Archiv für die Kategorie „Medienmitteilungen“

Schweizer Freidenker sind bestürzt über das Attentat in Berlin

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Mit Bestürzung nehmen die Freidenker der Schweiz das blutige Attentat von Berlin zur Kenntnis. Sie gedenken der Opfer und ihren Hinterbliebenen und wünschen ihnen Kraft für die kommende Zeit. Besonders an Weihnachten, dem Fest, das für viele Menschen schon lange keinen religiösen Hintergrund mehr hat, aber dennoch Gelegenheit für das Zusammensein mit der Familie oder geliebten Menschen bietet, zeigt sich die Grösse des Verlusts noch einmal deutlicher und schmerzhafter.

Einmal mehr fordert offensichtlich religiös begründeter Fanatismus unschuldige Opfer. Bedauerlicherweise wird das feige Attentat nun von Kreisen instrumentalisiert, denen eine von Toleranz und Menschlichkeit geprägte Gesellschaft selbst ein Dorn im Auge ist.

Dass eben eine solche Haltung zu einer Schwächung der offenen Gesellschaft, deren humanistischen Werte Grundlage unseres freiheitlichen Zusammenlebens sind, führt, resümiert der Philosoph und Autor Michael Schmidt-Salomon in seinem soeben erschienenen Buch «Die Grenzen der Toleranz». Aus diesem Grund zitieren wir an dieser Stelle seinen Kommentar, veröffentlicht auf der Webseite der Giordano Bruno Stiftung am 20.12.2016:

Den Terroristen nicht in die Falle laufen!Kommentar von Michael Schmidt-Salomon zu dem mutmaßlichen Anschlag in Berlin 

Die Nachricht von der Tragödie auf dem Berliner Weihnachtsmarkt war gerade erst über die Ticker gelaufen, da wusste der Landeschef der AfD in Nordrhein-Westfalen Marcus Pretzell bereits, wer die Schuld daran trägt. Via Twitter verkündete Pretzell zu einem Zeitpunkt, als nicht einmal ansatzweise klar war, ob es sich bei den dramatischen Ereignissen an der Gedächtniskirche um einen Unfall, einen apolitischen Amoklauf oder einen terroristischen Anschlag gehandelt hatte: «Wann schlägt der deutsche Rechtsstaat zurück? Wann hört diese verfluchte Heuchelei endlich auf? Es sind Merkels Tote!» Dabei übersah der AfD-Politiker allerdings, dass gerade er und seinesgleichen den Terroristen in die Hände spielen. Denn Rechtspopulisten zählen – wenn auch unfreiwillig – zu den wichtigsten Verbündeten der Islamisten im globalen Dschihad.

Die islamischen Gotteskrieger verfolgen eine perfide und bislang sehr wirkungsvolle Strategie, die in zahlreichen, u.a. im Internet verbreiteten Schriften nachzulesen ist: Da sie nicht die Mittel besitzen, die westlichen Demokratien militärisch ernsthaft zu gefährden, sollen viele terroristische Einzelaktionen die Bürgerinnen und Bürger in Angst und Schrecken versetzen und entsprechende Aversionen gegen die Muslime» wecken, was wiederum zu einer weiteren Radikalisierung unter Muslimen führen soll.

Den Masterplan für diese Strategie hat der einflussreiche Islamist Abu Musab al-Suri in seiner 1.600-seitigen Propagandaschrift «Aufruf zum weltweiten islamischen Widerstand» dargelegt. Darin heißt es: «Wenn wir zwölf Angriffsteams in der gesamten islamischen Welt bilden könnten und jedes dieser Teams würde eine Operation im Jahr ausführen, dann gäbe es jeden Monat einen Angriff. Wenn sie zwei Operationen schaffen, wäre das alle fünfzehn Tage ein Angriff.» Bezüglich der Angriffsziele gab al-Suri folgende Empfehlung: «Die Angriffsart, die Staaten abschreckt und Regierungen stürzt, ist der Massenmord an der Bevölkerung. Man muss Menschenmengen ins Visier nehmen, um maximale Opferzahlen zu erzielen. Das ist sehr einfach, weil es viele solcher Ziele gibt, wie zum Beispiel gefüllte Sportstadien, jährliche gesellschaftliche Veranstaltungen, gut besuchte Marktplätze, Hochhäuser und andere Gebäude mit vielen Menschen.»

Für die Umsetzung dieser Strategie brauche es nur 100 entschlossene Kämpfer, meinte al-Suri. Sie könnten mit gezielten Attacken die Rechtsstaaten destabilisieren – und dabei auf die unfreiwillige Unterstützung westlicher Nationalisten und «Kreuzzügler» rechnen. Denn diese würden, so das Kalkül al-Suris, reflexartig Gegenmaßnahmen gegen «die Muslime» einleiten. Die damit einhergehende Unterdrückung der Muslime sei eine großartige Stütze im globalen Dschihad. Denn sie führe zu größerer Ungerechtigkeit und zu massiveren Konflikten, was viele junge Muslime dazu motivieren würde, sich am bewaffneten Kampf gegen «die Ungläubigen» zu beteiligen.

Derzeit sieht es so aus, als sei der 23-jährige Pakistani, der in Berlin festgenommen wurde, al-Suris Anweisungen gefolgt, als er mit einem gestohlenen LKW in die Menschenmenge auf dem Berliner Weihnachtsmarkt raste. Gesichert ist diese Annahme im Augenblick noch nicht. Fest steht aber schon jetzt, dass sich Rechtspopulisten wie Marcus Pretzell geradezu sklavisch an das Terror-Drehbuch der Dschihadisten halten. Sie sind, ohne es zu ahnen, die wirkungsvollsten Verstärker des globalen Dschihad. Wenn wir dem Islamismus wirksam entgegentreten wollen, können wir es uns nicht erlauben, weiterhin in diese Falle zu laufen.

Buchempfehlung zum Thema:
Elmar Theveßen: Terror in Deutschland. Die tödliche Strategie der Islamisten. München 2016.

Kt. BE – Landeskirchengesetz: Zukunftsgerichtete Neuordnung statt Wunschkatalog der Kirchen

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Die Freidenkenden Region Bern (FRB) haben heute ihre Vernehmlassungsstellungnahme zum revidierten Landeskirchengesetz eingereicht. Sie kritisieren die im Entwurf fortgesetzte mannigfache Privilegierung der Landeskirchen und fordern die klare Trennung von Staat und Kirche. Dabei stützen sich die Freidenkenden auf die Resultate einer brandaktuellen Studie von gfs.bern.

Der vom Regierungsrat am 16. September in die Vernehmlassung geschickte Entwurf einer Revision des Kirchengesetzes liest sich über weite Strecken wie ein Wunschkatalog der Landeskirchen. Nicht nur werden die Beziehungen zwischen Staat und Kirchen in keiner Art und Weise entflochten; auch die Subventionen bestehen unverändert fort. Die Kirchen bleiben gegenüber anderen Organisationen und Vereinen deutlich bevorteilt: Vom ihnen eingeräumten politischen Mitspracherecht auf kantonaler Ebene über den Zugang zu persönlichen, auch besonders schützenswerten Daten der Einwohnerregister und Schulklassenlisten bis hin zur Ausbildung ihrer Berufspersonen.

Über 30% der Berner Bevölkerung gehören keiner Landeskirche mehr an (2000: 20%), 18% haben explizit keine Religionszugehörigkeit (2000: 8%) (Quelle: BFS 2000 und 2015). Vor dem Hintergrund dieser klaren Trends fordern die Freidenkenden eine strikte Trennung von Staat und Kirche. HHintergrund DieDie Mitgliederdatenerhebung, Kirchensteuereintreibung oder Pfarrerausbildung sind nicht Aufgabe des Staates, sondern sollen von den Kirchen vorgenommen und auch selber bezahlt werden. Weiter fordern die FRB, dass die Landeskirchen ihre Angebote grundsätzlich aus eigenen Mitteln finanzieren. Wo der Staat das Erbringen sozialer Leistungen delegiert (bspw. für Kultur-, Bildungs- und Freizeitangebote), soll er dies ausschreiben. Die Landeskirchen sollen sich dem freien Wettbewerb stellen.

Diese Forderungen widerspiegeln die Erwartungshaltung der Berner Bevölkerung, die in der Studie «Nutzung und Finanzierung sozialer Dienstleistungen der Landeskirchen im Kanton Bern» klar zum Ausdruck kommt. Das gfs.bern hat sie im Auftrag der Freidenkenden im Sommer dieses Jahres durchgeführt. 62% der 1011 repräsentativ ausgewählten Berner Stimmbürgerinnen und Stimmbürger befürworten die strikte Trennung von Staat und Kirche, 54% sind der Meinung, die sozialen Angebote der Kirche sollten ausschliesslich über die Kirchensteuern finanziert werden.

Für Rückfragen: Co-Präsidenten
Jorgo Ananiadis, 079 775 45 55, jorgo.ananiadis (at) frei-denken.ch und
Eliane Schmid, 079 718 89 62, eliane.schmid (at) frei-denken.ch

Vollständige Vernehmlassungsstellungnahme: http://www.frei-denken.ch/de/sektionen/bern/

Studie «Nutzung und Finanzierung sozialer Dienstleistungen der Landeskirchen im Kanton Bern»: http://www.frei-denken.ch/de/2016/09/berner-studie-zur-nutzung-und-finanzierung-sozialer-dienstleistungen-2/

Berner Studie zur Nutzung und Finanzierung sozialer Dienstleistungen der Landeskirchen

Donnerstag, 15. September 2016

Bernerinnen und Berner wollen Staat und Kirche trennen

Die Berner Stimmberechtigten sprechen sich für die Trennung von Staat und Kirche aus. Dies ist eines der wichtigen Resultate einer repräsentativen Studie im Auftrag der Freidenkenden Region Bern FRB. Im Weiteren ist eine Mehrheit der Befragten der Meinung, dass soziale Angebote der Landeskirchen ausschliesslich aus der Kirchensteuer zu bezahlen sind.

Im Hinblick auf die kommende Vernehmlassung zur Totalrevision des Kirchengesetzes wurden 1011 stimmberechtigte Bernerinnen und Berner vom Meinungsforschungsinstitut gfs.bern befragt. Das Ziel war, herauszufinden, inwiefern ihnen die sozialen Dienstleistungen der Landeskirchen bekannt sind und wie diese genutzt werden. Denn die Landeskirchen geniessen im Kanton Bern immer noch Privilegien gegenüber anderen Organisationen und Dienstleistungserbringern. So werden die Pfarrstellen und viele kirchliche Dienste durch den Kanton, also durch die Allgemeinheit, mitfinanziert. Diese Finanzierung durch den Staat begründen die Kirchen damit, dass sie wichtige soziale Aufgaben für die Gesellschaft leisten würden. Besonders oft werden hier die Betreuungs- und Beratungsangebote für sozial Bedürftige genannt. Die Kirchen leiten daraus einen grossen gesamtgesellschaftlichen Nutzen ab und haben dadurch ihre Privilegien über die letzten Jahrzehnte retten können.

Die vorliegende Studie belegt nun allerdings eine grosse Diskrepanz zwischen den Wünschen der StimmbürgerInnen und den immer wiederkehrenden Argumenten der Kirchen: So kennen zwar 55% der Befragten mindestens ein soziales Angebot der Landeskirchen, aber nur 7% der Befragten nutzen eine solche Dienstleistung. Hauptsächlich genutzt werden Kultur- und Bildungsangebote (Konzerte und Vorträge) sowie Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche. Alle anderen Angebote hingegen werden kaum genutzt.

Jorgo Ananiadis, Co-Präsident der Freidenkenden Region Bern, sagt dazu: „Obwohl der Kanton in allen Bereichen sparen muss, bevorzugt er die Landeskirchen und unterstützt sie mit finanziellen Mitteln. Dabei stützt er sich auf unbelegte Annahmen und folgt blind den Forderungen der Landeskirchen. Dank dieser neuen Studie gibt es jetzt aber Daten darüber, inwiefern diese mutmasslich gesellschaftsrelevanten Leistungen tatsächlich genutzt werden. Und die Resultate lassen keine Zweifel offen, wie diese in Zukunft zu finanzieren sind.“

Die Behörden und Parteien sind jetzt gefordert, die Erkenntnisse dieser Studie bei der kommenden Vernehmlassung zur Totalrevision des Kirchengesetzes einfliessen zu lassen. Für die Freidenkenden Region Bern sind die folgenden Konsequenzen bereits jetzt offensichtlich:
1. Staat und Kirche sind strukturell und finanziell strikt zu trennen.
2. Die Angebote der Landeskirchen sind grundsätzlich aus deren eigenen Mitteln zu finanzieren.
3. Wo der Staat das Erbringen sozialer Leistungen delegiert (bspw. Kultur-, Bildungs- und Freizeitangebote), sollen sich die Landeskirchen einem offenen Wettbewerb stellen. So wird auch die Qualität dieser von der Allgemeinheit finanzierten Leistungen sichergestellt.

Die Studie wurde heute morgen 10:00 den Medien und interessierten Kreisen vorgestellt.

Unterlagen:

2016_Medienrohstoff_Nutzung_und_Finanzierung_sozialer_Dienstleistungen

2016_Studie_Nutzung_und_Finanzierung_sozialer_Dienstleistungen

Kontakt:

Fragen beantworten gerne:

Dr. Carsten Ramsel  Verantwortlicher der Studie
E-Mail

Jorgo Ananiadis  Co-Präsident FRB
E-Mail

Vernehmlassung: http://www.frei-denken.ch/de/2016/12/landeskirchengesetz-zukunftsgerichtete-neuordnung-statt-wunschkatalog-der-kirchen/

Anne-Marie Rey (1937-2016): Zarte Kämpferin für die Freiheit

Dienstag, 28. Juni 2016

Mit Anne-Marie Rey verliert die Freidenker-Bewegung eine ihrer engagiertesten Frauen. Zunächst trug sie das Anliegen des straffreien Schwangerschaftsabbruchs in die Vereinigung hinein, bis schliesslich nach jahrzehntelangem Kampf mit der Volksabstimmung von 2002 in der Schweiz die Fristenregelung eingeführt wurde.

Zwar blieb sie diesem Anliegen auch weiterhin verpflichtet, richtete aber nun ihre Energie vermehrt auf das Kernthema der Freidenker: die Trennung von Staat und Kirche/Religion. Auch hier scheute sie keine persönlichen Mühen und Kosten, der Forderung nach einer vollständigen Trennung von Staat und Kirche im Kanton Bern Nachdruck zu verleihen, sei es mit bohrenden Fragen an die Verwaltung, in Leserbriefen oder an Veranstaltungen. Selbst vor der persönlichen Steuerverweigerung schreckte sie nicht zurück und liess sich auch von einer Niederlage vor dem Bundesgericht 2011 nicht von der Überzeugung abbringen, dass die Abgeltung der Pfarrlöhne im Kanton Bern durch allgemeine Steuermittel abzuschaffen sei. Und die Zeit gab ihr auch hier recht: Der Kanton Bern bewegt sich in dieser Frage. Den Abschluss der von ihr Anfang 2016 angeregten Studie zur gesamtgesellschaftlichen Relevanz der Dienstleistungen der Landeskirchen im Kanton Bern wird sie nun aber leider nicht mehr erleben.

In einem Artikel über eine Vortragsreihe des amerikanischen Rechtsphilosophen Ronald Dworkin an der Uni Bern schrieb sie in Übereinstimmung mit dem Redner in der Zeitschrift frei denken. (1/2012): Wir haben das unveräusserliche Recht, fundamentale ethische Entscheidungen, die unser Leben bestimmen, in eigener Verantwortung zu treffen. Dazu gehören zum Beispiel Fragen der Sexualität, Homosexualität, Abtreibung und Fragen am Lebensende. Ethische Unabhängigkeit ist der Kern der Menschenwürde.“

In dieser freidenkerischen Überzeugung haben wir sie vor einer Woche auch am Welthumanistentag in Bern an einem kritischen Vortrag zu Scharia-Gerichten in England zum letzten Mal als engagierte Zuhörerin erlebt.

Anne-Marie Reys Leben hat deutliche Spuren hinterlassen in unserer Gesellschaft. Engagierte Menschen wie sie braucht es, damit das Projekt Aufklärung weiterentwickelt werden kann.

Uns bleiben die Dankbarkeit und die Erinnerung an diese zarte Kämpferin für die Freiheit. Die Freidenker-Vereinigung verneigt sich vor dem Lebenswerk von Anne-Marie Rey und wird ihre Anliegen weitertragen

Reta Caspar

Biografie:
Die Erzengelmacherin: Das 30-jährige Ringen um die Fristenregelung

Anne-Marie Rey (2007)

Freidenker erfreut über PID-Annahme – Zeichen, dass Wertvorstellungen nicht mehr religiös geprägt sind

Sonntag, 5. Juni 2016

Die Freidenker sind erfreut über die deutliche Annahme des verbesserten Fortpflanzungsmedizingesetzes. Dieses klare Verdikt war keine Selbstverständlichkeit. Denn vor der Abstimmung war vor allem das religiöse Nein-Lager in der Öffentlichkeit präsent – mit Plakaten, die im Stile früherer Anti-Abtreibungs-Kampagnen, das Wesen der Vorlage stark verzerrt wiedergaben. Und Landes- wie Freikirchen boten religiös-konservativen Moralisten zahlreiche Plattformen für oft undifferenzierte Nein-Propaganda.

Das Ja-Lager trat weitaus zurückhaltender auf, nur die Freidenker waren mit einer – aus finanziellen Gründen – kleinen Zahl von Plakaten präsent, mit dem sie für ein humanistisches Ja zur Vorlage warben (s. Bild).

Das Abstimmungsergebnis zeigt, dass die Wertvorstellungen der Bevölkerungsmehrheit nicht mehr religiös geprägt sind und die Stimmberechtigten den Religionsgemeinschaften in Wertedebatten definitiv keine besondere Rolle mehr zugestehen.

Das angepasste Fortpflanzungsmedizingesetz stellt für Trägerinnen und Träger von Erbkrankheiten eine bedeutende Erleichterung dar. Die in der parlamentarischen Debatte ausgehandelten rechtlichen Rahmenbedingungen garantieren, dass die PID in der Schweiz verantwortungsvoll eingesetzt wird.

PID-Plakat der Freidenker beim Bahnhof Bern

PID-Plakat der Freidenker beim Bahnhof Bern

Freidenker beschliessen einstimmig Ja-Parole zum Fortpflanzungsmedizingesetz

Samstag, 23. April 2016

Die Delegierten der Freidenker-Vereinigung der Schweiz beschlossen an ihrer heutigen Versammlung einstimmig die Ja-Parole zur Änderung des Fortpflanzungsmedizingesetzes. Der Delegiertenversammlung ging eine öffentliche Podiumsdiskussion mit eingeladenen Befürwortern und Gegnern voraus.

Auf dem Podium sprachen sich der Reproduktionsmediziner Christian de Geyter und der Neurologe Walter Friedli für eine Annahme der Gesetzesänderung aus. Sie betonten, dass Trägern von schweren Erbkrankheiten die Freiheit gegönnt werden solle, über die PID sicherstellen zu können, dass sie ihre Krankheiten nicht an ihre Nachkommen weitergeben. Christa Schönbächler, Co-Geschäftsführerin von insieme Schweiz, befürchtete, die Gesetzesannahme würde den Druck auf Frauen erhöhen, sich gegen ein Kind mit Behinderungen auszusprechen. Die Politologin Regula Stämpfli votierte für ein Moratorium, da erst eine gesellschaftliche Debatte über den Umgang mit Behinderungen stattfinden müsse. De Greyter erwiderte, dass durch das bestehende Verbot bereits seit zwölf Jahren ein faktisches Moratorium existiere, es sei Zeit dieses zu beenden.

In der anschliessenden Debatte während der Delegiertenversammlung betonten mehrere Delegierte, dass es tatsächlich in der Verantwortung unserer Gesellschaft liege, dass Personen mit einer Beeinträchtigung nicht ausgegrenzt würden und Massnahmen nötig seien, dass diese Beeinträchtigungen sie in ihren Leben möglichst nicht behindere. Alle Delegierten fanden, das Fortpflanzungsmedizingesetz setze kein Signal in die falsche Richtung. Es gewähre hingegen Paaren wichtige Freiheiten, welche sie sonst nur über Auslandreisen sicherstellen könnten. Die Delegierten trauen den Paaren im Gegensatz zum religiös-konservativen Nein-Lager zu, diese Freiheit verantwortungsvoll zu nutzen und votierten deshalb einstimmig für ein Ja am 5. Juni.

Andreas Kyriacou und Valentin Abgottspon im Präsidium bestätigt, Religionswissenschafterin Ruth Thomas neues Vorstandsmitglied

Die Delegierten bestätigten ebenfalls einstimmig den amtierenden Präsidenten Andreas Kyriacou und den Vizepräsidenten Valentin Abgottspon für eine zweite dreijährige Amtsdauer. Neu in den Vorstand der Freidenker-Vereinigung der Schweiz wurde die Religionswissenschafterin Ruth Thomas gewählt. Sie will sich insbesondere der Weiterentwicklung weltlicher Rituale annehmen.

Der neue Freidenker-Vorstand

Nach erneutem Mordfall: Freidenker appellieren an Bund, sich für säkulare Blogger in Bangladesch einzusetzen

Donnerstag, 7. April 2016

Mit grosser Bestürzung haben die Freidenker erfahren, dass in Bangladesch erneut ein säkularer Blogger von muslimischen Extremisten ermordet wurde. Sie appellieren an den Bund, sich für die Sicherheit weiterer akut gefährdeter Personen einzusetzen.

Der 28-jährige Student Nazimuddin Samad wurde in der Hauptstadt Dhaka vor seiner Universität von Motorradfahrern mit Macheten und Schusswaffen attackiert und brutal ermordet. Samad stand auf einer Todesliste religiöser Extremisten, die Kritiker des Radikalen Islam zum Schweigen bringen wollen. Er ist seit 2013 bereits der zehnte Online-Aktivist, der so für immer zum Schweigen gebracht wurde.

Ein säkularer Blogger, mit dem die Freidenker in direktem Kontakt stehen, und der mit Nazimuddin Samad bereits den sechsten persönlichen Freund auf diese schmerzliche Art verloren hat, geht von mindestens zwanzig weiteren akut gefährdeten Personen aus.

Die Freidenker appellieren an den Bund, auf diplomatischem Weg die Regierung in Bangladesch aufzufordern, mehr für die Sicherheit seiner gefährdeten Bürger zu unternehmen, und diesen Personen grosszügig Asyl zu gewähren, es wird ihr Leben retten.

Berichte zur Ermordung von Nazimuddin Samar: Dhaka Tribunebd news 24 und IHEU

 

Freidenker erfreut über voraussichtliche Begnadigung Raif Badawis

Samstag, 28. November 2015

Medienmitteilung

Freidenker erfreut über voraussichtliche Begnadigung Raif Badawis, danken Schweizer Diplomatie und hoffen auf Freilassung auch von Waleed Albukhair

Die Schweizer Freidenker sind hoch erfreut, dass Raif Badawi begnadigt werden soll, und hoffen, dass er baldmöglichst zu seiner seiner Frau Ensaf Haidar und seinen drei Kindern nach Kanada ausreisen kann. Sie hoffen, dass auch das Urteil gegen Badawis Anwalt, Waleed Albukhair aufgehoben wird. Er vertrat seit 2007 politische Gefangene in seinem Heimatland Saudi-Arabien und wurde schliesslich 2014 selbst verhaftet, als er als Verteidiger Badawis wirkte.

Raif Badawi, Ensaf Haidar und Waleed Albukhair erhielten in Anerkennung ihres mutigen Einsatzes für säkulare und humanistische Werte am 9. Oktober dieses Jahres den erstmals verliehenen Schweizer Freidenker-Preis.
http://www.frei-denken.ch/de/2015/10/freidenkerpreis-2015-geht-an-ensaf-haidar-raif-badawi-und-waleed-abulkhair-2/

Ensaf Haidar konnte den Preis an einer von den Freidenkern, dem Forum für Demokratie und Menschenrechte und Amnesty Schweiz organisierten Lesung persönlich entgegennehmen. Das Publikum konnte sie als starke Persönlichkeit kennenlernen, die mit unermüdlicher Energie auf das willkürliche Urteil gegen ihren Mann aufmerksam macht. Ihr Buch “Freiheit für Raif Badawi” ist aber weitaus mehr als ein Appell zugunsten ihres Mannes, es bietet auch einen spannenden Einblick in die Saudische Gesellschaft und die Erwartungen vieler junger Saudis, dass ihr Land liberaler und säkularer wird.

Während ihres dreitägigen Schweiz-Aufenthaltes wurde Ensaf Haidar auch von Somonetta Sommaruga empfangen. Die Freidenker danken der Regierung und der Schweizer Diplomatie für ihren Einsatz für Raif Badawi.

Pressemitteilung der Uni Zürich zur Mädchenbeschneidung

Freitag, 25. September 2015

Entgegen der Annahme, dass die Mädchenbeschneidung einem sozialen Zwang in Dorfgemeinschaften zugrunde liegt, ergibt eine Studie der Uni Zürich ein anderes Bild – und stellt die gängige Methode, über kollektive Änderung der Bedeutung von Mädchenbeschneidungen Erfolge zu erzielen, in Frage. (weiterlesen…)

“Kein Staatsanwalt am Sterbebett!”

Donnerstag, 3. September 2015

Humanistisches Bündnis Deutschland legt Sechs-Punkte-Papier gegen die geplante Kriminalisierung der Suizidhilfe vor.

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