In zwei Schulzimmern der Primarschule in Triengen müssen die Kreuze abgehängt werden. Damit kommt die Schulpflege der Aufforderung eines Vaters nach, welchem die aufgehängten Kreuze ein Dorn im Auge sind. Der Mann ist deutscher Staatsangehöriger. Er gehört weder einer Landeskirche noch einer Weltreligion an.
Bundesgericht hat entschieden
Die Schule hat sich mit diesem Entscheid schwer getan. Anfänglich nämlich liess sie den Vater wissen, man werde die Kreuze hängen lassen, denn schliesslich gehöre man der abendländischen Kultur an. «Aber auf Anraten des Kantons und im Wissen darum, dass das Bundesgericht zu dieser Frage einen Entscheid gefällt hat, lenken wir nun ein», sagt der Trienger Schulpflegepräsident Peter Häfeli. Das Bundesgericht hat 1990 entschieden, dass Kruzifixe in Schulzimmern gegen die religiöse Neutralität verstossen. Der Entscheid ging zurück auf einen Fall in der Tessiner Gemeinde Cadro.
Trotz des Bundesgerichtsentscheids sagt Katrin Birchler, die stellvertretende Leiterin der Luzerner Dienststelle für Volksschulbildung: «Grundsätzlich dürfen Kreuze in Schulzimmern hängen – solange sich niemand daran stört.» Komme es allerdings zur Kritik, so empfehle der Kanton mit Verweis auf das Bundesgerichtsurteil, diese abzuhängen.
Die Fraktionschefs der Luzerner CVP, FDP, SVP und der Grünen sind in dieser Frage einer Meinung: Sie finden, Kreuze dürften ruhig in Schulzimmern hängen. Dabei verweisen sie genau wie anfänglich die Schule von Triengen auf unsere abendländische Kultur. Die Jungsozialisten des Kantons Luzern hingegen finden, dass Kreuze in den Schulzimmern im Zeitalter der Religionsfreiheit keine Berechtigung mehr hätten. Ihnen geht die Handhabung im Kanton somit deutlich zu wenig weit.
Leserbriefe am 13.10.2010: http://www.zisch.ch/navigation/top_main_nav/zeitung/leserbriefe/luzern/detail.htm?client_request_className=NewsItem&client_request_contentOID=342165
ebenso:
http://www.blick.ch/news/schweiz/an-luzerner-schule-sind-kreuze-des-teufels-158406
Schlagworte: Kruzifix












Interessant an der Berichterstattung: “der Vater ist deutscher Staatsangehöriger”. Das hat der Trienger Gemeinderat auch so erfasst und deshalb eine Kopie seiner Antwort an die Schule an das Luzerner Migrationsamt geschickt.
mit der kopie des schreibens ans migrationsamt wollen die trienger hinterwäldler ganz eindeutig dem deutschen eins auswischen, der sich zu recht gegen die religiöse indoktrinierung seines kindes wehrt. rechtsstaatlich mehr als fragwürdig.
was mich politisch erstaunt, ist nicht die haltung der original svp und der schwarzen svp’ler (cvp), sondern die haltung in dieser sache der sonst doch eher gesellschaftspolitisch liberal denkenden fdp und grünen. aber offenbar ist über tausend jahre einhämmerung von stockkatholischen dogmen und ideologien nicht ganz spurlos an der luzerner bevölkerung vorbeigegangen, und sehr viele, die sich zur politik berufen fühlen, neigen leider zu populismus.
es bleibt zu hoffen, dass auch im kanton luzern allmählich eine mehrheit der bevölkerung im dritten jahrtausend ankommen wird
Was im Kanton Luzern geht, müsste auch in anderen Kantonen gehen. Ich hoffe, dass dies mehr Eltern anspornen wird ihre verfassungsmässigen Rechte einzufordern und alle Schulen in der Schweiz bald entkruzifixiert werden.
Es entscheiden also irgendwelche Beamte oder sonstige Parteifunktionäre, was geht und was nicht, was “abendländisch” sei und daher “grundsätzlich” zum Schulhausinventar gehöre? Es mutet schon etwas befremdend an: sind denn die meisten Klischeebewirtschafter beim Geschichtsunterricht nicht bis in die Neuzeit vorgedrungen? Gebetsmühlenartig bemühen sie die kulturellen “Wurzeln”, die sich im Dunkeln der Vergangenheit eingraben und blenden dabei den hoffentlich starken, blühenden Rest des Baumes aus, der wächst und sich nach dem Lichte streckt.
Auch offline wird heute in der Zentralschweiz auf der Frontseite(!) das Mem “Schule muss Kreuze abhängen” inkl. Bild verbreitet. Die Debatte ist somit erfolgreich gestartet und wird hoffentlich von fleissigen Leserbriefschreibern am Laufen gehalten während wir schweizweit die Kreuze abhängen (lassen) und endlich die Allgemeinheit überzeugen, dass die Antwort auf den Islam nicht das Christentum, sondern unsere Rechtsordnung ist.
Dass CVP und SVP sich nicht gegen das Aufhängen von Kreuzen in den Schulzimmern aussprechen, folgt ja noch einer gewissen (politischen) Logik. Dass sich aber die FDP, die während des Kulturkampfes für eine strikte Trennung von Kirche und Staat eingetreten ist und unter anderem Klöster wie Mariastein schliessen liess, sich so von ihren Wurzeln entfernt hat, gibt schon zu denken. Umso wichtiger ist, dass sich die Freidenker vermehrt zu Wort melden und der wachsenden, nicht-religiösen Bevölkerung eine Stimme geben.
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