Archiv für die Kategorie „Kt. Bern“

“Menschliche Verletzlichkeit” – Diskussionsabend von Philosophie.ch in Bern

Sonntag, 16. April 2017

Im Rahmen des Projektes “Liebe und Gemeinschaft” von Philosophie.ch, dem Schweizer Online Portal für Philosophie (ansässig in Bern), findet im Café Kairo in Bern ein Diskussionsabend zum Thema “Menschliche Verletzlichkeit” statt.

Eintritt: CHF 15.00 (AHV/IV CHF 10.00).

Termin: Montag, 24. April 2017

Türöffnung: 19:00 / Beginn 19.30

Ort: Café Kairo, Dammweg 43, 3013 Bern.

Vom Bahnhof mit Bus Nr. 20 bis zur Haltestelle Lorraine

Mehr zum Thema:
Verletzlichkeit wird uns zur Zeit immer wieder als Grundeigenschaft menschlichen Lebens eindrücklich vor Augen geführt. In Anbetracht von Krieg, Flucht und dem Sterben an den Grenzen der Festung Europa beispielsweise. Verletzlichkeit dient aber auch als argumentative Grundlage für eine Abgrenzungspolitik des globalen Westens gegenüber „dem Anderen“, „dem Fremden“: In (nicht nur) rechtspopulistischer Rhetorik sind es beispielsweise emanzipierte weisse Frauen, die vor dem „sexuell übergriffigen Migranten“ beschützt, die fortschrittliche Nation, die vor dem „Eindringen eines rückständigen Wertesystems“ bewahrt oder das friedliche Miteinander, welches vor der Gewalttätigkeit des „Fremden“ geschützt werden muss. Diese Rhetorik baut auf einer Gegenüberstellung zwischen dem eigentlich autonomen, abgegrenzten Selbst und dem bedrohlichen, verletzenden Anderen. So betrachtet scheint es kein Zufall zu sein, dass gegenwärtig zwei Entwicklungen parallel verlaufen: Die starke Individualisierung des Menschen im neoliberalen Kapitalismus – also die Betonung des autonomen Selbst – und das gegenwärtige Erstarken von nationalistischem und fremdenfeindlichem Gedankengut. Es ist allerdings auch nicht zufällig, dass sich gegen diese Tendenzen gerade eine feministische Bewegung formiert. Der Women’s March in Washington am Tag der Inauguration des neuen US-Präsidenten Donald Trump ist die grösste Single-Day-Demonstration in der Geschichte der USA. In zahlreichen Städten weltweit fanden seither ähnliche Märsche statt. Feminismus, das sei nicht nur eine Bewegung für alle, sondern er kümmere sich auch um alles, wie Antje Schrupp in der “Frankfurter Rundschau” es formuliert. Angela Davis fordert in Anlehnung an den Slogan der Occupy-Bewegung, einen „Feminismus der 99%“. Und gerade zu Fragen rund um das Subjekt, um Autonomie und um Handlungsfähigkeit hat die Feministische Theorie so einiges an Antworten und Gedankenanstössen zu liefern. Verletzlichkeit spielt in diesen Überlegungen eine zentrale Rolle.

(Text von Geneva Moser)

>>Philosophie.ch

Demonstrationsrecht auf dem Bundesplatz nur für China-Claqueure: so geht es nicht

Sonntag, 15. Januar 2017

Die Freidenker-Vereinigung der Schweiz verurteilt das politisch motivierte heutige Vorgehen der Polizei in Bern. Anlässlich des Besuchs des Chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping wurden nur Pro-China-Demonstranten auf den Bundesplatz gelassen. Chinesische Staatsmedien nutzten die willkommene Fotokulisse entsprechend für propagandistische Berichterstattung (Tweet-Original siehe hier):

Tibetische Kritiker wurden hingegen auf dem Waisenhausplatz von Polizisten in Kampfuniform und Wasserwerfern in Schach gehalten. Demonstranten, die laut «free Tibet» riefen, wurden gar aus der Menge geholt und abgeführt.

Die Freidenker halten das Recht auf freie Meinungsäusserung und auf Versammlungsfreiheit für ein essentielles Gut einer liberalen Gemeinschaft. Sie anerkennen durchaus, dass es punktuell eingeschränkt werden darf. Doch eine derart einseitige Parteinahme zugunsten eines undemokratischen Staates, der die Menschenrechte mit Füssen tritt, sollte nicht die Politik der Schweiz sein. Und schon gar nicht darf es Aufgabe unserer Polizeikräfte sein, Staatsoberhäuptern Wohlfühlkulissen mit Claqueuren bereitzustellen.

Das heutige Vorgehen weckt unschöne Erinnerungen an das übereifrige Eingreifen des Berner Botschaftsschutzes am 12. Juni 2015. Damals hielten sechs Personen auf dem Trottoir vor der Saudischen Botschaft ein Plakat hoch, in dem sie die Freilassung der politischen Gefangenen Raif Badawi und Waleed Abulkhair forderten (siehe Bericht). Nach weniger als einer Viertelstunde tauchte ein Polizeifahrzeug auf, konfiszierte das Plakat und zwang die Beteiligten, die stille Mahnwache abzubrechen. Der säkulare Blogger Raif Badawi und sein Anwalt sitzen beide nach wie vor in Saudi-Arabien in Haft. Die beiden und Raif Badawis Ehefrau, Ensaf Haidar, die sich seit ihrer Flucht nach Kanada unermüdlich für die Freilassung ihres Mannes einsetzt, erhielten am 9. Oktober 2015 den erstmals verliehenen Freidenkerpreis in der Höhe von CHF 10’000.- (siehe Bericht).

Die Freidenker erwarten eine politische Aufarbeitung des polizeilichen Vorgehens und einen klaren Verzicht auf derartige Bücklingshaltung gegenüber Despotenregimes.

 

Pressestimmen:

>>Artikel in “Der Bund vom” vom 16.1.2017  

“Der Einsatz der Berner Polizeikräfte bei der Demonstration von Exil-Tibetern in der Innestadt und in der Umgebung des Bundeshauses erntete am Sonntag viel Kritik, nicht nur von den betroffenen Tibeter-Organisationen selbst. Die Freidenker-Vereinigung etwa verurteilte in einer Mitteilung das «politisch motivierte Vorgehen». Es seien nur Pro-China-Demonstranten auf den Bundesplatz gelassen worden. Die derart «einseitige Parteinahme zugunsten eines undemokratischen Staates, der Menschrenrechte mit Füssen» trete, dürfe nicht Politik der Schweiz sein.”

>>Artikel auf “blick.ch” vom 15.1.2017

>>tagesanzeiger.ch vom 16.01.2017: “Das sind Bilder, die nicht zur Schweiz passen”

 >> Vizepräsident Valentin Abgottspon live bei Tele Bärn (ab Minute 4:30)

 

Kirchenfinanzierung im Kanton Bern: Steuermillionen aus “Nettigkeit” in alle Ewigkeit?

Freitag, 9. Dezember 2016

Artikel auf derbund.ch vom 8.12.2016:

“Für die Reformierten ist es ein genialer Deal. Der Kanton Bern will ihnen ab 2019 Jahr für Jahr 197 Pfarrerstellen finanzieren. Daran wird sich auch dann nichts ändern, wenn ihre Kirche weiter schrumpft. «197 Pfarrer» entsprechen nämlich dem Wert der Kirchengüter, die der Staat Bern der reformierten Kirche im Jahr 1804 abgenommen hat.

(…)

Wer über all diese Zahlen nachdenkt, kann zu anderen Schlüssen kommen als der Regierungsrat. Rasch wird ersichtlich, dass der Kanton künftig weit mehr Pfarrerstellen finanzieren will, als er eigentlich müsste – gemessen am Wert der Kirchengüter. Wäre der Kanton nicht so nett zu seinen Kirchen, hätte er sich auch auf den Standpunkt stellen können, dass der Gegenwert der 197 Stellen für alle drei Landeskirchen ausreichen muss.

>>Zum ganzen Artikel

Weitere Artikel zur Revision des Kirchengesetztes:

>>der Bund.ch vom 19.12.2016

Kt. BE – Landeskirchengesetz: Zukunftsgerichtete Neuordnung statt Wunschkatalog der Kirchen

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Die Freidenkenden Region Bern (FRB) haben heute ihre Vernehmlassungsstellungnahme zum revidierten Landeskirchengesetz eingereicht. Sie kritisieren die im Entwurf fortgesetzte mannigfache Privilegierung der Landeskirchen und fordern die klare Trennung von Staat und Kirche. Dabei stützen sich die Freidenkenden auf die Resultate einer brandaktuellen Studie von gfs.bern.

Der vom Regierungsrat am 16. September in die Vernehmlassung geschickte Entwurf einer Revision des Kirchengesetzes liest sich über weite Strecken wie ein Wunschkatalog der Landeskirchen. Nicht nur werden die Beziehungen zwischen Staat und Kirchen in keiner Art und Weise entflochten; auch die Subventionen bestehen unverändert fort. Die Kirchen bleiben gegenüber anderen Organisationen und Vereinen deutlich bevorteilt: Vom ihnen eingeräumten politischen Mitspracherecht auf kantonaler Ebene über den Zugang zu persönlichen, auch besonders schützenswerten Daten der Einwohnerregister und Schulklassenlisten bis hin zur Ausbildung ihrer Berufspersonen.

Über 30% der Berner Bevölkerung gehören keiner Landeskirche mehr an (2000: 20%), 18% haben explizit keine Religionszugehörigkeit (2000: 8%) (Quelle: BFS 2000 und 2015). Vor dem Hintergrund dieser klaren Trends fordern die Freidenkenden eine strikte Trennung von Staat und Kirche. HHintergrund DieDie Mitgliederdatenerhebung, Kirchensteuereintreibung oder Pfarrerausbildung sind nicht Aufgabe des Staates, sondern sollen von den Kirchen vorgenommen und auch selber bezahlt werden. Weiter fordern die FRB, dass die Landeskirchen ihre Angebote grundsätzlich aus eigenen Mitteln finanzieren. Wo der Staat das Erbringen sozialer Leistungen delegiert (bspw. für Kultur-, Bildungs- und Freizeitangebote), soll er dies ausschreiben. Die Landeskirchen sollen sich dem freien Wettbewerb stellen.

Diese Forderungen widerspiegeln die Erwartungshaltung der Berner Bevölkerung, die in der Studie «Nutzung und Finanzierung sozialer Dienstleistungen der Landeskirchen im Kanton Bern» klar zum Ausdruck kommt. Das gfs.bern hat sie im Auftrag der Freidenkenden im Sommer dieses Jahres durchgeführt. 62% der 1011 repräsentativ ausgewählten Berner Stimmbürgerinnen und Stimmbürger befürworten die strikte Trennung von Staat und Kirche, 54% sind der Meinung, die sozialen Angebote der Kirche sollten ausschliesslich über die Kirchensteuern finanziert werden.

Für Rückfragen: Co-Präsidenten
Jorgo Ananiadis, 079 775 45 55, jorgo.ananiadis (at) frei-denken.ch und
Eliane Schmid, 079 718 89 62, eliane.schmid (at) frei-denken.ch

Vollständige Vernehmlassungsstellungnahme: http://www.frei-denken.ch/de/sektionen/bern/

Studie «Nutzung und Finanzierung sozialer Dienstleistungen der Landeskirchen im Kanton Bern»: http://www.frei-denken.ch/de/2016/09/berner-studie-zur-nutzung-und-finanzierung-sozialer-dienstleistungen-2/

Ausstellung in Bern: Auf dem Weg zum Nichts

Mittwoch, 12. Oktober 2016

 

Webseite des Künstlers: http://www.roset.ch/

«Grenzen der Toleranz» – Schweiz-Lesetour mit Michael-Schmidt-Salomon

Samstag, 1. Oktober 2016

Die offene Gesellschaft scheint in Gefahr, bedroht von Terroristen und Extremisten, welche die Gewalttätigen anfeuern uns instruieren. In seinem neuen Buch «Grenzen der Toleranz – warum wir die offene Gesellschaft verteidigen müssen» setzt sich der Deutsche Philosoph und Autor Michael Schmidt-Salomon mit diesen Bedrohungen sowie  den möglichen Massnahmen, um diesen Gefahren zu begegnen, auseinander.

Anfang Dezember spricht Michael Schmidt-Salomon auf Einladung der Freidenker in sechs Deutschschweizer Städten: 

Termine:

So, 4.12. Eglisau

Aula Schulhaus Städtli, Obergass 57. 16.00 Uhr. Eintritt 10.
Die Veranstaltung wird organisiert in Zusammenarbeit mit “viva Eglisau”

Mo, 5.12. Lenzburg

Hotel Krone, Kronenplatz 20. 19.30 Uhr. Eintritt frei / Kollekte.

Di, 6.12. Luzern

Hotel Continental-Park, Murbacherstrasse 4, 6002 Luzern 19.30  Eintritt frei / Kollekte.

Mi, 7.12. Chur

Brandissaal, Brandisstrasse 12. Apéro 18.15 Uhr, Beginn 19.15 Uhr. Eintritt frei / Kollekte. 

Do, 8.12. Brig

Buchhandlung ZAP*, Furkastrasse 319.00 Uhr. Eintritt 12.- (6.- für Mitglieder Buchclub ZAP und Freidenker).

Fr, 9.12. Bern

Hotel Bern, Zeughausgasse 9, 19.00 Uhr, anschliessend Apéro. Eintritt frei / Kollekte.
 

Im einem längeren Essay, welches am 29. September im Tages-Anzeiger erschien, führte der Autor einige zentrale Thesen aus, die er im Buch umfassend beleuchtet. Unter anderem plädiert Michael Schmidt-Salomon dafür, zwei Trennlinien zu unterscheiden: Die erste hält auseinander, was toleriert werden muss, und was nicht mehr toleriert werden darf – auch eine offene Gesellschaft darf nicht alles hinnehmen, soll sie erhalten bleiben. Die zweite Linie grenzt das Tolerierbare von dem ab, was akzeptiert werden muss – das zu Akzeptierende heisst man gut, was gegenüber dem bloss Tolerierten nur um den Preis der Selbstverleumdung möglich wäre.

Am Beispiel der Behauptung von Kreationisten, die Erde sei erst 6000 Jahre alt, veranschaulicht er den Unterschied: eine derart realitätsferne Idee braucht man nicht zu akzeptieren. Man darf sie ablehnen, ja auch verspotten. Hingegen müssen wir akzeptieren, dass jeder Einzelne wirren Ideen anhängen darf und auch die Freiheit hat, diese Ideen zu bewerben. Umgekehrt muss der Kreationist akzeptieren, dass man seinen Überzeugungen widerspricht, auch wenn er dies als beleidigend empfindet.

Es ist also zwischen dem Akzeptierbaren, dem Nur-Tolerierbaren und dem Nicht-mehr-Tolerierbaren zu unterscheiden. Der Autor führt aus, dass diese Trennlinien in verschiedenen Gesellschaften unterschiedlich gezogen werden. Eine offene Gesellschaft beachtet bei diesen Grenzziehungen vier Prinzipien, hinter die sie nicht zurückfallen darf: Liberalität, Egalität, Säkularität und Individualität. Im Essay, und ausführlicher im Buch, führt Michael Schmidt-Salomon aus, wieso es gerade diese Prinzipien sind, welche freie von unfreien Gesellschaften unterscheiden. Und wieso in einer freien Gesellschaft auch mehr zu tolerieren ist.

Wir freuen uns auf zahlreiche Interessierte in Lenzburg, Luzern, Chur, Brig und Bern!

 

 

Impressionen

Büchertisch

Michael Schmidt Salomon / Brigg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Full House!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Presseartikel

>>Suedostschweiz.ch

>>Walliser Bote

 

Bern: “Das ist erst der Anfang” – Zum neuen Kirchengesetz

Montag, 19. September 2016

Von aussen betrachtet ändert sich für die drei Landeskirchen mit dem neuen Kirchengesetz fast nichts. Das Wichtigste für sie ist ohnehin die Finanzierung. Diese erfolgt künftig zwar nach einem neuen System, doch das Volumen bleibt unverändert. Daran ist zu erkennen, dass der Status quo zumindest in finanzieller Hinsicht Richtschnur der Gesetzesrevision war.

Einschneidender für die Landeskirchen ist das, was auf der Symbolebene geschieht. Dass der Kanton seine Pfarrerinnen und Pfarrer nicht mehr auf der Lohnliste haben will, kommt einer Zurückweisung gleich. Die Rede ist zwar von einer «Weiterentwicklung» des Verhältnisses zwischen Kirche und Staat – in Tat und Wahrheit ist es aber die Lockerung einer uralten Umklammerung. (weiterlesen…)

Berner Studie zur Nutzung und Finanzierung sozialer Dienstleistungen der Landeskirchen

Donnerstag, 15. September 2016

Bernerinnen und Berner wollen Staat und Kirche trennen

Die Berner Stimmberechtigten sprechen sich für die Trennung von Staat und Kirche aus. Dies ist eines der wichtigen Resultate einer repräsentativen Studie im Auftrag der Freidenkenden Region Bern FRB. Im Weiteren ist eine Mehrheit der Befragten der Meinung, dass soziale Angebote der Landeskirchen ausschliesslich aus der Kirchensteuer zu bezahlen sind.

Im Hinblick auf die kommende Vernehmlassung zur Totalrevision des Kirchengesetzes wurden 1011 stimmberechtigte Bernerinnen und Berner vom Meinungsforschungsinstitut gfs.bern befragt. Das Ziel war, herauszufinden, inwiefern ihnen die sozialen Dienstleistungen der Landeskirchen bekannt sind und wie diese genutzt werden. Denn die Landeskirchen geniessen im Kanton Bern immer noch Privilegien gegenüber anderen Organisationen und Dienstleistungserbringern. So werden die Pfarrstellen und viele kirchliche Dienste durch den Kanton, also durch die Allgemeinheit, mitfinanziert. Diese Finanzierung durch den Staat begründen die Kirchen damit, dass sie wichtige soziale Aufgaben für die Gesellschaft leisten würden. Besonders oft werden hier die Betreuungs- und Beratungsangebote für sozial Bedürftige genannt. Die Kirchen leiten daraus einen grossen gesamtgesellschaftlichen Nutzen ab und haben dadurch ihre Privilegien über die letzten Jahrzehnte retten können.

Die vorliegende Studie belegt nun allerdings eine grosse Diskrepanz zwischen den Wünschen der StimmbürgerInnen und den immer wiederkehrenden Argumenten der Kirchen: So kennen zwar 55% der Befragten mindestens ein soziales Angebot der Landeskirchen, aber nur 7% der Befragten nutzen eine solche Dienstleistung. Hauptsächlich genutzt werden Kultur- und Bildungsangebote (Konzerte und Vorträge) sowie Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche. Alle anderen Angebote hingegen werden kaum genutzt.

Jorgo Ananiadis, Co-Präsident der Freidenkenden Region Bern, sagt dazu: „Obwohl der Kanton in allen Bereichen sparen muss, bevorzugt er die Landeskirchen und unterstützt sie mit finanziellen Mitteln. Dabei stützt er sich auf unbelegte Annahmen und folgt blind den Forderungen der Landeskirchen. Dank dieser neuen Studie gibt es jetzt aber Daten darüber, inwiefern diese mutmasslich gesellschaftsrelevanten Leistungen tatsächlich genutzt werden. Und die Resultate lassen keine Zweifel offen, wie diese in Zukunft zu finanzieren sind.“

Die Behörden und Parteien sind jetzt gefordert, die Erkenntnisse dieser Studie bei der kommenden Vernehmlassung zur Totalrevision des Kirchengesetzes einfliessen zu lassen. Für die Freidenkenden Region Bern sind die folgenden Konsequenzen bereits jetzt offensichtlich:
1. Staat und Kirche sind strukturell und finanziell strikt zu trennen.
2. Die Angebote der Landeskirchen sind grundsätzlich aus deren eigenen Mitteln zu finanzieren.
3. Wo der Staat das Erbringen sozialer Leistungen delegiert (bspw. Kultur-, Bildungs- und Freizeitangebote), sollen sich die Landeskirchen einem offenen Wettbewerb stellen. So wird auch die Qualität dieser von der Allgemeinheit finanzierten Leistungen sichergestellt.

Die Studie wurde heute morgen 10:00 den Medien und interessierten Kreisen vorgestellt.

Unterlagen:

2016_Medienrohstoff_Nutzung_und_Finanzierung_sozialer_Dienstleistungen

2016_Studie_Nutzung_und_Finanzierung_sozialer_Dienstleistungen

Kontakt:

Fragen beantworten gerne:

Dr. Carsten Ramsel  Verantwortlicher der Studie
E-Mail

Jorgo Ananiadis  Co-Präsident FRB
E-Mail

Vernehmlassung: http://www.frei-denken.ch/de/2016/12/landeskirchengesetz-zukunftsgerichtete-neuordnung-statt-wunschkatalog-der-kirchen/

Anne-Marie Rey (1937-2016): Zarte Kämpferin für die Freiheit

Dienstag, 28. Juni 2016

Mit Anne-Marie Rey verliert die Freidenker-Bewegung eine ihrer engagiertesten Frauen. Zunächst trug sie das Anliegen des straffreien Schwangerschaftsabbruchs in die Vereinigung hinein, bis schliesslich nach jahrzehntelangem Kampf mit der Volksabstimmung von 2002 in der Schweiz die Fristenregelung eingeführt wurde.

Zwar blieb sie diesem Anliegen auch weiterhin verpflichtet, richtete aber nun ihre Energie vermehrt auf das Kernthema der Freidenker: die Trennung von Staat und Kirche/Religion. Auch hier scheute sie keine persönlichen Mühen und Kosten, der Forderung nach einer vollständigen Trennung von Staat und Kirche im Kanton Bern Nachdruck zu verleihen, sei es mit bohrenden Fragen an die Verwaltung, in Leserbriefen oder an Veranstaltungen. Selbst vor der persönlichen Steuerverweigerung schreckte sie nicht zurück und liess sich auch von einer Niederlage vor dem Bundesgericht 2011 nicht von der Überzeugung abbringen, dass die Abgeltung der Pfarrlöhne im Kanton Bern durch allgemeine Steuermittel abzuschaffen sei. Und die Zeit gab ihr auch hier recht: Der Kanton Bern bewegt sich in dieser Frage. Den Abschluss der von ihr Anfang 2016 angeregten Studie zur gesamtgesellschaftlichen Relevanz der Dienstleistungen der Landeskirchen im Kanton Bern wird sie nun aber leider nicht mehr erleben.

In einem Artikel über eine Vortragsreihe des amerikanischen Rechtsphilosophen Ronald Dworkin an der Uni Bern schrieb sie in Übereinstimmung mit dem Redner in der Zeitschrift frei denken. (1/2012): Wir haben das unveräusserliche Recht, fundamentale ethische Entscheidungen, die unser Leben bestimmen, in eigener Verantwortung zu treffen. Dazu gehören zum Beispiel Fragen der Sexualität, Homosexualität, Abtreibung und Fragen am Lebensende. Ethische Unabhängigkeit ist der Kern der Menschenwürde.“

In dieser freidenkerischen Überzeugung haben wir sie vor einer Woche auch am Welthumanistentag in Bern an einem kritischen Vortrag zu Scharia-Gerichten in England zum letzten Mal als engagierte Zuhörerin erlebt.

Anne-Marie Reys Leben hat deutliche Spuren hinterlassen in unserer Gesellschaft. Engagierte Menschen wie sie braucht es, damit das Projekt Aufklärung weiterentwickelt werden kann.

Uns bleiben die Dankbarkeit und die Erinnerung an diese zarte Kämpferin für die Freiheit. Die Freidenker-Vereinigung verneigt sich vor dem Lebenswerk von Anne-Marie Rey und wird ihre Anliegen weitertragen

Reta Caspar

Biografie:
Die Erzengelmacherin: Das 30-jährige Ringen um die Fristenregelung

Anne-Marie Rey (2007)

Vortrag 20. Juni, Bern: Elham Manea über die Auswirkungen von Sharia-Gerichten in Europa

Mittwoch, 8. Juni 2016

Aus Anlass des Welthumanistentags 2016 laden die Berner Freidenker zur Veranstaltung mit Dr. Elham Manea, Politologin und Privatdozentin an der Uni Zürich. Sie stellt ihr eben erschie-nenes Buch Women and Shari’a Law: The Impact of Legal Pluralism in the UK vor. Darin beleuchtet sie die Errichtung von Sharia-Räten und -Schiedsgerichten in Grossbritannien.

Sie zeigt die Konsequenzen unter-schiedlicher Rechtsordnungen für verschiedene Bevölkerungsgruppen – ein Ansatz, der auch schon für die Schweiz postuliert wurde. Der Fokus liegt dabei, wie der Titel des Buches verrät, auf den Frauen.