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“Man nennt es Reformation” – Karlheinz Deschner in einer Sonderausgabe der Zeitschrift “Aufklärung und Kritik”

Montag, 10. April 2017


In der Zeitschrift “Aufklärung und Kritik” erschien soeben das Sonderheft Luther.
Aus Karlheinz Deschners Schriften, insbesondere der Kriminalgeschichte des Christentums wurde von Gabriele Röwer eine Auswahl seiner Schriften für einen Beitrag ebendort zusammengestellt.

Der gesamte Artikel ist unter folgendem Link nachzulesen und als PDF downloadbar:

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 Martin Luther und die Reformation aus der Sicht des Autors der Kriminalgeschichte des Christentums

Textauswahl und Nachwort: Gabriele Röwer


“Die Heiligenlegenden entlarvte Luther als Märchen. An den Bibellegenden hielt er fest; am Teufelsglauben auch; am Hexenwahn auch; an der Ketzervertilgung auch; am Antisemitismus auch, am Kriegsdienst, an der Leibeigenschaft, den Fürsten. Man nennt es: Reformation.”

Aus dem Vorwort:
Dass Karlheinz Deschner (1924-2014) in seinem Opus Magnum, der zehnbändigen Kriminalgeschichte des Christentums, deren inoffiziell elfter, noch vor der KdC erstmals publizierter Band Die Politik der Päpste bis ins Zeitalter der Weltkriege reicht, sein kritisches Augenmerk zumeist auf die katholische Kirche richtet, darf nicht übersehen lassen, dass insbesondere die Bände 8-10 auch die, zuweilen nicht minder blutige, Geschichte des Protestantismus einbeziehen – von der Reformation im 16. bis, ein Beispiel nur, zu den NS-treuen «deutschen Christen» im 20. Jahrhundert. Wie das alles begann, zeigt Deschner im 11. und 12. Kapitel des dem 15. und 16. Jahrhundert gewidmeten 8. Bandes seiner KdC, wegen der gebotenen Kürze dieses Beitrags – ausgenommen Luthers Haltung gegenüber Bauern und «Ketzern», voran die „Täuferbewegung“  nur summarisch vorgestellt (Luthers Kampf gegen Papst, Hexen und Juden).

 

Aus dem Nachwort:
Die Kapitel über Martin Luther im 8. Band der Kriminalgeschichte des Christentums (KdC) schrieb Karlheinz Deschner aus demselben Blickwinkel – von unten, von den Opfern klerikaler und weltlicher (Macht-) Politik her – wie seine gesamte Kirchenkritik, andere Aspekte historisch-theologischer Forschung gelten ihm [wie im A&K-Beitrag begründet] weitgehend als marginal. Diese oft monierte, indes den ethischen Voraussetzungen all seines Schreibens entsprechend bewusst gewählte Einseitigkeit begründete er ausführlich in der Einleitung zum Gesamtwerk (KdC Bd.1), das durchweg getragen wird von seiner Empörung über die Verkehrung urchristlicher Ideale, voran Friedfertigkeit, ins krasse Gegenteil, er nennt es «Heuchelei im Heiligenschein».

Gilt vor diesem Hintergrund ein Großteil der KdC der Kritik der katholischen Kirche (erweitert vor allem um die Verletzung des jesuanischen Armutsideals), so schließt Deschner seit dem 8. Band der KdC auch die protestantische Kirche ein, zumal ihren Inspirator Martin Luther. Sein Anspruch, nun, im Kontrast zu Katholiken, «evangelische», dem «Evangelium»

gemäße Kirche zu sein, ist für ihn, von den ethischen Implikationen etwa der «Bergpredigt» aus gesehen, nicht nachvollziehbar, wie seine kritischen Ausführungen über Luthers (bei Paulus und Augustinus vorgezeichnete) Intoleranz, seine [im A&K-Beitrag ausführlich dargelegte] Gewaltbereitschaft (bis hin zum Tötungsaufruf) gegenüber Andersdenkenden – Altgläubigen, Bauern und «Ketzern», Hexen4 und Juden – zeigen, sobald seiner neuen, nun statt der alten «allein wahren» Lehre nicht entsprochen wird (Thomas Müntzer nennt ihn daher den neuen «Wittenbergischen Papst»). Wie passt dies, so die durchweg präsente Frage Deschners, zum Eu-angelion des biblischen Jesus, jenes «Christus», auf den Luther – nicht anders als die Päpste – sich stets beruft?5

Im ersten, wegen der gravierenden historischen Folgen ihm besonders wichtigen Teil seiner Kritik, betitelt Der Reformator läßt die Bauern schlachten oder «Anzaigung zwayer falschen Zungen des Luthers» (der Untertitel verweist auf die von Deschner mehrfach erwähnte, oft, wie manch andere Reaktionen, widersprüchlich anmutende Taktik Luthers, erst sprachgewaltig zu werben und zu locken, bei Misserfolg mit allen Mitteln, auch den brutalsten, zu strafen, zumal «Ketzer» und Juden), beleuchtet Deschner ein Kardinalproblem der Lehre Luthers: Auch wenn er eine von dessen bedeutendsten Schriften – Von der Freyheith eines Christenmenschen (1520) – nicht explizit nennt, wird die fatale Crux dieses Freiheitsbegriffs im zentralen Konflikt Luthers mit den gegen ihre Unterdrückung rebellierenden Bauern offensichtlich. Verstanden diese, selbst wenn, wie meist, durchaus religiös gesonnen, «Freiheit» auch wörtlich, nämlich «fleischlich» («weltlich», auf ihr unerträgliches, vor allem von Leibeigenschaft zu befreiendes Leben bezogen), galt er für Luther (gemäß seiner 1523 in der Schrift Von weltlicher Obrigkeit begründeten «Zwei-Reiche Lehre» – Gottes Reich und Reich der Welt, Kirche und Staat) rein «geistlich»-theologisch – für ihn wie für viele, die nach ihm kamen, ein Garant der Bewahrung der «göttlichen Ordnung» auf Erden, des «status quo», wie, nicht minder, wenn auch aus anderen Gründen, auf katholischer Seite. Deshalb, um das Proprium seiner «Reformation» nicht zu gefährden, gebot er u.a. den ihm ergebenen Landesherren Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern in den Krieg zu ziehen. Deren Niederschlagung bedeutete für Luther einen Sieg der Reformation «in Christo», für Deschner (und viele andere Vertreter der deutschen Geistesgeschichte) «eines der folgenreichsten Verhängnisse der deutschen Geschichte, keineswegs nur für die Bauern6 […], sondern für die Deutschen, Deutschland überhaupt» (nicht zuletzt wegen all der in Band 8-10 der KdC geschilderten Kriege der nächsten Jahrhunderte, auch zur Austragung von Konfessionskonflikten wie 1618-1648: «Solange die Menscheit eine Religionsgeschichte hat, hat sie eine Kriegsgeschichte.» Robert Mächler, «Mittler» von Karlheinz Deschners Werk in der Schweiz).

So erweist sich das, was gemeinhin am Reformator Luther besonders gerühmt wird, für Deschner gerade als besonders bedenklich, ja, gefährlich – daher seine skeptische Distanzierung mit der Wahl des Titels für das 12. Kapitel Man nennt es Reformation –, zumal (am Schluss des 11. Kapitels) mit Blick auf jene, die, «geistlich frei», gut (oder vielmehr nicht gut!) «evangelisch», in der Folgezeit, auch durch Luthers «Zwei-Reiche-Lehre», sich legitimiert sahen, selbst den übelsten, die «weltliche» Freiheit der Bürger verhindernden Autokraten, auch Faschisten, zu Diensten zu sein, willfährig, ohne alle Skrupel, ja, besten Gewissens, was neben der (von Deschner in Die Politik der Päpste ausführlich aufgezeigten) Kooperation des katholischen Klerus mit dem europäischen Faschismus zuweilen leicht übersehen wird.
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1 Die Belege zu den folgenden Darlegungen und Zitaten Karlheinz Deschners nebst der Fülle zugehöriger Literaturangeben sind nachzulesen in den Anmerkungen zu den Kapiteln 11 und 12 des 8. Bandes seiner Kriminalgeschichte des Christentums [Abk. KdC]. Vom Exil der Päpste in Avignon bis zum Augsburger Religionsfrieden. © 2004 Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg. Ich danke dem Verlag für die Abdruckgenehmigung ausgewählter Texte aus beiden Kapiteln, Dr. Michael Schmidt-Salomon, Sprecher der dem Werk Karlheinz Deschners verbundenen Giordano-Bruno-Stiftung, für die aufwändige Unterstützung bei der Erstellung einer verarbeitungsfähigen Textdatei und Helmut Walther, dem Chefredakteur der Zeitschrift „Aufklärung und Kritik“, für hilfreichen Rat […]. – Die Luther-Zitate entstammen zumeist der Weimarer Ausgabe, 1883 ff, sowie der Berliner Ausgabe, Auswahl in 8 Bänden, 5. Auflage 1959/62. – […] Die Schreibweise Deschners wurde beibehalten. Seine Änderungen oder Hinweise sind durch runde Klammern, seine Auslassungen durch 3 Punkte gekennzeichne, Auslassungen (bzw. in der Kurzfassung: Ergänzungen) von G.R. durch 2 eckige Klammern .
2 Karlheinz Deschner. Abdruck im vierten Band seiner Aphorismen Auf hohlen Köpfen ist gut trommeln, Lenos 2016.
3 Dieses Werk Deschners über die Päpste im Zeitalter der Weltkriege erschien mehrfach unter wechselnden Titeln – erstmals 1982/83 in 2 Bänden bei Kiepenheuer&Witsch, dann bei Rowohlt 1991, schließlich 2013 im Rahmen der dankenswerten «Deschner-Edition» vergriffener oder schwer zugänglicher Werke des Autors bei Alibri (Gunnar Schedel).
4 Infolge der katholischen Vulgata-Übersetzung von Exodus 22,17 «Die Zauberer sollst du nicht leben lassen» wurden in katholischen Regionen i.a. öfter Männer verurteilt als in protestantischen, die sich auf die Luther-Übersetzung «Eine Hexe sollst du nicht am Leben lassen» beriefen, sodass Hexen, da besessen vom Teufel – für Luther stets allgegenwärtig –, immer mit dem Tode bestraft wurden (erwachsene Behinderte im Rahmen von Teufelsprozessen einbezogen). Vgl. u.a. die Übersicht http://www.theologe.de/theologe3.htm, Nr. 15.
5 Deschner fragt, welches «Evangelium» Luther meint, etwa in Auseinandersetzungen wie jener mit unbotmäßigen Chorherren in Altenburg. Im Kapitel Der Reformator läßt die Bauern schlachten zitiert Deschner einen Brief Luthers an seinen Freund Georg Spalatin, geschrieben 1522 auch im Blick auf seine katholischen Gegner: «Das Wort Gottes ist ein Schwert, ist Krieg, ist Zerstörung, ist Ärgernis, ist Verderben, ist Gift und, wie Amos sagt, gleich dem Bär am Wege und der Löwin im Walde.»
6 «Alle Revolutionen kosten Blut, am meisten aber die versäumten.» Siehe Anm. 2.
7 Wie erst hätte Luther über jene geurteilt, denen seine Übersetzung der Bibel ins Deutsche die Voraussetzung dafür schuf, dass die Ergebnisse der mit Reimarus in der Frühzeit der Aufklärung beginnenden, über dessen Kinder durch Lessing, noch anonym, verbreiteten historisch-kritischen Bibel-, zumal Leben-Jesu-Forschung, zunächst von der christlichen Orthodoxie heftigst befehdet, allmählich Resonanz fanden, nicht nur im Bildungsbürgertum? Karlheinz Deschners 1962 publiziertes epochales Frühwerk Abermals krähte der Hahn. Eine Demaskierung des Christentums von den Evangelisten bis zu den Faschisten (2015 neu aufgelegt von Alibri in der Reihe «Deschner-Edition»; vgl. die Rezension in A&K 3/2016, S. 240-243) wertet im Hauptteil die Ergebnisse der historisch-kritischen Forschung zumeist evangelischer, auch katholischer Theologen akribisch aus (Resultat: «Vom periphersten Brauch bis zum zentralsten Dogma, vom Weihnachtsfest zur Himmelfahrt: lauter Plagiate.» – und dies durchweg, sogar, wie Deschner zeigt, das «christliche Proprium» betreffend, die «jesuanische Ethik», voran die Nächsten- und Feindesliebe). Im Schlussteil demonstriert er – gemäß dem Haupttitel seines Buches – an markanten, in der KdC erheblich vertieften Beispielen den permanenten Verrat der Ethik des synoptischen Jesus durch das Gros des Klerus bis hin zum europäischen Faschismus: dieses Werk, m.E. sein wichtigstes, weil detailliert der frag-würdigen Basis des Ganzen, seinen Wurzeln nachgehend (vgl. auch KdC Bd. 3 sowie Der gefälschte Glaube), bewirkte schließlich, vorbereitet in etlichen Forschergenerationen seit Reimarus, die erste große Welle von Kirchenaustritten. Denn dieses Werk führte den «Wort-Gottes»-Anspruch der «Heiligen Schrift» ad absurdum und entlarvte gleichzeitig die Heuchelei jener Mächte, die sich, zumal ex cathedra, darauf berufen – Luthers Kampf gegen Bauern und «Ketzer», Hexen und Juden, stets unter Berufung auf «sein» Evangelium, nicht ausgenommen. Beides, die kritische Hinterfragung der biblischen Grundlagen christlichen Glaubens wie der Nachweis der jeder ernst zu nehmenden Ethik hohnsprechenden Praktizierung dieses Glaubens durch seine maßgeblichen Verkünder, kann, laut Deschner, das Bild auch Luthers, des bis heute weithin hochgeschätzten Reformators, nicht unberührt lassen.

Buchkritik: “Warum die Arche nie gefunden wird”

Montag, 23. Januar 2017

Artikel auf Spektrum.de vom 19.01.2017:

Wie glaubwürdig ist die Bibel? Wie ernst darf man die Erzählungen um den Garten Eden und die Sintflut nehmen? Und was ist von den Berichten um Moses und den Auszug des israelitischen Volkes aus Ägypten zu halten? Diesen und anderen Fragen widmet sich der amerikanische Archäologe Eric Cline in seinem Buch “Warum die Arche nie gefunden wird” (englische Originalausgabe “From Eden to Exile”, 2007).

Cline, Direktor des Archäologischen Instituts der George-Washington-Universität in Washington D.C., geht es vornehmlich darum, die historische Wahrheit hinter den biblischen Texten zu ergründen. Vehement wendet er sich gegen jene selbst ernannten Experten, die behaupten, sie hätten die Arche Noah am Berg Ararat entdeckt, den üppigen Garten Eden aufgespürt oder die verlorene Bundeslade gefunden. Diesen Pseudoforschern, die verlorenen Bibel-Schätzen hinterherjagen wie Indiana Jones, dürfe man – so Cline – auf keinen Fall das Feld überlassen. Deshalb sei es “höchste Zeit für professionelle Archäologen, Althistoriker und etablierte Bibelforscher, ihr von diesen Hobbygelehrten besetztes Terrain zurückzuerobern”.

>>Zum Artikel auf Spektrum.de

 

Weiterer Artikel zum Buch:

>>NZZ vom 5.10.2016

Philosoph Michael Schmid Salomon: “Religionsfreiheit ist kein Freibrief” – Interview auf “derStandard.at”

Freitag, 30. Dezember 2016

Interview in derStandard.at vom 24.12.2016:

Anlässlich seines soeben erschienenen Buchs Die Grenzen der Toleranz nimmt der Philosoph Michael Schmid Salomon Stellung zur Frage, wie in der “offenen Gesellschaft” den zunehmend fundamentalistisch-religiösen Strömungen begegnet werden soll.

Der zunehmend bemühten “Rücksicht auf religiöse Gefühle” stellt er das unmissverständliche Geltend-Machen individueller Grundwerte durch den weltanschaulich neutralen Staat gegenüber.

Sein Konzept “Abschreckung durch Freiheit” soll auch in Zeiten starker Migrantenströme, in deren Sog auch ein die westlichen Grundwerte verneinender Scharia-Islamismus nach Europa drängt, dem Einzelnen klarmachen, dass Grundrechte, Gleichheit von Mann und Frau, Freiheit der sexuellen Identität und weitere Errungenschaft der modernen Gesellschaft unveräusserliche Grundlagen des Zusammenlebens sind.

>>Zum Artikel auf derstandard.at

Kirchenfinanzierung im Kanton Bern: Steuermillionen aus “Nettigkeit” in alle Ewigkeit?

Freitag, 9. Dezember 2016

Artikel auf derbund.ch vom 8.12.2016:

“Für die Reformierten ist es ein genialer Deal. Der Kanton Bern will ihnen ab 2019 Jahr für Jahr 197 Pfarrerstellen finanzieren. Daran wird sich auch dann nichts ändern, wenn ihre Kirche weiter schrumpft. «197 Pfarrer» entsprechen nämlich dem Wert der Kirchengüter, die der Staat Bern der reformierten Kirche im Jahr 1804 abgenommen hat.

(…)

Wer über all diese Zahlen nachdenkt, kann zu anderen Schlüssen kommen als der Regierungsrat. Rasch wird ersichtlich, dass der Kanton künftig weit mehr Pfarrerstellen finanzieren will, als er eigentlich müsste – gemessen am Wert der Kirchengüter. Wäre der Kanton nicht so nett zu seinen Kirchen, hätte er sich auch auf den Standpunkt stellen können, dass der Gegenwert der 197 Stellen für alle drei Landeskirchen ausreichen muss.

>>Zum ganzen Artikel

Weitere Artikel zur Revision des Kirchengesetztes:

>>der Bund.ch vom 19.12.2016

Buchbesprechung: “Das Ende des Humanismus”

Montag, 24. Oktober 2016

Yuval Harari sieht in neuen Technologien ungeahnte Möglichkeiten für die menschliche Evolution. Wir können dabei zu Göttern werden oder untergehen. Oder beides zugleich.

Angesichts einer zunehmend angespannt erscheinenden politischen Weltlage mag die folgende These zunächst überraschen: Kriege, Krankheiten und Hungersnöte sind im 21. Jahrhundert obsolet geworden. Abgesehen von einigen gesegneten Weltregionen seien sie zwar noch nicht völlig verschwunden, aber sie sind von unkontrollierbaren Naturgewalten zu handhabbaren Herausforderungen geworden. Auf der eigentlichen Agenda der Menschheit stehen zu Beginn des dritten Jahrtausends drei andere Dinge: Unsterblichkeit, Glück, Göttlichkeit. (weiterlesen…)

«Grenzen der Toleranz» – Schweiz-Lesetour mit Michael-Schmidt-Salomon

Samstag, 1. Oktober 2016

Die offene Gesellschaft scheint in Gefahr, bedroht von Terroristen und Extremisten, welche die Gewalttätigen anfeuern uns instruieren. In seinem neuen Buch «Grenzen der Toleranz – warum wir die offene Gesellschaft verteidigen müssen» setzt sich der Deutsche Philosoph und Autor Michael Schmidt-Salomon mit diesen Bedrohungen sowie  den möglichen Massnahmen, um diesen Gefahren zu begegnen, auseinander.

Anfang Dezember spricht Michael Schmidt-Salomon auf Einladung der Freidenker in sechs Deutschschweizer Städten: 

Termine:

So, 4.12. Eglisau

Aula Schulhaus Städtli, Obergass 57. 16.00 Uhr. Eintritt 10.
Die Veranstaltung wird organisiert in Zusammenarbeit mit “viva Eglisau”

Mo, 5.12. Lenzburg

Hotel Krone, Kronenplatz 20. 19.30 Uhr. Eintritt frei / Kollekte.

Di, 6.12. Luzern

Hotel Continental-Park, Murbacherstrasse 4, 6002 Luzern 19.30  Eintritt frei / Kollekte.

Mi, 7.12. Chur

Brandissaal, Brandisstrasse 12. Apéro 18.15 Uhr, Beginn 19.15 Uhr. Eintritt frei / Kollekte. 

Do, 8.12. Brig

Buchhandlung ZAP*, Furkastrasse 319.00 Uhr. Eintritt 12.- (6.- für Mitglieder Buchclub ZAP und Freidenker).

Fr, 9.12. Bern

Hotel Bern, Zeughausgasse 9, 19.00 Uhr, anschliessend Apéro. Eintritt frei / Kollekte.
 

Im einem längeren Essay, welches am 29. September im Tages-Anzeiger erschien, führte der Autor einige zentrale Thesen aus, die er im Buch umfassend beleuchtet. Unter anderem plädiert Michael Schmidt-Salomon dafür, zwei Trennlinien zu unterscheiden: Die erste hält auseinander, was toleriert werden muss, und was nicht mehr toleriert werden darf – auch eine offene Gesellschaft darf nicht alles hinnehmen, soll sie erhalten bleiben. Die zweite Linie grenzt das Tolerierbare von dem ab, was akzeptiert werden muss – das zu Akzeptierende heisst man gut, was gegenüber dem bloss Tolerierten nur um den Preis der Selbstverleumdung möglich wäre.

Am Beispiel der Behauptung von Kreationisten, die Erde sei erst 6000 Jahre alt, veranschaulicht er den Unterschied: eine derart realitätsferne Idee braucht man nicht zu akzeptieren. Man darf sie ablehnen, ja auch verspotten. Hingegen müssen wir akzeptieren, dass jeder Einzelne wirren Ideen anhängen darf und auch die Freiheit hat, diese Ideen zu bewerben. Umgekehrt muss der Kreationist akzeptieren, dass man seinen Überzeugungen widerspricht, auch wenn er dies als beleidigend empfindet.

Es ist also zwischen dem Akzeptierbaren, dem Nur-Tolerierbaren und dem Nicht-mehr-Tolerierbaren zu unterscheiden. Der Autor führt aus, dass diese Trennlinien in verschiedenen Gesellschaften unterschiedlich gezogen werden. Eine offene Gesellschaft beachtet bei diesen Grenzziehungen vier Prinzipien, hinter die sie nicht zurückfallen darf: Liberalität, Egalität, Säkularität und Individualität. Im Essay, und ausführlicher im Buch, führt Michael Schmidt-Salomon aus, wieso es gerade diese Prinzipien sind, welche freie von unfreien Gesellschaften unterscheiden. Und wieso in einer freien Gesellschaft auch mehr zu tolerieren ist.

Wir freuen uns auf zahlreiche Interessierte in Lenzburg, Luzern, Chur, Brig und Bern!

 

 

Impressionen

Büchertisch

Michael Schmidt Salomon / Brigg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Full House!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Presseartikel

>>Suedostschweiz.ch

>>Walliser Bote

 

Buchvorstellung: “Abermals krähte der Hahn” – Karlheinz Deschner / Neuauflage 2015

Montag, 27. Juni 2016

Buchbesprechung von Gabriele Röwer:

„An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“

Karlheinz Deschner – “Abermals krähte der Hahn”

Eine Demaskierung des Christentums von den Evangelisten bis zu den Faschisten

(Neuauflage Alibri 2015 – 44 €)

Bestellungen: www.alibri.de ; verlag@alibri.de

„Es gäbe wenige Gläubige auf der Welt, kennten sie ihre Glaubensgeschichte so gut wie ihr Glaubensbekenntnis.“

„Kirche, Krieg und Kapital, dreieinig sind sie allemal.“ *

Karlheinz Deschner (1924-2014), in neuerer Zeit vor allem bekannt als Autor der Kriminalgeschichte des Christentums (zehn Bände, Rowohlt 1986-2013; Abk. KdC), in seinen Anfängen als Erzähler und Literaturkritiker, durch den „eine ganze Generation lesen lernte“ (G. Maschke), löste mit seinem umfangreichen christentumskritischen Frühwerk Abermals krähte der Hahn (1962 u.ö.; Abk. Hahn) die erste große Welle von Kirchenaustritten seit dem 2. Weltkrieg aus, die in seiner Vorbemerkung geäußerte Hoffnung übertreffend, dieses Buch eines – durch seine Studien immerhin bestgeschulten – „Laien für Laien“ möge vielen Menschen, „Interesse und Liebe zur historischen Wahrheit“ vorausgesetzt, die Klarheit bringen, die das Studium seiner Materie ihm selbst gebracht habe.

Deschners Hahn, für viele, auch für mich, sein wichtigstes Sachbuch, hatte eine bahnbrechende Wirkung auch auf nachfolgende Kirchenkritiker, seine Spuren in Joachim Kahls Streitschrift Das Elend des Christentums von 1968 etwa sind unübersehbar.

Nach etlichen, die Aktualität dieses Werks belegenden, inzwischen vergriffenen Neuauflagen ein Desiderat nun, ist es ein Verdienst des Alibri-Verlags von Gunnar Schedel, das „Standardwerk der alternativen Kirchengeschichte“ – nach Die Politik der Päpste (19./20. Jhrdt.; PdP) als 2. Band der Reihe Deschner-Edition http://www.alibri-buecher.de/shop_content.php?coID=6543 – in einer gebundenen, sorgfältig bearbeiteten Neuausgabe publiziert zu haben; das ursprüngliche, in den Ausgaben seit 1980 leider fehlende Personen- und Sachregister wurde wieder aufgenommen und ergänzt, die Endnoten bieten einige aktualisierende Hinweise.

Der Hahn ist aufgeteilt in vier Bücher. Der den Grundlagen des Christentums geltende Hauptteil umfasst Buch 1-3 („Die Evangelien und ihr Umkreis“, „Paulus“, „Der Frühkatholizismus“) sowie den I. Teil des 4. Buches („Die siegende Kirche“ – „Das Jahrhundert Konstantins und der trinitarische Streit“). In den Teilen II und III des vierten Buches werden – unter dem seither Deschners gesamtes Schaffen, zumal die KdC, leitenden Motto „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ – der urchristlich überlieferten Ethik einige der dunkelsten, nicht nur damals weithin verborgenen Seiten der Kirchengeschichte gegenübergestellt („Die soziale Frage“, „Das Verhältnis zur Toleranz“ gegenüber Juden, Heiden, „Ketzern“, Hexen und „Die Stellung zum Krieg“ – von der Alten Kirche bis zur Kooperation kirchlicher Potentaten, zumal im Vatikan, mit dem europäischen Faschismus; ausführlich in Mit Gott und den Faschisten, 1965, PdP u. ö.).

„Das Christentum beruht auf verschiedenen Geboten – dem Gebot der Nächstenliebe, der Feindesliebe, dem Gebot nicht zu stehlen, nicht zu töten, und auf der Klugheit, keines dieser Gebote zu halten.“

Abermals krähte der Hahn? Die permanente, schon mit der Alten Kirche beginnende Pervertierung der Ideale der „Bergpredigt“, voran Armut und Frieden, ins krasse Gegenteil – schamloser Luxus und blutige Gewalt gegen Andersdenkende, gegen Konkurrenten um die Macht – durch die selbsternannten Stellvertreter „Gottes“ bzw. „Christi“ auf Erden, ihre fast zwei Jahrtausende währende, auch von Goethe (mit dessen Gedanken über das Christentum Deschner den Band enden lässt) angeklagte „Heuchelei im Heiligenschein“, ihr Verrat dessen, auf den sie sich stets feierlichst beriefen, gab diesem Buch, in Anspielung auf Mk 14, 39.72, den bezeichnenden Titel.

Warum aber die sehr ungleichen Proportionen zwischen detailliert kritischer Betrachtung der Entstehung von Glaube und Dogma und, in einem relativ knappen systematischen Längsschnitt, deren (großteils kriminal-) geschichtlicher Fortwirkung, welcher der Autor später sein Hauptaugenmerk widmen wird? Zum Verständnis sei erinnert an Deschners manch gläubigen Kritikern entgegengehaltene Antwort (am ausführlichsten in der PdP), tiefster Grund auch seiner eigenen Distanzierung damals vom Traditionskatholizismus seiner Steigerwälder Heimat: „Doch selbst wenn dies Institut fast zweitausendjähriger Verbrechen eines Tages, aus welchen Gründen immer, Frieden nicht nur predigen, sondern praktizieren, wenn es dafür leiden, schrumpfen, machtlos würde – es bliebe verächtlich, weil es dogmatisch unwahr ist. Eine auf Lug und Trug gebaute Kirche aber wird sich nie als ethisch brauchbar erweisen, sondern bleiben, was sie seit der Antike war (…) – die Religion der Frohen Botschaft mit der Kriegsbemalung.“ Daher verfange auch die Ausflucht frommer Christen nicht, er könne „noch so viele kirchliche Verbrechen zusammentragen, das erschüttere ihren Glauben an Christentum und Christus nicht“, denn seine Arbeiten über die Grundlagen des Christentums führten „eine Berufung auf den christlichen Glauben ad absurdum“ – und damit jeglichen „Wort-Gottes“-Anspruch biblischer Schriften. Deshalb verdeutlichte er, wie im Hahn, neben der ethischen immer auch die dogmatische Problematik des Christentums (ausführlich in Der gefälschte Glaube – Eine kritische Betrachtung kirchlicher Lehren und ihrer historischen Hintergründe, 1988/1992, und in Bd. III der KdC, 1990).

„Deschner hat sich informiert. Er wird sich auf nichts einlassen als Information.“ Hans Conzelmann, ev. Theologe

„Was unseren gelehrten Büchern versagt bleiben wird, Ihrem Werk dürfte es gelingen: die Masse der Gebildeten mit den Ergebnissen der modernen Forschung über das Christentum bekannt zu machen.“ Julius Gross, ev. Theologe

So resultiert die epochale Bedeutung des Hahn vor allem daraus, dass Deschner im Hauptteil theologisches Insider-Wissen (Ergebnisse der historisch-kritischen Entmythologisierungs-Forschung evangelischer, aber auch katholischer Theologen im Umkreis der Bultmann-Schule) über die vorchristlichen Ursprünge des christlichen Glaubens sowie dessen biblische und, wie etwa im Trinitätsstreit des 4. Jahrhundertes, nicht selten gewaltsam herbei gezwungene dogmatische Verankerung einer breiteren Leserschaft zugänglich machte – so sprachmächtig wie, im Umgang mit den Fakten, gewissenhaft, belegt im ausführlichen Anmerkungsteil mit Quellenangaben zu über 4000 Textstellen wie auch im über 700 Titel umfassenden Literaturverzeichnis.

„Vom periphersten Brauch bis zum zentralsten Dogma, vom Weihnachtsfest zur Himmelfahrt: lauter Plagiate.“

In gebotener Kürze hierzu nur das Wichtigste: Wegen der – vergeblichen – Reich- Gottes-Erwartung der Urchristenheit wurden die neutestamentlichen Texte (die Evangelien von Markus, Matthäus und Lukas – die 3 „Synoptiker“ – und des Johannes; die Paulusbriefe u.a.m.) mit vielerlei Varianten und Widersprüchen erst Jahrzehnte nach dem (um das Jahr 30 vermuteten) Tod von Jesus schriftlich fixiert. Dessen Historizität, so das Ergebnis der Forschung, ist so ungewiss wie die seiner Lehre, die Profangeschichte jener Zeit ist hierfür unergiebig. Zudem hatten die Evangelisten – wie erst recht Paulus, der eigentliche Gründer des Christentums, der den „synoptischen“ (uns allein zugänglichen) Jesus zum „Christus“ erhob – an geschichtlicher Realität keinerlei Interesse, ihre Schriften, so Deschner und seine theologischen Gewährsleute, sind Erzeugnisse gläubiger Gemeindephantasie, mythologische Literaturprodukte, mit äußerster Vorsicht zu benutzende Anekdotensammlungen.

Diese übernahmen nahezu alle Interpretamente der Bedeutsamkeit ungewöhnlicher Menschen im damaligen Mittelmeerraum aus vielfältig ineinander fließenden jüdischen, heidnisch-hellenistischen, bis in die indische Geisteswelt reichenden Quellen und übertrugen sie, wie später auf die Dogmen, etwa das der Trinität, so von Anfang an auf den synoptischen Jesus mit all den uns bekannten Steigerungen zum Christus, Messias, zum Jungfrauen- und Gottessohn – sämtliche Besonderheiten seines Lebens (z.B. Wunder aller Art), seines Leidens, Sterbens und Auferstehens nebst Himmelfahrt einbezogen. Kurz: die Forschung belegt, dass nichts im Christentum neu ist, dass vielmehr alles, restlos alles, schon vorher da gewesen ist. Nicht einmal das vermeintliche christliche „Proprium“, die aus älterem Spruchgut zusammengestellte „Bergpredigt“ mit ihrer Nächsten- und Feindesliebe, ist originär– worum man sich freilich, so Deschner, im Lauf der Kirchengeschichte ohnehin am wenigsten gekümmert hat.

Bemerkenswert ist, mit Hubertus Mynarek, dass der Verfasser von Abermals krähte derHahn die Lehren seiner Lehrer letztlich gegen sie selber kehrte, ihre Ausflüchte ins „Kerygma“ – die überlieferte Glaubensverkündigung der Urgemeinde – durch die Resultate ihrer eigenen historisch-kritischen Grundlagenforschung über das Christentum ad absurdum führend. Zugleich habe Deschner diese – laut Hans Conzelmann, einem Schüler Bultmanns, das „bestgehütete Geheimnis der Kirche“ (denn sie lebe davon, „dass die Ergebnisse der Leben-Jesu-Forschung in ihr nicht publik sind“) – „aus der kirchlichen Zwangsjacke“ befreit. Das – wie wahr! – sei „Aufklärungsarbeit im besten klassischen Sinn dieses Wortes“. Möge sie vielen Lesern dieser dankenswerten Neuauflage des Buches zugute kommen!

* Diese Aphorismen wie auch die übrigen hier zitierten wurden einbezogen in den 4., im Herbst 2016 bei Lenos/Basel erscheinenden Band alter und neuer Aphorismen „letzter Hand“ von Karlheinz Deschner, postum herausgegeben von Gabriele Röwer: „Auf hohlen Köpfen ist gut trommeln“.

       

 

“Für ihre Familie ist sie jetzt tot” – Autobiographie einer Aussteigerin aus der Ultra-Orthodoxen jüdischen Szene New Yorks

Montag, 29. Februar 2016

Über ihren Ausstieg aus der ultraorthodoxen jüdischen Szene in New York hat Deborah Feldman ein Buch geschrieben, das in den USA eine Millionenauflage erreichte. Am Montag erscheint es auf Deutsch. (weiterlesen…)

“Die überfällige Demontage tödlicher Traditionen” – Prof. Armin Geus rezensiert Hamed Abdel-Samad: Mohamed. Eine Abrechnung

Montag, 25. Januar 2016

“Der Verfasser hat ein mutiges, ehrliches Buch geschrieben. Die Bilanz seiner „Abrechnung“ kann sich sehen lassen. Er hat sich auf die überfällige Demontage tödlicher Traditionen eingelassen und den „Liebling Allahs“ als geisteskranken Religionsstifter entzaubert. (weiterlesen…)

“Big Family – Die phantastische Reise in die Vergangenheit” – Kinderbuch von Michael Schmidt Salomon – Exklusiv über die Freidenker Vereinigung der Schweiz

Sonntag, 6. Dezember 2015
Big Family - Cover

Big Family - Cover

 

“Hast du schon gehört, dass T-Rex ein Verwandter von dir war? Dass einige deiner Ur-Ur-Ur…Großmütter als Fische durch die Meere schwammen? Dass wir Menschen nicht nur von Affen, sondern auch von Echsen und Bakterien abstammen? Nein? Dann komm’ mit auf eine phantastische Reise in die Vergangenheit und finde heraus, wie deine Vorfahren lebten!”  (weiterlesen…)