Alain de Bottons 10 Gebote für Atheisten

1. Resilienz. Weitermachen, auch wenn alles düster aussieht.

2. Empathie. Sich in der Vorstellung mit dem Leiden und den einzigartigen Erfahrungen einer anderen Person zu verbinden.

3. Geduld. Ruhiger und nachsichtiger werden durch realistische Annahmen über den Lauf der Dinge.

4. Opferbereitschaft. Ohne diese Kunst werden wir weder eine Familie gründen, noch jemanden lieben oder gar den Planten retten können.

5. Höflichkeit. Sie ist eng verbunden mit der Toleranz, der Fähigkeit, auch neben Menschen zu leben, die vollkommen andere Ansichten haben.

6. Humor. Wie die Wut enspringt auch der Humor der Enttäuschung, aber er kanalisiert diese Enttäuschung optimal.

7. Selbsteinsicht. Sich selber kennen bedeutet, nicht andere für die eigenen Probleme und Stimmungen verantwortlich zu machen, zu verstehen, was in einem selbst vorgeht und was ausserhalb.

8. Nachsichtigkeit. Erkennen, dass das Zusammenleben mit anderen nicht funktionieren kann, wenn man nicht bereit ist, Fehler zu verzeihen.

9. Hoffnung. Pessimismus ist nicht unbedingt tiefgründig, Optimismus nicht unbedingt seicht.

10. Vertrauen. Vertrauen bedeutet nicht Arrgoanz, es basiert auf dem Bewusstsein, dass das Leben kurz ist und wie wenig wir letztlich verlieren, wenn wir alles riskieren.

http://www.independent.co.uk/voices/iv-drip/bring-back-the-goodness-alain-de-bottons-10-commandments-for-atheists-8480128.html

Übersetzung Reta Caspar

7 Kommentare zu „Alain de Bottons 10 Gebote für Atheisten“

  1. T.M. sagt:

    Hoffnung? Worauf denn? Alles wird gut, und so? Nee.

    Ich hab immer zwei Dinge für nicht ganz dumm gehalten:

    a) nicht wollen für andere, insbesondere nichts “Gutes” – ich kann klugerweise nicht wollen, dass es dir besser geht, aber wenn du’s willst, kann ich dir vielleicht helfen – das ist ein signifikanter Unterschied!

    b) nicht ungefragt seine Werte offenbaren, d.h. insbesondere auch, Leute, die keine Frage gestellt haben, nicht dummdreist mit einer Antwort überfahren.

  2. Atheisten kommen in aller Regel eigentlich ganz gut ohne selbsternannte Moralinstanzen aus, die sich dafür zuständig fühlen, für sie gesellschaftliche Verhaltensvorschriften zu erlassen…

  3. Reta Caspar sagt:

    De Botton will die Atheistenkirche bauen, architektonisch und atheologisch.

  4. Es kommt nicht gut, wenn selbsternannte Moralinstanzen Moralin stanzen.

    Bibliotheken, Universitäten, Konzertsäle, Theater und Galerien dürften den meisten Atheisten Tempel genug sein. Das Angenehme an diesen Stätten: sie kommen ganz ohne Hohepriester aus.

  5. Das Gerede von «Atheistenkirche» und diesen «10 Geboten» führte in meinem Umfeld übrigens bereits dazu, dass ich mir das alte Mantra (sic!) von «Atheismus/Unglaube/Freidenkertum ist ja auch nur eine (weitere) Religion!» wieder vermehrt anhören durfte.

    Siehe auch hpd: http://hpd.de/node/15008 [Eine Messe für Atheisten?] Wobei hier Alain de Botton nicht involviert zu sein scheint. Kommentar würde auch zu http://www.frei-denken.ch/de/2013/02/london-atheistische-kirche/ passen

    Also mir gefällt da der Dekalog von Bertrand Russell besser: http://www.abgott.ch/misc/?p=633
    [Versuche niemals, selbständiges Denken zu verhindern; denn es würde dir sicherlich gelingen, 10 Gebote des Liberalismus, Russell zu Gott und übers Christentum, älterer Bintrag auf meinem privaten Blog]

  6. Gustav Marxel sagt:

    @Kyriacou

    ja ja…universitäten, theater, galerien sind natürlich für sie das, was für die dummen gläubigen ein tempel ist. sie sind halt ein ganz intellektueller…

    alain de botton bringt ein vernünftiges gleichgewicht in die welt der ungläubigen. nicht alle atheisten müssen zwanghaft ihre aufgeklärtheit zur schau stellen.

  7. Selbständiges Denken

    Der Mensch lernt, indem er für das, was er richtig macht, belohnt, und für das, was er falsch macht, bestraft wird. Bei Kindern können es gute oder schlechte Schulnoten sein, bei Erwachsenen ist es in der Regel das Geld, das eine Belohnung oder Bestrafung ausdrückt. Weil aber das Geld an sich fehlerhaft ist, kann in vielen Bereichen zwischen “richtig” und “falsch” nicht mehr unterschieden werden und es bildet sich so etwas wie “negatives Wissen”. Es entstehen “Wissenschaften”, in denen keine Erkenntnisse mehr verbreitet werden, sondern nur noch vorgefasste Meinungen und Denkfehler.

    Was hält ein europäischer oder US-amerikanischer Ökonom von der fachlichen Kompetenz eines Kollegen, der an einer staatlichen Universität in Nordkorea “Ökonomie” (Staatskapitalismus) studiert hat? Wahrscheinlich gar nichts. Er kommt aber gar nicht erst auf die Idee, dass er genauso wenig von Ökonomie versteht, auch wenn die Denkfehler, die er studiert hat, andere sind:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/01/geldtheorie.html

    “Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten.”

    Konfuzius

    Der Fehler “Europäische Währungsunion” entstand aus dem Gedanken, “dass Staaten, die eine gemeinsame Währung haben, nie Krieg gegeneinander führen”. Dieser Gedanke war schon der zweite Fehler; der erste Fehler bestand darin, sich gar nicht bewusst gemacht zu haben, was eine Währung ist und woraus Kriege entstehen:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/04/krieg-oder-frieden.html

    Dass eine Menschheit, die bereits Raumfahrt betreibt (und in “God´s own country” schon wieder einstellen musste), etwas im Grunde so Einfaches wie das Geld bis heute nicht verstehen konnte, beruht auf einer künstlichen Programmierung des kollektiv Unbewussten, die vor Urzeiten erforderlich war, um den Kulturmenschen im wahrsten Sinn des Wortes “wahnsinnig genug” für das Unternehmen “Arbeitsteilung mit Konstruktionsfehlern” zu machen, und die der “Unglaube” (Ignoranz) nicht überwinden kann.

    Mythen lassen sich nicht durch Ignoranz besiegen, denn sie sind mehr als bloße Dichtung, und das in zweifacher Hinsicht: Zum einen beinhaltet ein Mythos eine tiefere Wahrheit (die umso elementarer ist, je länger der Mythos besteht), sodass seine naiven Fehlinterpretationen (so genannte Exegese) erst dann aus der Welt geschafft werden können, sobald die eigentliche, tiefere Bedeutung des Mythos erklärt und damit zugleich der Mythos selbst zerstört ist. Zum anderen beeinflussen Mythen unser Unterbewusstsein und steuern auf subtile Weise unser Verhalten, was uns auch erst dann bewusst wird, sobald der Mythos erklärt ist.

    Grundvoraussetzung des selbständigen Denkens – sofern es das menschliche Zusammenleben im weitesten Sinne betrifft – ist daher der elementare Erkenntnisprozess der “Auferstehung aus dem geistigen Tod der Religion”:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html

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