Philosophische Cafés

Philosophische Cafés sind Gespräche und Diskussionen, die von einem Philosophen moderiert werden und die sich an einem von den Teilnehmenden gewählten Thema orientieren. Man kann eifrig mitdiskutieren, nur ab und zu einen Gedanken oder eine Erfahrung beisteuern oder auch nur zuhören.

Wir weisen hier auf Angebote in verschiedenen Städten hin. Die FVS ist aber nicht Veranstalterin.

Basel: das philosophische scheint nicht mehr aktiv zu sein. Eine neue Initiative: http://www.philosophicum.ch/

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Die Online-Anlaufstelle Philosophie.ch gibt der Öffentlichkeit ein Instrument zur Hand sich über die akademische Philosophie und Forschung, sowie über andere philosophische Aktivitäten in der Schweiz zu informieren.

33 Kommentare zu „Philosophische Cafés“

  1. Ungleubiger sagt:

    Ich arbeite in einem Städtischem Kinderhort, der Konfessionsfrei ist.
    „Unsere“ Kinder ( 5 bis 13 Jährig) kommen von Eltern mit diversen Religionen

    z.B.
    Katholiken
    Protestanten
    Christortodoxen
    Moslems
    Hindu

    Das zusammen arbeiten ist recht interessant

    Mein Problem ist,

    Was sage ich einem 8 Jährigem Kind auf die ernst gemeinte Frage:

    Gibt es wirklich einen Gott?

    Ich, als ungläubiger kann nicht einfach nein sagen.
    (Sonst haben wir die Eltern am „Hals“)

    Ja, sicher gibt es einen Gott kann ich auch nicht sagen.

    Wie verhalte ich mich in so einer Situation ?

    Mit vielen Dank für Eueren Tipp

    Ungläubiger

  2. Reta Caspar sagt:

    Als erstes würde ich die Frage zurückgeben: Was denkst denn du?
    Wenn das Kind auf einer persönlichen Stellungnahme beharrt, sage ich: Ich weiss es nicht. Manche Leute glauben es, ich glaube es nicht.

  3. Ich würde antworten : “Die Erfindung Gott existiert”. “Vater unser im Himmel…” Gott ist niemals von den Religionen als das vierbuchstäbliche Gott genannt! Dieser Gott ist ausdrücklich als VATER definiert. Ein Vater existiert! Ein Vater ist immer grösser als ein Kind. Deshalb muss das Kind die Augen nach Oben (wie im Himmel) richten, um ihn zu sehen. Ein Vater wird, egal ob er gewaltsam oder gutmütig ist, in dem Unbewusseten als gütiger (IchIdeal) Vaterimago und strafender (ÜberIch) Vaterimago internalisiert… Das wird natürlich später dem Kind erklärt werden.
    Die Erfindung Gott, das heisst die unbewusste Internalisierung durch den Säugling eines unbewussten Bildes seines (oder eines) Vaters (Vater Imago) existiert!
    Das Kind könnte dann weiter fragen : aber in WIRKLICHKEIT? existiert er in Wirklichkeit? Und ich antworte : Ja, in WIRKLICHKEIT existiert diese Erfindung und diese Erfindung ist von einigen Leuten sehr gut beschrieben. Nur, die religiösen Leuten verhindern, dass man Ihre Erfindung erklärt, deshalb darf ich nicht hier, in diesem Kindergarten diese Erfindung nicht erklären. Auch die Leuten, die sagen “Gott existiert nicht” verhindern diese Erfindung zu erklären, indem sie das Unbewusste und dessen Inhalt negieren…oder einfach, weil sie so ignorant wie die Religiösen Leuten sind (wenn nicht ignoranter!)

    Wenn eine solche Antwort (für Kinder angepasst) nicht abgegeben werden kann, dann ist dieser Kindergarten nicht konfessionsfrei sondern nur Geisel der Konfessionen. Ein solcher Kindergarten sollte dann sich audrücklich nennen : “konfessionsfreier Kindergarten, der Geisel konfessionsverbundenen Leuten ist, und deshalb keine Antwort über religiöse Frage geben kann” Ich würde ein solche Antwort nicht an die Kinder abgeben, sondern auf einem Flugblatt allen Eltern verteilen mit dem Titel : wir sind alle Geisel der Religionen.

  4. Grazia sagt:

    Steven Pinker erläutert in seinem “The philosophy of religion” wie Religion versucht (und es auch schafft), ausserhalb der Sippe jene Solidarität und Gemeinschaft aufzubauen, wie sie von Natur aus sonst nur unter nahen Verwandten, quasi über Blutbande, wirken. Es gelte, das “egoistische Gen” zu überwinden und in den Dienst einer das Selbst transzendierenden Sache – hier Gott – zu stellen…. Es kommt sicherlich nicht von ungefähr, dass Gläubige voneinander als “Brüder und Schwestern” denken oder sich an den “Vater unser” im Himmel wenden…

    http://www.youtube.com/watch?v=qVPKiucB12M

  5. Neben den guten Vorschlägen oben kann man den Kindern auch Material zum Selbststudium in die Hand geben. Z.B. Schmidt-Salomon/Nyncke: Wo geht’s denn hier zum lieben Gott, fragte das Ferkel (=Ferkelbuch), Susi Neunmalklug, Das Buch vom frechen Hund (hat mit Gott nix zu tun), für etwas ältere Kinder: Christian Lührs: Gut sein ohne Gott, Andreas Müller: Das Prometheus Trio: Die Invasion könnte wohl Spass bereiten. Vielleicht auch die Bücher von Ralf König (z.B. Der Archetyp).

  6. Das Ferkelbuch diabolisiert nur die Religionen, indem es die Gläubigen als dumm abstempelt “Wer Gott kennt, dem fehlt etwas”. Am Ende des Buches hat das Kind überhaupt nichts in der Hand um das Phenomen Religion und die Konstruktion “Gott” zu verstehen, er kann nur denken : diese sind gefährlich, böse, dumm. Das Buch Suzi Neunmalklug ist so schlecht wie das Ferkelbuch. Es lässt dem Kind glauben, die Gläubigen wären hauptsächlich Kreationist ; es sagt nichts über die Eigenschaften des Psyche des Menschen (seno-motorische Diskordanz des Säugling, die für das Entsehen des Unbewusste und der Irrationalität im Menschen verantwortlich ist (G. Mendel, die Revolte gegen den Vater, erster Teil, Grundlegung) . Diese zwei Bücher von MSS verhindern die Konstruktion Gott zu verstehen. Meiner Meinung nach, entwickelt sich ein gefährlicher irrationaler Trend, hinter der Maske der Rationalität, das Unberwusste und die damit verbundenen Irrationalität des Menschen zu negieren, um hinter dieser Rationalität eine neue Religion zu verteidigen : die der Maschine. “On pourrait résumer l’esprit des lumières dans l’image selon laquelle, en effet, il suffirait, de “faire la lumière” pour résoudre par la raison les problèmes, de quelque ordre qu’ils soient. La vérité est immédiatement accessible, pour peu qu’on écarte obscurantisme et fanatisme…Nous sommes entrés dans le siècle de la mécanique” G. Mendel, Histoire de l’autorité, p. 183. Susi Neunmalklug wäre ein gutes Beispiel für diese neue Religion mit dem neuen Messias : die Maschine. Im Buch strahlt ein blauaugiges (?!) blondes (?!) Kind vor seinem Computer. (Literatur : Lewis Mumford, Le Mythe de la machine et le developpement humain).
    Die religiösen Leuten werden noch, wie im Ferkelbuch, als dumm bezeichnet “Dumme Leute gibt’s genug, meint eure Susi Neunmalklug).
    Das Unbewusste wird heutzutage sehr stark indirekt in Frage gestellt. Das neue Buch “Le crépuscule d’une idole” von Michel Onfray versucht Freud lächerlich zu machen. Ich empfehle seine Konferenzen über Freud, die als podcast in France-culture zur Verfügung stehen downzuloaden). Gérard Mendel, geht in seinem Buch “La psychanalyse revisitée” nicht zimperlicher mit Freud vor, aber im Unterschied zu Onfray, das Kind nicht mit dem Bade ausschüttet (das Unberwusste, Mechanismus der Verdrängung unter anderem), . Wäre nicht gerade das Irrationnale in uns, welches wir als “Dummheit” des anderen bezeichnen?

  7. Grazia sagt:

    Ferkel und Susi 9xklug sind eine freche Antwort auf die 1000x frecheren und zudem unlauteren Behauptungen von Religiösen und Wissenschaftsfeindlichen.

  8. Wenn Sie eine Wissenschaftsfreundliche sind, dann wären Sie bereit Note für Note, die Kompositionen, die sie täglich hören, zu analysieren! Wunderbar! Beginnen wir die Arbeit sofort. Schicken sie mir irgendwelche Partitur ihrer liebsten Musik und wir analysieren gründlich die ganze Komposition, denn WIR sind nicht wie diese dummen Religiösen, die nur Vergnügen haben bei irrationalem Empfang der Kunst. Sie sind leider nicht Musikwissenschaftlierin? Schade… Dann sagen Sie mir Bitte, wer von den guten, wissenschaftlichen, unreligiösen, frechen Frauen und Männer interessiert ist, gründlich, ihre bzw. seine lieblings Komposition, oder Song zu analysieren, um sich nicht nur unwissenschaftlich ihren irrationalen Gefühlen zu verlassen… Sie werden keinen einzigen Menschen finden. Warum? Gerade, weil die guten, frechen, wissenschaftlichen, unreligiösen Menschen, wie die meisten religiösen, ihr grösstes Vergnügen, daran haben, die Welt irrational zu erleben.
    Hier ein exemplarisches Beispiel :
    “„Ich weiss nicht, wie lange ich dort saß, wie lange ich regungslos das Treiben auf dem
    Campus verfolgte, denn ich hatte in diesem Moment nicht nur jegliches Gefühl für die Zeit,
    sondern auch jegliches Gespür für mein eigenes Selbst verloren. Das „ozeanische Gefühl
    „der Verschmelzung mit der Welt“ das sich in mir verbreitete, ging so weit, dass ich mich
    nicht mehr als ein von der Außenwelt abgrenzbares Subjekt wahrnahm“ MSS, Jenseits von
    Gut Böse, S. 240.”
    …und eine Erklärung dieses ozeanischen Gefühls gerade von einem Denker, der nicht Gläubiger dieser neuen Religion eines “reinen rationalen wissenschaftlichen Menschen” ist :

    “Charakteristikum der primären Objektbeziehung ist die partielle oder totale
    Nichtunterscheidung von Subjekt und Objekt. Das Subjekt erlebt sich und das Objekt als
    mehr oder minder verschmolzen. Der Grenzfall dieser Beziehung ist ein Zustand, in
    welchem Subjekt und Objekt eins sind, die Körpergrenzen zu verfliessen beginnen, der
    Unterschied von Innen und Aussen, Gegenwart und Vergangenheit verschwindet und die
    Wahrnehmungs-Bewusstseins-Funktionen geschwächt sind…[]…in dieser Phase der oralem
    Sexualität,, vermag das Subjekt das Objekt noch kaum als von sich verschieden, distinkt
    selbständig zu erleben. Gérard Mendel, Die Revolte gegen den Vater, op. cit. S.74

  9. Ich komme zurück zum Text vom Alias “Ungleubiger” : es ist bemerkenswert, dass “Ungleubiger”, nicht von unsere Kindern spricht sondern von “unsere” Kindern und dann nicht von katholische Kinder, Protestanten Kindern spricht, sondern von Kinden die “von Eltern mit diversen Religionen kommen”.
    Alle Achtung!

  10. Grazia sagt:

    Ich bin weder eine Wissenschaftsfreundliche noch eine Wissenschaftsfeindliche. Natürlich sind wir mehr als die Summe unserer Einzelteile. Jeder versucht, seinem Leben, seinen Gefühlen und all dem, das ihm passiert, eine “Gestalt” zu geben. Für mich ist die Beschäftigung mit dem Unbewussten nur insofern nachvollziehbar, als daraus Stück für Stück mehr Bewusstsein wird, und daraus wiederum mehr Achtsamkeit. Nicht jedoch wenn das Unbewusste zur neuen “Seele” mystifiziert wird.

  11. Alles in [] wird von mir C.B geschrieben
    “Für Freud gab es immer nur zwei Modi menschlichen Denkens, zwei Prinzipien des psychischen Geschehens, deren Interdependenzen die jeweilige Stellung des Menschen gegenüber der Realität ausmachen. Es gibt magisches und rationales Denken. Rational denken bedeutet weder, dass es möglich ist, die äussere Rationalität “an sich” zu begreifen, noch dass es im Augenblick möglich ist, bestimmte Probleme zu lösen. Das rationale Denken wird von drei Seiten begrenzt: es wird immer mehr oder weniger von magischem Denken durchdrungen sein; es kann sich nur in Anerkennung des augenblicklichen Erkenntisszustandes, in der aktuellen Position einer sich entwickelnden Wissenschaft bewegen; da es äussere Realität nur durch die psychsichen Strukturen hindurch erfahren kann, ist ihm nur eine indirekte Erkenntnis dieser Realität möglich (ebenso, wie man das Unbewusste nur indirekt kennt).
    Für das magische Denken ist charakteristisch, dass es Ausdrucksform der unbewussten Wünsche ist, d.h. es berücksichtigt die äussere Realität nur insoweit, als es sie braucht, um den unbewussten Wünschen eine Ausdrucksmöglichkeit oder besser bildliche Vorstellung zu geben. Das Ich hält die beiden Waageschalen (d.h. das Es und die äussere Realität) im Gleichgewicht. Im magischen Denken neigt sich die Waage zur Seite des Es. Zwischen Unbewusstem, Primärvorgang, primär Narzißmus, halluzinierter Wunschbefriedigung, Traumwelt, Phantasieleben, magischem und irrationalem Denken gibt es enge Verbindungen; die scientistische Illusion des 19. Jahrhunderts, die das Irrationale im Menschen ausmerzen wollte, wird heute nicht mehr vertreten [das Buch wurde im 1968 geschrieben und ich sehe gerade bei den Evoluzern, neo-Darwinisten, neo-Atheisten eine Regression zu dieser scientistischen Illusion : Eine bessere "PR" Strategie könnte der Rationalität zu grossen Sprüngen verhelfen]; das Irrationale ist ein wesentliches Merkmal des Menschen. Die Phantasie, die aus der Quelle des Irrationalen gespeist wird und alle unsere Aktivitäten verdoppelt, ist darüber hinaus im Erleben des Einzelnen Ursprung eines Gefühls der Fülle [siehe Oben das Zitat aus "Jenseits von Gut Böse", S. 240]. Die Aufgabe des Menschen, die unheilvollen und gefährlichen Aspekte des Irrationalen einzugrenzen und zu begreifen, ist bisher kaum in Angriff genommen worden [2010: Bestätigung, gerade bei dem Negieren der Existenz des Unbewussten bei der Regression zu der scientistischen Illusion, die sich unter der Maske der neo-Darwinismus versteckt]. Als Reaktion auf die Aktivität des Menschen sammelt sich im Unbewussten ständig ein irrationales, passives Potential. Neben dem, vereinfacht gesagt, “magischen Denken”, gibt es seit den Anfang der Menschheit eine Spur rationalen Denkens, eine gewisse Berücksichtigung der äusseren Realität und eine nicht nur vollkommen projizierte Wahrnehmung. Denn der Mensch bemüht sich, auf die Realität Einfluss zu nehmen, Befriedigung der Bedürfnisse zu erlangen oder den Druck dieser Realität zu mindern. Es kann niemals Bewusstes ohne Unbewusstes geben [deshalb, kann sich ein Mehr an Bewusstsein, nicht aus einer Reduzierung des Unbewussten gewonnen werden, sondern gerade aus der Analyse dessen indirekt zugänglichen Produkte, allen sozio-kulturellen Produkten der Menschen, unter anderem aus der Analyse der Erfindung Gott. Gerade das Negieren — von einer Mystifizierung (geheimnisvoll machen) des Unbewussten ist schon ein Negieren des Unbewussten, welche per Definition nicht direkt zugänglich ist — des für die Psyche des Menschen konstitutiven Unbewusste, verhindert meiner Meinung diese Analyse und kann deshalb nicht dessen gefährliche Aspekte eingrenzen]
    Gérard Mendel, die Revolte gegen den Vater, S. 272

  12. Martin Bachmann sagt:

    Hallo Herr Brass

    Ganz rechts auf Ihrem Keyboard finden Sie eine grosse Taste. Sie macht Zeilenumbrüche und bei repetitiver Benutzung auch mal ne Leerzeile. Probieren Sie die mal aus. Vielleicht sogar öfters. Ich les dann auch, was Sie schreiben.

  13. Im Originaltext gibt es nur einen Zeilenumbruch nach dem Wort “Potential” (13 Zeile über die letzte Zeile des vorliegenden Textes), den ich vergessen habe einzufügen. Zeilenumbrüche sind nicht da um das Lesen zu erleichtern sondern, weil sie einee Denkeinheit, einen Paragraph einführen. Mit meinem vermissten Zeilenumbruch ist der so künstlich entstandener Paragraph 29 Zeile lang. Es gibt im diesem Buch aber zahlreiche Paragraphe, die viel länger sind, z. B S. 159 ab “Knecht” bis “Wettermachers”, Seite 160 : 46 Zeilen. Aber auch in der deutschen Literatur gibt es schöne Beispiele : Bei Thomas Bernhard, sind sehr leicht mehrere Seite lange Paragraphe in jedem seiner Bücher zu finden.
    (ISBN des Buches von Mendel für diese Behauptungen : 3 10 049901 8)

  14. Korrektur : der smiler hat sich (?!) ohne mein Zutun an die Stelle vom Ziffer 8 des ISBN Nummer gesetzt! Danke für die Korrektur!

  15. Jetzt noch ein mittelmässig langer Paragraph, der weiter die Frage von “Ungleubiger” aus einem anderen Winkel beantwortet, im Kapitel “Die Geburt Gottes” des selben Buches.

    “1885, als ohne den geringsten Erfolg Villiers de l’isle-Adam Eve Future erschien, war der Siegeszug des szientistischen Denkens, dessen Wurzeln ins Jahrhunderts der Aufklärung zurückreichen, vollendet. Man lebte in der religiösen, messianischen Erwartung, daß dank der wissenschaftlichen und technologischen Entwicklung alle Menschheitsprobleme binnen kurzem gelöst, daß Krieg, Krankheit, Ungleichheit und soziale Unordnung, vielleicht sogar der Tod überwunden werden konnten. Die Rationalität hatte über das Irrationale gesiegt; mit einem Wort: das goldene Zeitalter schien dem Menschen erreichbar nahe. Dieser weltliche Religion, diesem Wissenschaftsglauben und technologischem Optimismus begegnet man heute [im Jahr 1968] gleichermassen bei kapitalistischen Technokraten wie bei den meisten Wortführer der parteioffiziellen Marxismus.
    1883 verkündet Nietsche, daß Gott tot ist. Und fast zur gleichen Zeit (1895) erscheint das erste Werk einer neuen Wissenschaft, die das Selbsverständnis des Menschen rakikal verändern wird — erscheinen die ‘Studien über Hysterie’ von Sigmund Freud und Josef Breuer; Vorarbeiten reichen bis ins Jahr 1882 zurück. Während der Wissenschaftsglauben Triumphe feiert, registrieren die drei Autoren, jeder auf seine Weise, einen Zusammenbruch: der Dichter und der Philosoph, die beide durch die Übereinstimmung ihrer persönlichen Konflikte mit den unbewußten Konflikten der Kollektivseele zum Medium der Epoche wurden, und der Gelehrte neuen Typs. Daß der Vater ohnmächtig oder tot ist, behaupten Nietsche und Villiers de l’isle-Adam; gemeint ist der monotheistische Gott, der göttliche Vater oder auch der Gelehrte. Freud lehrt, daß ein irrationale Schicht im Menschen gibt, die, identisch mit dem Unbewußten, nicht mit der Wurzel ausgerottet werden kann, wie man naiverweise glaubte. Ein Modus vivendi mit diesem Irrationalen, die Beschränkung seiner Macht, seine Koexistenz mit der Rationalität setzt voraus, daß wir uns seiner verborgenen Manifestationen bewußt werden. Es lebt sich mit den Ungeheuern in uns weniger gefährlich, wenn wir sie kennen, und es besteht dann keine Veranlassung, daß wir uns, von Schuldgefühlen getrieben, zusätzliche Abhängigkeiten gegenüber Menschen, Wesenheiten oder Institutionen schaffen, die trügerische Sicherheit verheißen. Niemals — und darin liegt eine kategorische Absage an die Vergötzung des wissenschaftlichen Denkens — wird das Licht der Vernunft die Schatten des Irrationalen gänzlich zum Verschwinden bringen. Der Konflikt ist unaufhebbar in der Psyche verankert.”
    op. cit. Seite 168

  16. Grazia sagt:

    Bin vollständig mit folgendem Passus einverstanden: (…) Ein Modus vivendi mit diesem Irrationalen, die Beschränkung seiner Macht, seine Koexistenz mit der Rationalität setzt voraus, daß wir uns seiner verborgenen Manifestationen bewußt werden. Es lebt sich mit den Ungeheuern in uns weniger gefährlich, wenn wir sie kennen, und es besteht dann keine Veranlassung, daß wir uns, von Schuldgefühlen getrieben, zusätzliche Abhängigkeiten gegenüber Menschen, Wesenheiten oder Institutionen schaffen, die trügerische Sicherheit verheißen.

    Woher der Autor sich zur Behauptung veranlasst und autorisiert fühlt, das wissenschaftliche Denken, die einzige bisher bekannte und angewandte Methode, die uns zur “Ent-Täuschung” befähigt, als “Götze” zu bezeichnen ist mir hingegen unverständlich. Ebenso die kategorische Verneinung, dass “das Licht der Vernunft” das Irrationale bändigen könne oder gar die völlig unwissenschaftliche auf ewig beschworene Unmöglichkeit, den psychischen Konflikt aufzuheben.
    Wir entwachsen schliesslich auch der Abhängigkeit, die uns als Kinder unüberwindbar scheint. Die Psychohygiene verlangt von uns viel Disziplin. Im übrigen will mir scheinen, dass es die gleichen sind, die den “Wissenschaftsglaube” kritisieren, die auch den Atheisten vorwerfen, sie seien auf ihre Weise “Gläubige”, nicht zuletzt deswegen, weil sie sich im Dunkeln wohlfühlen, sich davon speisen und gar nicht daran interessiert zu sein scheinen, hinauszufinden.
    Manchmal verstricken wir uns in verbalen Konstruktionen, die wir einfach mal als solche erkennen müssen.

  17. “Ja, sicher gibt es einen Gott kann ich auch nicht sagen.
    Wie verhalte ich mich in so einer Situation ?
    Mit vielen Dank für Eueren Tipp”

    Es würde mich sehr interessieren zu wissen, welche Lösungen der Autor dieser Frage in der Zwischenzeit in seinem Kinderhort mit seiner gebastelten Antworten gemacht hat. Nach gerade einem Monat haben wir aber noch keinen Feedback. Schade! Sollte überhaupt auf eine solche Frage in einer neutralen Schule eingegangen werden? In meiner ganzen Schulzeit und Unizeit (13 Jahren Schule + 10 jahren Uni in Frankreich) hatte ich nur einen einzigen Lehrer, der seine Konfession öffentlich verraten hat. Das war aber in der dreizehnten Klasse und das hat er nur einmal gemacht. Er hatte urplötzlich in der mitte seines Vortrags gesagt hatte “Ja, ich glaube an Gott”. Das hatte ich als sehr komisch erlebt, in der Art : “Aber was hat sein privat Leben hier in der Klasse zu suchen?”.

  18. DAO sagt:

    alles hochinteressant und auf einem hohen intelektuellen niveau.

    aber es geht hier eigentlich um einen kinderhort und 8-jährige.
    deshalb finde ich den ersten, ganz einfachen ansatz von Reta Caspar
    vom 6. August 2010 um 08:33 am treffendsten:

    “Als erstes würde ich die Frage zurückgeben: Was denkst denn du?
    Wenn das Kind auf einer persönlichen Stellungnahme beharrt, sage ich: Ich weiss es nicht. Manche Leute glauben es, ich glaube es nicht.”

    und ja, ein feedback des fragestellers wäre wirklich nett und respektvoll. danke.

  19. Diese Information ist eine Lüge. Die Wahrheit ist “Hier ist es noch unmöglich diese Frage frei zu beantworten. Die religilösen verhindern, dass wir frei über diese Frage, auch in der öffentlichen Schulen sprechen dürfen”, Wir sind Geisel der Religionen”. Was ein Geisel ist? Das ist was du als Kind jeden Tag erlebst : wenn du deine freie Meinung gibst, bist du meistens dafür bestraft.

  20. michael sagt:

    meine damen und herren

    ich habe mich nun (am anfang wort für wort, gegen ende dann diagonal) durch dieses forum gelesen. die frage von “ungläubiger” wurde leider immer noch nicht beantwortet. er fragte nämlich, was man zu einem kind sagen würde, welches nach der existenz gottes fragt.

    herr brass, ich kenne sie wirklich nicht. totzdem wage ich es, mein wort an sie zur richten. ihre antworten sind jeweils argumentarisch sehr reichhaltig. sie müssen mir jedoch zustimmen, dass das fragende kind sie kaum verstehen würde. bereits ihre allererste antwort (ich zitiere sie) “Die Erfindung Gott existiert” ist bereits so komplex, dass das kind sich bis nach seinem (eventuellen) studium gedulden müsste, um ihrer antwort annähernd etwas zu verstehen.

    ich wage mich nun zu behaupten, dass selbst sie, trotz ihrem reichhaltigen wissen, eben immer noch nicht wissen, ob es gott gibt oder nicht. wäre es dann nicht ehrlicher und einfacher zu antworten “ich weiss es nicht”, so wie es forumsteilnehmer “ungläubiger” tun würde?! ist es denn so relevant, jede antwort kennen zu müssen (vor allem diese)?! denken sie, wir würden als menschen scheitern, wenn wir zugeben müssten, dass wir nicht fähig sind, diese frage zu beantworten?!

    also ich würde lieber als unwissend vor meinem kind stehen, als ihn von etwas überzeugen zu wollen, was sowieso KEINER weiss. (möglicherweise werden wir die antwort auch nie erfahren).

    oder habe ich sie falsch verstanden?

  21. michael sagt:

    ich würde gerne einmal einen anlass besuchen bei welchem man sich über philosophische fragen austauschen kann. aber ich fürchte mich davor, mich inmitten einem haufen elitärer intellektueller und akademiker wiederzufinden, wo diese sich dann, sobald sie mit einer anspruchsvollen frage konfrontiert werden, in ihre welt des gelernten und ihres wissens flüchten und ein gespräch auf einer allgemein verständlichen eben nicht mehr mögllich ist.

  22. Grazia sagt:

    Michael – die Café Philo am Luzerner Theater sind in keiner Weise elitär. Das Konzept ist ja darauf angelegt, miteinander zu philosophieren, über Themen, auf einem Niveau und in einer Sprache, die die Teilnehmer bestimmen. Die Gesprächsleitung moderiert und gibt auch Input, alles Weitere ergibt sich jeweils spontan.

  23. michael sagt:

    grazia – vielen dank für deine antwort. nun ist es so, dass ich in basel lebe. offenbar gibt es dort kein philosophisches café mehr. als alternative wird das philosophicum am ackermannshof genannt. ich müsste mich einfach einmal überwinden und hingehen.

  24. Kant sagt:

    Wegen der Kinder- Frage nach Gott: Wenn Du dran glaubst, gibt es ihn.

  25. Grazia sagt:

    Wer nach Gott fragt will, dass er sei (Autor vergessen).

  26. Edi Brugger sagt:

    Bevor man diskutiert, sollte man wisssen, worüber, besonders bei so unbestimmten Begriffen wie “Gott”. Man sollte schon eine ungefähre Ahnung haben, was der Diskussionspartner damit meint. Ich gebe hier ein Beispiel für eine mögliche Definition entsprechend den Forderungen oder Erwartungen der Gläubigen:

    Ein geistiges Wesen (was immer das sein soll) nicht aus physikalisch definierter Materie oder Energie, das das Universum in einem geistigen Akt aus dem Nichts erschaffen hat und noch heute, gegen die Naturgesetze in dessen Ablauf eingreift (physikalisch: wechselwirkt).

    Weitere Vorschläge?

    Das ist natürlich nicht kindgerecht. Aber bevor man mit Kinder über irgendwelche Wischiwaschi-Begriffe diskutiert, sollte man sich selbst über den Diskissionsgegenstand etwas Klarheit verschaffen.

  27. David Egli sagt:

    Lieber Ungleubiger,

    Ich finde es toll dass Sie sich diese Frage mit Ihrem Kinderhort stellen, und in meinen Augen die beste und auch sehr einfache Antwort, die sie dem Kind geben können:

    “Frage Ihn doch, ob es ihn gibt!”

    Dazu könnten Sie dem Kind vielleicht erklären, dass es Menschen gibt die an Gott glauben und solche die nicht an ihn glauben, aber dass das Kind das sowieso selber herausfinden muss, und Ihn deshalb einfach fragen soll.

  28. David Egli sagt:

    Leiber Herr Brugger,

    “Bevor man diskutiert, sollte man wisssen, worüber, besonders bei so unbestimmten Begriffen wie “Gott”.”

    Das ist ja genau das tolle, das Kinder in dieser Hinsicht eben viel mehr verstehen (wenn man so will viel intelligenter sind) als wir Erwachsene. Wenn ein Kind von Gott redet, weiss es genau was es meint.

    “Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart. Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen.”

    Es ist so schade, dass die Menschen sich von sog. Intelligenz so beindrucken lassen. Intelligenz ohne Weisheit ist Torheit. Unsere Gesellschaft macht Intelligenz zum Kult. Dabei kann ein stockdummer Junkie oder ein geistig Behinderter unendlich viel Weiser sein als (fast) alle Prof. Dr. Dr. der Schweiz zusammen. In der Schweiz hören die Leute nur jemandem zu, der Studiert hat. Nur solchen Leuten wird hier zugehört. Aber wenn ein Junkie oder Alki die Wahrheit spricht, wird er ausgelacht. Aber so war es schon immer.

  29. Ich würde dem Kind sagen, dass die Frage nach der Existenz Gottes abhängig ist vom Glauben des Menschen an ein Leben nach dem Tod.
    Wer an ein Leben nach dem Tod glaubt kann an einen Gott oder an Mehrere glauben. Ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod, deshalb weiss ich auch nicht, was ich mit einem Gott anfangen sollte.

  30. Bruno Nüssli sagt:

    An einen Gott glaub ich nicht, aber das heisst nicht, das ich behaupte, dass damit alles klar ist. Mich interessieren vor allem die Fragen die mir nie jemand beantworten kann und die mich nicht ausschliessen lassen, dass die Gesetzmässigkeiten der Realität, falls es diese gibt, erstaunlicheres verbergen, als es ein Gott könnte. Fragen die mich zB zur Zeit interessieren sind:

    1.) Warum pflanzt sich Leben fort ? Wenn das Leben zufällig unter seltenen optimalen Bedingungen entstand, hätte es entstehen und wieder vergehen können. Das wär dem Leben doch egal gewesen. Aber es pflanzte sich von anfang an fort, als ginge es darum das Leben ohne rücksicht auf die einzelnen Individuen in die Länge zu ziehen. Das einzelne Wesen scheint nicht zu zählen, aber das leben als ganzes. Auch pflanzen betrifft dies? Warum?

    2.) Wir kommen alle aus dem Nichts, also aus dem Tod und gehen dahin zurück. Wenn das einmal passierte ist es doch möglich, dass das wieder passiert? Könnte es sein, dass nichts ewig ist? Dass sich alles wandelt und dass somit auch nach “Nichts” nicht unendlich sein kann?

    Drum denk ich, dass man Kindern sagen kann, dass mans nicht weiss, aber auch erklären kann, dass viele Fragen ewig offen bleiben werden. Denn offene fragen können genauso viel halt geben wie eine fertige Religion, die einem nicht befriedigt.

  31. Luka Takoa sagt:

    Eine einfache Frage braucht eine einfache Antwort. Ich würde sagen:
    “Für mich – existiert Gott gleich wenig wie z.B. der Osterhase oder böse Drachen. Dies alles sind Figuren, welche sich der Mensch erdacht hat und die nur in unserer Phantasiewelt leben.”

  32. Fredy Hafner sagt:

    Einfache Fragen – einfache Antworten :
    ” gibt es einen Gott ? ” ist überhaupt keine einfache Frage !
    Wie kann ein Kind zu dieser Frage kommen ?
    Ich würde dieses Kind fragen, wo und bei wem es dieses Wort das letzte mal gehört hat.
    Es hat ja auch keinen grossen Sinn auf eine Frage zu antworten, wenn man nicht weiss, was die andere Person damit meint. Sonst entstehen nur Missverständnisse und schlimmstenfalls so ‘Geisseln’ für das Kind.
    Erwachsene meinen oft, sie verstehen sofort, was ein Kind denkt und fühlt. Das ist aber meistens ein Trugschluss, noch schlimmer dann, wenn sie dann ( ihren ) Kindern noch zu verstehen geben wollen, dass sie falsch denken, dass sie auf dem falschen Weg sind ?
    Wem es als Erwachsenen aber missfällt, sich in die Vorstellungswelt eines Kindes zu begeben, sei es aus weltanschaulichen oder persönlichen Gründen, der gibt besser zu, dass er diese ‘einfache’ Frage nicht einfach so beantworten kann oder er delegiert diese seine erzieherische Aufgabe, sofern er eine solche hat, an jemanden, der sich in die Welt eines Kindes besser einstimmen kann.
    Auch die Erzieher selbst müssten erzogen werden !
    Eine religiöse wie auch atheistische Dogmatik sollte bei der Erziehung keine Rolle mehr spielen dürfen !?

  33. Walter sagt:

    EXISTIERT GOTT ODER EXISTIERT ER NICHT?
    Logische Frage – logische Antwort: Ein Leben ohne Gott, das nur durch Zufall entstanden ist und nach dem Tod wieder zu Ende ist, ergibt absolut keinen Sinn.
    Warum fällt es uns (frei-) denkenden Menschen so schwer zu glauben, dass Gott der Urheber und Erhalter von allem Leben und aller Materie ist?
    Der Anspruch der Bibel, Wort Gottes zu sein, passt nicht in unser „vernunftiges“ Weltbild – dabei haben sich alle nachprüfbaren Angaben geografischer, geschichtlicher und zeitlicher Art als korrekt herausgestellt.

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