Archiv für die Kategorie „Menschenbild“

«Töten liegt nicht in unserer Natur»

Dienstag, 3. Januar 2012

Migros Magazin
Sozial und psychologisch sind Affen den Menschen erstaunlich ähnlich, sagt der holländische Verhaltensbiologe Frans de Waal. Ein Gespräch über das Lachen, über Mitgefühl und Alphamännchen aller Art.

Interview in: http://www.migrosmagazin.ch/index.cfm?id=47165

Das Prinzip Empathie

Gier ist out, Empathie ist in. In der Natur tobt ein Kampf ums Überleben, in der Evolution herrscht das Recht des Stärkeren. Zumindest, wenn man Darwins Theorie verkürzt betrachtet. Frans de Waal, der große Humanist unter den Verhaltensforschern, widerlegt diese These. Seine Beobachtungen an Hunden, Katzen und Schimpansen zeigen: Offenbar erkennen auch Tiere in ihrem Gegenüber eine verwandte Kreatur und zeigen Empathie und Solidarität. Auf den Menschen übertragen, heißt das: Kooperation gehört zu unserer Grundausstattung. Engagiert und anschaulich erklärt de Waal, warum Stärke allein nichts zählt und was wir von der Natur für eine bessere Gesellschaft lernen können.

http://www.amazon.de/Das-Prinzip-Empathie-bessere-Gesellschaft/dp/3446236570/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1325588385&sr=8-1

ARTE: Schleierhaft – Über die Kultur des Schleiers in Europa

Montag, 29. August 2011

Betrachtet man antike Skulpturen oder mittelalterliche Gemälde von Frauen, sind Schleier und Kopftücher allgegenwärtig. Sie verhüllen den weiblichen Körper und machen gerade dadurch Weiblichkeit sichtbar. Heute finden sich Schleier in der westlichen Welt nur noch als Relikte in Form von Braut-, Witwen- oder Nonnenschleiern. Schleier sowie Kopftuch werden als typische Kopfbedeckung muslimischer Frauen angesehen. Und um das muslimische Kopftuch, den Schleier und deren Symbolgehalte geht es in der Dokumentation, rufen sie doch höchst ablehnende Reaktionen hervor, weil sie als Zeichen der Unterdrückung der Frau im patriarchalisch geprägten Islam gelten.

Regie: Hilka Sinning

Video: http://videos.arte.tv/de/videos/schleierhaft-4100452.html

3sat | Do, 12.05.2011, 21:00: Was ist der Mensch?

Donnerstag, 12. Mai 2011

Hans Lenk ist einer der bedeutendsten Philosophen der Gegenwart. Die Liste seiner Buchpublikationen umfasst mehr als 300 Titel. Er war Präsident der Deutschen Gesellschaft für Philosophie, Vizepräsident der Weltgesellschaft für Philosophie und Präsident der Weltakademie der Philosophen. Ausserdem war Lenk als Ruderer ein Spitzensportler: Er war zweimal Europameister, viermal Deutscher Meister, und er gewann bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom die Goldmedaille. Im Sport-und Olympiamuseum in Köln begegnet Gert Scobel dem Philosophen Hans Lenk, um die Frage zu erörtern: “Was genau ist eigentlich der Mensch?”.

http://www.3sat.de/scobel/

Volker Sommer – Ich bin ein Menschenaffe

Sonntag, 17. April 2011

Professor Volker Sommer ist einer der bekanntesten und angesehnsten Primatenforscher unserer Zeit. Als regelmäßiger Gast in Talkshows sorgt er immer wieder für Aufsehen mit provozierenden Thesen: “Es ist wissenschaftlich unhaltbar, überhaupt zwischen Menschen und Menschenaffen zu unterscheiden.” Der Forscher, der sein Leben den wildlebenden Primaten widmet, fordert Personenrechte für Menschenaffen.

Der 1954 im nordhessischen Holzhausen am Reinhardswald geborene Forscher hat am renommierten University College in London den Lehrstuhl für Evolutionäre Anthropologie inne. Über 100 wissenschaftliche Fachpublikationen und zahlreiche populärwissenschaftliche Bücher zählen zu den Ergebnissen seiner jahrzehntelangen Freilandforschung. In Indien, Thailand und Nigeria beobachtet und analysiert Volker Sommer das Sozialverhalten wilder Primaten, Affen und Menschenaffen.
Der Film begleitet den Primatenforscher in eine der letzten großen Wildnisse Westafrikas: den Bergurwald Nigerias, wo Sommer eine neu entdeckte, seltene Schimpansenunterart erforscht und dabei vom Wissenschaftler auch zu einer Art Ökokrieger wurde: Vor zehn Jahren begann der Anthropologe, sich aktiv für die Einrichtung des Gashaka Gumti Nationalparks als Naturschutzgebiet einzusetzen, um den vom Aussterben bedrohten Nigerianischen Schimpansen wenigstens ein letztes Refugium zu bieten.
Aufgrund der uns Menschen verblüffend ähnlichen Intelligenz und Leidensfähigkeit von Menschenaffen wendet sich Sommer nicht nur gegen medizinische Versuche, Menschenaffen sollte außerdem der Status von “Personen” zugesprochen werden. Eine solche Gleichberechtigung vor dem Gesetz würde ihnen ein Recht auf Leben und Freiheit von Folter zusprechen. Sommer kombiniert streng-wissenschaftliche Forschung mit anspruchsvollen ethischen Überlegungen, die im besten Sinne aufklärerisch sind. Beispielsweise weist er gleichgeschlechtliches Sexualverhalten im Tierreich nach und entkräftet das Argument, dass Homosexualität “wider die Natur” sei.
Volker Sommer ist nicht nur eine äußerst facettenreiche Persönlichkeit, er hat im Laufe seines Lebens auch ganz unterschiedliche Begabungen verwirklicht: Neben seinen wissenschaftlichen Veröffentlichungen hat er auch poetische Arbeiten publiziert, und Volker Sommer ist außerdem ein Tangotänzer und auch -musiker.
Das Porträt zeichnet das Bild eines radikalen Forschers, der aus religiösen Ursprüngen heraus zum Aufklärer geworden ist. Eines Denkers, der auch aus ethischer Verantwortung aktiv mit der Öffentlichkeit kommuniziert. Eines Naturschützers – und eines Philosophen, der dazu einlädt, das Leben in all seinen Erscheinungsformen zu respektieren und als ein Fest der Vielheit zu bejahen.

Wiederholung: 23.04.2011 um 06:45 auf ARTE

Video

http://videos.arte.tv/de/videos/volker_sommer-3830484.html


Cathérine Fourest: Unterschiede anerkennen und überschreiten

Samstag, 31. Juli 2010

Es handelt sich bei dem nachfolgenden Text um das Vorwort aus Caroline Fourests letztem Buch “La dernière utopie” (Grasset, Paris, 287 Seiten, 20 Euro), in dem die Autorin den Zerfall der Idee allgemeiner Menschenrechte im Zeichen der Religion (besonders des Islams) und des Multikulturalismus analysiert. Fourest macht in diesem Buch kein Hehl daraus, dass ihr am abstrakten Begriff der Menschenrechte aus der französischen Tradition liegt. Mehr zu dem Buch im Blog der Autorin. Wir danken ihr für die Nachdruckgenehmigung. (Redaktion Perlentaucher)

Eine Utopie stirbt – die Utopie der Menschenrechte, die Perspektive einer Welt, in der alle menschlichen Wesen frei und gleich wären, ohne Unterschied. Ein Traum, der vom ersten Atemzug an in jedem Menschen lebt, dessen Spuren in allen Zivilisationen und Kulturen zu finden sind. Vor sechzig Jahren wurde dieses Ziel in der Allgemeinen Menschenrechtserklärung der UN formuliert. Fast ein Wunder. Vielleicht eine Illusion. Denn so ausgelaugt scheint uns die Ambition jener Epoche heute, so umstellt von Feindschaft.

Dank der neuen Technologien und der sozialen Netze schafft sich der Mensch immer weitere Horizonte und immer mehr Kontakte. So gesehen lässt sich die Globalisierung als ein Sprung in Richtung mehr Universalismus sehen – vor allem dann, wenn die Vernetzung dazu dient, die Propaganda von Diktaturen auszuspielen und auf der Basis eines gemeinsamen Ideals Solidarität zwischen Demokraten der ganzen Welt zu schaffen. Allerdings muss man mit dieser Unendlichkeit umgehen lernen. Die Globalisierung der Information bedeutet auch eine Globalisierung von Ängsten und Leidenschaften. Einige Ereignisse wie der 11. September oder der Nahostkonflikt lösen starke Reizreaktionen aus. Je schneller man in dieser Welt reagieren muss, desto unreflektierter, irrationaler sind die Reaktionen.

In der Flut der Nachrichten und Kommunikationsangebote hat der Bürger – der zugleich zappt und surft – Schwierigkeiten, eine Wahl zu treffen. Es ist immer leichter, Kontakte zu dem zu knüpfen, was einem ähnelt. Die Lektüre verliert sich. Wir bekommen Informationen durch das Prisma der Videos im Internet, aus Gruppen, denen wir uns zugehörig fühlen, aus Kanälen, die wir abonnieren. Die Arena der Debatte implodiert durch die Explosion der Medien.

Es handelt sich sicher nur um eine Übergangszeit, die wir brauchen, um diese Unendlichkeit zu fassen. Aber in dieser Zeit weht der Wind gegen den Idealismus. Auf der Tagesordnung stehen nicht mehr die großen Entwürfe, sondern eher der Rückzug: ins Regionale, in die Community, den Clan, den Stamm, die Familie. Staatsnationen lösen sich auf, Balkanisierung droht. Und Joseph de Maistre, der konterrevolutionäre Philosoph bekommt seine Revanche. Er hatte sich bekanntlich über die Idee der universellen Menschenrechte lustig gemacht, die er zu abstrakt fand: “Der Mensch existiert nicht, ich habe nie einen gesehen… Ich habe in meinem Leben Franzosen, Russen, Italiener gesehen… Dank Montesquieu weiß ich sogar, dass man Perser sein kann.” Diese Tirade zeigt, wo Universalismus immer schon am akutesten bedroht war: in der Überschätzung äußerlicher Unterschiede. Ob sie nun regional, sexuell, kulturell oder religiös sind. Nicht dass der Universalismus diese Unterschiede leugnet – er will sie überschreiten.

http://www.perlentaucher.de/artikel/6240.html

TV-Tipp SF1: Einstein befasst sich mit dem Thema Tod

Donnerstag, 1. April 2010

Do, 01.04.2010,  21:00 – 21:50 Uhr

Der Umgang mit dem Toten
Nicole Ulrich begleitet den Bestatter Ricco Biaggi. Seine Philosophie: Die Hinterbliebenen sollen von der Stunde des Todes bis zur Abdankung mit dabei sein und aktiv mithelfen, wenn der Verstorbene für die Abdankung vorbereitet wird.

Wie stirbt unser Körper?
Wenn Herz und Kreislauf versagen, beginnen die rund hundert Billionen Körperzellen endgültig abzusterben. Was bei den Hirnzellen innert Minuten passiert, dauert beim Darm einen ganzen Tag.

Die ästhetische Aufbahrung
Micaela Plattner ist die erste Thanatologin der Schweiz. Sie verwendet das gleiche Verfahren wie bei einem verstorbenen Papst, um den Körper für ein paar Tage haltbar zu machen – hygienisch einwandfrei und ästhetisch ansprechend.

Bestatten im Wandel
Bis vor 100 Jahren kam nur eine Erdbestattung in Frage – so diktierte es die Kirche. Heute werden 70 Prozent der Verstorbenen kremiert. Alternative Formen der Bestattung boomen, und der Trend zum Gemeinschaftsgrab stellt die Hinterbliebenen vor Probleme.

Die letzten Stunden
Am Kantonsspital St. Gallen wurden über 600 schwer kranke Menschen in den Tod begleitet. Eine Studie hält fest, wie schmerzhaft dieser Sterbensprozess ist und was den Kranken das Sterben erleichtert.

Die Suche nach der Seele
Bleibt etwas übrig, wenn der Körper gestorben ist? Todeserlebnisse von klinisch toten Menschen sollen darüber Aufschluss geben: Ist es das Gehirn, das ein Schweben über dem eigenen Körper vorgaukelt – oder kann man solche Erlebnisse der Seele zuordnen?

http://www.teleboy.ch/programm/detail/?nomytv=1&const_id=201004012100003

Tabuthema Pädophilie

Donnerstag, 25. März 2010

Leserbrief zum Bund Interview vom 19.03.10 und Antwort auf Leserbrief Georges Dubi vom 20.03.10

Im Gegensatz zu Leserbriefschreiber Georges Dubi fand ich das im Bund publizierte Interview „Pädophilie ist uns nicht fremd“ gut und auch wichtig. Pädophilie ist ein äusserst schwieriges, menschliches Thema. Psychoanalytiker Peter Passett`s Antworten im Interview sind differenziert und pragmatisch. Dass der Kindsmissbrauch auch in katholischen Anstalten besonders ausgeprägt war und ist, erstaunt überhaupt nicht. Männer in kirchlichen Zwangsjacken bleiben schliesslich immer noch Männer. Das Versagen und die Ratlosigkeit der (männlichen) Kirchenobrigkeit ist für mich als Freidenker schon fast erheiternd.

Es ist nun mal seit der Steinzeit eine Tatsache, dass wir Männer vergewaltigen und missbrauchen. Prostitution und Pornoindustrie existieren nur, weil es Männer gibt.

Wir Menschen haben uns vom Affen in ein höchst widersprüchliches Wesen weiterentwickelt. Wir sind eine Gattung mit viel Schönheit und viel Schrecken.

Wenigstens schätzen wir uns so ein.

Wenn wir uns wirklich sozial weiterentwickeln wollen, müssen wir ehrlich sein und nicht die Augen vor unangenehmen Tatsachen verschliessen. Wir sollten lernen, den Schrecken besser in den Griff zu bekommen. Pädophilie ist schliesslich nur eine schlimme menschliche Verfehlung unter vielen. Diese Feststellung ist weder Trost noch Entschuldigung.

Aber nur mit Tabuisierung und Repression alleine kriegen wir unsere menschlichen Schwächen nicht in den Griff. Die öffentliche Debatte ist wichtig. Auch kreative, lösungsorientierte Gedanken wie sie Peter Passett im Interview geäussert hat sind wichtig und alles andere als „verantwortungslos“ und „pseudointellektuell“.

Daniel Aellig
Freidenker-Vereinigung Bern

Gefühl für Gerechtigkeit ist im Gehirn verankert

Donnerstag, 25. Februar 2010

Menschen haben ein Grundbedürfnis nach Gerechtigkeit. So lautet eine gängige Hypothese der Sozialwissenschaftler. Neurobiologen haben diese jetzt bestätigt. Mit Tomografientersuchungen konnten sie bestimmte Hirnareale ausfindig machen, die bei ungerechter Behandlung besonders aktiv sind.

“Schon das sehr kleine Kind entwickelt – wahrscheinlich gegen Ende des zweiten Lebensjahres – ein Urbedürfnis nach Gerechtigkeit”, sagt Léon Wurmser. Es sei ein “Gefühl dafür, dass ein Miteinander der Menschen nur möglich ist, wenn eine Art primitive Gerechtigkeit herrscht”, so der weltweit anerkannte Schweizer Psychoanalytiker. Diese gängige Hypothese in den Sozialwissenschaften besagt, dass Menschen das Bedürfnis haben, ungleiche Verteilungen zu reduzieren, da sie sonst einen Gewinn nicht richtig genießen können.

Weiter lesen: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,679931,00.html

Revolutionärer Atlas: Entdecke dein Gehirn

Montag, 15. Februar 2010

Es ist höchstkomplex, hat zig Milliarden Nervenzellen – und ist auch für viele Experten immer noch ein Rätsel. Forscher entwickeln jetzt einen neuen 3-D-Atlas des menschlichen Gehirns. Aus gutem Grund: Wenn Ärzte operieren, orientieren sie sich noch an einer Karte, die mehr als 100 Jahre alt ist.

Originalartikel: http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,673235,00.html

Wie kam die Moral in die Welt?

Mittwoch, 10. Februar 2010

(SZ) Wissenschaftler bezweifeln, dass Religion das Gerüst für die Moral bildet. Einige halten den Glauben eher für ein schädliches Nebenprodukt der Evolution.

Weiter lesen: http://www.sueddeutsche.de/wissen/409/502641/text/