Archiv für die Kategorie „Bestattung“

Erster nicht-religiöser Friedhof in Schweden eröffnet

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Die meisten Schweden sind zwar noch Mitglied der lutherischen Kirche, doch Religion betrachten viele als Privatangelegenheit. Im Bild: die Jakobskirche in Stockholm. (Bild: Laif)

NZZ, 28.12.2016:

“Der freie Wille wird nicht beerdigt”

In keinem Land gibt es so viele Atheisten wie in Schweden. In Borlänge wird nun der erste nicht religiöse Friedhof eröffnet.

Auf dem Grabstein wird sein Name stehen: Rashid Abdul Majid. Weder ein Halbmond noch ein Kreuz soll davon ablenken. Majid, ein 87-jähriger Syrer, lebt seit über sechzehn Jahren in Schweden. Wenn er gestorben ist, will er hier beerdigt werden, auf dem weltweit ersten Friedhof ohne religiöse Symbole in Borlänge. Als Atheist bezeichnet sich Majid nicht, er wolle lediglich «kein Sklave der Religion» sein.

Damit ist er nicht alleine. Gemäss einer Umfrage des Gallup-Instituts von 2015 bezeichnen sich 78 Prozent der Schweden als nicht religiös oder atheistisch. Mit diesem Wert steht das Land an der Spitze aller westlichen Staaten. Entsprechend naheliegend war es aus Sicht von Josef Erdem, den Schweden eine nicht religiöse Beerdigung und letzte Ruhestätte zu bieten. Grabsteine werden künftig, je nach Wunsch der Verstorbenen, auch diesen Friedhof zieren. Aber religiöse Symbole oder Texte seien darauf unerwünscht. Bereits mehr als zehn Familien aus Borlänge − Christen und Muslime − hätten Interesse angemeldet, ihre Verwandten dort zu begraben. Noch ist der Friedhof leer, denn Erdem wartet noch − so makaber es klingt − auf den Tod seiner ersten Interessenten.

Erdem flüchtete 1980 aus dem kurdischen Teil der Türkei nach Schweden. Seine Mutter war gläubige Muslimin, andere Verwandte seien christliche Armenier. Auf die Idee eines solchen Friedhofs kam er auch, weil er selber miterlebte, wie Religion Gesellschaften spalten könne. Heute arbeitet er in Borlänge als Lehrer. Am Friedhofprojekt verdient er nichts, doch ihm sei wichtig: «Jeder soll frei entscheiden dürfen, ob er beerdigt werden möchte, und wenn ja, ob dies in einer religiösen Zeremonie geschehen soll.»

Entscheidungsfreiheit und Individualismus sind Werte, die auch die meisten Schweden schätzen. Viele lebten alleine, Familienbande seien eher schwach und die Scheidungsraten hoch, sagt David Thurfjell, Professor für Religionsstudien an der Södertörn-Universität in Stockholm und Autor des Buches «The Godless People». Dafür sind die Schweden weltweit die meisttätowierten Menschen. Diese Selbstbestimmung über sich und den eignen Körper sei ein wichtiger Grund, weshalb die Schweden religiöse Symbole ablehnten, nicht nur bei Beerdigungen, sagt Thurfjell. Die Garantie individueller Freiheit erwarten hier viele auch vom Staat. Bis 2000 war die lutherische Schwedische Kirche noch Teil dessen, seit sechzehn Jahren sind Staat und Kirche getrennt. Noch immer gehören rund 6,3 Millionen Schweden der «Svenska Kyrkan», der Schwedischen Kirche, an. Bei einer Einwohnerzahl von 10 Millionen ist dies eine klare Mehrheit. Doch die wenigsten, nur gut 5 Prozent der Kirchenmitglieder, besuchen auch tatsächlich Messen, wie die Umfrage des Gallup-Instituts belegt.

>>Zum Artikel auf nzz.ch

Beitrag zu Ritualen und Sterben bei Freidenkern in Walliser Broschüre

Mittwoch, 10. August 2016

Valentin Abgottspon, Vize-Präsident der Freidenker-Vereinigung Schweiz und Präsident der Walliser Sektion durfte für eine Broschüre, welche in Zusammenarbeit der Hochschule für Gesundheit Wallis und Andenmatten&Lambrigger Bestattungsdienste entstanden ist, Auskunft geben.

Zeitschrift Titel Horizonte 03 2016

Es ist als sehr positiv zu werten, dass auch in einer sehr katholisch und eher konservativ geprägten Region Freidenkerinnen und Freidenker für diese Portraits bzw. Texte berücksichtigt wurden. Das darf durchaus als Erfolg gewertet werden und zeigt, dass sich unsere Aktivitäten lohnen. Noch vor einigen Jahren wäre wohl fast niemand im Oberwallis auf die Idee gekommen, uns anzufragen und zu berücksichtigen. Nun: Es gab bis 2010 im (Ober-)Wallis halt auch gar keine organisierte und sich zu Wort meldende FreidenkerInnen…

Hier eine PDF-Datei mit dem Beitrag über Atheismus/Freidenker/Freidenkerinnen: Horizonte 03 2016.

Ritual-Angebot der Freidenker-Vereinigung der Schweiz: http://www.frei-denken.ch/de/dienstleistungen/rituale/
Webseite der Sektion Wallis der FVS: http://www.frei-denken.ch/de/sektionen/wallis/

In der Broschüre hat es neben der Doppelseite zu unserer Weltanschauung bzw. zu Ritualen für Menschen mit unserer Weltanschauung jeweils eine Doppelseite drin über:

    Römisch-katholische Kirche
    Serbisch-orthodoxe Kirche
    Evangelisch-reformiert
    Islam
    Judentum
    Buddhismus

Text: Atheismus

Glauben ist leichter als Denken

Ein Atheist ist jemand, der nicht an die Existenz eines oder mehrerer Götter glaubt. Der Grossteil der Atheisten sind Freidenker, Naturalisten und Humanisten, welche die Meinung vertreten, dass die Angst vor göttlichen Autoritäten unbegründet ist. Wesentlich dabei ist, sich des eigenen Verstandes zu bedienen. Wir haben ein einziges Leben und aus diesem müssen wir das Beste machen. Nach dem Tod lebt der Verstorbene in den Erinnerungen seiner Nächsten weiter.

Atheismus im Oberwallis
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Zustand der Kirche

Freitag, 11. April 2014

Die Dienste der Kirche werden immer weniger in Anspruch genommen. Bei den Hochzeiten ist der Einbruch dramatisch. 2012 haben sich 42’654 Paare in der Schweiz zivil das Jawort gegeben. Vor den Altar in einer katholischen oder evangelischen Kirche traten jedoch nur rund 9000 Hochzeitspaare. Lediglich jedes fünfte Paar (21 Prozent) in der Schweiz liess sich also auch kirchlich trauen. Vor 20 Jahren waren es noch rund 60 Prozent mehr, wie aus der Kirchenstatistik 2013 hervorgeht.

http://blog.tagesanzeiger.ch/datenblog/index.php/1483/trauerflor-statt-traualtar#comment-2344

Kt. SO: Muslimische Grabfelder kaum gefragt

Sonntag, 2. Dezember 2012

Viele Muslime werden nach ihrem Tod in ihrem Heimatland bestattet. Forderungen nach Begräbnisplätzen werden in der Region kaum vorgebracht. Warum? Lösungen wären möglich, wird in den Gemeinden versichert.
http://www.solothurnerzeitung.ch/solothurn/wirklich-kein-bedarf-fuer-muslim-graeber-125710571

Gossau SG: Freidenker nicht erwünscht

Dienstag, 18. September 2012

Auf dem Friedhof Hofegg wurde am Sonntag, 16. September, dem Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag, mit einer ökumenischen Feier der Reformierten und Katholiken eine neue Urnenwand eingeweiht.
Im Vorfeld hat sich ein reformierter Pfarrer daran erinnert, dass 2009 – anlässlich der Einweihung des Gemeinschaftsgrabes – auch die Freidenker einen Beitrag zur Einweihungsfeier geleistet haben und hat die Beteiligten aufgefordert, die Freidenker ebenfalls einzuladen.
Aber es kam anders: Die neue Urnenwand reklamieren die Religiösen offenbar für sich alleine.

Säkularisation im Bestattungswesen

Donnerstag, 8. April 2010

Aargauer Zeitung
Muslime und Juden fordern mehr eigene Friedhöfe. Jetzt zeigt eine Berner Untersuchung: Die Forderungen sind überissen. Die Praxis hat diese angeblichen Probleme nämlich längst im Griff.

Die Bestattung von Juden sei «in der Schweiz schon seit längerem institutionalisiert», wie die Studie festhält. Probleme habe es mit den zahlreichen jüdischen Friedhöfen jedoch kaum je gegeben.
Erst in neuerer Zeit wurden in der Schweiz auch Muslim-Friedhöfe oder -Gräberfelder eingerichtet. Im grossen Berner Bremgartenfriedhof vor zehn Jahren.

Urnenbestattungen immer beliebter

Im Grabfeld, das sich kaum von christlichen, jüdischen oder weltlichen Gräberfeldern unterscheidet, haben seither Menschen problemlos ihre letzte Ruhe gefunden, die Aziz Sidi Alaoui oder Fathia Khalil al Scharabati heissen. Das mit den Muslimen ausgehandelte Reglement hält fest: «Das Moslemgrab wird grundsätzlich 20 Jahre nach seiner Eröffnung aufgehoben.» Aber auch: «Je nach Platzverhältnissen lässt die Friedhofverwaltung das Grab jedoch über die 20 Jahre hinaus bestehen.» Und es hat noch viel freien Platz auf freien Flächen im bekanntesten Berner Gottesacker.

Die Studie hält fest: «Auf Spaziergängen durch die untersuchten Friedhöfe fallen vor allem in Bern die vielen Freiflächen auf.» Den Grund dafür haben sie auch ermittelt: «Urnenbestattungen haben sich als häufigste Beisetzungsart durchgesetzt.» Während die Erdbestattungen stark rückläufig seien. Dazu gibt es Zahlen: In Luzern etwa wurden um 1975 noch gleich viele Tote beerdigt wie kremiert. Heute machen die platzsparenden Urnenbestattungen über 80 Prozent aus. In Bern liegt das Verhältnis bei 30 zu 70 Prozent zugunsten der Feuerbestattungen.

In Luzern, wo seit 2008 ebenfalls ein Muslim-Grabfeld existiert, gibt es für eher weltlich orientierte Menschen aller Konfessionen sogar ein Gemeinschafts-Urnengrab. Es ist eine Art Aschensilo unter einem markanten pyramidenförmigen Dach, das auf kleinstem Raum den verbrannten Überresten von bis zu
15000 Verstorbenen Platz bietet.

«Die konfessionelle Neutralität der untersuchten Friedhöfe bewirkt vor allem ein bewusstes Vermeiden religiöser und insbesondere christlicher Symbolik», stellt die Berner Studie fest.

Friedhöfe verdienen mit Urnen wenig

Trotz derlei «Säkularisation des Bestattungswesens» seien im Umgang mit dem Tod religiöse Bedürfnisse immer noch von grosser Bedeutung, räumt die Berner Studie ein. Radikal-religiöse Leute, die ihr ganzes Leben und auch den Tod derart der Religion unterwerfen, dass sie keine Friedhofregeln akzeptieren können, sind aber eher selten. Viele auch nicht besonders religiöse Muslime der ersten Generation lassen sich nach ihrem Tod ohnehin in ihre Herkunftsländer zurückfliegen und dort bestatten.

Wo hierzulande die Erdbestattung aus muslimischen Kreisen vermehrt wieder verlangt wird, passt dies vielen Friedhöfen sogar ins Konzept: Die kostengünstigeren und weniger lukrativen Urnenbestattungen für die Christen haben ihnen nämlich in den letzten Jahren nicht nur mehr Platz für Erdbestattungen beschert – sondern auch einen veritablen Umsatzeinbruch.

http://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/juedische-friedhoefe-und-muslimgraeber-sind-kein-problem-7535364