Archiv für die Kategorie „Homosexualität“

«Ehe für alle»: Sollen sich Kirche und Staat voneinander lösen?

Freitag, 21. Juli 2017

Artikel auf kath.ch von Remo Wiegand,13.7.17

Die CVP-Frauen wollen den Streit um die «Ehe für alle» mit einem Kompromissvorschlag schlichten: Der Staat öffnet seine zivile Lebensgemeinschaft auch für Homosexuelle, das Label «Ehe» überlässt er ganz der Kirche. Vertreter der katholischen Kirche sehen den Handlungsbedarf allerdings anderswo.

Ja, wir wollen: Deutschland hat kurz vor den Sommerferien entschieden, die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen. Der gesellschaftspolitische Paukenschlag belebt auch die Debatte in der Schweiz. Die Regenbogen-Presse machte sich für die Freiheit der Liebe stark und mahnte ultimativ, die so genannte «Ehe für alle» auch hierzulande einzuführen. Churs Bistumssprecher Giuseppe Gracia warnte über diverse Kanäle ebenso ultimativ vor dem Dammbruch-Szenario, wonach die Ehe wohl bald auch für mehr als zwei Partner geöffnet werde.

Kein Schnellschuss

Allen Ultimaten zum Trotz: Die Schweiz bewegt sich in Eheangelegenheiten langsamer als Deutschland: Am 16. Juni hat der Nationalrat entschieden, die Frist zur Behandlung einer «Ehe für alle»-Initiative der Grünliberalen Partei (GLP) zu verlängern. Im Sinne einer Gesamtschau wolle man zuerst «die möglichen Auswirkungen einer Ehe für alle (…) auf das Steuer- und Sozialversicherungsrecht, auf das Adoptionsrecht und auf die Fortpflanzungsmedizin» überprüfen, begründete der Aargauer GLP-Nationalrat Beat Flach.

Die Fristverlängerung gibt auch der katholischen Kirche und der christlichdemokratischen Volkspartei (CVP) Gelegenheit, ihre Positionen zu finden. Die Schweizer Bischofskonferenz hat eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe eingesetzt, die nach den Sommerferien ausgiebig über die «Ehe für alle» beraten wird. Schon länger diskutiert die Partei mit dem «C» im Namen das heisse Eisen.

Während sich dort konservative und liberale Kräfte die Waage halten, ohne sich öffentlich in die Offensive zu wagen, sprangen die CVP-Frauen anfangs Jahr mit einem beachtlichen Kompromissvorschlag aus der Deckung. Ihr Vorschlag: Die Zivilehe solle in der Schweiz in eine «zivile Lebensgemeinschaft» umgewandelt werden, die möglichst offen zu gestalten wäre. Die Definition der Ehe würde man dafür künftig Kirchen und Religionsgemeinschaften überlassen.

Gegen Diskriminierung

Die CVP-Resolution will der Kirche die «Hoheit» über den Ehe-Begriff zurückzugeben, die sie seit Einführung der Zivilehe in der Schweiz (1876) mit dem Staat teilt. Die zivile Lebensgemeinschaft würde umgekehrt von historisch-religiösem Ballast befreit. «Die Zivilehe ist aus der christlichen Ehe entstanden, die ursprünglich für Mann und Frau reserviert war», resümiert Alberto Bondolfi, emeritierter Professor für Moraltheologie an der Universität Genf. Bis heute werden Homosexuelle von der Ehe ausgeschlossen. «Diese Ungleichbehandlung soll nicht weiter durch den Staat vorgenommen werden», bekräftigt Giovanna Lanza, eine der Initiantinnen der CVP-Frauen.

Zwar hat der Staat für homosexuelle Paare 2007 die eingetragene Partnerschaft geschaffen, die diese steuerlich und erbrechtlich gleichstellt. Eine Gleichbehandlung mit Ehepaaren bietet die eingetragene Partnerschaft aber nicht: Die Namen der homosexuellen Partner bleiben verschieden, ihre Güter getrennt, eine Niederlassungsfreiheit für Ausländer existiert nicht.

Diesen Diskriminierungen wollen die CVP-Frauen ein Ende setzen. Den heikelsten Punkt lässt man indes offen: «Beim Adoptionsrecht und beim Zugang zur Fortpflanzungsmedizin konnten wir keine Einigung erzielen», bedauert Lanza. Persönlich ist die unverheiratete Rechtsanwältin dafür, dass Homo- wie Heterosexuellen die gleichen Rechte zur Verfügung stehen, um eine eigene Familie zu gründen.

Ehe versus Kinderrechte

Apropos Familie: Kinder machen im Kern den Sinn stabiler Partnerschaften aus. «Der Staat regelt Beziehungen, damit Kinder besser geschützt sind», argumentiert auch Lanza klassisch. Doch Kinder kommen heute auch auf die Welt, ohne dass die Eltern rechtlich verbunden sind. Hier knüpft die Kritik von Alberto Bondolfi am CVP-Frauen-Vorschlag an: «Dringender als eine Eheregelung wäre, dass der Staat das Recht auf Fortpflanzung präzisiert und Kinder rechtlich schützt.»

Nicht mehr zwingend sei hingegen, Kindswohl und Kinderrechte mit der Ehe zu koppeln. Die Zivilehe verkümmere darum immer mehr zur symbolischen, staatlichen Anerkennung von Lebensformen. «Es ist verständlich, dass hier Homosexuelle als gleichwertig anerkannt werden wollen. Andrerseits gibt es auch Homosexuelle, die eher eine Anerkennung ihrer Andersartigkeit fordern», gibt Bondolfi zu bedenken. Das sei mit einer Rechtsinstitution, das sich traditionell an heterosexuelle Paare richtet, nicht gegeben.

Im Mittelalter war höfische Vielehe toleriert

Bondolfi, selber klassisch katholisch verheiratet, ist weit davon entfernt, die Ehe starr zu denken. «Die christliche Ehe hat sich immer entwickelt: Im Mittelalter hat die Kirche zum Beispiel die höfische Vielehe toleriert.» So sei auch die Vorstellung wandelbar, dass nur Mann und Frau eine Ehe konstituieren könnten.

«Heute versteht man die Polarität der Geschlechter zunehmend als Metapher», erklärt Bondolfi. Trotzdem will der Theologe von Vorgaben der Natur nicht gänzlich absehen – und rät dies auch dem Gesetzgeber. So würde er die natürliche Ungleichheit nicht gesetzlich ausgleichen, dass schwule Paare keine Kinder bekommen könnten, lesbische hingegen schon. «Es gibt kein absolutes Anspruchsrecht auf Kinder», argumentiert der Tessiner.

Tradition und Liberalität

Nicht nur ethisch-rechtlich, auch politisch hat Bondolfi seine Zweifel am Vorschlag der CVP-Frauen: «Ich befürchte, dass darin vor allem ein Versuch einer katholischen Partei gesehen wird, die traditionelle sakramentale Ehe zu retten.» Das lässt Giovanna Lanza nicht gelten: Die CVP sei schon lange keine katholische Partei mehr. «In der Diskussion haben auch reformierte Frauen argumentiert, dass die Ehe eine Verbindung von Mann und Frau bleiben solle.»

Der Kompromissvorschlag der CVP-Frauen bleibt ein Versuch, bei der Ehe Tradition und Liberalität zu versöhnen. Er soll auch in der Parlamentsdebatte zur GLP-Initiative eingebracht werden. Vor allem möchte man dann darauf hinwirken, dass der Staat nicht zwei ungleiche Partnerschaftsmodelle, sondern eine zivile Union für alle schafft. Ob das Kind dann noch Ehe heisst, bleibt offen.

Homosexualität, eine widernatürliche Sünde?

Freitag, 30. Dezember 2016

 

Artikel zur Homophobie in Christentum und Islam auf gottunddiewelt.net – von Felix Kruppa:

Bibel und islamische Schriften lehren, dass gleichgeschlechtliche Liebe eine schwere Sünde und unnatürlich sei. Das führt bei unkritischer Übernahme dieser veralteten Moral oft zu einer Diskriminierung und Kriminalisierung homosexueller Menschen. Dabei ist Homosexualität etwas Natürliches und auch in der Tierwelt kein seltenes Phänomen

Alle islamischen Rechtsschulen deklarieren die Homosexualität als schwere Sünde. Nach konservativer Interpretation des islamischen Rechts (scharia) gilt die gleichgeschlechtliche Liebe als Zinā (‚Unzucht‘). Lediglich in dem zu verhängenden Strafmaß sind sich die Rechtsschulen uneins. Manche plädieren für die Auspeitschung (Hanfiten, größte Rechtsschule), andere empfinden die Todesstrafe durch Steinigung als gerechte Strafe für dieses vermeintliche Vergehen (Malikiten, Hanabaliten). Die theologische Basis dafür lässt sich nur bedingt im Koran finden, wird aber durch die Überlieferungen über die Taten und Aussprüche des Propheten Mohameds (Hadith) normativ. Islamische Länder adaptieren diesen 1400 Jahre alten Moralkodex oft unverändert auf die heutige Zeit. In keinem islamisch geprägten Land werden homosexuelle Beziehungen staatlich anerkannt. In sieben islamischen Ländern droht gleichgeschlechtlich liebenden Menschen sogar die Todesstrafe: Iran, Nigeria (nördliche Landesteile), Mauretanien, Sudan (nördliche Landesteile), Jemen, Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate.

>>Ganzen Artikel lesen 

 

Malta verbietet «Therapie» von Homosexuellen

Freitag, 9. Dezember 2016

Gay Parade auf Malta

Mit einem – weltweit bislang einmaligen – Gerichtsurteil vom 5.12.2016 wird auf Malta zukünftig der Versuch homosexuelle Menschen “umzuerziehen” respektive zu “heilen” mit einer Geldbusse, in besonders schweren Fällen mit Freiheitsstrafe, geahndet.

 

 

 

>>Artikel auf Watson.ch

 >>Artikel (Englisch) auf lifesitenews.com

 >>Artikel (Englisch) auf gaymalta.com

 

 

 

 

 

UNO-Generalversammlung: Angriff auf das Mandat zum Schutz vor Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung und Identität mit knapper Mehrheit zurückgewiesen

Freitag, 9. Dezember 2016

Die Dritte Kommission der UNO-Generalversammlung hat am 23. Nov. 2016 mit einer relativ knappen Mehrheit den Antrag einer Staatengruppe zurückgewiesen, das Mandat des Experten zum weltweiten Schutz der Rechte von Lesben, Schwulen und Transmenschen nicht zu bestätigen. Dieses Mandat hatte der UNO-Menschenrechtsrat erst im Juni 2016 beschlossen. Danach ernannte er den Thailänder Vitit Muntarbhorn in der September-Session 2016 zum ersten unabhängigen Experten zum Schutz vor Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung und Identität.

Der Versuch einer Staatengruppe, diese Beschlüsse nachträglich zu blockieren, ist sehr beunruhigend, werden doch die Resolutionen des UNO-Menschenrechtsrats von der UNO-Generalversammlung in aller Regel nicht infrage gestellt. Nun haben aber eine breite Gruppe von afrikanischen und islamischen Staaten sowie Russland, China und Indien versucht, den historischen Schritt des Menschenrechtsrats rückgängig zu machen – zum Glück ohne Erfolg. Eine sehr breite Koalition von 850 NGOs hatte sich vor der Abstimmung in der Dritten Kommission in einem offenen Brief gegen diesen Angriff auf die Autonomie des UNO-Menschenrechtsrats gestellt.

>>Zum ganzen Artikel auf humanrights.ch

Veranstaltung zum Tag der Menschenrechte in Zürich: Samstag, 10.12.2016 – Elizabeth O’Casey (IHEU)referiert zum Thema: Die Situation um Frauen- und LGBTI-Rechte und die Projekte der IHEU

Montag, 21. November 2016

Wir schreiben das Jahr 2016 – und nach wie vor sind Frauen und bi-, homosexuelle oder Transgender-Personen vielerorts gar nicht oder nicht zureichend rechtlich geschützt. Mehr noch, werden Menschen, die sich nicht für den traditionellen heterosexuellen Lebensentwurf entscheiden, in vielen Ländern durch staatliche oder religiöse Institutionen und Gruppen gnadenlos verfolgt.

Elizabeth O’Casey ist Director of Advocacy bei der International Humanist and Ethical Union – IHEU. Sie wird uns in ihrem Referat (in Englisch) etwas über die Situation der Betroffenen sowie über die diesbezüglichen Projekte der IHEU erzählen.

Diese Veranstaltung entsteht in einer Kooperation von frei-denken.ch mit der Uni-Gruppe L-Punkt Zürich. Im Anschluss gibts einen kleinen Apéro.

 

 

Zeit: Beginn 17:00

Ort: Uni Zürich, Raum KO2-F-150, Karl Schmid-Strasse 4, 8006 Zürich.
Google Maps: Das Gebäude KO2 der Uni Zürich.

Eintritt: frei, Spendenbox

Anderssexuelle und Religion: Das passt nicht zusammen…

Donnerstag, 11. August 2016

Für das Magazin Pink Mail von Pink Cross, dem Schweizer Dachverband der Schwulen, hat Valentin Abgottspon, Vize-Präsident der FVS, einen Text mit dem Titel «Anderssexuelle und Religion: Das passt nicht zusammen…» verfasst.

Er ist in deutscher und französischer Sprache im Heft abgedruckt.

Das komplette Heft findet ihr hier zum Download als PDF: PDF zum Herunterladen.

Hier eine Version mit Inhaltsangabe und dem Freidenker-Beitrag: PDF zum Herunterladen (Beitrag Valentin Abgottspon).

Zur Frage um Homo- und Anderssexualität, LGBTIQ usw., aber auch zu Kirchen-, Religions- und Ideologiekritik allgemein und zu unser Huonder-Plakataktion hat Valentin Abgottspon auch im Ketzer-Podcast Spezial vom August 2015 Auskunft gegeben [dauert etwa 1h35]:


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CSD 2016: “Umgang von Religionen mit sexueller Orientierung und geschlechtlicher Vielfalt.”

Sonntag, 17. Juli 2016

Beim diesjährigen Christopher Street Day zogen, wie auch in den Jahren zuvor, mehrere tausend Menschen durch die Innenstadt von Leipzig, um für eine Gleichstellung von homo- und transsexuellen Paaren zu demonstrieren. Diesjähriges Motto der Veranstaltung war der “Umgang von Religionen mit sexueller Orientierung und geschlechtlicher Vielfalt.” (weiterlesen…)

Sonntag, 17. Januar 2016

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Freidenker leihen jCVP ZH und CVP-LGBTI ihr Logo

Dienstag, 29. Dezember 2015

Wie 20 Minuten vermeldet, hat die CVP Schweiz der Jungen CVP Kanton Zürich und der parteieigenen LGBTI-Gruppe verboten, mit dem Parteilogo auf der überparteilichen Plattform gemeinsam-weiter.ch in Erscheinung zu treten. Die Freidenker bieten Abhilfe.

Die Plattform gemeinsam-weiter.ch tritt für ein Nein zur so genannten Heiratsstrafe-Initiative der CVP ein – mit gutem Grund! Denn die Initiative tritt nicht nur für eine Änderung des Steuerrechts ein, sie will auch in der Verfassung festschreiben, dass die Ehe  «die auf Dauer angelegte und gesetzlich geregelte Lebensgemeinschaft von Mann und Frau» sei.

Diese Diskriminierung Homosexueller steht zwar in «bester» katholischer Tradition, die Junge CVP ZH und die CVP-LGBTI-Gruppe mögen dies aber erfreulicherweise nicht mittragen. Sie beschlossen deshalb beide die Nein-Parole zur CVP-Initiaitve und waren folgerichtig mit ihrem Logo auf gemeinsam-weiter.ch präsent – bis zur Intervention der Mutterpartei, die geltend machte, das Parteilogo sei urheberrechtlich geschützt.

Damit die beiden dissidenten CVP-Gruppen nicht logo-los bleiben müssen, bieten die Freidenker ihnen für die Dauer des Abstimmungskampfes an, das FVS-Denker-Logo zu verwenden – im Freidenker-blau oder auch in der CVP-Hausfarbe.
 

Wenn 270 alte Herren über Ehe, Familie und Sexualität beraten: Familiensynode der römisch-katholischen Kirche

Montag, 26. Oktober 2015

SRF Kultur vom 04.10.2015: “Die Familiensynode führt 270 Bischöfe aus der römisch-katholischen Kirche in Rom zusammen. Bis zum 25. Oktober beraten sie über Ehe, Familie und Sexualität. Progressive Kräfte drängen auf eine Wende in Sexualmoral und Eheverständnis. Sie fürchten den endgültigen Bedeutungsverlust ihrer Kirche.” (weiterlesen…)