Der lärmende Gott der Reformierten

Berner Zeitung
In der Nacht sollen die Kirchenglocken schweigen. Dies fordert der Hotelier vom Alpbach in Meiringen gemeinsam mit Anwohnern. Ihr Geläut hindere zu viele Gäste an einem erholsamen Schlaf. Nun soll die Kirchgemeindeversammlung darüber entscheiden.

«Dass die Kirchenglocken rund um die Uhr im Einsatz sind, ist nicht nur eine uralte Tradition. Das macht auch Sinn», sagt Andreas Winterberger, Sekretär der evangelischen Kirchgemeinde Meiringen. Das Geläut erinnere viele ruhelose Menschen gerade in den dunkelsten Stunden daran, «dass sie nicht alleine auf der Welt sind». Ein Glaube habe man rund um die Uhr, und Gott mache keine Pausen. Wer in andere Länder reise, wisse, was ihn erwarte. «Für mich ist es ja auch klar, dass mich im Urlaub je nach Lage meiner Unterkunft der Muezzin über Lautsprecher weckt – oder eben die Kirchenglocke», gibt Andreas Winterberger zu bedenken.

http://www.bernerzeitung.ch/region/thun/Kirchenglocken–vertreiben–Gaeste/story/29262529

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10 Kommentare zu „Der lärmende Gott der Reformierten“

  1. Dave sagt:

    Papperlapapp. Fakt ist: Das Kirchenglockengeläut wurde eingeführt, weil es damals weder Armbanduhren noch Wecker noch Handys gab. Nun, inzwischen ist das passé und der heutige Alltag sieht ganz anders aus: Hektisch, lärmig, stressig. Also wollen die Leute nachts vor allem eines: Schlafen. Das bisschen Respekt vor dem Wohl und der Gesundheit der Leute würde der Kirche gut stehen.

  2. Fredi H. sagt:

    Gott macht keine Pausen;
    lasst doch jahraus, jahrein computergesteuerte Gebetsmühlen laufen, welche den Menschen die mühseelige, oft unseelige Last abnehmen, welche der (die) zürnende(n) Gott (Götter) von ihnen verlangt. Es gibt auch leise Gebetsmühlen, die oft wirksamer sind als lautes, öffentlich zur Schau getragenes Plappern. Wenn Gott überall im Weltall ist, er aber auf dieser Erde nirgends bisher ansprechbar gewesen ist, so könnte man sich auch solche Gebetsmühlen sparen? Wer überall ist, ist vielleicht auch nirgends?

  3. N. Koch sagt:

    “Das Geläut erinnere viele ruhelose Menschen gerade in den dunkelsten Stunden daran, «dass sie nicht alleine auf der Welt sind».”

    Ah ja? (zweifel…)

    Man sollte mal ne Umfrage zu dem Thema machen, wieviele angeblich gläubige Menschen sich von dem Gebimmel ernsthaft in ihrem Glauben unterstützt fühlen. Und das Ergebnis dann auf jeden Fall ignorieren weils einfach – eigene-Meinung-Alarm! – ein saublödes Argument ist. Vielleicht glaubt man ja falsch oder zu wenig wenns ohne Glocken nicht geht. Vielleicht sollte man es dann einfach lassen… ;)

  4. Grazia sagt:

    Jener der Katholiken ist nicht leiser… :-/

  5. “Das Geläut erinnere viele ruhelose Menschen gerade in den dunkelsten Stunden daran, «dass sie nicht alleine auf der Welt sind».”

    Da müsste es mittlerweile doch eine App für geben, oder nicht…?

  6. Dave sagt:

    Damit ich in einem Dorf nachts laute, schöne Klänge zum besten geben kann, brauche ich eine amtliche Bewilligung. Ich hätte sonst sehr rasch eine Busse wegen Ruhestörung am Hals. Kriege ich die? Wohl kam. Vorteil der Kirche: Sie tut es schon seit Jahrhunderten. Fast schon so lange hatte sie sich übers Volk gestellt und viele ihrer Bedürfnisse ignoriert. Wir werden ja sehen, ob die Meiringer Kleriker in dieser Hinsicht Fortschritte gemacht haben.

  7. K0ch sagt:

    Ich finds wunderbar, wie dieser Satz es auf den Punkt bringt:

    ‘Das Geläut erinnere viele ruhelose Menschen gerade in den dunkelsten Stunden daran, «dass sie nicht alleine auf der Welt sind»’

    in den dunkelsten Stunden – also Nachts
    dass sie nicht alleine sind – indem sie aus dem Schlaf gerissen werden

    Genau das ist doch das Problem. Aber Herr Winterberger hats ja vermutlich anders gemeint :)

    Schade, dass man sich bei solchen Problemen mit Argumentsresistenten Fanboys rumschlagen muss.

  8. li sagt:

    Hat eigentlich jemand mal nachgeforscht, seit wann die Kirchenglocken wirklich rund um die Uhr läuten? Hatte vor Einführung der Elektrizität wirklich jedes Dorf eine mechanische Uhr, die jede Viertelstunde schön laut geschlagen hat?

  9. Dave sagt:

    @ li: Vermutlich übernahm die Kirche die Aufgabe der Nachtwächter, die damals die Stunden ansagten.

    Fragt sich noch, was denn eigentlich das Problem wäre, wenn den Meiringern Glocken die Nachtruhe gegönnt wird. Andere Gemeinden tun dies ja auch und mit Erfolg, weswegen ihnen weder ein Zacken aus der Krone noch die Glocke aus dem Turm fiel.

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