, hatten früher die türkischen Gastarbeiterkinder. Die durften nicht teilnehmen. Sie hatten frei und wurden von deutschen Klassenkameraden beneidet, damals in den sechziger, siebziger Jahren. Christliche Theologen berichten heute, dass man selber manchmal auch lieber eine Freistunde gehabt hätte.

Seither hat sich die religionspädagogische Lage verkompliziert. Kruzifix im Klassenzimmer? Kopftuch bei Lehrerinnen? Islamunterricht an staatlichen Schulen? Kaum ist ein heikles Problem geklärt, stellt sich das nächste. Viele deutsche Schulklassen sind multireligiös, und die große Zahl agnostischer oder atheistischer Eltern macht eine Entscheidung, wer wem was über (welchen) Gott beibringen sollte, nicht leichter. Während die Minister noch streiten, beschimpfen Schulkinder einander als Scheißmoslems, Scheißchristen, Scheißjuden. Die Religionskonflikte aus aller Welt strahlen auf europäische Pausenhöfe ab: als Antisemitismus, als Islamophobie, als Dschihadfaszination. Ein besonders trauriges Beispiel für religiöse Indoktrination waren jene französischen Schüler, die sich nach den Anschlägen auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo weigerten, an einer Schweigeminute teilzunehmen. Irgendwer hatte ihnen eingeimpft: Wer den Propheten beleidige, müsse mit Strafe rechnen.

>>Artikel auf zeit.de lesen

Podiumsdiskussion am 06.02.2017 in Zürich: “Wieviel Religion erträgt die Schule”? – Mit Freidenker Vereinigung – Präsident Andreas Kyriacou

Freitag, 13. Januar 2017

Bis vor wenigen Jahren war der Unterricht der ‘Biblischen Geschichte’ an Schweizer Schulen üblich. Heute wird Religionskunde übergreifend als ‘Religion und Kultur’ vermittelt. Gehört das Wissen über Religionen zum schulischen Pflichtstoff und wenn ja, welchen Mehrwert bietet das? Und wie steht es um Unterricht vonseiten Religionsgemeinschaften, der durch eigenes Personal an Schulen durchgeführt werden kann? Oder darf das Thema keinen Platz einnehmen in den staatlichen Schulen?

Unter der Leitung von SRF-Religionsredaktorin Judith Wipfler diskutieren Andreas Kessler, Dozent für Religionspädagogik an der Universität Bern, und Andreas Kyriacou, Präsident der Freidenker-Vereinigung -frei-denken.ch- kontrovers, ob und welchen Religionsunterricht es heute braucht. Wie viel Religion verträgt die Schule? Oder birgt sie gar mehr Konflikte als Lösungen?

 

Veranstalter: Zürcher Institut für interreligiösen Dialog - ziid

Leitung Judith Wipfler

Podium Andreas Kessler, Andreas Kyriacou

Montag, 6. Februar 2017

Zeit 19.00 – 20.30 Uhr

Ort Kulturpark, Pfingstweidstrasse 16, Mehrzwecksaal

Kosten CHF 25.-

Anmeldeschluss 20. Januar >> Anmeldung hier<<

Der Anlass wird in Zusammenarbeit mit Kulturpark durchgeführt und ist Teil der Reihe «Religiöse Erziehung in einer offenen
Gesellschaft».

Aargauer Zeitung: Abt gegen Atheist – Ein Gespräch über Sex, Syrien und Weihnachten

Freitag, 30. Dezember 2016

aargauerzeitung.ch vom 24.12.2016:

Die «Nordwestschweiz» hat für ihre diesjährige Interview-Serie über die Festtage gegensätzliche Persönlichkeiten zusammengeführt. Heute im Gespräch: der gläubige Katholik Abt Urban Federer vom Kloster Einsiedeln und der atheistische Schweizer Autor Martin Dean.

Sie haben eine gemeinsame Leidenschaft: Gärten. Für Sie, Herr Dean, sind Gärten Ideallandschaften in Abgrenzung zur wilden Natur. Und Sie, Abt Urban, entschieden sich für das Mönchsleben, weil Ihnen der Klostergarten so gut gefiel. Haben Sie Angst vor der «Wildnis» da draussen?

Abt Urban: Angst? Im Gegenteil, mich zieht diese Wildnis an. Ich lebe zwar in einem wunderbaren barocken Bau, aber ich würde es nicht aushalten, dauernd hier zu sein. Ich gehe oft am Morgen nach dem ersten Gebet raus in die Natur, um die Stille zu hören.

Martin Dean: Mich zieht es in die Gärten, weil ich gerne an schönen Orten bin. Ich finde Gärten spannender als die Natur, weil im Garten menschliches Planen, ästhetisches Empfinden und Natur zusammenkommen. Gärten erzählen viel über Gesellschaftsmodelle, über den Umgang mit den eigenen Gefühlen.

Ist das nicht fast Gotteslästerung, dass Herr Dean von Menschenhand gestaltete Gärten schöner findet als die Schöpfung der Natur?

Abt: Das sehe ich nicht so. Auch wir Mönche bearbeiten ja die Natur. Im Mittelpunkt jedes Klosters liegt ein Garten. Spannend ist, wie sich die Gärten über die Zeit verändern, weil die Ideen, die die Menschen mit ihnen ausdrücken wollen, sich verändern. Gärten zeigen, dass unser Schöpfer uns als Mitschöpfer erschaffen hat. Der Garten ist Ausdruck davon, was der schöpfende Mensch alles kann.

Dean: Mein Lieblingsgarten ist übrigens ein religiöser Garten: der Zen-Garten von Ryōan-ji in Japan.

Dann hat die Religion also auch für Sie als Ungläubigen Gutes hervorgebracht?

Dean: Absolut. Wenn ich mich hier im Kloster Einsiedeln umschaue oder die Bibel lese, dann steht für mich fest, dass die katholische Kirche der grösste Auftraggeber der abendländischen Kultur war. Ohne die Kirche gäbe es vieles, was wir heute als Kultur empfinden, nicht. Das ist für mich aber kein Beweis, dass es einen Gott gibt.

>>Zum Artikel auf aagauerzeitung.ch

Erster nicht-religiöser Friedhof in Schweden eröffnet

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Die meisten Schweden sind zwar noch Mitglied der lutherischen Kirche, doch Religion betrachten viele als Privatangelegenheit. Im Bild: die Jakobskirche in Stockholm. (Bild: Laif)

NZZ, 28.12.2016:

“Der freie Wille wird nicht beerdigt”

In keinem Land gibt es so viele Atheisten wie in Schweden. In Borlänge wird nun der erste nicht religiöse Friedhof eröffnet.

Auf dem Grabstein wird sein Name stehen: Rashid Abdul Majid. Weder ein Halbmond noch ein Kreuz soll davon ablenken. Majid, ein 87-jähriger Syrer, lebt seit über sechzehn Jahren in Schweden. Wenn er gestorben ist, will er hier beerdigt werden, auf dem weltweit ersten Friedhof ohne religiöse Symbole in Borlänge. Als Atheist bezeichnet sich Majid nicht, er wolle lediglich «kein Sklave der Religion» sein.

Damit ist er nicht alleine. Gemäss einer Umfrage des Gallup-Instituts von 2015 bezeichnen sich 78 Prozent der Schweden als nicht religiös oder atheistisch. Mit diesem Wert steht das Land an der Spitze aller westlichen Staaten. Entsprechend naheliegend war es aus Sicht von Josef Erdem, den Schweden eine nicht religiöse Beerdigung und letzte Ruhestätte zu bieten. Grabsteine werden künftig, je nach Wunsch der Verstorbenen, auch diesen Friedhof zieren. Aber religiöse Symbole oder Texte seien darauf unerwünscht. Bereits mehr als zehn Familien aus Borlänge − Christen und Muslime − hätten Interesse angemeldet, ihre Verwandten dort zu begraben. Noch ist der Friedhof leer, denn Erdem wartet noch − so makaber es klingt − auf den Tod seiner ersten Interessenten.

Erdem flüchtete 1980 aus dem kurdischen Teil der Türkei nach Schweden. Seine Mutter war gläubige Muslimin, andere Verwandte seien christliche Armenier. Auf die Idee eines solchen Friedhofs kam er auch, weil er selber miterlebte, wie Religion Gesellschaften spalten könne. Heute arbeitet er in Borlänge als Lehrer. Am Friedhofprojekt verdient er nichts, doch ihm sei wichtig: «Jeder soll frei entscheiden dürfen, ob er beerdigt werden möchte, und wenn ja, ob dies in einer religiösen Zeremonie geschehen soll.»

Entscheidungsfreiheit und Individualismus sind Werte, die auch die meisten Schweden schätzen. Viele lebten alleine, Familienbande seien eher schwach und die Scheidungsraten hoch, sagt David Thurfjell, Professor für Religionsstudien an der Södertörn-Universität in Stockholm und Autor des Buches «The Godless People». Dafür sind die Schweden weltweit die meisttätowierten Menschen. Diese Selbstbestimmung über sich und den eignen Körper sei ein wichtiger Grund, weshalb die Schweden religiöse Symbole ablehnten, nicht nur bei Beerdigungen, sagt Thurfjell. Die Garantie individueller Freiheit erwarten hier viele auch vom Staat. Bis 2000 war die lutherische Schwedische Kirche noch Teil dessen, seit sechzehn Jahren sind Staat und Kirche getrennt. Noch immer gehören rund 6,3 Millionen Schweden der «Svenska Kyrkan», der Schwedischen Kirche, an. Bei einer Einwohnerzahl von 10 Millionen ist dies eine klare Mehrheit. Doch die wenigsten, nur gut 5 Prozent der Kirchenmitglieder, besuchen auch tatsächlich Messen, wie die Umfrage des Gallup-Instituts belegt.

>>Zum Artikel auf nzz.ch

Weihnachten – Fest des römischen Sonnengottes

Dienstag, 27. Dezember 2016

Artikel auf infosperber.ch vom 24.12.2016:

“Alles begann mit einem Krieg in Syrien: Die Initialzündung für das heutige Weihnachtsfest war eine Schlacht im palmyrenischen Reich, dessen Hauptstadt Palmyra (arabisch Tadmur) im heutigen Syrien liegt. Der römische Kaiser Aurelian besiegte dort im Jahr 272 die palmyrenischen Truppen und nahm deren Führerin Zenobia gefangen. Zum Dank für diesen Sieg erklärte Aurelian den 25. Dezember – den Geburtstag des unbesiegbaren Sonnengottes Sol invictus – zum reichsweiten Feiertag. Dabei knüpfte Aurelian an die bestehende Sol-Verehrung des Mithraskultes an, der ursprünglich aus Persien und Ägypten stammte.”

Der Mithraskult dürfte uns Europäern vertraut vorkommen, tauchen hier doch dem Christenkult verblüffend ähnlichen Rituale und Konstellationen auf:

Mithras wurde vom Vatergott ausgesandt, das Böse in der Welt zu besiegen. Vor seinem Tod und seiner Auferstehung nahm er mit zwölf Anhängern ein letztes Abendmal ein. Als Sol invictus wurde Mithras mit Strahlenkranz und Heiligenschein dargestellt. Seine Anhänger glaubten an Himmel und Hölle, das letzte Gericht, die Dreifaltigkeit Gottes, die Unsterblichkeit der Seele und die Auferstehung. Der Mithraskult kannte die Sakramente der Taufe, Firmung und Kommunion sowie Messfeiern mit Hostien und Weihwasser. Das Oberhaupt hiess «Papa» und trug eine Mitra, die Vorläuferin der Bischofsmütze. Wegen dieser Ähnlichkeit traten das Christentum und der Mithraskult im römischen Reich in Konkurrenz. Wobei vorerst der Mithraskult dominierte.

Der per Vision erleuchtungs-christianisierte Kaiser Konstantin schliesslich entschied einen Wettkampf von Christentum und Mithraskult, der ein halbes Jahrhundert angedauert hatte, per Dekret:

Im Jahr 325 lud Kaiser Konstantin zum Konzil von Nicäa, wo der Geburtstag des römischen Sonnengottes Sol invictus in den Geburtstag von Christus umfunktioniert wurde. Weihnachten war aus dem Geburtstag des heidnischen Sonnengottes geboren, dessen Wurzeln noch viel weiter zurückreichten, nämlich in die Zeit der Perser und Ägypter. Bereits der Pharao Amenophis IV. huldigte 1400 Jahre vor unserer Zeitrechnung dem Sonnengott Aton. Aber auch die Kelten und viele andere Völker feierten den Tag der Sonnenwende.

 

>>Zum Artikel auf infosperber.ch

Basler Bischof zweifelt an christlicher Identität der Schweiz – und räumt “ungenügende Einbindung von Frauen in die Ämterstruktur” ein

Freitag, 23. Dezember 2016

In der  Sendung Musik für einen Gast auf SRF 2 Kultur  bezweifelte der Basler Bischof Felix Gmür am 18.12. 2016 eine christliche Identität der Schweiz. Diese immer wieder vorgetragene Behauptung müsse zu allererst bewiesen werden, und: “So viel an christlicher Identität sehe ich aber nicht!” – Bischof Gmür geht allerdings von einer kulturellen Einflussnahme durch das Christentum aus. Ein Grossteil des  gelebten Glaubens müsse vermutlich im gesellschaftlichen Kontext als kulturell bedingt verstanden werden. (weiterlesen…)

Deutschland: Gottlos glücklich? Reportage des ARD zu Atheismus in Deutschland

Montag, 24. Oktober 2016

Jens Tobias ist überzeugter Atheist. Den lieben Gott” braucht er nicht. Der Unternehmensberater aus Leipzig ist, wie die Mehrheit der Ostdeutschen, ohne Kirche und Religion aufgewachsen. Sind die Ostdeutschen deshalb amoralischer oder weniger anständig als die christlichen Westdeutschen? Studien legen nahe: Ihr Leben ist nicht weniger sinnhaft, sie setzen sich nicht weniger für die Gemeinschaft ein und sie sind auch nicht weniger interessiert an ethischen Fragen. (weiterlesen…)

Säkulare Tage in Leipzig – Die Alternative zum Katholikentag

Dienstag, 24. Mai 2016

Säkulare Tage LeipzigAnlässlich des Katholikentags veranstaltet die gbs-Regionalgruppe Leipzig unter dem Motto “Trennt endlich Staat und Kirche” eine hochkarätig besetzte Vortragsreihe (25.5.-28.5.), die unter anderem über die anhaltende Verstrickung von Staat und Kirche sowie über die historischen, finanziellen und juristischen Hintergründe informiert. Die Besucher erwartet ein aufklärendes und buntes Programm mit Vorträgen, Kunstaktionen und Infoständen, an dem sich prominente Vertreter der säkularen Szene beteiligen (Rolf Bergmeier, Gerhard Czermak, Carsten Frerk, “Gunkl”, Phillip Möller, Michael Schmidt-Salomon und Daniela Wakonigg).     >> Zur Veranstaltung der gbs