Archiv für die Kategorie „Medien“

Köppels Aussagen über Muslime kein Rassismus

Freitag, 25. Februar 2011

20 Min
Muslime hätten eine «unerfüllte Sehnsucht nach politischer Machtergreifung» und der heutige Islam sei eine «politreligiöse Eroberungsideologie». Mit diesen und ähnlichen Aussagen in der «Weltwoche» und auf Tele Züri hatte Köppel vor und nach der Minarettabstimmung für Aufregung gesorgt. Die Juso erstattete Anzeige wegen Verletzung der Anti-Rassismus-Strafnorm. Begründung: Köppel schüre gezielt diffuse Ängste und stigmatisiere Muslime.

Die Zürcher Staats­anwaltschaft hat das Verfahren Ende Januar eingestellt. Köppel spreche erstens den Muslimen die Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit als menschliche Wesen nicht ab, heisst es in der Begründung. Zweitens werde nicht behauptet, alle Muslime seien Islamisten und daher für die von Islamisten verübten Gräueltaten mitverantwortlich.

Köppels Kommentar: «Die Juso-Anzeige war verrückt. Immerhin wenden unsere Gerichte den verfehlten Antirassismus-Paragrafen massvoll an. Trotzdem gehört er abgeschafft. Er behindert die freie Meinungsäusserung.»

Ob die Juso Beschwerde beim Obergericht einlegt, ist noch offen.

http://www.20min.ch/news/schweiz/story/19050426

RTS: JournalistInnen ohne religiöse Symbole

Samstag, 5. Februar 2011

JournalistInnen, die vor Ort für das Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) berichten, dürfen persönliche Überzeugungen nicht mit ihrer Kleidung zeigen. Die RTS hat nach der Bewerbung einer Frau, die mit Kopftuch beim Radio arbeiten wollte, Regeln erlassen.

http://www.letemps.ch/Page/Uuid/d7820968-3068-11e0-b498-e6f91d31c496/RTS_pas_de_symboles_religieux_sur_le_terrain_ou_%C3%A0_lantenne

Kopftuch am Schweizer Fernsehen?

Freitag, 7. Januar 2011

Eine Muslimin mit Kopftuch als SRG-Journalistin? Politiker aus allen Parteien lehnen das kategorisch ab – andere sehen kein Problem.

http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/SRGKandidatin-mit-Kopftuch-loest-Wirbel-aus/story/13237242

Kommentar:

Die SRG SSR arbeitet unter einer Spezialkonzession des Bundes, die ihr umfangreiche Aufgaben im Dienste der allgemeinen Öffentlichkeit (Service public) überträgt. Als staatlich privilegierter Sender sollte sie die Regeln der staatlichen Neutralität in Religionsfragen übernehmen. Explizite Bekenntnisse gehören nicht zum Service public.
Das müsste aber auch die Abschaffung des rein christlichen “Wort zum Sonntag” und der Übertragung christlicher Gottesdienste und anderer Verkündigungsanlässe in der Sternstunde Religion bedeuten, sowie die Auflösung von Sendeverträgen mit privaten religiös motivierten Organisationen wie z.B. “Fenster zum Sonntag”.

Die Neujahrsansprache für das Jahr der Trennung von Kirche und Staat (20XX)

Freitag, 31. Dezember 2010

Gottesbezüge machen das Wesen religiöser Feste aus. Ansprachen zum Beispiel zu Weihnachten oder zum Ramadan sind für Anhänger der jeweiligen Glaubensrichtung bestimmt und werden von ihren Religionsführern (Papst, Imame, etc.) gehalten. Das passt in einen säkularen Staat mit Religionsfreiheit innerhalb säkularer Schranken. PolitikerInnen überschreiten diese Schranken, wenn sie ihr Amt und ihre medialen Möglichkeiten benutzen, religiöses Gedankengut über öffentliche Ansprachen zu verbreiten. Die letztjährige Ansprache der damaligen Schweizer Bundespräsidentin begann mit „Identität der Schweiz“ und endete mit „Gottes Segen“. Wenn – mal angenommen – der Leiter der UBS seinen MitarbeiterInnen zum neuen Jahr den firmeneigenen Slogan verkündet „Wir werden nicht ruhen” oder wenn der Hersteller der Bico-Matratzen den Seinen ein erfolgreiches neues Jahr „Für ä tüüfä gsundä Schlaf“ wünscht, ist das ganz normal und im Einklang mit ihrer Verkaufsstrategie. PolitikerInnen, erst recht BundespräsidentInnen, haben keinen Auftrag, auf die Ideologie oder das Dienstleistungsangebot irgendeiner religiösen Vereinigung hinzuweisen. Nach säkularem Verständnis haben sie wohl eher den Auftrag, die pluralistische Gesellschaft des Landes auf ihre gemeinsamen und damit Identifikation stiftenden Werte hinzuweisen und das sind säkulare Werte (Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte, insbesondere Gleichberechtigung).
Was tun, wenn wieder Neujahrsansprachen mit religiösen Tendenzen kommen? Die Alternative Ansprache: Neujahrsansprache für das Jahr der Trennung von Kirche und Staat

SFTV: “Leiden am Kreuz”

Montag, 27. Dezember 2010

Sendungskritik zur Sternstunde vom 26.12.2010

http://www.videoportal.sf.tv/video?id=042e1a9e-9bc1-4d17-b5cd-c957087c0166;c=white

Natürlich haben wir die Sternstunde vom 26. Dezember 2010 aufmerksam verfolgt und finden es richtig, dass solche Themen in diesem Sendegefäss zur Sprache kommen. Wir sind bestrebt, wenigstens bei JournalistInnen und ExpertInnen genaueres Denken zu fördern und weisen die Beteiligten deshalb darauf hin, dass

1. in der Sendung zuwenig klar getrennt wurde zwischen der Frage des Kruzifixes im Schulzimmer und der Frage von religösen Symbolen im öffentlichen Raum.
Herr Kley hat zwar auf die gebotene staatliche Neutralität in Verwaltungsgebäuden etc. gesprochen. Die Nachfragen von Frau Rotach haben gezeigt, dass sie das nicht verstanden hat, geschweige dann wohl das durchschnittliche Publikum.
Dasselbe, wenn im gleichen Satz ohne Differenzierung vom Kopftuch der Schülerin und jenem einer Lehrerin gesprochen wird, da werden die rechtlichen Unterscheidungen verwischt statt geklärt.
Es wäre schon zu wünschen, dass die Medien – welche ja jeweils keinen unbedeutenden Beitrag zur Skandalisierung leisten – wenigstens in Gefässen wie der Sternstunde mehr in die Tiefe gehen würden und soweit möglich Klarheit zu schaffen versuchen.

2. die Freidenker von Frau Rotach nur im Zusammenhang mit “Verboten” genannt wurden. Scheinbar hat auch Frau Rotach nur die Schlagzeilen der Medien gelesen. Die Freidenker haben sich in den Fällen Stalden und Triengen lediglich auf den Bundesgerichtsentscheid im Fall Cadro berufen. Da wird kein Symbolverbot gefordert, sondern staatliche Neutralität in öffentlichen Schulen. Valentin Abgottspon hat das Kreuz in den Walliser Schulstuben auch nicht “entdeckt”, wie Herr Kley meint, sondern ist im Wallis aufgewachsen und hat als Lehrer die Erfahrung gemacht, dass im Wallis an den Volksschulen die Religionsfreiheit der Nichtkatholiken und die gebotene staatliche Neutralität kaum beachtet wird. Er leistet aus unserer Sicht Aufklärungsarbeit, die dringend nötig ist, und hat dabei nicht “nicht Unrecht” – wie Herr Kley leider wiederholt öffentlich sagte -  sondern er hat gemäss Bundesgerichtsurteil von 1990 Recht.

3. das Kernanliegen der Freidenker-Vereinigung, die Trennung von Staat und Kirche, absurderweise nirgends genannt wurde.
Auch von Herrn Kley nicht, der immerhin als Jurist feststellen müsste, dass diese Trennung in den Schweizer Kantonen sehr unterschiedlich verwirklicht ist und im Fall Wallis tatsächlich noch ein Schulgesetz besteht, in dem der staatlichen Schule die Aufgabe auferlegt wird, die Kinder auf ihr “Leben als Christ” vorzubereiten. Diese Diskrepanz zwischen verfassungsmässig garantierter Religionsfreiheit und kantonaler Kompetenz im Verhältnis Staat-Kirche wäre urgeigenstes Gebiet des Staats- und Verfassungsrechtlers, weniger wohl seine Ausführungen zur “Herabsetzung von Symbolen” und der “Gefahr der religiösen Indifferenz”.

4. der Fall Cadro eigentlich ein Stichwort wäre für den Staatsrechtler zu erklären, was das Bundesgericht jeweils genau macht und weshalb ein Bundesgerichtsentscheid für die schweizer Lebenspraxis nur dann relevant wird, wenn sich jemand vor Gericht darauf beruft. Auch die Frage der Schutzfunktion der Religionsfreiheit wäre ergiebig gewesen: Schutz des Individuums, der Gruppe, oder der ideologischen Inhalte? Schutz der Minderheit oder der Mehrheit?

5. die Frage der ideellen Immissionen nicht so schnell vom Tisch gewischt werden können. Festzustellen wäre etwa gewesen, dass die Lärmschutzverordnung des Bundes für Kirchenglockenlärm keine Grenzwerte setzt, diese quasi als naturgegebene Immission behandelt, die im Einzelfall beurteilt werden muss – das wäre angesichts der Verbreitung von Kirchenglocken immerhin zu diskutieren.
Wenn Herr Kley sagt, dass der Gestörte sich selber stört, weil er sich ja einfach nicht aufregen müsse, da muss wohl jede/r JuristIn etwas schmunzeln … Es ist doch gerade Aufgabe des öffentlichen Rechts zu klären, wieviel an Störung die BürgerInnen zu akzeptieren haben. Da wird es dann klar, dass die BürgerInnen nicht erwarten können, dass sie vor dem Anblick religiöser Symbole geschützt werden. Beim Lärm und auch beim Aufstellen von religiösen Symbolen abseites von eigentlichen Kultusstätten (wie zum Beispiel auf Berggipfeln)  würde es dann aber schon einer Güterabwägung bedürfen darüber, wie weit die Religionsfreiheit den ständigen gesteigerten Gemeingebrauch des öffentlichen Raumes rechtfertigen kann.

6. die Sendung eine Chance vergeben hat zu zeigen, dass die religionsrechtliche Situation in der Schweiz historisch geschaffen wurde, um innerchristliche konfessionelle Konflikte zu reduzieren. In Zeiten stetiger religiöser Differenzierung und auch Indifferenzierung muss u. E. wohl die Religionsfreiheit vermehrt als Spezialfall der Meinungsäusserungsfreiheit verstanden und die religiöse Praxis im öffentlichen Raum zu Gunsten des öffentlichen Friedens eher zurückhaltend bewilligt werden. Da wären wir dann bei den Baubewilligungen für Gipfelkreuze angelangt und bei Werbebeschränkungen für religöse Zwecke (wie z.B. für politische Zwecke) – ein grosses Feld für den Juristen.

7. auch die Freidenker es schätzen würden, wenn sie selber zu solchen Fragen zu Wort kommen könnten, weil wir die Wissensdefizite der BürgerInnen und JournalistInnen aus unserer Arbeit bestens kennen.

8. die Anmoderation nicht korrekt war: der 26. Dezember ist nicht einfach ein “christlicher Feiertag” – er ist zwar im Kanton Zürich ein öffentlicher Feiertag, in katholischen Kantonen aber gerade nicht. Die nichtmediale Welt ist halt einfach etwas komplizierter…

Leserbrief Walliser Bote: “Denke weiter – und du wirst glauben!”

Montag, 22. November 2010

Leserbrief im Walliser Boten, Uli Schmid, 22. November 2010, Seite 12. Nimmt Bezug auf die Arena-Sendung vom 29. Oktober 2010.

Denke weiter – und du wirst glauben!
Die schockierende «Arena»-Sendung vom 29. Oktober, in der das staatliche Schweizer Fernsehen Beda Stadler auf breitem Podium ermöglichte, seinen Atheismus zu predigen, bleibt wohl noch eine Zeitlang in unseren Knochen stecken. Mit dem überheblichen und primitiven Spruch «denkst du schon oder glaubst du noch» will dieser Professor uns gläubige Christen als dumm und dämlich darstellen.
Mit der Lehre Darvins (sic!), der Evolution (Zufallsentstehung), begründet er seine Aussage, dass es keinen Schöpfer Gott geben könne. Dabei schrieb Darvin selber einem Fachkollegen: «Beim Anblick eines Auges überfällt mich ein Fieber wegen des so gründlichen Versagens meiner Evolutionstheorie.»
Hören wir viel besser auf die Stimmen weltbekannter Wissenschaftler, die gedacht und geglaubt haben: Albert Einstein, Physik-Nobelpreisträger: «Im unbegreiflichen Weltall offenbart sich eine grenzenlos überlegene Vernunft.»
Stephen Hawking, Astrophysiker: «Die Zeit ist eine Eigenschaft des Universums, das Gott geschaffen hat.»
Denis Diderot, Schriftsteller und Philosoph: «Das Auge, der Flügel eines Schmetterlings genügen, um einen Gottesleugner zu vernichten.»
Werner Heisenberg, Physik-Nobelpreisträger: «Der erste Schluck aus dem Becher der Wissenschaft führt zum Atheismus; aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.»
Wir müssen annehmen, dass Herr Stadler beim ersten Schluck stecken geblieben ist.
Deshalb rufen wir ihm zu: «Denke weiter – und du wirst glauben!» Uli Schmid, Naters

Leserbrief als PDF-Dokument.

FVS rügt SF-Sendung Kulturplatz vom 6.10.2010

Montag, 11. Oktober 2010

Sendungsankündigung: Gefährliche Scherze – über Humor in global vernetzter Zeit

Molly Norris war Karikaturistin für eine Lokalzeitung im amerikanischen Seattle. Bis sie so naiv war, eine religionskritische Karikatur im Netz zu veröffentlichen. Ihr Scherz über den Propheten Mohammed ging um die Welt. Nun bezahlt sie ihn mit dem Verlust ihrer Identität. Molly Norris musste unter falschem Namen abtauchen. Ihre Geschichte beweist, welche Eigendynamik brisante Äusserungen in Zeiten von Internet und sozialen Netzwerken in kürzester Zeit entfalten können.
Autor: Stefan Zucker

http://www.videoportal.sf.tv/video?id=46c90ac5-7a07-4779-b744-0498628c2d86

1. Beanstandung
Aussage der Sprecherin: „Die Amerikaner beharren kaltschnäuzig auf ihrem Recht, Mohammed abzubilden, obwohl das dem Abbildungsverbot in islamischen Ländern diametral entgegensteht.“

Begründung
Das Bestehen auf dem Recht auf Meinungsäusserung als kaltschnäuzig zu bezeichnen, entspricht einer tendenziösen Darstellung des Konfliktes zwischen Niederlassungsfreiheit und religiöser Empfindlichkeit.

2. Beanstandung
Einseitige Expertenstellungnahme durch einen Islamwissenschaftler über die Meinungsäusserungsfreiheit, mit der Aussage, dass „ganz andere Formen des Respektes verlangt werden“, weil Meinungsäusserungsfreiheit und Respekt als Wert gleichermassen unhinterfragbar seien.

Begründung

Die Meinungsäusserungsfreiheit ist ein verfassungsmässiges Recht. Der Respekt vor Meinungen, Ideologie und Religionen ist kein verfassungsmässiger Anspruch. Dieser Sachverhalt hätte durch Beizug eines Juristen adäquat dargestellt werden müssen.
Es ist verheerend, wenn die Deutung dieses Konflikts allein einem – unter Fachkollegen umstrittenen – islamfreundlichen Islamwissenschaftler überlassen wird.
http://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_Schulze

3. Beanstandung
Im Zusammenhang mit den erfolgten Drohungen gegen Mollie Norris wird im Beitrag gesagt: „Der Respekt kommt zu spät.“ und „Der Fall Mollie Norris zeigt, dass jeder Funke zum Flächenbrand werden kann.“

Begründung
Wie schon in der Ankündigung des Beitrages, wo Molly Norris als „naiv“ bezeichnet wird, wird mit dieser Darstellung des Sachverhaltes insinuiert, dass es nur ein gebotenes – nicht naives – Verhalten gebe, nämlich im voraus auf die Meinungsäusserungsfreiheit zu verzichten und im Namen des “Respekts” religiöse Dogmen von der Kritik auszunehmen. Die Frage der Zulässigkeit der Kritik an Religionen, die auch auf UNO-Ebene heftigst diskutiert wird, wird hier in einer unzulässigen Verkürzung und Einseitigkeit abgehandelt.

Die Beschwerde wurde sowohl an die SRG-Ombudsstelle wie an den Schweizerischen Presserat geschickt.

Religion im Schweizer Fernsehen

Freitag, 1. Oktober 2010

Im Schweizer Fernsehen werden den Religionsgemeinschaften wöchentlich verschiedene Sendegefässe zugestanden.

„Wort zum Sonntag”
Seit 1954 werden in dieser Sendung auf SF1 zu bester Sendezeit am Samstagabend nach der Tagesschau den Zuschauern Gedanken aus „landeskirchlicher Sicht” vermittelt.
Rechtliche Grundlage ist eine Vereinbarung zwischen SRG und Kirchen, die 2007 für fünf Jahre verlängert worden ist. Darin wird die Zusammenarbeit begründet, obwohl die Konzession der SRG selber keinen solchen Auftrag enthält.
Samstag, 19.55 Uhr, SF 1, Dauer: 4 Minuten

„Sternstunde Religion”
In der oben genannten Vereinbarung steht: „Religiöse Struktursendungen setzen sich systematisch mit religiösen Ereignissen und Phänomenen, Personen und Institutionen auseinander und vermitteln religiöse Erfahrungen und Werte auf vielfältige Weise: durch aktuelle Informationen und kritische Reflexionen, durch die Wiedergabe von kultischen Ereignissen, durch Angebote zur Lebensgestaltung und Impulse zur Lebensbewältigung, durch Besinnung auf spirituelle Wurzeln.”
Gottesdienstübertragungen: 45 bis 60 Min., 20/Jahr.
«Nachgefragt»: 15 Min., 10/Jahr
Religionsgespräch: 30 Min., 30/Jahr
Dok-Filme zu Religion und Gesellschaft: 30 Min., 30/Jahr
Sonntag, 10.00 Uhr auf SF 1, Dauer: 60 Min.
Wiederholung am Dienstag um 11.00 Uhr auf SF info

„Bilder zum Feiertag”
In „Bilder zum Feiertag” werden seit 2006  sechs- bis achtmal im Jahr Kurzreportagen ausgestrahlt. Sie geben Einblick in Feste und Rituale von Religionen und Konfessionen, die nicht im „Wort zum Sonntag” vertreten sind: Islam, Judentum, Hinduismus, Buddhismus, christlich-orthodoxe Kirchen.
Jeweils an Feiertagen, 22.20 Uhr (nach der Spätausgabe der „Tagesschau” respektive von „10vor10”) Dauer: ca. 4 Minuten

„Fenster zum Sonntag”
Das christliche Missionsunternehmen „ERF Medien” produziert seit 1995 mit der Partnerorganisation „Alphavision” wöchentlich eine halbstündige Sendung. Seit 2006 wird sie auf SF info wiederholt. Trägerin des Projektes ist die Stiftung „Christliches Fernsehen” von freikirchlichen Christen und der Evangelischen Allianz.
Sa. 17:15 Uhr SF2 / 18:30 Uhr SF info, So. 12:00 Uhr SF2 / 17:45 Uhr SF info

Auf SF1 stehen also derzeit den „Landeskirchen” pro Woche 125 Minuten für die Selbstdarstellung zur Verfügung. Andere Religionsgemeinschaften werden zu einzelnen Feiertagen in den Kurzporträts der „Worte zum Feiertag” präsentiert. Die zuständige Redaktion will dieses Format in Zukunft eher ausbauen. Auf SF2 kommen weitere 120 Minuten der Freikirchen dazu. In diesen Sendungen führen die Religionsgemeinschaften mehrheitlich selber das Wort oder werden durch wohlgesinnte InterviewerInnen befragt. Eine Auseinandersetzung mit externen kritischen Stimmen findet nicht statt. Kommt hinzu, dass immer wieder zu hohen christlichen Feiertagen die Sternstunde Religion ausgedehnt wird und dafür zum Beispiel an Ostern die Sternstunden Philosophie und Kunst ausfallen. Mit diesen Studio-Verkündungen und Live-Übertragungen von kultischen Veranstaltungen erhalten die „Landeskirchen” auf SF1 einen kaum zu rechtfertigenden Anteil an Sendezeit und damit Produktionskosten und Konzessionsgebühren zulasten von Nicht- und Andersgläubigen.

Beitrag zur Integration?
Gemäss Konzession hat SF auch den Auftrag, zur Integration beizutragen. In den religiösen Sendungen lief das allerdings bisher durch die Betonung des interreligiösen Dialogs. Da treffen sich sehr engagierte Gläubige aus verschiedenen Religionen – die grosse Mehrheit der Nichtreligiösen und Nichtpraktizierenden bleibt ausgeschlossen und zappt weg. Neu soll eine Sendung konzipiert werden, welche Integration direkt angeht. Vorbild könnte etwa ein niederländisches Sendeformat („De meiden van Halal”) sein, in dem drei junge, gläubige Musliminnen als Moderatorinnen mit Kopftuch eine Homo-Demo besuchen und über Islam und Homosexualität diskutieren, oder mit einem Komiker eine Nummer, welche sie als beleidigend empfinden. Direkt und ernsthaft, aber nicht bierernst, lebensnah mit Provokation, Konfrontation und Witz, ohne den Integration wohl kaum gelingen kann. Ob das Schweizer Fernsehen diese entwaffnende holländische Direktheit und diesen Humor hinkriegt, wird sich zeigen müssen.

Fremddarstellung
Aus den Ergebnissen der Freiburger TV-Studien (siehe unten) wird ersichtlich, dass Religion auf SF1 auch ausserhalb der eigentlichen Religionssendungen omnipräsent ist. Religion wird mehrheitlich als Nebenthema dargestellt, vorwiegend in politischem und kontroversem Zusammenhang oder in Form von Symbolen. Aber auch damit wird der Eindruck der „Normalität” religiöser Symbole oder Deutungen in einer Gesellschaft erweckt, in der selbst die christlichen Feiertage nur noch von einer Minderheit wirklich als solche begangen werden.

NFP 58

Religion im Fernsehen www.nfp58.ch

Eine Teilstudie des NFP 58 (Religionsgemeinschaften, Staat und Gesellschaft) hat sich mit der Thematisierung von Religion auf Schweizer Fernsehkanälen befasst. Untersucht wurden die TV-Beiträge in der Kalenderwoche 5/2008 auf den staatlichen Sendern SF1, TSR und TSI, sowie auf den privaten Sendern TeleBärn und TeleZüri.

In  48 % der Sendezeit wird in Wort und/oder Bild ein Bezug zu Religion hergestellt, im Detail in:
91 % aller Politiksendungen
83 % aller Sportsendungen
81 % aller Unterhaltungsinfos
80 % aller Spielfilme, Krimis etc.
66 % aller Unterhaltungsshows
41 % aller Infosendungen zu Sachthemen
38 % aller Trailer und Überbrückungen
34 % aller Werbebeiträge

SF1 thematisiert Religion am häufigsten.
SF 1 40 %, TSI 35 %, TSR 33 %

Private Sender thematisieren Religion weniger.
TeleBärn 16 %, TeleZüri 10 %

Bei SF1 thematisieren 40 % der Sendungen Religion. Dazu gibt es in 54 % der Spielfilme religiöse Bezüge, das sind deutlich mehr als in der Romandie und im Tessin.

Im Tessin fällt der hohe Anteil von Religionsbezügen in Kindersendungen auf. In den anderen Sprachregionen gab es keine Kindersendungen mit Religionsbezug.

Wie christlich ist die Schweiz?
Die VerfasserInnen schreiben, dass dies zwar Einheimischen wegen der kulturellen Gewöhnung an christliche Symbole kaum auffallen dürfte, bei Personen mit einem Migrationshintergrund aber der Eindruck einer christlich geprägten Alltagskultur erweckt werde.

Religionspolitische Schlussfolgerung
Zum Schluss versteigt sich der „wissenschaftliche Bericht” zu folgender Bemerkung: „Politisch kann man jedoch weiterhin darauf hinwirken, dass Religion und Religionsgemeinschaften zu denjenigen gesellschaftlichen Feldern gezählt werden sollten, die öffentlich relevant sind und damit zu den Gegenständen der professionellen und öffentlich finanzierten Medien gehören.“  www.nfp58.ch

Diese Schlussfolgerung offenbart die religionsfreundliche Grundhaltung der Studie aus der (katholischen) Universität Freiburg!
Insgesamt bestätigt sich der Eindruck vieler Konfessionsfreier, dass SF1 der Religion viel Platz einräumt.
Die FVS hat sich zum Beispiel im Juli 2010 bei der SF 1 darüber beschwert, dass Beatrice Müller in der Tagesschau bei der Berichterstattung über die Katastrophe in Duisburg neben der Reaktion der deutschen Kanzlerin und des EU-Präsidenten auch eine Verlautbarung des Vatikans zum Betverhalten des Papstes wiedergab – obwohl der Anlass keinen religiösen Bezug hatte, sondern im Gegenteil eine Woche später die Katastrophe von einem Bischof der RKK als Gottes Strafe bezeichnet wurde.

Organisierte Religion und Medien www.nfp58.ch

Eine andere Teilstudie des NFP 58 (Religionsgemeinschaften, Staat und Gesellschaft) hat 2009 21 Religions- und 35 Medienvertreter über ihre gegenseitigen Ansprüche und Erfahrungen befragt. Darauf aufbauend erfolgt eine quantitative Inhaltsanalyse von Tageszeitungen und Fernsehen in der deutschen und französischen Schweiz.

Religionsgemeinschaften
Die Landeskirchen haben genug Ressourcen für professionelle Öffentlichkeitsarbeit.
Kleineren Gruppierungen fehlen die Mittel.
Nur der ICF (International Christian Fellowship) und die Freidenker haben eine klare Kommunikationsstrategie und eine „erhebliche Intensität” in der Öffentlichkeitsarbeit.(Der Islamistische Zentralrat IZRS war zum Zeitpunkt der Studie noch nicht aktiv.)
Die Religionsgemeinschaften haben das Problem erkannt und Veränderungen eingeleitet.

Redaktionen
In vielen Redaktionen gibt es zum Thema Religion keine klaren Zuständigkeiten und Fachkompetenzen.
Religion wird dann als relevant eingestuft, wenn sie mit politischen, wirtschaftlichen oder sportlichen Themen kollidiert.

Inhaltsanalyse
Die Berichterstattung über Religion wird vom Islam und dem Katholizismus dominiert.
Religion an sich ist kaum ein Thema.
Die Berichterstattung ist primär negativ geprägt, insbesondere bei den nichtchristlichen Religionen.
Juden, Buddhisten kommen darin häufiger als Opfer, Helden oder gute Mütter vor, Muslime – insbesondere Schiiten – als Auslöser von Konflikten, Katholiken oft als Schuldige.

Schlussfolgerungen
Die Verfasser der Studie sehen in den Ergebnissen der Analyse Hinweise auf eine unausgewogene Berichterstattung, der auf Seite der Religionsgemeinschaften mit Ausbildung von „Religionskommunikatoren” und auf Seite der Medien der stärkeren Thematisierung von Religion in der Journalistenausbildung begegnet werden soll.

Die Schlussfolgerung der „unausgewogenen Berichterstattung” irritiert.
Kann es sein, dass in der Berichterstattung über Religionen die Medien zur Political Correctness gedrängt werden sollen?  Sollen alle Religionen als grundsätzlich friedfertig dargestellt und ihr Konfliktpotenzial schöngeredet werden?
Gemäss den publizistischen Leitlinien der SRG bedeutet Ausgewogenheit: „Wird Nachteiliges über eine Person, eine Unternehmung, ein Amt oder eine Organisation verbreitet, müssen sich die Betroffenen im selben Kontext dazu äussern können. Dabei werden sie mit ihren besten Argumenten zitiert. Eine Ausgewogenheit im Sinne von gleich vielen oder gleich langen Statements ist nicht gefordert.”

Religion am Fernsehen

Mittwoch, 1. September 2010

Eine Teilstudie des NFP 58 hat sich mit der Thematisierung von Religion in Schweizer Fernsehkanälen befasst.  >Schlussbericht.pdf

Hauptergebnisse:

In mehr als jeder dritten Sendung zu Sach- und Lebensweltthemen wird ein Bezug zu Religion hergestellt, auch in mehr als 25% der Trailer und Überbrückungen findet das statt.

Der Bericht sagt, dass dies zwar Einheimischen wegen der kulturellen Gewöhnung an christliche Symbole kaum auffallen dürfte, bei Personen mit einem Migrationshintergrund aber der Eindruck einer christlich geprägten Alltagskultur erweckt werde.

Die FVS hat sich z.B. im Juli 2010 bei der Tagesschau darüber beschwert, dass Beatrice Müller bei der Berichterstattung über die Katastrophe in Duisburg neben der Reaktion der deutschen Kanzlerin und des EU-Präsidenten auch eine Verlautbarung zum Betverhalten des Papstes wiedergab – obwohl der Anlass keinen religösen Bezug hatte, sondern im Gegenteil eine Woche später von einem Bischof der RKK die Katastrophe als Gottes Strafe bezeichnet wurde: http://www.frei-denken.ch/de/2010/08/buschof-zur-loveparade-gott-straft-aus-liebe/

Weiter stellt der Bericht fest, dass auf SF1 40% der Sendungen sich mit Religion befassen, deutlich mehr als in der Romandie 33% und im Tessin 35% und mit grossem Unterschied zu den untersuchten Privatsendern.

Bei SF1 ist werden in den Informationssendungen besonders viele Interview und Talkformate mit religiösem Bezug ausgestrahlt. Dazu gibt es jeder 2. fiktionalen Unterhaltungessendung religiöse Bezüge. Deutlich mehr als in der Romandie und im Tessin. Im Tessin fällt vor allem auch der hohe Anteil von Religionsbezügen in Kindersendungen auf, der auf SF1 und TSR nicht vorhanden ist.

Zum Schluss versteigt sich der “wissenschaftliche Bericht” zu folgender Bemerkung:

“Politisch kann  man jedoch weiterhin darauf hinwirken, dass Religion und Religionsgemeinschaften zu denjenigen gesellschaftlichen Feldern gezählt werden sollte, die öffentlich relevant sind und damit zu den Gegenständen der professionellen und öffentlich finanzierten Medien gehören. “

Das offenbart die Grundhaltung der Studie aus der katholischen Universität Freiburg!

“Mutter Teresa”: der Medienmythos geht weiter

Dienstag, 24. August 2010

Auf verschiedenen TV-Stationen werden in diesen Tagen zu Ehren von “Mutter Teresa” und ihrem 100 Geburtstag die üblichen unkritischen Portraits gesendet.

Interessanter ist die ARD-Produktion: 25.8.2010: Das schwierige Erbe der Mutter Teresa

Auch in Schweizer Schulbüchern wird der Mythos unkritisch weiter vermittelt. Die FVS hat sich beim Zürcher Lehrmittelverlag beschwert.

Telepolis 2003

Zur Seligsprechung von Agnes Gonxha Bojaxhiu, alias Mutter Teresa

Eine systematische Verzerrung der Wirklichkeit bei nahezu vollständiger Ausblendung kritischer Analyse muss man im Falle Mutter Teresas diagnostizieren, wenn man ihr Lebenswerk unvoreingenommen untersucht. Die Mediengeschichte der gesegneten Albanerin beginnt mit dem Briten Malcolm Muggeridge — “ohne ihn hätte die Welt vielleicht nie von Mutter Teresa erfahren”, schrieb nach ihrem Tod die Catholic Times am 12. Oktober 1997. Muggeridge, ein fanatischer Konservativer, der den säkularen Liberalismus für “die größte aller destruktiven Mächte” hielt, gehörte zu den vom “Congress for Cultural Freedom” gesponserten Journalisten. Dabei handelte es sich um eine CIA-Organisation, die in Europa eine pro-amerikanische Gegenkultur zum Kommunismus [extern] etablieren sollte. Neben einer “nichtkommunistischen Linken” wurden die abstrakte Kunst und das [extern] “postmoderne” Denken als sozial irrelevante Ausdrucksformen der liberalen Linken finanziell gefördert. (Das Standardwerk zum Thema ist “Wer die Zeche zahlt… Der CIA und die Kultur im Kalten Krieg” von Frances Stonor Saunders.)

Der erste Kratzer am Bild Mutter Teresas war die britische Dokumentation “Hell’s Angel” von Christopher Hitchens (1994), der 1995 das 100-Seiten-Pamphlet “The Missionary Position” folgte. Beide erörtern im Wesentlichen die gleichen Vorwürfe in sehr polemischer Weise. Dem Buch mangelt es an Quellenbelegen, doch die darin enthaltenen Fakten sind generell unbestritten — aufgrund des Stils und der Einzelkämpfer-Rolle Hitchens’ war es jedoch relativ leicht, die Kritik zu ignorieren. Tatsächlich beruhte ein großer Teil der Arbeit von Hitchens auf den Recherchen des in Großbritannien lebenden Inders Aroup Chatterjee, der Mutter Teresas Operationen besucht und gefilmt, Beteiligte interviewt und die Reaktion der Nonnen auf bestimmte Vorfälle getestet hat. In diesem Jahr ist nun Chatterjees Buch erschienen, neben dem sich Hitchens Werk wie ein Schulaufsatz ausnimmt.

[extern] The Final Verdict, das im Volltext auf der Seite des Verlages herunter geladen werden kann, ist eine über 400 Seiten starke und vollständig quellendokumentierte Abrechnung mit Teresas Lebenswerk. Daneben war Chatterjee direkt am Seligsprechungsprozess beteiligt und hat den zuständigen Autoritäten im Vatikan seine Eingaben zugesandt. Er wurde sogar zu einer Frage-Antwort-Sitzung mit einer Laienprüferin eingeladen, um Teresas “Heiligkeit” zu beurteilen. Natürlich hatten seine Eingaben keinerlei Einfluss auf den Seligsprechungsprozess, und auch Chatterjee empfahl den Kirchenleuten keineswegs, den Prozess abzubrechen: “Selbstverständlich würde ich, wenn ich ein Geschäft betreibe, meine besten Verkäufer ins Rennen schicken.”

Mutter Teresa in Bhopal 1984. Ihre einzige Antwort auf die Industrie-Katastrophe, die mindestens 3000 Menschenleben forderte: “Vergebt, vergebt!” Für den Westen eine typische Teresa-Antwort — für die Inder eine Provokation.

Neben Chatterjee haben nach Teresas Tod auch einige Publikationen etwas tiefer gegraben. Im Stern erschien am 10. September 1998 der Artikel “Nehmen ist seliger denn geben. Mutter Teresa: Wo sind ihre Millionen?” von Walter Wüllenweber, der die Finanzsituation des Ordens untersuchte (englische [extern] Version).

Vom Mythos der bescheidenen Heiligen bleibt nach Konsultation der vorliegenden Information nicht viel übrig. Hitchens sieht in Teresa vor allem die Befriedigung des Bedürfnisses, zu glauben, dass “irgend jemand” sich um die armen Menschen kümmert — man selbst es also nicht tun muss. Tatsächlich ist der Mythos aber vor allem das Ergebnis einer Verschwörung des Schweigens in den westlichen Medien. Chatterjees Buch ist bisher weitgehend ignoriert worden, und das obwohl er jedem, der fragt, anbietet, Videos, Tonbänder und andere Dokumentation seiner Recherchen vorzulegen. Wie die Hunzinger-Story ist auch die Wahrheit über Agnes Bojaxhiu eine Geschichte, die sich nicht gut verkauft.

Noch vor 10 Jahren hätte die Verschwörung des Schweigens sich einfach fortsetzen lassen. Doch das Internet bietet Wissen all denen, die wissen wollen. So wird Chatterjees Buch auf humanistischen Websites verlinkt — und natürlich im [extern] Wikipedia-Artikel über Mutter Teresa. Gemeinerweise wird auch der eine oder andere Katholik die Konfrontation mit der Realität nicht gänzlich vermeiden können, denn bei einer Google-Suche nach “Mutter Teresa” folgt auf der ersten Seite ein Link auf die von fiesen Atheisten betriebene deutschsprachige Website [extern] Der Todesengel von Kalkutta:

Teresa und die Armen

Was aber ist nun die finstere Wahrheit über Mutter Teresa? Mag sie auch andere politische Ansichten gehabt haben als der politisch korrekte Mainstream, war sie nicht im Grunde eine gutherzige und ehrliche Helferin der Armen? Chatterjee dokumentiert, dass Teresa in den Medien systematisch über die Art und das Ausmaß ihrer Arbeit gelogen hat, während in der Realität ihr Personal den Tod eher förderte als bekämpfte und Hilferufe ignorierte, selbst wenn sie aus nächster Nähe kamen.

Bei Krisen auf dem Subkontinent spielt Teresas Orden ohnehin praktisch keine Rolle. In [extern] Kapitel 11 vergleicht Chatterjee die Missionarinnen der Nächstenliebe mit der Ramakrishna-Mission nach verschiedenen Kriterien. So z.B. in der Reaktion auf Krisen und Katastrophen — er zählt 16 Ereignisse der letzten Jahre auf, in allen Fällen hat Ramakrishna Hilfe geleistet, in keinem war Teresas Orden beteiligt. Oftmals war die “lebende Heilige” während großer Katastrophen in ihrer zweiten Wahlheimat, Rom, in den Vereinigten Staaten, oder auf internationaler Anti-Abtreibungstour. Selbst ihr spiritueller Berater Edward Le Joly, Autor einer der unzählbaren Hagiographien über Teresa, bemerkte bereits 1986 in einer Konversation mit einer Schwester, dass Teresa “ständig abwesend” sei. Mehrere Versuche von Prinzessin Diana, Teresa in Kalkutta zu treffen, schlugen fehl, weil diese nie dort war — so dass die Treffen schließlich in Rom und New York stattfanden.

Während sie ständig darüber jammerte, wie schrecklich es sei, von den Leidenden Kalkuttas entfernt zu sein, muss sie die Stadt, in der Kontrazeptiva und Abtreibung problemlos verfügbar sind, insgeheim gehasst haben — niemals hätte sie dort öffentlich vom Leid des “ungeborenen Lebens” reden können, ohne zumindest verbal gelyncht zu werden, wie Chatterjee bemerkt. Einem realen Lynchmord kam sie schon näher, als sie im Dezember 1984 zum Bhopal-Industrieunglück, in dem so viele Menschen umkamen, wie in den WTC-Angriffen, nur zu sagen hatte: “Forgive, forgive.” (Vergebt, vergebt.) Weder sie noch ihr Orden spielte bei der Versorgung der Opfer eine nennenswerte Rolle — außer natürlich in den westlichen Medien, die alle Pressemitteilungen unkritisch wiedergaben.

Ihre reale Einstellung zum Leid der Armen kam jedoch am besten in einem Interview in Washington 1981 zum Ausdruck. Auf die Frage, ob sie den Armen beibringe, ihr Schicksal zu ertragen, antwortete sie: “Ich glaube, das es eine sehr schöne Sache ist, wenn die Armen ihr Los akzeptieren, es mit dem Leid Christi teilen. Ich glaube, das Leid der armen Menschen ist eine große Hilfe für den Rest der Welt.” Wen diese Logik irritiert, der sollte sich vor Augen führen, dass das Symbol der zugrunde liegenden Religion ein Hinrichtungsinstrument ist.

So gesehen sind die mangelhafte medizinische Versorgung, die Nichtverabreichung von Schmerzmitteln usw. nur konsequent. Dr. Robin Fox, Chefredakteur des britischen Medizinjournals The Lancet, beschrieb in der Ausgabe vom 17. September 1994 seine Beobachtungen in einem von Mutter Teresas Heimen und konnte sich Kritik nicht verkneifen: “Untersuchungen, wurde mir gesagt, sind selten erlaubt. Wie wäre es mit einfachen Algorithmen, mit denen Schwestern und Freiwillige die Heilbaren von den Unheilbaren unterscheiden können? Wieder nein. Solche systematischen Ansätze sind dem Ethos der Heime fremd. Mutter Teresa bevorzugt die Vorsehung der Planung, ihre Regeln sollen eine Strömung in Richtung Materialismus verhindern.” Laut Chatterjee machte die Reaktion der Teresa-Fans normales Arbeiten tagelang unmöglich, und er bedauerte, jemals ein kritisches Wort über Teresa verloren zu haben.

Mutter Teresa selbst hob stets hervor, wie wichtig es sei, die Armen mit den einfachsten Mitteln zu behandeln. Das eigentlich Faszinierende ist nicht, dass sie daran glaubte, sondern dass die westlichen Medien diese mörderische Heilslehre unkritisch wiedergaben. Die gewollte Nichtunterscheidung zwischen heilbaren und unheilbaren Patienten in Kombination mit mangelnder Desinfektion von Spritzen und anderen Werkzeugen (sofern überhaupt vorhanden) führt natürlich zu Infektionen und vermeidbaren Todesfällen. Der Hippokratische Eid ist eben eine heidnische Erfindung. Doch Teresa betonte immer wieder, wie wichtig für sie ein “schöner Tod” sei. Ist ein schöner Tod ein schmerzfreier Tod? Natürlich nicht — eine von Teresas Lieblingsanekdoten war die einer an Krebs sterbenden Frau. “Jesus küsst Dich”, erklärte sie der Frau, die große Schmerzen litt. “Dann sagen Sie ihm, er soll aufhören, mich zu küssen”, soll die Frau geantwortet haben. Solche Geschichten sind in katholischen Kreisen immer für ein Schmunzeln gut.

Teresas Welt

Angesichts dessen muss man fast froh sein, dass Teresas Orden die Leidenden nicht in Scharen von den Straßen aufsammelt, wie sie auch in ihrer Nobelpreis-Ansprache behauptet hatte. Der Orden verfügt zwar über Ambulanzen, diese sind aber mit Sofas zu “Nonnen-Taxis” umfunktioniert worden, in denen auch manchmal Hühner für das jährliche Nonnen-Fest transportiert werden – dem Krankentransport dienen sie nicht. Chatterjee hat in zahlreichen Probeanrufen bei den Schwestern nachgewiesen, dass Anrufer bei den Heimen lediglich auf den regulären Notruf verwiesen werden (wer kein Englisch spricht, was auf einen großen Teil der Armen zutrifft, kann mit den meisten der Ordensmitarbeiter ohnehin nicht kommunizieren). Auch die Nonnen sind keineswegs unterwegs, um Menschen von den Straßen aufzusammeln – statt dessen werden Kranke an der Tür abgewimmelt, wenn sie Verwandte haben, und seien sie auch noch so arm oder entfernt.

Das Ausmaß ihrer Operationen hat Teresa kontinuierlich übertrieben. Sie sprach mal von 4000, im nächsten Jahr von 9000 Menschen die täglich in Kalkutta Essen bekämen. Chatterjee, der die Suppenküchen mehrere Tage lang gefilmt hat, schätzt die Gesamtzahl der in Kalkutta täglich Versorgten auf maximal 300. Dabei werden teilweise Essenskarten verlangt, deren Erlangung kompliziert ist (“die wenigen katholischen Familien in Dnarapara .. haben alle Karten”, bemerkt Chatterjee trocken). Die Zahlen wurden nie von den Medien hinterfragt.

An anderer Stelle zirkulierte sie Fantasiezahlen wie “61273 Babies”, die nicht geboren worden seien, weil Mutter Teresa “natürliche Verhütung” lehre (die sog. “Kalendermethode”, die nach katholischer Doktrin erlaubt ist, weil sie partielle Abstinenz erfordert). In der Tat sollen die Ärmsten der Armen in Kalkutta, wie auch in anderen katholischen Hoheitsgebieten, lernen, kalendarisch zu errechnen, wann sie Sex haben dürfen. Diese extrem unzuverlässige Methode ist erlaubt – während die Verwendung von Gummis Mord an potenziellem Leben ist. Außerdem, so die offizielle katholische Linie, sind Gummis unzuverlässig (vgl. [local] Ein Loch ist im Kondom). Natürliche Kontrazeption ist sicher und zuverlässig, Kondome sind lebenstötend und funktionieren nicht: Mit dieser Propaganda fördert die Kirche Hunger, Krankheit und Massensterben überall, wo Armut und Katholizismus zusammentreffen — und Mutter Teresa war Zeit ihres Lebens fanatische Stellvertreterin dieser Ideologie. Ihr Orden, der auf der ganzen Welt tätig ist, erfüllt oft keinerlei karitative Funktion, wie Chatterjee in [extern] Kapitel 7 feststellt – stattdessen sind die Nonnen z.B. in Papua Neu-Guinea für die Konvertierung der Eingeborenen zuständig.

Gegen Kondome predigte sie ebenso scharf wie gegen Abtreibung, wann immer sie in politischer Mission unterwegs war. Es erübrigt sich fast festzustellen, dass sie Abtreibung auch in Fällen von Massenvergewaltigungen und Inzest für absolut unzulässig hielt und international Lobbyismus für entsprechende Gesetze betrieb.

Das ungeborene Leben war ihr eben wichtig — was sie vom geborenen Leben hielt, machte sie 1981 bei einem Besuch in Haiti deutlich. “Frau Präsidentin, das Land vibriert angesichts Ihres Lebenswerkes”, frohlockte sie gegenüber der Ehefrau des Diktators Jean-Claude “Baby Doc” Duvalier. Der Zweck heiligte die Mittel, die ihr Orden von der Junta erhielt.

Teresas Millionen

Geld, davon konnte Teresa nie genug bekommen. Die ehemalige Ordensschwester Susan Shields stellte in ihrem Artikel [extern] Mother Teresa’s House of Illusions fest: “Das Geld kam rasant. Der Postbote lieferte die Briefe oft in Säcken. Wir empfingen regelmäßig Schecks über 50,000 Dollar und mehr.” Doch wo das Geld blieb, wusste Shields nicht – an den bescheidenen Verhältnissen im Orden änderte sich nichts, ja, die Ordensführung sprach sich strikt dagegen aus, das Geld zur Anschaffung z.B. neuer medizinischer Geräte zu verwenden. Selbst Brot für die Armen in der New Yorker Bronx, wo Shields arbeitete, wurde nicht gekauft. Innerhalb eines Jahres wurden laut Shield 50 Millionen Dollar auf das Konto des Ordens gespült.

Die Schwestern haben jedoch strikte Instruktionen, keine genaue Buchführung zu betreiben, und die Finanzlage des Ordens ist unklar. Sicher ist: es ist ein Milliardengeschäft. Neben zahlreichen hoch dotierten Preisen erhielt Teresa millionenschwere Spenden von teils höchst fragwürdigen Gestalten, so z.B. dem Betrüger Charles Keating, einst einer von Amerikas prominentesten Anti-Pornographie-Kämpfern. Keating wurde wegen seiner Rolle im Savings & Loan Finanzskandal zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt. Mutter Teresa schickte einen Brief an den Richter und bettelte um Gnade – so revanchiert man sich bei alten Freunden. Der Staatsanwalt antwortete als Privatperson und bat Teresa um die Rückgabe des Geldes, das Keating teilweise von Leuten aus sehr armen Verhältnissen erschwindelt habe, Menschen, die um ihre gesamten Ersparnisse und ihre Zukunft gebracht wurden. Natürlich antwortete Teresa nicht.

Ganzer Artikel: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/15/15888/1.html

Christopher Hitchens 1996

STRENGE FÜR DIE ARMEN, MILDE FÜR DIE REICHEN

Mutter Teresa – eine Medienheilige

Von

CHRISTOPHER HITCHENS

*

* Journalist, Autor von “The Missionary Position”, London (Verso) 1995.

DIE Heiligen”, schrieb George Orwell 1949, “sollte man solange für schuldig halten, bis das Gegenteil erwiesen ist.” Bei Mutter Teresa scheint man es lieber umgekehrt zu halten. Während sich das Ansehen einer Person des öffentlichen Lebens gewöhnlich an ihren Taten bemißt, wird alles, was Mutter Teresa tut, im Lichte ihres Rufs gesehen. Und dieser Ruf ist der einer Heiligen, die sich selbstlos für die Ärmsten der Armen aufopfert.

Zwei Beispiele aus jüngerer Zeit. Im November 1995 sollten die Iren per Volksentscheid über das Recht auf Ehescheidung abstimmen. Irland war der letzte europäische Staat, in dem die Scheidung bis dato verboten war. Zur gleichen Zeit aber verhandelte das Land mit den Protestanten in Ulster, die befürchten, ein Abkommen mit Dublin könnte den Einfluß der katholischen Kirche überhandnehmen lassen. Wohl auch um die Protestanten im Norden zu beruhigen, riefen die meisten irischen Parteien dazu auf, bei dem Referendum mit Ja zu stimmen. Der Ausgang war denkbar knapp, am Ende siegten die Scheidungsbefürworter mit 50,3 Prozent. Mutter Teresa, die keine Irin ist, rief dazu auf, mit Nein zu stimmen.

Einige Monate später gab sie der amerikanischen Zeitschrift Ladies Home Journal, die von Millionen Hausfrauen gelesen wird, ein Interview. Als sie auf ihre Freundschaft mit Lady Diana, der Prinzessin von Wales, und auf die unmittelbar bevorstehende Scheidung im britischen Königshaus angesprochen wurde, sagte Mutter Teresa gelassen: “Es ist gut, wenn es vorbei ist. Keiner von beiden war wirklich glücklich.” Wie man sieht, werden arme Frauen von Mutter Teresa mit Moralpredigten abgespeist, einer Prinzessin hingegen wird mit unendlicher Milde so gut wie alles vergeben. Nirgends in der Presse hielt man es für nötig, diese widersprüchlichen Äußerungen nebeneinanderzustellen, denn das hätte das schöne Bild der “Medienheiligen” getrübt.

Gleichwohl ist der Widerspruch zwischen Theorie und Praxis für Mutter Teresa durchaus typisch. Und es gibt noch etliche andere Dinge, die man gerne mit Schweigen übergeht. 1981 reiste Mutter Teresa nach Haiti und nahm dort die höchste Auszeichnung des Landes aus den Händen der Familie Duvalier entgegen. Anschließend bedankte sie sich mit einer devoten Rede, in der sie völlig unverfroen behauptete, der Diktator Jean-Claude Duvalier – “Baby Doc” – und seine Frau Michèle würden “die Armen lieben”, und die würden ihn deshalb auch so sehr “verehren”.

http://monde-diplomatique.de/pm/1996/11/15/a0280.text.name,askhJ8sdZ.n,43