Archiv für die Kategorie „Integration“

Nicht alle türkischen Migranten sind Muslime

Samstag, 9. Juli 2011

Zeit
Cigdem Toprak ist Alevitin und hält es für einen Fehler, mehr Gebetsräume einzurichten und Islamunterricht einzuführen.

Cigdem Toprak, 24, ist eine deutsch-türkische Alevitin und erfolgreiche Internetaktivistin. Sie studiert Politikwissenschaften sowie Friedens- und Konfliktforschung. Ihre deutschsprachige Seite cigdemtoprak.de ist die streitbarste in der hiesigen alevitischen Blogosphäre.

http://www.zeit.de/2011/28/migranten-muslime-gebetsraum

Fach Religion & Kultur: Note ungenügend für Bildungsrat und Regine Aeppli

Dienstag, 24. Mai 2011

Bildungsrat und Bildungsdirektion des Kantons Zürich nehmen bei der Ausgestaltung des Fachs «Religion & Kultur» nach wie vor ungebremst Kurs auf den Eisberg. Dies ist die ernüchternde Bilanz einer kantonalen Informationsveranstaltung vom vergangenen Samstag.

Trotz des Namens bleibt in diesem neuen Fach weltliche Kultur aussen vor, ebenso fehlen Hinweise auf weltlich-humanistische Lebenssätze. Kinder aus nichtreligiösen Familien erhalten dadurch implizit die Botschaft, dass ihnen etwas fehle. Sie werden nicht als gleichwertige Mitglieder der Klassengemeinschaft oder der Gesellschaft insgesamt wahrgenommen. Gleichzeitig suggeriert der Aufbau eine Omnipräsenz des Religiösen, die nicht der Realität entspricht.

Es mutet äusserst seltsam an, dass sowohl der leitende Bildungsrat Jürgen Oelkers wie auch Bildungsdirektorin Regine Aeppli an der Tagung davon sprachen, dass das Fach Toleranz fördere, obschon es in Wirklichkeit eine Überlegenheit von gläubigen Personen unterstellt.

Nach Ansicht von Fachleuten ist klar: In der geplanten Form wird das Fach eine Prüfung durch das Bundesgericht nicht bestehen. Es muss inhaltlich wesentlich überarbeitet werden, soll es – wie vom Bildungsrat vorgesehen – als obligatorisches Selektionsfach bestehen können. Es entbehrt nicht einer beträchtlichen Ironie, dass ausgerechnet die beiden von der Bildungsdirektion aufgebotenen ausländischen Gastrednerinnen, die Norwegerin Sidsel Lied und die Engländerin Denise Cush, aufzeigten, dass reine Religionskunde nicht zukunftsträchtig ist. In ihren beiden Heimatländern wurde der ehemalige Konfessionsunterricht zu einem breit ausgerichteten Fach umgebaut, welches explizit weltliche Ethik und Elemente der (durchaus sinnvollen) Religionskunde gleichberechtigt und gleichwertig thematisiert.

Der Kanton Zürich betreibt aber nicht nur international den Alleingang sondern auch innerhalb der Schweiz. Jürgen Oelkers fordert, dass der Kanton Zürich sich beim Teil «Ethik» des Lehrplans 21 eine Ausnahme herausbedingt, denn der Zürcher Ansatz ist dazu nicht kompatibel. Es war denn auch Oelkers, der diese enge Fokussierung auf ritualisierte Religion durchboxte. Zwang dazu gab es keinen: Die Vorgabe des Kantonsrates war so offen formuliert, dass ein tatsächlich zukunftsträchtiges Fach hätte entstehen können. Diese Chance ist in Zürich vorerst verpasst worden – unnötigerweise. Im Kanton Graubünden und anderswo hat man hingegen begriffen, wie das Fach ausgestaltet sein muss, damit es nicht nur verfassungskonform ist sondern tatsächlich den Lehrplan bereichert. Zürich tut gut daran, von den Bündnern zu lernen – je schneller, desto besser, aus inhaltlichen wie finanziellen Gründen.

Die Freidenker werden Zürcher Eltern unterstützen, welche ihre Kinder vom Fach abmelden wollen.

Nekla Kelek: Das ist Kulturrelativismus!

Dienstag, 15. Februar 2011

FAZ
Auf dem Rechtspolitischen Neujahrsempfang des Bundesjustizministeriums nahm die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zum Thema Islam und Recht Stellung (siehe Leutheusser-Schnarrenberger: Jeder Religion die gleiche Chance). Sie fordert, „statt Angstdebatten brauchen wir eine vorurteilsfreie Diskussion über die Religionen und ihre Rechte. Über islamisches Recht müssen wir zunächst viel mehr wissen.“ Was sie uns dann als ihre Kenntnis des islamischen Rechts, der Scharia, und der Religionsgeschichte vermittelt, ist Kulturrelativismus in seiner reinsten Form. Ich beschäftige mich seit geraumer Zeit mit Fragen der Integrationspolitik, dem Islam und den Zielen von Islamverbänden wie dem „Zentralrat der Muslime“ (ZMD) und der „Milli Görüs“ (IGMG). Deren rechtspolitischer Mentor, Prof. Mathias Rohe, wird von Frau Leutheusser Schnarrenberger „wie kein Zweiter in Deutschland“ für kompetent gehalten, über das islamische Recht zu sprechen.

Forsetzung:
http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E5428DF971697476480FFF198F2BF37F9~ATpl~Ecommon~Scontent.html

TV-Tipp BBC 21:30 Britische Schulen, islamische Regeln

Freitag, 21. Januar 2011

Do we really know what’s being taught in Britain’s Muslim schools? A Panorama investigation uncovers disturbing evidence that some children are being exposed to extremist preachers, fundamentalist Islamic groups and lessons with hate on the curriculum.

Der BBS-Report zeigt, wie in privaten islamischen Schulen und sogenannten Wochenend-Clubs mittels saudiarabischer Lehrmittel die Integration unterlaufen wird.

Die Neujahrsansprache für das Jahr der Trennung von Kirche und Staat (20XX)

Freitag, 31. Dezember 2010

Gottesbezüge machen das Wesen religiöser Feste aus. Ansprachen zum Beispiel zu Weihnachten oder zum Ramadan sind für Anhänger der jeweiligen Glaubensrichtung bestimmt und werden von ihren Religionsführern (Papst, Imame, etc.) gehalten. Das passt in einen säkularen Staat mit Religionsfreiheit innerhalb säkularer Schranken. PolitikerInnen überschreiten diese Schranken, wenn sie ihr Amt und ihre medialen Möglichkeiten benutzen, religiöses Gedankengut über öffentliche Ansprachen zu verbreiten. Die letztjährige Ansprache der damaligen Schweizer Bundespräsidentin begann mit „Identität der Schweiz“ und endete mit „Gottes Segen“. Wenn – mal angenommen – der Leiter der UBS seinen MitarbeiterInnen zum neuen Jahr den firmeneigenen Slogan verkündet „Wir werden nicht ruhen” oder wenn der Hersteller der Bico-Matratzen den Seinen ein erfolgreiches neues Jahr „Für ä tüüfä gsundä Schlaf“ wünscht, ist das ganz normal und im Einklang mit ihrer Verkaufsstrategie. PolitikerInnen, erst recht BundespräsidentInnen, haben keinen Auftrag, auf die Ideologie oder das Dienstleistungsangebot irgendeiner religiösen Vereinigung hinzuweisen. Nach säkularem Verständnis haben sie wohl eher den Auftrag, die pluralistische Gesellschaft des Landes auf ihre gemeinsamen und damit Identifikation stiftenden Werte hinzuweisen und das sind säkulare Werte (Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte, insbesondere Gleichberechtigung).
Was tun, wenn wieder Neujahrsansprachen mit religiösen Tendenzen kommen? Die Alternative Ansprache: Neujahrsansprache für das Jahr der Trennung von Kirche und Staat

Zürich: Integration durch muslimischen Fundi-Event?

Dienstag, 21. Dezember 2010

Die Stadt Zürich macht das, was gerade nicht sinnvoll ist: Es ist nicht Staatsaufgabe, Events zu unterstützen, an denen Religiöse ihre Parallelwelt festigen. Natürlich behaupten die Umma-Leute, dass sie sich in die Gesellschaft einbringen wollen. Auch die Evangelikalen behaupten immer, einen besonderen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten – sie verstehen darunter vor allem die Mission!

http://www.20min.ch/news/zuerich/story/Stadt-zahlte-Event-mit-Islamisten-31624405

Siehe auch: http://www.frei-denken.ch/en/2007/03/keine-integration-durch-religion/

Nourig Apfeld – Zeugin des Ehrenmords an ihrer Schwester

Montag, 20. Dezember 2010

(hpd) Viele Jahre hat Nourig Apfeld über die Ermordung ihrer Schwester geschwiegen. Nun hat sie ihre Lebensgeschichte publiziert. Ein aufwühlendes, mutiges Buch, das man gelesen haben sollte.

Nourig Apfeld wurde 1972 in Syrien geboren, 1979 kam sie nach Deutschland, 1993 wurde sie Zeugin des Ehrenmordes an ihrer jüngeren Schwester. Mehr als ein Jahrzehnt versuchte sie, die schreckliche Tat zu verdrängen, bis sie sich einer Therapeutin anvertraute. 2007 sagte sie im Prozess gegen ihre Familie aus, wohlwissend, dass sie sich damit in akute Lebensgefahr brachte. 2008 wurde ihr Vater zu acht Jahren Gefängnis verurteilt.

Was sich hinter diesen dürren Eckdaten verbirgt, enthüllt Nourig Apfeld in ihrer Autobiographie „Ich bin Zeugin des Ehrenmords an meiner Schwester“ in schonungsloser Offenheit. Das Buch, für das Günter Wallraff ein Vorwort beisteuerte, ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Zunächst einmal ist es eine bittere Anklage – nicht nur gegenüber den menschenverachtenden, patriarchalen Normen, die das Denken und Handeln allzu vieler Muslime bestimmen, sondern auch gegenüber der zynischen Gleichgültigkeit bzw. dem offenen Rassismus, dem Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland noch immer ausgesetzt sind.

Doch Nourig Apfeld klagt nicht nur an, sie klärt auch auf: Am Beispiel ihres Vaters verdeutlicht sie, dass wir es uns viel zu einfach machen, wenn wir in „Ehrenmördern“ nichts weiter als „Monster“ sehen, denen jedes Mitgefühl abhandengekommen ist. Sie mögen sich nach Außen vielleicht rühmen, die „Familienehre“ verteidigt zu haben, doch tief im Inneren tragen auch sie in der Regel schwer an der Last ihrer Taten. Manch einer zerbricht daran – wie Nourigs Vater, der nach der Ermordung seiner einst so geliebten Tochter nie wieder derselbe war. Es ist vielleicht der wichtigste aufklärerische Aspekt dieses Buches, dass es uns dafür sensibilisiert, dass die Täter bei genauerer Betrachtung auch bloß Opfer sind – Gefangene einer unmenschlichen Tradition, die sie darauf programmiert, Verbrechen zu begehen, die sie unter anderen kulturellen Einflussfaktoren niemals begangen hätten.

Ganze Buchbesprechung auf: http://hpd.de/node/10895

Kriminologie: Religion behindert Integration

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Christian Pfeiffer hat in den Jahren 2007 und 2008 rund 45.000 deutsche Jugendliche danach gefragt, wie oft sie Gotteshäuser besuchen, wie oft sie beten und welche Rolle Religion bei ihnen in Alltag und Erziehung spielt. Die Ergebnisse: Junge Migranten ohne Konfessionszugehörigkeit sind in jeder Hinsicht am besten integriert, zum Beispiel schaffen 41 Prozent von ihnen das Abitur, zu 63 Prozent haben sie deutsche Freunde, 66 Prozent fühlen sich als Deutsche. Offenbar bewirkt bereits die schlichte Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft, dass die Betroffenen viel stärker in den Netzwerken der eigenen Ethnie verkehren und sich insgesamt weniger für die deutsche Umgebung öffnen. Das gilt allerdings nicht unbedingt für Migranten mit christlichem Hintergrund, da sie in den Kirchen meist auf Deutsche treffen.

Außerdem hat Christian Pfeiffer herausgefunden: Je stärker Jugendliche in ihrem Glauben verankert sind, umso seltener begehen sie Ladendiebstähle oder haben Alkoholprobleme. Bei jungen männlichen Muslimen führte die zunehmende Bindung an die Religion allerdings zu mehr Gewalt. Während bei christlichen Jugendlichen Machokultur, die Zahl gewalttätiger Freunde und die Nutzung gewalthaltiger Medien mit steigender Religiosität abnahm, zeigte sich bei männlichen Muslimen genau das Gegenteil.

Ganzer Artikel: http://www.fr-online.de/rhein-main/offenbach/religion-behindert-integration/-/1472856/4715264/-/index.html

Kinder und Jugendliche in Deutschland: Gewalterfahrungen, Integration, Medienkonsum 2010

Necla Kelek: Sarrazins Thesen diskutieren statt diffamieren

Dienstag, 31. August 2010

Die Thesen von Thilo Sarrazin zu Bildung und Zuwanderung sollte man diskutieren, nicht den Autor verteufeln. Aber die politische Klasse, der seine Kritik gilt, verweigert sich der Debatte, argumentiert die Soziologin Necla Kelek.

Für eine inhaltliche anstelle einer moralischen Diskussion der Thesen Sarrazins:

FAZ 30. August 2010

Wenn ein Ökonom, Finanzexperte und erfahrener Politiker wie Thilo Sarrazin sich um Deutschlands Zukunft Gedanken macht, kann man erwarten, dass er mit dem Blick des Controllers Zusammenhänge analysiert, eine qualitative wie quantitative Bewertung von Zahlen und Zusammenhängen vornimmt und als Politiker Vorschläge macht, wie die Probleme gelöst werden könnten. Diese Erwartung wird in seinem Buch nicht enttäuscht. Er führt auf 460 Seiten Daten und Fakten zusammen, die alle für sich mehr oder weniger bekannt sind, aber in ihrer Gesamtschau und Bewertung doch überraschende Zusammenhänge und Folgerungen ergeben.

Ganzer Artikel: http://www.faz.net/s/Rub9B4326FE2669456BAC0CF17E0C7E9105/Doc~E0A47A9BA62F54940957049B1C02B0EDA~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Kt. SH: Richtlinien zu Schule und Religion

Dienstag, 20. April 2010

Im Jahr 2006 beantragte ein in der Stadt Schaffhausen wohnhafter Tunesier, seine elf- und neunjährigen Söhne seien vom Schwimmunterricht zu dispensieren, da ihr muslimischer Glaube ihnen den Anblick von leichtbekleideten Mädchen verbiete. Nachdem der Stadtschulrat diesen Antrag abgelehnt hatte, zog der Mann die Sache bis ans Bundesgericht weiter. Dieses entschied im Oktober 2008, die Knaben hätten am Schwimmunterricht teilzunehmen, und wertete damit den Integrationsauftrag der Schule höher als die Glaubens- und Gewissensfreiheit.
Der Fall hat sich insofern “gelöst”, als die Familie 2009 nach Biel (BE) umgezogen ist.

Der Fall sorgte damals für grosses Aufsehen und für eine Diskussion darüber, in welchen Fällen Dispense vom Schulunterricht aus religiösen Gründen möglich sind. Am 7. April hat der Erziehungsrat jetzt Klarheit geschaffen: Er hat Empfehlungen zum Umgang mit Schülerinnen und Schülern verschiedener Religionen an der Volksschule im Kanton Schaffhausen ausgearbeitet.

Die wichtigsten Punkte

Religiöse Feiertage
Für diese können die Kinder dispensiert werden, wenn rechtzeitig eine Bewilligung der Lehrperson oder der Schulbehörde eingeholt wurde.

Einzelne Unterrichtsfächer
Keine Dispensation möglich.

Schwimm- und Sportunterricht
Keine Dispensation möglich.

«Individuum, Gemeinschaft, Religion»
Keine Dispensation möglich.

Kochunterricht
Keine Dispensation möglich, religiöse Essensvorschriften werden berücksichtigt.

Religiöse Unterrichtsinhalte
Dispensationen werden nur ausnahmsweise erteilt.

Schulreisen und Lager
Alle Schülerinnen und Schüler haben ausnahmslos teilzunehmen.

Kleidervorschriften
Da der Kanton Schaffhausen keine Kleidervorschriften kennt, ist das Tragen von Kopftüchern in der Schule erlaubt.

http://www2.shn.ch/index.php?page=archivdetail&rub=news&detail=280613

Empfehlungen zu Fragen im Umgang mit Schülerinnen und Schülern verschiedener Religionen an der Volksschule im Kanton Schaffhausen

Kommentar Martin Jung (SH)

Keine Sonderrecht für Gläubige
Es gehört zu einer pluralen, demokratischen Gesellschaft, dass man kulturelle Traditionen ernst nimmt und ihnen Raum bietet. Genau so wichtig ist es, dass der Staat alle Bürger gleich behandelt. Der Erziehungsrat könnte in seinen Empfehlungen zum Umgang mit SchülerInnen verschiedener Religionen Respekt und Gleichheit unter einen Hut bringen, wenn er, anstatt Privilegien für bestimmte Glaubensbekenntnisse zu schaffen, allen mehr Spielraum lassen würde.
Die Liste der zu bewilligenden Feiertage führt 7 Religionen mit je ca. 6 Feiertagen auf. Eine einfache und gerechte Lösung wäre es, wenn statt dessen alle Schüler 6 zusätzliche Jokertage bekommen würden. Diese könnten den Vorlieben der Familien entsprechend für religiöse Feiertage, Familienfeste, Ausflüge und anderes gebraucht werden. So könnte der Erziehungsrat sein Verständnis dafür zeigen, dass auch kulturelle Traditionen ohne den Glauben an Götter und übernatürliche Kräfte wertvoll sind und den gleichen Raum wie Religionen verdient haben.