Archiv für die Kategorie „Kinder und Jugendliche“

“Der Zorn Gottes” – Wie christliche Sekten Kinder misshandeln

Sonntag, 16. April 2017

Artikel auf huffingtonpost.de:

Ein Kind will nicht beten. Und kassiert von seinen Eltern dafür Schläge.
Ein Kind bittet um ein Eis. Und bekommt von seinen Eltern eine gescheuert.
Ein Kind hört von seinen Eltern, dass die Welt untergehen wird. Und nässt in der Nacht aus lauter Angst ein.
Das deutsche Recht nennt so etwas Kindesmisshandlung. Einige fundamentalistische Christen nennen so etwas Gottes Wille.

Besorgnis nimmt zu

Und diese radikalen Christen gibt es auch in Deutschland. Sekten-Experten berichten der Huffington Post, dass sie vermehrt Anfragen besorgter Menschen erhalten, die wissen wollen, wie gefährlich neue christliche Gemeinschaften sind. Bei der Sekten-Info in Nordrhein-Westfalen etwa waren 2016 fundamentalistische Christen das Top-Thema, das die Anrufer beschäftigte.
Und immer wieder rufen auch Menschen an, die Hinweise darauf haben, dass radikale Christen ihren Kindern etwas antun. In ihrem neuen Jahresbericht warnt die Sekten-Info ausdrücklich vor der Gefahr.
Am bekanntesten ist wohl der Fall der “Zwölf Stämme”. Die Sekte lebte in Schwaben und Mittelfranken, verweigerte ihren Kindern über Jahre den Schulbesuch. Und ließ dafür die hauseigene Lehrerin prügeln, wenn ein Kind stotterte, etwas falsch vorlas. Bis zu 33 Schläge mit der Rute am Tag erhielten die Kinder.

Je religiöser die Eltern, desto massiver prügeln sie

Die Lehrerin der “Zwölf Stämme” sitzt inzwischen für zwei Jahre hinter Gittern. Ende vergangenen Jahres wurde das Urteil rechtskräftig. Die Behörden haben 2013 40 Kinder in Obhut genommen.
Aber die “Zwölf Stämme” sind nicht die einzigen, die mit der Prügelstrafe für Kinder auffallen.
Sabine Riede, Pädagogin der Sekten-Info Nordrhein-Westfalen, sagt der Huffington Post: “Wir erfahren, dass Kinder in christlich-fundamentalistischen Kirchen häufiger geschlagen werden.”
Das deckt sich auch mit den Erkenntnissen, die der Kriminologe Christian Pfeiffer in Befragungen von Schülern gewonnen hat: Je religiöser die Eltern, desto massiver prügeln sie.
So finden sich in diversen deutschsprachigen evangelikalen Erziehungsratgebern Anweisungen zum Schlagen. Die Schweizer Fachstelle für Sektenfragen, Info Sekta, hat dazu erschütternde Beispiele zusammengetragen. “Kindererziehung nach Gottes Plan” von Gary und Anne Marie Ezzo zum Beispiel werde von vielen Gemeinschaften genutzt und sei eine “systematische Anleitung zu körperlicher und psychischer Misshandlung von Kindern”.

Details zeigen, wie perfide die Anweisungen sind, etwa zur Wahl der richtigen Rute: “Dagegen schmerzen die Schläge eines leicht biegsamen Gegenstandes, ohne dabei Knochen oder Muskeln zu schädigen [...] Verspürt das Kind keinen Schmerz, ist das Instrument wahrscheinlich zu leicht oder zu weich. Bleiben Verletzungen zurück, war der Gegenstand zu hart oder er wurde unsachgemäß verwendet.”

Bis das Kind aufgegeben hat

Der radikal-christliche Autor Michael Pearl schreibt in “Wie man einen Knaben gewöhnt”: “Wenn Sie sich auf ein Kind setzen müssen, um es zu versohlen, dann zögern Sie nicht. Und halten Sie es solange in dieser Stellung, bis es aufgegeben hat.”
Die Sektenbeauftragte Riede verweist außerdem auf Fälle von Misshandlung durch die Organische Christus Generation (OCG), die ihr begegnet sind. “Ihr Gründer Ivo Sasek hat sein eigenes Erziehungskonzept entwickelt”, sagt Riede. “Erziehen mit Vision” heißt das Buch. Darin rate er, die Kinder auch mit der Rute zu züchtigen.
Alles zum Wohl der Kinder natürlich. “Er will alle Kinder vor dem Höllengericht bewahren”, sagt Riede.
Die Pädagogin hält es für “doppelt schlimm”, wenn Schläge mit dem Glauben begründet werden. “Denn die Eltern reden sich damit heraus, dass sie ja gar nicht schlagen wollten, sondern müssten, um die bösen Kinder vor der Hölle zu bewahren. Damit findet eine Täter-Opfer-Umkehr statt. Das Kind hat keine Chance, sich dagegen aufzulehnen.”

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“Inside Islam” – Der deutsche Journalist Constantin Schreiber über die niederschmetternde Situation in deutschen Moscheen

Freitag, 31. März 2017

Artikel auf huffingtsonpost.com vom 30.03.2017:

Es begann mit einem Zufall. Es wurde ein Einblick in eine Welt, die Deutschland prägt, die aber kaum ein Deutscher kennt. Und vielleicht endet es damit, dass sich etwas ändert in Deutschland, bevor noch mehr Schaden angerichtet wird:

Es ist Freitag, der 29. April 2016, als der Fernsehjournalist Constantin Schreiber in der Wilmersdorfer Moschee in Berlin ein paar nette Bemerkungen über den interreligiösen Dialog einfangen will.

Während er der “eher belanglosen Predigt” lauscht, blättert er in den Büchern, die ausliegen. Darunter: “Verheißung Islam”. Ein Buch des französischen Holocaust-Leugners Roger Garaudy. Darin steht unter anderem, dass Islam Demokratie ausschließe, dass die Idee einer Nation eine “westliche Krankheit” sei. Ein Moscheebesucher nennt sich selbst einen “Islamisten”.

Was Schreiber da zufällig entdeckt, hört, erschreckt ihn. Er will mehr über das wissen, was in den muslimischen Gebetshäusern gepredigt und gelebt wird.

Ein niederschmetterndes Fazit

Er beginnt eine achtmonatige Recherche, besucht 13 willkürlich ausgewählte arabische und türkische Moscheen in Berlin, Hamburg und Karlsruhe. Hört sich 13 Freitagspredigten an, die eine ähnliche Funktion erfüllen wie die Sonntagspredigten der christlichen Kirche. Er bespricht jede einzelne mit Islamwissenschaftlern und mit dem predigenden Imam – falls dieser nicht mauert. Er fragt deutsche Behörden nach Fakten.

Das Ergebnis dieser Recherchen ist das Buch “Inside Islam”. Und es ist niederschmetternd.

Schreiber, das darf man unterstellen, ist offen an die Recherche herangegangen. Der Journalist hat im Libanon und in den Vereinigten Arabischen Emiraten für renommierte Medien gearbeitet, hat für seine deutsch-arabische n-tv-Sendung “Marhaba – Ankommen in Deutschland” den Grimme-Preis bekommen, moderiert seit Anfang des Jahres die “Tagesschau”, spricht exzellent arabisch. Schreiber – das ist kein Scharfmacher.

Umso schwerer wiegt sein Resümee:

“Bestenfalls waren die Predigten dichte, religiöse Texte, die die Zuhörer in einer anderen Welt halten, schlimmstenfalls wurde das Leben in Deutschland, Demokratie und unsere Gesellschaft abgelehnt. Ich würde gerne ein positives Beispiel anführen, eine Predigt, die Weltoffenheit ausstrahlt, eine Brücke baut zum Leben in Deutschland. Leider haben meine Moscheebesuche ein solches Beispiel nicht ergeben.”

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St. Galler Lehrplan für neues Fach «Ethik, Religion, Gemeinschaft»

Montag, 20. März 2017

 

Artikel auf suedostschweiz.ch vom 17.03.2017:

Im Kanton St. Gallen bleiben das Fach Ethik, Religion, Gemeinschaft sowie der Religionsunterricht mit dem Lehrplan 21 in der Stundentafel der Volksschule. Die beiden Konfessionen haben zusammen mit Fachleuten einen Lehrplan entwickelt, der die verlangten Kompetenzen konkretisiert.

Alle 20 Jahre komme ein neue Lehrplan – und die kantonalen Besonderheiten gerieten unter Druck, sagte Martin Schmidt, Kirchenratspräsident der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen, an der Medienorientierung vom Donnerstag. Zu den Besonderheiten des Kantons St. Gallen gehört, dass das Fach Ethik, Religion, Gemeinschaft (ERG) als Wahlpflichtfach in die Stundentafel der Volksschule aufgenommen wird. Auch der freiwillige Religionsunterricht ist wie bisher in die Stundenpläne integriert.

Schüler müssen wählen

Die Schülerinnen und Schüler müssen sich künftig – ab der dritten Klasse – entscheiden, ob sie die eine Wochenlektion Ethik, Religion, Gemeinschaft in der Variante Schule oder Kirche absolvieren möchten. Je nach Wahl erhalten sie dann Unterricht von der Lehrkraft der Volksschule oder von einer kirchlichen Lehrperson.

>>Zum Artikel auf suedostschweiz.ch

Freidenker bemängeln Baselbieter Handschlag-Vorlage

Samstag, 4. März 2017

 

Der Kanton Baselland schlägt nach der Händedruck-Debatte, die monatelang für Schlagzeilen sorgte, Anpassungen in der Kantonsverfassung und im Bildungsgesetz vor. Die Freidenkenden Nordwestschweiz haben sich am Vernehmlassungsverfahren beteiligt. Sie sind mit den vorgeschlagenen Änderungen nur teilweise zufrieden. 

Die Freidenkenden Nordwestschweiz begrüssen eine Verdeutlichung des wichtigen laizistischen Grundsatzes „Staatliches Recht vor religiösen Pflichten“ in der Verfassung und halten ihn für das Funktionieren einer zunehmend pluralistischen Gesellschaft sogar als unumgänglich.

Gar nicht zufrieden sind die Freidenkenden aber mit den ihrer Meinung nach juristisch unhaltbaren Formulierungen wie „bürgerliche Pflichten“ oder „hiesige gesellschaftliche Werte und Rituale“. Sie befürchten eine Verpflichtung der Konfessionslosen zur Teilnahme an christlichen Feiern und verlangen deshalb eine Präzisierung und Bezugnahme auf die „gesellschaftlichen Werte einer offenen, freiheitlichen, gleichberechtigten und solidarischen Gesellschaft“.

Im Weiteren soll die Melde-Pflicht nicht bei Lehrpersonen sondern beim Bildungsrat liegen. Vor allem verlangen die Freidenkenden aber bei Integrations-Verweigerung eine verpflichtende Hilfestellung durch die entsprechenden Behörden, was auch mit dem neuen Gesetzesentwurf zu wenig garantiert sei.
Schlussendlich lehnen die Freidenkenden die vorgeschlagene Beschränkung der Massnahmen auf Ausländer ab und verlangen eine Regelung „unabhängig vom Pass“.

Nachfolgend die Stellungnahme im Einzelnen:

Anmerkung:
→ Die vorgeschlagenen Änderungen an Verfassung und Bildungsgesetz sind rot markiert.
→ Kommentare der Freidenkenden Nordwestschweiz stehen eingerückt.

Kantonsverfassung

§ 20 Abs. 2 (neu)
2Weltanschauliche Auffassungen und religiöse Vorschriften entbinden nicht von der Erfüllung bürgerlicher Pflichten.

Grundsätzlich begrüssen die Freidenkenden Nordwestschweiz die Verdeutlichung des wichtigen laizistischen Grundsatzes „Staatliches Recht vor religiösen Pflichten“ und stimmen einer entsprechenden Ergänzung der Verfassung zu. Wir erachten einen solchen Grundsatz als Grundlage des Funktionierens einer zunehmend pluralistischen Gesellschaft sogar als unumgänglich. Wir werden uns für eine solche Verfassung-Änderung engagieren.
Nicht anfreunden können wir uns jedoch mit dem Begriff „bürgerliche Pflichten“ und finden diesen juristisch bedenklich. Dieser Begriff wird vielleicht parteipolitisch verwendet, kommt aber weder in der Verfassung noch im Bildungsgesetz vor. Wir befürchten, dass diese Formulierung zu weiterer Verunsicherung beiträgt.
Die Freidenkenden Nordwestschweiz verlangen eine Umformulierung von „bürgerlicher Pflichten“ in „öffentliche(r) Pflichten und Regeln“. Im Gegensatz zu dem Begriff „bürgerlich“, sind „öffentlich“, „Pflichten“ und „Regeln“ Begriffe der Verfassung und der Gesetze.

Bildungsgesetz
§ 5 Massnahmen zur Integration
1Die Schulleitung ist verpflichtet, wesentliche Probleme im Zusammenhang mit der Integration ausländischer Schülerinnen und Schüler der kantonalen Ausländerbehörde zu melden.

Diesen neuen Gesetzes-Abschnitt lehnen wir doppelt ab:
a die Melde-Pflicht der Schulleitung
b die Beschränkung auf ausländische Schülerinnen und Schüler

Wir schlagen einen anderen Gesetzestext und -abschnitt vor:

„Der Schulrat ist verpflichtet, wesentliche Probleme im Zusammenhang mit der allgemeinen Integration der entsprechenden Stelle des Departementes, resp. für ausländische Schülerinnen und Schüler zusätzlich der kantonalen Ausländerbehörde zu melden. Auch können sich Lehrpersonen an diese Stellen wenden. Diese Stellen unterstützen die Lehrpersonen entsprechend.
Begründung:
1. Die Schulleitungen können als Lehrpersonen auch direkt mit mangelnder Integrationsbereitschaft konfrontiert sein. Es ist deshalb sinnvoll, dass nicht sie, sondern die übergeordnete Stelle, der Schulrat, meldepflichtig ist.
2. Lehrpersonen dürfen weder zu Polizisten gemacht noch sich alleine überlassen werden und müssen bei Problemen auf eine behördliche Unterstützung zählen können. Eine verantwortliche Stelle der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion soll der betroffenen Lehrer-schaft entsprechende Unterstützung gewähren.
3. Nichtintegration aufgrund weltanschaulicher Vorlieben ist nicht abhängig vom Pass. Bei wesentlichen Problemen mit einer Schülerin oder einem Schüler, der Verweigerung von Pflichten und Regeln durch diese, muss der Lehrkörper auch bei Kindern und Jugendlichen mit Schweizerpass agieren können. Ohne diese Änderung sind wir schon morgen mit einem Fall konfrontiert, der mit den vorgeschlagenen Instrumenten nicht angegangen werden kann. Die Freidenkenden plädieren deshalb für eine Lösung, die für alle Schülerinnen und Schüler unabhängig von ihrem Pass gilt.

§ 64 Pflichten

b tragen mit ihrem Verhalten zum Erfolg des Unterrichts sowie der Klassen- und Schulgemeinschaft bei und achten dabei die hiesigen gesellschaftlichen Werte

Wir unterstützen die in den Erläuterungen geforderte Achtung der Grundwerte, Sitten und Gebräuche einer offenen, freiheitlichen Gesellschaft.

Abgelehnt wird aber der Begriff „hiesige gesellschaftliche Werte“. Solche Werte gibt es nicht
und sind damit juristisch nicht praktikabel. Werte einer offenen freiheitlichen Gesellschaft sind auch nicht „hiesig“, sondern universell gültig.

Wir schlagen deshalb anstelle „hiesige gesellschaftliche Werte“ folgendes vor: „ … und ach-ten dabei die gesellschaftlichen Werte einer offenen, freiheitlichen, gleichberechtigten und solidarischen Gesellschaft“.

Nur durch eine Präzisierung der Werte gibt es eine Handlungsrichtlinie für einen Sozialisie-rung- und Integrationsauftrag der Schule wie es der Gesetzesentwurf vorsieht.

§ 64 Pflichten
dhalten die Weisungen der Lehrerinnen und Lehrer sowie der Schulbehörden ein, nehmen an hiesig gängigen Ritualen wie namentlich dem Handschlag, sofern er eingefordert wird, teil und tragen zu Material und Einrichtung Sorge.

Auch hier ist die Erläuterung besser als der Gesetzestext. Der Begriff „nehmen an hiesigen gängigen Ritualen teil“ ist unklar. Sowohl „teilnehmen“ wie auch „Rituale“ sind in diesem Zusammenhang unbrauchbare Begriffe
Vor allem lässt die Formulierung offen, ob sie auch religiöse Rituale von hiesigen Mehrheits-religionen einschliesst. Obwohl die Erläuterungen dies ausschliessen, was wichtig und richtig ist, befürchten die Freidenkenden jedoch, dass mit einem solchen Bezug auf „hiesig gän-gigen Rituale“ auch die Teilnahme der Konfessionslosen an christlichen Feiern er-zwungen werden kann. Immerhin wird im Bildungs-Gesetzes das Bildungswesen „der christlichen Tradition verpflichtet“ und der Handschlag mit „wie“ nur als eines der gängigen Rituale aufgeführt.
Wir schlagen deshalb statt „ … nehmen an hiesig gängigen Ritualen wie namentlich dem Handschlag, sofern er eingefordert wird, teil …” folgende Formulierung vor: „ … respektieren die hier allgemein anerkannten Begrüssungsformen und …“

§ 69 Pflichten (der Erziehungsberechtigten)
dhalten ihre Kinder an, die Regeln und Weisungen der Schule unter Berücksichtigung der hiesigen gesellschaftlichen Werte und Rituale einzuhalten und den Unterricht lückenlos zu besuchen.

Entsprechend unseren Erläuterungen oben ist auch diese Formulierung ungenügend.

Wir schlagen folgenden Text vor: „… unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Werte einer offenen, freiheitlichen, gleichberechtigten und solidarischen Gesellschaft einzuhalten und …“

“Der Einfluss der Kirchen im Schulzimmer eckt an” – St. Galler Sonderlösung zum Lehrplan 21 irritiert

Samstag, 4. März 2017

Artikel auf suedostschweiz.ch vom 03.03.2017:

Das neue Schulfach «Ethik, Religion, Gemeinschaft» wird im Kanton künftig von den Schulen und den Kirchen parallel angeboten – das passt nicht allen. Rapperswil-Jona geht jedoch einen anderen Weg und setzt sich über die kantonalen Vorgaben hinweg.

Der Streit um die Einführung des Unterrichtsfachs «Ethik, Religion, Gemeinschaft» (ERG) treibt bisweilen seltsame Blüten: So soll die Katechetin in einer St. Galler Gemeinde ihren Schülern Schokolade verteilt haben, als sie die Anmeldetalons austeilte – prompt setzte die Mehrheit der beschenkten Kinder das Kreuzchen für den «ERG-Kirche». In einigen St. Galler Gemeinden hat das Buhlen um die Schülergunst begonnen.

St. Galler Sonderlösung irritiert

Der Hintergrund: Für das kommende Schuljahr, wenn der Lehrplan 21 eingeführt wird, müssen sich die Schüler entscheiden, ob sie künftig «ERG-Schule» oder «ERG-Kirche» besuchen möchten. Für das im Lehrplan vorgesehene neue Fach ERG, hat St. Gallen eine schweizweit einzigartige Lösung kreiert: ERG soll nämlich den «Interkonfessionellen Religionsunterricht» (Ikru), der bisher von den Landeskirchen getragen wurde, ersetzen.
Gemäss Lehrplan 21 obläge die Verantwortung für den ERG-Unterricht neu den Schulen. Diesen Einflussverlust wollten die hiesigen Landeskirchen nicht einfach hinnehmen. Ihr Vorschlag, den ERG-Unterricht in zwei Varianten aufzuteilen und die Schüler entscheiden zu lassen, wurde vom St. Galler Regierungsrat wohlwollend aufgenommen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Kirchen den religionskundlichen Unterricht seit Jahren mittragen, finanzieren und Lehrer ausbilden.
Allerdings löste der Entscheid zur Zweiteilung des ERG-Unterrichts teils Irritationen aus. In der Stadt St. Gallen etwa empörten sich einige Eltern, dass ihre evangelisch-reformierten Kinder gezwungen würden, «ERG-Kirche» zu wählen, um zur Konfirmation zugelassen zu werden. SP-Kantonsrat Ruedi Blumer, Schulleiter in Wil, kann nicht viel Verständnis für die St. Galler Sonderlösung aufbringen. Er hat eine entsprechende Interpellation bei der Regierung deponiert. «Es ist pädagogisch unsinnig, Klassen in genau jenem Fach aufzusplitten, in dem ‹Gemeinschaft› vermittelt werden soll», sagt er.

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Camp Quest – 16. bis 22. Juli 2017 – Das humanistisch – wissenschaftliche Jugendlager goes Westschweiz

Montag, 20. Februar 2017

Nun ist es fix: das Camp Quest CH 2017 findet vom 16. bis 22. Juli statt.

Diesmal zieht’s uns Richtung Westschweiz. Auf dem Programm steht unter anderem ein Besuch im CERN. (weiterlesen…)

“Lussuria” (Wollust): Das neue Buch des Enthüllungsjournalisten Emiliano Fittipaldi – Sexueller Missbrauch und die Kultur des Schweigens in der katholischen Kirche

Dienstag, 7. Februar 2017

NZZ-online vom 20.1.2017:

Kindsmissbrauch durch Priester

Franziskus’ Lippenbekenntnisse

von Andrea Spalinger, Rom

Kein Papst hat Pädophilie so wortgewaltig verurteilt wie Franziskus. Doch in der Praxis schützt die katholische Kirche auch unter ihm noch immer die Täter in den eigenen Reihen.
Emiliano Fittipaldi ist nicht der Typ von Journalist, der sich einschüchtern lässt. Die Publikation seines Buches über Korruption und Geldverschwendung in der katholischen Kirche hatte dem 42-jährigen Neapolitaner einen Prozess im Vatikan wegen Veröffentlichung geheimer Dokument beschert. Nach Monaten wurde er im Juli schliesslich freigesprochen. Zu dem Zeitpunkt arbeitete der Enthüllungsjournalist bereits an einem neuen, nicht weniger brisanten Buch über sexuellen Missbrauch durch Geistliche und das Versagen der Kirche, dagegen vorzugehen. Am Donnerstag ist das Buch mit dem Titel «Lussuria» («Wollust») erschienen.

Kultur des Schweigens

Fittipaldis Quellen sind diesmal keine Whistleblower und geheimen Dokumente, sondern öffentlich zugängliche Gerichtsakten, Briefe aus Kirchgemeinden und lokale Medienberichte. Daraus zeichnet der Journalist vor allem ein ziemlich düsteres Bild über die Lage in Italien. In den vergangenen zehn Jahren wurden hier 200 Priester wegen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen angezeigt oder verurteilt. «Die bekanntgewordenen Fälle sind jedoch nur die Spitze des Eisbergs», betont Fittipaldi in einem Gespräch mit der NZZ.

In seinem Buch beschreibt er einzelne Fälle wie jenen eines Priesters aus der Lombardei, der Kinder im Beichtstuhl missbrauchte und 2016 in erster Instanz zu fast fünf Jahren Haft verurteilt wurde. Papst Franziskus und die zuständige Glaubenskongregation verweigerten in dem Fall die Zusammenarbeit mit den Justizbehörden, sie hielten interne Dokumente unter Verschluss. Ein Priester aus Kalabrien wurde 2015 von der Polizei mit einem 17-Jährigen im Auto in einer kompromittierenden Stellung ertappt. Es stellte sich heraus, dass er sich regelmässig mit minderjährigen Prostituierten traf. Wie aus Abhörprotokollen hervorgeht, riet der zuständige Bischof dem Priester, nicht mit den Behörden zu kooperieren. – Während in den USA, in Australien, Irland und Belgien in den letzten Jahrzehnten Skandale aufgedeckt und auch aufgearbeitet wurden, ist sexueller Missbrauch durch Priester in Italien noch weitgehend ein Tabuthema. «In traditionell sehr katholischen Ländern wie Italien, Spanien und einigen südamerikanischen Staaten herrscht bis heute eine Kultur des Schweigens», erklärt Fittipaldi. «Die Opfer und ihre Familien wagen es oft nicht, Fälle zu melden. Oder sie werden nicht ernst genommen.» Lokale Medien berichten zwar über Missbrauchsfälle, und vereinzelt werden Täter rechtskräftig verurteilt. Diese werden dann aber als bedauerliche Einzelfälle hingestellt, und man will nicht wahrhaben, dass ein grundlegendes Problem besteht.

Reine Lippenbekenntnisse

Papst Franziskus hat die «Plage» des Kindsmissbrauchs mit deutlichen Worten verurteilt und eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Pädophilen angekündigt. Er hat unter anderem eine Kommission eingesetzt, die Vorschläge zum Schutz von Kindern ausarbeiten soll, und die Schaffung eines Tribunals versprochen, das Geistliche im Fall von Vertuschung zur Rechenschaft ziehen soll.

«Leider waren dies reine Lippenbekenntnisse», kritisiert Fittipaldi. «In der Praxis hat sich die Lage unter Franziskus kein bisschen verbessert.» Die eingesetzte Spezialkommission habe in vier Jahren ganze dreimal getagt, und das Sondergericht gebe es noch gar nicht. Laut Experten ist eines der Hauptprobleme, dass der Vatikan Priester und Bischöfe nicht dazu verpflichtet, Verdachtsfälle im eigenen Umfeld anzuzeigen. Und so werden pädophile Priester weiter geschützt und hin und her versetzt, anstatt exkommuniziert und gerichtlich verfolgt zu werden. Bischöfe und Kardinäle wiederum, die Missbrauch geschehen lassen oder gar vertuschen, machen Karriere.

Nicht nur in Italien ist das Phänomen noch immer weit verbreitet. Seit dem Amtsantritt von Franziskus 2013 sind bei der Glaubenskongregation 1200 Anzeigen aus der ganzen Welt eingegangen. Was mit diesen geschehen ist, bleibt unklar, weil das Dossier als streng geheim behandelt wird. In den meisten Fällen dürfte rein gar nichts unternommen worden sein.

Franziskus persönlich hat Vertraute mit fragwürdiger Vergangenheit befördert. Drei von neun Mitgliedern seines Kardinalsrates haben eine schmutzige Weste. Das prominenteste Beispiel ist Kardinal George Pell, der Leiter des Wirtschaftssekretariats und dritthöchster Mann im Vatikan. Der Australier hatte als Erzbischof von Sydney systematisch Missbrauch vertuscht und Opfer bestochen, und obwohl er mit 75 Jahren bereits das Pensionsalter erreicht hätte, hält Franziskus an ihm fest.

In einzelnen Fällen hat der Papst zwar durchgegriffen, allerdings immer erst dann, wenn Skandale publik wurden und die Betroffenen nicht mehr tragbar waren. So etwa im Fall des ehemaligen Botschafters in der Dominikanischen Republik, Josef Wesolowski. Der Pole hatte erwiesenermassen jahrelang Kinder missbraucht und pornografisches Material gesammelt. Bevor die Affäre ausser Kontrolle geriet, wurde er festgenommen. Als erstem ranghohem Kirchenvertreter sollte ihm im Vatikan der Prozess gemacht werden. Doch das Verfahren wurde mehrmals verschoben, und Wesolowski starb schliesslich, ohne zur Rechenschaft gezogen worden zu sein.

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“Sternstunde Religion” – SRF vom 5.2.2017: Religiöse Erziehung – Gottvertrauen oder Gift für Kinder?

Montag, 6. Februar 2017

Nada Peratovic, Juristin und Mitglied der Freidenker Vereinigung der Schweiz bei "Sternstunde Religion"

 ”Sternstunde Religion” – SRF Kultur vom 05. Februar 2017: “Gottvertrauen oder Gift für die Kinder”:

Religion hat für viele Menschen einen zweifelhaften Ruf. Religion ist für sie gleichbedeutend mit Zwang, Konflikt und Gewalt. Soll man da seine Kinder noch religiös erziehen? Zwei Mütter und ein Vater erklären, warum sie ihren Kindern religiöse Werte weitergeben.

Der Glaube bedeutet ihnen Heimat und Halt im Alltag. Sie erziehen ihre Kinder religiös: Christine Bachmann christlich, Dilek Ucak-Ekinci muslimisch und Doron Schächter jüdisch. Sie beten mit ihren Kindern und besuchen mit ihnen die Kirche, die Moschee oder die Synagoge. Sie wollen ihnen Werte wie Geduld, Nächstenliebe oder Gottvertrauen weitergeben.

Ist es noch zeitgemäss, Kinder religiös zu erziehen? Sollten Kinder nicht später selber eine Religion wählen? Wo ist die Grenze zwischen religiöser Erziehung und Indoktrination?

Norbert Bischofberger leitet die Debatte.

>>Sendung anschauen auf srf.ch

Deutschland – Religionsunterricht: “Und wie soll man Religion nun lehren?”

Montag, 30. Januar 2017

Artikel auf zeit.de vom 26. Januar 2017:

Den größten Spaß am alten Religionsunterricht, erteilt vom Herrn Pfarrer und streng nach Bekenntnis getrennt, hatten früher die türkischen Gastarbeiterkinder. Die durften nicht teilnehmen. Sie hatten frei und wurden von deutschen Klassenkameraden beneidet, damals in den sechziger, siebziger Jahren. Christliche Theologen berichten heute, dass man selber manchmal auch lieber eine Freistunde gehabt hätte.

Seither hat sich die religionspädagogische Lage verkompliziert. Kruzifix im Klassenzimmer? Kopftuch bei Lehrerinnen? Islamunterricht an staatlichen Schulen? Kaum ist ein heikles Problem geklärt, stellt sich das nächste. Viele deutsche Schulklassen sind multireligiös, und die große Zahl agnostischer oder atheistischer Eltern macht eine Entscheidung, wer wem was über (welchen) Gott beibringen sollte, nicht leichter. Während die Minister noch streiten, beschimpfen Schulkinder einander als Scheißmoslems, Scheißchristen, Scheißjuden. Die Religionskonflikte aus aller Welt strahlen auf europäische Pausenhöfe ab: als Antisemitismus, als Islamophobie, als Dschihadfaszination. Ein besonders trauriges Beispiel für religiöse Indoktrination waren jene französischen Schüler, die sich nach den Anschlägen auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo weigerten, an einer Schweigeminute teilzunehmen. Irgendwer hatte ihnen eingeimpft: Wer den Propheten beleidige, müsse mit Strafe rechnen.

>>Artikel auf zeit.de lesen

Türkei – Charles Darwin fliegt aus türkischen Lehrplänen

Montag, 30. Januar 2017
Professoren und Studenten der Technischen Universität Ankara protestierten im Jahr 2009 gegen die Verbannung der Evolutionstheorie aus Artikeln und der Titelseite eines wissenschaftlichen Journals des türkischen Foorschungsrates anlässlich Darwins 200. Geburtstag. Auf der Tribüne des Universitätsstadions, auf dem das Wort “Devrim” (Revolution) steht, versammelten sie sich auf dem Anfangsbuchstaben, wodurch nur noch “Evrim” (Evolution) zu lesen war.

Türkischer Regierungssprecher nennt Evolutionstheorie “verfault” -

Artikel auf derstandard.at vom 24. und 29. Januar 2017:

“Säkularismus”, “Wiedergeburt” und “Atheismus” sollen in Religionsbüchern als “problematische Überzeugungen” und als “Krankheiten” eingestuft werden.

Die Evolutionstheorie von Charles Darwin muss aus den gymnasialen Lehrplänen gestrichen werden.

Der Gründer der laizistischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk, soll immer mehr aus den Unterrichtsinhalten verschwinden.

Diese Neuerungen in den türkischen Lehrplänen kündigte nun Bildungsminister Ismet Yilmaz an. Zwar handelt es sich noch um Vorschläge, doch geht es nach dem Willen des Bildungsministeriums, soll das Maßnahmenpaket bereits ab Februar in Kraft treten.

 

>>Charles Darwin fliegt aus türkischen Lehrplänen – derstandard.at vom 24.01.2017

>>Türkischer Regierungssprecher nennt Evolutionstheorie “verfault” – derstandard.at vom 29.01.2017