Archiv für die Kategorie „Kinder und Jugendliche“

Kinderbuch: Gedanken unter dem Sternenhimmel

Mittwoch, 15. November 2017

Der Nachthimmel steckt voller Geheimnisse! Das stellt auch Mira fest, als sie mit ihrem Papa die Sterne beobachtet. Dabei geraten sie ganz schön ins Philosophieren! Sie sprechen über das Wunder des Universums, über Gott, über das gute Leben, über den Tod und über den freien Willen.
Drei Gutenachtgeschichten, die zum Nachdenken anregen: Der Zauberer / Die Rakete / Der Walfisch.

Das Buch richtet sich in erster Linie an Eltern, die mit ihren Kindern über grosse Fragen nachdenken möchten, ohne auf religiöse Erklärungen zurückzugreifen: philosophisch, humanistisch, agnostisch.

Gedanken unter dem Sternenhimmel
Eigenverlag Raphael Weiss, 2017, raphaelweiss.ch
ISBN 978-3-033-06405-8
Preis inkl. Versand in der CH: 15 Franken
Den Erlös spendet der Autor an den
Bildungsfonds der FVS. Vielen Dank!

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Luxemburg: Religionsunterricht wird abgeschafft

Freitag, 14. Juli 2017

deutschlandfunk, 12. Juli 2017

In Luxemburg wird das Fach Religion jetzt auch an den Grundschulen abgeschafft.
Stattdessen sollen die Schüler einen neutralen Werteunterricht erhalten. Das hat das Parlament beschlossen. Ein Abgeordneter der Regierungspartei DP sagte, Schüler sollten nicht getrennt werden, wenn es um die großen Lebensfragen geht.

An den weiterführenden Schulen Luxemburgs ist der Religionsunterricht bereits seit letztem Sommer abgeschafft. Stattdessen gibt es nun das Fach “Leben und Gesellschaft”. Die Religionslehrer werden in dem Land aber nicht arbeitslos: Sie konnten sich in den vergangenen Monaten für die neuen Fächer weiterbilden.

Die luxemburgische Regierung fährt schon länger einen Kurs der stärkeren Trennung von Kirche und Staat. Glaubensgemeinschaften bekommen weniger Geld vom Staat, Kirchen müssen ihre Priester selbst bezahlen.

Weitere Pressereaktionen:

Humanistischer Pressedienst Deutschland (hpd)

Südwestdeutscher Rundfunk (SWR3)

“Betroffene begrüssen Aufklärung” – Erfolgreicher Start der Online-Plattform gegen Mädchenbeschneidung

Freitag, 14. Juli 2017

Luzern, 10.7.17 (kath.ch)

Die Mitte Mai online gestellte Plattform gegen Mädchenbeschneidung erreicht erwiesenermassen auch Betroffene. Das sagt Nadia Bisang, Projektverantwortliche Fachstelle zur Prävention von Mädchenbeschneidung bei Caritas Schweiz.
«Die Betroffenen reagieren vor allem auf die Videos», erklärt Bisang gegenüber kath.ch. Die auf mädchenbeschneidung.ch publizierten Videos, die über Mädchenschneidung aufklären, sind über Facebook beworben worden.Dort hätten sich Betroffene denn auch gemeldet und die Kampagne als positiv und wichtig bezeichnet. «Mit den Videos wollten wir insbesondere auch Menschen erreichen, die weder lesen noch schreiben können», sagt Bisang.

Eingriff kann tödlich sein

In einem der Videos auf der Plattform erklären zwei Männer und eine Frau auf Tigirinja, einer in Eritrea verbreiteten Sprache, welche negativen Folgen die Genitalvestümmelungen bei Frauen hat und dass sie sich beim katholischen Hilfswerk Caritas Beratung und Hilfe holen können. Dem Argument, die Beschneidung aus Tradition vorzunehmen, wird entgegnet, dass schlechte Traditionen fallen gelassen werden sollten. Keine Religion schreibe Beschneidung von Frauen und Mädchen vor, heisst es im Video weiter.

In einem zweiten Video erklärt eine Ärztin einer Patientin anhand eines Modells, was Beschneidung ist. Sogar das Urinlassen könne wegen dem Eingriff verunmöglicht werden, was sogar zum Tode führen könne, sagt die Ärztin.

Die Plattform gegen Mädchenbeschneidung war Mitte Mai vom Netzwerk gegen Mädchenbeschneidung Schweiz lanciert worden. Dahinter stehen Caritas Schweiz, Terre des femmes Schweiz, Sexuelle Gesundheit Schweiz und das Schweizerische Kompetenzzentrum für Menschenrechte. Die Online-Plattform wurde im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) und des Staatssekretariats für Migration (SEM) realisiert. (rp)

Netzwerk gegen Mädchenbeschneidung Schweiz

Montag, 19. Juni 2017

Auf der Web-Plattform Mädchenbeschneidung.ch finden Betroffene und Fachpersonen Informationen und Hilfe zum Thema Mädchenbeschneidung:

In der Schweiz leben viele Menschen, die aus Ländern mit hohen Beschneidungsraten stammen. Gemäss Schätzungen geht man von rund 14’700 betroffenen oder gefährdeten Mädchen und Frauen aus.
Die weibliche Genitalbeschneidung (Female Genital Mutilation/ Cutting, FGM/C) wird in afrikanischen Ländern, im Nahen Osten und in Asien praktiziert. Da in der Schweiz viele Menschen leben, die aus Ländern mit hohen Beschneidungsraten stammen, sind auch Fachpersonen hierzulande mit der Thematik konfrontiert. In der Schweiz ist die weibliche Genitalbeschneidung verboten.

Anzahl der Betroffenen

Gemäss Schätzungen aus dem Jahr 2013 geht man in der Schweiz von ungefähr 14’700 betroffenen oder gefährdeten Mädchen und Frauen aus. Dies ist eine Hochrechnung. Sie wurde anhand der Statistik der jeweiligen ausländischen Wohnbevölkerung erstellt und in Bezug gesetzt zu den Vorkommensraten in den Ursprungsländern.1 Genauere Aussagen zur Prävalenz können zurzeit nicht gemacht werden, da in der Schweiz kein Monitoringsystem existiert, welches relevante Daten gesamtschweizerisch erheben würde.

Wer ist betroffen?

In der Schweiz sind insbesondere (aber nicht nur) Menschen aus Eritrea, Somalia, Äthiopien, Sudan und aus Ägypten betroffen.1 Die Beschneidungsraten in diesen Ländern sind hoch: So sind dort zwischen 74% (Äthiopien) und 98% (Somalia) aller Mädchen und Frauen beschnitten. Migrantinnen aus diesen Ländern haben in der Schweiz oft mit vielfältigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Ein ungewisser Aufenthaltsstatus, Diskriminierung auf verschiedenen Ebenen und eine prekäre finanzielle Situation erschweren die Integration. Zudem erlitten oder erleiden etliche Frauen (sexualisierte) Gewalt – sei das im Herkunftsland, auf der Flucht oder im Aufnahmeland. Deswegen ist FGM/C – wenn es denn von den Betroffenen überhaupt als Problem wahrgenommen wird – nur eines von Vielen.

Und die Fachpersonen?

Fachpersonen aus unterschiedlichsten Berufsfeldern kommen mit betroffenen oder gefährdeten Mädchen und Frauen in Kontakt. Laut einer Studie von UNICEF Schweiz gaben 40% der befragten Fachleute aus dem medizinischen bzw. 42% aus dem Asyl- und 27% der befragten Fachpersonen aus dem Sozialbereich an, mit beschnittenen Mädchen und Frauen konfrontiert zu sein. Dabei haben Gynäkologen und Gynäkologinnen (79%) sowie Hebammen (66%) am häufigsten Kontakt mit Betroffenen. Dies ist nicht erstaunlich, zumal die weibliche Genitalbeschneidung häufig erst im Rahmen einer Schwangerschaft oder Geburt festgestellt wird. Der Umgang mit dem Thema FGM/C ist für viele Fachpersonen nach wie vor eine grosse Herausforderung, der Informationsbedarf gross.2 Umso wichtiger ist die Einbindung des Themas FGM/C in Aus- und Weiterbildungen. Im Weiteren ist es wichtig, das Thema zu institutionalisieren, d.h. Vorgehen und Abläufe betr. FGM/C innerhalb einer Institution/Betrieb müssen definiert werden.3 Wann immer möglich sollte das Thema in bestehende Strukturen eingebunden werden.

MultiplikatorInnen

Multiplikatorinnen und Multiplikatoren vermitteln zwischen den betroffenen Gemeinschaften, Beratungsstellen und Fachpersonen. Sie sind für die Prävention sehr wichtig, indem sie die betroffenen Gemeinschaften (Communities) dazu anregen, das tabuisierte Thema der weiblichen Genitalbeschneidung (Female Genital Mutilation/Cutting, FGM/C) zu diskutieren und diese Tradition und Praxis kritisch zu hinterfragen.

Engagement von Bund und Kantonen

Die Motion von Maria Roth Bernasconi zu weiblicher Genitalverstümmelung war der Auslöser für ein Engagement von Seiten des Bundes. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) engagiert sich im Rahmen des Nationalen Programms Migration und Gesundheit seit 2003 mit der Finanzierung von Sensibilisierungs- und Präventionsmassnahmen gegen FGM/C. Seit 2010 beteiligt sich auch das Staatssekretariat für Migration (SEM) an diesen Aktivitäten. 2015 hat der Bundesrat beschlossen im Zeitraum von 2016 bis 2019 ein Netzwerk gegen weibliche Genitalverstümmelung zu unterstützen. Die Aktivitäten auf kantonaler Ebene sind sehr heterogen: Die vier Kantone Genf, Neuenburg, Waadt und Freiburg setzen bzw. setzten kantonale Strategien oder Kampagnen um.

“Der Zorn Gottes” – Wie christliche Sekten Kinder misshandeln

Sonntag, 16. April 2017

Artikel auf huffingtonpost.de:

Ein Kind will nicht beten. Und kassiert von seinen Eltern dafür Schläge.
Ein Kind bittet um ein Eis. Und bekommt von seinen Eltern eine gescheuert.
Ein Kind hört von seinen Eltern, dass die Welt untergehen wird. Und nässt in der Nacht aus lauter Angst ein.
Das deutsche Recht nennt so etwas Kindesmisshandlung. Einige fundamentalistische Christen nennen so etwas Gottes Wille.

Besorgnis nimmt zu

Und diese radikalen Christen gibt es auch in Deutschland. Sekten-Experten berichten der Huffington Post, dass sie vermehrt Anfragen besorgter Menschen erhalten, die wissen wollen, wie gefährlich neue christliche Gemeinschaften sind. Bei der Sekten-Info in Nordrhein-Westfalen etwa waren 2016 fundamentalistische Christen das Top-Thema, das die Anrufer beschäftigte.
Und immer wieder rufen auch Menschen an, die Hinweise darauf haben, dass radikale Christen ihren Kindern etwas antun. In ihrem neuen Jahresbericht warnt die Sekten-Info ausdrücklich vor der Gefahr.
Am bekanntesten ist wohl der Fall der “Zwölf Stämme”. Die Sekte lebte in Schwaben und Mittelfranken, verweigerte ihren Kindern über Jahre den Schulbesuch. Und ließ dafür die hauseigene Lehrerin prügeln, wenn ein Kind stotterte, etwas falsch vorlas. Bis zu 33 Schläge mit der Rute am Tag erhielten die Kinder.

Je religiöser die Eltern, desto massiver prügeln sie

Die Lehrerin der “Zwölf Stämme” sitzt inzwischen für zwei Jahre hinter Gittern. Ende vergangenen Jahres wurde das Urteil rechtskräftig. Die Behörden haben 2013 40 Kinder in Obhut genommen.
Aber die “Zwölf Stämme” sind nicht die einzigen, die mit der Prügelstrafe für Kinder auffallen.
Sabine Riede, Pädagogin der Sekten-Info Nordrhein-Westfalen, sagt der Huffington Post: “Wir erfahren, dass Kinder in christlich-fundamentalistischen Kirchen häufiger geschlagen werden.”
Das deckt sich auch mit den Erkenntnissen, die der Kriminologe Christian Pfeiffer in Befragungen von Schülern gewonnen hat: Je religiöser die Eltern, desto massiver prügeln sie.
So finden sich in diversen deutschsprachigen evangelikalen Erziehungsratgebern Anweisungen zum Schlagen. Die Schweizer Fachstelle für Sektenfragen, Info Sekta, hat dazu erschütternde Beispiele zusammengetragen. “Kindererziehung nach Gottes Plan” von Gary und Anne Marie Ezzo zum Beispiel werde von vielen Gemeinschaften genutzt und sei eine “systematische Anleitung zu körperlicher und psychischer Misshandlung von Kindern”.

Details zeigen, wie perfide die Anweisungen sind, etwa zur Wahl der richtigen Rute: “Dagegen schmerzen die Schläge eines leicht biegsamen Gegenstandes, ohne dabei Knochen oder Muskeln zu schädigen [...] Verspürt das Kind keinen Schmerz, ist das Instrument wahrscheinlich zu leicht oder zu weich. Bleiben Verletzungen zurück, war der Gegenstand zu hart oder er wurde unsachgemäß verwendet.”

Bis das Kind aufgegeben hat

Der radikal-christliche Autor Michael Pearl schreibt in “Wie man einen Knaben gewöhnt”: “Wenn Sie sich auf ein Kind setzen müssen, um es zu versohlen, dann zögern Sie nicht. Und halten Sie es solange in dieser Stellung, bis es aufgegeben hat.”
Die Sektenbeauftragte Riede verweist außerdem auf Fälle von Misshandlung durch die Organische Christus Generation (OCG), die ihr begegnet sind. “Ihr Gründer Ivo Sasek hat sein eigenes Erziehungskonzept entwickelt”, sagt Riede. “Erziehen mit Vision” heißt das Buch. Darin rate er, die Kinder auch mit der Rute zu züchtigen.
Alles zum Wohl der Kinder natürlich. “Er will alle Kinder vor dem Höllengericht bewahren”, sagt Riede.
Die Pädagogin hält es für “doppelt schlimm”, wenn Schläge mit dem Glauben begründet werden. “Denn die Eltern reden sich damit heraus, dass sie ja gar nicht schlagen wollten, sondern müssten, um die bösen Kinder vor der Hölle zu bewahren. Damit findet eine Täter-Opfer-Umkehr statt. Das Kind hat keine Chance, sich dagegen aufzulehnen.”

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“Inside Islam” – Der deutsche Journalist Constantin Schreiber über die niederschmetternde Situation in deutschen Moscheen

Freitag, 31. März 2017

Artikel auf huffingtsonpost.com vom 30.03.2017:

Es begann mit einem Zufall. Es wurde ein Einblick in eine Welt, die Deutschland prägt, die aber kaum ein Deutscher kennt. Und vielleicht endet es damit, dass sich etwas ändert in Deutschland, bevor noch mehr Schaden angerichtet wird:

Es ist Freitag, der 29. April 2016, als der Fernsehjournalist Constantin Schreiber in der Wilmersdorfer Moschee in Berlin ein paar nette Bemerkungen über den interreligiösen Dialog einfangen will.

Während er der “eher belanglosen Predigt” lauscht, blättert er in den Büchern, die ausliegen. Darunter: “Verheißung Islam”. Ein Buch des französischen Holocaust-Leugners Roger Garaudy. Darin steht unter anderem, dass Islam Demokratie ausschließe, dass die Idee einer Nation eine “westliche Krankheit” sei. Ein Moscheebesucher nennt sich selbst einen “Islamisten”.

Was Schreiber da zufällig entdeckt, hört, erschreckt ihn. Er will mehr über das wissen, was in den muslimischen Gebetshäusern gepredigt und gelebt wird.

Ein niederschmetterndes Fazit

Er beginnt eine achtmonatige Recherche, besucht 13 willkürlich ausgewählte arabische und türkische Moscheen in Berlin, Hamburg und Karlsruhe. Hört sich 13 Freitagspredigten an, die eine ähnliche Funktion erfüllen wie die Sonntagspredigten der christlichen Kirche. Er bespricht jede einzelne mit Islamwissenschaftlern und mit dem predigenden Imam – falls dieser nicht mauert. Er fragt deutsche Behörden nach Fakten.

Das Ergebnis dieser Recherchen ist das Buch “Inside Islam”. Und es ist niederschmetternd.

Schreiber, das darf man unterstellen, ist offen an die Recherche herangegangen. Der Journalist hat im Libanon und in den Vereinigten Arabischen Emiraten für renommierte Medien gearbeitet, hat für seine deutsch-arabische n-tv-Sendung “Marhaba – Ankommen in Deutschland” den Grimme-Preis bekommen, moderiert seit Anfang des Jahres die “Tagesschau”, spricht exzellent arabisch. Schreiber – das ist kein Scharfmacher.

Umso schwerer wiegt sein Resümee:

“Bestenfalls waren die Predigten dichte, religiöse Texte, die die Zuhörer in einer anderen Welt halten, schlimmstenfalls wurde das Leben in Deutschland, Demokratie und unsere Gesellschaft abgelehnt. Ich würde gerne ein positives Beispiel anführen, eine Predigt, die Weltoffenheit ausstrahlt, eine Brücke baut zum Leben in Deutschland. Leider haben meine Moscheebesuche ein solches Beispiel nicht ergeben.”

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St. Galler Lehrplan für neues Fach «Ethik, Religion, Gemeinschaft»

Montag, 20. März 2017

 

Artikel auf suedostschweiz.ch vom 17.03.2017:

Im Kanton St. Gallen bleiben das Fach Ethik, Religion, Gemeinschaft sowie der Religionsunterricht mit dem Lehrplan 21 in der Stundentafel der Volksschule. Die beiden Konfessionen haben zusammen mit Fachleuten einen Lehrplan entwickelt, der die verlangten Kompetenzen konkretisiert.

Alle 20 Jahre komme ein neue Lehrplan – und die kantonalen Besonderheiten gerieten unter Druck, sagte Martin Schmidt, Kirchenratspräsident der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen, an der Medienorientierung vom Donnerstag. Zu den Besonderheiten des Kantons St. Gallen gehört, dass das Fach Ethik, Religion, Gemeinschaft (ERG) als Wahlpflichtfach in die Stundentafel der Volksschule aufgenommen wird. Auch der freiwillige Religionsunterricht ist wie bisher in die Stundenpläne integriert.

Schüler müssen wählen

Die Schülerinnen und Schüler müssen sich künftig – ab der dritten Klasse – entscheiden, ob sie die eine Wochenlektion Ethik, Religion, Gemeinschaft in der Variante Schule oder Kirche absolvieren möchten. Je nach Wahl erhalten sie dann Unterricht von der Lehrkraft der Volksschule oder von einer kirchlichen Lehrperson.

>>Zum Artikel auf suedostschweiz.ch

Freidenker bemängeln Baselbieter Handschlag-Vorlage

Samstag, 4. März 2017

 

Der Kanton Baselland schlägt nach der Händedruck-Debatte, die monatelang für Schlagzeilen sorgte, Anpassungen in der Kantonsverfassung und im Bildungsgesetz vor. Die Freidenkenden Nordwestschweiz haben sich am Vernehmlassungsverfahren beteiligt. Sie sind mit den vorgeschlagenen Änderungen nur teilweise zufrieden. 

Die Freidenkenden Nordwestschweiz begrüssen eine Verdeutlichung des wichtigen laizistischen Grundsatzes „Staatliches Recht vor religiösen Pflichten“ in der Verfassung und halten ihn für das Funktionieren einer zunehmend pluralistischen Gesellschaft sogar als unumgänglich.

Gar nicht zufrieden sind die Freidenkenden aber mit den ihrer Meinung nach juristisch unhaltbaren Formulierungen wie „bürgerliche Pflichten“ oder „hiesige gesellschaftliche Werte und Rituale“. Sie befürchten eine Verpflichtung der Konfessionslosen zur Teilnahme an christlichen Feiern und verlangen deshalb eine Präzisierung und Bezugnahme auf die „gesellschaftlichen Werte einer offenen, freiheitlichen, gleichberechtigten und solidarischen Gesellschaft“.

Im Weiteren soll die Melde-Pflicht nicht bei Lehrpersonen sondern beim Bildungsrat liegen. Vor allem verlangen die Freidenkenden aber bei Integrations-Verweigerung eine verpflichtende Hilfestellung durch die entsprechenden Behörden, was auch mit dem neuen Gesetzesentwurf zu wenig garantiert sei.
Schlussendlich lehnen die Freidenkenden die vorgeschlagene Beschränkung der Massnahmen auf Ausländer ab und verlangen eine Regelung „unabhängig vom Pass“.

Nachfolgend die Stellungnahme im Einzelnen:

Anmerkung:
→ Die vorgeschlagenen Änderungen an Verfassung und Bildungsgesetz sind rot markiert.
→ Kommentare der Freidenkenden Nordwestschweiz stehen eingerückt.

Kantonsverfassung

§ 20 Abs. 2 (neu)
2Weltanschauliche Auffassungen und religiöse Vorschriften entbinden nicht von der Erfüllung bürgerlicher Pflichten.

Grundsätzlich begrüssen die Freidenkenden Nordwestschweiz die Verdeutlichung des wichtigen laizistischen Grundsatzes „Staatliches Recht vor religiösen Pflichten“ und stimmen einer entsprechenden Ergänzung der Verfassung zu. Wir erachten einen solchen Grundsatz als Grundlage des Funktionierens einer zunehmend pluralistischen Gesellschaft sogar als unumgänglich. Wir werden uns für eine solche Verfassung-Änderung engagieren.
Nicht anfreunden können wir uns jedoch mit dem Begriff „bürgerliche Pflichten“ und finden diesen juristisch bedenklich. Dieser Begriff wird vielleicht parteipolitisch verwendet, kommt aber weder in der Verfassung noch im Bildungsgesetz vor. Wir befürchten, dass diese Formulierung zu weiterer Verunsicherung beiträgt.
Die Freidenkenden Nordwestschweiz verlangen eine Umformulierung von „bürgerlicher Pflichten“ in „öffentliche(r) Pflichten und Regeln“. Im Gegensatz zu dem Begriff „bürgerlich“, sind „öffentlich“, „Pflichten“ und „Regeln“ Begriffe der Verfassung und der Gesetze.

Bildungsgesetz
§ 5 Massnahmen zur Integration
1Die Schulleitung ist verpflichtet, wesentliche Probleme im Zusammenhang mit der Integration ausländischer Schülerinnen und Schüler der kantonalen Ausländerbehörde zu melden.

Diesen neuen Gesetzes-Abschnitt lehnen wir doppelt ab:
a die Melde-Pflicht der Schulleitung
b die Beschränkung auf ausländische Schülerinnen und Schüler

Wir schlagen einen anderen Gesetzestext und -abschnitt vor:

„Der Schulrat ist verpflichtet, wesentliche Probleme im Zusammenhang mit der allgemeinen Integration der entsprechenden Stelle des Departementes, resp. für ausländische Schülerinnen und Schüler zusätzlich der kantonalen Ausländerbehörde zu melden. Auch können sich Lehrpersonen an diese Stellen wenden. Diese Stellen unterstützen die Lehrpersonen entsprechend.
Begründung:
1. Die Schulleitungen können als Lehrpersonen auch direkt mit mangelnder Integrationsbereitschaft konfrontiert sein. Es ist deshalb sinnvoll, dass nicht sie, sondern die übergeordnete Stelle, der Schulrat, meldepflichtig ist.
2. Lehrpersonen dürfen weder zu Polizisten gemacht noch sich alleine überlassen werden und müssen bei Problemen auf eine behördliche Unterstützung zählen können. Eine verantwortliche Stelle der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion soll der betroffenen Lehrer-schaft entsprechende Unterstützung gewähren.
3. Nichtintegration aufgrund weltanschaulicher Vorlieben ist nicht abhängig vom Pass. Bei wesentlichen Problemen mit einer Schülerin oder einem Schüler, der Verweigerung von Pflichten und Regeln durch diese, muss der Lehrkörper auch bei Kindern und Jugendlichen mit Schweizerpass agieren können. Ohne diese Änderung sind wir schon morgen mit einem Fall konfrontiert, der mit den vorgeschlagenen Instrumenten nicht angegangen werden kann. Die Freidenkenden plädieren deshalb für eine Lösung, die für alle Schülerinnen und Schüler unabhängig von ihrem Pass gilt.

§ 64 Pflichten

b tragen mit ihrem Verhalten zum Erfolg des Unterrichts sowie der Klassen- und Schulgemeinschaft bei und achten dabei die hiesigen gesellschaftlichen Werte

Wir unterstützen die in den Erläuterungen geforderte Achtung der Grundwerte, Sitten und Gebräuche einer offenen, freiheitlichen Gesellschaft.

Abgelehnt wird aber der Begriff „hiesige gesellschaftliche Werte“. Solche Werte gibt es nicht
und sind damit juristisch nicht praktikabel. Werte einer offenen freiheitlichen Gesellschaft sind auch nicht „hiesig“, sondern universell gültig.

Wir schlagen deshalb anstelle „hiesige gesellschaftliche Werte“ folgendes vor: „ … und ach-ten dabei die gesellschaftlichen Werte einer offenen, freiheitlichen, gleichberechtigten und solidarischen Gesellschaft“.

Nur durch eine Präzisierung der Werte gibt es eine Handlungsrichtlinie für einen Sozialisie-rung- und Integrationsauftrag der Schule wie es der Gesetzesentwurf vorsieht.

§ 64 Pflichten
dhalten die Weisungen der Lehrerinnen und Lehrer sowie der Schulbehörden ein, nehmen an hiesig gängigen Ritualen wie namentlich dem Handschlag, sofern er eingefordert wird, teil und tragen zu Material und Einrichtung Sorge.

Auch hier ist die Erläuterung besser als der Gesetzestext. Der Begriff „nehmen an hiesigen gängigen Ritualen teil“ ist unklar. Sowohl „teilnehmen“ wie auch „Rituale“ sind in diesem Zusammenhang unbrauchbare Begriffe
Vor allem lässt die Formulierung offen, ob sie auch religiöse Rituale von hiesigen Mehrheits-religionen einschliesst. Obwohl die Erläuterungen dies ausschliessen, was wichtig und richtig ist, befürchten die Freidenkenden jedoch, dass mit einem solchen Bezug auf „hiesig gän-gigen Rituale“ auch die Teilnahme der Konfessionslosen an christlichen Feiern er-zwungen werden kann. Immerhin wird im Bildungs-Gesetzes das Bildungswesen „der christlichen Tradition verpflichtet“ und der Handschlag mit „wie“ nur als eines der gängigen Rituale aufgeführt.
Wir schlagen deshalb statt „ … nehmen an hiesig gängigen Ritualen wie namentlich dem Handschlag, sofern er eingefordert wird, teil …” folgende Formulierung vor: „ … respektieren die hier allgemein anerkannten Begrüssungsformen und …“

§ 69 Pflichten (der Erziehungsberechtigten)
dhalten ihre Kinder an, die Regeln und Weisungen der Schule unter Berücksichtigung der hiesigen gesellschaftlichen Werte und Rituale einzuhalten und den Unterricht lückenlos zu besuchen.

Entsprechend unseren Erläuterungen oben ist auch diese Formulierung ungenügend.

Wir schlagen folgenden Text vor: „… unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Werte einer offenen, freiheitlichen, gleichberechtigten und solidarischen Gesellschaft einzuhalten und …“

“Der Einfluss der Kirchen im Schulzimmer eckt an” – St. Galler Sonderlösung zum Lehrplan 21 irritiert

Samstag, 4. März 2017

Artikel auf suedostschweiz.ch vom 03.03.2017:

Das neue Schulfach «Ethik, Religion, Gemeinschaft» wird im Kanton künftig von den Schulen und den Kirchen parallel angeboten – das passt nicht allen. Rapperswil-Jona geht jedoch einen anderen Weg und setzt sich über die kantonalen Vorgaben hinweg.

Der Streit um die Einführung des Unterrichtsfachs «Ethik, Religion, Gemeinschaft» (ERG) treibt bisweilen seltsame Blüten: So soll die Katechetin in einer St. Galler Gemeinde ihren Schülern Schokolade verteilt haben, als sie die Anmeldetalons austeilte – prompt setzte die Mehrheit der beschenkten Kinder das Kreuzchen für den «ERG-Kirche». In einigen St. Galler Gemeinden hat das Buhlen um die Schülergunst begonnen.

St. Galler Sonderlösung irritiert

Der Hintergrund: Für das kommende Schuljahr, wenn der Lehrplan 21 eingeführt wird, müssen sich die Schüler entscheiden, ob sie künftig «ERG-Schule» oder «ERG-Kirche» besuchen möchten. Für das im Lehrplan vorgesehene neue Fach ERG, hat St. Gallen eine schweizweit einzigartige Lösung kreiert: ERG soll nämlich den «Interkonfessionellen Religionsunterricht» (Ikru), der bisher von den Landeskirchen getragen wurde, ersetzen.
Gemäss Lehrplan 21 obläge die Verantwortung für den ERG-Unterricht neu den Schulen. Diesen Einflussverlust wollten die hiesigen Landeskirchen nicht einfach hinnehmen. Ihr Vorschlag, den ERG-Unterricht in zwei Varianten aufzuteilen und die Schüler entscheiden zu lassen, wurde vom St. Galler Regierungsrat wohlwollend aufgenommen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Kirchen den religionskundlichen Unterricht seit Jahren mittragen, finanzieren und Lehrer ausbilden.
Allerdings löste der Entscheid zur Zweiteilung des ERG-Unterrichts teils Irritationen aus. In der Stadt St. Gallen etwa empörten sich einige Eltern, dass ihre evangelisch-reformierten Kinder gezwungen würden, «ERG-Kirche» zu wählen, um zur Konfirmation zugelassen zu werden. SP-Kantonsrat Ruedi Blumer, Schulleiter in Wil, kann nicht viel Verständnis für die St. Galler Sonderlösung aufbringen. Er hat eine entsprechende Interpellation bei der Regierung deponiert. «Es ist pädagogisch unsinnig, Klassen in genau jenem Fach aufzusplitten, in dem ‹Gemeinschaft› vermittelt werden soll», sagt er.

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Camp Quest – 16. bis 22. Juli 2017 – Das humanistisch – wissenschaftliche Jugendlager goes Westschweiz

Montag, 20. Februar 2017

Nun ist es fix: das Camp Quest CH 2017 findet vom 16. bis 22. Juli statt.

Diesmal zieht’s uns Richtung Westschweiz. Auf dem Programm steht unter anderem ein Besuch im CERN. (weiterlesen…)