Kt. ZH: Ruhetagsgesetz soll säkularer werden

Der Zürcher Kantonsrat behandelte heute die Einzelinitiative der Konfessionslosen Andreas Kyriacou, Franziska Illi, Andi Koch, Christian Burger und Marianne Frehner. 61 Ratsmitglieder unterstützten das Anliegen, die Liste der Verhaltensverbote an so genannt hohen Feiertagen aus dem Ruhetags- und Ladenöffnungsgesetz zu streichen. Das nötige Quorum von 60 Stimmen wurde damit knapp erreicht, das Geschäft geht deshalb nun an den Regierungsrat, der nun dazu einen Bericht ausarbeiten und dem Kantonsrat einen Antrag für einen definitiven Entscheid stellen wird.

Fortsetzung: http://www.konfessionslose.ch/wp/2012/03/05/zurcher-kantonsrat-unterstutzt-initiative-der-konfessionslosen/

24 Kommentare zu „Kt. ZH: Ruhetagsgesetz soll säkularer werden“

  1. Stefan Mauerhofer sagt:

    Endlich. Das ist ja schon mehr als überfällig

  2. Es ist erst eine erste Hürde genommen. Der Regierungsrat muss nun einen Bericht verfassen und mit einem Antrag in den Kantonsrat. In der 2. Lesung braucht’s dann aber die Hälfte des Rates – und der hat 180 Mitglieder…

  3. E. Maurer sagt:

    Ich wünsch viel Erfolg beim Nehmen der nächsten Hürden :)

  4. Thomas von Aquin sagt:

    Ich frage mich, wie konsequent die Freidenker-Vereinigung diesen Hürdenlauf der Feiertage zu Ende laufen würde? Weihnachten, Ostern etc. als Feiertage aberkennen und staatlich finanzierte Beleuchtungen und Dekorationen verbieten? Den Sonntag als Ruhetag aberkennen und die 7-Tage-Woche einführen?

  5. Reta Caspar sagt:

    Wahrscheinlich wird Nationalrätin Glanzmann (CVP) vorher eine parlamentarische Initative zur Festschreibung von “christlichen Feiertagen” in der Verfassung lancieren.

  6. Stefan Mauerhofer sagt:

    @TvA: Sie haben überhaupt nicht verstanden, um was es eigentlich bei dieser Sache geht.

  7. Thomas von Aquin sagt:

    @SM:

    Ist dies das einzige (Nicht-)Argument, dass ich auf diesen Einwand erhalte? Ich habe den Eindruck, man umschifft hier das Thema sehr beflissen…

  8. Grazia sagt:

    Geht es hier nicht einmal mehr um die gebotene religiöse Neutralität des Staates? Wieso soll man die Freiheit aller wegen der Befindlichkeit einiger per Gesetz beschränken? Niemand verbietet einem Gläubigen, an bestimmten Tagen nicht zu tanzen, zu feiern und frohlocken oder sich abgrundtief zu grämen. Im Gegenzug verbietet man es jedoch andern, die keinerlei Anlass zu solchen rituellen Handllungen haben. Eine Frage der Fairness, vielleicht? Der Reziprozität gar? Was die Sonntagsruhe anbelangt, Ferienansprüche etc. behaupte ich mal, dass wir diese nicht zuletzt der Arbeiterbewegung und Gewerkschaften verdanken. Und für die wochenendverlängernden christlichen Freitage liessen sich sicherlich mehrheitsfähige alternative Rechtfertigungen finden.

  9. Reta Caspar sagt:

    Der kantonale Staat ist eben noch nicht so neutral, sondern anerkennt – vor allem christliche – Kirchen und gibt ihnen Privilegien. Das muss nach und nach abgeschafft werden.

  10. Thomas von Aquin sagt:

    @ Reta Caspar:

    Vielen Dank für den Link. Aber meine Frage bleibt offen: Wie konsequent setzt sich die FVS für die Abschaffung von religiösen Feiertagen ein (vgl. oben)? Insgesamt hätte man da einige (duzend) Feiertage abzuschaffen.

    Der Karfreitag ist übrigens in den meisten katholischen Kantonen ein kantonaler Feiertag (z.B. Innerschweiz, Freiburg, Appenzell-Innerrhoden, Glarus etc.). Den Karfreitag als speziell reformierten Feiertag zu bezeichnen wäre also verfehlt.

  11. Reta Caspar sagt:

    Wenn “religiöse Feiertage” zu gewöhnlichen Ruhetagen werden, dann muss man sie nicht abschaffen, sie werden einfach säkularisiert. In der Praxis feiert ja heute schon nur eine Minderheit an Weihnachten die “Geburt Christi” alle anderen Feiern ein Jahreszeitenfest im Kreise der Familie.

    Für die Reformierten ist der Karfreitag als kirchlicher Feiertag wichtiger als für die Katholiken, für die er nur ein strenger Fastentag ist: http://de.wikipedia.org/wiki/Karfreitag

  12. Thomas von Aquin sagt:

    Einen religiösen Feiertag zu “säkularisieren” heisst konsequenterweise ihn aufzuheben. Wieso sollte man den Ruhetag behalten, wenn man ihm den religiösen Hintergrund und damit die Berechtigung entzieht? Gegebenenfalls kann man sich ja weitere staatliche Feiertage zum 1. August hinzudenken.

    Im Übrigen finde ich die These, dass nur noch eine kleine Minderheit die “Geburt Christi” feiert ziemlich waghalsig, wenn ich an all die Krippen, Sterne, Hirten und Könige denke, die überall zu sehen sind. Ausserdem dürfte der Staat oder die Gemeinden ja dann auch kein Geld mehr ausgeben zur Untermauerung dieser christlichen Rituale (z.B. Weihnachtsbeleuchtung etc.).

  13. Grazia sagt:

    Bei all den Lichterketten, Schlitten und Horden von Engeln, Rentieren und St. Clauses, die hierzulande in der Adventszeit, Gärten, Balkone, Hausfassaden bevölkern, die ganzen Lunaparks, die Einkaufszentren zum Erstrahlen bringen, könnte man m.E. schlicht auf die “offizielle” Beleuchtung verzichten. Was das folkloristische Dekor anbelangt so sieht man zur Fasnachtszeit auch die garstigsten Masken, ohne dass nun irgendein Bögg an Zombies glauben würde.

  14. @TvA:
    Einen religiösen Feiertag zu “säkularisieren” heisst konsequenterweise ihn aufzuheben. Wieso sollte man den Ruhetag behalten, wenn man ihm den religiösen Hintergrund und damit die Berechtigung entzieht? Gegebenenfalls kann man sich ja weitere staatliche Feiertage zum 1. August hinzudenken.

    Das wäre im Grunde vernünftig. Würde am Sonntag der Sechs-Wochen-Ferien-Initiative zugestimmt, könnte man wohl auch den einen oder anderen so genannt «hohen Feiertag» verlustfrei aufheben. Aber das steht in Zürich nicht zur Debatte, denn die Feiertage sind weiterhin kantonal definiert.

    Es geht in der Forderung in erster Linie darum, die unsinnige Zweiteilung in genehme und scheinbar anstössige Formen der Freizeitgestaltung aufzuheben.

    Erläuterungen gibt’s hier.

  15. Stefan Mauerhofer sagt:

    Und bald ist es wieder soweit. Das “heidnische” Fruchtbarkeitsfest im Frühling wurde christlich in ein Zombierweckungsfest umgedeutet.

  16. E. Maurer sagt:

    Ich und auch andere nennen es einfach Häschenfest :D

    @TvA, auch Arbeitnehmer, die an Sonntagen arbeiten, arbeiten nicht sieben Tage die Woche, sondern haben ihre zwei Ruhetage an anderen Tagen der Woche, deren Wochentage zum großen Teil nach Göttern der nordischen Mythologie benannt wurden. Wo ist das Problem?

  17. GG sagt:

    Der “religiös neutrale Staat” ist ein Ammenmärchen der Aufklärung, ähnlich dem Osterhasen. Er hoppelt durch die Jahrhunderte, versteckt überall bunte Eier und erfreut die kindlichen Gemüter durch Entdeckererlebnisse.

  18. Reta Caspar sagt:

    Der Osterhase – ein Produkt der Aufklärung, was haben Sie geraucht?
    Ach GG, der Staat ist hierzulande faktisch längst säkular, er bedient sich einfach noch gewisser religiöser Folklore, weil kindliche Gemüter und machtbewusste Traditonalisten wie GG dran hängen.
    In der politischen Debatte haben religiöse Argumente kaum mehr Gewicht. Wenn eine Mehrheit sich von der Religion gelöst hat, braucht es eben unmittelbar einleuchtende Argumente und nicht religöse Botschaften.

  19. Stefan Mauerhofer sagt:

    @GG: Mit Ammenmärchen biblischer Provenienz kennnen Sie sich als Mitglied der evang.-ref. Kirchenpflege von Bubikon natürlich bestens aus, selbstverständlich auch mit dem bevorstehenden Zombie-Märchen von Golgata.

  20. Thomas von Aquin sagt:

    Irgendwie will sich hier niemand so richtig zu einer klaren Aussage durchringen. Die Sache ist (jedenfalls meiner Meinung nach) doch die:

    Feiertage wie Weihnachten und Ostern machen deutlich, dass sich die christliche Religion in bestimmten Belangen eben doch als Teil unserer Kultur etabliert hat. Und weil diese “religiösen Relikte” unserer Kultur (wenn mans denn so nennen will) halt auch ziemlich populär sind, will sich kein Freidenker daran die Finger verbrennen, indem er auch in diesem Bereich die volle Laizität fordert. Das ist auch völlig nachvollziehbar.

    Im Übrigen kann ich Forderungen, wie Sie im Link von Andreas Kyriacou gestellt werden grundsätzlich beipflichten. Die Unterteilung in “genehme” und “anstössige” Freizeitbeschäftigungen macht in diesem Falle aber wohl weniger die Kirche (ich glaube nicht, dass die Kirche Rugby als “unchristlicher” empfindet als z.B. Judo) als vielmehr der Gesetzgeber, weil er irgendwo Grenzen ziehen muss. Manchmal geschieht das auch etwas unsinnig.

    Die Frage, was an allgemeinen Sonn- und Feiertagen zulässig ist, bleibt aber wohl noch ein Weilchen ein Politikum, vlg. die Diskussion um die Ladenöffnungszeiten. Dass eine Mehrheit der Bevölkerung einer Liberalisierung immer wieder den Riegel schiebt, geschieht wohl kaum aus religiösem Eifer sondern vielmehr aus Tradition (möglicherweise begründet auf religiösen Werten). Dass am Sonntag trotzdem scharenweise Menschen in die wenigen geöffneten Läden strömen unterstreicht die herrschende Doppelmoral, ein Gesinnungszug des bünzligen Schweizers und Christen. Manchmal ganz charmant ;-)

  21. Stefan Mauerhofer sagt:

    @TvA: So so, es ist also die Schuld des Staates, wenn er religiös motivierte Gesetze macht. Aber wehe, dieser will solche unzeitgemässe Unterscheidung ändern, wer ist dann wohl zuerst auf den Nein-Barrikaden zu finden? Natürlich die Kirchen und ihre Vertreter!

  22. Thomas von Aquin sagt:

    @ Stefan Mauerhofer:

    Es ist das gute Recht der Kirche ihre Interessen auch politisch zu vertreten und Lobbying zu betreiben, selbst wenn Kirche und Staat getrennt sind. Die Verantwortung für die Gesetzgebung trägt hingegen tatsächlich der Staat und die Volksvertreter (zuweilen auch das Volk selbst).

  23. @Stefan: TvA hat im Grunde schon recht: Es war der Kantonsrat des weltlichen Standes Zürich, der sich in Sachen Feiertagen bisher stets für den Kniefall vor echten oder vermeintlichen Forderungen der Kirche entschied.

    Die SVP-Fraktion erklärt ihr Grün zum neuen Schwarz, das kann man nicht wirklich den Kirchen anlasten. Allerdings kommt das an der Basis glücklicherweise längst nicht nur gut an. Auch wenn’s Zanetti nicht gefällt: die internen Debatten gehen in der Partei erst richtig los. Und auch bei der SP wird die Unterstützung auf die zweite Lesung hin mit Sicherheit noch zunehmen.

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