Schaffhauser Kirchen sind an Haushaltsanierung zu beteiligen

Medienmitteilung

Der Kanton Schaffhausen steht unter Spardruck, er weist ein strukturelles Defizit von rund 40 Millionen Franken aus. Für die Freidenker ist es unabdingbar, auch die Kirchen an der Haushaltsanierung zu beteiligen. Mit dem Slogan «Glauben ist keine Staatsaufgabe» laden sie die Schaffhauser ein auf Plakaten ein, am 24. November ein Ja in die Urne zu legen.

Mit dem Kompromiss, den Beitrag an die Kirchen erst 2015 und nur um 400’000 Franken zu reduzieren und die jährliche Teuerungsanpassung beizubehalten, kommen die Kirchen angesichts ihres Mitgliederschwunds überaus gut weg: 1970 gehörten 94 % der Schaffhauser Bevölkerung einer Landeskirche an, 2012 waren es noch 63 %. Die staatliche Jahrespauschale stieg seit ihrer Einführung dagegen um 70 % an.

Gerechtfertigt werden die Beiträge an die drei privilegierten Kirchen unter anderem mit dem gesetzlichen Auftrag, für die Seelsorge in Spitälern und Gefängnissen besorgt zu sein. Eine psychologische Betreuung von Patienten und Gefängnisinsassen ist durchaus als öffentliche Aufgabe zu betrachten und es ist nichts Anstössiges dabei, wenn der Staat dafür Dritte beauftragt. Doch die zunehmende Kirchendistanz zeigt, dass Religionsgemeinschaften kaum geeignet sind, diese Aufgabe für die Gesamtbevölkerung zu übernehmen. Wenn ihre Mitglieder in Spitälern oder Gefängnissen eher einen kirchlichen Seelsorger als einen Psychologen sehen wollen, so soll ihnen dies nicht verwehrt werden. Wer aber von einer nichtkirchlichen Ansprechperson betreut werden will, soll dies ebenso einfordern können.

Leistungsaufträge und Entlassung der Christkatholiken aus dem Status Landeskirche

Die Freidenker rufen die Schaffhauser Parteien auf, nach dem 24. November die nächsten Reformschritte einzuleiten. Die Jahrespauschalen sind durch klar umrissene Leistungsaufträge abzulösen, für die sich künftig auch andere Anbieter bewerben können sollen. Die Freidenker fordern den Kanton zudem auf, die Christkatholische Kirche aus dem Status «Landeskirche» zu entlassen. 2012 hatte diese noch 94 Mitglieder, sie vertrat somit 1.2 Promille der Gesamtbevölkerung aus. Dennoch erhalten die Christkatholiken 2.7% der jährlichen 4.1 Millionen Franken an Kirchensubventionen. Das macht 110’700 Franken oder 1177 Franken pro Mitglied. Es ist höchste Zeit, diese anachronistische Privilegierung zu beenden.

Schaffhauser Bevölkerung nach Konfessionen 1970-2010

Schaffhauser Bevölkerung nach Konfessionen 1970-2010

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9 Kommentare zu „Schaffhauser Kirchen sind an Haushaltsanierung zu beteiligen“

  1. Lars Habermann sagt:

    In Deutschland beginnen sich nun sogar religiöse Kreise bewusst zu werden, warum staatliche Beiträge an Kirchen in ihrer bisherigen Höhe bzw. überhaupt nicht mehr mehrheitsfähig vermittelbar sind.
    Der deutsche Religionssoziologe Detlef Pollack vom Exzellenzcluster «Religion und Politik» der Uni Münster zu diesem Thema: “Das Wohlstands- und Bildungsniveau ist so hoch und die soziale Absicherung so gut, dass immer weniger Menschen die seelsorglichen und sozialen Angebote der Kirchen nachfragen.”

  2. Lars Habermann sagt:

    Obiges nachzulesen unter: http://www.kath.net/news/43544

  3. Reta Caspar sagt:

    Ergebnis: Kürzung Kirchenbeiträge 53.4% Nein

  4. Die Details der Abstimmung finden sich bei http://www.sh.ch/fileadmin/Redaktoren/Dokumente_nicht_im_Formularpool/Abstimmungen/2013/Resultate_2013-11-24.pdf

    Interessant (und für mich etwas erstaunlich), dass auch die Stadt Schaffhausen mit 6’069 Ja zu 7’143 Nein nicht für die Beteiligung der Kirchen am Sparpaket war.

  5. Tim sagt:

    Werden Volksentscheide irgendwann einmal auch als Volkes Wille akzeptiert? Oder wird fleissig weiter untergraben und informell manipuliert? Bin gespannt, wie die “Freidenker” weiter machen…

  6. Andreas Kyriacou sagt:

    @Tim: Die Freidenker haben zu einer Vorlage von Regierung und Parlament eine Parole beschlossen und diese mit Plakaten und Inseraten vertreten.

    Die Kirchen haben das Verbot politischer Werbung im Fernsehen missachtet und damit die Abstimmung auf unlautere Weise beeinflusst.

    Mit welchem der beiden Vorgehen sollten Demokraten aus Ihrer Sicht ein Problem haben?

  7. Reta Caspar sagt:

    @Tim: Akzeptieren Sie etwa den Volksentscheid in Sachen Abtreibung?
    Volksentscheide sind hinzunehmen, aber deshalb muss man seine politischen Zielen nicht aufgeben.

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