(hpd) Einen großen Teil ihres Ansehens beziehen die Kirchen aus ihrer (angeblichen) sozialen Tätigkeit. Künftig wird man jedoch legitim argumentieren dürfen, dass von den Kircheneinnahmen nur etwa 5 % direkt für soziale Zwecke ausgegeben werden.
Einer der besten Finanzexperten der Katholischen Kirche, der ehemalige Generalvikar des Erzbistums Köln und zeitweise Caritas-Direktor Norbert Feldhoff, hatte 1990 in der Kirchenzeitung des Erzbistums Köln erklärt: „Vielfach geht man von falschen Tatsachen aus und operiert mit Scheinargumenten. So wird der Kirche immer wieder unterstellt, sie benötige die Kirchensteuer, um ihre umfangreiche Sozialarbeit zu finanzieren. Die Gegner der Kirchensteuer haben mit diesem Argument leichtes Spiel, weil es in der Tat nicht stimmt und meines Wissens auch noch nie von einem Kenner der Sache so vorgetragen worden ist. Wie wird die Sozialarbeit der Kirche tatsächlich finanziert, und welche Rolle spielt dabei die Kirchensteuer?
Die meisten Sozialeinrichtungen ‘verdienen’ die Mittel, die sie benötigen, als Leistungsentgelte (beispielsweise über Pflegesätze), und die Finanzierung ist durch staatliche Kostenträger weithin gesetzlich geregelt. [...] Kirchliche soziale Einrichtungen werden nach denselben Regeln finanziert wie die der Kommunen. Trotz der klaren gesetzlichen Bestimmungen muß allerdings auch hier in manchen Fällen das Bistum aus Kirchensteuermitteln helfen. Kaum eine Kapelle in diesen Sozialeinrichtungen wäre ohne Kirchensteuerzuschuß finanzierbar.”
Seit den neunziger Jahren versuchen Kirchenkritiker und Kritiker der Kirchensteuer abzuschätzen, welcher Anteil der Kirchensteuern für soziale Zwecke ausgegeben wird. Umgekehrt versuchen die Kirchen, diese Information so gut es geht zu verschleiern, da sie gerne – freilich ohne Nennung des geringen Anteils – auf ihr soziales Engagement verweisen und genau wissen, dass es genau dieser Irrtum ist, der viele Leute weiterhin ihre Kirchensteuer zahlen lässt. Falls den Kirchenmitglieder bekannt wäre, dass die Kirchen tatsächlich keine „Sozialkirchen“ sind, würde rund die Hälfte der Kirchenmitglieder aus der Kirche austreten.
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Schlagworte: Sozialstaat









Zum Glück bin ich schon lange aus der Kirche ausgetreten, so dass ich nicht mehr (direkt) zu deren Finanzierung beitrage.
das Tragische an der Geschichte ist ja nicht einmal, dass die Kirchensteuern für anders als Soziales verwendet werden (abgesehen von den Zwangssteuern für Unternehmen in den Kantonen). Vereinsbeiträge sind ja für Vereinszwecke nutzbar und ich wüsste nicht, was die Landeskirchen mit Vorstellungen einer gerechten Welt zu tun haben könnten. Schlimmer ist jedoch vielmehr, dass kirchliche Träger mit Geldern aus anderen Honigtöpfen ihre eigenen Interessen der Mission verfolgen, statt die Bedürfnisse und Probleme potentieller Klientel in den Mittelpunkt zu rücken. Dieses Geld fehlt dann säkulären und vor allem professionelleren Organisationen. Von all den evangelikalen Heimen und sonstigen Stätten in und um die Schweit soll hier gar keine Rede sein. Wenn man sich jedoch in den Bildungsstätten des Pflegerischen (und vor allem) Sozialen Bereich umsieht, passt das ganze ja auch ganz gut zu all den FreikirchengängerInnen die sich dort so tummeln und später einmal ein bisschen “Menschen helfen” und vor allem ihr imaginäres Alphamännchen präsentieren wollen. Und wenn diese Klienten und Patienten nicht hören wollen, sollen sie sich halt selbst helfen, schliesslich ist die Zeit auf Erden knapp und ein Soll zu erfüllen… und da wundern sich welche, warum pflegerische und soziale Berufe in der Öffentlichkeit wenig ernst genommen werden…