Archiv für die Kategorie „Integration“

Kriminologie: Religion behindert Integration

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Christian Pfeiffer hat in den Jahren 2007 und 2008 rund 45.000 deutsche Jugendliche danach gefragt, wie oft sie Gotteshäuser besuchen, wie oft sie beten und welche Rolle Religion bei ihnen in Alltag und Erziehung spielt. Die Ergebnisse: Junge Migranten ohne Konfessionszugehörigkeit sind in jeder Hinsicht am besten integriert, zum Beispiel schaffen 41 Prozent von ihnen das Abitur, zu 63 Prozent haben sie deutsche Freunde, 66 Prozent fühlen sich als Deutsche. Offenbar bewirkt bereits die schlichte Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft, dass die Betroffenen viel stärker in den Netzwerken der eigenen Ethnie verkehren und sich insgesamt weniger für die deutsche Umgebung öffnen. Das gilt allerdings nicht unbedingt für Migranten mit christlichem Hintergrund, da sie in den Kirchen meist auf Deutsche treffen.

Außerdem hat Christian Pfeiffer herausgefunden: Je stärker Jugendliche in ihrem Glauben verankert sind, umso seltener begehen sie Ladendiebstähle oder haben Alkoholprobleme. Bei jungen männlichen Muslimen führte die zunehmende Bindung an die Religion allerdings zu mehr Gewalt. Während bei christlichen Jugendlichen Machokultur, die Zahl gewalttätiger Freunde und die Nutzung gewalthaltiger Medien mit steigender Religiosität abnahm, zeigte sich bei männlichen Muslimen genau das Gegenteil.

Ganzer Artikel: http://www.fr-online.de/rhein-main/offenbach/religion-behindert-integration/-/1472856/4715264/-/index.html

Kinder und Jugendliche in Deutschland: Gewalterfahrungen, Integration, Medienkonsum 2010

Necla Kelek: Sarrazins Thesen diskutieren statt diffamieren

Dienstag, 31. August 2010

Die Thesen von Thilo Sarrazin zu Bildung und Zuwanderung sollte man diskutieren, nicht den Autor verteufeln. Aber die politische Klasse, der seine Kritik gilt, verweigert sich der Debatte, argumentiert die Soziologin Necla Kelek.

Für eine inhaltliche anstelle einer moralischen Diskussion der Thesen Sarrazins:

FAZ 30. August 2010

Wenn ein Ökonom, Finanzexperte und erfahrener Politiker wie Thilo Sarrazin sich um Deutschlands Zukunft Gedanken macht, kann man erwarten, dass er mit dem Blick des Controllers Zusammenhänge analysiert, eine qualitative wie quantitative Bewertung von Zahlen und Zusammenhängen vornimmt und als Politiker Vorschläge macht, wie die Probleme gelöst werden könnten. Diese Erwartung wird in seinem Buch nicht enttäuscht. Er führt auf 460 Seiten Daten und Fakten zusammen, die alle für sich mehr oder weniger bekannt sind, aber in ihrer Gesamtschau und Bewertung doch überraschende Zusammenhänge und Folgerungen ergeben.

Ganzer Artikel: http://www.faz.net/s/Rub9B4326FE2669456BAC0CF17E0C7E9105/Doc~E0A47A9BA62F54940957049B1C02B0EDA~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Kt. SH: Richtlinien zu Schule und Religion

Dienstag, 20. April 2010

Im Jahr 2006 beantragte ein in der Stadt Schaffhausen wohnhafter Tunesier, seine elf- und neunjährigen Söhne seien vom Schwimmunterricht zu dispensieren, da ihr muslimischer Glaube ihnen den Anblick von leichtbekleideten Mädchen verbiete. Nachdem der Stadtschulrat diesen Antrag abgelehnt hatte, zog der Mann die Sache bis ans Bundesgericht weiter. Dieses entschied im Oktober 2008, die Knaben hätten am Schwimmunterricht teilzunehmen, und wertete damit den Integrationsauftrag der Schule höher als die Glaubens- und Gewissensfreiheit.
Der Fall hat sich insofern “gelöst”, als die Familie 2009 nach Biel (BE) umgezogen ist.

Der Fall sorgte damals für grosses Aufsehen und für eine Diskussion darüber, in welchen Fällen Dispense vom Schulunterricht aus religiösen Gründen möglich sind. Am 7. April hat der Erziehungsrat jetzt Klarheit geschaffen: Er hat Empfehlungen zum Umgang mit Schülerinnen und Schülern verschiedener Religionen an der Volksschule im Kanton Schaffhausen ausgearbeitet.

Die wichtigsten Punkte

Religiöse Feiertage
Für diese können die Kinder dispensiert werden, wenn rechtzeitig eine Bewilligung der Lehrperson oder der Schulbehörde eingeholt wurde.

Einzelne Unterrichtsfächer
Keine Dispensation möglich.

Schwimm- und Sportunterricht
Keine Dispensation möglich.

«Individuum, Gemeinschaft, Religion»
Keine Dispensation möglich.

Kochunterricht
Keine Dispensation möglich, religiöse Essensvorschriften werden berücksichtigt.

Religiöse Unterrichtsinhalte
Dispensationen werden nur ausnahmsweise erteilt.

Schulreisen und Lager
Alle Schülerinnen und Schüler haben ausnahmslos teilzunehmen.

Kleidervorschriften
Da der Kanton Schaffhausen keine Kleidervorschriften kennt, ist das Tragen von Kopftüchern in der Schule erlaubt.

http://www2.shn.ch/index.php?page=archivdetail&rub=news&detail=280613

Empfehlungen zu Fragen im Umgang mit Schülerinnen und Schülern verschiedener Religionen an der Volksschule im Kanton Schaffhausen

Kommentar Martin Jung (SH)

Keine Sonderrecht für Gläubige
Es gehört zu einer pluralen, demokratischen Gesellschaft, dass man kulturelle Traditionen ernst nimmt und ihnen Raum bietet. Genau so wichtig ist es, dass der Staat alle Bürger gleich behandelt. Der Erziehungsrat könnte in seinen Empfehlungen zum Umgang mit SchülerInnen verschiedener Religionen Respekt und Gleichheit unter einen Hut bringen, wenn er, anstatt Privilegien für bestimmte Glaubensbekenntnisse zu schaffen, allen mehr Spielraum lassen würde.
Die Liste der zu bewilligenden Feiertage führt 7 Religionen mit je ca. 6 Feiertagen auf. Eine einfache und gerechte Lösung wäre es, wenn statt dessen alle Schüler 6 zusätzliche Jokertage bekommen würden. Diese könnten den Vorlieben der Familien entsprechend für religiöse Feiertage, Familienfeste, Ausflüge und anderes gebraucht werden. So könnte der Erziehungsrat sein Verständnis dafür zeigen, dass auch kulturelle Traditionen ohne den Glauben an Götter und übernatürliche Kräfte wertvoll sind und den gleichen Raum wie Religionen verdient haben.

Schule und Integration

Mittwoch, 17. Februar 2010

(20 Min) Die Annahme des Minarett-Verbots hat an den Schulen offenbar keine Spuren hinterlassen. Kopftuchtragende Mädchen und Absenzen beim Schwimmunterricht werden vielerorts toleriert, besonders in der Westschweiz.

Die Westschweizer Schulen meistern die Probleme mit ausländischen Schülern mit einer Portion Pragmatismus. Unisono lautet denn auch die Antwort auf die Frage, ob es in den Schulen Probleme bei der Integration von ausländischen Kindern gebe: «Wir haben kaum Probleme.» Schönfärberei der Behörden? «Nein», sagt etwa Sylvie Pittet Blachette von der Waadtländer Elternvereinigung. Es gebe kaum Klagen.

Weiter lesen: http://www.20min.ch/news/schweiz/story/22606194

Chronologie Schaffhauser Schwimmunterrichts-Fall

Samstag, 5. September 2009

Zusammengestellt von M. J.

5.9.2009 Muslim-Familie ist in den Kanton Bern gezogen

13.5.2009 Auto1 Auto2 Weiteres Justizgeplänkel ohne Bezug zum Schwimmunterrichtsurteil

29.4.2009 Die Leidtragenden sind die Schüler Artikel zu einem anderen Thema. Stadtschulrat kann nicht bestätigen, dass Bundesgerichtsurteil durchgesetzt wird.

25.4.2009 Familie schwimmt gegen den Strom Weiterzug des Urteils des Bundesgerichts an den europäischen Gerichtshof für Menschenrechte

11.3.2009 Muslim-Familie gewinnt vor Gericht Vorgehen bei der Aussprache von Bussen war nicht korrekt

24.3.2009 Stadtschulrat will Urteil des Bundesgerichts durchsetzen

5.2.2009 Einschränkungen in Kauf nehmen Urteilsbegründung zum Bundesgerichtsurteil

3.2.2009 Vermittler ist gegen „einseitige“ Koranauslegung und Interpretation nicht einseitig stur vornehmen

5.11.2008 Die Jugend und Gott Veranstaltung zum interreligiösen Dialog der Integrationsfachstelle und Interview mit Imam zum Thema Schwimmunterricht

1.11.2008 Demokratie und Religion Kommentar

30.10.2008 Die religiöse Freiheit ist höher zu gewichten der einzige Leserbrief gegen das Bundesgerichtsurteil

28.10.2008 Urteil als Zeichen für die Integration

25.10,2008 Auch muslimische Schüler müssen den Schwimmunterricht besuchen und Für eine starke Schule, nicht gegen Religionsfreiheit Bundesgerichtsurteil

Keine Duldung von Parallelgesellschaften in der Schweiz!

Montag, 29. Dezember 2008

Pressemitteilung

Den Vorschlag des Freiburger Sozialanthropologieprofessors Christian Giordano, künftig auch in der Schweiz Scharia-Gerichte offiziell anzuerkennen, weist die Freidenker-Vereinigung der Schweiz in aller Schärfe zurück. Auch wenn es stimmen mag, dass solche Strukturen sich bereits heute im Verborgenen entwickeln, ist dies kein Grund, sie staatlich zu fördern. Mit dem gleichen Argument könnte man sonst auch z.B. Mafiagerichte staatlich anerkennen.

Allianz der Religiösen – finanziert durch allgemeine Steuergelder?

Nachdem der Multikulturalismus als Ideologie versagt hat, liebäugelt nun ein Professor – vielleicht nicht ganz zufälligerweise einer katholischen Hochschule – mit dem Rechtspluralismus. Applaus natürlich vom umstrittene Berner Soziologieprofessor Farhad Afshar, der im so genannten „interreligiösen Dialog“ in der Schweiz omnipräsent ist.

Die Landeskirchen und von ihr dominierte Institutionen schmieden unter dem Deckmantel des „interreligiösen Dialoges“ an der Allianz der monotheistischen Religionen gegen die Nichtreligiösen und gegen unliebsame Staatsmonopole wie die Justiz – auch auf aus allgemeinen Steuermitteln finanzierten Lehrstühlen!

Keine Integration durch Religion!

Die FVS spricht sich für eine klare Trennung von Staat und Kirchen / Religionen aus und für eine ebenso klare Integrationspolitik: Integration erfordert einerseits die Bereitschaft der einzelnen Immigrierenden, sich in die hiesige, säkulare Gesellschaft einzufügen und die hier geltenden Gesetze einzuhalten, und andererseits die Bereitschaft der Gesellschaft, integrierungswilligen Menschen gegenüber offen zu sein.

Die FVS ist der Überzeugung, dass die Errungenschaften der Aufklärung Europas heutige Kultur nachhaltig geprägt und viele der klerikalen christlichen Elemente erfolgreich verdrängt haben.

Eine säkulare, pluralistische und demokratische Gesellschaft kann das Gleiche auch mit dem Islam erreichen.

Die Ausübung ihrer angestammten Religion mag zwar in einer ersten Phase gewissen Immigrierenden helfen, in einem fremden Land heimisch zu werden.

Aber: Nicht alle Immigrierenden sind religiös und der Staat soll Religionen nicht fördern. Deshalb darf Integration durch Religion keine staatliche Strategie sein.

Die FVS setzt hier auf die bewährten Werkzeuge Aufklärung und Bildung und auf die gegenseitige Verpflichtung zu Toleranz und Respekt.

Keine Integration durch Religion!

Freitag, 16. März 2007

In Deutschland soll künftig im Religionsunterricht „Islam“ angeboten werden. Dies ist eine logische Konsequenz der Tatsache, dass dort überhaupt an staatlichen Schulen „Religion“ gelehrt wird.

Kann Islamunterricht integrierend wirken?

A priori ist das nicht auszuschliessen. In einem Kontext, wo verschiedene Glaubensbekenntnisse und auch der Humanistische Ethikunterricht an der Schule Pflichtwahlfach sind, kann Islamunterricht ebenso wie andere Lehren integrierend wirken – es kommt letztlich drauf an, wie gelehrt wird.

Kann Religionsunterricht integrierend wirken?

Nachdem heute aber der Ruf nach gemeinsamen Werten in unserer Gesellschaft immer lauter wird, stellt sich die Frage, ob Religionsunterricht überhaupt integrierend wirkt.

FreidenkerInnen verneinen dies klar: Religionsunterricht wirkt etwa so integrierend wie der Bau von Kirchen und Moscheen.

Mit einem bekenntnisgebundenen Religionsunterricht wird die Segregation in der Gesellschaft übernommen und zementiert: Christen reden mit Christen, Muslime reden mit Muslimen… das macht Religion an den Schulen zum Abgrenzungs- und potenziellen Ausgrenzungsmerkmal.
Wir kennen das von alten Zeiten, als plötzlich im Religionsunterricht einige unserer MitschülerInnen den Unterricht verliessen, weil sie „anders“ waren: sie gehörten einer anderen Konfession an – es gab einen katholischen und einen reformierten Gott.
Säkularisierung und Laizisierung haben diese Frage an der Schule gemildert, Konfession war lange Zeit kaum mehr ein Thema an den Schulen. Und das ist gut so.

Nur ein religionsfreier Werteunterricht, der Menschenrechte und –pflichten ins Zentrum stellt, kann ein gemeinsames Fundament für das Denken und Handeln bauen, das den demokratischen Diskurs ermöglich – nicht nur für Kinder aus anderen Kulturräumen, sondern auch für Kinder aus unserem Kulturraum, die sich aus sozialen, wirtschaftlichen oder psychischen Gründen nicht integriert fühlen.