Berner Pfarrlöhne: Neues Gutachten rüttelt an alter Tradition

Bern ist inzwischen der einzige Kanton, in dem die Pfarrer der Landeskirchen vom Staat und nicht von den Kirchgemeinden entlöhnt werden. Ein neues Gutachten zeigt nun, dass dieses Privileg nicht auf ewig in Stein gemeisselt ist. http://www.bernerzeitung.ch/region/kanton-bern/Gutachten-ruettelt-an-alter-Tradition/story/14897784

6 Kommentare zu „Berner Pfarrlöhne: Neues Gutachten rüttelt an alter Tradition“

  1. GG sagt:

    Hmm, möglicherweise wird auch ein Gutachten in Auftrag gegeben, dass an der “Tradition” der AHV rüttelt. Was da an Umverteilung beschlossen wurde – unter dem Schock der Hitlerherrschaft und des Gefühls: uff wir haben es gerade noch knapp geschafft – geht doch eigentlich auf keine Kuhhaut! Die “Tradition” AHV müsste vielleicht abgeschafft werden. Auch die “Tradition” “Du darfst abtreiben” wäre mal prüfenswert: 2002 eingeführt weil seit 1971 ständig Propaganda gemacht wurde. Diese 68er “Traditition” ist sehr zu überdenken. Sie kommt aus einer Zeit als es nur 5% konfessionslose gab, damals konnte man den Entscheid über Leben und Tod der mündigen Christin übergeben (vielleicht) aber nun, da 20% “konfessionslos” (Konfession = Gewissen) sind ist die Fristenregelung nicht mehr den gesellschaftlichen Gegebenheiten angepasst, sie gehört abgeschafft!

    Einen Rechtszustand mit “Tradition” zu ettikettiern, nur um ihn dann im Namen eines wolkigen “Fortschritts” abzuschaffen, wird endlich zur Abschaffung des Rechtsstaates führen. Das hat viel mit polemischer Rhetorik zu tun, aber wenig mit denken, und schon gar nicht mit dem “angeblich freien denken”.

  2. Reta Caspar sagt:

    Das ist das Wesen der Geschichte, GG, dass es eben nie bleibt wie es ist, sondern sich ändert. Ansonsten wäre Ihre Liebelingdisziplin überflüssig.
    Tradition ist “Weitergeben”. Aber die, welche die Tradtition übernehmen, haben auch das Recht und die Pflicht, davon wiederum nur das weiterzugeben, was sinnvoll und förderlich ist für das Ganze. Privilegien sind insbesondere zu hinterfragen.
    Auch über die AHV kann man jederzeit diskutierten, vor allem, weil sie ihren ursprünglichen Zweck der Sicherung des Alters gar nicht erfüllt.
    Ihre mündigen Christen sind mittlerweile zu mündigen BürgerInnen geworden und aus der Kirche ausgetreten – und siehe da, die Abtreibungen haben nicht zugenommen.
    Konfession ist nicht Gewissen sondern Bekenntnis. Was nach christlichem Gewissens zu vertreten ist, ist auch unter Christen sehr umstritten.
    Traditionen partout zu erhalten braucht am wenigsten Denkleistung.

  3. Fredi H. sagt:

    Muss der Staat den Kirchen wirklich etwas zurückgeben, wenn er Kirchengut verstaatlicht hat?
    Was machten die Kirchen viele Jahrhunderte vor der Französischen Revolution? Sie verlangten wie auch die weltlichen Fürsten von ihren Untertanen, d.h. von der bäuerlichen Bevölkerung, den Zehnten von den Erträgen aus der Landwirtschaft. Die Vögte trieben diesen Zehnten auch ein, wenn die Ernten schlecht waren, zeigten auch selten Barmherzigkeit mit hungernden arbeitenden Menschen. Eigentlich sollten all diese erpressten Güter aus der damaligen Bevölkerung heute vom Staat wieder von den Kirchen zurückgefordert werden? Etwa so ähnlich wie es amerikanische Juristen mit dem Gold machten, das die Nazis von den Juden entwendet hatten.? Wenn man schon auf der Tradition herumreiten will, so dann richtig! Was die Kirchen und ihre weltlichen Fürsten jahrhundertelang praktiziert hatten, kann wohl kaum als abendländisch-kultureller Wert angesehen werden. Oder haben etwa die christlichen Kirchen die Leibeigenschaft aufgehoben? Nein, sicher nicht, auch nicht in den Südstaaten der USA vor dem Sezessionskrieg. Warum sollte man denn heute den Führern dieser Kirchen mehr Vertrauen schenken und auch den politischen schwarz-weiss- Predigern von christlich-abendländischen Werten?

  4. Thomas von Aquin sagt:

    Uiuiui, viel dicke Post. Ja, warum sollte man heutzutage einer Institution Vertrauen schenken, die in der Vergangenheit so viel böses tat? Da muss man sich dann schon fragen, wem man überhaupt noch trauen kann.

    Und einige dieser Propheten der christlich-abendländischen Kultur predigen eben gerade nicht schwarz-weiss und unterscheiden nicht nur zwischen böser, böser Religion und gutem, vernünftigen Atheismus/Humanismus/Rationalismus (eigentlich liegen Welten zwischen diesen Begriffen, aber bei den Freidenkern ist das alles im Farbtopf “weiss” zusammengemischt). Einige dieser Propheten erkennen nämlich die zahlreichen gegenseitigen Einflüsse von Kultur, Religion und Gesellschaft. Aber das ist nichts für die Freidenker, da werden Kirchenfenster sinnbildlich mit dem Vorschlaghammer zerdeppert, weil man nur den bösen Papst erkennen will und den Glaskünstler lieber ignoriert.

  5. Fredi H. sagt:

    Welten zwischen den Begriffen ‘Atheismus’, ‘Humanismus’ und ‘Rationalismus’?
    Auf welcher Seite standen die Befürworter der Restauration nach dem Wiener Kongress (1815)?
    “Nach der Überzeugung der Staatsmänner der Restauration beruhte die Autorität des Staates auf dem Willen Gottes, und nicht irgend ein Staatsvertrag hatte die Gesellschaft in jedem Volk entstehen lassen, sondern verschiedene geschichtliche Einflüsse” (aus Peter Dürrenmatt: Geschichte der Schweiz, Schweizer Verlagshaus AG 1963, Seite 438)
    Die Fürsten, Kaiser, Patrizier usw. fanden sich als Herrscher von Gottes Gnaden und haben und hätten (in der Schweiz) ihre Untertanen und Untertanenländer (z.B. Tessin) weiterhin gerne unterdrückt, unterstützt natürlich von den kirchlichen Obrigkeiten. Das einzige, was vielleicht vom Rationalismus der Aufklärung von ihnen gebraucht wird, ist der aufgeklärte absolutistische Fürst, der seine Soldaten mit preussischem Drill herumkommandieren kann? Aber sie wandten sich vehement gegen jede Form von Demokratie! Gibt es nicht heute noch einen Fürsten, der ein Veto gegen Volksrechte einreichen kann, verbündet mit einem Erzbischof?

  6. Fredi H. sagt:

    ich habe falsch zitiert: Das Buch von Peter Dürrenmatt heisst ‘Schweizer Geschichte’.
    Mit politischem schwarzweiss malen meine ich z.B. jene Plakate, welche von weissen schweizerischen Schafen und schwarzen Ausländerschafen berichten. Vielleicht wird bald noch der ‘gute’ Papst [weiss] gegen die Zweifler [schwarz] an einem christlichen Abendland populistisch vermarktet? Bernhard von Clairvaux lässt grüssen!

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