Archiv für die Kategorie „Kt. St. Gallen“

Kt. St. Gallen: «Die vier Staatsreligionen müssen ihre Privilegien verlieren»

Montag, 26. Juni 2017

Zürichseezeitung vom 25.06.2017:

Die junge FDP hat Grosses im Sinn: Sie will die St. Galler Staatspolitik von Grund auf umkrempeln und das Verhältnis zwischen Kirche und Kanton auf eine neue Basis stellen: Kirche und Staat sollen in Zukunft vollends getrennt werden. Nach Ansicht der Jungfreisinnigen ist es an der Zeit, dass vier Religionsgemeinschaften ihre Privilegien verlieren und deren öffentlich-recht­liche Anerkennung abgeschafft wird. Eine Annahme der Initiative hätte in erster Linie finanzielle Folgen: Die Kirchen könnten in Zukunft nicht mehr via Staat Steuern einziehen.

Den Initianten gehe es aber nicht primär um das Geld, sagt Thomas Percy, Vizepräsident der Jungfreisinnigen Rheintal und Leiter des Fachausschusses Freiheitsinitiative: «Uns stösst vielmehr sauer auf, dass einzelne Gemeinschaften Privilegien haben. Im Sinne der Gleichberechtigung ist es fairer, wenn alle Organisationen und Vereine gleich behandelt werden.» Das jetzige Gesetz sei diskriminierend – gegenüber jenen Religionsgemeinschaften, die eben nicht in den Genuss bestimmter Privilegien kämen.

Immer mehr Konfessionslose

So sei es stossend, dass die Kirchen Schulräume für den Religionsunterricht gratis nutzen können. Oder, dass in Schulzimmern religiöse Symbole wie Kruzifixe hängen dürfen. «Wir haben nichts gegen Religion an sich. Aber Religion ist Privatsache, in diesen Bereich sollte sich der Staat nicht einmischen», erklärt Percy.

Bereits vor drei Jahren fanden in den Kantonen Zürich und Graubünden Volksabstimmungen über die Abschaffung der Kirchensteuer statt – sie gingen klar verloren. Percy geht davon aus, dass es auch im Kanton St. Gallen schwierig sein wird, eine Mehrheit für das Anliegen zu gewinnen. Aber der Fokus bei der St. Galler Initiative sei ein anderer: «Uns geht es nicht einfach um die Abschaffung der Kirchensteuern, sondern um die grundsätzliche Trennung von Kirche und Staat.»

Chancen habe die Initiative durchaus, weil die Zahl der Konfessionslosen laufend zunehme und just die Jungen Interesse für die Trennung zeigten. Naturgemäss sei es möglich, dass sich auch Unternehmer für die Initiative einsetzten: Auch sie müssen schliesslich Kirchensteuern zahlen, können aber gar nicht aus der Kirche austreten. Juristische Personen haben im Kanton St. Gallen eine «Finanzausgleichssteuer» zu entrichten – diese entspricht einer verschleierten Kirchensteuer.

Nicht mit Huonder im Boot

Die Jungfreisinnigen wollen sich allerdings nicht mit radikalen religiösen Kreisen ins gleiche Boot setzen, die ähnliche Interessen haben: Ihnen ist nicht verborgen geblieben, dass sich auch der Churer Bischof Vitus Huonder für die Trennung von Kirche und Staat einsetzt. «Ihm geht es nur um Macht. Deswegen fürchtet er den Einfluss des Staates auf die Kirche. Uns geht es vielmehr um Laizismus, so wie er in Frankreich gelebt wird», sagt Percy.

Dass die Kirchen auch Gutes tun, will der Jungpolitiker nicht abstreiten. Allerdings geht es ihm gegen den Strich, dass diese nur rund einen Viertel der Steuereinnahmen für soziale Zwecke ausgeben würden und den Rest für die Administration und die Verwaltung sowie kultische Zwecke wie heilige Messen und Gottesdienste.

Die Katholiken träfe es hart

Vom Wegfallen der Kirchensteuer wäre die katholische Landeskirche besonders hart betroffen, weil sie sich nur aus diesen Einnahmen alimentiert. «Für uns wäre die Einbusse durch den Verlust der Unternehmenssteuern überaus einschneidend», konstatiert Martin Gehrer, Präsident des katholischen Konfessionsteils des Kantons St. Gallen. Privatpersonen wiederum zahlen Steuern direkt an die jeweilige Kirchgemeinde: «Hier fällt ins Gewicht, dass die Kirchgemeinden den Bezug zum Kanton verlieren.» Damit entfällt die Möglichkeit, via Steuererklärung der Bürger Einnahmen zu generieren.

Formal betrachtet müssten sich die jetzigen Landeskirchen im Fall einer Annahme der Initiative neu organisieren. In Frage käme, dass sie – ähnlich wie in den laizistischen Kantonen Genf und Neuenburg – von freiwilligen Abgaben leben würden. Die Bezahlung der erhobenen Kirchensteuern ist dort fakultativ. Dass es so weit kommen wird, bezweifelt Gehrer: «Die Initiative ist unnötig. Denn Kirchen und Staat sind bereits seit längerem entflechtet.» Zudem würden die Kirchen mit ihrer Freiwilligenarbeit soziale Aufgaben wahrnehmen, die ansonsten dem Staat zufallen würden. «Wir werden dementsprechend der Initiative mit dem notwendigen Argumentarium begegnen», sagt Gehrer.

Folgen für die Gesellschaft

Aus Sicht von Martin Schmidt, Präsident der Reformierten Landeskirche des Kantons St. Gallen, hätte eine Annahme der Initiative vor allem finanzielle Folgen: Die evangelisch-reformierte Kirche würde 8,5 Millionen Franken pro Jahr verlieren. Und sie könnte ihre soziale Arbeit in den Schulen, Spitälern und Gefängnissen nicht mehr ausführen. «Auch für den Erhalt der zahlreichen Gebäude der Kirchen müsste zukünftig der Staat aufkommen», sagt Schmidt: «Ein Künden der Zusammenarbeit zwischen Kirchen und Staat hätte schwerwiegende Folgen für die Gesellschaft.»

Eine Trennung von Kirche und Staat hält der Präsident für unrealistisch: «Wieso sollte man so etwas Bewährtes aufgeben? Auch wenn sich der Staat konfessionell neutral verhalten soll, betrachte ich doch das christliche Kulturgut, die christlichen Werte für wesentlich für unser Zusammenleben.» Ungünstig habe sich demgegenüber, wie ein Blick auf Amerika aufzeige, die Trennung von Kirchen und Staat in den USA ausgewirkt, wo sich als Folge davon die Religion extrem gebärde und die Fundamentalisten und Evangelikalen auf dem Vormarsch seien.

«Anerkennung light» möglich

Zudem müsste sich die Kirche neu privat-rechtlich organisieren – falls die Jungfreisinnigen Erfolg hätten mit ihrer Initiative, stellt Schmidt fest. So wie dies religiöse Gemeinschaften auch tun müssen, die nicht die Privilegien haben wie die vier staatlich anerkannten.

Dass Freikirchen, Muslime und Buddhisten nicht gleich behandelt werden, ist laut Schmidt durchaus diskussionswüdig. Er verweist hierbei auf den Umstand, dass es dank eines neuen Gesetzes Religionsgemeinschaften möglich sein wird, eine sogenannte kantonale Anerkennung zu erhalten. Diese hat allerdings vor allem symbolischen Wert: Die Möglichkeit, Kirchensteuern einzuziehen oder Religionsunterricht an öffentlichen Schulen abzuhalten, bleibt weiterhin den vier öffentlich-rechtlich anerkannten Religionsgemeinschaften vorbehalten. (Zürichsee-Zeitung)

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St. Galler Lehrplan für neues Fach «Ethik, Religion, Gemeinschaft»

Montag, 20. März 2017

 

Artikel auf suedostschweiz.ch vom 17.03.2017:

Im Kanton St. Gallen bleiben das Fach Ethik, Religion, Gemeinschaft sowie der Religionsunterricht mit dem Lehrplan 21 in der Stundentafel der Volksschule. Die beiden Konfessionen haben zusammen mit Fachleuten einen Lehrplan entwickelt, der die verlangten Kompetenzen konkretisiert.

Alle 20 Jahre komme ein neue Lehrplan – und die kantonalen Besonderheiten gerieten unter Druck, sagte Martin Schmidt, Kirchenratspräsident der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen, an der Medienorientierung vom Donnerstag. Zu den Besonderheiten des Kantons St. Gallen gehört, dass das Fach Ethik, Religion, Gemeinschaft (ERG) als Wahlpflichtfach in die Stundentafel der Volksschule aufgenommen wird. Auch der freiwillige Religionsunterricht ist wie bisher in die Stundenpläne integriert.

Schüler müssen wählen

Die Schülerinnen und Schüler müssen sich künftig – ab der dritten Klasse – entscheiden, ob sie die eine Wochenlektion Ethik, Religion, Gemeinschaft in der Variante Schule oder Kirche absolvieren möchten. Je nach Wahl erhalten sie dann Unterricht von der Lehrkraft der Volksschule oder von einer kirchlichen Lehrperson.

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“Der Einfluss der Kirchen im Schulzimmer eckt an” – St. Galler Sonderlösung zum Lehrplan 21 irritiert

Samstag, 4. März 2017

Artikel auf suedostschweiz.ch vom 03.03.2017:

Das neue Schulfach «Ethik, Religion, Gemeinschaft» wird im Kanton künftig von den Schulen und den Kirchen parallel angeboten – das passt nicht allen. Rapperswil-Jona geht jedoch einen anderen Weg und setzt sich über die kantonalen Vorgaben hinweg.

Der Streit um die Einführung des Unterrichtsfachs «Ethik, Religion, Gemeinschaft» (ERG) treibt bisweilen seltsame Blüten: So soll die Katechetin in einer St. Galler Gemeinde ihren Schülern Schokolade verteilt haben, als sie die Anmeldetalons austeilte – prompt setzte die Mehrheit der beschenkten Kinder das Kreuzchen für den «ERG-Kirche». In einigen St. Galler Gemeinden hat das Buhlen um die Schülergunst begonnen.

St. Galler Sonderlösung irritiert

Der Hintergrund: Für das kommende Schuljahr, wenn der Lehrplan 21 eingeführt wird, müssen sich die Schüler entscheiden, ob sie künftig «ERG-Schule» oder «ERG-Kirche» besuchen möchten. Für das im Lehrplan vorgesehene neue Fach ERG, hat St. Gallen eine schweizweit einzigartige Lösung kreiert: ERG soll nämlich den «Interkonfessionellen Religionsunterricht» (Ikru), der bisher von den Landeskirchen getragen wurde, ersetzen.
Gemäss Lehrplan 21 obläge die Verantwortung für den ERG-Unterricht neu den Schulen. Diesen Einflussverlust wollten die hiesigen Landeskirchen nicht einfach hinnehmen. Ihr Vorschlag, den ERG-Unterricht in zwei Varianten aufzuteilen und die Schüler entscheiden zu lassen, wurde vom St. Galler Regierungsrat wohlwollend aufgenommen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Kirchen den religionskundlichen Unterricht seit Jahren mittragen, finanzieren und Lehrer ausbilden.
Allerdings löste der Entscheid zur Zweiteilung des ERG-Unterrichts teils Irritationen aus. In der Stadt St. Gallen etwa empörten sich einige Eltern, dass ihre evangelisch-reformierten Kinder gezwungen würden, «ERG-Kirche» zu wählen, um zur Konfirmation zugelassen zu werden. SP-Kantonsrat Ruedi Blumer, Schulleiter in Wil, kann nicht viel Verständnis für die St. Galler Sonderlösung aufbringen. Er hat eine entsprechende Interpellation bei der Regierung deponiert. «Es ist pädagogisch unsinnig, Klassen in genau jenem Fach aufzusplitten, in dem ‹Gemeinschaft› vermittelt werden soll», sagt er.

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“Immer mehr sind konfessionslos”

Montag, 29. Februar 2016
Leere Kirchenbänke - Ein Trend, der sich in den kommenden Jahren immer öfter zeigen wird

Leere Kirchenbänke - Ein Trend, der sich in den kommenden Jahren immer öfter zeigen wird

Appenzeller Zeitung vom 27.02.2016: “Seit 1970 hat sich die Religionslandschaft in der Schweiz stark verändert. Immer mehr wählen die Konfessionslosigkeit – auch im Kanton St. Gallen. Dies wird vorerst so bleiben, eine Trendwende ist nicht zu erwarten.”

>>Zum Artikel

Kt. SG: Religionsunterricht auch unter Lehrplan 21

Sonntag, 21. Juni 2015

Im Kanton St. Gallen soll der kirchlich geprägte Religionsunterricht auch nach der Umsetzung des Lehrplans 21 möglich bleiben. Regierungs- und Erziehungsrat hätten entschieden, dass der Religionsunterricht in der Pflichtstundentafel erhalten bleibt, allerdings könnten Eltern ihre Kinder davon abmelden.

https://www.kath.ch/newsd/lehrplan-21-st-gallen-ermoeglicht-religionsunterricht/

Rorschach: Wieviel Denkmalpflege wollen wir?

Samstag, 9. Mai 2015

Die 115 Jahre alte Herz-Jesu-Kirche in Rorschach wird kaum noch genutzt. Darum soll in ihrem Innern Wohnraum entstehen.
Einwände hat die Denkmalpflege. Sie hat wiederholt auf die hohe architektonische, städtebauliche und kulturhistorische Bedeutung der Kirche hingewiesen. Die von geschützten Baumgruppen umgebene neugotische Kirche wurde 1896 bis 1899 erbaut. Rorschach zählte damals über 13 000 Einwohner, 4000 mehr als heute, und brauchte eine zusätzliche Kirche. Architekt war der St. Galler August Hardegger, von dem auch die Kirche St. Otmar in St. Gallen und die Zürcher Liebfrauenkirche stammt.

http://www.tagblatt.ch/ostschweiz-am-sonntag/ostschweiz/Kuehner-Plan-Wohnraum-im-Innern-der-Herz-Jesu-Kirche;art304158,4168005

Strenggläubige Studierende an Fachhochschulen

Montag, 30. März 2015

An der Fachhoschschule St.Gallen sorgen strenggläubige Freikirchler für Irritation: So wurden etwa Studierende homophob beleidigt. Die Studierendenorganisation beklagt, dass die Schulleitung das Problem über Jahre nicht angepackt hat.
http://www.saiten.ch/die-fhs-muss-sich-endlich-mit-religioesen-studierenden-auseinandersetzen/

St. Gallen: Religionsunterricht während Blockzeiten kostet 154’000

Freitag, 5. Dezember 2014

Die Katholische und die Evangelischen Kirchgemeinden haben aus dem Schulamt kürzlich einen Brief erhalten. Darin heisst es, der Stadtrat habe eine Sparmassnahme beschlossen, die den Religionsunterricht betrifft: Der Unterricht könne ab nächstem Schuljahr nicht mehr im heutigen Rahmen zu Blockzeiten stattfinden. Dies führe zu einem jährlichen Spareffekt von 154 000 Franken.
Betroffen ist gemäss dem Brief des Stadtrats der Religionsunterricht in den ersten beiden Primarklassen. Auf dieser Stufe ist die Stadt dazu verpflichtet, jene Kinder, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, anderweitig zu unterrichten. Diese Regel gilt nur zu Blockzeiten und wenn mehr als fünf Schüler nicht teilnehmen.
Der Aufwand für diesen zusätzlichen Unterricht sei in den vergangenen Jahren gestiegen, begründet Stadtrat Markus Buschor die Massnahme im Brief. Denn die Anzahl jener, die weder den katholischen noch den reformierten Religionsunterricht besuchen, steige stetig an. Und damit auch die Kosten für die Stadt.
http://www.thurgauerzeitung.ch/ostschweiz/stgallen/stadtstgallen/tb-ag/Sparkurs-trifft-auch-Kirchen;art197,4046108

Kt. SG: Verwaltungsgericht heisst Beschwerde gegen Kopftuchverbot gut

Mittwoch, 12. November 2014

Das St.Galler Verwaltungsgericht hat eine Beschwerde gutgeheissen und sich gegen ein Kopftuchverbot ausgesprochen.
In der Kurzbegründung des Gerichtes heisst es, dass die Anwendung des Verbotes auf religiös motivierte Kleidungsstücke zur Zeit unverhältnismässig sei und erst dann in Erwägung gezogen werden könne, wenn der Religionsfriede ernsthaft gefährdet sei.
http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/stgallen/kantonstgallen/tb-sg/Kopftuch-in-St-Gallen-weiterhin-erlaubt;art122380,4020024

Ostschweiz: Mitgliederschwund trotz mehr Bevölkerung

Samstag, 22. Februar 2014

Die Bevölkerungszahl im Rheintal steigt. Im Vergleich zu 1998 nahm im Jahr 2013 die Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner im Oberrheintal um 10,2 Prozent und im Unterrheintal um 13,3 Prozent zu. Nur im Appenzeller Vorderland lebten 1,7 Prozent weniger Personen (siehe Zeitung vom 24. Januar). Hingegen schrumpfte die Mitgliederzahl beider Landeskirchen insgesamt markant. Im Oberrheintal gab es 5,5 Prozent weniger Katholiken und 3,6 Prozent mehr Reformierte. Im Unterrheintal sank die Zahl Katholiken um 3 Prozent und die der Reformierten um 10,5 Prozent. Im Vorderland gab es 6,4 Prozent weniger Katholiken und 25 Prozent weniger Reformierte. Die meisten Gemeinden unterscheiden in der Statistik nicht, ob jemand konfessionslos ist oder einer anderen Religion angehört. Die Zahl der unter «andere» aufgeführten Bewohner nahm überall zu, im Oberrheintal um 91,9 Prozent, im Unterrheintal um 98,5 Prozent und im Vorderland um 52,3 Prozent.
http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/stgallen/rheintal/rt-ur/Rueckgang-trotz-mehr-Bevoelkerung;art166,3712848