St. Galler Tagblatt
Die Evangelische Kirchgemeinde Romanshorn-Salmsach verzichtet auf einen fixen jährlichen Beitrag an gemeinnützige Institutionen. Dieser Beschluss ist umstritten, gemäss dem Kirchenratspräsidenten aber vertretbar.
Sparpotenzial sähe Heeb andernorts. Bei der immer tieferen Zahl der Kirchenangehörigen stelle sich etwa die Frage, welche Infrastruktur noch benötigt werde. «Irgendwann wird man sich überlegen müssen, ob es noch zwei grosse Kirchen mit eigenen Organisten in Romanshorn braucht. Die Gräben zwischen Reformierten und Katholischen sind ja heute nicht mehr so tief.» Heebs Vision mit Augenzwinkern: «Man könnte doch eine Kirche in einen Gemeindesaal umbauen!»
Ganzer Artikel: http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/thurgau/romanshorn/tz-ro/art123832,2874397
Schlagworte: Reformierte












…eppur si muove?!
Organisten sind wahrscheinlich nicht die einzige kirchliche Berufsgruppe, bei der das verfügbar gemachte Angebot die Nachfrage übersteigt.
- Gemessen an der gelebten Gläubigkeit besteht bei beiden Landeskirchen ein deutliches personelles und infrastrukturelles Überangebot.
- Die Einnahmen sind, in etwa parallel zu den schwindsüchtigen Mitgliederzahlen, rückläufig.
- Gespart wird in Romanshorn-Salmsach nicht dort, wo ein hypertrophes Angebot vorliegt und viel gespart werden könnte, sondern dort, wo es der Kirchgemeinde nicht weh tut – obwohl das Sparpotenzial hier viel kleiner ist.
- Klar bringt Jugendarbeit mehr, nämlich die Aussicht, Jugendliche auf Sinnsuche mit Selbstbeweihräucherung und evangelikalen Events (Jesus-we-love-you-Rockkonzerte! Lagerfeuerromantik!) zu vereinnahmen, auf dass sie später der ref. LK treu bleiben.
- Der Imageschaden für die Kirchgemeinde hält sich in engen Grenzen – nur eine/r hat nach der Kirchgemeindeversammlung ein klärendes Gespräch gewünscht, und als Reaktion auf diesen Artikel wird’s noch ein paar vereinzelte Reaktionen mehr geben. Aber in der Apologetik sind die Pfarrer ja gut, dafür haben sie einen 5jährigen staatlich finanzierten Rhetorikkurs besucht.
- Der Mythos der gemeinnützigen, wohltätigen Kirchen wird auch noch die nächsten Jahre unbeschadet überleben. Ungeachtet der Tatsache, dass die meisten Kirchengelder für Kult und meist weniger als ein Drittel für Soziales ausgegeben wird – letzteres sind überwiegend Mitgliederdienste, also nicht fürs Gemeinwohl.
Ich warte auf GGs Lament, dass die Kirchenaustritte und daraus resultierende Einnahmenminderung eine Folge der Freidenkerischen Hetze ist und dass die ref. LK eine ihrer Kernaufgaben nicht mehr erfüllen könne, weil Egoismus und Marktgesetze vorherrschen
Zum Thema Gemeinnützigkeit und Sparsamkeit bei den Reformierten im Kanton Zürich möchte ich der tit. Leserschaft hier folgendes Zitat aus dem Synodalprotokol der Zürcher Landeskirche einflechten. Bei der Verhandlung des Jahresberichtes 2010 meinte Synodalin Brigitte Wachsmuth:
“ist jedesmal persönlich bewegt, wenn sie das Ergebnis der Kollektenerträge liest. Dieses Jahr ist das Gesamttotal um 13,8 Prozent gestiegen und beläuft sich auf 14,8 Mio Franken. Das ist beachtlich, vor allem in Anbetracht des Umstandes, dass die Kirchenbänke sich leeren. Es wäre schön, das nach aussen zu kommunizieren.”
Dies ist hiermit geschehen. Aber die rührigen Freidenker behaupten ja die Kollektenerträge würden nur innerhalb der Kirche hin- und her geschoben. Die detailierte Aufstellung zeigt Interessantes:
(Die Prozentzahlen geben die Veränderungen gegenüber dem Vorjahr zu bestimmten Themen)
Menschenrechte + 4, 5%
Jugendkollekte + 3,8 %
Ev. Schulen – 10, 8 %
Reformationskollekte -12 %
Bettagskollekte + 45% (!)
Heks + 32,9 %
(Aus: Reformierte Kirche Kanton Zürich, Jahresbericht 2010, Seite 58)
Bei 472 970 Mitgliedern macht dies im Jahr 31 Franken Kollektenbeitrag pro Mitglied über die Kirchensteuer hinaus jährlich oder 285’826 Franken jeden Sonntag durchschnittlich im Kanton Zürich.
@ GG: Wir weisen vor allem darauf hin, wieviel vom Staat zur “Reformierten Landeskirche” geschoben wird: 2010-2015 27,4 Mio. Franken pro Jahr (2009: 40,8 Mio. Franken).
Wohin die Kollekten der Reformierten gehen, geht im Übrigen aus der Zusammenstellung nicht hervor. In der Regel sind es wohl wiederum kirchliche Projekte. Was davon dann als gemeinnützig gelten kann, müsste noch definiert werden.