Ulla Wessels: Das Gute

„Wie gut oder schlecht ist eine Welt? Das hängt allein davon ab, wie gut oder schlecht es den Individuen in der Welt geht. Die Welt ist umso besser, je besser es den Individuen geht. Und wie gut oder schlecht geht es den Individuen? Das hängt allein davon ab, wie wohl sie sich fühlen und in welchem Maße die Wünsche, die sie hegen, erfüllt sind.“

Die beiden Thesen bilden den Kern von Ethiken, die als Glück-Wunsch-Ethiken angesprochen werden, als Glück-Wunsch-Ethiken deshalb, weil sie hedonisches Glück und die Erfüllung von Wünschen in den Mittelpunkt rücken.

Glück-Wunsch-Ethiken gehören zu den Wohlfahrtsethiken. Wohlfahrtsethiken sind heftig umstritten. Doch sie haben vieles für sich. Was sie für sich haben, möchte das Buch zeigen, indem es eine Klasse von ihnen, nämlich Glück-Wunsch-Ethiken, vorstellt und gegen Einwände verteidigt, die gegen Wohlfahrtsethiken erhoben werden. Dreh- und Angelpunkt ist der Begriff des Wünschens; ihm und der Rolle, die er in Glück-Wunsch-Ethiken spielt, spürt das Buch im Detail nach. Dabei setzt es sich unter anderem mit irrationalen, externen, asynchronen und angepassten Wünschen auseinander – und mit Wünschen von Individuen, die es noch gar nicht gibt.

Das Buch spannt den Bogen von der theoretischen zur angewandten Ethik und kann als Einführung in und zugleich als Beitrag zur Erforschung von Wohlfahrtsethiken gelesen werden.

Ulla Wessels forscht und lehrt zur Praktischen Philosophie an der Universität des Saarlandes.

Ulla Wessels:
Das Gute
Wohlfahrt, hedonisches Glück und die Erfüllung von Wünschen

2011. 244 Seiten. Kt € 19.80
ISBN 978-3-465-04123-8
Klostermann RoteReihe Band 41

http://www.uwessels.de/pdf/Das_Gute.pdf

4 Kommentare zu „Ulla Wessels: Das Gute“

  1. MS sagt:

    Da kommt mir Marx’ Dictum in den Sinn, dass die Religionen „Opium des Volkes“, welche die Existenz des Menschen im “irdischen Jammertal” durch die Aussicht auf ein Paradies im Jenseits erträglich zu machen versuchen, und so das Elend wenn nicht legitimieren, so doch nicht beheben. Oder wie Ch. Hitchens es sagte: “[Mother Teresa] was not a friend of the poor. She was a friend of poverty. She said that suffering was a gift from God. She spent her life opposing the only known cure for poverty, which is the empowerment of women and the emancipation of them from a livestock version of compulsory reproduction.”

    Armut und Diskriminierung nützt den Religionen. Soziologische Studien von Inglehart und Norris haben gezeigt, je weniger Diskriminierung, weniger Gewaltverbrechen, höheres Bildungsniveau, besseres Gesundheitswesen, mehr und konsequentere Durchsetzung von Menschenrechten, desto mehr freiwilliger Atheismus (“The Cambridge Companion to Atheism”)

  2. Christophe Brass sagt:

    @MS Ich weiss, in der Schweiz, darf man an den “hohen Festtagen” nicht auffallend lachen — privat, versteckt, klar — , aber heute ist kein “hoher Festtag”, oder ?

    Appenzell war nach einem Bundesgerichtsentscheid 1990 der letzte Schweizer Kanton der das 1971 auf eidgenössischer Ebene beschlossene Frauenwahlrecht gegen den Willen der Stimmbürger auch auf kantonaler Ebene einführen musste !

    Isr die allergrösste Mehrheit der Leuten in Appenzell Konfessionsfrei ?

  3. MS sagt:

    @Christophe Brass: :-) Kürzlich habe ich einen Leserbrief gesehen, in dem einer süffisant (und vermeintlich theoretisch) fragt, was denn die Säkularisierung gebracht hat (nein, er war nicht von Herrn Girardet…).

    Mir wird übel, wenn ich Gläubige höre, welche die zunehmende Säkularisierung bejammern. Die wollen zurück in Zeiten, die ausserhalb des Wallis und der Innerschweiz in der CH längst passé sind:

    - als Homosexuelle ausgegrenzt wurden, während Kindsmissbräuche durch kath. “Würdenträger” von der RKK erfolgreich vertuscht wurden (wieso kommen im VS viel weniger Kindsmissbräuche ans Licht? Sind hier die meisten Priester asexuell???)
    - als eine interkonfessionelle Beziehung noch ein Problem war, ganz zu schweigen von einer Beziehung mit einem/r Nicht-Christen/-in
    - als Glaubensfreiheit (und eigentlich die gesamte Ethik) nur für und gegenüber Christen galt (drum heisst’s ja auch “Nächstenliebe”, und nicht “Mitmenschlichkeit”!)
    - als Frauen Heimchen am Herd waren und intelligente, gebildete Frauen nur eine Chance auf einen Partner hatten, wenn sie schön und sexy (ergo: doof!) waren
    - als Rassismus und Antisemitismus salonfähig waren
    - als Glaubenskritiker erfolgreich ausgegrenzt werden konnten
    - als Intellektuelle und Gebildete schief angesehen und ausgegrenzt wurden
    - als der Staat nicht mal den Anschein erwecken musste, religiös neutral zu sein, und in allen Schulzimmern Skulpturen eines Folteropfers namens Jesus aufstellen durfte.

    Die Säkularisierung hat die Gesellschaft toleranter gemacht, und respektvoller gegenüber Minderheiten und Andersdenkenden. Sie hat unhaltbare Absolutheitsansprüche und zweifelhafte Autoritäten in Frage gestellt. Sie ist ein Ärgernis für alle, die sich hinter Dogmen, Absolutheitsansprüchen und vermeintlichen Gewissheiten verstecken, um die Gesellschaft selbstgerecht in “wir” und “die anderen” aufzuteilen.

  4. MS sagt:

    Wie so oft hat es H. L. Mencken auf den Punkt gebracht:

    People say we need religion when what they really mean is we need police.

    Moral certainty is always a sign of cultural inferiority. The more uncivilized the man, the surer he is that he knows precisely what is right and what is wrong. All human progress, even in morals, has been the work of men who have doubted the current moral values, not of men who have whooped them up and tried to enforce them. The truly civilized man is always skeptical and tolerant.

Kommentieren


Refresh