Archiv für die Kategorie „Humanismus“

Freidenker-Preis 2017 geht an Masih Alinejad und Zehra Doğan

Montag, 6. November 2017

Am Sonntag, 5. November verliehen die Schweizer Freidenker zum zweiten Mal den mit CHF 10’000 dotierten Freidenkerpreis. Er geht zu gleichen Teilen an die Exil-Iranerin  Masih Alinejad und ihre Organisation My Stealthy Freedom sowie an die kurdische Malerin und Journalistin Zehra Doğan, die zur Zeit in der Türkei in Haft ist.

Beide Frauen setzten und setzen sich mit ungeheurem Engagement für persönliche Freiheit ein, insbesondere für die Freiheit von Frauen. Masih Alinejad tut dies, indem sie den Frauen im Iran Mut macht, sich gegen die frauenfeindlichen religiösen Vorschriften aufzulehnen. Zehra Doğan thematisiert als Künstlerin und Journalistin Krieg, Missstände in der Gesellschaft und Gewalt an Frauen.

Auf der Facebook-Seite My Stealthy Freedom lud Masih Alinejad ab 2014 Iranerinnen ein, sich ohne Hijab zu zeigen, um zu betonen, dass es eine persönliche Entscheidung sein müsse, ob eine Frau ihr Haar bedecken wolle oder nicht. Unzählige Frauen haben seither Foto- oder Videoportraits von sich eingesandt und machen so weiteren Frauen Mut, sich gegen religiöse Vorschriften, die sich insbesondere gegen Frauen richten, aufzulehnen. Masih Alinejad lebt heute in New York und arbeitet unter anderem für die persischsprachige Ausgabe von Voice of America.

Zehra Doğan ist in in der Türkei Haft, weil sie mit einem Bild und einer Geschichte auf die Zustände in der mehrheitlich von Kurden bewohnten Stadt Nusaybin aufmerksam machte. Wegen des Konfliktes zwischen der türkischen Armee und der PKK galt in der Stadt während fünf Monaten ein Ausgangsverbot. Sie illustrierte mit einem online geteilten Bild den Grad der Zerstörung durch Operationen türkischer Militärs und beleuchtete in einem Artikel das Schicksal eines zehnjährigen Knaben. Sie zitierte ihn unter anderem mit diesen Worten: “Wir hören gerade Schüsse. Wenn sie zunehmen, rennen wir nach Hause, wenn die Panzer wegfahren, gehen wir auf die Strasse und machen Lärm, um zu protestieren. Ich denke, wir liegen richtig. I weiss, dass unsere Stimmen eines Tages gehört werden.” Beides wurde ihr als terroristische Propaganda angelastet. Sie verbüsst seit Juni 2017 eine 17-monatige Haftstrafe. Obschon ihr Malutensilien verweigert werden, stellt sie weiter Bilder her: sie nutzt Verpackungsmaterialien, Kaffee, Vogelfedern, die sie im Hof findet und dergleichen mehr.

Andreas Kyriacou, Präsident der Freidenker-Vereinigung der Schweiz erläuterte den Entscheid, die beiden Frauen zu würdigen:

Wir wissen dank des Austauschs mit anderen humanistischen Organisationen von vielen Personen, die sich unter schwierigsten Bedingungen für Menschenrechte, für Rede- und Kunstfreiheit und für eine humanere Welt einsetzen. Wir haben uns unter anderem deshalb für Masih und Zehra entschieden, weil ihr Wirken nicht nur auf die Gewalt und Unterdrückung oppressiver Regimes aufmerksam macht, sondern weil die beiden viele kunstvolle Formen gefunden haben, diese Missstände anzuprangern und anderen Mut machen, sich dagegen aufzulehnen.

Ensaf Haidar, eine der drei PreisträgerInnen des Freidenker-Preises von 2015 bezeichnete in einer Grussbotschaft die beiden Frauen als zwei ihrer persönlichen Heldinnen und ergänzte:

Ich kenne Masih und als Frau die früher selbst gezwungen wurde Haar und Gesicht zu verschleiern, weiss ich, wie viel es braucht, um sich gegen das Verhüllungsgebot aufzulehnen. Masih, Zehra und all die Autorinnen und Künstlerinnen, die sich für individuelle Freiheiten einsetzen und sich gegen das religiöse Establishment auflehnen benötigen unsere Unterstützung und unsere Aufmerksamkeit.

Die Preisverleihung fand zum Abschluss des von den Freidenker initiierten wissenschaftlich-humanistischen Festivals Denkfest in Zürich statt. Für Masih Alinejad nahm ihre in England lebende Mitstreiterin und Menschenrechtsanwältin Leila Alikarami den Preis entgegen.  In ihrer Dankesrede führte sie aus, wieso My Stealthy Freedom von den vielen Formen der Frauenunterdrückung im Iran bewusst den Verhüllungszwang zum Thema mache:

Das Fokussieren auf den Hijab ermutigt Frauen, Widerspruch gegen den Hijab-Zwang zu äussern und die Regierung wie auch die Gesellschaft aufzufordern, das Recht der Frauen, Kontrolle über ihren eigenen Körper zu haben. anzuerkennen. My Stealthy Freedom widmet sich deshalb dem offensichtlichsten Symbol der Unterdrückung. Wenn wir nicht bestimmen können, wie wir unsere Köpfe bedecken, wie sollen wir dann Kontrolle darüber haben, was in unsere Köpfe gelangt?

Für Zehra Doğan waren die Journalistin Naz Oke und die Schriftstellerin Lucie Renée Bourges anwesend, die sich beide persönlich für ihre Freilassung einsetzen. Sie lasen aus Botschaften hervor, die sie von Zehra Doğan aus dem Gefängnis erhielten. Passagen wie die fogende zeigen, dass sie sich auch von Justizwillkür nicht unterkriegen lässt.

Für jemanden ohne Lebensgrund  ist das Gefängnis hart, ja, sehr hart. Aber mein Lebenswille ist gross. Deshalb erscheinen diese Mauern mit jedem Tag unerheblicher.

 Die vollständigen Dankesreden können hier(auf Englisch) nachgelesen werden.

Leila Alikarami und Naz Oke mit den Preisen für Masih Alinejad und Zehra Doğan

Leila Alikarami und Naz Oke

Der Freidenker-Preis wurde 2015 das erste Mal verliehen. Er ging an die drei Saudischen Staatsbürger Ensaf Haidar, Raif Badawi und Waleed Abulkhair. Mit der Vergabe wurde ihr mutiger Einsatz für humanistische und säkulare Werte gewürdigt. Der Preis wird nun alle zwei Jahre verliehen. Das Preisgeld von CHF 10’000 Franken wird über eine Erbschenkung finanziert.

Preisempfängerinnen und FVS-Vorstandsmitglieder vlnr: Ruth Thomas, Andreas Kyriacou, Leila Alikarami, Naz Oke, Renée Lucie Bourges, Nada Peratovic, Valentin Abgottspon

Preisempfängerinnen und FVS-Vorstandsmitglieder vlnr: Ruth Thomas, Andreas Kyriacou, Leila Alikarami, Naz Oke, Renée Lucie Bourges, Nada Peratovic, Valentin Abgottspon

Bilder: Serkan Demirel

“Kirche des fliegenden Spaghettimonsters” keine Religionsgemeinschaft

Freitag, 4. August 2017

heise.de vom 02. August 2017:

Die Gemeinde Uckermark der Spaghettimonster-Kirche hat nach Ansicht des Oberlandesgerichts Brandenburg keinen Anspruch darauf, Infoschilder am Ortseingang von Templin aufzuhängen.

Der Verein “Kirche des fliegenden Spaghettimonsters” (FSM) kann nicht die Rechte einer Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft beanspruchen. Daher dürfe das Land Brandenburg dem Verein auch untersagen, an den Ortseingängen von Templin (Uckermark) mit Hinweisschildern für ihre wöchentlichen “Nudelmessen” zu werben, entschied das Oberlandesgericht Brandenburg am Mittwoch.

FSM fordert Gleichberechtigung

2014 hatte die FSM-Gemeinde Uckermark erstmals seine Schilder mit den Messe-Uhrzeiten samt Abbildung des “Spaghettimonsters” aufgehängt, und zwar an jene Masten, an denen auch die katholische und die evangelische Kirche mit Schildern auf ihre Gottesdienste hinwiesen. Der Landesbetrieb Straßenwesen hängte sie wieder ab, die FSM-Gemeinde weist nun an anderer Stelle auf ihre freitägliche Nudelmesse hin und klagte gegen den Landesbetrieb.

Der Verein hatte in seiner Klage gegen das Verbot geltend gemacht, dass er als Weltanschauungsgemeinschaft das gleiche Recht haben müsse wie die christlichen Kirchen, die an den Ortseingängen mit Schildern auf die Zeiten der Gottesdienste hinweisen dürfen. Vier Infoschilder wollte der Verein aufstellen. Das Landgericht in Frankfurt (Oder) hatte sich in seinem Urteil im April 2016 darauf bezogen, dass es keine wirksame Vereinbarung für das Anbringen gebe. Der Verein hatte gegen das Urteil Berufung eingelegt.

Mit Satire für Humanismus

Für die “Kirche des fliegenden Spaghettimonsters” war es wichtig, dass “sich das Gericht wirklich intensiv mit der Problematik Weltanschaung auseinander gesetzt hat”, wie “Bruder Spaghettus” in einem Blogbeitrag schreibt. “Die Religionssatire des Fliegenden Spaghettimonsters wird als künstlerisches Mittel genutzt, um in satiretypischer Art intolerante und dogmatische Anschauungen und Handlungen zu überhöhen und zu hinterfragen”, heißt es in seiner Satzung. Damit will der Verein die Verbreitung einer offenen und toleranten Ethik im Sinne des evolutionären Humanismus fördern und so an der öffentlichen Meinungsbildung mitwirken.

Nach Angaben der FSM hat das OLG keine Revision zugelassen. Das Gericht habe sich in seiner Entscheidung auf die Satzung des Vereins berufen. Demnach sei die Kirche des FSM keine Weltanschauungsgemeinschaft, da sie keine gemeinsame Sicht auf die Welt habe, aus der sie Werte ableite, sondern nur Kirche parodiere.

Update 2.8.2017, 12.23 Uhr: “Die darin geäußerte Kritik an Überzeugungen Anderer stelle kein umfassend auf die Welt bezogenes Gedankensystem im Sinne einer Weltanschauung dar”, begründete das Gericht weiter seine Entscheidung. Auch der für Religionsgemeinschaften charakteristische Gottesbezug fehle nach dem Inhalt der Satzung.

“Zur Not zum Europäischen Gerichtshof”

“Da hat das Gericht einen Fehler gemacht, denn es hat offensichtlich die Spaghettimonster-Kirche im Allgemeinen beurteilt und nicht unseren Verein”, sagte der Vereinsvorsitzende Rüdiger Weida. “Wir sind nach unserer Satzung Humanisten – und Humanismus ist eindeutig eine Weltanschauung.” Weida verwies dabei auf die “10 Angebote des evolutionären Humanismus” auf der Webseite des Vereins.

Weida kündigte an, dass der Verein nun vor den Bundesgerichtshof (BGH) und gegebenenfalls auch weiter zum Bundesverfassungsgericht ziehen wolle. “Und zur Not gehen wir auch bis zum Europäischen Gerichtshof”, betonte er. (mit Material der dpa) / (anw)

“Die große Harari-Ver(w)irrung” – Kommentar von Michael Schmidt-Salomon

Donnerstag, 3. August 2017

Humanistischer Pressedienst Deutschland (hpd), 01. August 2017 mit einer ausführlichen und lesenswerten Buchkritik von Michael Schmidt-Salomon:

Der israelische Historiker Yuval Noah Harari hat mit seinen Büchern “Eine kurze Geschichte der Menschheit” und “Homo deus” internationale Bestseller vorgelegt. Tragischerweise sind ihm in der Analyse haarsträubende Fehler unterlaufen, die nicht unwidersprochen bleiben dürfen. Ein Kommentar von Michael Schmidt-Salomon.

Normalerweise verzichte ich darauf, Bücher anderer Autoren zu kritisieren. Allzu schnell entsteht der Eindruck, man wolle seine eigenen Werke über die Abwertung Anderer aufwerten. Doch nachdem Hararis Bücher Millionenauflagen erreicht haben, nachdem ernstzunehmende Denker wie Daniel Kahneman den Autor über den Klee lobten und nachdem sogar der Humanistische Pressedienst (!) eine unbedingte Leseempfehlung für Hararis “Kultbücher” aussprach (Thomas Hummitzsch am 28.6.2017: “Hararis kluges, anregendes und aufwühlendes Buch ist ein Weckruf, in dem er das Heute analysiert, um die Möglichkeit einer menschlichen Zukunft zu bewahren. Wenn Sie nur ein Buch mit in den Koffer packen wollen, dann nehmen Sie dieses!”), sehe ich mich gezwungen, meine selbstauferlegte “Abstinenzregel” zu brechen. Denn vor einem Autor, der so sehr in ideologischen Denkschablonen gefangen ist, dass er den Nationalsozialismus (!) als “humanistische Religion” (!) beschreibt, kann nur gewarnt werden.

Wohlgemerkt: Bei dieser ungewöhnlichen Charakterisierung des Nationalsozialismus bzw. des Humanismus handelt es sich keineswegs um einen einmaligen, nebensächlichen Ausrutscher des Bestsellerautors, sondern um ein Kernelement seiner Weltsicht. Um dies verständlich zu machen, muss ich etwas weiter ausholen: In beiden Büchern, sowohl in “Eine kurze Geschichte der Menschheit” als auch in “Homo deus”, beschreibt Harari den Aufstieg des Humanismus, der die alten theistischen Religionen abgelöst habe, sowie den bevorstehenden Untergang des Humanismus, der durch neue technologische Ideologien (“Posthumanismus” bzw. “Dataismus”) ersetzt werde. In beiden Büchern meint Harari auch, den Humanismus als eine “Religion” charakterisieren zu müssen (eine Differenzierung zwischen “Religionen”, “Weltanschauungen” oder “Philosophien” sucht man vergeblich), die in drei verfeindete “humanistische Sekten” zerfällt, nämlich in die Konfessionen des “liberalen Humanismus”, des “sozialistischen Humanismus” und des “evolutionären Humanismus”.

Als “liberale Humanisten” lässt Harari dabei merkwürdigerweise nur jene gelten, die “auf den Schöpfergott und die Untersterblichkeit der Seele” zurückgreifen (“Eine kurze Geschichte der Menschheit”, S. 282), womit er unterschlägt, dass gerade auch Nicht-Theisten und Nicht-Idealisten (also Atheisten, Agnostiker, Materialisten und Naturalisten) für die zentralen Werte des “liberalen Humanismus”, nämlich Menschenrechte, Demokratie und die Prinzipen der offenen Gesellschaft, gestritten haben. Nicht weniger kurios: Als “sozialistische Humanisten” bezeichnet Harari nicht Autoren wie Ernst Bloch oder Erich Fromm, die sich selbst als “sozialistische Humanisten” verstanden haben, sondern kommunistische Diktatoren wie Josef Stalin, die den Begriff “Humanismus” nur als Schimpfwort gebrauchten und “Humanisten”, die sich auf die Frühschriften von Marx beriefen, als Vertreter eines “bürgerlichen Revisionismus”, das heißt: als Hochverräter an der parteikommunistischen Doktrin, verfolgten.

Als sei all dies nicht schon absonderlich genug, schießt Harari mit seiner Charakterisierung des “evolutionären Humanismus” dann endgültig den Vogel ab: Denn der Autor lässt uns sowohl in “Eine kurze Geschichte der Menschheit” (S. 281) als auch in “Homo deus” (S. 337) wissen, dass der evolutionäre Humanismus eine “Sekte” ist, “dessen bekannteste Vertreter die Nationalsozialisten waren”. Ja, Sie haben richtig gelesen: Für Yuval Noah Harari war Adolf Hitler nicht nur Diktator, Nationalist, Rassist und Massenmörder, sondern in Personalunion auch noch einer der führenden Vertreter des evolutionären Humanismus!

Adolf Hitler – ein “humanistischer” Massenmörder?

Wie kommt der Autor auf diesen verwegenen Gedanken? Nun, Harari zufolge teilen alle humanistische Konfessionen die Gemeinsamkeit, dass sie den “Glauben an Gott” durch einen “Glauben an den Menschen” ersetzen – was zunächst einmal nicht zu beanstanden ist (selbst wenn man Hararis Formulierung, Humanisten würden den Menschen “anbeten”, schwerlich folgen kann). Im Hinblick auf diesen “Glauben an den Menschen” – meint Harari weiter – müsse man den Nationalsozialismus als eine besonders konsequente Variante des Humanismus betrachten, da er sich “als einzige humanistische Sekte” vom “traditionellen Monotheismus losgesagt hat”. Dies klingt schmissig (und erinnert an Predigten katholischer Hardliner wie Dyba, Meisner und Müller), hat aber mit der geschichtlichen Realität wenig zu tun. Denn die NS-Ideologie war keineswegs von einer diesseitig-humanistischen Weltsicht geprägt, sondern vom Konzept der “heiligen Führung”, dem sich jeder Teil des “Volkskörpers” unterwerfen musste. Es hatte seinen Grund, dass die deutschen Soldaten “mit Gott und dem Führer” in den Krieg zogen und dass Hitler bei jeder Gelegenheit die “göttliche Vorsehung” herbeizitierte. Nazideutschland war einer der wenigen Staaten im 20. Jahrhundert, in denen es “Gottlosigkeit” offiziell gar nicht geben durfte. Wer nicht Mitglied einer Religionsgemeinschaft war, wurde von den Nazis in der amtlichen Kategorie “Gottgläubiger” geführt, denn “Atheismus” galt als Ausdruck einer “kulturzersetzenden, jüdisch-bolschewistischen Gesinnung”, die in keiner Weise geduldet wurde.

Harari verkennt allerdings nicht nur den theistisch-religiösen (mitunter auch okkulten) Charakter der NS-Ideologie, sehr viel gravierender ist, dass er sämtliche Kriterien unterläuft, mithilfe derer sich humanistische von antihumanistischen Weltanschauungen sinnvollerweise unterscheiden lassen. Allen (modernen) Humanismen gemeinsam ist nämlich der Imperativ, “alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, geknechtetes, verlassenes, verächtliches Wesen ist”. Dieser Formulierung von Karl Marx stimmen in der Regel auch bürgerlich-liberale Humanistinnen und Humanisten zu – selbst wenn diese meist deutlich andere Vorstellungen davon haben, wie sich dieses Ziel gesellschaftlich realisieren lässt. Aus diesem Grund kann der Nationalsozialismus, der große Gruppen von Menschen von vornherein radikal ausgrenzte, der sie in unvorstellbarem Maße erniedrigte, knechtete, vernichtete, unter gar keinen Umständen als “humanistisch” bezeichnet werden, wenn dieser Begriff noch irgendeine strapazierfähige Bedeutung haben soll.

Harari versucht nun sein Konzept zu retten, indem er dem vermeintlichen “Humanismus” der Nationalsozialisten das Attribut “evolutionär” voranstellt. Begriffslogisch ist dies allerdings unsinnig. Denn wenn das Attribut “evolutionär” dazu führen würde, dass ein Humanismus zum Antihumanismus mutiert, so müsste man von “evolutionärem Antihumanismus” sprechen – statt von “evolutionärem Humanismus”. Aber sei‘s drum. Harari verteidigt seine kuriose Begriffswahl damit, dass er behauptet, die Nationalsozialisten hätten sich von “anderen Humanisten” (sic!) dadurch unterschieden, dass ihr Menschenbild “stark von der Evolutionstheorie beeinflusst war”. Das klingt nach einem gewichtigen Argument, doch ist es wahr?

Dachten die Nazis “evolutionär”?

Die Antwort auf diese Frage lautet: Nein! Denn es lässt sich leicht zeigen, dass auch der “sozialistische Humanismus”, der auf die Darwin-Verehrer Marx und Engels zurückgeht, auf der Evolutionstheorie fußt. Und auch bei den “liberalen Humanisten” des 20. Jahrhunderts wird man (selbst wenn man Hararis unbegründete Limitierung des Begriffs akzeptiert) nur sehr wenige Vertreter finden, die der Evolutionstheorie ablehnend gegenüberstanden. Tatsächlich haben sich “sozialistische Humanisten” wie Erich Fromm oder “liberale Humanisten” wie Karl Popper in ihren Schriften sehr viel stärker auf die Evolutionstheorie berufen als nazistische Ideologen wie Hitler, Streicher oder Rosenberg.

Ohnehin ist es falsch zu meinen, die Evolutionstheorie habe das nationalsozialistische Menschenbild in besonderer Weise geprägt. In dessen Zentrum standen nämlich keine wissenschaftlichen Konzepte wie die Evolutionstheorie, sondern antiwissenschaftliche sowie antihumanistische Mythen wie die Vorstellung von der Überlegenheit der “Europäer/Weißen/Arier” (ein Erbe des Kolonialismus) und der “kulturzersetzenden Kraft der Juden” (ein Überbleibsel des christlichen Antijudaismus). Vermischt mit einem übersteigerten Autoritarismus (eine Folge der über Generationen antrainierten Gehorsamstechniken vor allem in Preußen) sowie einem überbrodelnden Nationalismus, der durch die Niederlage im ersten Weltkrieg weiter angeheizt wurde, entwickelte sich daraus eine brandgefährliche politische Ideologie, die mithilfe selektiv ausgewählter “evolutionstheoretischer Befunde” allenfalls ausgeschmückt wurde.

Diese evolutionistischen Versatzstücke in der Naziideologie fußten allerdings nicht auf “der” Evolutionstheorie, sondern auf einer hochgradig verzerrten Interpretation derselben. So widersprach die nazistische Vorstellung vom “Kampf aller gegen alle” diametral den Erkenntnissen, die Darwin vor allem in seinem zweiten evolutionstheoretischen Hauptwerk “Die Abstammung des Menschen” dargelegt hatte. Schon damals hatte Darwin an unzähligen Beispielen aufgezeigt (was Peter Kropotkin Anfang des 20. Jahrhunderts in seinem berühmten Buch über die “Gegenseitige Hilfe im Tier- und Menschenreich” noch einmal eindrucksvoll untermauerte), dass auch Liebe, Fürsorglichkeit, Kooperationsbereitschaft, Altruismus und Sanftmut evolutionär erfolgreiche Strategien sind.

Halten wir fest: Das Weltbild der Nazis war weder “humanistisch” noch “evolutionär”, wenn man diese Begriffe in einer halbwegs seriösen Weise gebraucht. Harari hätte dies selbst leicht erkennen können, wenn er darauf eingegangen wäre, was der seit Jahrzehnten in die internationale Debatte eingeführte Begriff “evolutionärer Humanismus” tatsächlich bedeutet. Aber eben dies ist das Befremdliche an Hararis Büchern: Obwohl das Konzept des evolutionären Humanismus als zusätzliche Bedrohungskulisse eine wichtige Rolle in seinen Büchern spielt, erwähnt er nirgends auch nur mit einer Silbe, dass dieser Begriff Mitte des 20. Jahrhunderts von dem bedeutenden Evolutionsbiologen und ersten Generaldirektor der UNESCO, Julian Huxley, geprägt wurde.

Was der Begriff “evolutionärer Humanismus” tatsächlich bedeutet

Huxley ging es nach den Gräueln des 2. Weltkriegs, des Nazismus und Stalinismus darum, mit dem evolutionären Humanismus ein traditionsübergreifendes, offenes Rahmenmodell (nicht zuletzt auch für die UN-Organisationen) zu entwickeln, das alte humanistische Werte mit modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen in Einklang bringt. Dabei verband Huxleys Konzept die Prinzipien der Freiheit (nach Harari ein Exklusivgut des “liberalen Humanismus”) mit den Prinzipien der Gleichheit (nach Harari das Alleinstellungsmerkmal des “sozialistischen Humanismus”) und es berücksichtigte natürlich auch in besonderem Maße die Erkenntnisse der Evolutionsbiologie. “Evolutionär” war dieser “neue Humanismus” allerdings noch in einer anderen bedeutsamen Hinsicht: Denn Huxley wusste als erfahrener Forscher, dass wissenschaftliche Erkenntnisse stets fehleranfällig und somit korrekturbedürftig sind und dass auch ethisch-politische Normen einem historischen Entwicklungsprozess unterliegen. Hieraus leitete Huxley ab, dass der evolutionäre Humanismus sich selbst evolutionär weiterentwickeln müsse und somit absolute Autoritäten wie unveränderliche Dogmen mit allergrößter Entschiedenheit abzulehnen sind – ein schärferer Kontrast zur radikal-autoritären, dogmatisch erstarrten Ideologie des “Tausendjährigen Reichs” ist kaum denkbar.

Ist es wirklich möglich, dass Yuval Noah Harari bei der Niederschrift seiner Bücher keine Ahnung davon hatte, dass der Begriff “evolutionärer Humanismus” etwas komplett anderes bedeutet als das, was er seinen Leserinnen und Lesern unter diesem Stichwort verkaufte? Ich habe diesbezüglich arge Zweifel. Immerhin findet man auch im englischsprachigen Wikipedia einen Eintrag zum “Evolutionären Humanismus”, der selbstverständlich nicht auf die Nazis, sondern auf Julian Huxley verweist. Zudem gibt es in “Homo deus” eine Stelle (S.349), welche die Interpretation naheliegt, dass Harari sehr wohl wusste, wie leicht sich sein Verständnis von “evolutionärem Humanismus” zerpflücken lässt. Allerdings macht diese Passage seine haarsträubende Interpretation keineswegs erträglicher, sondern setzt ihr die Krone auf. Harari schreibt nämlich: “Es sei allerdings erinnert, dass Hitler und die Nationalsozialisten nur eine Extremform des evolutionären Humanismus darstellen. (…) Nicht alle evolutionären Humanisten sind Rassisten, und nicht jeder Glaube an das weitere Entwicklungspotential der Menschheit führt zwangsläufig in den Polizeistaat und zu Konzentrationslagern.”

Mir stockte der Atem, als ich diese Passage las. Was soll man dazu noch sagen? Selbstverständlich war der Nationalsozialismus keine “Extremform des evolutionären Humanismus”, sondern eine “Extremform des antievolutionären Antihumanismus”. Die Nazis dachten, wie gesagt, weder humanistisch noch evolutionär, sondern antihumanistisch und totalitär. Und selbstverständlich – es ist peinlich, dies überhaupt betonen zu müssen – können “Rassisten” per definitionem niemals “Humanisten” sein, da sie die fundamentale Basis jedes ernstgemeinten Humanismus, nämlich die Idee der einen Menschheit, in der jedes einzelne Individuum zählt, missachten! Mehr noch – und dies zeigt, wie grotesk Harari die Tatsachen verdreht hat: Es war gerade der Begründer des evolutionären Humanismus, Julian Huxley, der dem Rassismus jegliche Grundlagen entzog, indem er 1935 in einem viel diskutierten Aufsatz (enthalten in dem Buch “We Europeans: A Survey on Racial Problems”) darlegte, dass die geno- und phänotypischen Unterschiede unter den Menschen viel zu gering sind, um im wissenschaftlichen Sinne von “menschlichen Rassen” sprechen zu können. Das Konzept der “Rasse”, so Huxley 1935, sei nur ein “sozialer Mythos”, keine wissenschaftliche Kategorie. Und so sorgte er dafür, dass der Begriff der “Rasse” zunächst in der wissenschaftlichen Debatte fallen gelassen und später auch auf politischer (UN-) Ebene durch den von ihm geprägten Begriff der “ethnischen Gruppe” ersetzt wurde (siehe u.a. das UNESCO-Statement “The Race Question” von 1950).

Die Folgen der Hararischen Begriffsverwirrung

Wie gesagt: Ich weiß nicht, ob Harari so unwissend oder ob er so manipulativ war, dass er diese leicht überprüfbaren Tatsachen in ihr Gegenteil verkehrte. Fakt ist jedoch, dass es für ihn einige dramaturgische Vorteile mit sich brachte, den evolutionären Humanismus kontrafaktisch mit Hitler und den sozialistischen Humanismus kontrafaktisch mit Stalin zu verbinden. Denn ohne diesen Kniff hätte die Geschichte, die Harari seinen Leserinnen und Lesern verkaufen wollte, nämlich die Geschichte vom nahenden Untergang des Humanismus, gar nicht funktioniert. Warum? Weil Harari nach dieser Diskreditierung des evolutionären und des sozialistischen Humanismus sämtliche Argumente ausblenden konnte, die aus diesen Traditionen stammen. Übrig blieb stattdessen der “liberale Humanismus”, den Harari (seiner eigenen Logik folgend, tatsächlich aber grob verfälschend) als eine a) anti-egalitäre (gegen das “sozialistisch-humanistische” Gleichheitsideal gerichtete) sowie b) naiv-idealistische (gegen das “evolutionär-humanistische” Wissenschaftsprinzip verstoßende) Ideologie darstellte.

Laut Harari müssen liberale Humanisten an einen gottgleich über den neuronalen Zuständen schwebenden, unabhängig von natürlichen Ursachen funktionierenden “freien Willen” glauben, da andernfalls ihr Glaube an “die Freiheit” in sich zusammenbrechen würde. Akzeptiert man diese Unterstellung, ist es natürlich ein Leichtes zu beweisen, dass ein solcher “liberaler Humanismus” gegen fundamentale Erkenntnisse der Biowissenschaften verstößt und in einem Zeitalter, in dem uns digitale Algorithmen die Regelhaftigkeit unseres Verhaltens immer deutlicher vor Augen führen, dem Untergang geweiht ist (das Hauptthema von “Homo Deus”). Aber: Ist es denn überhaupt wahr, dass der politische Liberalismus mit einem Glauben an das idealistische Konstrukt der Willensfreiheit einhergehen muss?

Auch hier lautet die Antwort: Nein! Dass Hararis Argumentation auf den ersten Blick überzeugend erscheinen mag, liegt daran, dass der Begriff der “politischen Handlungsfreiheit” leicht mit dem Begriff der “Willensfreiheit” verwechselt werden kann. Tatsächlich aber geht es im politischen Liberalismus keineswegs um die philosophische Frage, ob Menschen unabhängig von natürlichen Ursachen in einem spezifischen Moment ihres Lebens auch das exakte Gegenteil von dem wollen könnten, was sie tatsächlich wollen (Konzept der Willensfreiheit im Sinne des sogenannten “Prinzips der alternativen Möglichkeiten”), es geht vielmehr um die gesellschaftspolitische Frage, ob Menschen unter bestimmten sozialen Verhältnissen die Freiheit haben, tun zu können, was sie wollen (Gewährleistung von individuellen Handlungsfreiheiten).

In beiden Fällen taucht zwar das Wort “Freiheit” auf, nur hat das eine mit dem anderen nichts zu tun! Mehr noch: Es lässt sich (wie ich es in meinem Buch “Jenseits von Gut und Böse” getan habe) zeigen, dass einige der konsequentesten Gegner der Willensfreiheitsthese zugleich entschiedenste Vorkämpfer für politische Freiheiten waren – und umgekehrt: dass einige der enthusiastischsten Verfechter der Willensfreiheitsthese fanatisch für diktatorische Verhältnisse stritten. Auch wenn dies Harari-Anhänger arg verwirren mag, es entspricht nun einmal den historischen Tatsachen: Die wohl brutalsten Feinde der Freiheit und des liberalen Humanismus, nämlich die Nationalsozialisten, waren bedingungslos von der “Freiheit des Willens” überzeugt, da dies die idealistische Grundlage ihres strengen “Schuld-und-Sühne-Strafrechts” und ihrer “heroischen Stellungnahme zum Leben” war (so Roland Freisler in seiner Begründung zum Entwurf des nazistischen Strafrechts), während liberale Rechtsgelehrte wie Gustav Radbruch oder Fritz Bauer, die für größere Freiheit und eine weitreichende Humanisierung des Rechtssystems eintraten, die “unwissenschaftliche Hypothese” der Willensfreiheit verwarfen und stattdessen die mannigfaltigen sozialen und kulturellen Ursachen ins Bewusstsein rückten, die zu kriminellen Verhaltensweisen führen.

Die Fiktion eines “humanistischen Religionskrieges”

Hararis Freiheitsbegriff ist aber nicht nur deshalb obskur, weil er die unterschiedlichen Kategorien der Handlungsfreiheit und der Willensfreiheit unzulässig miteinander vermischt, sondern auch, weil er das Prinzip der Freiheit in einen radikalen Widerspruch zum Prinzip der Gleichheit setzt. Dies ist in politisch-ideologisch aufgeladenen Debatten zwar eine beliebte Denkfigur, aber mit einer soliden philosophischen und demokratietheoretischen Betrachtungsweise kaum in Einklang zu bringen. Diese verdeutlicht nämlich, dass Freiheit und Gleichheit nur als Einheit zu denken sind, ja, dass jeder Schritt in Richtung Gleichberechtigung der Menschen (verstanden als Herstellung von Chancengerechtigkeit – nicht als inhumane Gleichmacherei der Individuen!) zugleich auch ein Schritt in Richtung größerer Freiheit ist (vgl. hierzu mein Buch “Die Grenzen der Toleranz – Warum wir die offene Gesellschaft verteidigen müssen, S. 122ff.).

Aus diesem Grund ist es natürlich überhaupt kein Widerspruch, sondern vielmehr logisch stringent, für einen an der Freiheit und der Gleichberechtigung aller Menschen orientierten evolutionären Humanismus einzutreten. Damit fallen die Gegensätze weg, die Harari seiner Konstruktion der vermeintlichen “humanistischen Sekten” zugrunde gelegt hat – und es wird noch offenkundiger, wie grotesk Hararis Darstellung der Konflikte des 20. Jahrhunderts ist. Denn Harari möchte uns doch allen Ernstes die Botschaft verkaufen (“Homo Deus”, S. 254ff.), dass sowohl der 2. Weltkrieg als auch der Ost-West-Konflikt Folgen eines großen “humanistischen Religionskrieges” waren, der seit dem vermeintlichen “Schisma des Humanismus” zwischen den verfeindeten “Sekten” des liberalen, sozialistischen und des evolutionären Humanismus tobt.

Man muss sich vergegenwärtigen, was dies bedeutet: Harari zufolge waren der Holocaust, die stalinistischen “Säuberungsaktionen” und auch die unzähligen Hungertoten der “Dritten Welt” darauf zurückzuführen, dass im 20. Jahrhundert leider zu viele “Humanisten” an der Macht waren, die sich als Vertreter unterschiedlicher “humanistischer Sekten” gegenseitig bekämpften! Sicher: Wenn man voraussetzt, dass Adolf Hitler, der sich als Werkzeug der “göttlichen Vorsehung” verstand, ein “Humanist” war, dass Josef Stalin, der als “Prophet des dialektischen Materialismus” Andersdenkende in unfassbarem Umfang abschlachten ließ, ein “Humanist” war, dass Ronald Reagan, der sich von evangelikalen Predigern einflüstern ließ, welche Politik “God’s own Country” benötige, ein “Humanist” war – dann kann man der Erzählung folgen, dass im 20. Jahrhundert ein “humanistischer Religionskrieg” mit Millionen von Opfern stattgefunden hat. Man kann es aber auch sein lassen und sich stattdessen seines eigenen Verstandes bedienen, ohne in die ideologische Denkfallen zu tappen, die Harari in seinen Büchern aufgestellt hat.

Quellenbelege zu diesem Text finden sich in dem Buch des Autors “Hoffnung Mensch – Eine bessere Welt ist möglich” (Piper 2014 ), das ein ähnliches Themenspektrum behandelt wie Hararis “Eine kurze Geschichte der Menschheit”, sich aber in der Qualität der Argumentation deutlich von diesem unterscheidet.

Kommentar: «Das können Sie besser, Herr Schneider!»

Mittwoch, 19. Juli 2017

In seiner «Leser fragen»-Kolumne gibt der Psychoanalytiker Peter Schneider Antworten auf alles. Diese Woche hat er sich an der Frage «Brauchen wir Religionen?» versucht. FVS-Vorstandsmitglied Claude Fankhauser ist mit Schneiders Antworten überhaupt nicht einverstanden. Hier seine Replik.

 

Lieber Peter Schneider

Wahrscheinlich meinen Sie es gut mit Ihren Antworten auf die Fragen des Herrn S.; dennoch muss ich Ihnen in allem widersprechen, was Sie da an einem wohl nicht gerade höchstperformativen Tag geschrieben haben.

  • Erstens: Ich muss wohl nicht betonen, dass es nicht nur unredlich, sondern geradezu geschmacklos ist, sich gegenseitig die Leichenberge vorzurechnen, die der Glaube an unsichtbare Superhelden beziehungsweise die Absenz desselben möglicherweise verursacht hat. Denn am Ende sind es ja nicht Ideologien, die Morde begehen, sondern Menschen, die im Namen dieser Ideologien handeln. (Nebenbei: Kennen Sie Menschen, die «gegen Gottes Willen» Mordanschläge auf Ärzte verüben oder die «nicht im Namen Allahs, den es gar nicht gibt», in Hochhäuser fliegen? Ich nicht.) Es scheint mir aber angemessen, zumindest darauf hinzuweisen, dass Stalin an einem Priesterseminar studiert hat und dass Hitler nicht nur seinen Judenhass auch mit Hinweis auf seinen christlichen Glauben rechtfertigte (eine Tatsache, die übrigens bis heute noch keinen Papst dazu genötigt hätte, den braven Katholiken Hitler zu exkommunizieren), sondern auch bis zu seinem Tod davon überzeugt war, eine göttliche Mission zu erfüllen. Ausserdem müsste es schon eine sehr merkwürdige atheistische Diktatur gewesen sein, welche die Koppelschlösser der Gürtel ihrer Soldaten mit den Worten «Gott mit uns» verzieren liess.
  • Zweitens: Die strikte Unterscheidung zwischen «wir» und «die anderen» ist für die Etablierung einer religiösen Strömung fundamental wichtig. Ebenso wichtig ist es, dass ein einmal gefasstes Dogma nicht mehr hinterfragt wird, denn Kritik innerhalb einer religiösen Gemeinschaft führt unweigerlich zu einer Spaltung. Wir kennen dieses Phänomen nicht nur von der Reformation, sondern ebenso von all den modernen freikirchlichen Betgruppen, die zwar beachtliche Mitgliederzuflüsse haben, aber eben auch ähnlich hohe Abgangszahlen kennen. Wem die moralischen oder liturgischen Eckpfeiler seiner Gemeinschaft nicht mehr passen, der wechselt zu einer anderen oder gründet seine eigene. Und genau hier liegt ein zentraler Unterschied zwischen einem übernatürlichen und einem wissenschaftlichen Weltbild: Man wechselt als Zoologe nicht einfach zur «Einhorn-Zoologie», nur weil man merkt, dass in der «Mainstream-Zoologie» keine Einhörner vorkommen. Stattdessen würde ein (ganz normaler) Zoologe, der von der Existenz von Einhörnern überzeugt ist, seine Fakten auf den Tisch legen und seine Theorien zur Diskussion stellen. Wie Sie als Psychoanalytiker und Philosoph ja sicherlich wissen, ist ein «Faktum» aber immer abhängig vom Wissensstand (und oft auch persönlichem Hintergrund) der Debattierenden. Noch vor wenigen Jahren war es «Fakt», dass Atomkraftwerke sicher und Russpartikelfilter bei Dieselfahrzeugen umweltfreundlich sind. Und dass Frauen an den Herd und Homosexuelle in Therapie gehören, sind «Fakten», die ich sogar heute noch vereinzelt höre – meist übrigens von Menschen mit religiösem Hintergrund. In Ihrer Kolumne klagen Sie zu Recht Eugenik und den «wissenschaftlich geadelten Rassismus» als pseudowissenschaftliche Irrwege an. Dabei ignorieren Sie aber, dass die Leistung der Wissenschaft nicht darin liegt, falsche Meinungen irrtümlich zu richtigen zu erklären, sondern eben vor allem darin, dass diese falschen Meinungen nach Auftreten neuer Fakten revidiert und auf dem Müllhaufen der Wissenschaft entsorgt werden. Herr S. fragt Sie nun – meiner Meinung nach berechtigt – wo denn der Müllhaufen der religiösen Meinungen liegt und welche dieser Meinungen dort endlich ein für allemal deponiert werden können (ich würde als unverbindliche Empfehlung mal mit Frauenhass, Homohass, Kriegstreiberei, Schlägen als valabler Erziehungsmethode, unmenschlichen Strafen für läppische Vergehen, Tabuisierung der Sexualität, Patriarchismus und apokalyptischem Denken beginnen). Schade eigentlich, dass Sie durch blindwütiges Schwingen der Eugenik-Keule diese Frage nicht beantworten, sondern einfach nur abwürgen.
  • Drittens: Herr S. hat sich um mehr als 2000 Jahre geirrt und Sie wenden einen Viertel Ihrer Kolumne dafür auf, um ihm eine Geschichtslektion zu erteilen. Das kann man sicher so machen, aber sind tatsächlich diese 2000 Jahre entscheidend oder geht es nicht doch in erster Linie um diese Frage von Herrn S.: «Warum werden Bibel, Koran und Thora als ewige Wahrheiten angepriesen?» Der Versuch einer Beantwortung dieser Frage wäre für mich als Leser weit spannender gewesen als Ihr argumentatives Brunnenvergiften, und er hätte Sie vielleicht auch intellektuell etwas mehr gefordert.
  • Viertens: «Seid lieb zueinander» fände ich als generellen Leitsatz aller Religionen, die sich den Frieden auf ihre Fahnen geschrieben haben, gar nicht einmal so verkehrt. Was finden Sie denn so grundsätzlich falsch daran? Oder, anders gefragt: Was finden Sie an «du sollst keine anderen Götter neben mir haben» beziehungsweise an «es gibt keinen Gott ausser Allah» als Handlungsprämisse für den heutigen Menschen denn so wertvoll und nicht revidierungsbedürftig?
  • Fünftens: Herr S. fragt Sie explizit, ob seine – im Übrigen auch von mir als eher naiv angesehene – Idee einer aktualisierten Version der religiösen Schriften eine Utopie sei. In der Folge schreiben Sie von «seiner» Utopie. Herr Schneider, bei allem Respekt, das ist pure Polemik und Ihrer nicht würdig.
  • Sechstens: Dumme, schädliche Pseudowissenschaft kann irgendwann zu kluger, nützlicher Wissenschaft werden. Wir kennen das beispielsweise aus der Alchemie, die zur Chemie mutierte. Ein ähnlicher Prozess ist mir bei dummen, schädlichen Religionen leider nicht bekannt.

Lieber Peter Schneider, Ihr Text erinnert mich an die Apologeten jeder beliebigen Religion, die mir erklären wollen, dass mich ihr Gott fürs Masturbieren ins ewige Fegefeuer werfen wird, der mich aber trotzdem und gerade deshalb ganz, ganz doll lieb hat.

Das ist unter Ihrem Niveau. Das können Sie besser.

 

Mit freundlichen Grüssen,

Claude Fankhauser

“Menschliche Verletzlichkeit” – Diskussionsabend von Philosophie.ch in Bern

Sonntag, 16. April 2017

Im Rahmen des Projektes “Liebe und Gemeinschaft” von Philosophie.ch, dem Schweizer Online Portal für Philosophie (ansässig in Bern), findet im Café Kairo in Bern ein Diskussionsabend zum Thema “Menschliche Verletzlichkeit” statt.

Eintritt: CHF 15.00 (AHV/IV CHF 10.00).

Termin: Montag, 24. April 2017

Türöffnung: 19:00 / Beginn 19.30

Ort: Café Kairo, Dammweg 43, 3013 Bern.

Vom Bahnhof mit Bus Nr. 20 bis zur Haltestelle Lorraine

Mehr zum Thema:
Verletzlichkeit wird uns zur Zeit immer wieder als Grundeigenschaft menschlichen Lebens eindrücklich vor Augen geführt. In Anbetracht von Krieg, Flucht und dem Sterben an den Grenzen der Festung Europa beispielsweise. Verletzlichkeit dient aber auch als argumentative Grundlage für eine Abgrenzungspolitik des globalen Westens gegenüber „dem Anderen“, „dem Fremden“: In (nicht nur) rechtspopulistischer Rhetorik sind es beispielsweise emanzipierte weisse Frauen, die vor dem „sexuell übergriffigen Migranten“ beschützt, die fortschrittliche Nation, die vor dem „Eindringen eines rückständigen Wertesystems“ bewahrt oder das friedliche Miteinander, welches vor der Gewalttätigkeit des „Fremden“ geschützt werden muss. Diese Rhetorik baut auf einer Gegenüberstellung zwischen dem eigentlich autonomen, abgegrenzten Selbst und dem bedrohlichen, verletzenden Anderen. So betrachtet scheint es kein Zufall zu sein, dass gegenwärtig zwei Entwicklungen parallel verlaufen: Die starke Individualisierung des Menschen im neoliberalen Kapitalismus – also die Betonung des autonomen Selbst – und das gegenwärtige Erstarken von nationalistischem und fremdenfeindlichem Gedankengut. Es ist allerdings auch nicht zufällig, dass sich gegen diese Tendenzen gerade eine feministische Bewegung formiert. Der Women’s March in Washington am Tag der Inauguration des neuen US-Präsidenten Donald Trump ist die grösste Single-Day-Demonstration in der Geschichte der USA. In zahlreichen Städten weltweit fanden seither ähnliche Märsche statt. Feminismus, das sei nicht nur eine Bewegung für alle, sondern er kümmere sich auch um alles, wie Antje Schrupp in der “Frankfurter Rundschau” es formuliert. Angela Davis fordert in Anlehnung an den Slogan der Occupy-Bewegung, einen „Feminismus der 99%“. Und gerade zu Fragen rund um das Subjekt, um Autonomie und um Handlungsfähigkeit hat die Feministische Theorie so einiges an Antworten und Gedankenanstössen zu liefern. Verletzlichkeit spielt in diesen Überlegungen eine zentrale Rolle.

(Text von Geneva Moser)

>>Philosophie.ch

«Die Kirche braucht es [?]» – Im Aargauer Pfarrblatt «Horizonte» kommt auch ein Freidenker zu Wort

Donnerstag, 6. April 2017

Wie steht es um die Daseinsberechtigung der Kirchen?

«Wozu braucht es die Kirche noch?» – In Anlehnung an eine Diskussion in Solothurn am 29. März 2017, fragte Horizonte mit Blick auf den Aargau Kirchenräte, Seelsorgende und einen Freidenker.

Der Artikel findet sich bei http://www.horizonte-aargau.ch/die-kirche-braucht-es/.

Auszug aus dem umfangreichen Text:

Das Problem sind konfessioneller Zwang und Mission

Anders sieht das Valentin Abgottspon, Vizepräsident der Freidenkervereinigung Schweiz und Kämpfer für eine Trennung von Kirche und Staat. «Es gibt Leistungen von Kirchen, sozialer oder kultureller Art, an denen wir Freidenkerinnen und Freidenker nichts oder nur wenig auszusetzen haben. Doch bei vielen dieser eigentlich guten Taten und Institutionen ist leider mehr oder weniger Mission drin. Einer katholischen Schwangerschaftsberatung traue ich keine weltanschaulich neutrale Haltung zu. In vielen Kantonen werden solche Stellen aber nicht von Kirchensteuern, sondern über die Steuern von allen finanziert. Damit sind Konfessionsfreie gezwungen, konfessionell getragene Institutionen oder Stellen mitzufinanzieren.»

Staatlich finanzierte Angebote, so Valentin Abgottspon, müssten vonseiten des Staates ausgeschrieben werden. Ein klarer Leistungsauftrag müsse sicherstellen, dass ohne Mission gearbeitet werde. «Können die Kirchen diese Vorgaben einhalten, sollen sie anderen Dienstleisterinnen gegenüber nicht diskriminiert werden. Auf der individuellen Ebene soll jede und jeder selber entscheiden, ob er oder sie die Kirche braucht und mitfinanzieren will. Für mich persönlich lautet die Antwort da Nein», positioniert sich der Freidenker.

“Sternstunde Religion” – SRF vom 5.2.2017: Religiöse Erziehung – Gottvertrauen oder Gift für Kinder?

Montag, 6. Februar 2017

Nada Peratovic, Juristin und Mitglied der Freidenker Vereinigung der Schweiz bei "Sternstunde Religion"

 ”Sternstunde Religion” – SRF Kultur vom 05. Februar 2017: “Gottvertrauen oder Gift für die Kinder”:

Religion hat für viele Menschen einen zweifelhaften Ruf. Religion ist für sie gleichbedeutend mit Zwang, Konflikt und Gewalt. Soll man da seine Kinder noch religiös erziehen? Zwei Mütter und ein Vater erklären, warum sie ihren Kindern religiöse Werte weitergeben.

Der Glaube bedeutet ihnen Heimat und Halt im Alltag. Sie erziehen ihre Kinder religiös: Christine Bachmann christlich, Dilek Ucak-Ekinci muslimisch und Doron Schächter jüdisch. Sie beten mit ihren Kindern und besuchen mit ihnen die Kirche, die Moschee oder die Synagoge. Sie wollen ihnen Werte wie Geduld, Nächstenliebe oder Gottvertrauen weitergeben.

Ist es noch zeitgemäss, Kinder religiös zu erziehen? Sollten Kinder nicht später selber eine Religion wählen? Wo ist die Grenze zwischen religiöser Erziehung und Indoktrination?

Norbert Bischofberger leitet die Debatte.

>>Sendung anschauen auf srf.ch

Schweizer Freidenker sind bestürzt über das Attentat in Berlin

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Mit Bestürzung nehmen die Freidenker der Schweiz das blutige Attentat von Berlin zur Kenntnis. Sie gedenken der Opfer und ihren Hinterbliebenen und wünschen ihnen Kraft für die kommende Zeit. Besonders an Weihnachten, dem Fest, das für viele Menschen schon lange keinen religiösen Hintergrund mehr hat, aber dennoch Gelegenheit für das Zusammensein mit der Familie oder geliebten Menschen bietet, zeigt sich die Grösse des Verlusts noch einmal deutlicher und schmerzhafter.

Einmal mehr fordert offensichtlich religiös begründeter Fanatismus unschuldige Opfer. Bedauerlicherweise wird das feige Attentat nun von Kreisen instrumentalisiert, denen eine von Toleranz und Menschlichkeit geprägte Gesellschaft selbst ein Dorn im Auge ist.

Dass eben eine solche Haltung zu einer Schwächung der offenen Gesellschaft, deren humanistischen Werte Grundlage unseres freiheitlichen Zusammenlebens sind, führt, resümiert der Philosoph und Autor Michael Schmidt-Salomon in seinem soeben erschienenen Buch «Die Grenzen der Toleranz». Aus diesem Grund zitieren wir an dieser Stelle seinen Kommentar, veröffentlicht auf der Webseite der Giordano Bruno Stiftung am 20.12.2016:

Den Terroristen nicht in die Falle laufen!Kommentar von Michael Schmidt-Salomon zu dem mutmaßlichen Anschlag in Berlin 

Die Nachricht von der Tragödie auf dem Berliner Weihnachtsmarkt war gerade erst über die Ticker gelaufen, da wusste der Landeschef der AfD in Nordrhein-Westfalen Marcus Pretzell bereits, wer die Schuld daran trägt. Via Twitter verkündete Pretzell zu einem Zeitpunkt, als nicht einmal ansatzweise klar war, ob es sich bei den dramatischen Ereignissen an der Gedächtniskirche um einen Unfall, einen apolitischen Amoklauf oder einen terroristischen Anschlag gehandelt hatte: «Wann schlägt der deutsche Rechtsstaat zurück? Wann hört diese verfluchte Heuchelei endlich auf? Es sind Merkels Tote!» Dabei übersah der AfD-Politiker allerdings, dass gerade er und seinesgleichen den Terroristen in die Hände spielen. Denn Rechtspopulisten zählen – wenn auch unfreiwillig – zu den wichtigsten Verbündeten der Islamisten im globalen Dschihad.

Die islamischen Gotteskrieger verfolgen eine perfide und bislang sehr wirkungsvolle Strategie, die in zahlreichen, u.a. im Internet verbreiteten Schriften nachzulesen ist: Da sie nicht die Mittel besitzen, die westlichen Demokratien militärisch ernsthaft zu gefährden, sollen viele terroristische Einzelaktionen die Bürgerinnen und Bürger in Angst und Schrecken versetzen und entsprechende Aversionen gegen die Muslime» wecken, was wiederum zu einer weiteren Radikalisierung unter Muslimen führen soll.

Den Masterplan für diese Strategie hat der einflussreiche Islamist Abu Musab al-Suri in seiner 1.600-seitigen Propagandaschrift «Aufruf zum weltweiten islamischen Widerstand» dargelegt. Darin heißt es: «Wenn wir zwölf Angriffsteams in der gesamten islamischen Welt bilden könnten und jedes dieser Teams würde eine Operation im Jahr ausführen, dann gäbe es jeden Monat einen Angriff. Wenn sie zwei Operationen schaffen, wäre das alle fünfzehn Tage ein Angriff.» Bezüglich der Angriffsziele gab al-Suri folgende Empfehlung: «Die Angriffsart, die Staaten abschreckt und Regierungen stürzt, ist der Massenmord an der Bevölkerung. Man muss Menschenmengen ins Visier nehmen, um maximale Opferzahlen zu erzielen. Das ist sehr einfach, weil es viele solcher Ziele gibt, wie zum Beispiel gefüllte Sportstadien, jährliche gesellschaftliche Veranstaltungen, gut besuchte Marktplätze, Hochhäuser und andere Gebäude mit vielen Menschen.»

Für die Umsetzung dieser Strategie brauche es nur 100 entschlossene Kämpfer, meinte al-Suri. Sie könnten mit gezielten Attacken die Rechtsstaaten destabilisieren – und dabei auf die unfreiwillige Unterstützung westlicher Nationalisten und «Kreuzzügler» rechnen. Denn diese würden, so das Kalkül al-Suris, reflexartig Gegenmaßnahmen gegen «die Muslime» einleiten. Die damit einhergehende Unterdrückung der Muslime sei eine großartige Stütze im globalen Dschihad. Denn sie führe zu größerer Ungerechtigkeit und zu massiveren Konflikten, was viele junge Muslime dazu motivieren würde, sich am bewaffneten Kampf gegen «die Ungläubigen» zu beteiligen.

Derzeit sieht es so aus, als sei der 23-jährige Pakistani, der in Berlin festgenommen wurde, al-Suris Anweisungen gefolgt, als er mit einem gestohlenen LKW in die Menschenmenge auf dem Berliner Weihnachtsmarkt raste. Gesichert ist diese Annahme im Augenblick noch nicht. Fest steht aber schon jetzt, dass sich Rechtspopulisten wie Marcus Pretzell geradezu sklavisch an das Terror-Drehbuch der Dschihadisten halten. Sie sind, ohne es zu ahnen, die wirkungsvollsten Verstärker des globalen Dschihad. Wenn wir dem Islamismus wirksam entgegentreten wollen, können wir es uns nicht erlauben, weiterhin in diese Falle zu laufen.

Buchempfehlung zum Thema:
Elmar Theveßen: Terror in Deutschland. Die tödliche Strategie der Islamisten. München 2016.

UNO-Generalversammlung: Angriff auf das Mandat zum Schutz vor Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung und Identität mit knapper Mehrheit zurückgewiesen

Freitag, 9. Dezember 2016

Die Dritte Kommission der UNO-Generalversammlung hat am 23. Nov. 2016 mit einer relativ knappen Mehrheit den Antrag einer Staatengruppe zurückgewiesen, das Mandat des Experten zum weltweiten Schutz der Rechte von Lesben, Schwulen und Transmenschen nicht zu bestätigen. Dieses Mandat hatte der UNO-Menschenrechtsrat erst im Juni 2016 beschlossen. Danach ernannte er den Thailänder Vitit Muntarbhorn in der September-Session 2016 zum ersten unabhängigen Experten zum Schutz vor Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung und Identität.

Der Versuch einer Staatengruppe, diese Beschlüsse nachträglich zu blockieren, ist sehr beunruhigend, werden doch die Resolutionen des UNO-Menschenrechtsrats von der UNO-Generalversammlung in aller Regel nicht infrage gestellt. Nun haben aber eine breite Gruppe von afrikanischen und islamischen Staaten sowie Russland, China und Indien versucht, den historischen Schritt des Menschenrechtsrats rückgängig zu machen – zum Glück ohne Erfolg. Eine sehr breite Koalition von 850 NGOs hatte sich vor der Abstimmung in der Dritten Kommission in einem offenen Brief gegen diesen Angriff auf die Autonomie des UNO-Menschenrechtsrats gestellt.

>>Zum ganzen Artikel auf humanrights.ch

Humanistische Werte in der Einwanderungsgesellschaft – Tagung in Berlin

Samstag, 5. November 2016

(…)”Dr. Ralf Schöppner, Philosoph und Geschäftsführender Direktor der Humanistischen Akademie, stellte den Gästen einige zentrale Elemente eines zeitgenössischen Humanismus vor. In einem aktuell diskutierten Entwurf des Humanistischen Verbandes stünden Lebensfreude und Selbstbestimmung, “brennen” für eine bessere Welt, Kritik und Toleranz sowie Weltlichkeit im Mittelpunkt.”

>>Zum Artikel auf hpd.de