Archiv für die Kategorie „Bioethik“

Freidenker erfreut über PID-Annahme – Zeichen, dass Wertvorstellungen nicht mehr religiös geprägt sind

Sonntag, 5. Juni 2016

Die Freidenker sind erfreut über die deutliche Annahme des verbesserten Fortpflanzungsmedizingesetzes. Dieses klare Verdikt war keine Selbstverständlichkeit. Denn vor der Abstimmung war vor allem das religiöse Nein-Lager in der Öffentlichkeit präsent – mit Plakaten, die im Stile früherer Anti-Abtreibungs-Kampagnen, das Wesen der Vorlage stark verzerrt wiedergaben. Und Landes- wie Freikirchen boten religiös-konservativen Moralisten zahlreiche Plattformen für oft undifferenzierte Nein-Propaganda.

Das Ja-Lager trat weitaus zurückhaltender auf, nur die Freidenker waren mit einer – aus finanziellen Gründen – kleinen Zahl von Plakaten präsent, mit dem sie für ein humanistisches Ja zur Vorlage warben (s. Bild).

Das Abstimmungsergebnis zeigt, dass die Wertvorstellungen der Bevölkerungsmehrheit nicht mehr religiös geprägt sind und die Stimmberechtigten den Religionsgemeinschaften in Wertedebatten definitiv keine besondere Rolle mehr zugestehen.

Das angepasste Fortpflanzungsmedizingesetz stellt für Trägerinnen und Träger von Erbkrankheiten eine bedeutende Erleichterung dar. Die in der parlamentarischen Debatte ausgehandelten rechtlichen Rahmenbedingungen garantieren, dass die PID in der Schweiz verantwortungsvoll eingesetzt wird.

PID-Plakat der Freidenker beim Bahnhof Bern

PID-Plakat der Freidenker beim Bahnhof Bern

Die Freidenker empfehlen ein Ja zum Fortpflanzungsmedizingesetz

Montag, 2. Mai 2016

Die Freidenker empfehlen ein Ja zum Fortpflanzungsmedizingesetz. An ihrer Delegiertenversammlung am 23. April hatten sie einstimmig die Ja-Parole zur Änderung beschlossen. Der Delegiertenversammlung war eine öffentliche Podiumsdiskussion mit eingeladenen Befürwortern und Gegnern vorausgegangen.

Sie werben mit diesem Sujet für das Ja:

Wer Plakate ermöglichen will: Das FVS-Budget ist leider sehr klein, wir sind deshalb auf Drittmittel angewiesen. Konto CH27 0900 0000 8553 5254 7, Freidenker-Vereinigung der Schweiz, Stichwort “PID”. (Bitte beachten: anders als Zuwendungen z.B. für das FVS-Bildungsengagement sind Spenden für politische Aktionen nicht von den Steuern absetzbar.)

Aktuelle Presseartikel zur PID:

 

“Geschichte der Gegenwart” vom 19. Mai 2016: Ist die Präimplantationsdiagnostik eugenisch?

NZZ vom 7. Mai 2016: “Niemand will Designer-Babys” – Bundesrat Alain Berset zur Pränataldiagnostik

Aargauer Zeitung vom 19. Mai 2016: “Das Verbot muss fallen” 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Freidenker beschliessen einstimmig Ja-Parole zum Fortpflanzungsmedizingesetz

Samstag, 23. April 2016

Die Delegierten der Freidenker-Vereinigung der Schweiz beschlossen an ihrer heutigen Versammlung einstimmig die Ja-Parole zur Änderung des Fortpflanzungsmedizingesetzes. Der Delegiertenversammlung ging eine öffentliche Podiumsdiskussion mit eingeladenen Befürwortern und Gegnern voraus.

Auf dem Podium sprachen sich der Reproduktionsmediziner Christian de Geyter und der Neurologe Walter Friedli für eine Annahme der Gesetzesänderung aus. Sie betonten, dass Trägern von schweren Erbkrankheiten die Freiheit gegönnt werden solle, über die PID sicherstellen zu können, dass sie ihre Krankheiten nicht an ihre Nachkommen weitergeben. Christa Schönbächler, Co-Geschäftsführerin von insieme Schweiz, befürchtete, die Gesetzesannahme würde den Druck auf Frauen erhöhen, sich gegen ein Kind mit Behinderungen auszusprechen. Die Politologin Regula Stämpfli votierte für ein Moratorium, da erst eine gesellschaftliche Debatte über den Umgang mit Behinderungen stattfinden müsse. De Greyter erwiderte, dass durch das bestehende Verbot bereits seit zwölf Jahren ein faktisches Moratorium existiere, es sei Zeit dieses zu beenden.

In der anschliessenden Debatte während der Delegiertenversammlung betonten mehrere Delegierte, dass es tatsächlich in der Verantwortung unserer Gesellschaft liege, dass Personen mit einer Beeinträchtigung nicht ausgegrenzt würden und Massnahmen nötig seien, dass diese Beeinträchtigungen sie in ihren Leben möglichst nicht behindere. Alle Delegierten fanden, das Fortpflanzungsmedizingesetz setze kein Signal in die falsche Richtung. Es gewähre hingegen Paaren wichtige Freiheiten, welche sie sonst nur über Auslandreisen sicherstellen könnten. Die Delegierten trauen den Paaren im Gegensatz zum religiös-konservativen Nein-Lager zu, diese Freiheit verantwortungsvoll zu nutzen und votierten deshalb einstimmig für ein Ja am 5. Juni.

Andreas Kyriacou und Valentin Abgottspon im Präsidium bestätigt, Religionswissenschafterin Ruth Thomas neues Vorstandsmitglied

Die Delegierten bestätigten ebenfalls einstimmig den amtierenden Präsidenten Andreas Kyriacou und den Vizepräsidenten Valentin Abgottspon für eine zweite dreijährige Amtsdauer. Neu in den Vorstand der Freidenker-Vereinigung der Schweiz wurde die Religionswissenschafterin Ruth Thomas gewählt. Sie will sich insbesondere der Weiterentwicklung weltlicher Rituale annehmen.

Der neue Freidenker-Vorstand

23. April, 14.15 Uhr, Basel: Podiumsdiskussion zur Präimplantationsdiagnostik

Sonntag, 10. April 2016

Am 5. Juni wird über das geänderte Fortpflanzungsmedizingesetz abgestimmt. Die Anpassungen erzeugen Hoffnungen und Befürchten. Die Podiumsteilnehmer werden sie benennen und diskutieren – untereinander und mit dem Publikum.

Samstag, 23. April, 14.15 Uhr, Hotel Radisson Blu, Steinentorstrasse 25, Basel. Eintritt frei

Einleitung
Andreas Kyriacou, Präsident Freidenker-Vereinigung der Schweiz

Moderation
Thomas Gruberski, Advokat, Mitglied der Ethikkommission Nordwest- und Zentralschweiz

Für die Änderung des FMedG
Christian De Geyter, Chefarzt der Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin des Universitätsspitals Basel
Walter Friedli, Facharzt für Neurologie am Bethesda-Spital Basel.

Gegen die Änderung des FMedG
Christa Schönbächler, Co-Geschäftsleiterin von insieme Schweiz
Regula Stämpfli, Dr phil, Politologin und Dozentin, Autorin des Buches “Vermessung der Frau”

Die Veranstaltung auf Facebook: https://www.facebook.com/events/465421526981316/

Freidenker erfreut über Annahme der PID-Vorlage

Sonntag, 14. Juni 2015

Die Freidenker-Vereinigung der Schweiz zeigt sich erfreut, dass die PID-Vorlage heute deutlich angenommen wurde. Sie ist nach Abstimmungen zur Sterbehilfe und zur eingetragenen Partnerschaft ein weiteres Zeichen dafür, dass das Selbstbestimmungsrecht in der Schweizer Bevölkerung einen hohen Rückhalt geniesst und dass religiöse Massstäbe kaum mehr eine Rolle spielen – gerade auch wenn es darum geht, über die Rahmenbedingungen für neue Technologien zu befinden.

Die angenommene Verfassungsänderung ist pragmatisch formuliert. Dies trifft auch auf das revidierte Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG) zu, das nun in Kraft treten soll. So bleiben auch nach dessen Annahme nicht nur die Selektion nach Merkmalen wie Augenfarbe oder Geschlecht verboten, sondern auch das Auswählen von Embryonen, um ein so genanntes Retterbaby zu zeugen. Das Gesetz ist also in der vorliegenden Form ein typisch schweizerischer Kompromiss. Den vorwiegend religiösen Opponenten der PID-Legalisierung soll es selbstredend frei stehen, auch nach dem heutigen klaren Verdikt an der Urne das Referendum zu ergreifen. Die Freidenker sind aber zuversichtlich, dass es auch zum FMedG eine klare gesellschaftsliberale Mehrheit geben wird.

3. April 2013 in Basel: Vortrag über “Human Enhancement”

Montag, 1. April 2013

19:00 Kollegienhaus, Petersplatz, Hörsaal 118
Human Enhancement – Hirndoping und Designmenschen?
Referent: Johann Roduit Doktorand in Bioethik und Recht an der Uni Zürich
Vortrag in Englisch

Johann Roduit is a founding member of NeoHumanitas and a PhD Candidate in Biomedical Ethics and Law at the University of Zurich, Switzerland. He is also the founder of TEDxMartigny and a blogger for the Huffington Post.

http://www.neohumanitas.org/

“NeoHumanitas is a think tank that promotes reflection and discussion about the socio-ethical consequences of the use of emerging and future technologies on human beings.”

Roduit’s talk will be structured as follows:

1) General introduction to the debate about the ethics of enhancement
2) Quick summary of his paper on human enhancement and perfection (recently published in the Journal of Medical Ethics: http://jme.bmj.com/content/early/2013/02/21/medethics-2012-100920.abstract)
3) Longer explanation of a forthcoming paper on ideal/non-ideal theory in the debate about enhancement – the heart of his dissertation
4) Conclusion

 

 

Soll die Medizin das Älterwerden bekämpfen?

Dienstag, 13. März 2012

NZZ
Soll die biologische Forschung die Verlängerung des menschlichen Lebens zu ihrem Ziel erklären? Ist das Altern eigentlich eine Erbkrankheit, die es zu behandeln gilt? David Gems (Pro), Christoph Rehmann-Sutter (Contra)

http://www.nzz.ch/nachrichten/hintergrund/wissenschaft/die_jugend_soll_ewig_dauern_1.15660897.html

Ein Urteil im Sinne der Menschenwürde

Freitag, 25. Juni 2010

Deutschland: Entscheidung zur Sterbehilfe

Es war der letzte, konsequente Akt in einem Trauerspiel um Heimpflege und Strafjustiz: Das Urteil des Bundesgerichtshofs zur Sterbehilfe ist wegweisend. Die Tragödie ist zu Ende: Der zweite Strafsenat des Bundesgerichtshofs sprach am Freitag den für Medizinrecht spezialisierten Rechtsanwalt Wolfgang Putz frei. Er hob damit eine Verurteilung des Anwalts durch das Landgericht Fulda vom 30. April 2009 wegen versuchten Totschlags zu neun Monaten Freiheitsstrafe mit Bewährung und einer Geldstrafe von 20.000 Euro auf.

Weiterlesen in der Zeit.

spiegel.de: Ethik-Debatte

Montag, 19. April 2010

In fast allen bioethischen Debatten wird auf die Unantastbarkeit der Menschenwürde verwiesen. Ein genauerer Blick zeigt, dass der Begriff viel zu beliebig verwendet werden kann. Am besten sollte man sich überhaupt nicht auf ihn berufen, argumentiert Edgar Dahl.

Ob das Klonen von Lebewesen, die Erzeugung genetischer Chimären oder neuerdings gar das so genannte Neurodoping (die Verstärkung von Hirnleistungen per Pille) – nahezu alle neuen biomedizinischen Technologien werden zumeist mit dem Hinweis auf die “Menschenwürde” abgelehnt. Der Appell an die vermeintlich unantastbare Würde des Menschen ist inzwischen so inflationär geworden, dass es höchste Zeit wird, ihn etwas genauer zu betrachten.

Wohl nirgends sieht man die Notwendigkeit einer solchen Analyse deutlicher als in der Debatte um die Sterbehilfe. Denn hier berufen sich bekanntlich sowohl Verächter als auch Verfechter gern auf die Menschenwürde. Für die einen verbietet es die Würde des Menschen, dass man das Leben eines unter schrecklichen Qualen leidenden Patienten auf dessen Wunsch hin einfach beendet. Für die anderen dagegen gebietet sie es, dass man den selbstbestimmten Wunsch eines Sterbenden gefälligst zu respektieren habe.
Angesichts der Beliebigkeit, mit der man die Idee der Menschenwürde also verwenden kann, wird er denn auch immer häufiger als eine bloße Leerformel abgetan. So hat etwa Wolfgang Wickler kürzlich die Frage “Was ist Würde?” bissig beantwortet: “Würde ist ein Konjunktiv!”

Weiter lesen: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,685376,00.html