F, Normandie: Taufregistereinträge müssen auf Wunsch unlesbar gemacht werden

Das Landgericht von Coutances (Frankreich) hat am 6. Oktober 2011 entscheiden, dass ein als Kind getaufter Bürger Anspruch darauf hat, aus dem Taufregister der katholischen Kirche gestrichen zu werden. Die Taufe ist gemäss Gerichtsurteil „eine intime persönliche Information über eine Person und geniesst den Schutz von Artikel 9 des Bürgerlichen Gesetzbuches.” Der Bischof wird unter Strafandrohung verurteilt, innerhalb von 30 Tagen die Eintragung zu löschen, “zum Beispiel, indem sie mit unauslöschlicher schwarzer Tinte überschrieben wird.”
Zehntausende von ähnlichen Fällen drohen jetzt der Kirche und die freisinnige Organisation Libre Pensée will jetzt eine Kampagne dazu organisieren.

Quelle: http://www.over-blog.com/profil/blogueur-2634581.html

22 Kommentare zu „F, Normandie: Taufregistereinträge müssen auf Wunsch unlesbar gemacht werden“

  1. GG sagt:

    Das ist hanebüchener Quark. Die Taufe vollzieht sich in der Öffentlichkeit, wenigstens in den Landeskirchen. Mit dem gleichen Recht dürfte ich verlangen, dass meine AHV-Nummer “anonymisiert” wird, denn die Tatsache, dass und wieviel ich in die Sozialwerke einbezahle oder beziehe unterliegt nun tatsächlich dem Datenschutz. Nicht so die Taufe, die seit jeher in der “ekklesia” in der öffentlichen Versammlung vollzogen wird und als öffentlicher Akt auch beurkundet werden muss.

  2. Reta Caspar sagt:

    Das nicht Quark sondern Datenschutz, GG. Und es geht um die religiöse Vereinnahmung durch die katholische Kirche, für die “einmal getauft – immer katholisch” gilt. Da können sich die Leute nicht anders wehren. Es gibt – leider auch in der Schweiz – Fälle, wo in katholischen Kirchen die Namen der Ausgetretenen sogar am Sonntag in der Kirche bekannt gegeben wurden.

  3. Grazia sagt:

    An 2 aufeinanderfolgenden Sonntagsmessen, ich weiss von einem Fall im Tessin.

  4. Thomas von Aquin sagt:

    Wenn ich aus einem Fussballclub austrete, habe ich dann auch das Recht, dass mein Name in den alten Vereinslisten mit “unauslöschlicher schwarzer Tinte” überschrieben wird? Und was sollte mich stören, wenn sie an der nächsten GV sagen, “Der Thomas ist nun nicht mehr dabei.”?

  5. Reta Caspar sagt:

    Im Unterschied zum Fussballclub hat in aller Regel, wer aus der Kirche austritt, dort nie selber den Beitritt erklärt.

  6. Thomas von Aquin sagt:

    Na und? Vielleicht haben mich meine Eltern in den Fussballclub geschickt, so wie sie mich taufen liessen. Vielleicht spiele ich nämlich garn nicht gerne Fussball. Vielleicht will ich aber auch in einer Kirche sein. So muss jeder mit elterlichen Entscheidungen leben, von der Namensgebung über die Erziehung bis hin zur Religion, bis er mündig ist. Bei der Kirche ist das immerhin schon 2 Jahre früher als beim Staat.

  7. Grazia sagt:

    Ob jemand nun im Fussballclub oder dem Kaninchenzüchterverein aktiv oder als Gönner dabei ist, wird in unseren Breitengraden in aller Regel kaum über Auftragserteilung oder Anstellung entscheiden, wie es dies die offen zur Schau getragene Religionslosigkeit erfahrungsgemäss tut (cfr. zBsp. die ungelöste Causa Abgottspon). Gerade in Ländern wie D/I sind im übrigen ganze Berufssparten konfessionell “vorbelastet”. In D können kirchliche Einrichtungen als sog. Tendenzbetriebe rechtlich unbehelligt systematisch diskriminieren. Aber vielleicht bewegt “sie” sich ja doch: http://www.general-anzeiger-bonn.de/lokales/region/Nach-Entlassung-der-Kiga-Leiterin-Stadt-Koenigswinter-kuendigt-der-Kirche-article720366.html

  8. Reta Caspar sagt:

    Ja, es gibt historische Tatsachen, deshalb würde ich persönlich auch nicht auf einer Streichung bestehen. Aber es gibt auch die sogenannte “informationelle Selbstbestimmung”: Konkret bedeutet dies die Befugnis des Einzelnen, selber zu bestimmen wer wann was warum über ihn oder sie an Daten bearbeitet. Es soll im Ermessen und im Machtbereich eines jeden/jeder einzelnen liegen zu entscheiden, wie er/sie sich der Welt präsentiert und von der Welt wahrgenommen wird. D.h. niemand hat das Recht, Daten über mich zu sammeln, wenn ich das nicht will und wenn kein öffentliches Interesse daran besteht.

  9. Thomas von Aquin sagt:

    Wie gesagt, die Daten im Taufregister hat die Kirche nur mit Einverständnis des rechtlichen Vormunds geammelt. Und das Recht diese einmal gesammelten Daten zu einem späteren Zeitpunkt wieder gänzlich einzufordern bzw. deren Löschung zu garantieren ist nicht nur bei der Kirche stark eingeschränkt. Dieses Problem kennen wir nicht erst seit Facebook.

  10. Stefan Mauerhofer sagt:

    Niemand wird gezwungen sich bei Facebook anzumelden und kein Vormund würde wohl so etwas tun. Bei jedem anderen Verein, bei dem schon Kleinkinder Mitglieder werden können, würde dieses Thema wohl mit mehr Sensibilität behandelt werden, aber bei den historischen Märlivereinen ist das wohl wieder einmal ein bisschen anders. Je mehr sie zwängen, sich windern, behindern und diskriminieren desto mehr Menschen werden die Augen aufgehen und konsequenterweise austreten.

  11. Thomas von Aquin sagt:

    Da liegen Sie aber falsch, lieber Stefan Mauerhofer. Es gibt sogar sehr viele Eltern, die für ihre liebsten Kleinen ein Facebook Profil erstellen oder wenigstens unzählige Bilder von den süssen Rackern in allen Lebenslagen auf dem eigenen Profil hochladen. Was können diese Kinder später dagegen tun, dass diese (z.T. vielleicht sehr unerwünschten) Bilder einen unlöschbaren digitalen Fingerabdruck hinterlassen haben?

  12. Stefan Mauerhofer sagt:

    @TvA: Ist irrelevant und off-topic in Bezug auf Taufregistereinträge. Hier geht es um die Kirchen und ihr Verhalten und nicht um Facebook-Benutzerverhalten.

  13. Thomas von Aquin sagt:

    Lieber Stefan Mauerhofer:

    Zuerst gehen Sie auf das Beispiel Facebook ein und versuchen es gar auf Ihre Seite zu drehen und nun verwerfen Sie es urplötzlich als irrelevant und “off-topic” abtun? Schon komisch, oder?

    Das Beispiel ist aber gar nicht so gegenstandslos, wie Sie vielleicht glauben. Bei Facebook sowie auch bei anderen Vereinen, in denen bereits Kinder Mitglied werden können (und die sich ja offenbar so viel sensibler verhalten), werden Mitgliederdaten auch nach Austritt nicht einfach gelöscht. So löscht auch die Kirche ihre Taufdaten nicht einfach. Schliesslich wurden jene Personen damals tatsächlich getauft. Das ist ein Fakt, ganz unabhängig davon, wie diese Personen zur Religion eingestellt sind und wie sich diese Einstellung im Laufe der Zeit verändert.

  14. Grazia sagt:

    Nur, weil Dinge anderswo auch im Argen liegen macht das ein bestimmtes Problem nicht geringer. Überall wo Verbesserung erwünscht bzw. nötig ist, ist es doch zu begrüssen, wenn die Betroffenen aktiv werden. Wenn Menschen die Daten zu ihrem Bekenntnis nicht publik machen oder behalten wollen und der Gesetzgeber diese Daten als besonders schützenswert einstuft (was in der CH auch der Fall ist), dann sind sie als solche zu behandeln. Von allen. Kirche inklusive.

  15. Grazia sagt:

    Im übrigen wird das Problem erst dann gelöst sein, wenn die Kindestaufe nicht mehr praktiziert wird.

  16. Thomas von Aquin sagt:

    Es macht das Problem nicht geringer, aber es relativiert die Sache doch schon erheblich. Jedenfalls ist es haltlos hier einfach wieder nur die Kirche in die Mangel zu nehmen.

    Und wieso sollten Kindstaufen in Zukunft nicht mehr praktiziert werden? Das ist doch eine ganz persönliche Sache und geht die nicht-religiösen gar nichts an.

  17. Grazia sagt:

    Stimmt, Kinder sind schliesslich Eigentum der Eltern. Wozu braucht es Massnahmen zugunsten von Schutzbefohlenen, Schwächeren. Kindern. Frauen. Das kanonische Recht genügt für alle Lebenslagen. Und darüber hinaus.

  18. Koch sagt:

    Kinder SIND Nicht-religiös…..

  19. Grazia sagt:

    Zum Datenschutz vielleicht noch soviel Grundsätzliches: die Privatsphäre zu schützen gehört zum Pflichtprogramm jeder Demokratie. Sie ist ein Raum, in dem der Mensch vor An- und Uebergriffen sowie staatlicher Willkür sicher sein soll. So ist – offtopic – das Schweizer Bankgeheimnis eigentlich ein Bankkundengeheimnis. Gerade in Zeiten, in denen die Technik der totalen Durchleuchtung Vorschub leistet ist der Argwohn gegenüber Dingen wie Vorratsdatenspeicherung (s. Vision des “gläsernen” Bürgers oder Patienten) durchaus verständlich. Und gerne bleibt man im Internet anonym, wenn man “heikle” Seiten frequentiert….

  20. Thomas von Aquin sagt:

    @ Grazia:

    Ich sage nicht, dass Kinder keinen Schutz brauchen. Aber Eltern haben nun mal gewisse Entscheidungskompetenzen bzgl. ihrer Kinder. Nehmen Sie nur einmal die Namensgebung als Beispiel. Das verfolgt einem ein Leben lang. Aber soll ein Kind seinen Namen erst mit 18 selber wählen können und dürfen? Zudem haben die Eltern durch ihre Erziehung einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Kinder. Diese Erziehung gelingt vielleicht manchen besser als anderen. Aber religiöse Eltern werden auf ihre Kinder sowieso einen religiösen Einfluss ausüben, weil die Religion ihr Wertesystem definiert. Das macht sie noch lange nicht zu schlechten Eltern. Sobald ein Kind erwachsen ist (die Kirche ist da liberaler als der Staat und setzt dies Alter auf 16), darf es dann selber entscheiden, ob es aus der kirchlichen Gemeinschaft wiedr austreten will. Es kann (auch schon vorher) andere Werte leben. Wer sich aber durch die Taufe derart traumatisiert fühlt, hat die Religion wohl noch nicht ganz überwunden…

    @ Koch:

    Ab wann sind denn religiöse Gefühle zugelassen? Ab 16 Jahren? Ab 18 Jahren? Sollte man religiöse Gefühle vor Erreichen dieses Alters verbieten?

  21. Fredi H. sagt:

    TvA: vom 3. April 2012:
    Welche religiösen Gefühle?
    Angst vor Strafen, Angst vor der Hölle bei schweren Sünden (z.B. nach dem Kanisi-Katechismus ist Selbstbefriedigung eine schwere Sünde), Angst vor dem ausgeschlossen werden aus dem grossen Verein usw? Oder wirklich Ergriffensein in Anschauung und Gefühl vom Universum?
    Das Abendlied von Gottfried Keller finde ich 10000000 mal schöner und ergreifender als alle moralinsauren (oft unethischen) Predigten der Kirchen, die ich als Kind, den Eltern gegenüber gehorsam wie es sich gehört, leider viel zu oft habe anhören müssen. Angstdreck weg!!!

  22. Grazia sagt:

    Was Kinder zur Oster”gschichte” sagen: Noel (11) ist überzeugt, dass die Geschichte wahr ist, denn sie werde in Büchern in Filmen oder in der Kirche immer gleich erzählt. (Das lässt sich von Romeo und Julia auch sagen:-). Die Bibel, eine Gerüchteküche? http://www.skpv.ch/wp-content/uploads/2012/04/Christ_und_Welt_2012_04_04.pdf

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