Deutschland: Debatte um Knabenbeschneidung

FAZ

Eltern ist es verboten, in der Erziehung ihrer Kinder Gewalt anzuwenden. Das Züchtigungsrecht wurde am 6. Juli 2000 aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch gestrichen und den Kindern in Paragraph 1631 ein „Recht auf gewaltfreie Erziehung“ zuerkannt: „Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“ Das klingt gut. Und dennoch gibt es etwas, das als religiöser Brauch ausgeübt wird, sich aber wie eine Form von Gewalt ausnimmt und über das kaum jemand spricht, obwohl Jahr für Jahr in Deutschland Tausende von Knaben davon betroffen sind: die Beschneidung.

Holm Putzke klingt freundlich und nicht wie ein Krieger im Kampf der Kulturen. Als solcher wurde der Strafrechtler aber abgestempelt, als er vor zwei Jahren die Frage aufwarf, ob eine medizinisch nicht begründete Beschneidung von Knaben rechtlich zulässig sei. Er hält sie für eine Körperverletzung nach Paragraph 223 des Strafgesetzbuches und sieht in ihr eine „körperliche Misshandlung“, weil wegen des „Substanzverlustes die körperliche Integrität nicht nur unerheblich verletzt wird“.ltern ist es verboten, in der Erziehung ihrer Kinder Gewalt anzuwenden. Das Züchtigungsrecht wurde am 6. Juli 2000 aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch gestrichen und den Kindern in Paragraph 1631 ein „Recht auf gewaltfreie Erziehung“ zuerkannt: „Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“ Das klingt gut. Und dennoch gibt es etwas, das als religiöser Brauch ausgeübt wird, sich aber wie eine Form von Gewalt ausnimmt und über das kaum jemand spricht, obwohl Jahr für Jahr in Deutschland Tausende von Knaben davon betroffen sind: die Beschneidung. Holm Putzke klingt freundlich und nicht wie ein Krieger im Kampf der Kulturen. Als solcher wurde der Strafrechtler aber abgestempelt, als er vor zwei Jahren die Frage aufwarf, ob eine medizinisch nicht begründete Beschneidung von Knaben rechtlich zulässig sei. Er hält sie für eine Körperverletzung nach Paragraph 223 des Strafgesetzbuches und sieht in ihr eine „körperliche Misshandlung“, weil wegen des „Substanzverlustes die körperliche Integrität nicht nur unerheblich verletzt wird“.

Ganzer Artikel: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/beschneidung-blutiger-schnitt-1596907.html

FVS-Position: http://www.frei-denken.ch/de/2009/06/sexuelle-verstummelungen-gehoren-verboten/

Nekla Kelek:

Die verlorenen Söhne: Plädoyer für die Befreiung des türkisch-muslimischen Mannes

2007

 

 

 

 

Filme

Das verlorene Stück – Beschneidungsritual Doku @ ARTE:

Mit viel Selbstironie begibt sich Filmemacher Oded Lotan auf die Suche nach den Hintergründen der jüdischen Beschneidungstradition. Bei seiner Reise durch Israel und Deutschland trifft er auf ungewöhnliche Gesprächspartner, zum Beispiel auf einen singenden Mohel einen Beschneider -, Mütter und Väter von beschnittenen Jungen, aber auch entschiedene Beschneidungsgegner. Ein russisch-stämmiger Wehrdienstleistender erlaubt Oded, ihn in die Klinik zu begleiten, wo ihn die kurze Operation seinen Kameraden im Armee-Camp gleich machen soll. In Berlin-Kreuzberg wohnt Lodan einer kurdischen Beschneidungsfeier bei, und in Heidesheim erfährt er, dass der Kult um die Vorhaut sogar Eingang in die christliche Reliquienverehrung gefunden hat.
Von Wissenschaftlern und Rabbinern sowie deren Frauen hört der Reisende von den Vorzügen und den Nachteilen der Beschneidung. In Tel Aviv sinniert er mit einem Psychologen über Beschneidung als Bestandteil nationaler Identität. Und mit seiner Mutter diskutiert er darüber, warum es ihr so wichtig ist, dass ihre Kinder sich nicht von anderen Menschen unterscheiden.
Schließlich findet sich Lotan auf den schmalen Fluren des Kommissariats für die Inspektion von Mohelim in Jerusalem wieder. Wird sich hier das Rätsel seines eigenen verlorenen Stückes lösen? Der Dokumentarfilm ist auch eine Reise durch die verschiedenen sozialen Schichten Israels und vermittelt ein komplexes und vielfarbiges Bild dieses Landes.

http://www.youtube.com/watch?v=K1cw4GIlkMU

Jewish Circumcision: Cutting with Tradition

Zwei Paare in der Auseinandersetzung mit der Tradition

http://www.youtube.com/watch?v=O_lLUXUo3Wk

It’s a boy
Und wenn’s ein Junge ist?
Beschneiden oder nicht? Das ist die Frage dieses sehr persönlichen, witzigen und sensiblen Films. Während der Vorbereitung auf die Geburt des ersten – und später des zweiten Kindes – reist die Filmemacherin Danae Elon – sie und ihr Mann sind zwar jüdischer Herkunft, aber nicht gläubig – nach Washington D.C., Israel und Großbritannien und wieder zurück nach New York. Unterwegs konsultiert sie einen Rabbiner, einen Priester, einen Psychoanalytiker, ihre Eltern, besucht eine Demonstration von Beschneidungsgegnern vor dem Kapitol in Washington und diskutiert mit ihrem Geburtshelfer. In nie versiegender Neugier begegnet sie eingefleischten Freudianern, nimmt an einer “Sex-and-the-City-Tour” durch New York teil und spricht mit einem Mohel – dem jüdischen Beschneidungsspezialisten – der mit pikanten Enthüllungen über die britische Königsfamilie aufwartet.
Hinter all diesen skurrilen Situationen und Begegnungen steht jedoch die künftige Bewährungsprobe, mit der sich die Eltern aufrichtig auseinandersetzen. Warum will ich die Beschneidung meines Sohnes beziehungsweise warum lehne ich sie ab? Diese Probe symbolisiert die Liebe und die Opfer, durch die eine Familie zusammenwächst.
(Frankreich, Kanada, 2009, 55mn)
http://videos.arte.tv/de/videos/und_wenn_s_ein_junge_ist_-6553222.html

2 Kommentare zu „Deutschland: Debatte um Knabenbeschneidung“

  1. Christophe Brass sagt:

    Um die Problematik der Beschneidung anthropologisch zu sehen  und besser verstehen zu können, hat mir das Buch von dem Freud Schüler, Theodor Reik “Die Pubertätsriten der Wilden” sehr geholfen (ISBN-13: 978-3-89484-604-6 ISBN-10: 3-89484-604-6 €12.50, sFr 20.00)

    “Wir wissen, dass die Beschneidung ein Kastrationsäquivalent darstellt, welches das Inzestverbot auf das wirksamste untertstützt” S. Freud Gesamtwerk IX, 184. (Zitat : Seite 13 des Reik Buches).

    Ich würde diese Beschneidung Problematik in dem breiten Rahmen der Gewalt gegen die Kinder einordnen :

    — Beschneidung

    — Haarschneidung (Harre abschneiden gegen den Willen des Kindes kann durchaus zu einem traumatischen Erlebnis werden)

    — Zwangskonfessionalisierung

    — weite Akzeptanz einer Erziehung mit Erpressung (“willst du später Staub werden ?”)

    — weite Akzeptanz der sog. “harmlosen” Schlägen gegen die Kinder (die Psychologen in der Schweiz — ausser Alice Miller (danke Frau Miller !) — verharmlosen diese sog. Schläge)

    — breite Akzeptanz einer “privaten Gewalt” (die Religion ist PRIVAT Sache = jede Mutter und jeder Vater darf ZU HAUSE seine Kinder mit den furchbarsten Geschichten erpressen. Deshalb ist dieser ständiger Verteidigung dieser PRIVATSPHÄRE durch die Laizisten (die Linke, viele Freidenker, viele Atheisten, viele humanistisch denkenden Leuten) meiner Meinung nach vergleichbar zu diesen Schlachthöfen von denen jede und jeder JEDEN TAG profitiert, aber von denen niemand (ausser K. Deschner) etwas wissen will).

  2. Marcel T. sagt:

    Meines Erachtens fehlt hier (wie auch im erwähnten Artikel “Sexuelle Verstümmelungen gehören verboten”) ein wichtiger Aspekt oder er kommt zu wenig zum Ausdruck.

    Aus Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Zirkumzision):

    “Allerdings ist die Vorhaut einer der sensibelsten Bestandteile des Penis. Im Durchschnitt enthält sie über 73 m Nervenfasern und über 20000 Nervenenden.”

    “Für manche beschnittene Männer ist die Masturbation deshalb fast nur noch mit Hilfsmitteln möglich.”

    Und vor allem:

    “Die Beschneidung von Jungen ist weiter verbreitet als die Beschneidung von Mädchen. In keiner Kultur findet eine weibliche Beschneidung (die je nach Art der Beschneidung auch als Verstümmelung bezeichnet wird) statt, in der nicht auch die Jungen diesem Ritual unterworfen sind. In vielen Kulturen, welche die männliche Beschneidung praktizieren, gilt der Eingriff und das damit verbundene Ritual als Eintritt in das Erwachsenendasein und zur Heiratsfähigkeit. Die Beschneidung von Jungen stellt objektiv eine körperliche Verletzung dar,

    - die ohne Betäubung starke Schmerzen verursacht und in Ausnahmefällen dauerhafte Schäden oder gar den Tod nach sich ziehen kann.

    - In Ländern der Dritten Welt, etwa in Afrika, Vorderasien und Indonesien oder bei den Aborigines in Australien wird die Beschneidung jedoch in den seltensten Fällen mit Betäubung und sterilisierten chirurgischen Instrumenten vorgenommen.”

    (Die Strukturierung wurde gewählt um wichtige Teile hervorzuheben)

    In diesen Fällen in den erwähnten Ländern scheint es sich also auch um üble Verstümmelungen zu handeln. Hier (!) sollten wir die Geschlechter vielleicht nicht mehr derart unterschiedlich schubladisieren, denn Schmerz, dauerhafte Schäden und der Tod betreffen Menschen und nicht Jungen oder Mädchen (ansonsten: mögliche Diskriminierung aufgrund des Geschlechts).

    Ein weiteres Beispiel aus einem anderen Zusammenhang: Soldaten (die vielleicht aus der Not heraus, durch Manipulation, Zwang oder dergleichen in der Armee / im Krieg “gelandet” sind) sind auch Opfer, also Menschen, die im Krieg sterben, wie die viel erwähnten “Frauen und Kinder”.

    Es gilt also vielleicht das Augenmerk nicht nur auf den Eingriff als medizinisch nicht immer notwendig, auf das Recht auf körperliche Unversehrtheit oder auf religiöse Aspekte zu richten. Es scheint auch schlimme Verstümmelungen zu geben, die wir demnach wohl bei beiden Geschlechtern als solche verurteilen sollten, gerade im Wissen, dass der Mädchenbeschneidung (zumindest im meiner Wahrnehmung) bisher mehr Aufmerksamkeit zukommt.

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