2. Januar: Feiertag oder nicht?

SFTV
Was ist der Berchtoldstag? In einigen Kantonen ist der zweite Januar ein Feiertag, in anderen ein normaler Arbeitstag. Und dann gibt es Orte, wo der öffentliche Verkehr von einem Feiertag und die Ladenbesitzer von einem Werktag ausgehen. Ein Tag der halben Sachen?

http://www.videoportal.sf.tv/video?id=a4898606-d710-4244-9ecc-f3147a630df6

Grundsätzliches zu Feiertagen: http://www.frei-denken.ch/de/2011/09/konfessionslose-fordern-aufhebung-des-des-tanz-kultur-und-sportverbots-an-feiertagen/

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28 Kommentare zu „2. Januar: Feiertag oder nicht?“

  1. Reta Caspar sagt:

    Interessant, dass keine Kirchenvertreter dazu befragt werden – die wären ja zuständig für ihre Heiligen.

  2. Der Berchtoldstag geht gar nicht auf einen Heiligen zurück. Im Gegenteil, im Kanton St. Gallen hat der “Berchtold” zur Abschaffung des “Gallus-Tages” geführt. Hier die Darlegung der Sache, wie sie sich von Bubikon aus Recherchieren lässt. Ein text vom 2. Januar 2008:

    http://facts.ch/articles/324367-berchtoldstag-der-girardets-kleines-lexikon-der-schwe

  3. Reta Caspar sagt:

    Danke GG.
    Mehr auch auf: http://de.wikipedia.org/wiki/Berchtoldstag
    Hübsch, zeigt doch einmal mehr, dass das Feiern vorkirchlich, weil einfach menschlich ist und ohne Verbote auskommen kann.

  4. Am Berchtoldstag sollte man eigentlich maskiert durch die Gassen ziehen und Nachbarn erschrecken:
    http://www.gebrueder-duerst.ch/turicum/brauchtum/baechtelitag.html

  5. Stefan Mauerhofer sagt:

    @AK: Dazu brauchen aber nicht alle Masken ;-)

  6. Das feiern ist nicht “vorkirchlich” … in der Feier entsteht die “Kirche” als “Erzählgemeinschaft” … jede Gesellschaft braucht Feiern, und sie braucht Geschichten, die dazu erzählt werden, diese Geschichte sind Mythen (auch wenn sie einen “realen Kern” haben, sie werden zu “Pflichttexten” (Legenden) die man verbreiten muss (Propaganda)).

    Es gibt nun eine gesellschaftliche Notwendigkeit, dass Schulden irgendwann beglichen werden. Es Braucht Zahlungstermine. Wichtig ist, die Zahlungstermine einzuhalten (Stubenhitz für die Zunftstube), die Geschichten als “Überbau” können wechseln. Es kann das Jesuskindlein sein, es kann der Heilige Martin sein, es Kann die Frau Holle sein: aber der Mensch hat halt ein Bedürfnis ein “System” zu haben. Wenn Wotan und seine Gattin “Perchta” nicht mehr da sind mit ihrem Heer des Toten, das die bösen Menschen heimsucht, dann kommt halt die Hölle im Jenseits und die Kirche mit den Heiligen. Und dann wird aus “berchtelen” ein “Berchtold”. Auch die Freidenker funktionieren so. Darum verteidige ich die Religion als “Erzählsystem”. Es leistet einen grossen Nutzen in der Sinnkomunikation. Die Geschichte eines gehörnten Vaters, der seiner Geliebten glaubt, dass es der Heilige Geist war … die ist für eine Gesellschaft buchtstäblich NOT-wendig. Man muss sich nur die “säkularen Ehediskurse” anschauen.

    Und wer an die Kirche nicht mehr glaubt, der wird dann halt an die Inkassobüros mit ihrem Personal aus südosteuropa glauben müssen, die ihm das Leben “zur Hölle” machen.

    Aber vielleicht werden die Freidenker einmal plakatieren lassen: “Es gibt wahrscheinlich keinen letzten Zahlungstermin, darum sorge dich nicht und geniesse das Leben”.

    Der grosse Atheist Gottfried Keller, war ja ein feuriger Freidenker in der Jugend. Und ein grosser Schuldner. Aber um seine Schulden zu begleichen musste er schliesslich Zürcher Staatsschreiber werden (der Ruhm des “Grünen Heinrich” machte ihn nicht satt). Und dort musste er ab 1862 Bettagsmandate schreiben. Eine Strafaufgabe Gottes, die ihn sehr berühmt gemacht hat.

    http://willensnation.blogspot.com/2009/09/bettagsmandat-1862-abgelehnt-von.html

    Je länger er seinen “liberalen” Kumpanen beim Wirtschaften zuschaute – und als Staatsschreiber auch über die Schulter schaute – , desto kritischer wurde er der “Freidenkerei” gegenüber. In der Novelle “Das verlorene Lachen” (1874) kündigt sich seine Rückkehr zur Religion an, die erstmals als versöhnende Kraft des “guten Lebens” wieder dargestellt wird. Im Roman Martin Salander legt er die dumme Gier des “Fortschritts” schonungslos offen. Und der alte Keller wurde noch ein grosser Verfechter des Faches “biblische Geschichte” in der Zürcher Volksschule.

    Ja und hier schliesst sich der Kreis: jenes Fach, dass die Freidenker “ums verrecken” wieder aus der Volksschule verbannt haben wollen. Wer aus der Geschichte nicht lernen will, der ist gezwungen sie zu wiederholen. Und es ist eine göttliche Ironie, dass jene die von sich behaupten “frei” zu denken am eifrigsten im Hamsterrad rennen, in der Meinung, so den “Fortschritt” zu fördern.

  7. Reta Caspar sagt:

    GG: Wer seinen Argumenten nicht vertraut, versucht es halt mit Diffamieren…
    Der Witz ist doch, dass zwar die alten Mythen jedes Jahr weitererzählt werden, weil sie so wohlig an die “gute alte Zeit” der Kindheit erinnern – nur werden sie heute von der Mehrheit der Bevölkerung auch als Mythen wahrgenommen und haben keinerlei praktische Relevanz. Da wird wohl auch ein GG nichts dran ändern, so gerne er die Mythen für seine staatpolitischen Zwecke instrumentalisieren möchte.

  8. @Mauerhofer: Es ist ja kein Zufall, dass die Occupy und Anonymous bewegung “in Masken” auftritt. Sie stellen einen neuen Mythos der “Umverteilung” dar. Nicht mehr maskierte heischen, wie bei Halloween, sondern sich die Kreditkarten der reichen säcke haken. Darum finde ich zivilistierter, man lässt die “reichen säcke” am sonntag in die Kirche kommen und lässt sie etwas in den Opferstock einwerfen. Das ist gewaltfreie Umverteilung, ein grosser zivilisatorischer Fortschritt der Reformation.

  9. Reta Caspar sagt:

    Auch in Basel rätseln die Medien, derweil die Verwaltung feiert…

    Bärzeli – der halbe Feiertag: Warum ist der Berchtoldstag in den beiden Basel kein Feiertag? Für Eltern ist das deshalb lästig, weil die Schulen erst am 3. Januar wieder öffnen. Aus der dünn besetzten Verwaltung ist keine Antwort zu kriegen. http://www.tageswoche.ch/de/2011_52/basel/239308/B%C3%A4rzeli—der-halbe-Feiertag.htm

  10. @RC: “Wer seinen Argumenten nicht vertraut, versucht es halt mit Diffamieren…”

    Es ist ein altes psychologisches Gesetz, das der Aufklärer Lessing der Zofe Franziska in der Minna von Barnhelm in den Mund legte: “es sind immer die eigenen Fehler, die uns bei den andern so ins auge stechen”. Dies um eine “aufgeklärte” Fassung zu geben.

    christlich ist es im schönen Gleichnis vom Splitter und vom Balken viel schöner, viel kräftiger gesagt worden. Aber eben, nach den Freidenkern sollen die Gleichnisse jesu, die zum Sprachschatz der europäischen Sprachen gehören, aus der Schule vertrieben werden.

    Bestimmt findet sich ja bei Monthy Python ein ähnlicher witz, den man zum Pflichtstoff erheben kann.

  11. Stefan Mauerhofer sagt:

    Monty Python sollte tatsächlich Pflichtstoff an den Schulen sein. Besonders den “Jehowa, er hat Jehova gesagt”-Sketch aus “Das Leben des Brian”. Ich finde sowieso, dass “Das Leben des Brian” mehr Tiefgang hat als die ganze Bibel.

  12. @Mauerhofer: touché. Langsam kenne ich meine Freidenker. Nur, lieber Mauerhofer, das Problem als Historiker für mich: ich müsste alles wieder umrechnen. “vor Monthy Python” und “Nach Monthy python”, das würde natürlih Stellen schaffen für schliche freidenker.

    Ich wurde anno 1965 geboren. Neu wäre es dann im “Jahre 4. v.M.P.” und natürlich ist der Streit unter den Pythologen schon programmiert. Ist 1969 das korrekte Gründungsdatum? Müsste nicht vielmehr …

    Aus Lebenspraktischen Gründen würde ich vorschlagen man lässt es bei Anno Domini bleiben, oder? Aber wir sind in der direktdemokratischen Schweiz. Ein “vernünftiger” Vorschlag findet schnell eine Mehrheit in einem Volk, das eine Verfassung nur annimmt, wenn “im Namen des Allmächtigen” drauf steht. Autsch … na ja die Gedanken sind frei … und “freidenken” tut manchmal weh …

  13. Reta Caspar sagt:

    Ach GG… Sind Sie etwa im Jahr 1965 nach der Gründung der christlichen Kirche geboren?
    Die Freidenker akzeptieren die aktuelle Zeitrechnung als Konvention, losgelöst vom Geburtstag Ihres Herrn. Und die Mehrheit der SchweizerInnen tut das wohl auch. Warum können Sie sich nicht damit abfinden, dass sich Traditionen ihrer einstmalige Kontexte entledigen und – sofern praktisch – als einfache Konvention weiterführen? Das gilt auch für Feiertage.

  14. “Warum können Sie sich nicht damit abfinden, dass sich Traditionen ihrer einstmalige Kontexte entledigen und – sofern praktisch – als einfache Konvention weiterführen?”

    Weil “einfache Konventionen” ohne Überbau und ohne “Leben” zusammenbrechen. Selbst die “einfache Konvention” Euro. Und ich nicht so ein Einzelkämpfer-Rambo bin, der in einer Gesellschaft ohne durchdachte und legitimierte Konventionen leben will und kann.

    Die Freidenker meinen das zu können. Und sind darum die dümmliche Begleitmusik (“nützliche Idioten”) der Abrissbirne des Neo-Liberalismus, der nur noch Geld als soziales Band unter menschen anerkennen will. Das ist der Grund, warum den Freidenkern zur “Occupy-Bewegung” noch nichts eingefallen ist. Die wenden sich ja gegen den Neoliberalismus: das können freidenker nicht wollen.

  15. Reta Caspar sagt:

    “legitimierte Konvention” … Wer legitimiert da von GGs Gnaden?

  16. Reta Caspar hat es entdeckt! “legitimieren” kann nur Gott, die Evolution, der Allmächtige. Darf ich dies als den “soziologischen Gottesbeweis nach Reta Caspar” bezeichnen? Max Weber hätte dies in seiner “Herrchaftssoziologie” wohl so gesehen. Und die “Gnade” (oder auch das “Charisma”) kommt eben von Gott. Oder anderst formuliert ist “kontingent”.

    Die frage ist vielmehr eine andere: Welche Instanz kann in der gottlosen Welt der Freidenker “legitimieren”? Und wenn diese Instanz versagt: wer ist zu widerstand ermächtigt. Die Reformierten sagen es gibt ein Widerstandsrecht, ein Gottgewolltes. Aber wer dürfte gegen die Herrschaft der Freidenkerei sich “legitimiert” erheben?

    Dass Wörtlein “Gott”, als eines der wichtigsten “Sprach-Gene” der menschlichen Rasse, schafft erst den semantischen Unterschied zwischen “legal” (gemäss menschlicher Satzung) und “legitim” (dem “Geist” dieser Satzung gemäss).

    “legitimieren” kann man nur “aus dem Geist” heraus. Wie immer man diesen “Geist” fassen will: Gott, der “Heilige Geist”, der “Geist der Weihnacht” … et.c pp.

    Darauf hat die Freidenkerei keine Antwort.

  17. Reta Caspar sagt:

    Und was passiert, wenn die BürgerInnen nicht mehr an Ihren “legitimierenden Gott” glauben, GG? Dann stürzt auch das reformiert fundierte Kartenhaus zusammen, dann ist gerade nichts mehr kontingent.
    Diese übergeordnete legitimierende Instanz ist eine Fiktion. Sie ist nicht hilfreich bei der Frage, wie wir Menschen mit der Macht und miteinander umgehen. Im Gegenteil, sie legitimiert bis heute in den Augen gewisser Gläubigen alles, auch die schlimmste Grausamkeit.

  18. Vielleicht kann die Naturwissenschaft auf einen “god of gaps” verzichten. Die Soziologie und die Geistes-Wissenschaft brauchen ihn not-wendig. Hier ist der Punkt, wo die Antworten der Freidenker enden und klar wird, warum die Freidenkerei ein Steckenpferd einer Minderheit war, ist und bleiben wird: allem Fortschrittsgeschwätz zum Trotz.

  19. Stefan Mauerhofer sagt:

    @GG: Uns legitimiert keine Instanz, wir legitimieren uns selber. Legitimiert ist was a posteriori funktioniert und nicht was a priori postuliert wird.

  20. Der Gott wird nicht so schnell abdanken, wie Reta Caspar es sich träumt: zum einen weil es viele “sonderbare Geisteszustände” gibt die innerhalb der Religion sinnhaft werden und Menschen die praktizieren (egal welche Religion) eine besondere Aura haben, die selbst von Journalisten die erklärte Atheisten sind, festegestellt wird. Alle diese menschen mit Psychopharmaka ruhigzustellen wäre zu teuer.

    Es gibt nun mal die “Begeisterung”, den “enthousiuasmus”, ja in der Fehlform den “Fanatsimus”.

    Zum anderen: alle intelligenten Zeitgenossen, die diese persönliche Erfahrung nicht teilen (der “Ergriffenheit”), sind klug genug einzusehen, dass es einfacher ist diese “ergriffenen” weiterhin gratis sozialarbeit leisten zu lassen, statt sie einzusperren und “neuropsychologisch” zu behandeln. Es gibt also eine pragmatische, ökonomische Rationalität, welche den Erhahlt der “Religion” rechtfertigt.

    Was bleibt sind die “unbegnadeten” und “unintelligenten”, jene die den sozialen nutzen der “ergriffenen” nicht sehen wollen und auch deren grossen Einsatz nicht. Sie werden “unversöhnlich” abseits stehen, meckern und versuchen die Institutionen zu diskretitieren, delegitimieren und zu ridikülisieren. Das machen die Freidenker nicht schlecht.

    Aber sie bleiben die kläffenden Hunde, an denen die Karawane der Evolution der menschheit vorbeizieht. Seit anbeginn der Welt schon.

  21. Sehr schön, Kollega Mauerhofer: “Legitimiert ist was a posteriori funktioniert und nicht was a priori postuliert wird.”

    Das benediktinische Mönchtum “funktioniert” nun schon 1500 Jahre, der japanische Shintoismus “funktioniert” schon einige jahrtausende, das Judentum an die 4000 jahre. Dies kann “a posteriori” festgestellt werden. Der Satz des Pythagoras der gilt noch heute, aber die “Pythagoreer” als sekte und Lebensgemeinschaft sind ausgestorben, auch die Ordensbugern der SS (die sehr gute Kämpfer waren und an keinen Gott aber an das Recht des stärkeren glaubten) sind Ruinen, ebenso wie die Statuen von Marx und lenin heute sinnlose Staubfänger sind während Kruzifixe noch staatlichen Schutz geniessen und wo nicht, so jenen der moral.

    Dass es keinen Gott gibt wurde “a priori” von Feuerbach, Nietzsche und Marx heftig rational begründet und postuliert. Heute 2012 (a posteriori) stellen wir fest: die Religionen sind weltweit im Vormarsch. Die “a priori”-Denke der grossen Denker hat nichts bewirkt.

  22. Girardet, Sie sind also innerlich längst vom Glauben abgekommen, so wie von Brück und viele andere. Sie versuchen nun aber noch krampfhaft, die Institution, die Ihnen Halt gab und die Ihnen Glauben machte, Sie seien wer, zu verteidigen. Theologisch schaffen Sie’s nicht mehr, also versuchen Sie’s utilitaristisch. Das strengt an, Sie selbst wohl mehr als uns, die hier amüsiert mitlesen können. Investieren Sie Ihren Enthusiasmus lieber in etwas produktives statt in die Verteidigung anachronistischer Machtapparate. Oder lesen Sie ein paar Zeilen Epikur, es wird Sie beruhigen und befrieden.

  23. Stefan Mauerhofer sagt:

    Christentum: ab dem 4 Jh. röm. Staatsreligion, seither Zerfall der Zivilisation, welche sich erst langsam wieder erholen kann in der Renaissance, nach der Wiederentdeckung der Antike.

    Fazit Christentum: big fail.

  24. Nun, Mauerhofer, sie sagten, ja Geschichte ist nicht ihr Fach.

    Aber den historischen Comic-Strip der Giordano-Bruno-Stiftung haben sie wohl gut zusammengefasst. Pflichtlektüre (Legende!) und auch weiterzuerzählen (Propaganda!).

  25. Stefan Mauerhofer sagt:

    Nachzulesen bei:

    http://hpd.de/node/12465

  26. Gutes Marketing für ein interessantes Thesenbuch im freidenkerischen Propaganda-Zusammenhang des Papstbesuches in Deutschland. Die Thesen des Buches sind interessant und gehören diskutiert. Aber stellenweise wird es nun doch sehr grotesk: Dass das Christentum schuld an Mohammeds Entscheid gewesen sein soll, eine Religion zu gründen, klingt in meinen Ohren doch sehr abenteuerlich.

  27. Anita sagt:

    Also man braucht überhaupt nichts von Geschichte zu verstehen. Man braucht nur die eigenen Sinne zu gebrauchen, um festzustellen, dass alle Religionen zusammen die grössten aller Plagen sind, die je über die Menschheit gekommen sind. Gäbe es dafür einen Nobelpreis, würden ihn die christlichen Religionen sozusagen gepachtet haben.

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