“Wenn der Staat die Kirche segnet – Die Landeskirchen sollten keine Staatsgelder mehr erhalten.”

tagesanzeiger.ch, 05 Juli 2017 – Artikel von Joseph Hochstrasser:

Für ihre Tätigkeiten erhalten die beiden Landeskirchen vom Staat jährlich einen Beitrag von rund 50 Millionen Franken. Begründung: Die Kirchen leisten viel für die Allgemeinheit. Eine Studie des Instituts für Politikwissenschaft der Universität Zürich stützt diesen Befund. Trotzdem muss die Frage erlaubt sein: Was wären die Landeskirchen ohne diese Staatsgelder? Was bliebe übrig, wenn die Kirchensteuern nicht mehr flössen? Wenn Kirche und Staat vollständig getrennt wären?

Fest steht: Mit ihrer Anerkennung durch Kaiser Konstantin hat die Kirche vor 1700 Jahren viel von der revolutionären Kraft des unabhängigen und kritischen Mannes Jesus aus Nazareth verloren. Für Jahrhunderte interessierten sich Kirchenfürsten danach mehr für ihre Macht – die Botschaft des Ursprungs blieb aussen vor. Zum Glück haben sie Menschen am Rande der Kirchen immer wieder zum Leben erweckt: Franz von Assisi, Ulrich Zwingli, die befreiungstheologisch inspirierten Basisgruppen der Neuzeit.

Basisgemeinden als gutes Beispiel

Die Zeit ist gekommen, den konstantinischen Fehler zu korrigieren. Die Kirchen müssen sich vom Staat trennen. Gar kein Thema darf es sein, weiteren Religionsgemeinschaften öffentlich-rechtliche Anerkennung zu gewähren. Der Staat erledigt seine Aufgaben, die Kirchen realisieren ihre Anliegen. Kommunikation zwischen den beiden ist nach wie vor möglich, nicht aber über Geld. Das sollte die Kirchen angesichts des armen Mannes aus Nazareth beschämen.

Gutes Beispiel für eine lebendige Kirche ohne Geld sind die Basisgemeinden. Ihre Motivation ist nicht Geld. Es ist die Ausstrahlung der Jesusbewegung aus den Anfängen. Ganz im Sinne der politischen Erneuerung in Frankreich braucht die Schweiz eine «église en marche».

Josef Hochstrasser ist Pfarrer und Buchautor. (Tages-Anzeiger)

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