Archiv für die Kategorie „Denkfest“

“Ein Fest des kritischen Denkens”

Mittwoch, 15. November 2017

Florian Chefai war für den Humanistischen Pressedienst vier Tage am Denkfest:

War die Reformation für die Aufklärung notwendig? Hat sie den Frauen Fortschritte gebracht? Wie steht’s um die Reform des Islam? Wie reformiert sich die Wissenschaft? Und welche Reformationen des Denkens stehen uns wohl noch bevor? Diese und andere Fragen wurden am vergangenen Wochenende beim hochkarätig besetzten “Denkfest” in Zürich diskutiert, das von der Feidenker-Vereinigung der Schweiz (FVS) u.a. mit Unterstützung der Skeptiker Schweiz und der Giordano-Bruno-Stiftung ausgerichtet wurde.

Angesichts der zahlreichen Feierlichkeiten zum Reformationsjahr sollte das dritte “Denkfest” einen dezidiert säkularen Beitrag zum Reformationsjubiläum leisten. Dazu wurden mehr als 30 Referentinnen und Referenten aus dem In- und Ausland eingeladen, die an vier Tagen ein fulminantes Programm mit Wissenschaft, kritischem Denken und intelligenter Unterhaltung präsentierten.

Bild: Florian Chefai

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Freidenker-Preis 2017 geht an Masih Alinejad und Zehra Doğan

Montag, 6. November 2017

Am Sonntag, 5. November verliehen die Schweizer Freidenker zum zweiten Mal den mit CHF 10’000 dotierten Freidenkerpreis. Er geht zu gleichen Teilen an die Exil-Iranerin  Masih Alinejad und ihre Organisation My Stealthy Freedom sowie an die kurdische Malerin und Journalistin Zehra Doğan, die zur Zeit in der Türkei in Haft ist.

Beide Frauen setzten und setzen sich mit ungeheurem Engagement für persönliche Freiheit ein, insbesondere für die Freiheit von Frauen. Masih Alinejad tut dies, indem sie den Frauen im Iran Mut macht, sich gegen die frauenfeindlichen religiösen Vorschriften aufzulehnen. Zehra Doğan thematisiert als Künstlerin und Journalistin Krieg, Missstände in der Gesellschaft und Gewalt an Frauen.

Auf der Facebook-Seite My Stealthy Freedom lud Masih Alinejad ab 2014 Iranerinnen ein, sich ohne Hijab zu zeigen, um zu betonen, dass es eine persönliche Entscheidung sein müsse, ob eine Frau ihr Haar bedecken wolle oder nicht. Unzählige Frauen haben seither Foto- oder Videoportraits von sich eingesandt und machen so weiteren Frauen Mut, sich gegen religiöse Vorschriften, die sich insbesondere gegen Frauen richten, aufzulehnen. Masih Alinejad lebt heute in New York und arbeitet unter anderem für die persischsprachige Ausgabe von Voice of America.

Zehra Doğan ist in in der Türkei Haft, weil sie mit einem Bild und einer Geschichte auf die Zustände in der mehrheitlich von Kurden bewohnten Stadt Nusaybin aufmerksam machte. Wegen des Konfliktes zwischen der türkischen Armee und der PKK galt in der Stadt während fünf Monaten ein Ausgangsverbot. Sie illustrierte mit einem online geteilten Bild den Grad der Zerstörung durch Operationen türkischer Militärs und beleuchtete in einem Artikel das Schicksal eines zehnjährigen Knaben. Sie zitierte ihn unter anderem mit diesen Worten: “Wir hören gerade Schüsse. Wenn sie zunehmen, rennen wir nach Hause, wenn die Panzer wegfahren, gehen wir auf die Strasse und machen Lärm, um zu protestieren. Ich denke, wir liegen richtig. I weiss, dass unsere Stimmen eines Tages gehört werden.” Beides wurde ihr als terroristische Propaganda angelastet. Sie verbüsst seit Juni 2017 eine 17-monatige Haftstrafe. Obschon ihr Malutensilien verweigert werden, stellt sie weiter Bilder her: sie nutzt Verpackungsmaterialien, Kaffee, Vogelfedern, die sie im Hof findet und dergleichen mehr.

Andreas Kyriacou, Präsident der Freidenker-Vereinigung der Schweiz erläuterte den Entscheid, die beiden Frauen zu würdigen:

Wir wissen dank des Austauschs mit anderen humanistischen Organisationen von vielen Personen, die sich unter schwierigsten Bedingungen für Menschenrechte, für Rede- und Kunstfreiheit und für eine humanere Welt einsetzen. Wir haben uns unter anderem deshalb für Masih und Zehra entschieden, weil ihr Wirken nicht nur auf die Gewalt und Unterdrückung oppressiver Regimes aufmerksam macht, sondern weil die beiden viele kunstvolle Formen gefunden haben, diese Missstände anzuprangern und anderen Mut machen, sich dagegen aufzulehnen.

Ensaf Haidar, eine der drei PreisträgerInnen des Freidenker-Preises von 2015 bezeichnete in einer Grussbotschaft die beiden Frauen als zwei ihrer persönlichen Heldinnen und ergänzte:

Ich kenne Masih und als Frau die früher selbst gezwungen wurde Haar und Gesicht zu verschleiern, weiss ich, wie viel es braucht, um sich gegen das Verhüllungsgebot aufzulehnen. Masih, Zehra und all die Autorinnen und Künstlerinnen, die sich für individuelle Freiheiten einsetzen und sich gegen das religiöse Establishment auflehnen benötigen unsere Unterstützung und unsere Aufmerksamkeit.

Die Preisverleihung fand zum Abschluss des von den Freidenker initiierten wissenschaftlich-humanistischen Festivals Denkfest in Zürich statt. Für Masih Alinejad nahm ihre in England lebende Mitstreiterin und Menschenrechtsanwältin Leila Alikarami den Preis entgegen.  In ihrer Dankesrede führte sie aus, wieso My Stealthy Freedom von den vielen Formen der Frauenunterdrückung im Iran bewusst den Verhüllungszwang zum Thema mache:

Das Fokussieren auf den Hijab ermutigt Frauen, Widerspruch gegen den Hijab-Zwang zu äussern und die Regierung wie auch die Gesellschaft aufzufordern, das Recht der Frauen, Kontrolle über ihren eigenen Körper zu haben. anzuerkennen. My Stealthy Freedom widmet sich deshalb dem offensichtlichsten Symbol der Unterdrückung. Wenn wir nicht bestimmen können, wie wir unsere Köpfe bedecken, wie sollen wir dann Kontrolle darüber haben, was in unsere Köpfe gelangt?

Für Zehra Doğan waren die Journalistin Naz Oke und die Schriftstellerin Lucie Renée Bourges anwesend, die sich beide persönlich für ihre Freilassung einsetzen. Sie lasen aus Botschaften hervor, die sie von Zehra Doğan aus dem Gefängnis erhielten. Passagen wie die fogende zeigen, dass sie sich auch von Justizwillkür nicht unterkriegen lässt.

Für jemanden ohne Lebensgrund  ist das Gefängnis hart, ja, sehr hart. Aber mein Lebenswille ist gross. Deshalb erscheinen diese Mauern mit jedem Tag unerheblicher.

 Die vollständigen Dankesreden können hier(auf Englisch) nachgelesen werden.

Leila Alikarami und Naz Oke mit den Preisen für Masih Alinejad und Zehra Doğan

Leila Alikarami und Naz Oke

Der Freidenker-Preis wurde 2015 das erste Mal verliehen. Er ging an die drei Saudischen Staatsbürger Ensaf Haidar, Raif Badawi und Waleed Abulkhair. Mit der Vergabe wurde ihr mutiger Einsatz für humanistische und säkulare Werte gewürdigt. Der Preis wird nun alle zwei Jahre verliehen. Das Preisgeld von CHF 10’000 Franken wird über eine Erbschenkung finanziert.

Preisempfängerinnen und FVS-Vorstandsmitglieder vlnr: Ruth Thomas, Andreas Kyriacou, Leila Alikarami, Naz Oke, Renée Lucie Bourges, Nada Peratovic, Valentin Abgottspon

Preisempfängerinnen und FVS-Vorstandsmitglieder vlnr: Ruth Thomas, Andreas Kyriacou, Leila Alikarami, Naz Oke, Renée Lucie Bourges, Nada Peratovic, Valentin Abgottspon

Bilder: Serkan Demirel

Seyran Ates wirbt bei Freidenkern um Unterstützung für liberale Muslime

Montag, 6. November 2017

Die Initiantin der liberalen Moschee in Berlin, Seyran Ates (54), hat am Samstagnachmittag am «Denkfest» der Freidenker in Zürich ihr Projekt vorgestellt. Für ihre dezidierten Voten erhielt die muslimische Frauenrechtlerin immer wieder den Beifall des Publikums. Das Podium und ein Disput mit einem jungen muslimischen Besucher zeigten aber exemplarisch, dass die Frau in der islamischen Welt aneckt.

Seyran Ates am Denkfest

Die Männer in Anzug stehen breitbeinig da, die Hände in Hüfthöhe übereinandergelegt, zwei links und rechts von der Bühne, einer auf der Seite des Saals. Ein vierter sitzt in der vordersten Stuhlreihe. Als Seyran Ates vor ihrem Auftritt im Zürcher Volkshauses mit Gästen spricht, stehen die Bodyguards zu dritt in unmittelbarer Nähe der Frau. Seyran Ates erhält Morddrohungen, seit sie im Juni in Berlin zusammen mit Gleichgesinnten die liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee eröffnet hat.

«Es wundert mich nicht, dass die Menschen am meisten Angst vor der islamischen Religion haben», kommentiert sie ein Ergebnis einer religionssoziologischen Studie, die ihr Vorredner, der Lausanner Religionssoziologie Jörg Stolz, soeben präsentiert hat. «Auch ich habe Angst vor dem radikalen Islam, vor denjenigen, die die Religion politisiert haben», sagt die Frau mit der grauen Kurzhaarfrisur.

-> Zum vollständigen Artikel von Barbara Ludwig auf kath.ch

Presseposse um die Denkfest-Finanzierung

Dienstag, 10. Oktober 2017

Die dritte Ausgabe des Denkfests steht vor der Tür. Vom 2. bis 5. November heisst es wieder vier Tage Wissenschaft, kritisches Denken und intelligente Unterhaltung. Dass es mit einem umfangreichen Programm mit 15 Referaten, 5 Podien, einem künstlerischen Rahmenprogramm und neu auch mit Kinderbetreuung über die Bühne gehen kann, verdanken die Denkfest-Partnerorganisationen auch massgeblich dem Verein “500 Jahre Zürcher Reformation”, der den Anlass mit rund 80’000 Franken unterstützt.

Diese Förderung, die indirekt auch Mittel der Reformierten Kirche umfasst, war in den letzten Tagen Thema in einzelnen Medien, ausgelöst durch einen Artikel im Magazin bref, das von der Reformierten Presse herausgegeben wird. So hilfreich der Beitrag von CHF 80’000 für das Zustandekommen des breit gefächerten Denkfest-Programms auch ist, es ist in zweierlei Hinsicht wichtig, ihn in den Gesamtkontext zu stellen: 86% der Mittel, die über den Trägerschaftsverein Ref500 an gut 50 Projekte ausbezahlt werden, stammen von den drei weltlichen Quellen: Dem Lotteriefonds des Kantons Zürich, der Stadt Zürich und Zürich Tourismus. Und das Denkfest erhält knapp 6 Promille des kumulierten Etats von insgesamt 13.8 Millionen Franken (siehe Abbildung).


Woher die Ref500-Mittel stammen und wie viel an das Denkfest geht

Auf die Denkfest-Zuwendungen umgerechnet stammen also rund 69’000 Franken von den weltlichen und rund 11’000 Franken von den kirchlichen Trägern – angesichts des Programms, bei dem auch Religionsvertreter zu Wort kommen, ein durchaus gesundes Mischverhältnis.

Der Anfang: Eine Anfrage an die Freidenker

Dass die Freidenker und die anderen Denkfest-Partnerorganisationen mit ihrer Veranstaltung ins Reformationsjubiläumsprogramm integriert sind, geht auf eine Anfrage ganz zu Beginn der Planung des Jubiläums zurück. Die Freidenker wurden als Veranstalter des Welthumanistentages angefragt, ob sie einen eigenen Beitrag leisten möchten. Sie nahmen den Vorschlag sehr positiv auf, kamen aber zum Schluss, dass das Denkfest, dessen nächste Durchführung für 2017 geplant war, als mehrtägige Veranstaltung den geeigneteren Rahmen bieten würde. Sie reichten bei der damaligen Jury eine Ideenskizze eines Denkfests zum Leitthema «Reformationen des Denkens» ein. Es sollte die Reformation als geschichtliches Ereignis aufnehmen, aber auch Reformationen des Denkens beispielsweise in der Wissenschaft beleuchten und einen Blick in die Zukunft wagen: Welche Reformationen des Denkens kommen wohl noch auf uns zu? Die Idee wurde für gut befunden. So wurde das Denkfest wurde so eines der 31 von ursprünglich rund 100 Projekten, das zur Unterstützung durch den Lotteriefonds empfohlen wurde.

Die Gesamtplanung des Jubiläums geriet danach zunächst etwas ins Stottern, da der Regierungsrat ein erstes Gesuch abgelehnt hatte: Zu teuer und über einen zu langen Zeitraum verteilt lautete die Kritik. Darauf folgte eine weitere Prüfung der Projekte, mehrere fielen, teils aus terminlichen Gründen, weg, das Denkfest blieb. Die Freidenker und ihre Partnerorganisationen veranstalten also einen Anlass, welcher die Reformation von aussen beleuchten will und soll als solcher eine sinnige Ergänzung zum Gesamtprogramm «500 Jahre Reformation» sein. Wir wissen es sehr zu schätzen, dass es zu keinem Zeitpunkt Versuche gegeben hat, Einfluss auf das Programm zu nehmen.

Trotz international bekannter ReferentInnen und Referenten wie Seyran Ates, Philipp Blom. A. C. Grayling oder Julia Shaw und ReligionsforscherInnen wie Susan Karant-Nunn oder Jörg Stolz blieb das mediale Interesse für das Programm leider bescheiden. Das änderte sich erst mit einem Artikel im Magazin bref, das von der Reformierten Presse herausgegeben wird. Der Autor interessierte sich aber nicht für die Inhalte sondern nur für das Fehlen der Logos auf der Denkfest-Website. Diese fehlten tatsächlich am Tag der Anfrage, dem 3. Oktober noch. Bis Mitte September waren wir davon ausgegangen, dass sich die Trägerorganisationen zwar im Verein “500 Jahre Zürcher Reformation” zur Koordination und dem Bilden gemeinsamen Jury zusammengeschlossen hatten, die Unterstützung der einzelnen Projekte aber jeweils über einen der Träger laufen würde – das Denkfest eben durch den Lotteriefonds, da wir im Vorfeld mehrfach über die Ergebnisse des dort durch den Verein Ref500 eingereichten Gesuchs orientiert worden waren.

Von bref erfundene Differenzen

Im bref-Bericht ist von einem Missverständnis und von Differenzen zwischen dem Verein und der Denkfest-Organisation die Rede. Das Missverständnis bezüglich der Finanzierungsquelle gab es, die Differenzen sind frei erfunden. Von dem Moment an, als den Denkfest-Trägern bewusst war, dass die Mittel aus dem gemeinsamen Pool stammten, war für sie auch klar, die Logos der Trägerschaftsorganisationen abzubilden. Auf den 26. September hatte das Denkfest zu einer Medienorientierung eingeladen und in der dafür vorbereiteten Medienmappe alle Logos abgedruckt. Bei der Website dauerte die Aktualisierung allerdings tatsächlich länger, da die Denkfest-Vorbereitungen in Freizeit durch ein kleines Team erfolgen. Unser Versprechen war, bis zur Ref500-Lancierungsfeier am 4. Oktober einen aktualisierten Text für die Website zh-reformation.ch abzuliefern und unsere eigene Website mit den Logos zu ergänzen. Beides haben wir eingehalten. Diese Ausführungen hatte der bref-Redaktor von Andreas kyriacou bereits mündlich erhalten, als er sich entschieden hatte, einen Artikel mit nicht autorisierten Zitaten abzudrucken und online zu stellen. Das bref-Magazin, betreibt durchaus auch guten Journalismus. Es enttäuscht im vorliegenden Fall jedoch, dass es seiner Leserschaft nichts über die Zielsetzungen und Programminhalte des Denkfests kommunizieren will. Das ist aber selbstredend Ermessenssache der Redaktion. Es wäre allerdings redlicher gewesen, wenn Redaktor Heimito Nollé bei der telefonischen Anfrage am 3. Oktober transparent angekündigt hätte, dass er nur über die Logos und die Finanzierung schreiben wolle, statt ein generelles Interesse am Denkfest zu suggerieren. Und dass aus der am 4. Oktober per Mail erfolgten Bitte «Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir Ihre korrigierte Stellungnahme bis 13 Uhr schicken könnten» nachträglich eine minutengenaue Deadline wurde und ein Mail, das um 13.37 bei ihm einging, in der Berichterstattung nicht berücksichtigt wurde, ist journalistisch schlechter Stil.

Einen Vorteil hat diese Posse: das Denkfest wurde von mehr Medienschaffenden als bisher wahrgenommen. Wir freuen uns darauf, dass sie sich nun auch für die Inhalte interessieren…

Denkfest 2017: “Freidenker wollen säkularen Beitrag zum Reformationsjubiläum bieten”

Freitag, 29. September 2017

kath.ch vom 26.9.17 – Artikel von Barbara Ludwig

Seit bald einem Jahr finden zum Gedenken an «500 Jahre Reformation» zahlreiche Anlässe statt. Nun leisten auch die Schweizer Freidenker einen Beitrag dazu. Im November organisieren sie ihr drittes «Denkfest». Dieses hat das Thema «Reformationen des Denkens». Dort sprechen auch Vertreter der jüdischen, christlichen und islamischen Religionsgemeinschaften. Der Verein «500 Jahre Zürcher Reformation» unterstützt den Anlass.

Eine Reihe von Rednerinnen und Redner, viele davon aus dem Ausland, sprechen am dritten internationalen Wissensfestival «Denkfest» vom 2. bis 5. November über «vergangene, gegenwärtige und bevorstehende Reformationen des Denkens», heisst es in einer Einladung an die Medien.

Gemäss Programm geht es lediglich bei drei Veranstaltungen um die Reformation als Ereignis der europäischen Geschichte. So hält der in Zürich lehrende Historiker Bernd Roeck einen Vortrag mit dem Titel «War die Reformation ein zwingender Vorläufer der Aufklärung?» Die amerikanische Geschichtswissenschaftlerin Susan Karant-Nunn befasst sich mit dem Einfluss der Reformation auf die Frauen. Eine dritte Veranstaltung nimmt die Schriften von Martin Luther über die Juden unter die Lupe.

Ergänzung zum Reformationsgedenken

Mit den Veranstaltungen zum Thema «Reformation» wolle man die «sonstigen» Anlässe zum Reformationsgedenken ergänzen, erklärte Andreas Kyriacou, Initiant des Denkfestes und Präsident der Freidenker-Vereinigung der Schweiz, am Dienstag gegenüber kath.ch. Der Fokus des Wissensfestivals ist aber breiter angelegt, was sich auch im übrigen Programm zeigt. Es gehe allgemein um Reformationen des Denkens, so Kyriacou. «Weil die Gesellschaft zunehmend säkularer wird, wollen wir verschiedene Reformationen des Denkens aus einer säkularen Perspektive anschauen.»

Am letzten Tag des «Denkfestes» hält der deutsche Philosoph und Schriftsteller Michael Schmidt-Salomon einen Vortrag, in dem er gemäss Ankündigung für einen «weltanschauungsübergreifenden Humanismus» plädieren wird. Im Anschluss an den Input des Philosophen soll ein Podium der Frage nachgehen, ob der Humanismus eine Reform brauche.

Platz im Programm des Reformationsjubiläums

Hier sei eine Beteiligung von Religionsgemeinschaften vorgesehen, sagte Kyriacou. Man wolle je einen Vertreter aus dem reformierten Christentum, dem Judentum und dem Islam einladen, entsprechende Anfragen seien am Laufen. Die römisch-katholische Kirche wird nicht angefragt. Man habe sich für die reformierte Kirche entschieden, weil sie einen «unmittelbareren Bezug» zur Reformation habe, erklärte Kyriacou.

Das diesjährige «Denkfest» ist in das Programm des Zürcher Reformationsjubiläums eingebettet und wird vom Verein «500 Jahre Zürcher Reformation» finanziell unterstützt, heisst es auf der Webseite des «Denkfestes». Nicolas Mori, Leiter Kommunikation der Reformierten Kirche im Kanton Zürich, bestätigte dies gegenüber kath.ch.

Reformierte Kirche schätzt kritische Anfragen

Die Gründung des Vereins «500 Jahre Zürcher Reformation», an dem unter anderem auch der Kanton Zürich und die Stadt Zürich beteiligt sind, ist nach Angaben von Mori wesentlich durch die Evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Zürich initiiert worden. Dahinter sei der Wille gestanden, das Reformationsjubiläum nicht nur als «binnenkirchliches Ereignis abzufeiern», sondern es aufgrund seiner welthistorischen Bedeutung in die weitere Öffentlichkeit zu tragen.

Zudem wolle man im Rahmen des Jubiläums nicht nur historische Bezüge herstellen, sondern auch aktuelle, «etwa indem wir Evangelium und Theologie auf ihre heutige Relevanz befragen». Vor diesem Hintergrund würde es «von wenig Grösse zeugen», wenn man sich gegen kritische Anfragen und Projekte wehren würde, erklärte Mori zum Einbezug des Freidenker-Anlasses ins Jubiläumsprogramm. «Die Freidenker sind eine solch kritische Anfrage.»

Am «Denkfest» der Freidenker hat gemäss Programm auch die Muslimin Seyran Ates einen Auftritt, die im Juni in Berlin eine liberale Moschee eröffnete. Im Anschluss an einen Vortrag von Ates findet ein Podiumsgespräch mit ihr und zwei in der Schweiz lebenden Muslimen statt, Abduselam Halilovic, Vorstandsmitglied und Mediensprecher der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich, sowie Kerem Adigüzel. Dieser träumt laut «Tages-Anzeiger” (17. August) von einer liberalen Moschee in der Region Zürich.

Das «Denkfest» findet zum dritten Mal statt. Erstmals wurde es 2011 durchgeführt. Die diesjährige Ausgabe wird von der Freidenker-Vereinigung der Schweiz organisiert, in Zusammenarbeit mit dem Verein «Skeptiker Schweiz», der Giordano-Bruno-Stiftung, der Volkshochschule Zürich und weiteren Institutionen. (bal)

Denkfest 2014: mit Richard Dawkins und vielen anderen

Donnerstag, 11. September 2014

Programm und weitere Details: www.denkfest.ch
Ticketshop bei Ticketino

 

Sonntag, 16. September: Denkfest 2012 ganz im Zeichen Jean-Jacques Rousseaus

Sonntag, 16. September 2012

Im vergangenen September veranstalteten die Freidenker erstmals das Denkfest: Vier Tage Wissenschaft, kritisches Denken und intelligente Unterhaltung lautete das Motto. Mit über 400 Teilnehmenden war es ein voller Erfolg.

Die nächste mehrtägige und internationale Grossveranstaltung ist für 2014 geplant. Die Wartezeit wird mit eintägigen Ausgaben zu einem Schwerpunktthema verkürzt.

Das diesjährige Denkfest am Sonntag, 16. September ist ganz Jean-Jacques Rousseau gewidmet. Der strittige Aufklärer wurde vor 300 Jahren geboren und veröffentlichte vor 250 Jahren seine beiden Hauptwerke Emile und Du Contrat Social.

Im ersten Teil des Denkfests 2012 geht’s in zwei Vorträgen und zwei szenischen Lesungen um Rousseaus Werk und die Reaktionen seiner Zeitgenossen.

Im zweiten Teil debattieren fünf bekannte PolitikerInnen die Frage, welchen Gesellschaftsvertrag die heutige Schweiz braucht:

13.30 Uhr Begrüssung
13.40 Uhr Rousseaus Rezeption in Zürich 1751-1781
Monika Wicki, Historikerin
14.20 Uhr Leben Sie wohl für immer
Szenische Lesung zu Rousseaus Disput mit David Hume.
14.45 Uhr Pause
15.00 Uhr Jean-Jacques Rousseau und das Böse
Urs Marti, Professor für politische Philosophie, Uni Zürich
15.40 Uhr Politik, schwer zu begreifen und mühsam zu betreiben
Szenische Lesung zum Contrat Social.
Mit Bernhard Bettermann und Hansrudolf Twerenbold. Inszenierung Georg Rootering.
16.30 Uhr Pause
17.00 Uhr Podium: «Welcher Gesellschaftsvertrag für die Schweiz von heute?»
Einleitung: Urs Marti
Teilnehmende: Jacqueline Badran (SP), Dieter Kläy (FDP), Philipp Kutter (CVP), Jo Lang (Grüne), Claudio Zanetti (SVP)
Moderation: Raphael Zehnder, Redaktor Gesellschaft und Multimedia DRS2.

Weitere Informationen und Tickets (15.- / 40.-) gibt’s auf www.denkfest.ch.