Archiv für die Kategorie „Kirchensteuer“

Freidenker kritisieren Revision des Landeskirchengesetzes

Freitag, 8. September 2017

Humanistischer Pressedienst (hpd) vom 6.9.2017:

Im Schweizer Kanton Bern läuft derzeit die Revision des Landeskirchengesetzes. Heute beginnt hierzu die erste Lesung im Großen Rat. Die Freidenkenden der Region Bernäußern hinsichtlich der Revision schwere Bedenken.

“Über 30% der Berner Bevölkerung gehören heute keiner Landeskirche an und 18% haben explizit keine Religionszugehörigkeit (Statistiken BFS 2000 und 2015). Dennoch sollen diese Bürger die Kirchen weiterhin über die ordentlichen Steuern mitfinanzieren”, heißt es in einer Pressemitteilung der Freidenker.

Die Freidenkenden der Region Bern verweisen auf eine aktuelle Studie von gfs.bern zur “Nutzung und Finanzierung sozialer Dienstleistungen der Landeskirchen im Kanton Bern”, laut der von den Berner Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern 62% die strikte Trennung von Staat und Kirche befürworteten und 54% der Meinung seien, die sozialen Angebote der Kirche sollten ausschliesslich über die Kirchensteuern finanziert werden.

“Diese Fakten werden vom Regierungsrat und der Kommission ignoriert. Die Kirchen bleiben gegenüber anderen Organisationen und Vereinen deutlich bevorteilt” bemängeln die Freidenker und führen einige Vorteile der Kirchen aus: Politisches Mitspracherecht auf kantonaler Ebene sowie Zugang zu persönlichen und auch besonders schützenswerten Daten der Einwohnerregister und Schulklassenlisten bis zur Ausbildung ihrer Berufspersonen.

Bereits in einer früheren Stellungnahme hatten die Berner Freidenker die fortgesetzte Privilegierung der Landeskirchen kritisiert. Sie fordern, dass die Landeskirchen ihre Angebote grundsätzlich aus eigenen Mitteln finanzieren. Jorgo Ananiadis, Co-Präsident der Berner Freidenker dazu: “Wo der Staat das Erbringen sozialer Leistungen delegiert (bspw. für Kultur-, Bildungs- und Freizeitangebote), soll er dies ausschreiben. Die Landeskirchen sollen sich nun endlich dem freien Wettbewerb stellen. Wir fordern die klare Trennung von Staat und Kirche.”

«Die Kirche braucht es [?]» – Im Aargauer Pfarrblatt «Horizonte» kommt auch ein Freidenker zu Wort

Donnerstag, 6. April 2017

Wie steht es um die Daseinsberechtigung der Kirchen?

«Wozu braucht es die Kirche noch?» – In Anlehnung an eine Diskussion in Solothurn am 29. März 2017, fragte Horizonte mit Blick auf den Aargau Kirchenräte, Seelsorgende und einen Freidenker.

Der Artikel findet sich bei http://www.horizonte-aargau.ch/die-kirche-braucht-es/.

Auszug aus dem umfangreichen Text:

Das Problem sind konfessioneller Zwang und Mission

Anders sieht das Valentin Abgottspon, Vizepräsident der Freidenkervereinigung Schweiz und Kämpfer für eine Trennung von Kirche und Staat. «Es gibt Leistungen von Kirchen, sozialer oder kultureller Art, an denen wir Freidenkerinnen und Freidenker nichts oder nur wenig auszusetzen haben. Doch bei vielen dieser eigentlich guten Taten und Institutionen ist leider mehr oder weniger Mission drin. Einer katholischen Schwangerschaftsberatung traue ich keine weltanschaulich neutrale Haltung zu. In vielen Kantonen werden solche Stellen aber nicht von Kirchensteuern, sondern über die Steuern von allen finanziert. Damit sind Konfessionsfreie gezwungen, konfessionell getragene Institutionen oder Stellen mitzufinanzieren.»

Staatlich finanzierte Angebote, so Valentin Abgottspon, müssten vonseiten des Staates ausgeschrieben werden. Ein klarer Leistungsauftrag müsse sicherstellen, dass ohne Mission gearbeitet werde. «Können die Kirchen diese Vorgaben einhalten, sollen sie anderen Dienstleisterinnen gegenüber nicht diskriminiert werden. Auf der individuellen Ebene soll jede und jeder selber entscheiden, ob er oder sie die Kirche braucht und mitfinanzieren will. Für mich persönlich lautet die Antwort da Nein», positioniert sich der Freidenker.

Deutschland: “Geld für die Kirchen in Ewigkeit?”

Freitag, 17. März 2017

Artikel auf jungewelt.de vom 13.03.2017:

Der Tagesordnungspunkt 18 gehörte zum Nachtprogramm der Plenarsitzung des Bundestages. Ein Antrag der Linksfraktion wurde am Donnerstag gegen 22 Uhr aufgerufen – und erwartungsgemäß abgelehnt. Den Abgeordneten ging es um Staatsgelder, die die beiden deutschen Großkirchen erhalten. Formal handelt es sich um Entschädigungsleistungen für Besitztümer, die ihnen im Jahre 1803, also vor mehr als 200 Jahren, von den deutschen Fürsten entzogen wurden. Schon damals war festgelegt worden, dass der Klerus dafür durch langfristige Zahlungen abgefunden wird. Allein für 2017 wird sich das, was die Kirchen auf dieser uralten rechtlichen Grundlage erhalten, nach Rechnung des Politologen Carsten Frerk auf 524 Millionen Euro summieren.

Die Linke wollte, dass die Bundesregierung eine Expertenkommission installiert, besetzt mit Juristen, Vertretern der Kirchen und der Bundesländer, die evaluieren sollen, wann und gegen welche Ablösesumme diese Zahlungen eingestellt werden könnten. Das Ku­riose: Mit der Ablehnung dieses Antrags wurde, allen gegenteiligen Beteuerungen von SPD- und Grünen-Politikern zum Trotz, erneut ein erster Schritt zur Erfüllung eines inzwischen fast 100jährigen konstitutionell bestimmten Auftrags vertagt. Denn in der Verfassung der Weimarer Republik wurde 1919 in Artikel 138 festgelegt, dass die Staatsleistungen für die Kirchen auf Länderebene »abgelöst« werden, also gegen eine Endzahlung eingestellt werden sollen. Die Zentralregierung solle die Grundsätze dafür aufstellen. Diese Aufgabe wurde ins Grundgesetz der Bundesrepublik (Artikel 140) übernommen – und bis heute nicht »abgearbeitet«. Wie der Humanistische Verband am Freitag mitteilte, haben die Kirchen seit Gründung der BRD 1949 umgerechnet mehr als 17 Milliarden Euro dieser Leistungen erhalten.

>>Artikel lesen

BZ vom 23.02.2017: “Selbstbedienungsladen Religion” – Für FVS-Präsident Andreas Kyriacou eine erfreuliche Entwicklung

Freitag, 24. Februar 2017

Berner Zeitung vom 23.02.2017:

Bald scheint der Wendepunkt erreicht zu sein. Wie die neusten Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen, fehlt nicht mehr viel, bis die Konfessionslosen die Reformierten in der Schweiz zahlenmässig eingeholt haben. Immer mehr Menschen drehen der Kirche den Rücken zu. In Basel-Stadt entzieht sich mit 46 Prozent sogar fast die Hälfte der ­Bevölkerung einer Religions­gemeinschaft. «Konfessionslose sind ein Massenphänomen geworden», bestätigt Judith Albisser vom Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut (SPI). Die Mitarbeiterin dieses Forschungsinstituts der katholischen Kirche schreibt von einem «rasanten Anstieg in wenigen Jahrzehnten», der auf drei Faktoren zurückzuführen sei: Menschen treten aus der Kirche aus; Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr taufen; konfessionslose Personen wandern in die Schweiz ein.

Zusammen bilden Katholiken und Reformierte in der Schweiz zwar eine deutliche Mehrheit. Vor 60 Jahren machten sie aber fast 100 Prozent der Bevölkerung aus. Dann begann die Zahl der Konfessionslosen zu steigen. Das verlief parallel zum gesellschaftlichen Phänomen der Individualisierung, erklärt Albisser: «Der Kirchenaustritt wurde enttabuisiert, und seither kann das Individuum aus verschiedenen Weltanschauungen und Religionen frei wählen.» Für Andreas Kyriacou ist das eine erfreuliche Entwicklung. Er ist Präsident der Freidenker-Vereinigung der Schweiz. Für ihn ist der entstandene «Wettbewerb unter den Welt­anschauungen» positiv: «Sinn­suchende können im breiten Angebot eine passende Antwort ­finden.»

>>Artikel auf bz.ch online lesen

Kirchenfinanzierung im Kanton Bern: Steuermillionen aus “Nettigkeit” in alle Ewigkeit?

Freitag, 9. Dezember 2016

Artikel auf derbund.ch vom 8.12.2016:

“Für die Reformierten ist es ein genialer Deal. Der Kanton Bern will ihnen ab 2019 Jahr für Jahr 197 Pfarrerstellen finanzieren. Daran wird sich auch dann nichts ändern, wenn ihre Kirche weiter schrumpft. «197 Pfarrer» entsprechen nämlich dem Wert der Kirchengüter, die der Staat Bern der reformierten Kirche im Jahr 1804 abgenommen hat.

(…)

Wer über all diese Zahlen nachdenkt, kann zu anderen Schlüssen kommen als der Regierungsrat. Rasch wird ersichtlich, dass der Kanton künftig weit mehr Pfarrerstellen finanzieren will, als er eigentlich müsste – gemessen am Wert der Kirchengüter. Wäre der Kanton nicht so nett zu seinen Kirchen, hätte er sich auch auf den Standpunkt stellen können, dass der Gegenwert der 197 Stellen für alle drei Landeskirchen ausreichen muss.

>>Zum ganzen Artikel

Weitere Artikel zur Revision des Kirchengesetztes:

>>der Bund.ch vom 19.12.2016

Bern: “Das ist erst der Anfang” – Zum neuen Kirchengesetz

Montag, 19. September 2016

Von aussen betrachtet ändert sich für die drei Landeskirchen mit dem neuen Kirchengesetz fast nichts. Das Wichtigste für sie ist ohnehin die Finanzierung. Diese erfolgt künftig zwar nach einem neuen System, doch das Volumen bleibt unverändert. Daran ist zu erkennen, dass der Status quo zumindest in finanzieller Hinsicht Richtschnur der Gesetzesrevision war.

Einschneidender für die Landeskirchen ist das, was auf der Symbolebene geschieht. Dass der Kanton seine Pfarrerinnen und Pfarrer nicht mehr auf der Lohnliste haben will, kommt einer Zurückweisung gleich. Die Rede ist zwar von einer «Weiterentwicklung» des Verhältnisses zwischen Kirche und Staat – in Tat und Wahrheit ist es aber die Lockerung einer uralten Umklammerung. (weiterlesen…)

Säkulare Tage in Leipzig – Die Alternative zum Katholikentag

Dienstag, 24. Mai 2016

Säkulare Tage LeipzigAnlässlich des Katholikentags veranstaltet die gbs-Regionalgruppe Leipzig unter dem Motto “Trennt endlich Staat und Kirche” eine hochkarätig besetzte Vortragsreihe (25.5.-28.5.), die unter anderem über die anhaltende Verstrickung von Staat und Kirche sowie über die historischen, finanziellen und juristischen Hintergründe informiert. Die Besucher erwartet ein aufklärendes und buntes Programm mit Vorträgen, Kunstaktionen und Infoständen, an dem sich prominente Vertreter der säkularen Szene beteiligen (Rolf Bergmeier, Gerhard Czermak, Carsten Frerk, “Gunkl”, Phillip Möller, Michael Schmidt-Salomon und Daniela Wakonigg).     >> Zur Veranstaltung der gbs

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

“Ich stalke keine Christen” – Michael Schmid-Salomon im Gespräch über Katholikentag und Säkulare Tage

Dienstag, 24. Mai 2016

 

Michael Schmidt-Salomon

Michael Schmidt-Salomon

“Parallel zum Katholikentag veranstaltet die Giordano-Bruno-Stiftung Säkulare Tage in Leipzig. Der Stiftungsvorstandssprecher und Philosoph Michael Schmidt-Salomon spricht mit kreuzer online über dieses weltliche Anliegen, die nicht verwirklichte Trennung von Kirche und Staat und Antisemitismusvorwürfe.”

 >> Zum Artikel

Wer bezahlt für die katholische Hasspredigt? – Scharfe Kritik an der Osterrede des Bischofs Algermissen

Dienstag, 29. März 2016

“Auch katholische Bischöfe haben kein Mandat zur Volksverhetzung. Daran hat der Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands (HVD), Frieder Otto Wolf, am Dienstag in Berlin nach Äußerungen des Diözesanbischofs Heinz Josef Algermissen erinnert. Algermissen hatte am vergangenen Sonntag in einer Rede vor knapp eintausend Zuhörern im Fuldaer Dom behauptet, Menschen ohne christlichen Glauben würden ein „großes Sicherheitsrisiko für die Mitwelt“ darstellen.” (weiterlesen…)

Kt. FR: BDP will Kirchensteuer abschaffen

Freitag, 21. August 2015

Die Freiburger Sektion der bürgerlich demokratischen Partei (BDP) will die Kirchensteuer abschaffen. Vertreter der Partei machten am Mittwoch, 18. August, an einer Pressekonferenz einen entsprechenden Vorschlag, meldeten die «Freiburger Nachrichten» (20. August). Ziel sei die Entlastung kleiner und mittlerer Unternehmen, aber auch der Bürger.

«Die verschiedenen Vereine – sei es im Sport oder in der Musik – ersetzen nach und nach die Funktion der Kirche. Diese hat ihre soziale Seite verloren», sagte Patrick Castioni, Präsident der Jungen BDP des Kantons Freiburg, dem Bericht zufolge.
http://www.kath.ch/newsd/freiburger-bdp-will-kirchensteuer-abschaffen/