Ständerat stimmt über Kruzifix-Artikel ab

Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr, als dass sich die CVP Kreuze in Schulen und auf Gipfeln verbieten lässt. Ob auch der Ständerat das christliche Abendland retten will, zeigt sich am Montag.
http://www.20min.ch/schweiz/news/story/15282253

 

13 Kommentare zu „Ständerat stimmt über Kruzifix-Artikel ab“

  1. Samuel Meyer sagt:

    Naja so ist der Untergang der Freidenker besiegelt. Alles was mit Glauben zu tun hat, bekämpfen wollen, führt nirgends hin. Wie die meisten Kommentare bei 20min zeigen, gehen die Freidenker den meisten Leuten irgenwie nur noch auf den Sack. 100 Jahre Freidenker sind genug.

  2. Grazia sagt:

    Die Freidenker bekämpfen nicht “den” Glauben – wer weiss schon, was dieser wäre? Wie Umfragen zeigen wissen sogar selbsterklärte Christen oft nichtmal, was sie glauben. Und der persönliche Glaube steht noch öfter im krassen Widerspruch zu jenem, den die Religions-/Kirchenoberen vorgeben. Glaubt denn tatsächlich die Mehrheit der Christen in diesem Land an die “Unfehlbarkeit” des Papstes, an die “heilige” katholische Kirche, an die unbefleckte Empfängnis, die Wandlung? Die körperliche “Auferstehung”? Und bei den Reformierten, wissen sie, dass auch das ethischste Leben nix gelten soll, wenn man sich die “Gnade” Gottes nicht verdiene?
    Die Freidenker bekämpfen fürwahr nicht den Glauben, im Gegenteil. Die Menschen in einer Demokratie leben einerseits unter Gesetzen, die sie sich selbst geben und somit uneingeschränkt gelten, notabene für die “res publica”, im Umgang mit den andern, in der Oeffentlichkeit, im “Wir”. Dem steht die “res privata” gegenüber, in der in einer freiheitlichen Gesellschaft der Einzelne, so es ihn persönlich betrifft, absolut frei ist. Leider scheint es, dass da einiges durcheinandergebracht wird. So soll sich der Staat ins Private einmischen (beim Geborenwerden, Leben und Sterben), gleichzeitig verabschiedet sich der Stimmbürger vom politischen Diskurs…. Nein, die Freidenker kämpfen dafür, dass der öffentliche Raum ein Raum bleibt oder werden kann, in dem alle sich wiedererkennen und einbringen, und der private ein Ort der effektiven Selbstbestimmung sei. Mit oder ohne Kreuzen, mit oder ohne Rosenquarz, mit oder ohne einer Denker-Statue, mit oder ohne Halbmond, mit oder ohne Mohammed-Bildnis.

  3. Grazia sagt:

    Was die Kommentare bei 20 min betrifft. Sogar die meisten jener, die sich irgendwie fürs Kreuz aussprechen (es ist unklar, ob aus Nostalgie, Patriotismus, Identitästsstütze) unaufgefordert von sich sagen, dass sie eigentlich mit dem ganzen Brimborium wenig am Hut haben. Natürlich hat die CH nebst anderen auch christliche “Wurzeln”. Für die CH anno 2012 haben sie m.E. etwa gleichviel Bedeutung wie farbige Rauchzeichen fürs Internet.

  4. Thomas von Aquin sagt:

    Sehr vielem kann ich da nur zustimmen, liebe Grazia. Aber es wird hier auch wieder wunderbar deutlich, wo die Freidenker mit ihren hehren Absichten überborden. Staat, Religion und Kultur bilden (modellhaft gedacht) ein zusammenhängendes Dreieck. Wohl kann man die Kante zwischen Staat und Religion durchtrennen (das ist in der Schweiz auch längst geschehen), trotzdem verschwindet die Verbindung nicht gänzlich, denn über die Kultur fliesst die Religion wieder mit ein. Das missfällt den Freidenkern zwar, trotzdem gelingt es ihnen nicht, die Kante Religion/Kultur sauber zu durchtrennen, wie könnten sie auch, es ist ein wirr verwobenes Band. Das heisst nicht, dass die Religion nie aus der Kultur verschwinden wird, diese ist ja schliesslich wandelbar. Indem die Freidenker selber nicht genau wissen, wie viel Religionskultur (zum allgemeinen Wohl?) doch noch akzeptabel ist (Kreuze auf Berggipfeln nein, Weihnachten ja), aber dennoch nach strikter Trennung von Religion und Gesellschaft (nicht nur Staat) schreien, erscheinen ihre Forderungen oder Äusserungen manchmal etwas widersprüchlich und auch ein bisschen extremistisch.

  5. Thomas von Aquin sagt:

    Ich möchte da im im Übrigen noch festhalten, dass ich es durchaus schätze, wenn die Freidenker diesen Diskurs aufwerfen. Es tut vielen (auch mir) gut, mal etwas differenzierter darüber nachzudenken.

  6. Grazia sagt:

    TvA: Ich wäre schon mehr als zufrieden, wenn wir nicht die “Kante”, sondern die Konti sauber durchtrennen könnten.
    Was die Kreuze in der Oeffentlichkeit betrifft (wobei hier zwischen öffentlichem Raum wie Parkanlagen, Strassenrändern oder Berge einerseits und öffentlichen Räumen, darunter Schulen, Amtsgebäude andererseits zu unterscheiden wäre), haben Freidenker nie gefordert, die Schweiz ratzfatz von Kreuzen zu “säubern”. Wir sind a) für eine säkulare öffentliche Schule eingetreten und haben b) die zuständigen Bauämter eingeladen, bei der Bewilligung von neuen Gipfelkreuzen restriktiv zu verfahren, bzw. die geltenden Raumplanungsverordnungen zu beachten, wo für Bauten ausserhalb der Bauzone – und darunter fallen Kreuze ja – strenge Regeln gelten.

    Bei dem Gesuch in Uri stellte sich heraus, dass es nicht nur aus freidenkerischer sondern auch aus landschaftsschützerischer Sicht nicht geboten war, ein 9 M hohes Stahlkreuz in die schöne Natur zu pflanzen. Und die Unterscheidung zwischen Kultur und Religion ist sicherlich nicht einfach, doch mit der nötigen Differenzierung durchaus zu bewerkstelligen. zBsp. spricht nichts dafür, dass in einem Gerichtssaal ein Kruzifix hängt, schliesslich geht es da weniger um göttliche Gnade als um weltliche Rechtsprechung. Genausowenig sollte der konfessionelle Religionsunterricht in der öffentlchen Schule während der regulären Blockzeiten angeboten werden. Mit der nötigen Kulanz wäre eine schrittweise Entflechtung durchaus möglich.

    Es sind nicht zuletzt die Medien, die in bester “divide et impera”- Manier die Dinge gerne pauschalisieren und skandalisieren. Der Vorwurf des Extremismus, der Militanz, der Aggressivität an die Adresse der “atheistischen Freidenker *) dient wohl ebenfalls dem alleinseligmachenden Zweck der Auflagensteigerung. *) Quelle: 20 minuten online.

  7. Thomas von Aquin sagt:

    “Und die Unterscheidung zwischen Kultur und Religion ist sicherlich nicht einfach, doch mit der nötigen Differenzierung durchaus zu bewerkstelligen.”

    Das setzt voraus, dass Religion und Kultur zwei gänzlich verschiedene Dinge sind. Das sind sie aber nicht immer, weil ein Teil der Kultur auch Religion sein kann und umgekehrt. Die Frage ist lediglich, ob wir alle Aspekte unserer Kultur, die sich auf einen religiösen Hintergrund beziehen gänzlich aus dem öffentlich-rechtlichen Raum verbannen wollen?

  8. Grazia sagt:

    TvA: Persönlich habe ich es gern puristisch. Andere hängen ihre Wände zuhause gerne voll. Letzlich ist die Diskussion gerade in unserer glaubensfernen Gesellschaft eine über aesthetische Präferenzen.Was an einem Kruzifix erhebend sein soll erschliesst sich mir nicht, aber auch manches, was unter moderner Kunst läuft :-)
    Im übrigen finde ich Kultur oder Tradition nicht a priori positiv oder erhaltenswürdig, denken Sie an Kinderheirat oder rituelle Beschneidung. Heute wird je nach Situation gerne mit den Begrifflichkeiten jongliert, um eben nicht genau hinsehen zu müssen.

  9. Thomas von Aquin sagt:

    “Heute wird je nach Situation gerne mit den Begrifflichkeiten jongliert, um eben nicht genau hinsehen zu müssen.” Ganz genau :-D

    Ich sage ja auch gar nicht, dass alle Kultur a priori erhaltenswert ist. Aber es geht dann nicht mehr so sehr um die Trennung von Kirche und Staat, sondern um die Verbannung der religiösen Kultur. Also das, was die Feidenker ja weit von sich weisen, nicht? :-D

  10. Stefan Mauerhofer sagt:

    Ich habe kein Problem damit, auf einem Berg ein Schweizerkreuz zu sehen aber das Christenkreuz auf dem Gipfel ist eine Zumutung. Die Natur gehört uns allen, nicht nur den Christen. Kultur heisst nicht jeden Schwachsinn der seit Jahrzenten oder Jahrhunderten gemacht wird auf ewig weiterzumachen.

  11. Thomas von Aquin sagt:

    Nein, das heisst es nicht. Nur ist “Schwachsinn” eben Ansichtssache. Man kann es mögen oder nicht, man kann eine Mehrheit dagegen finden, man kann es demokratisch abschaffen. Aber das Argument des “aufgeklärt sein” reicht nicht.

  12. Fredi H. sagt:

    eine humane Kultur sollte nicht zu einem Kampf der Kulturen werden.
    Das (katholische) Christentum war zu den Zeiten der Kolonialisierung sehr kulturkämpferisch!
    Bei der Kultur der Mayas in Mittelamerika hatten sie alle Bücher der Mayas zerstört, sowie auch viele ihrer Besitzer. Nur etwa
    drei Bücher blieben noch übrig. Viele Archäologinnen und Archäologen, Ethnologinnen und Ethnologen haben aber bis heute vieles daran gesetzt, diese Mayaschriften wieder zu entziffern. Dies ist in diesem Jahrzehnt wirklich gelungen, weil sie sich auch dafür interessiert haben, wie diese Menschen damals gelebt haben und auch mit den Menschen von heute dort gesprochen haben. Heute haben viele Menschen von Guatemala und umliegenden Ländern wieder gelernt, wie ihre Vorfahren einmal gelebt haben, was für eine Kultur sie mit den vielen Tempeln und Inschriften verbindet. Dass sie aber die Tempelrituale der ehemaligen Mayas nachmachen sollen, meint damit niemand. Es geht eher um die kulturelle Identität der heutigen Menschen dort. Sie haben sie wieder gefunden, obwohl die christlichen Missionare und spanischen Hidalgos sie ihnen wegnehmen wollten, in der Meinung, sie müssten Seelen retten. Kulturkämpfer/innen sollten sich doch einmal vergewissern, dass alle Kulturen einmal vor vielen Jahrhunderten noch ganz naturverbunden, magisch-mythologisch und wohl auch ethnozentrisch begonnen haben. Je mehr sich die Religionen von der Natur entfernen, um so schlimmere Hirngespinste als personalisierte Naturkräfte entstehen. Doch damit sind die Menschenopfer der Azteken nicht entschuldbarer als die KZ-Morde z.B. in Auschwitz. Deshalb sollten die Kulturen immer humaner werden, nicht religiöser! Sonst wird Kultur zu einer Mordur!

  13. Thomas von Aquin sagt:

    Nun, immerhin wird der Religion nicht mehr gänzlich der kulturelle Aspekt abgesprochen. Man sollte trotzdem etwas aufpassen und Religion nicht mit Fanatismus und Humanismus nicht mit Atheismus verwechseln. Ich stimme Ihnen absolut zu, wenn sie fordern, dass unsere Gesellschaft wieder etwas naturverbundener und humaner (meinten sie: humanistisch) werden sollte. Mich stört es auch nicht, wenn die Gesellschaft etwas weniger religiös wird. Aber mit der Trennung von Kirche und Staat hat das ja letzendlich wenig zu tun.

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