Tempel für Atheisten?

Der gebürtige Schweizer Philosoph und Atheist Alain de Botton (42) will gemäss der Zeitung “The Guardian” im Herzen des Finanzdistrikts in London einen Tempel für nichtgläubige Menschen errichten lassen.
Auch wenn Atheisten in Kirchen oder Synagogen willkommen seien, seien diese Gebäude immer noch Orte des Glaubens und damit nicht der richtige Platz für Leute, die nicht an Gott glaubten, so Alain de Botton.
Atheisten hätten aber unter Umständen die gleichen Gefühle und Bedürfnisse wie religiöse Menschen. Deshalb sei es wichtig, dass sie einen Ort hätten, wohin sie gehen könnten. Wie “The Guardian” berichtet, soll der Tempel umgerechnet rund 1,2 Millionen Franken kosten und im Finanzdistrikt Londons gebaut werden. Etwa die Hälfte des Geldes kommt von anonymen Spendern.

Dem widerspricht Richard Dawkins vehement: “Atheisten brauchen keine Tempel. Dieses Geld kann man für sinnvoller Dinge ausgeben. Wer in den Atheismus investieren will, kann die säkulare Bildung fördern und Schulen unterstützen, die rationales und skeptisches, kritisches Denken lehren.”

Originalartikel: http://www.guardian.co.uk/books/2012/jan/26/alain-de-botton-temple-atheism

Tages-Anzeiger: http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/buecher/Orgien-fuer-Unglaeubige/story/27109495

4 Kommentare zu „Tempel für Atheisten?“

  1. Grazia sagt:

    Wieso kommt mir da der Turmbau zu Babel in den Sinn. Ein atheistischer Tempel, bzw. Bestrebungen, Atheismus auch als “Religion” im weitesten Sinn zu etablieren trägt nur zur weiteren Sprachverwirrung bei und ist ein Widerspruch in sich selbst. Sell the Vatican, feed the world – kann für Kirchen generell gelten….Prachtbauten könnten doch dem regulären Kulturbetrieb zugeführt werden. Wo wäre der Widerstand auf der Insel grösser? Wenn man die anglikanische Kirche oder Barclays verstaatlichen wollte, zusammen mit Buckingham, wenn man schon dabei ist?

  2. MS sagt:

    AdB vertritt die Meinung, dass das wissenschaftliche Zeitalter uns “mit allerlei technischen Errungenschaften, nicht aber mit einem demütigen Blick auf die Welt gesegnet” hat, und “entsprechend heftig kämpfen wir gegen Gefühle des Neids, der Angst und der Arroganz, die daher rühren, dass es keinen zwingenderen Gegenstand der Verehrung gibt als unsere brillanten und moralisch beunruhigenden Mitmenschen” (NZZ am Sonntag, 20.12.2009)

    Sein Artikel macht mich ratlos. Ich bin demütig, weil das Wissen der Menschheit und, noch krass viel mehr, mein eigenes Wissen begrenzt sind, und weil wir unsere Umwelt durch unsere Lebensweise unwiderbringlich verändern. Und ich brauche keinen “Gegenstand der Verehrung”. Aber manchmal benötige ich Ruhe und Schönheit, dann gehe ich in die Natur oder geniesse Kunst.

    Nein, ich brauche keine “atheistischen Tempel”.

  3. Ark sagt:

    Jeder Mensch glaubt an etwas. Das der Tempel im Londoner Finanzdistrikt geplant ist, passt perfekt zum schwachsinnigen Inhalt des Bauwerks. Die einen glauben an Geld, Sex und Macht und die anderen glauben an den Schöpfer, der alles herrlich gemacht hat. Natürlich muss jeder mit den Konsequenzen seines “Glaubens” leben. Gott sei Dank!

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