Spiegel
Ein Schulgebet empört in den USA eine ganze Stadt: Das fromme Sprüchlein hängt als Banner in der Aula und gehört dort nicht hin, entschied ein Gericht. Die Schülerin, die das Gebet abdecken liess, gilt einigen Gläubigen jetzt als meist gehasste Person im Bundesstaat Rhode Island.

Gestritten wird um das Gebet schon länger, und es war nicht Jessica allein, die den Streit nun vor Gericht brachte: Vielmehr reichte vor etwa einem Jahr ein Elternteil Beschwerde bei der American Civil Liberties Union (ACLU) ein, einer einflussreichen Bürgerrechtsbewegung, berichtet die “New York Times”. Die Schule diskutierte daraufhin in mehreren Anhörungen über das Gebet, bei denen Jessica immer wieder vorsprach. Letztlich entschied die Schule, das Gebet hängen zu lassen. Es gehöre einfach zur Schule dazu und sei gar nicht religiös, sondern säkular.












Wenn dieses Gebet säkular ist, dann bin ich der Papst, und löse hiermit per sofort die katholische Kirche auf!
Spass beiseite. Leider ist die “Mutter aller Demokratien”, wie sie sich selbst nennt, längst zu einem Gottesstaat geworden, bei dem die Wahrheit zugunsten der freien Meinungsäusserung auf dem Altar des Christentums geopfert wurde.
Das Prayer wäre eigentlich ganz ok, wenn die Gottesanrufung durch ein WE ersetzt würde (we, the students and the teachers will try very hard to…..) Ich sehe das nicht so dramatisch mit dem “Gottesstaat” – es bestätigt sich einfach, auch in der “Mutter aller Demokratien” (?), dass keine Errungenschaft in Stein gemeisselt ist und wo Menschen mit unterschiedlichen Vorstellungen zusammenleben es dazu gehört, sich um jeden Quadratzentimeter zu streiten. Im Grunde badet nun ein junges Mädchen jahrelange Versäumnisse aus, von Schulräten, Eltern, vergangenen Schülergenerationen….Solange es zivilisiert und mit demokratischen Mitteln geschieht ist das business as usual. In einer Mediengesellschaft ist die Oeffentlichkeit Segen und Fluch zugleicht. “Religion sells” – Zeitungen, Meinungskolumnen, Fernsehprogramme, Events. Und genauso wie beim Walliser Kruzifix-Fall zeigt es sich, dass ein Recht erst dann ein Recht ist, wenn es auch durchgesetzt werden kann. Es ist nicht damit getan, schöne Verfassungen zu schreiben, die Freiheiten garantieren. Das ist erst die Theorie. Die Praxis heisst, sie immer wieder zu verteidigen, zu leben, angefangen damit, sie sich zu nehmen. Denn, wie Goethe schon wusste – es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden, es reicht nicht, zu wollen, man muss es auch tun.
Als ich in den USA gelebt habe, hatten wir täglich uns zu besammeln für Anwesenheitskontrolle. In meiner Schule war das Schulgebet längst durch das Poem of the Day ersetzt, aber selbstverständlich wurde der Fahneneid einmal wöchentlich gesprochen*. Da ich als Schweizer und Atheist das nicht sagen wollte (ich würde auch auf die Schweizer Fahne keinen Eid sprechen), aber andererseits natürlich für die Gastfreundschaft dankbar war, bin ich nur aufgestanden und habe die Fahne angesehen, that was it.
*I pledge allegiance to the flag of the United States, and to the country for which it stands. One nation, under god, with liberty and justice for all. (stehend, rechte Hand auf der Brust, die Fahne anblickend, ernstes Gesicht)
Wer gern mitlesen möchte, was die Religioten zu diesem Thema dem Mädel alles an den Kopf werfen:
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