Kommentar: «Das können Sie besser, Herr Schneider!»

In seiner «Leser fragen»-Kolumne gibt der Psychoanalytiker Peter Schneider Antworten auf alles. Diese Woche hat er sich an der Frage «Brauchen wir Religionen?» versucht. FVS-Vorstandsmitglied Claude Fankhauser ist mit Schneiders Antworten überhaupt nicht einverstanden. Hier seine Replik.

 

Lieber Peter Schneider

Wahrscheinlich meinen Sie es gut mit Ihren Antworten auf die Fragen des Herrn S.; dennoch muss ich Ihnen in allem widersprechen, was Sie da an einem wohl nicht gerade höchstperformativen Tag geschrieben haben.

  • Erstens: Ich muss wohl nicht betonen, dass es nicht nur unredlich, sondern geradezu geschmacklos ist, sich gegenseitig die Leichenberge vorzurechnen, die der Glaube an unsichtbare Superhelden beziehungsweise die Absenz desselben möglicherweise verursacht hat. Denn am Ende sind es ja nicht Ideologien, die Morde begehen, sondern Menschen, die im Namen dieser Ideologien handeln. (Nebenbei: Kennen Sie Menschen, die «gegen Gottes Willen» Mordanschläge auf Ärzte verüben oder die «nicht im Namen Allahs, den es gar nicht gibt», in Hochhäuser fliegen? Ich nicht.) Es scheint mir aber angemessen, zumindest darauf hinzuweisen, dass Stalin an einem Priesterseminar studiert hat und dass Hitler nicht nur seinen Judenhass auch mit Hinweis auf seinen christlichen Glauben rechtfertigte (eine Tatsache, die übrigens bis heute noch keinen Papst dazu genötigt hätte, den braven Katholiken Hitler zu exkommunizieren), sondern auch bis zu seinem Tod davon überzeugt war, eine göttliche Mission zu erfüllen. Ausserdem müsste es schon eine sehr merkwürdige atheistische Diktatur gewesen sein, welche die Koppelschlösser der Gürtel ihrer Soldaten mit den Worten «Gott mit uns» verzieren liess.
  • Zweitens: Die strikte Unterscheidung zwischen «wir» und «die anderen» ist für die Etablierung einer religiösen Strömung fundamental wichtig. Ebenso wichtig ist es, dass ein einmal gefasstes Dogma nicht mehr hinterfragt wird, denn Kritik innerhalb einer religiösen Gemeinschaft führt unweigerlich zu einer Spaltung. Wir kennen dieses Phänomen nicht nur von der Reformation, sondern ebenso von all den modernen freikirchlichen Betgruppen, die zwar beachtliche Mitgliederzuflüsse haben, aber eben auch ähnlich hohe Abgangszahlen kennen. Wem die moralischen oder liturgischen Eckpfeiler seiner Gemeinschaft nicht mehr passen, der wechselt zu einer anderen oder gründet seine eigene. Und genau hier liegt ein zentraler Unterschied zwischen einem übernatürlichen und einem wissenschaftlichen Weltbild: Man wechselt als Zoologe nicht einfach zur «Einhorn-Zoologie», nur weil man merkt, dass in der «Mainstream-Zoologie» keine Einhörner vorkommen. Stattdessen würde ein (ganz normaler) Zoologe, der von der Existenz von Einhörnern überzeugt ist, seine Fakten auf den Tisch legen und seine Theorien zur Diskussion stellen. Wie Sie als Psychoanalytiker und Philosoph ja sicherlich wissen, ist ein «Faktum» aber immer abhängig vom Wissensstand (und oft auch persönlichem Hintergrund) der Debattierenden. Noch vor wenigen Jahren war es «Fakt», dass Atomkraftwerke sicher und Russpartikelfilter bei Dieselfahrzeugen umweltfreundlich sind. Und dass Frauen an den Herd und Homosexuelle in Therapie gehören, sind «Fakten», die ich sogar heute noch vereinzelt höre – meist übrigens von Menschen mit religiösem Hintergrund. In Ihrer Kolumne klagen Sie zu Recht Eugenik und den «wissenschaftlich geadelten Rassismus» als pseudowissenschaftliche Irrwege an. Dabei ignorieren Sie aber, dass die Leistung der Wissenschaft nicht darin liegt, falsche Meinungen irrtümlich zu richtigen zu erklären, sondern eben vor allem darin, dass diese falschen Meinungen nach Auftreten neuer Fakten revidiert und auf dem Müllhaufen der Wissenschaft entsorgt werden. Herr S. fragt Sie nun – meiner Meinung nach berechtigt – wo denn der Müllhaufen der religiösen Meinungen liegt und welche dieser Meinungen dort endlich ein für allemal deponiert werden können (ich würde als unverbindliche Empfehlung mal mit Frauenhass, Homohass, Kriegstreiberei, Schlägen als valabler Erziehungsmethode, unmenschlichen Strafen für läppische Vergehen, Tabuisierung der Sexualität, Patriarchismus und apokalyptischem Denken beginnen). Schade eigentlich, dass Sie durch blindwütiges Schwingen der Eugenik-Keule diese Frage nicht beantworten, sondern einfach nur abwürgen.
  • Drittens: Herr S. hat sich um mehr als 2000 Jahre geirrt und Sie wenden einen Viertel Ihrer Kolumne dafür auf, um ihm eine Geschichtslektion zu erteilen. Das kann man sicher so machen, aber sind tatsächlich diese 2000 Jahre entscheidend oder geht es nicht doch in erster Linie um diese Frage von Herrn S.: «Warum werden Bibel, Koran und Thora als ewige Wahrheiten angepriesen?» Der Versuch einer Beantwortung dieser Frage wäre für mich als Leser weit spannender gewesen als Ihr argumentatives Brunnenvergiften, und er hätte Sie vielleicht auch intellektuell etwas mehr gefordert.
  • Viertens: «Seid lieb zueinander» fände ich als generellen Leitsatz aller Religionen, die sich den Frieden auf ihre Fahnen geschrieben haben, gar nicht einmal so verkehrt. Was finden Sie denn so grundsätzlich falsch daran? Oder, anders gefragt: Was finden Sie an «du sollst keine anderen Götter neben mir haben» beziehungsweise an «es gibt keinen Gott ausser Allah» als Handlungsprämisse für den heutigen Menschen denn so wertvoll und nicht revidierungsbedürftig?
  • Fünftens: Herr S. fragt Sie explizit, ob seine – im Übrigen auch von mir als eher naiv angesehene – Idee einer aktualisierten Version der religiösen Schriften eine Utopie sei. In der Folge schreiben Sie von «seiner» Utopie. Herr Schneider, bei allem Respekt, das ist pure Polemik und Ihrer nicht würdig.
  • Sechstens: Dumme, schädliche Pseudowissenschaft kann irgendwann zu kluger, nützlicher Wissenschaft werden. Wir kennen das beispielsweise aus der Alchemie, die zur Chemie mutierte. Ein ähnlicher Prozess ist mir bei dummen, schädlichen Religionen leider nicht bekannt.

Lieber Peter Schneider, Ihr Text erinnert mich an die Apologeten jeder beliebigen Religion, die mir erklären wollen, dass mich ihr Gott fürs Masturbieren ins ewige Fegefeuer werfen wird, der mich aber trotzdem und gerade deshalb ganz, ganz doll lieb hat.

Das ist unter Ihrem Niveau. Das können Sie besser.

 

Mit freundlichen Grüssen,

Claude Fankhauser

13 Kommentare zu „Kommentar: «Das können Sie besser, Herr Schneider!»“

  1. Meine Replik auf denselben Beitrag:
    «Lautet die Frage: ‘Brauchen wir Religionen?’, wurde sie nicht beantwortet… wie wenn man auf die Frage ‘Brauchen wir Autos?’ nur Fälle anführt, in denen mit Autos Unheil angerichtet wurde. Ist der Psychologe bei der Funktion von Religion überfragt, zu der Soziologen wie Thomas Luckmann und Niklas Luhmann kluge Bücher geschrieben haben? Auch erkenntnistheoretisch bewegen sich Frage und Antwort auf ganz dünnem Eis. Wir setzen heute (und seit über 200 Jahren) nur deshalb auf Aufklärung, Logik und Vernunft, weil uns noch nichts Besseres eingefallen ist. Es gibt aber die Dialektik der Aufklärung und die vielen Paradoxien, welche Kehrseite und Grenzen von Vernunft und Logik (Wissenschaft) aufzeigen. Kürzen wir die Bildungsetats weiter so, wird immer weniger reflektiert und immer mehr geglaubt.»
    Gruss Armin

  2. Hallo Armin! Auch wenn ich deine Verehrung für Luckmann nicht wirklich teilen kann – sein Religionsbegriff ist mir einfach zu weit gefasst: Deiner Replik kann ich im Grunde nur zustimmen.

  3. Walter sagt:

    @ Claude Fankhauser
    Es liegt in der Natur des Menschen, nach dem Sinn und der Herkunft seines Lebens zu suchen. Ein Leben, das nur Zufall entstanden- und nach dem Tod wieder zu Ende ist, ergibt keinen Sinn. Vielleicht gibt es so viele verschiedene Religionen, damit wir uns gründlich mit diesen Fragen beschäftigen (müssen). Sie sind entscheidend, wie wir uns entscheiden und wo wir einmal die Ewigkeit verbringen werden. Die Bibel sagt: „wer die Wahrheit aufrichtig sucht, wird sie finden“ (Matthäusevangelium 7,7) – bei den andern spielt es, in diesem Kontext, offenbar keine Rolle, welcher Religion oder Weltanschauung sie angehören um verloren zu gehen (Römerbrief 2,12).
    Was der Mensch fähig ist zu tun (mit oder ohne Religion), das verschweigt uns die Bibel nicht. In keiner Weise fordert sie uns aber dazu auf zu töten oder Kriege zu führen, ganz im Gegenteil:
    •“wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die linke hin” (Matthäus 5,39)
    •„Liebet eure Feinde; segnet die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen“ (Matthäus 5,44).
    •“Liebe deinen Nächsten wie dich selbst” (Markus 12,31)
    Das sind Rezepte für den Frieden!

  4. Ich habe noch so ein paar “Rezepte für Frieden” gefunden:

    Moses ist zornig, weil nicht alle Frauen getötet wurden!

    “Und Mose wurde zornig über die Hauptleute des Heeres, die Hauptleute über tausend und über hundert, die aus dem Feldzug kamen, und sprach zu ihnen: Warum habt ihr alle Frauen leben lassen?”

    (4. Mose 31,14-15)

    “So tötet nun alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Frauen, die nicht mehr Jungfrauen sind; aber alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch leben.”

    (4. Mose 31,17-18)
    Todesstrafe für widerspenstige und ungehorsame Söhne!

    “Wenn jemand einen widerspenstigen und ungehorsamen Sohn hat, der der Stimme seines Vaters und seiner Mutter nicht gehorcht und auch, wenn sie ihn züchtigen, ihnen nicht gehorchen will, so sollen ihn Vater und Mutter ergreifen und zu den Ältesten der Stadt führen und zu dem Tor des Ortes und zu den Ältesten der Stadt sagen: Dieser unser Sohn ist widerspenstig und ungehorsam und gehorcht unserer Stimme nicht und ist ein Prasser und Trunkenbold. So sollen ihn steinigen alle Leute seiner Stadt, dass er sterbe, …”

    (5. Mose 21,18-21)
    Todesstrafe für vergewaltigte Mädchen, wenn sie nicht oder nicht laut genug geschrien haben!

    “Wenn eine Jungfrau verlobt ist und ein Mann trifft sie innerhalb der Stadt und wohnt ihr bei, so sollt ihr sie alle beide zum Stadttor hinausführen und sollt sie beide steinigen, dass sie sterben, die Jungfrau, weil sie nicht geschrien hat, obwohl sie doch in der Stadt war, den Mann, weil er seines Nächsten Braut geschändet hat; …”

    (5. Mose 22,23-24)
    Todesstrafe für Homosexuelle!

    “Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; …”

    (3.Mose 20,13)
    Zauberinnen sollen sterben!

    “Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen.”

    (2. Mose 22,17)
    Kinder sollen zerschmettert werden!

    “Wohl dem, der deine jungen Kinder nimmt und sie am Felsen zerschmettert!”

    (Psalm 137,9)
    Andersdenkende und Andersgläubige (sogenannte “Gottlose”) sollen sterben!

    “Ach Gott, wolltest du doch die Gottlosen töten! …”

    (Psalm 139,19)
    Noch mehr auch gegen Frauen und Kinder gerichtete Gewalt!

    “So zieh nun hin und schlag Amalek und vollstrecke den Bann an ihm und an allem, was es hat; verschone sie nicht, sondern töte Mann und Frau, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel.”

    (1. Samuel 15,3)

    “Es sollen auch ihre Kinder vor ihren Augen zerschmettert, ihre Häuser geplündert und ihre Frauen geschändet werden.”

    (Jesaja 13,16)

    “Da nahmen wir zu der Zeit alle seine Städte ein und vollstreckten den Bann an allen Städten, an Männern, Frauen und Kindern, und ließen niemand übrig bleiben. Nur das Vieh raubten wir für uns und die Beute aus den Städten, die wir eingenommen hatten.”

    (5. Mose 2, 34-35)

    “Und die ganze Beute dieser Städte und das Vieh teilten die Israeliten unter sich; aber alle Menschen erschlugen sie mit der Schärfe des Schwerts, bis sie vertilgt waren, und ließen nichts übrig, was Odem hatte.”

    (Josua 11,14)

    “Aber in den Städten dieser Völker hier, die dir der HERR, dein Gott, zum Erbe geben wird, sollst du nichts leben lassen, was Odem hat, sondern sollst an ihnen den Bann vollstrecken, nämlich an den Hetitern, Amoritern, Kanaanitern, Perisitern, Hiwitern und Jebusitern, wie dir der HERR, dein Gott, geboten hat, …”

    (5. Mose 20,16-17)
    Völker sollen “vertilgt” werden!

    “Du wirst alle Völker vertilgen, die der HERR, dein Gott, dir geben wird. …”

    (5. Mose 7,16)
    Die Bibel lehrt einen “großen und schrecklichen Gott”!

    “Dazu wird der HERR, dein Gott, Angst und Schrecken unter sie senden, bis umgebracht sein wird, was übrig ist und sich verbirgt vor dir. Lass dir nicht grauen vor ihnen; denn der HERR, dein Gott, ist in deiner Mitte, der große und schreckliche Gott.”

    (5. Mose 7,20-21)
    Laut Bibel soll Gott “ausrotten”!

    “Er, der HERR, dein Gott, wird diese Leute ausrotten vor dir, einzeln nacheinander. …”

    (5. Mose 7,22)

  5. Lieber Walter

    Ich finde es beachtlich, dass du so vollumfänglich über die Natur des Menschen Bescheid weisst. Da bist du mir schon mal einen grossen Schritt voraus – Hut ab! Und deshalb erspare ich uns beiden jetzt auch das unwürdige Spiel, bei dem ich Gegen-Bibelzitate aufzählen würde, die frauenfeindlich, homofeindlich, patriarchalisch und generell hasserfüllt sind. Du weisst eh, dass es sie gibt, und dass je nach “Christ” jeder seine eigenen Schwerpunkte setzt – witzigerweise immer in Übereinstimmung mit der eigenen Meinung, gleichzeitig auch immer im “Wissen um den Willen Gottes” . Deshalb gibt es Christen, von denen du dich distanzieren würdest, genauso wie es Atheisten gibt, mit denen ich lieber nichts zu tun haben will.

    Das war übrigens etwas, was ich von Schneiders Kolumne als Antwort erwartet hätte: Es ist im Prinzip egal, ob und welcher Religion man anhängt. Es entscheidet nicht der Glaube an Götter oder die Absenz desselben darüber, ob man sich wie ein Arschloch verhält oder nicht. Manche benötigen die Vorstellung eines (liebenden, strafenden, donnernden, allmächtigen, mit-Hammer-um-sich-werfenden, in welcher Variante auch immer) Gottes, um ihr (arschlochiges oder eben nicht) Verhalten zu rechtfertigen. Andere können das auch ohne die Versprechung auf ein ewigen Lebens ganz gut.

    In deinen Überlegungen zur “Natur des (sic!) Menschen” hast du eine Teilmenge vergessen, nämlich diejenigen Menschen, die keinen bronzezeitlichen Moralkompass benötigen, um ganz nette Zeitgenossinnen und Zeitgenossen zu sein. Und niemand von uns will dir das wegnehmen – deswegen kommentieren wir übrigens in aller Regel auch nicht auf jesus.ch und ähnlichen Seiten. Aber wenn du eine Bibel benötigst, um zu dich davon zu überzeugen, dass du nett zu deinen Nachbarn sein sollst, dass du nicht plündernd und vergewaltigend durch die Strassen rennen solltest – hey, bitteschön, darf ich dir noch eine Bibel für unterwegs kaufen?

    Selbstverständlich kann ich dir auch nicht sagen, wie genau im Detail das Leben auf der Erde entstanden ist. Ganz sicher kann ich dir aber sagen, dass es nicht aus “Zufall” entstanden, also einfach plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht ist (spontane Erscheinungen aus dem Nichts sind eher die Domäne der Religion). Es müssen Verhältnisse geherrscht haben, die universal betrachtet schon recht selten (wenn auch nicht einzigartig) sind. Manche sehen darin eine göttliche Fügung, für mich ist das eher eine Frage der Statistik: In einem unendlich grossen, expansiven Universum und mit einem riesigen Haufen Materie können während ein paar Milliarden Jahren schon ein paar verdammt schräge Sachen passieren.

    Ich bin fest davon überzeugt, dass der Tod nicht nur eine biologische, sondern auch eine psychohygienische Funktion hat. Denn es ist doch so: Alles, was einen (materiellen oder emotionalen) Wert hat, ist begrenzt. Je begrenzter es ist, desto wertvoller ist es (das sagt übrigens auch dein heiliges Buch: Opferkasten, Witwe und zwei Münzen, ne?). Das gilt eben für Geld, aber auch für Liebe, Freiheit, Glück, Leben… je rarer es ist, desto kostbarer ist es. Ein Leben, seiner Endlichkeit beraubt, verlöre so nicht nur vollständig an Wert, sondern ebenso an Sinn.

    Denn welchen Sinn würde es für mich machen, mit dir hier zu kommunizieren, wenn ich es doch auch genauso gut in tausend Jahren machen könnte und du meine Argumente während den letzten zehntausend Jahren eh schon mindestens hundertmal gehört hättest? In einem begrenzten Leben sind diese Zeilen kleine Signale bedingt intelligenten Lebens in einem grossen, meist eisig kalten Universum. In einem unendlichen Leben aber wären sie nichts als isolierte, irrelevante Zuckungen, die ohne Zweck und ohne Sinn in der Ewigkeit verhallen. Deshalb bist du bei mir beim Thema “Ewigkeit” auch am Falschen, denn die Ewigkeit interessiert mich nicht die Bohne. Mein jetziges, irdisches Leben ist wirklich spannend genug und ich hoffe, dass ich in dem Tempo bis 80 oder so durchhalte. Und wenn ich dann mal tot bin, dann habe ich es auch gesehen und dann wäre ich, ehrlich gesagt, eigentlich am liebsten einfach… tot.

    Dein Wort aus dem Matthäusevangelium (7,7) nehme ich aber gerne auf. Für mich bedeutet es, dass man, um ein guter Mensch zu sein, keine Religion und schon gar keine religiösen Schriften braucht – das steht also sogar in der Bibel.

    In diesem Sinne alles Gute,

    C.

  6. Walter sagt:

    @ Manfred Pürro
    @ Claude Fankhauser
    Zugegeben, Gottes Handeln ist nicht immer einfach zu verstehen, vor allem was das Alte Testament betrifft.
    Gott ist allwissend und souverän, ER hat alles Leben erschaffen und ER alleine ist legitimiert, es zu beenden. Gottes Heiligkeit und die Sünde vertragen sich absolut nicht. Sein Sinn von Gerechtigkeit lautet: “weg mit der Sünde”, weil sie die Menschen zerstört. Gott will uns vor dem „ewigen Tod“ bewahren, auch wenn das hier auf der Erde unter Umständen „Sterben“ bedeutet. Gott handelt immer aus Liebe, mit Blick auf die Ewigkeit, sein Ziel ist nie Zerstörung – das kann bedeuten, dass in bestimmten Situationen zuerst etwas “zu Ende gehen” muss, damit etwas Besseres entstehen kann. Für Gott ist von IHM bestimmtes „Sterben“ nicht das endgültige Ende, sondern ein „Weiterleben“ an einem anderen Ort.
    Gottes Gedanken sind nun einmal nicht unsere Gedanken – Gott wäre nicht Gott, wenn er so denken und handeln würde wie wir! Die Bibel zeigt uns offen und ehrlich wie Gottes Wesen ist: auf der einen Seite der liebende und vergebende Gott – auf der anderen Seite der autoritäre und durchgreifende Gott. Was wissen wir, wie es mit der Menschheit herausgekommen wäre, wenn z.B. die Sinntflut nicht gewesen wäre – wahrscheinlich noch viel schlimmer (1. Mose 6,5: Ihr ganzes Denken und Streben, alles, was aus ihrem Herzen kam, war immer nur böse).
    Auch sagt die Bibel, dass ein Kampf von „Mächten des Bösen“ hinter den Kulissen stattfindet (Epheserbrief 6,12) – deshalb können wir sein Handeln aus unserer Perspektive gar nicht beurteilen.

  7. Marc sagt:

    Seht hin, wie hier jemand (Walter) seiner Fantasie freien Lauf lässt. Wunderbar. Noch gibt es Menschen, die nichts scheuen und kein Blatt vor den Mund nehmen, um den Mitmenschen ihre kreativen Gedankenkonstrukte zuteilwerden zu lassen. Könnte doch unsere Wirtschaft auch von so fantasievollem Erfindergeist profitieren. Höchst wahrscheinlich könnte es eintreten, dass dort, auf dem Boden der Realität, die Haltlosigkeit der Behauptungen schnell als solche enttarnt würde. Hier ist aber jedermann frei zu fantasieren.

  8. Schau, lieber Walter, ein ewiges Leben (ganz egal wo) interessiert mich nicht und der Epheserbrief ist für mich ungefähr so relevant wie die Horoskopseite im “20 Minuten”. Hast du ernsthaft das Gefühl, dass du auf dieser Seite auch nur eine einzige Person mit den Zitaten aus deinem Lieblings-Märchenbuch überzeugen wirst?

    Erschütternd finde ich, wie du das Märchen von einem weltweiten Genozid dahingehend verdrehst, dass alles ohne diesen imaginären Massenmord “wahrscheinlich noch schlimmer” gekommen wäre.

    Noch schlimmer, als die ganze Menschheit und so gut wie alles Leben auf der Erde auszulöschen?

    Ernsthaft?

  9. Walter sagt:

    @ Claude Fankhauser
    Ja, ernsthaft!
    Wenn “das ganze Denken und Streben und alles was aus dem Herzen der Menschen kommt, tatsächlich immer nur böse ist” möchte ich nicht mehr hier leben.

  10. Ja Walter, ganz genau, “wenn” ist hier das Stichwort.

    Niemand, den ich kenne und niemand, von dem ich je gehört oder gelesen hätte, ist tatsächlich und immer nur “böse” (obwohl auch dieses Wort nur wieder so ein religiöses Konstrukt ist, lasse ich es hier der Diskussion zuliebe mal so stehen). Das gilt auch (und im Besonderen) für die vielen “Gottlosen” in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Diese Menschen sind in ihrem Denken, ihrem Handeln, ihren Werten und ihren Überzeugungen durch und durch “gut” – und zwar ganz ohne den Glauben an einen Gott.

    Du musst also wirklich keine Angst davor haben, dass alle Menschen um dich herum vollständig und immer nur böse werden. Und falls das in deinem Umfeld trotzdem mal geschehen sollte, bist du in meinem “Zirkel der netten Leute, die einfach so freundlich zueinander sind, und nicht weil sie auf eine postmortale Belohnung wetten” ganz herzlich willkommen.

  11. Walter sagt:

    @ Claude Fankhauser
    Sorry, ich habe mich beim letzten Kommentar wohl etwas unklar ausgedrückt, ich probier’s nochmal:
    Wenn (gemäss Bibel 1. Mose 6,5) „das ganze Denken und Streben und alles was aus dem Herzen der Menschen kommt“ tatsächlich (zur Zeit vor der Sinntflut) „immer nur böse war“, musste es für die Menschen von damals fast unerträglich gewesen sein, dort zu leben.
    Für mich ist klar, dass Gottes Motivation für die Sinntflut in diesem Fall nicht Zerstörung, sondern Neubeginn und Verbesserung war.

    Menschen, die (ohne Gott) „durch und durch gut sind“ werden irgendwann erkennen (müssen), dass auch sie anderen nur vergeben können, wenn ihnen selber vergeben wurde – nur Jesus kann uns echte Vergebung geben!

    Obschon alle Religionen und Weltanschauungen den Anspruch haben, die einzig Richtigen zu sein (inklusive Humanismus), kann jeder Suchende beim Gott der Bibel und seinem Sohn Jesus Christus einige wesentliche Unterschiede erkennen:
    • Anders als die meisten religiösen Bücher verlangt die Bibel keinen blinden Glauben. Sie respektiert unsere Zweifel und lädt sogar selbst zur Prüfung ein. Wir müssen weder unseren Verstand ausschalten noch blind irgendeinem Führer, Guru oder Propheten folgen.
    • Die Möglichkeit der Vergebung ohne Eigenleistung findet sich nur im Glauben an Jesus Christus. In allen anderen Religionen dagegen herrscht (unter ständigem Druck) das Prinzip der Selbsterlösung: Einhalten von Riten (Islam), Abarbeiten der Karmaschuld (Hinduismus, Buddhismus, Anthroposophie); Selbsterlösung durch gute Werke, (Humanismus); Befolgen von Vorschriften der selbsternannter Gurus und Offenbarungsempfänger (Sekten) usw.
    • Seit über 3000 Jahren erfüllen sich die biblischen Prophetien mit einzigartiger Genauigkeit – bis in unsere Zeit. Prophetien wie sie die Bibel kennt, sind in keiner anderen Religion zu finden.
    • Die Ergebnisse der archäologischen und historischen Forschung bestätigen die Angaben der Bibel als in höchstem Grade zuverlässig.
    • Die sogenannten «wissenschaftlichen Irrtümer» der Bibel erweisen sich immer wieder als korrekt und nehmen spätere wissenschaftliche Entdeckungen z.T. sogar vorweg (z.B. die Erde im luftleeren Raum).
    • Die geheimnisvolle Kraft der Bibel: Menschen, die auf bestimmte Aussagen der Heiligen Schrift eingehen, werden so durch und durch verändert, dass sie ihr Leben lang nicht mehr die Gleichen sind. Drogen- und Alkoholsüchtige frei werden, Verbitterte lebensfroh, Kranke gesund usw. Eine Kraft, die gerade dann am wirksamsten scheint, wenn alle menschlichen Möglichkeiten erschöpft sind.

  12. Armin sagt:

    Hallo Walter.
    Du gehst mir ganz gewaltig auf die Nerven!
    Menschen wie du machen mir Angst!

  13. Walter sagt:

    @Armin
    Angst ist eher bei atheistischen Sprüchen wie: “wir brauchen keinen Gott” angebracht.

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