In vielen – aber nicht allen – Kantonen der Schweiz unterliegen juristische Personen, vorab AG, GmbH oder Genossenschaften, der Kirchensteuerpflicht. Im Kanton Zürich beispielsweise ziehen die Gemeindesteuerämter, gestützt auf Kantonsverfassung, Steuergesetz und Kirchengesetz, von den juristischen Personen die Kirchensteuern zugunsten der drei öffentlichrechtlich anerkannten Kirchen ein. Andere Religionsgemeinschaften und Kirchen sind dagegen nicht ermächtigt, Steuern zu erheben. (…)
Die juristischen Personen im Kanton Zürich sehen sich durch die Kirchensteuern mit einer erheblichen Belastung konfrontiert, zahlen sie doch rund 30% der gesamten Kirchensteuereinnahmen. 2009 waren es rund 100 Mio. Franken.
In der letzten Studie zum Thema der allgemeinen Kirchenfinanzierung im Kanton Zürich von 1999 kommt Autor Charles Landert zum überraschend geringen Betrag von 20 Mio. Fr. für soziale Leistungen, die der Staat bei einem Totalausfall des «sozialen Systems Kirche» zwingend als Staatsaufgabe übernehmen müsste. Sofern dieser Betrag stimmt, ist er gemessen an den Steuerleistungen der juristischen Personen vernachlässigbar klein. Wenn jedoch messbare Leistungen erbracht werden, die sonst aus Steuermitteln bezahlt werden müssten, sollten sie vom Staat gegen Rechnung abgegolten werden.
Autor: Manuel Blättler, B. A. HSG, Schaffhausen. Auf der Basis einer Seminararbeit bei Prof. Dr. Robert Waldburger, Universität St. Gallen.
Ganzer Artikel:
http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/unternehmen_sollten_keine_kirchensteuern_zahlen_muessen_1.6808751.html
7 Thesen der FVS gegen die Zwangsabgabe zu Gunsten der “Landeskirchen”
Schlagworte: Kirchenfinanzierung, Kirchensteuer









Da argumentiert also B.A. HSG auf der Basis einer Seminararbeit bei Prof. Dr. Robert Waldburger, Universität St. Gallen.
Eine Realsatire, wie wenn ein Priesteramtskandidat an der päpstlichen Theologie-Hochschule die Unwirksamkeit von Reliquien beweisen würde.
Warum gibt es die HSG? Weil eine protestantische Unternehmerschicht das abgelegene Kaff in einem hundsverlassenen Tobel (Gallus fand es eben abgeschieden genug um ein Kloster zu gründen!) zu einem bedeutenden Wirtschaftsstandort machte (Textilindustrie). Es waren Protestanden, die hier – trotz der Kirchensteuer? oder gerade deswegen? – den Mut, die Hartnäckigkeit, die Beharrlichkeit und den Willen hatten, trotz der Kargheit der Natur sich zu behaupten. Begleitet von einer Theologie, die nicht mit Ablassbriefen und Reliquien, nicht mit Weihrauch und Pilgerfahrten, und nicht durch eine unzahl von Heiligenfesten die Produktivkräfte aussaugte und hemmte. Jeder Textilunternehmer wusste, dass er froh sein konnte um den Pfarrer, der in seiner Arbeiterschaft für Frieden und Eintracht sorgte, Menschen aufrichtete und Not linderte. Darum kam es auch keinem realistisch-denkenden Unternehmer der Vergangenheit in den Sinn, die Kirchensteuer auf den juristischen Personen aufheben zu wollen. Er wusste noch, um die Bedeutung der “Kirche im Dorf”.
Anders dieser B.A. Manuel Blättler, der hier mit seiner universitären Fingerübung hausieren geht. 100 Millionen gegen 20 Millionen: eine hübsche Milchbüchleinrechnung fürwahr. Die 20 Millionen müsste der Staat eintreiben durch Steuern. Ich vermute B.A. Manuel Blättler würde auch da Gründe finden, diese Steuereinnahmen zu hintertreiben. Ausserdem entsteht so ein Sozialhilfe Monopol. Ein Sozialhilfe-Totalitarismus. Gerade die diakonische Tätigkeit der Kirche ist oft flexibler und punktgenauer als die staatlich administrierte Fürsorge. Wieviele Sozialwerke wurden von der Kirche lanciert und dann vom Staat übernommen? Die Kirche ist das unabhängige Sozialhilfe-Labor, nah am Menschen und mit kurzen Reaktionszeiten. Die Unternehmerpersönlichkeiten der Gründerjahre wussten das: die Milchbüchlein- und Bierdeckelrechner der SVP und Jungfreisinnigen, die mit dem silbernen Löffel im Mund gross wurden, wissen das nicht mehr.
Die HSG St.Gallen schiesst sich mit der Verbreitung solcher Milchbüchlein-Rechnung ins Knie.
100 Mio treibt der Staat ein und 20 Mio kommt den Menschen zu gute. Der Rest verschwindet in den Taschen der Pfaffen und ihren Dienern und in obskuren Gebäuden und Ritualen. Bei dieser Verschwendung wäre schon jede Firma und jeder Staat pleite gegangen, aber so lange die Kirchen an der Gesellschaft wie Zecken am Igel saugen können, tun sie es halt.
Lieber Mauerhofer: warum gehen alles Staaten um die Schweiz herum pleite? Wegen der Kirchensteuer? Nur die Schweiz nicht. Überlegens Sie es sich mal in Ihrem schlichten Technikerköpfchen. “Pfaffen” ist ein Wort aus dem Mittelalter. Aber das fasziniert sie ja wahnsinnig: Schade können sie nicht mehr bei Enthauptungen, Verbrennungen und Vierteilungen zuschauen.
Kann er nicht? Im Iran, auch so ein Land mit strikter “Trennung von Religion und Staat” sind Erhängungen an der Tagesordnung, auch die islamischen Gotteskrieger haben Enthauptungen im Angebot. In Afrika wird mit Duldung wenn nicht sogar Unterstützung von Evangelikalen Jagd auf Hexen und Homosexuelle gemacht, Amputierungen und Verbrennungen sind da an der Tagesordnung… Hierzuland begnüngt man sich, Andersdenkende zu diffamieren und spricht leichtzüngig Berufsverbote gegen sie aus: http://www.udc-valais.ch/?p=3195
Schöne neue “säkulare?!” Welt…
Ohjee, Grazia. Zum Thema Kirchensteuer kommt in deinem Kommentar gar nichts, dafür das ganze aussereuropäische Gruselkabinett. Was haben wir in Europa für Religionen? Christliche Staatsreligionen die durch Humanismus und Aufklärung gegangen sind. Dank dem Christentum und seinem “Heiligen Geist”. Die Säkularisation braucht die Transzendenz. Aber liebe Grazia, trotz des Namens, den Deine Eltern dir gaben, dieser Gedanke liegt über der preiskategorie der Freidenker.
Das Gruselkabinett wurde von dir Stefan ans Herz gelegt
Kirchensteuer, was soll man denn dazu sagen ausser WEG damit? Es braucht kein parastaatliches Fürsorgewesen. Wenn schon, dann sollen sich solche Werke privat organisieren und auch Rechenschaft darüber ablegen und sich selbst finanzieren (s. Securitas im Sicherheitsbereich).
Die Kirche verkommt zusehends zur Lobby und Gewerkschaft für ihr Personal, dem die Betätigungsfelder langsam aber sicher abhanden (Seelsorge vs “care teams, kirchl. Begräbnisse vs weltliche Abschiedsfeiern, …).
Die Kirche in der CH firmiert als gemeinnützig und wohltätig. Beides ist mal genauer zu untersuchen. Was unbestritten ist, dass da viele Menschen tatsächlich wohltätig und für die Gemeinschaft tätig sind, es sind aber meist nicht die gleichen, die von den Geldern profitieren. Die Kirchenangestellten werden entlöhnt, jene, die arbeiten tun es “um Gottes Lohn”: Sonntagsfeiernleiterinnen, Jugendlageranimatoren, Hospiz-Mitarbeiterinnen etc….
“Die Kirchenangestellten werden entlöhnt, jene, die arbeiten tun es “um Gottes Lohn”: Sonntagsfeiernleiterinnen, Jugendlageranimatoren, Hospiz-Mitarbeiterinnen etc….”
Nun, man müsste fragen, ob sie es auch “um Gottes Lohn” tun würden, wenn nicht bezahlte Kräfte sie koordinieren, motivieren und schulen. Man müsste fragen, ob sie es auch “um Gottes Lohn” tun würden, wenn ihnen der Staat sagt: “Gott gibt es nicht und wenn, dann ist das Privatsache”.
Merkwürdig ist, dass nach dem Massaker von Uytoya oder nach der Erschiessung der “säkularen Sozialamtsleiterin” in Pfäffikon die leute in die Kirche strömen. Die norwegischen Freidenker hielten sich merkwürdig bedeckt (immerhin war das Monster ein bekennender “Frei-Maurer”). Und auch die Pfäffiker Sektion der Zürcher Freidenker brachte nicht mal ein Communique heraus (schickt es mir zu: “Kyriacou kommentiert die abscheulich verlogene Abdankungsfeier für die Pfäffiker Sozialamtsleiterin im Grossmünster” bin gespannt). Aber das Grossmünster war proppenvoll zur Abdankung, owohl dort nur wieder so ein vollgefressener Pfaffe was von Psalmen stammelte: so bescheuert!
Es gibt noch viel zu tun für die Freidenker, bis nach einem Massaker die Leute ins Hallenstadium strömen, um sich den Schwachfug einer “weltichen Abschiedsfeier” antun zu wollen.
Chi vivrà vedrà – ist nicht dies die grosse Tragik des Menschen? Dass unsere Lebensspanne (noch) viel zu kurz ist, als dass wir unsere Annahmen über den Gang der Welt je persönlich überprüfen könnten?
ohja, liebe Grazia. ein schönes Wort. Seit über 1000 Jahren strömen die Zürcher im Grossmünster zusammen, wenn sie etwas Grosses bewegt. Und ich wage die Prognose, dass dies bis zu meinen Tode und darüber hinaus so bleiben wird. Dann sollen meine Enkel das richten.
Eine fürwahr gewagte Prognose.
Ne, gewagt nicht, aber wenig ermutigend für eine Grazia. Aber ich kann dich trösten Grazia. Auch für “Freidenker” gibt es ein ewiges Leben. Vielleicht heisst ja einmal die Sektion der Freidenker Innerschweiz nach Dir: mehr Erfolg ist wohl bei realistischer Betrachtung nicht drin.
Man merkt, das Wetter hat umgeschlagen. Lange in der Hitze des kurzen Sommers Verschollene sind mit allerlei guten Tipps an die Adresse der Freidenker zurück in der warmen Stube.
Über die Ewigkeit können wir uns in diesem Rahmen schlecht unterhalten. Viele Köpfe haben sich darüber Gedanken gemacht und sie ganz unterschiedlich zusammengefasst: die einen erfüllt eine solche Vorstellung mit Schrecken, andere wissen sich bereits im Hier und Jetzt von Raum und Zeit zu befreien. Auch hier gilt wohl, des einen Freud, des andern Leid: ein C-Politiker hat mir einmal seinen Traum vom “Paradies” so geschildert: Jeden Tag (gibt es solche Untereilungen in diesen Sphären überhaupt’) Raclette – oder war es Fondue?!
@Anita. Hier geht es um die Kirchensteuer für juristische Personen. Über das Wetter kann man bei http://www.kachelmann.com plaudern. Über “Verschollene” gibt die Polizei Auskunft und eine “warme Stube” findest Du bestimmt in einem Gastro-Führer.
Zum Thema also: habe ich was Falsches geschrieben? Wird meine Argumentation zerpflückt. Oder störe ich nur einfach die gähnende Leere unter den Postings, wo sich nicht einmal mehr Dauerkommentierer wie der “Freiherr” mehr aufhalten.
Es gibt nun einmal keinen Anspruch auf die allein-richtige WEltanschauung. Die Kirchen wissen das seit Jahrtausenden. Den Freidenkern steht diese Erfahrung noch bevor. Viel Mut!
@Grazia: die Ewigkeit ist verdammt lang. Darüber kann man nur noch Witze machen (ausser man ist Physiker und behandelt sie mit Variabeln und Formeln). Aber ein Grund ist mir noch aufgefallen, warum es schwierig sein wird, dass die “Grazia Giulia Annen”-Sektion ins Leben treten wird, wie es im grossen Kanton die “Giordano-Bruno-Gesellschaft” gibt. Überhaupt; warum müssen sich diese Germanski einen verbrannten Tschinggen ausleihen? Könnten sie nicht einen ihrer 6 Millionen verbrannten Juden auswählen zum Namenspatron? Eben Grazia, da liegt wohl das Problem: es wird dich niemand auf einem Scheiterhaufen verbrennen wollen. Ohne Martyrium, keinen Nachruhm. So wirds wohl doch nichts mit der “Grazia Giulia Annen-Gesellschaft” für freies Denken. Hier noch ein Witz:
“Ein Katholik, ein Baptist und ein Reformierter werden von Petrus empfangen und in einen Korridor geführt, wo die Räume sich anschliessen, in denen sie die Ewigkeit verbringen werden. Vor einer reichverzierten Eichentür hält er inne und weist sie dem Katholiken zu. Dieser öffnet sie und sieht: farbige Glasfenster, barocker Schmuck einen Bet- und einen Beichtstuhl mit dem Tabernakel. “Eine Kirche!” ruft er aus und zieht freudig ein.
Als nächster darf der Baptist seine Türe öffnen: inmitten von viel Sand sind in einem Zelt exsaltierte Sängerinnen und Sänger um einen charismatischen Prediger versammelt. “Danke Herr, ein Lobgottestdienst!” ruft er aus und entschwindet in die Ewigkeit. Als letzter darf der Reformierte seine Zelle öffnen: um einen spärlich beleuchteten Tisch sitzen bärtige Männer und Frauen mit Bürzi über Papieren und Akten und diskutierten. “Eine Kommission!!” ruft der Reformierte freudig erregt und geht glücklich in die Ewigkeit.”
@ GG Könnte es sein, dass es sich um eine Projektion handelt, steht da ein Wunsch nach einer Giorgio Girardet Stiftung Pate…
Wenn man die Hilflosigkeit des Pfarrers jener Abdankung im Fraumünster am TV gesehen hat, dann braucht es schon eine gehörige Portion Arroganz, weltliche Abschiedsfeiern pauschal und wohl bar jeder Erfahrung als “Schwachfug” zu bezeichnen. Gehört Arroganz zu den landeskirchlichen Tugenden?
Warum reformieren sich eigentlich die Reformierten nicht weiter? Sie könnten z.B. den Glauben an einen persönlichen Gott offiziell aufgeben – was die Mehrheit ihrer Mitglieder wohl schon getan hat – und sich als Ritual- und Wohltätigkeitsverein etablieren.
Der letzte Versuch in dieser Hinsicht datiert auf anno 1839 als ein Vertreter der Familie Hirzel im Zürcher Bildungsrat, Bürgermeister Hirzel, der Berufung von David Friedrich Strauss, einem damaligen Mode-Deutschen (wie etwa heute der gelackte Schmidt-Salomon), der Jesus zum “Mythos” deklarierte. Die Geschichte ist bekannt, die Oberländer Frommen, die vom neumödigen Liberalismus die Nase schon wegen der neuen Schulbücher gestrichen voll hatten versammelten sich, weil der Cousin von Bürgermeister Hirzel, ein Pfarrvikar in einer Lebenskrise Sturmläuten liess und marschierten im September 1839 in die Hauptstadt und Putschten die liberale Regierung weg. Bürgermeister Hirzel hatte noch im Februar die Wogen mit einem Artikel zu glätten versucht. Der k.u.k. Beamte Grillparzer schrieb über den lieben Gutmenschen Hirzel eine beissende Satire.
http://willensnation.blogspot.com/2011/07/zurich-grillparzer-nietzsche-der-liebe.html
Nachdem Nietzsche bei Professor Burckhardt die Vorlesung “Über das Studium der Geschichte” gehört hatte, platzte ihm dann nach dem Krieg 870/71 und dem deutschen “Hurra-Fortschrittsglaube” der Kragen. Und in der ersten “unzeitgemässen Betrachtung” knüpfte er sich den gelackmeierten Herrn Strauss vor, den eitlen Modeschriftsteller, um ihn auf über 100 Seiten zu Kleinholz zu machen. Da lob ich mir den Oberländer “Common sense” die Oberländer rochen den Braten schon 1839 und putschten den Professor in die Pensionierung, währen er in seinem Vaterland erst 1873 durch Nietzsche die verdiente Tracht Prügel bekam.
Ausserdem hat 1919 mit dem Römerbrief Karl Barth mit der lauen Blöterli-Wassertheologie des Liberalismus aufgeräumt. Nein, es besteht kein Bedarf die Reformierten zu reformieren. Sie sind eine schöne Volkskirche mit einer weiten Bandbreite, eine eigentliche Schule religiöser Toleranz. Wer sich da nicht hineinbegeben will, hat das eigenbrötlerische Itioten-Gen. Gret Haller trat aus der Kirche aus, nachdem sie auf dem Balkan andere Religionen “in Aktion” erlebt hat, ist sie mit ihrem Ehrendoktor wieder eingetreten. Chefredaktorin Esther Girsberger (Kirchenaustritt 1991), trat wieder ein, weil sie ausdrücklich die Hilfe der Kirchengemeinschaft bei der Erziehung ihrer Kinder wünschte.
Für die Möglichkeit der Parallel-Entwicklung von Vernunft und Transzendenz kämpften Zwingli, Bullinger, Calvin und in der Sattelezeit (1750 – 1850) Schleiermacher und Jeremias Gotthelf. Der Atheist Gottfried Keller verfasste nicht nur grosse Bettagsmandate, sondern versöhnte sich 1874 in der Novelle “Das verlorene Lachen” mit dem Glauben seiner Grossväter. Diese Erfolgsgeschichte des Schweizer Protestantismus verdient fortgeschrieben zu werden. Die Frei-Denker als Selbsthilfegruppe von Menschen mit einem Religionsknacks haben ihre Berechtigung, aber ihre Existenz ist im Sinne eines “common sense” überflüssig.
Sie könnten sich doch einfach von ihrem Kindergarten-Gottesbild emanzipieren und wieder eintreten Frau Caspar. Vielleicht würde sich auch ein Pöstchen finden, aber wahrscheinlich ist die Geschäftsführung der Frei-Denker lukrativer.
Danke für die Einladung. Aber was soll eine Nichtkindergärtlerin damit anfangen:
http://www.sek-feps.ch/de/theologie-und-ethik/bekenntnisse/reformierte-bekenntnisse/rb-21-das-credo-von-kappel.html
Zum Finanziellen: Ich glaube kaum, dass in der reformierten Kirche jemand zu einem FVS-Honorar arbeitet.
“In der Kirchgemeinde Luzern verdient ein Pfarrer bis zu 6900 Franken, zusätzlich eine freie Wohnung. Etwas höher die Löhne der katholischen Pfarrer im Kanton Zürich und Schaffhausen. Maximallohn 10’000 Franken. Generell mehr verdienen die reformierten Pfarrer. In Graubünden bis zu 9200 Franken. Im Kanton Bern bis 11’300 Franken, im Kanton Zürich knapp 14’000 Franken.” http://www.glockenlaerm.ch/Kassensturtz20.12.05.pdf
Selbsthilfegruppe waren die Freidenker vor 100 Jahren, als ein Kirchenaustritt den sozialen und wirtschaftlichen Tod in der ach so toleranten Landskirchengesellschaft bedeutete. Heute sind wir tatsächlich ein Stück weiter in der Säkularisierung. Die Gretchenfrage wird nicht mehr allenthalben gestellt. Deshalb sind die Freidenker auch keine Selbsthilfegruppe sondern ein politischer Verein mit dem Ziel der vollständigen Trennung von Staat und Kirche – ob das nun GG passt oder nicht – weil das System Landeskirchen die Gesellschaft spaltet in die, die dazu gehören und die anderen. Das kann in der Zukunft nicht (mehr) funktionieren.
Nun, Frau Caspar, das “Credo von Kappel” ist (noch) kein offizielles, aber es folgt nahe dem Apotstolischen, das immer noch Grundlage aller christlichen Kirchen ist. Die Schweizer Protestanten sind die einzige Konfessionslose Kirche der Welt (Bekenntnisfreiheit seit 1868). Wenn Sie aber einen Club aufmachen wollen, der auch das Credo 268 im aktuellen Kirchengesangbuch lächerlich machen will, dann weiss ich nicht, wie sie noch eine Gesellschaft organisieren wollen. Ein aufgeklärter Grieche meinte pragmatisch: “Es ist einfacher einen Staat in den Wolken zu entwerfen, als auf Erden ein Staat ohne Götter zu regieren.” Alle freidenkerischen Musterstaaten (Frankreich, Türkei und USA) sind weit entfernt davon, “säkular” zu sein: im Gegenteil, sie entwickeln sich in eine andere Richtung.
Was ich in Arth an Freidenkerei ansichtig wurde, das war eher eine wegsterbende Selbsthilfegruppe. Bisher sind die Freidenker nur durch eine solide Medienarbeit aufgefallen. Jedes Vorstandsmitglied wurde in einem ganzseitigen Porträt abgefeiert. Dies hängt mit den serbelnden Printmedien zusammen, die gerne einen “Aufreger” im Blatt haben, der dann einen Rattenschwanz von Leserbriefen nach sich zieht. Dass “Medienwirklichkeit” und Abstimmungsresultat nicht übereinstimmen, konnte man in den letzten Jahren gut beobachten. Und gerade die Partei, die am meisten Erfolg in dieser Hinsicht hat, stellt sich im Wallis den “Freidenkern” in den Weg. Der Durchmarsch bei den Redaktionen ist schneller erreicht als der Durchmarsch an den Urnen.
Und was die Verdienstmöglichkeiten betrifft. Im Gegensatz zu den selbstberufenen Freidenkern, gibt es für Theologen eine dreifache Hürde: solide wissenschaftliche Ausbildung an einer staatlichen Universität in Theologie, Eignungsprüfung im Vikariat durch die Landeskirche und Ordination und schliesslich die Wahlvorschlag durch eine vom Kirchenvolk gewählte Pfarrwahlkommission und Urnenwahl.
@ Herr Girardet:
Ueber die bigottgynokratischen US-Genozider, Sklavenhalter, Kriegs- und Kolonialverbrecher, die staatliche Macht gar zu Eheschliessungen mit von einer staatlichen Willkuerjuxtiz staatlich durchgesetzten Rechtsfolgen an Pfaffen delegieren, zu diskutieren ist muessig.
Die franzoesische Revolution hatte einen saeckularen Staat mit Freiheit (fuer alle, nicht nur fuer Reichlinge und deren Marionetten in Politik, Juxitz und Klerus), Gleichheit (fuer alle, ohne Apartheid gegen Vermoegenslose) und Bruederlichkeit (die sich erst mit der industriellen Massenproduktion nicht nur selektiv entwickeln konnte) geschaffen. Sogar die sich trotz Kaputtkrampfen mehr regelmaessig als nur maessig mit religioesen oder anderen ideologischen Kriegen ruinierenden anstatt die Fruechte ihres Ueberfleisses geniessenden Deutschen gaben ihrem Neid mti “Leben wie Gott in Frankreich” Ausdruck.
Nicht zu bestreiten ist – leider, dass die buchtheokratische Zwangsmissionierung durch fremde Maechte auch in der Tuerkei und Frankreich die saeckular freie Lebensqualitaet des lohn- und rentenabhaengigen Teils der Bevoelkerung neofeudal zu keulen beginnt….
@ GG Hinweis auf Ihrer Vereinsseite: Der holländische Pfarrer Klaas Hendrikse sagt von sich, dass er nicht an Gott glaubt. Im September erscheint sein Buch «croire en dieu qui n’existe pas» auf französisch im Verlag «labor et fides» in Genf. http://www.reformiert.info/artikel_8856.html
Der plädiert immerhin dafür, die Kinder vor dem Begriff “Gott” zu verschonen – das wäre eine reformierter Ansatz.
A propos Kindergartenweltbild und Reformierte: Was sollen denn vernünftige Menschen von der Rubbeloffensive halten:
http://www.ref.ch/de/hauptseiten/news/schweiz/#c3288
@Freiherr: da sind sie ja wieder. Es freut mich, dass Sie gesund sind und noch losdonnern können. Sie entschuldigen mich aber, wenn ich Ihre Sätze nicht kommentiere.
@Frau Caspar, seit ich Ihre Klentele ihm Nahkampf kenenlernte, weiss ich, dass sie geduldig sind, ein barmherziges Herz haben und über vieles hinwegsehen können. Zur Soziologie von menschlichen Zusammenrottungen gehört, das was Mani Matter in dem Liedchen: “Ich bin imene Verein” gesagt hat. Die Kirche ist ja auch kein Verein, sondern eine öffentliche Körperschaft, eine wunderbare Schule der Toleranz auf der Suche nach Wahrheit “in Christo”. Leider sind die Freidenker eine Sekte, welche die Wahrheit “extra Christo” suchen wollen. Es gibt in meiner Kirche Menschen, die täglich Psalmen beten, solche die kontemplativen Zen-Buddhismus mögen, andere schätzen Bach, während dritte wieder auf Rock-Gottesdienste abfahren. Sehr viele finden es praktisch Pubertierende dem Pfarrer eine Woche an den Hals zu hängen um sie dann in der schmucken Kirche wieder abzufeiern. Die Kirche, als öffentliche Körperschaft ist die grosse Schule der Toleranz (Luk. 6, 37). Und ja, das mit dem Rubbeln, das Verstehe ich ebensowenig, wie Ihre doofe Plakat-Aktion. Ich fühle mich von den Rubblern ähnlich gut repräsentiert, wie der drahtige Kyriacou sich repräsentiert fühlt wenn Frau (sorge dich nicht und geniesse das Leben) Caspar im “Club-Sessel” am Fernsehen rumlümmelt. Immerhin hat meine Kirche mit der Rubbel-Aktion, ihre Aufmerksamkeit erregt: mehr wollten Sie ja mit Ihren doofen Plakaten auch nicht erreichen. Es ist kein Glanzstück reformierten Marketings.