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“Eine Gesellschaft aus Atheisten könnte perfekt funktionieren” – Interview mit dem Philosophen Urs Sommer

Montag, 21. August 2017

Andreas Urs Sommer, 45, hat unter anderem Philosophie sowie Kirchen- und Dogmengeschichte studiert. Heute ist er Professor für Kulturphilosophie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Nietzsche-Spezialist. Er selbst ist agnostischer Skeptiker und rät zu Entspanntheit im Umgang mit religiösen Fragen. © Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Interview auf ZEIT campus mit dem Philosophen Urs Sommer, 19. August 2017:

Aber wie? Philosoph Andreas Urs Sommer über das Fast-Verschwinden der Religion, Angst vor dem Tod und die Frage: Ist uns die Suche nach dem Sinn des Lebens einfach egal?

ZEIT Campus ONLINE: Herr Sommer, es ist doch so: In die Kirche gehen junge Menschen, wenn überhaupt, nur noch an Weihnachten. Vielleicht schicken wir vor schweren Klausuren noch ein Stoßgebet in den Himmel. Aber mehr auch nicht. Ist Religion für uns heute überflüssig geworden?

Andreas Urs Sommer: Überflüssig nicht — jedenfalls nicht für alle. Für viele Menschen unserer pluralen Gesellschaft hat Religion aber tatsächlich als Lebensorientierung jede Bedeutung verloren. Und für nicht wenige ist Religion lediglich ein schönes Accessoire zu feierlichen Anlässen, weil man noch keine überzeugenden säkularen Riten gefunden hat: zur Taufe, an Weihnachten, bei einer Beerdigung.

ZEIT Campus ONLINE: Glauben Sie, solche säkularen Riten werden sich noch entwickeln?

Sommer: Eher nicht, denn ich glaube, Religion wird niemals vollkommen erledigt sein, so wie sich das etwa atheistische Aufklärer des 18. und 19. Jahrhunderts gewünscht haben. Das ist eine Illusion — zumal das An-den-Rand-Drängen von Religion im menschlichen Leben eine sehr westlich-europäische Erscheinung ist und Religion breiten Bevölkerungsschichten in anderen Erdteilen Halt gibt. Das hat damit zu tun, dass unsere westlichen Gesellschaften dem Individuum weiten Freiraum bei der privaten Sinnstiftung gewähren, während andere Gesellschaften eher auf Sinnvermittlung von oben herab gepolt sind: Man erwartet dort, dass autoritäre Instanzen, als die sich religiöse Anführer gerne gebärden, den Sinn des Lebens vorgeben.

ZEIT Campus ONLINE: Und woran liegt es, dass Religion für uns in westlichen Gesellschaften nicht mehr so wichtig ist?

Sommer: Religion ist seit der Aufklärung im 18. Jahrhundert permanent unter Beschuss geraten: Alle Versuche, die Existenz Gottes zu beweisen, darf man als gescheitert betrachten. Und die historische Kritik der Bibel und der anderen Offenbarungsschriften hat gezeigt, dass diese Werke von Menschen für Menschen geschrieben worden sind. Und zwar in einem bestimmten Kontext. Deswegen können wir einen Brief des Apostels Paulus, das Buch eines alttestamentlichen Propheten oder eine Sure aus dem Koran heute nicht mehr ohne Zurechtbiegung als Lebensanweisung für unsere Gegenwart verstehen. Diese historische Kritik ist zwar auch wesentlicher Teil der Arbeit kritischer Theologen. Sie ist aber für Religionen brandgefährlich, weil sie nicht nur den Glauben an die Schriften, sondern auch an die Institution der Kirche zersetzt. Heute haben wir außerdem säkulare Antworten auf unsere Sinnfragen gefunden und das Gefühl, unser Leben selbst im Griff zu haben. Der Mensch der westlichen Moderne braucht keine höhere Instanzen mehr, auf die er hofft, denen er sich ausliefert und die seine Weltsicht bestimmen.

“UNS IST RELATIV EGAL, WAS NACH DEM TOD PASSIERT.” - Andreas Urs Sommer

ZEIT Campus ONLINE: Und welchen Sinn des Lebens haben wir für uns erkannt?

Sommer: Sinn ist heute etwas, das wir selbst machen, statt es von höherer Warte zu empfangen: Wir müssen kein gottgefälliges Leben führen, um ins Himmelreich zu kommen. Sondern ein zentrales Element unserer modernen Ideologie ist: Wir schaffen unser eigenes Paradies auf Erden, wenn wir uns nur genug anstrengen. Solche Sinnantworten gab es schon in der antiken Philosophie, heute heißt es: Mach etwas aus deinem Leben! Wir sind frei — und dazu verurteilt, diese Freiheit zu nutzen. Natürlich kann diese Sichtweise nicht die ganze Welt von A bis Z erklären, wie die Religion es tut.

ZEIT Campus ONLINE: Ist das nicht frustrierend?

Sommer: Nein, nicht mehr. Wir haben gelernt, einen überbordenden Anspruch an Sinnfragen zurückzuschrauben und sind bescheidener geworden: Wenn ich mein eigenes Leben gestalte, löse ich damit nicht die Frage, woher der Kosmos kommt und wohin er geht. Muss ich aber auch nicht. Ich finde diese Einstellung heilsam: Der Atheismus des 19. Jahrhunderts litt noch stark darunter, auf die großen Fragen des Lebens keine Antworten geben zu können, so wie die Religion das tat. Dieses Leiden am Ungenügen der bescheidenen Antworten von kurzer Reichweite hat sich weithin verflüchtigt. Heute trifft man selten Menschen, die tagtäglich unglücklich durch die Gassen irren, weil sie keine letzte Antwort finden.

ZEIT Campus ONLINE: Sind uns diese großen Fragen der Menschheit einfach egal?

Sommer: Das nicht. Aber wir sind nicht mehr darauf gepolt, sie als zentral für unser Leben zu betrachten. Selbst, wenn wir uns etwa in der Pubertät fragen, was der Sinn unseres Lebens ist, finden wir im Laufe des Erwachsenwerdens eigene Antworten. Auch mit dem Thema Tod gehen die meisten Menschen relativ entspannt um: Für unsere letzten Lebenstage vertrauen wir der Medizin und danach schauen wir mal, was kommt. Ein Grund für diese Gelassenheit ist auch, dass wir keine Angst mehr haben. Uns ist relativ egal, was nach dem Tod passiert: Wenn die Christen recht haben, gibt es ein Jenseits. Besonders schlimm kann’s aber nicht werden, denn wir sind ja schließlich keine Sünder, die im Fegefeuer schmoren müssen. Die für das Christentum einst fundamentale Vorstellung, erlösungsbedürftig zu sein, ist uns heute vollkommen fremd geworden. Gehen Sie mal in die Kirche: Da spricht niemand von “Verdammnis” oder “Hölle”. Selbst dort geht es nicht mehr um die letzten Dinge.

“DAS CHRISTENTUM HAT SICH GEWISSERMASSEN SELBST ÜBERFLÜSSIG GEMACHT.” - Andreas Urs Sommer

ZEIT Campus ONLINE: Also haben sich auch die Kirchen an den Zeitgeist angepasst?

Sommer: Vollkommen. Es herrscht ja auch oft eitel Einigkeit zwischen Katholiken und Evangelischen: Man macht das, was die meisten für nett, gut und richtig halten, engagiert sich für den Frieden und die Umwelt. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Aber das kann auch eine atheistische Marxistin oder ein Maoist. Ursprünglich war das Christentum nicht auf solche Themen, sondern auf das Ende der Zeiten ausgerichtet und davon spricht heute niemand mehr. In gewisser Weise hat das Christentum sich also mit den Großkirchen selbst überflüssig gemacht. Warum sollten die Leute in die Kirche gehen, wenn da ohnehin nur Banalitäten verkündet werden?

Roset (1940-2017): Ich suche und ich finde: das Nichts

Samstag, 22. Juli 2017

Text zur Ausstellung in der Galerie Rigassi by SOON 

Liebe Besucherinnen und Besucher

In dieser Ausstellung könnten insbesondere jene Kunstinteressierten spezielles Interesse haben, welche auch für das Wie und Warum des Daseins sich Gedanken machen. Denn die Bilder schneiden ausschliesslich Themen der Physik an, welchen zwar im Moment noch viel Spekulatives anhaftet, aber in den bereits bekannten Fakten verwurzelt sind und wohl die beste Variante der Welterklärung darstellt. Wer etwas Besseres weiss, der melde sich. Wer sich nicht so sehr um dieses Thema kümmert, hoffe ich, mit dem Bild zu erreichen.

Warum Physik?

Physiker, insbesondere aber die Kosmologen, müssen heute einen Aspekt des Erkenntnisgewinns übernehmen, welcher die akademische Philosophie als nicht mehr relevant erachtet: Die Frage nach dem Ursprung des Daseins. Dabei hat dieser Fakultätswechsel einen nicht zu unterschätzenden Nachteil bezüglich der Verbreitung seiner Erkenntnisse. Denn, diese neuen Erkenntnisse haben den Mangel, dass sie meistens nur noch mathematisch ihre Informationen erweitern können, was natürlich der Verbreitung hinderlich ist. Zwar gibt es dazu verständlich geschriebene Bücher, aber die wiederholte Konfrontation mit diesem Thema ist eher selten.
Mittlerweile hat die Forschung einmal mehr den Status des Hypothetischen erreicht, weil sich aus den heute erwiesenen Daten Fragen ergeben, welche auf Ebenen führen, die nicht mehr mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln messbar sind. Das ist ein Zustand, welchen die Wissenschaft immer wieder erreicht, wenn sie den ihr gegenwärtig zu Verfügung stehenden Erkenntnisstand nahezu ausgeforscht hat. Dazu gibt es historische Anekdoten. Gerade deshalb bin ich der Meinung, dass, wer sich für die erwähnte Frage interessiert, sich an den Überlegungen dazu beteiligen sollte.
Um mein Konzept klar zu umreissen: Nichtmessbarkeit heisst noch lange nicht in das abzurutschen, was allgemein unter Esoterik verstanden wird. Es handelt sich vielmehr um logische Folgerungen aus der heute sichtbaren Physik, hier künstlerisch frei verwendet, um eine emotionale Erfahrbarkeit zu ermöglichen.
Diesem Weg der Wahrscheinlichkeitsfindung, was dieses Thema betrifft, möchte ich mit meinen Bildern zu einer gewissen Sichtbarkeit verhelfen, indem ich so etwas wie säkulare Ikonen dazu male. Sie erheben keinen Anspruch auf kunsthistorisch formalstilistische Erweiterung. Danach brauchen die Kunstinteressierten nicht zu suchen. Ich bediene mich nämlich jeder uns bekannter Stilistik und unterordne diese der Notwendigkeit der jeweiligen Themen. Ebenso wenig sind die Darstellungen physikalische Formeln, sondern nur mit Piktogrammen aus der Physik entlehnte Andeutungen. Worum es mir in meinen Aussagen geht, ist also die Sichtbarmachung eben dieses Themas über den Ursprung des Daseins, inspiriert von den Überlegungen der heutigen Physik.
Das kann natürlich bezüglich dem heutigen Kunstverständnis kontrovers diskutiert werden. Auch ist es dem momentanen Trend zur lebensnahen, die heutige Realität widerspiegelnden künstlerischen Umsetzung, nicht angepasst. Für die Einen ist das ein Rückschritt hinter die Moderne, für andere gerade die Konsequenz, welche wir aus der mittlerweile über hundertjährigen Anlehnung an diese erkennen können. Es ist z.B. nicht damit getan, dass wir die künstlerische Freiheit als zentrale Erkenntnis aus der Moderne als sakrosankt postulieren, sondern, dass wir der Kunst wieder den gesellschaftlichen Anteil geben, welchen sie seit den Höhlenmalereien hat. Ihre Beteiligung am Erkenntnisgewinn. Diesen Weg geht die gegenwärtige Kunst indem sie die Erkenntnisse der Moderne verwaltet, in partikular kleinen Schritten, denn sie orientiert sich tendenziell eher an dem, was man als realitätsnahe Themen bezeichnen könnte. Dabei verhindert sie der inspirativ abseits dieser Kriterien liegenden Kunst den Zugang zur Öffentlichkeit mit Begründungen, welche ihre Wurzeln nur im festgefahrenen Orientierungsbedürfnis der jeweiligen Kritiker zu haben scheint.
Es ist die höchst wichtige Erkenntnis, dass die Malerei ihre Faszination im Wesentlichen dadurch erreicht, dass sie einerseits die Fähigkeit mit der Vermittlung von Kraft, also Intensität, einsetzt, um damit den Betrachter zu fesseln, im Weiteren aber gerade diese Eigenschaft benutzt, um auch als nicht vordergründige Fragen zur Debatte stehende Neigungen damit zu thematisieren. Zu diesen Neigungen gehört immer noch die Frage nach dem Ursprung des Daseins. Ich übertreibe sicher nicht, wenn ich behaupte, dass es so gut wie keinen Menschen gibt, welcher sich nicht schon diese Frage gestellt hat.
Wie der Mathematiker Günter Stand beobachtete, ist mittlerweile diese Befreiung vom historisch bedingten moralisch ethischen Zwang vor der Moderne heute auf das Niveau der millionenfach variierten emotionellen Entladungen gesunken, weil man die eigentliche Botschaft der Pioniere der Moderne nicht verstanden hat, nämlich die Erweiterung der kognitiven Dimensionen. Damals war diese Erweiterung insbesondere in der Erweiterung des Wahrnehmungsbildes von Nöten, welches insbesondere mit den moralischen, als auch technischen Bedingtheiten der Akademien aufräumte. Das wäre heute wieder angebracht.
Denn mittlerweile sind die Unterschiede der Aussagen der Kunst derart klein, dass man von einem Erweiterungsstau sprechen kann, welcher an denjenigen am Beginn des letzten Jahrhunderts erinnert.
Diese Aussage soll nicht heissen, dass jemand seine Kunstauffassung ändern soll, sondern, dass, wer an einer Wandlung interessiert ist, alle die ablehnenden Überlegungen zu meinem Vorschlag überdenken sollte. Denn meine Bilder enthalten nur dann keine neue Information, wenn man z.B. die Themen dazu ignoriert.
Damit zurück zu meinem Konzept.
Aus den erwähnten Gründen bin ich mittlerweile überzeugt, dass mein Thema, nämlich die heutigen Überlegungen in der Physik, mit den Mitteln der Malerei einer Sichtbarkeit zu verhelfen, nicht nur für diese, sondern für die ganze Entwicklung der gestalterischen Umsetzung Sinn macht, weil nur auf diesem Weg der Kunst zu ihrem eigentlichen Auftrag, der erweiterten Inspiration, dienen kann. Natürlich ist die Themenwahl frei.
Wer sich an der Moderne, wie der ihr folgenden Postmoderne orientiert, mag den Einwand einwerfen, dass damit die freie Intuition des Betrachters eingeschränkt werde, was ja eine der grossen Leistungen dieser Epoche sei, dem kann ich antworten, dass er ja auch gerade durch seine Orientierung daran sich selbst einschränkt. Dabei spielen nebst Bildung unzählige Gewohnheiten in seine Betrachtungen hinein, so, dass ich der Meinung bin, mit einem kleinen Einschnitt in die intuitiven Gedankengänge, eher die Erweiterungen der Intuitionen zu bewirken, denn diese zu hemmen.
Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen, beim Betrachten meiner Bilder.
Bern, im Juli 2017
Roset 

Warum das Nichts?

Um zu leben brauchen wir diese These nicht. Vielleicht aber zum Überleben unserer Spezis schon. Ich ahne bloss etwas. Bis jetzt jedenfalls, liessen wir nicht davon ab, immer wieder die Frage nach dem Ursprung zu stellen. Das heutige Wissen, welches als rational empirisch betrachtet wird, mag im Moment Agnostiker und logische Empiriker zufriedenstellen, aber auch sie werden ihre Ablehnung gegen die Spekulationen der heutigen Physik korrigieren müssen, sobald hier evidenteres zum Vorschein kommt, als heute die Theorien hergeben. Dazu gehört die Frage nach dem Nichts. Dieses Nichts ist aber nicht nur in der Physik eine logische Folge des bis heute Feststellbaren, sondern ist auch Basis fast aller Welterklärungsmythen. Ausgehend davon, dass unsere Wahrnehmungsfähigkeit immer wieder in der Lage ist auf den richtigen Sachverhalt zu kommen, sollten wir also solche Ahnungen, welche sich sogar rechnerisch als sehr lukrativ erweisen, nicht einfach mit dem Hinweis, es sei Spekulation, von uns zu weisen.
War das Nichts, bevor etwas sich bewegte, wirklich nur nichts? Und das ohne irgendwelche räumlich-zeitliche Orientierungsmöglichkeit? Diese Vorstellung dürfte für unser Gehirn die schwierigste sein.
Wenn wir aber den Versuch, das Dasein zu ergründen, nicht aufgeben wollen, bleiben uns solche Fragen, egal wie fern derer Lösung sein mögen, nicht erspart. Denn nur so schöpfen wir das Potenzial unserer Wahrnehmungsfähigkeit aus.
Die Vorstellung des eingangs erwähnten Zustands des Nichts, ist im Moment das höchste der Erkenntniskraft, welche wir aufbringen können. Genau so schwierig ist die Vorstellung, dass schon immer, ohne vorgängiges Nichts, Fluktuationen, welche zu energetischen Felderbindungen, also Branen, führten, der „ewige“ Zustand wäre. Deshalb glaube ich, dass vorläufig die Definition des Ursprungs nicht mit diesen absoluten Konsequenzen gedacht werden muss, sondern in der Sequenz der Fluktuationen im Nichts, welche zu Branen führen, ähnlich Alan Guths Inflationstheorie, nur dass nicht gleich ein spontanes riesiges Energiefeld aus dem Nichts entsteht, sondern dieses sich erst durch das nach und nach Zusammenfinden der einzelnen Fluktuationen entsteht. Mittlerweile ist wahrscheinlich derart viel Energie im Nichts, dass nur noch da, wo sich keine solche befindet, von einem Nichts gesprochen werden kann.
Diese kurz zusammengefasste Darstellung zeigt, wo wir unser letztes Vorstellungvermögen haben. Weiter sind wir nicht mehr in der Lage mit unserem Gehirn zu denken. Das bedeutet aber nicht, dass es da noch etwas ausserhalb davon geben könnte, wie Esoteriker gerne vermuten und behaupten, nein, das ist ganz einfach das Ende unserer diesbezüglichen Potenzialität. Was kann man mehr, als das Nichts feststellen? Jeder Versuch, noch etwas danach zu vermuten, ist bloss eine Verschiebung des Nichts. Denn am Ende ist auch dabei wieder Nichts.
Um uns all diese Fragen zu beantworten bleibt uns nichts anderes übrig, als uns damit zu beschäftigen, wollen wir nicht geistig auf halbem Wege stecken bleiben.
Dafür male ich diese Bilder, damit wir dieses Phänomen, gleich Ikonen, visuell gegenwärtig haben und, wenn uns danach ist, in diese Dimension des Denkens hineinzubegeben können. Deshalb sind es ja nicht traditionelle Ikonen, mit religiösem Hintergrund, sondern, säkulare Ikonen.
Natürlich gibt es unmittelbar handfestere Themen, ja wichtigeren Handlungsbedarf. Dieses Argument kommt immer dann, wenn jemand ablehnend gegen etwas ist. Nur ist unsere Entwicklung aber darauf angewiesen, dass sie sich mittels, vielleicht anfänglich nicht als sinnvolle Investition daherkommenden Gedanken, immer weiter in die Tiefen des Geheimnisses um unser Dasein und derer Entschlüsselung hineindenkt, um so unser Wissen zu mehren. Ein Bedürfnis, welches nicht wenigen Menschen selbstverständlich ist.
Wer sich gerade in dieser Neigung befindet und diese Überlegungen nachvollziehen kann, der möge sich an meinen Vorschlägen erfreuen.
Denn das Nichts als eigentlichen Zustand lässt alle Möglichkeiten offen. Die Welt steht da wie ein ungeschriebenes Buch und niemand braucht sich mehr zu wundern, was ihm geschieht, weil sämtliche Möglichkeiten offen bleiben. So letztlich auch die Dynamik der Möglichkeiten, welche durch unser Handeln oder Nichthandeln entstehen. So wirkt der dynamische Aspekt der Physik unmittelbar in unser Leben im Alltag.
Roset Juli 2017

Der Künstler ist leider am 16. Juli 2017 verstorben. Mehr vom Künstler auf roset.ch 

 

“Menschliche Verletzlichkeit” – Diskussionsabend von Philosophie.ch in Bern

Sonntag, 16. April 2017

Im Rahmen des Projektes “Liebe und Gemeinschaft” von Philosophie.ch, dem Schweizer Online Portal für Philosophie (ansässig in Bern), findet im Café Kairo in Bern ein Diskussionsabend zum Thema “Menschliche Verletzlichkeit” statt.

Eintritt: CHF 15.00 (AHV/IV CHF 10.00).

Termin: Montag, 24. April 2017

Türöffnung: 19:00 / Beginn 19.30

Ort: Café Kairo, Dammweg 43, 3013 Bern.

Vom Bahnhof mit Bus Nr. 20 bis zur Haltestelle Lorraine

Mehr zum Thema:
Verletzlichkeit wird uns zur Zeit immer wieder als Grundeigenschaft menschlichen Lebens eindrücklich vor Augen geführt. In Anbetracht von Krieg, Flucht und dem Sterben an den Grenzen der Festung Europa beispielsweise. Verletzlichkeit dient aber auch als argumentative Grundlage für eine Abgrenzungspolitik des globalen Westens gegenüber „dem Anderen“, „dem Fremden“: In (nicht nur) rechtspopulistischer Rhetorik sind es beispielsweise emanzipierte weisse Frauen, die vor dem „sexuell übergriffigen Migranten“ beschützt, die fortschrittliche Nation, die vor dem „Eindringen eines rückständigen Wertesystems“ bewahrt oder das friedliche Miteinander, welches vor der Gewalttätigkeit des „Fremden“ geschützt werden muss. Diese Rhetorik baut auf einer Gegenüberstellung zwischen dem eigentlich autonomen, abgegrenzten Selbst und dem bedrohlichen, verletzenden Anderen. So betrachtet scheint es kein Zufall zu sein, dass gegenwärtig zwei Entwicklungen parallel verlaufen: Die starke Individualisierung des Menschen im neoliberalen Kapitalismus – also die Betonung des autonomen Selbst – und das gegenwärtige Erstarken von nationalistischem und fremdenfeindlichem Gedankengut. Es ist allerdings auch nicht zufällig, dass sich gegen diese Tendenzen gerade eine feministische Bewegung formiert. Der Women’s March in Washington am Tag der Inauguration des neuen US-Präsidenten Donald Trump ist die grösste Single-Day-Demonstration in der Geschichte der USA. In zahlreichen Städten weltweit fanden seither ähnliche Märsche statt. Feminismus, das sei nicht nur eine Bewegung für alle, sondern er kümmere sich auch um alles, wie Antje Schrupp in der “Frankfurter Rundschau” es formuliert. Angela Davis fordert in Anlehnung an den Slogan der Occupy-Bewegung, einen „Feminismus der 99%“. Und gerade zu Fragen rund um das Subjekt, um Autonomie und um Handlungsfähigkeit hat die Feministische Theorie so einiges an Antworten und Gedankenanstössen zu liefern. Verletzlichkeit spielt in diesen Überlegungen eine zentrale Rolle.

(Text von Geneva Moser)

>>Philosophie.ch

“Religion lindert die Angst vor dem Tod?” – Weltweite Studie zu einem wenig erforschten Thema

Freitag, 31. März 2017

Artikel auf spiegel.de vom 29.03.2017:

Wenn am Ende das Paradies wartet, kann die Reise in den Tod gar nichts so schlimm werden. Eine gängige Theorie besagt, dass religiöse Menschen weniger Angst vorm Sterben haben. Das einzige Problem an der Schlussfolgerung: So richtig solide nachgewiesen wurde bislang nicht, dass Gläubige es mit dem Gedanken ans Sterben einfacher haben.



Jetzt werteten Forscher um Jonathan Jong von der Coventry University und Kollegen hundert Fachartikel zum Thema aus, die zwischen 1961 und 2014 erschienen sind. Die Arbeiten enthielten Daten von 26.000 Menschen weltweit. Demnach kann ein fester Glaube tatsächlich die Angst vor dem Tod abschwächen. Allerdings kommt es auf die Motivation an, die hinter dem Glauben steckt. Und auch Atheismus kann die Angst vor dem Tod lindern.

Zunächst zu den Gläubigen: Die Forscher fanden einen leichten Zusammenhang zwischen Religiosität und weniger Todesangst. Je gläubiger die Menschen waren, desto weniger Angst hatten sie vor dem Tod, berichten die Forscher im Fachmagazin “Religion, Brain and Behavior”. Dabei war es egal, ob Religion als Glaube an Gott, an ein Nachleben oder religiöses Verhalten wie Kirchgänge oder regelmäßiges Beten definiert war.

Allerdings stellten die Forscher einen Unterschied zwischen Menschen fest, die aus eher pragmatischen Gründen, etwa wegen des sozialen Umfelds, eine Religion praktizierten und jenen, die tatsächlich tief gläubig waren. Die Tiefgläubigen hatten demnach weniger Angst vor dem Tod als die Zweckgläubigen.

Aber auch Atheisten kommen offenbar besser mit dem Gedanken ans Sterben klar als solche, die Religion etwa aus sozialen Gründen praktizieren. Elf der untersuchten Studien prüften die Theorie, ob einerseits Atheisten und Tiefgläubige am wenigsten Angst vor dem Tod haben und andererseits Menschen, die sich in ihrer Überzeugung nicht sicher sind, am meisten. Zehn dieser elf Untersuchungen bestätigten die These.

>>Ganzen Artikel lesen

Philosoph Michael Schmid Salomon: “Religionsfreiheit ist kein Freibrief” – Interview auf “derStandard.at”

Freitag, 30. Dezember 2016

Interview in derStandard.at vom 24.12.2016:

Anlässlich seines soeben erschienenen Buchs Die Grenzen der Toleranz nimmt der Philosoph Michael Schmid Salomon Stellung zur Frage, wie in der “offenen Gesellschaft” den zunehmend fundamentalistisch-religiösen Strömungen begegnet werden soll.

Der zunehmend bemühten “Rücksicht auf religiöse Gefühle” stellt er das unmissverständliche Geltend-Machen individueller Grundwerte durch den weltanschaulich neutralen Staat gegenüber.

Sein Konzept “Abschreckung durch Freiheit” soll auch in Zeiten starker Migrantenströme, in deren Sog auch ein die westlichen Grundwerte verneinender Scharia-Islamismus nach Europa drängt, dem Einzelnen klarmachen, dass Grundrechte, Gleichheit von Mann und Frau, Freiheit der sexuellen Identität und weitere Errungenschaft der modernen Gesellschaft unveräusserliche Grundlagen des Zusammenlebens sind.

>>Zum Artikel auf derstandard.at

Veranstaltung von “philosophie.ch”: “Müssen wir Angst vor der Zukunft haben?”

Freitag, 28. Oktober 2016

Die Zukunft ist ungewiss. Manche PhilosophInnen – nämlich VertreterInnen der sogenannten Zeittheorie des „wachsenden Blocks“ – behaupten sogar, dass die Zukunft gar (noch) nicht existiert. Was können wir also über Sachverhalte wissen, die möglicherweise noch gar nicht real sind? Wir können lediglich Prognosen darüber anstellen, wie die Zukunft aussehen wird. Man kann aufgrund von Ausganssituationen und Tendenzen bis zu einem gewissen Grad darauf schliessen, was geschehen wird. Haben wir, in Anbetracht dieser Prognosen, Grund zur Angst? Was lässt sich daraus für unser Handeln ableiten? Über diese und weitere Fragen werden wir an der philosophischen Podiumsdiskussion am diesjähirgen UNESCO Welttag der Philosophie diskutieren. Insbesondere wird der Fokus auf Medizin, Wirtschaft und Umwelt liegen.

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Ausstellung in Bern: Auf dem Weg zum Nichts

Mittwoch, 12. Oktober 2016

 

Webseite des Künstlers: http://www.roset.ch/

“Heute bist Du eine Schönheit” – Podiumsgespräch zur Zukunft der menschlichen Schönheit

Montag, 23. Mai 2016

Am 26. Mai diskutieren um 19 Uhr im Breitsch-Träff in Bern die Philosophin Dr. Lisa Schmalzried (Universität Luzern) sowie der Philosoph Dr. Mario Kaiser (Universität Basel), was es alles mit der allgegenwärtig thematisierten Schönheit des Menschen auf sich hat. Dabei wird nicht nur thematisiert, ob „Schönheit“ auch von innerer Schönheit abhängt, sondern auch, ob sich unser Schönheitsideal mit dem technologischen Fortschritt wandelt. Könnte es sein, dass sich die Bilder der, mit Hilfe von Computerprogrammen aufgehübschten und perfektionierten Models, bereits verselbstständigt haben und die perfekt schönen Menschen überall auf uns lauern? Oder sind durch die plastische Chirurgie bestehenden Möglichkeiten oder in weiter Zukunft auch durch die Gentechnologie nur noch die Hübschen „gut genug“? Reagieren wir bereits heut zu Tage auf Schönheitsideale, die noch nicht unserer Zeit entsprechen? Die Diskussion wird anschliessend an das Podium geöffnet: Das Publikum ist herzlich eingeladen Fragen zu stellen und mitzudiskutieren.

Grenzen der Toleranz: Matinée mit dem Philosophen Michael Schmidt-Salomon in Basel

Montag, 9. Mai 2016

Die offene Gesellschaft hat viele Feinde. Die einen streiten für «Allah», die anderen für die Rettung des «christlichen Abendlandes». Letztlich aber verfolgen sie das gleiche Ziel: Sie wollen das Rad der Geschichte zurückdrehen und vormoderne Dogmen an die Stelle individueller Freiheitsrechte setzen. Wie sollte eine moderne Gesellschaft auf diese doppelte Bedrohung reagieren? Welche gesellschaftlichen Entwicklungen sollten wir begrüssen, welche mit aller Macht bekämpfen? Klar ist: Wer den Überblick im «Kampf der Kulturen» nicht verlieren möchte, sollte wissen, wofür es sich zu streiten lohnt.

Blog zum Thema “Mensch” auf der Plattform “Philosophie.ch”

Montag, 14. März 2016

Der Mensch ist die Summe seiner Muskeln. Oder so ähnlich. Das Schönheitsideal ist momentan besonders muskelbepackt. Am besten hat man einen Fitnessplan mit korrespondierender Diät, die nebenbei das Darmkrebsrisiko verringert, glücklich macht und – je nach dem, wem man Glauben schenkt – entweder Tiere schützt oder den bereits verloren geglaubten Naturzustand des Menschen wieder herstellt: Pizza ohne Getreide (dafür mit Blumenkohl) und extra viel Fleisch. Oder eben vegane Fleischbällchen mit dreifarbigem Quinoa und Ingwergarnitur. Ist der Mensch, was er isst?

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