Archiv für die Kategorie „Blasphemie“

Volles Haus bei der Lesung von Rana Ahmad in Zürich

Donnerstag, 3. Mai 2018

Die saudische Atheistin Rana Ahmad sprach am Samstag, 28. April auf Einladung der Freidenker in Zürich. Gut zwei Dutzend Besucherinnen und Besucher mussten sich am vergangenen Samstag mit Stehplätzen begnügen oder sich neben der Bühne auf den Boden setzen – die Stuhlreihen im Debattierzimmer des Hauses der Zürcher Museumsgesellschaft reichten nicht annähernd aus, um allen Platz zu bieten, die gekommen waren, um ihr zuzuhören.

In ihrem Buch „Frauen dürfen hier nicht träumen“ berichtet Rana Ahmad von ihrem Leben in Saudi-Arabien, ihrer Empörung darüber, dass sie bereits als Mädchen weniger unternehmen durfte als männliche Altersgenossen, ihrer Entdeckung philosophischer und religionskritischer Texte im Internet, und von ihrer Flucht aus dem Land, da sie, inzwischen Atheistin geworden, um ihr Leben fürchtete.

Die Schauspielerin und Sprecherin Gabriela Leutwiler las drei Passagen daraus hervor. Die erste beschrieb eine traurige Szene in einem Vorort von Damaskus, dem Geburtsort von Rana Ahmads Eltern. Rana, ihre Geschwister und ihre Eltern verbrachten ihre gemeinsamen Sommerferien immer dort. Diesmal freute sich Rana – sie war zehn Jahre alt – ganz besonders auf den Urlaub. Denn ihr Vater hatte ihr kurz vor der Abreise ein Fahrrad geschenkt. In Riad durfte sie damit nicht herumfahren, aber während ihres Urlaubes in Syrien, das wusste Rana, würde dies möglich sein. Und wie das möglich war! Jeden Tag fuhr sie zum Lebensmittelhändler und kaufte für ihre Oma ein. Immer umfangreicher wurde ihre Einkaufsliste. Rana genoss die Freiheit, die ihr das Rad bot, und freute sich, ihrer Oma helfen zu können. Bis nach einigen Tagen Opa mit grimmiger Stimme meinte, sie sei zu alt, um Fahrrad zu tragen. Es sei nun ausserdem an der Zeit, dass sie einen Schleier trage.

Rana erzählte, wie sehr es sie bereits damals irritiert hatte, dass für sie als Mädchen allerlei haram war, was für ihren Bruder und andere Jungs absolut in Ordnung ging. Dennoch wollte sie auf jeden Fall tun, was ihre Mutter eindringlich einforderte: Allah zufrieden zu stellen. Und so trug und ertrug sie den Schleier, der fortan fest zu ihr und ihrem Leben gehören sollte.

Die zweite Passage handelt davon, wie ihr, sie ist inzwischen Mitte zwanzig, das Internet den Zugang in eine neue Welt beschert. Sie hatte sich bei Twitter angemeldet und genoss es, sich mit fremden Menschen austauschen zu können. Zunächst geht es um persönliches: das Internet lenkt sie nicht nur von ihrem Liebeskummer ab, sie kann sich darüber auch mit anderen Twitter-Nutzerinnen unterhalten. Doch dann taucht dieses seltsame Wort in einem Profil eines Unbekannten auf: Atheist. Sie kennt den Begriff nicht, er macht sie neugierig. Doch auch mit der arabischen Übersetzung kann sie nicht viel anfangen. Sie liest also den Wikipedia-Artikel dazu. Eine absolute Ungeheuerlichkeit wird da beschrieben: nicht an Gott zu glauben. Der Artikel wühlt Rana auf, raubt ihr den Schlaf. Sie will mehr darüber wissen, landet bei philosophischen und wissenschaftlichen Texten, beginnt Übersetzungen von Nietzsche, Voltaire und Dawkins zu lesen. In wenigen Wochen ist ihr Weltbild erschüttert.

Dem Publikum erzählt Rana, dass ihr Vater sie schon im Kindesalter geduldig gefördert hatte, wenn sie neugierig war und Fragen stellte. Doch in ihrer Schulzeit hatte der Koranunterricht dominiert. So vieles über die Welt war ihr verborgen geblieben. Das Internet lüftete nun so manchen Schleier. Doch Ranas Entdeckungsreise war für sie auch bedrückend. Sie konnte sich mit niemandem darüber austauschen, durfte sich nichts anmerken lassen. Sie bekam Angst. Vor ihrem hochreligiösen Bruder und weil Saudi-Arabien für den Abfall vom Glauben die Todesstrafe vorsieht. Rana entschloss sich zu fliehen, besorgte sich ein Einweg-Billett nach Istanbul und kam dort bei atheistischen Helfern unter, die sie auch bei ihrer Weiterreise unterstützten.

Die dritte Passage, die Gabriela Leutwiler vorliest, handelt von Ranas Leben in Deutschland. Sie wohnt in Köln und hat – endlich – wieder ein Fahrrad, ein Geschenk einer Deutschen Freundin. Sie erzählt im Buch, wie sie es einem anderen Flüchtling ausleiht, da dieser für das Freitagsgebet in seine Moschee wolle, diese aber zu Fuss zu weit weg sei. Sie freut sich, dass die beiden trotz unterschiedlicher Weltanschauung befreundet sein können und dass sie nun in einem Land lebt, in dem jeder seinen eigenen Weg gehen kann.

Diese zuversichtlichen Zeilen hätten ein schönes Schlusswort sein können. Doch im Buch geht dieses Kapitel mit dem Titel Der Preis der Freiheit noch weiter: Nicht alle kommen mit Ranas neuem Leben klar. Dies trifft nicht nur auf fast alle Mitglieder ihrer Familie zu. Es gibt viele, die keinen Zweifel an der Religion zulassen wollen. Rana erhält immer wieder Drohungen, die letzte ging wenige Tage vor der Veranstaltung in Zürich ein. Rana erzählte dem Publikum, dass sie davon ausgehe, dass die anonymen Absender aus Saudi-Arabien stammten. Sie lasse sich aber nicht einschüchtern.

Rana Ahmad hat ihren Weg gefunden, und sie verfolgt ihn zielstrebig. Sie spricht nach zweieinhalb Jahren Aufenthalt in Deutschland beeindruckend gut Deutsch, gibt sich aber mit ihrem Kenntnisstand nicht zufrieden und nimmt weiterhin Intensivunterricht. Und sie bereitet sich auf ihr geplantes Physikstudium vor. Es war denn auch ihr Ziel, Teilchenphysikerin zu werden, das sie temporär in die Schweiz führte: im April absolvierte ein Praktikum am CERN. Und dorthin will sie nach abgeschlossenem Studium umbedingt zurück. Rana Ahmad dürfte ein Vorbild werden für die – gemäss ihrer Einschätzung – mindestens 20% Atheistinnen und Atheisten Saudi-Arabiens.

Andreas Kyriacou

5 JAHRE HAFT – 5 TAGE FÜR DIE FREIHEIT VON RAIF BADAWI – Teilnehmende für Mahnwache vom 15. bis 19. Juni 2017 gesucht!

Donnerstag, 15. Juni 2017

Aufruf auf amnesty.ch:

Am 15. Juni 2017 werden es fünf Jahre her sein, seit der saudische Blogger Raif Badawi verhaftet worden ist. Amnesty fordert die sofortige und bedingungslose Freilassung des Gewissensgefangenen und organisiert von 15. – 19. Juni während 5 Tagen eine Mahnwache. Machen Sie mit?

Raif Badawi ist ein Gewissensgefangener, dessen einziges «Verbrechen» darin bestand, dass er von seinem Recht auf freie Meinugsäusserung Gebrauch gemacht hatte, indem er eine Website als Diskussionsforum gründete. Deswegen ist er am 7. Mai 2014, fast zwei Jahre nach seiner Verhaftung, vor dem Strafgericht in Jeddah zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt worden, ein Urteil, das später vom Obersten Gericht bestätigt worden ist. Die grausame Prügelstrafe wurde am 9. Januar 2015 einmal vollzogen, dann aber bis heute unter dem Eindruck weltweiter Proteste ausgesetzt.

Raif Badawi ist aber weiterhin in Haft und von seiner in Kanada wohnhaften Ehefrau und seinen Kindern getrennt. Der mutige Blogger und Freigeist steht exemplarisch für andere Gewissensgefangene in Saudi-Arabien, die allein aufgrund von kritischen Äusserungen in Haft sind.

Aus Anlass des fünften Jahrestages der Verhaftung Raif Badawis organisiert Amnesty eine 5-tägige Mahnwache, von 15. bis 19. Juni, von 10 bis 20 Uhr. Je zwei Personen stehen für zwei Stunden ein für die Freilassung von Raif Badawi, am und um den Bärenplatzbrunnen in Bern, s. Karte. Für Plakate – resp. einen Umhang als “Sandwich(wo)man” – und Flyer ist gesorgt.

Dafür brauchen wir Sie: Tragen auch Sie sich in diesem Doodle für zwei Stunden ein – herzlichen Dank!

Deutschland: Pensionierter Lehrer wegen Gotteslästerung auf Autoaufkleber verurteilt

Dienstag, 17. Januar 2017

“Kuriose Rechtsnachrichten” auf  justillon.de, vom 21.10.2016:

„Jesus – 2000 Jahre rumhängen und immer noch kein Krampf“. Mit solchen und ähnlichen Sprüchen hatte ein älterer Mann aus Nordrhein-Westfalen sein Auto beklebt. Das Amtsgericht Lüdinghausen verurteilte ihn daraufhin wegen Gotteslästerung.

Gemäß § 166 StGB wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften religiöse oder weltanschauliche Bekenntnisse bzw. eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.

Passanten hatten bei der Polizei Anzeige erstattet, weil auf der Heckscheibe eines Audi unter anderem „Herr, unser Bello schleckt so gerne Blut von Ungläubigen. Nun erschlag wieder einen!“ und „Wir pilgern mit Martin Luther: Auf nach Rom! Die Papstsau Franz umbringen. Reformation ist geil.“ zu lesen war.

Der pensionierte Lehrer hadert offensichtlich mit kirchlichen Institutionen und wollte seine Meinung einer breiten Öffentlichkeit kundtun. Zum Prozessauftakt, berief er sich auf seine Meinungsfreiheit aus Art. 5 I GG. Laut eigenen Angaben kämpft der 67-Jährige dagegen, dass immer nur die „netten“ Bibelstellen zitiert werden. Auf seiner Website www.spruchtaxi.de veröffentlicht er daher auch solche Zitate, die im Gottesdienst lieber ausgelassen werden. Beispielsweise „Gott segne den, der deine Kinder packt und sie am Felsen zerschmettert!“ (Psalm 137,9).

>> Zum Artikel auf justillon.de

Kultur: Radikale Abrechnung mit dem Islam – Ayad Akhtars “The Who and the What” in Hamburg

Montag, 16. Januar 2017

deutschlandradio-kultur vom 14.01.2017

Eine Religion, die die Menschen am Glücklich-Sein hindert: So präsentiert US-Dramatiker Ayad Akhtar den Islam in seinem neuen Stück. Darin will ein pakistanisch-stämmiger Taxiunternehmer seine Töchter verheiraten – unter strenger Beachtung der Lehren des Propheten Mohammed.

Als die Tochter ein Buch über den Propheten Mohammed veröffentlichen will, reicht es ihrem Vater. “Du bist nicht mehr meine Tochter”, ruft er der jungen Frau hinterher. Vom Taxi-Fahrer zum Taxi-Mogul hat sich der einst aus Pakistan eingewanderte Mann in Atlanta hochgearbeitet. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Religion verträgt er trotzdem nicht. So wie auch seine islamischen Fahrer. Haufenweise kündigen sie, als das Buch der Tochter erscheint.

Dabei hatte der sympathische Mann mit den grauen Haaren doch immer nur das Beste für seine Familie gewollt. Als der Geliebte der Tochter einst um ihre Hand anhielt, insistierte er solange, bis sie ihn verließ – der Mann wollte nicht zum Islam konvertieren. Die jüngere Schwester muss den ersten Mann heiraten, den sie geküsst hat. Damit sie bei der Eheschließung noch Jungfrau ist, praktiziert sie seit Jahren nur Analsex mit ihm – und fragt sich jetzt, ob vielleicht auch das nach den Lehren des Propheten Mohammed verboten ist.

Ayad Akhtars neues Stück ist eine radikale Abrechnung mit dem Islam, der als eine Religion gezeigt wird, die die Menschen am Glücklichsein hindert. Vor allem die Frauen werden, folgt man den Autor, drangsaliert. Und zwar auch diejenigen, die ohne Kopftuch scheinbar gut integriert in der westlichen Welt leben. Die Lehren des Propheten sind allgegenwärtig, erzählt das Stück. Sie bestimmen die Partnerwahl und das Liebesleben der Frauen seit Jahrhunderten.

>>Ganzen Artikel lesen

Bund für Geistesfreiheit, München: Einladung zur Preisverleihung “Der Freche Mario” am 7.1.2017

Freitag, 23. Dezember 2016



Der Kunstpreis “Der Freche Mario” ist eine Besonderheit in der deutschen Kunst- und Kulturpreise-Landschaft, wendet der von Wolf Steinberger seit 2008 mit Unterstützung des bfg München, der Giordano Bruno Stiftung, der Galerie der Kirchenkritik, der Kulturbühne Hinterhalt und der Agentur 84 GHz ausgelobte und dotierte Preis sich doch an die Mutigen, Frechen, Unangepassten unter den Künstlern des 21.Jahrhunderts. Alle zwei Jahre wieder gilt es einzureichen Kunstwerke jedweden Formats, die sich kritisch mit angeblich ewig währenden Wahrheiten, den angeblichen Besitzern solcher Wahrheiten und den darauf sich begründenden tatsächlichen Allmachtsansprüchen auseinandersetzen. Und somit sind die Kunstwerke aus diesem Preis wohl immer im Visier des auch in unserer Republik noch geltenden § 166 StGB, des sog. “Blasphemie”-Paragrafen, der den Schutz sogenannter religiöser Gefühle von Staats wegen gewährleisten möchte und doch wirklich schon lange weg gehört… Aus naheliegenden Gründen fühlen sich beim Frechen Mario überwiegend Karikaturisten, Cartoonisten und Zeichner aller Gattungen auf den Plan gerufen. Die überwiegende Mehrzahl von ihnen – sehr mutig – machen aus ihrem Künstlerherzen keine Mördergrube….

>> Zum Artikel auf bfg-muenchen.de

Filmempfehlung: “Kann man Gott beleidigen?” – Der Streit um die Blasphemie

Freitag, 16. Dezember 2016

“In der heutigen Zeit, in der Religion weltweit an Bedeutung gewinnt oder gar zu einem Politikum wird, das Terror und Gewalt auf den Plan ruft, ist Blasphemie ein brisantes Thema. Die Dokumentation geht der Frage nach, wie sich Künstler, Filmemacher und Karikaturisten positionieren, deren Werke sich aus unterschiedlichen Lagern den Vorwurf der Gotteslästerung eingehandelt haben.

Blasphemie ist ein brisantes Thema in Zeiten, in denen Religion weltweit an Bedeutung gewinnt oder sogar zu einem Politikum werden kann, das Terror und Gewalt auf den Plan ruft. Die Ereignisse seit der Fatwa gegen den Schriftsteller Salman Rushdie bis hin zum Terroranschlag auf die Satirezeitschrift “Charlie Hebdo” in Paris haben die Debatte um Blasphemie zugespitzt auf eine Frontstellung: hier die Meinungsfreiheit, dort der Respekt vor der Religion. Vor allem Künstler und Karikaturisten sehen sich seit jeher mit dem Vorwurf der Blasphemie konfrontiert, wenn sie mit ihren Werken eine Vertiefung religiöser Motive vorantreiben oder bewusst kirchliche Institutionen attackieren wollten. Die Dokumentation geht dem Streit um Blasphemie in der Kunst nach und fragt Vertreter aller Glaubensrichtungen, wie sie das Thema Gotteslästerung bewerten. Dabei schaut sie zurück auf die Ursprünge der Religion und ordnet das Thema Blasphemie historisch ein. Sie stellt Werke von Künstlern, Filmemachern und Karikaturisten vor, die als blasphemisch bezeichnet wurden und die teils drastische Konsequenzen nach sich zogen. Wie beim Karikaturisten Kurt Westergard, der seit der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen unter Polizeischutz steht. Die österreichischen Künstler Herrmann Nitsch und Deborah Sengl thematisieren mit ihrer Kunst gesellschaftliche Missstände und setzen hierfür christliche Symbole ein. Der Karikaturist Gerhard Haderer hat sich häufig mit dem Machtphänomen der katholischen Kirche beschäftigt, und die Filme Ulrich Seidls liefern immer wieder Stoff für hitzige Blasphemie-Diskussionen.”

Der Film ist in der ARTE MEDIATHEK online verfügbar bis zum 14.03.2017:

>>Zum Film in der ARTE MEDIATHEK

“Islamophobie”: Kacem El Ghazzali zum Blasphemievorwurf anlässlich von Islamkritik

Montag, 12. Dezember 2016

Auf seinem Blog schreibt Kacem El Ghazzali über die Scheu vor allem westlicher Intellektueller, das fundamentalistische Potential des Islam beim Namen zu nennen:

Es ist jedenfalls schon erstaunlich, dass ausgerechnet jene Liberalen aus dem Westen, die für sich das Erbe der Aufklärung in Anspruch nehmen, nicht selten davon sprechen, dass Islamisten und Djihadisten den Islam missbrauchen würden. Was macht sie so sicher, dass sie bar jeder Evidenz und Erfahrung unentwegt behaupten, die Fundamentalisten seien nicht islamisch und hätten nichts mit dem Islam zu tun? Missbrauchte etwa auch der Prophet Mohammed den Islam, als er, wie es im Koran und den Hadithen nachzulesen ist, religiöse Kriege gegen Nichtgläubige und Juden geführt oder Apostaten zum Abschuss freigegeben hatte?

Er zieht den Vergleich zur europäischen Aufklärung, welche er gleichermassen wie die aktuell sich fortschreitend entwickelnde Situation des Islam als einen “dialektischen geschichtlichen Prozess” betrachtet. Nur durch “harte geschichtliche Auseinandersetzungen” war es gelungen die Aufklärung – gegen den erbitterten Widerstand des Christentums – durchzusetzen und als Basis der westlichen Gesellschaften zu festigen.

Dementsprechend zieht er das Fazit, dass nicht ein Leugnen und Verharmlosen des im Islam inhärenten Problempotentials  den Weg für einen Prozess der Aufklärung und Modernisierung desselben ebnet:

Statt also auf diejenigen regressiven Linken zu hören, die wie beim djihadistischen Anschlag in Paris und  auf Charle Hebdo noch beinahe jeden islamistischen Terroranschlag verharmlost oder gar legitimiert haben, sollte der Westen besser Denkerinnen und Denker wie Elham Manea, Ahmed Mansour, Hamed Abdel Samad und andere liberale, säkulare Muslime und Ex-Muslime unterstützen. Diese kennen den Islam nicht nur besser, sondern sie haben auch unter seinen religiösen Gesetzen gelebt und sich für Jahre eingehend mit ihm auseinandergesetzt.

Diese (ex-)muslimischen Aufklärerinnen und Aufklärer sind der Auffassung, dass, um die Aufklärung im Islam zu initiieren, zunächst die unleugbare Tatsache anerkannt werden muss, dass der Islam selbst, also auch der Prophet und der Koran, nicht unfehlbar ist und Gegenstand von Kritik sein muss.

>>Zum Artikel von Kacem El Ghazzali

Der Autor:

Kacem El Ghazzali, 26, ist einer der wenigen Marokkaner, die ihren Atheismus öffentlich vertreten. Er lebt deswegen seit 2011 als Flüchtling in der Schweiz. Der Schriftsteller ist Vertreter der International Humanist and Ethical Union am UNO-Menschenrechtsrat in Genf sowie Ko-Direktor der Raif Badawi Foundation for Freedom.

“Freiheit wir einem nicht gegeben. Man muss sie nehmen” – Ausschreibung des Kunstpreises “Der freche Mario”

Montag, 19. September 2016

Die Organisatoren des Kunstpreises „Der Freche Mario“ verstehen es als ihre Aufgabe, sich dafür einzusetzen, dass Meinungs-, Presse-, Kunst- und Religionsfreiheit keine hohlen Floskeln sind, sondern hoch geachtet und verteidigt werden. Schließlich sind sie mühsam genug – insbesondere auch gegen die Vertreter der monotheistischen Religionen – durchgesetzt worden.

Ins Leben gerufen wurde dieser Kunstpreis 2008 vom damaligen Vorsitzenden des bfg München, Wolf Steinberger, um die Forderung nach Abschaffung des Paragrafen 166 StGB wirkungsvoll zu unterstreichen. Gerade in Zeiten von Angst vor vermeintlich religiös begründeten Anschlägen ist es wichtig, die im Grundgesetz verankerte Meinungsfreiheit beizubehalten und zu fördern.
„Der öffentliche Friede wird nicht durch Künstler gestört, die Religionen satirisch aufs Korn nehmen, sondern durch Fanatiker, die auf Kritik nicht angemessen reagieren können”, erklärte gbs-Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon nach dem Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo.

Der dotierte Kunstpreis „Der Freche Mario“ möchte alle Künstler und Kulturschaffenden wieder ermutigen, sich für die Freiheit der Kunst einzusetzen.  1.  November ist Einsendeschluss, Anfang Dezember werden die Gewinner bekannt gegeben, am 7. Januar 2017, am Jahrestag des Anschlages auf Charlie Hebdo, werden die diesjährigen Preisträger in einer öffentlichen Preisverleihung in München geehrt.

In diesem Jahr wird der Kunstpreis „Der Freche Mario“ ausgeschrieben von bfg München, Galerie der Kirchenkritik, Giordano Bruno Stiftung, Kulturbühne Hinterhalt und 84 GHz.

“Das Leben des Brian”: Trotz Verbot am Karfreitag

Freitag, 12. Februar 2016

“Zum vierten Mal schon lehnt sich die Initiative „Religionsfrei im Revier“ gegen religiöse Bevormundung und bürokratischen Schwachsinn auf, in dem sie an Karfreitag die Jesusparodie „Das Leben des Brian“ öffentlich zeigt – obwohl das verboten ist.” (weiterlesen…)

IHEU – Report 2015

Montag, 21. Dezember 2015
IHEU-Report 2015

IHEU-Report 2015

“Heute lanciert die Internationale humanistische und ethische Union (IHEU) ihren “Bericht zur Gedankenfreiheit 2015″ beim Europäischen Parlament in Brüssel – und über freethoughtreport.com für die ganze Welt.

Die Ausgabe 2015 des Berichts zeigt auf, wie die Verfolgung von Nicht-Religiösen im vergangenen Jahr eskaliert ist.

Es hat eine Zunahme an aussergerichtlicher Gewalt gegeben, und in zahlreichen Staaten wird von harschen Gesetzen gegen Verbrechen wie “Blasphemie” oder “Apostasie” (Abwendung von Religion) berichtet.

Die 2015-Ausgabe weist auf eine Reihe von Morden in Bangladesh hin: Vier humanistische Blogger und ein säkularer Verleger wurden mit Macheten zu Tode gehackt. Die Opfer waren Avijit Roy, Washqiur Rahman Babu, Ananta Bijoy Das, Niladri Chatterjee, und zuletzt der Verleger Faisal Arefin Dipol.

(…)

“Im vergangenen Jahr nahmen wir ein Anwachsen von Hassreden und Rhetorik war: Präsidenten, die sagen “Humanismus” und “Liberalismus” seien eine Bedrohung für den Staat, Gesetze, welche Atheismus als “Terrorismus” brandmarken, und so weiter. Dieses Jahr haben wir mitbekommen, wie die Rhetorik sich zu wahrhaft böswilligen Akten von Verfolgung ausgewachsen haben”, sagt IHEU Präsident Andrew Copson.

 

>> Hier geht es zum IHEU-Report 2015